Technische Due Diligence

Technische Due Diligence

Geht es um einen Unternehmenskauf, Firmenverkauf oder ein konkretes Investitionsvorhaben, taucht immer häufiger der begriff technische Due Diligence auf. Umfassende Due Diligence Prüfungen, die auch den technischen Bereich einbeziehen, erweisen sich als notwendig und vorteilhaft, um die möglichen Risiken von Investitionsentscheidungen frühzeitig zu erkennen und einen realistischen Kaufpreis zu ermitteln.

Due Diligence – Begriffserklärung

Was ist genau eine technische Due Diligence?

Was ist genau eine technische Due Diligence?

Wörtlich lässt sich der Begriff “Due Diligence”, der ursprünglich aus dem englischen Sprachraum stammt und heute weltweit von Fachleuten benutzt wird, als ‚gebotene Sorgfalt‘ übersetzen. Schon aus dieser Übersetzung lässt sich die Bedeutung sowie die Wichtigkeit solcher Prüfungen erkennen. Kein Investor möchte bei einem Firmenkauf ein unnötiges Risiko eingehen. Um den Wert eines komplexen Kaufobjektes und die eventuell verborgenen Risiken bereits im Vorfeld so genau wie möglich einschätzen können, müssen vor dem Kauf eines Unternehmens oder eines komplexen Immobilienprojekts  viele Informationen zusammengetragen und unter verschiedenen Gesichtspunkten ausgewertet werden. Spezielle technische Aspekte werden im Rahmen einer technischen Due Intelligence geprüft, während vor allem wirtschaftliche und finanzielle Fragestellungen im Rahmen der Financial Due Diligence überprüft werden.

In der Praxis beauftragt in der Regel der Käufer häufig Wirtschaftsprüfer und andere externe Fachleute mit der Bewertung des Investitionsobjektes. Im Auftrag des Interessenten analysieren die Experten die Schwächen und Stärken der angebotenen Firma gründlich und umfassend. Das abschließende Ergebnis dieser detaillierten Untersuchung wird in einem Bericht zur technischen Due Diligence zusammengefasst.

Technische Due Diligence

Es liegt auf der Hand, dass bei solchen Analysen die finanziellen und ökonomischen Fragen eine zentrale Rolle spielen. Doch nicht weniger wichtig sind in vielen Fällen die technischen Aspekte des zu bewertenden Objektes. Wer sich für die zu erwartende Rendite eines Investments interessiert, kommt an technischen Details in den meisten Fällen nicht vorbei. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Investition um eine Immobilie oder ein großes Industrieunternehmen handelt. Dieser Teil der Risikoprüfung wird als Technical-DD oder umgangssprachlich als technische Due-Diligence bezeichnet.

Die technische Due Diligence kann also als Teilbereich der umfassenden Risikoprüfung im Rahmen einer Due Diligence angesehen werden. Die Fachleute, die diesen Teil der Arbeit übernehmen, sind häufig Ingenieure oder erfahrene Techniker, die über das erforderliche Spezialwissen verfügen. Diese Experten wissen genau, welche Informationen erforderlich sind, um die verwendeten Technologien und die vorhandene Technik exakt zu bewerten.

Bei solchen Untersuchungen geht es nicht allein um den Ist-Zustand einer Immobilie oder einer technischen Ausstattung, sondern auch um Fragen der Instandhaltung und Instandsetzung. Mindestens genauso wichtig ist bei den meisten Objekten die gegenwärtige Auslastung der Technik und das Modernisierungs-Potential. Erst wenn alle diese Informationen vollständig zusammengetragen und ausgewertet sind, lässt sich die Investitionssumme fundiert berechnen. Diese Informationen fließen zusätzlich in die Financial Due Diligence ein. Außerdem dient das Zahlenwerk als Basis für Kostenprognosen für den späteren Käufer.

Je komplexer und größer das zu bewertende Investitionsobjekt ist, desto aufwendiger sind technische Due Diligence und Financial Due Diligence. In der Praxis erweist es sich daher als vorteilhaft, wenn vor dem Start einer solchen Prüfung vom Auftraggeber eine Checkliste erarbeitet wird, die von den beauftragten Experten Punkt für Punkt abgearbeitet werden kann.

Lese-Tipp: Eine ausführliche Due Diligence Checkliste können Sie hier herunterladen.

Risiken für den Verkäufer

Risiken vermeiden während einer  technischen Due Diligence

Risiken vermeiden während einer technischen Due Diligence

Soll ein Unternehmen verkauft werden, in dem technologische Fragen eine besonders wichtige Rolle spielen, kann genau hierbei einen Interessenkonflikt entstehen. Der Verkäufer muss befürchten, dass sich Konkurrenten als Interessenten ausgeben, um an wertvolle Informationen zu gelangen, die wettbewerbsrelevant sind. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass sich in der Belegschaft Nervosität und Unruhe ausbreitet, wenn plötzlich externe Fachleute sämtliche Bereiche des Unternehmens gründlich unter die Lupe nehmen. Um Gerüchten keine Nahrung zu bieten, ‚tarnen‘ sich manche Spezialisten. die mit solchen Untersuchungen beauftragt wurden. Sie geben sich dann als Mitarbeiter einer Bank oder als Techniker aus, um ungestört und möglichst neutral arbeiten zu können.

Noch schwerwiegender sind die Bedenken, wenn es um Betriebsgeheimnisse und innovative Schlüsseltechnologien geht. Diese Faktoren haben eine zentrale Bedeutung für die Kaufsumme. Insofern ist der Verkäufer gezwungen, mit offenen Karten zu spielen, um das Interesse der Käufer zu steigern. Gelangen jedoch durch Indiskretion sensible Daten an die Öffentlichkeit oder bekommen Fremde Kenntnis von wichtigen Forschungsergebnissen, kann der Schaden für den Verkäufer existenzbedrohend sein.

Welche Vorteile bietet Vendor Due Diligence?

Unter Umständen kann in solchen Fällen das sogenannte Vendor Due Diligence Verfahren ein Ausweg sein. In diesem Falle geht die Initiative für die Überprüfung vom Verkäufer aus. Manche Verkäufer lehnen Vendor Due Diligence wegen der zu erwartenden Kosten ab. Doch das Verfahren bietet bei bestimmten Fällen eine ganze Reihe von Vorteilen, die diesen Nachteil aufwiegen. Der Verkäufer hat die volle Kontrolle und weiß genau, wer welche Informationen bekommt. Außerdem kann er bei der Überprüfung möglicherweise Schwachstellen erkennen und beseitigen, die den Verkaufspreis drücken könnten. Spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, ist dieses Verfahren besonders zu empfehlen. Der Verkäufer kennt alle relevanten Daten und kann die Fachleute effektiv bei ihrer Analyse unterstützen. Allerdings akzeptiert nicht jeder potentielle Käufer eine solche Überprüfung und möchte sich selbst ein Bild machen.

Financial Due Diligence

Als financial Due Diligence wird der Teil eines Due Diligence Verfahrens bezeichnet, in dem das Vermögen, die Ertragslage und die Finanzen des zu veräußernden Unternehmens objektiv bewertet werden. Wirtschaftsfachleute analysieren Gewinne und Verluste, überprüfen die Bilanzen und berechnen den Cashflow. Um das Potential des Unternehmens einzuschätzen, werden die Entwicklung von Umsatz und Ergebnis und anderen wichtigen Unternehmenszahlen in diesem speziellen Bereich der Due Diligence genau erfasst und analysiert.

Lese-Tipp: Diese Dokumente sollten Sie in einer Due Diligence bereitstellen

Bereitstellung des Due Diligence Reports im Datenraum

Experten in einer Beratung zur technischen Due Diligence

Experten in einer Beratung zur technischen Due Diligence

Die Ergebnisse der vielfältigen Untersuchungen und Analysen werden zunächst von einem erfahrenen Team ausführlich diskutiert und abschließend in einem Bericht zusammengefasst. Die meisten Firmen speichern die Due Diligence Berichte anschließend in einem Datenraum ab. Als besonders vorteilhaft erweist sich dieses Verfahren, wenn mehrere potentielle Käufer bereitstehen oder eine Auktion geplant ist. Dann müssen die relevanten Unterlagen nicht in physischer Form bereitgestellt werden, sondern können gleichzeitig von verschiedenen Personen eingesehen werden. Für den Verkäufer ist ein solches Verfahren ebenfalls vorteilhaft, weil es Kosten und Zeit spart. Außerdem müssen auf diese Weise keine Originalunterlagen herausgegeben werden und der Verkäufer hat jederzeit die volle Kontrolle über die veröffentlichten Daten und Informationen.

Fazit zur technischen Due Diligence

Die technische Due Diligence ist ein wesentlicher Bestandteil einer Due Diligence Prüfung. Dabei liegt der Fokus der Prüfer auf den technologischen Aspekten des Investments. Um die technische Qualität eines Investments zuverlässig einschätzen zu können, werden Spezialisten aus den jeweiligen Fachbereichen hinzugezogen. Die wichtigsten Informationen werden in einem Report im Rahmen der Due Diligence zusammengestellt.

Der Käufer hat auf diese Weise die Möglichkeit, anhand der übersichtlich aufbereiteten Daten die Investitionssumme und den Aufwand realistisch festzustellen und den erforderlichen Investitions- und Instandsetzungsbedarf abzuschätzen. Interessieren sich mehrere Käufer für ein bestimmtes Objekt, ist es vorteilhaft, die wichtigsten Daten des erstellten Reports in einem virtuellen Datenraum zur Verfügung zu stellen.

Wenn Sie mehr über die Ablauf einer technischen Due Diligence im Zusammenspiel mit einer Due Diligence erfahren möchten, so stehen Ihnen die Berater des docurex Datenraums gerne zur Verfügung. Wir freuen uns auf Sie.

Die Struktur einer Bilanz

Was ist eine Bilanz?

Bilanzen sind ein elementarer Bestandteil der Buchführung und müssen zur Dokumentation, Information und Gewinn- und Verlustrechnung von jedem Unternehmen erstellt werden. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Bilanz, wie Eröffungsbilanz, Steuerbilanz und Handelsbilanz, die jedoch alle einem sehr ähnlichen Aufbau folgen.

Was versteht man unter dem Begriff „Bilanz“?

In der Bilanz werden Vermögen und Kapital eines Unternehmens am sogenannten Bilanzstichtag (meistens der 31.12. eines jeden Jahres) gegenübergestellt. Während im Inventar Vermögensgegenstände mit Wertangabe und Menge aufgelistet werden, wird in der Bilanz nur der Wert des jeweiligen Vermögensgegenstands angegeben.

Die Bilanz setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Den Aktiva (Vermögensgegenstände) auf der linken Seite, die zeigen, wie die finanziellen Mittel des Unternehmens eingesetzt werden, und den Passiva (grob gesagt das Kapital), die die Ansprüche der Gläubiger an das Unternehmen (Fremdkapital) sowie die der Unternehmer auflisten. Letztere werden als „Eigenkapital“ bezeichnet und ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Vermögen und dem Fremdkapital.

Eine wichtige Regel ist die sogenannte Bilanzgleichung. Sie sagt aus, dass die Bilanz immer ausgeglichen sein muss. Das bedeutet, dass die Summe der Aktiva immer der Summe der Passiva entspricht. Dies ist der Fall, da die Aktivseite die Mittelverwendung angibt, während die Passivseite die Mittelherkunft, also die Schulden des Unternehmens wie Hypotheken und Kredite verzeichnet, die zur Finanzierung der Vermögenswerte verwendet werden.

Woraus setzt sich die Bilanz zusammen?

Die (linke) Aktivseite wird grob in die beiden Bestandteile Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt. Ersteres sind jene Teile des Unternehmens, die dem Betriebszweck dienen und nicht veräußert werden sollen. Letzteres sind Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsvertrieb dienen und zum Verbrauch, zur Verarbeitung, zur Rückzahlung oder zur kurzfristigen Veräußerung gedacht sind. Hierzu zählen etwa Rohstoffe oder Material, das verarbeitet wird.

Die Passivseite besteht aus den beiden Posten Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Das Eigenkapital oder Reinvermögen ist eine rechnerische Größe, die sich ergibt, wenn die Summe der Schulden vom Vermögen abgezogen wird. Verbindlichkeiten gehören zu den Schulden und bezeichnen die finanzielle Verpflichtungen, die ein Unternehmen gegenüber seinen Gläubigern, also beispielsweise Lieferanten oder Kreditgebern, offen hat.

Aktiv- und Passivseite der Bilanz im Detail

Die drei Bestandteile Anlagevermögen, Umlaufvermögen, und Verbindlichkeiten, können in die  Kategorien von Vermögen und finanziellen Verpflichtungen aufgeteilt werden.

Die linke Aktiv-Seite der Bilanz wird in Deutschland meistens nach dem folgenden Schema gegliedert:

Die Struktur einer Bilanz

Die Struktur einer Bilanz

I. Aktiva

  1. Anlagevermögen:
  2. a) immaterielle Vermögensgegenstände wie beispielsweise Patente, Lizenzen und geistiges Eigentum an einem Namen oder einer Marke
  3. b) Grundstücke und Gebäude
  4. c) technische Anlagen und Maschinen
  5. d) Fuhrpark
  6. e) Ladeneinrichtung
  7. f) Betriebs- und Geschäftsausstattung
  8. g) Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Beteiligungen an anderen Unternehmen
  1. Umlaufvermögen:
  1. a) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die zur Produktion benötigt werden
  2. b) unfertige Erzeugnisse
  3. c) fertige Erzeugnisse
  4. d) Handelswaren
  5. e) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, d.h. finanzielle Verbindlichkeiten für gelieferte Waren und Dienstleistungen, die ein anderes Unternehmen als Schuldner gegenüber dem eigenen Unternehmen hat
  6. f) sonstige Forderungen
  7. g) Bankguthaben
  8. h) Kasse (Bestand an Bargeld)
  1. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten:

Rechnungsabgrenzungsposten (RAPs) werden benötigt, um gemäß der Grundsätze korrekter Buchhaltung Gewinn und Verlust richtig zu verbuchen.

Der Bilanzstichtag, ein bestimmter Zeitpunkt, für den die Bilanz erstellt wird (wie beispielsweise der 31. Dezember bei einer Jahresbilanz), trennt dabei Bezahlung und Lieferung einer Leistung.

Ein Beispiel dafür ist die Miete, die quartalsweise im Voraus gezahlt wird. Die Bezahlung erfolgt also vor der Lieferung der Leistung, was den RAP zu einem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten macht.

Wenn mindestens einer der Monate, für die Miete bezahlt wurde, auf einen Zeitpunkt nach dem Bilanzstichtag fällt, muss ein Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden: Der Betrag, der für die Miete in der Folgeperiode fällig wird, wird so vom Mietkostenbetrag der Zeit vor dem Bilanzstichtag abgegrenzt. Somit fällt der Mietaufwand in die beiden Perioden, in denen auch die Leistung erfolgt, und der Aufwand wird korrekt in zwei verschiedenen Perioden bilanziert. Rechnungsabgrenzungsposten werden in der Folgeperiode (also meist im kommenden Bilanzjahr) aufgelöst, indem der Betrag auf ein anderes Konto verbucht wird.

Die (rechte) Passivseite einer Bilanz gliedert sich wie folgt:

II. Passiva

  1. Eigenkapital

Bedingt durch die Natur seiner Bildung durch die Subtraktion der Schulden vom Vermögen kann das Eigenkapital sowohl positiv als auch negativ sein. Im ersten Fall spricht man von einem Gewinn, im zweiten von einem Verlust. Das Eigenkapital ist zudem der Betrag, der die Bilanz ausgleicht.

  1. Verbindlichkeiten
  2. a) Hypotheken, also Darlehen, für das Unternehmen als Hypothekennehmer als Pfand Rechte an seiner Immobilie abtritt
  3. b) Darlehen/Kredite
  4. c) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, das heißt Forderungen, die beispielsweise ein anderes Unternehmen für eine erbrachte Leistung oder eine gelieferte Maschine an das eigene Unternehmen stellt
  5. d) sonstige Verbindlichkeiten
  1. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Das Gegenstück zur aktiven Rechnungsabgrenzung auf der linken Aktivseite ist der passive Rechnungsabgrenzungsposten auf der rechten Passiv-Seite, bei dem die Lieferung vor der Bezahlung erfolgt ist. Auch hier müssen immer dann, wenn die Zeitraum der Inanspruchnahme der Leistung nicht deckungsgleich mit dem Bilanzzeitraum ist, eine passende Abgrenzung in der Bilanz vorgenommen werden.

Königsdisziplin: Die Bilanzanalyse

Wirklich interessant werden Bilanzen wenn Sie Bilanzen aus mehreren, hintereinander liegenden  Jahren vergleichen können. Dies ist typischerweise bei der Beurteilung eines Unternehmens beim Unternehmens-Verkauf im Rahmen einer Due Diligence der Fall.

In solchen Fällen werden Sie in einem digitalen Datenraum die gleich strukturierten Bilanzen mehrerer Jahre sprichwörtlich nebeneinander legen wollen. Dabei sollten Sie auf folgende Bestandteile der Bilanz achten:

  • Wie verändert sich der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn? Sinkt oder steigt er – oder ist sogar ein Verlust ausgewiesen?
  • Wie hat sich das Eigenkapital der Firma verändert? Nimmt es zu oder muss ein Unternehmen mit dem Gewinn aus den Vorjahren einen Verlust im laufenden Jahr kompensieren?
  • Wie verändert sich das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital und die daraus resultierende Verschuldungs-Quote des Unternehmens
  • Wie hoch sind die Bestände an fertigen Waren sowie die Roh- und Hilfsstoffe im Jahresvergleich? Hat das Unternehmen bereits produzierte Waren „auf dem Hof“ stehen und kann sie nicht verkaufen?

Neben dem Studium der Bilanz sollte man als Käufer beim Erwerb eines Unternehmens natürlich immer auch einen Blick in die Gewinn-und-Verlustrechnung der jeweiligen Bilanzjahre werfen. Weitere Kennzahlen wie etwa die Umsatzrentabilität lassen sich aus einer detaillierteren GuV-Rechnung sehr viel leichter heraus lesen als aus der Bilanz, in der die Zahlen sehr verdichtet dargestellt werden.

Als Teilnehmer einer Kaufprüfung (Due Diligence) müssen Sie die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Analyse von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben. Mehr Begriffe aus Controllung, Buchhaltung und Betriebswirtschaftslehre finden Sie in unserem BWL-Lexikon.

 

Auch lesenswert:

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Was ist eine Eröffnungsbilanz

Unter einer Eröffnungsbilanz wird eine Bilanz verstanden, die bei der Gründung eines Unternehmens oder zu Anfang eines neuen Wirtschaftsjahrs erstellt wird. Jeder Unternehmer, der nach § 242 HGB verpflichtet ist, regelmäßig Bilanzen zu erstellen, muss also auch eine Eröffnungsbilanz anfertigen.

Welcher Zweck steckt hinter Eröffnungsbilanzen?

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Zum einen verfolgen Bilanzen wie die Eröffnungsbilanz eine Dokumentationsfunktion. Bei ihr werden sich Vermögen und Schulden bei der Gründung eines neuen Unternehmens bzw. zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres gegenüber gestellt. So kann die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens auch von Außenstehenden erfasst werden. Bei bereits bestehenden Unternehmen ist zu beachten, dass sich die eröffnende Bilanz mit der Schlussbilanz decken muss. Diese Tatsache wird auch als Bilanzkontinuität bezeichnet.

Die Dokumentationsfunktion der eröffnenden Bilanzform erstreckt sich beispielsweise auf die Höhe der Einlagen der Gesellschafter und die Ausgestaltung der Sacheinlagen. Ein anderer Zweck von Eröffnungsbilanzen ist, dass die Unternehmen selbst einen Überblick über die finanziellen Mittel erhalten, die ihnen im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Unternehmen, die nicht erst neu gegründet wurden, können zudem die eröffnende Jahresbilanz dieses Jahres mit der Vorjahresbilanz vergleichen und dadurch sehen, wie erfolgreich sich das Unternehmen langfristig entwickelt hat bzw. zukünftig entwickeln könnte. Diese Bilanzform kann also auch als Prognoseinstrument fungieren.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass die Erstellung einer Schlussbilanz zum Ende eines Geschäftsjahres nur möglich ist, wenn die Vermögens- und Kapitalverhältnisse zu Beginn eines Geschäftsjahres bekannt sind.

Wie wird eine Eröffnungsbilanz erstellt?

Eröffnungsbilanzen bestehen wie in der „normalen“ Bilanz aus einer Aktiv und einer Passiv Seite. Wie bei anderen Bilanzen auch, werden Gegenstände des Unternehmens im Eröffnungsbilanzkonto entweder auf der Soll oder der Haben Seite aufgelistet. Auf der Haben Seite finden sich beispielsweise Posten wie das Eigenkapital oder Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, während auf der Soll Seite des Eröffnungsbilanz-Kontos der Besitz von Sachanlagen, die Kasse oder der Stand des Warenlagers aufgelistet wird.

Das Eröffnungsbilanzkonto hat dabei den Zweck, die Bestandskonten zu eröffnen. Zwar könnten die Bestandskonten auch ohne eine Gegenbuchung verzeichnet werden, allerdings widerspreche dieses Vorgehen dem Prinzip der doppelten Buchführung. Wer über eine Buchhaltungssoftware verfügt, kann sich glücklich schätzen, da sich bei ihr in aller Regel die Eröffnung der Konten automatisch ergibt. Grundsätzlich werden im Eröffnungsbilanzkonto (EBK) alle Gegenstände erfasst, die aus dem Vorjahr übernommen wurden.

In welchem Zusammenhang stehen Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüsse?

Die eröffnende Bilanz muss auch deswegen erstellt werden, um den Jahresabschluss am Ende des Wirtschaftsjahres anfertigen zu können. Die Schlussbilanz wird gebildet, indem die Eröffnungsbilanz, sowie die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gegeneinander aufgerechnet werden. In der Schlussbilanz wird das Verhältnis von Aufwand und Ertrag eines Jahres abgebildet. Gemäß des § 257 HGB sowie der § 147 AO müssen Eröffnungsbilanzen übrigens 10 Jahre lang aufbewahrt werden.

In welchen Fällen müssen Eröffnungsbilanzen erstellt werden?

Sowohl bei einer Unternehmensgründung, als auch bei einer Unternehmensumwandlung müssen Sie zwingend Eröffnungsbilanzen erstellen. Das gleiche gilt für den Fall, dass zwei Unternehmen fusionieren oder sich in einem Unternehmen ein Besitzerwechsel vollzieht. Ebenfalls sollten Sie beim Wechsel der Rechtsform oder beim Ausscheiden eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft die Pflicht zur Erstellung von Eröffnungsbilanzen beachten. Für Eröffnungsbilanzen gelten gemäß § 242 Abs. 1 HGB die gleichen Vorschriften wie für die Erstellung einer Jahresbilanz.

Wer muss Eröffnungsbilanzen erstellen?

Die Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften – also AG, GmbH oder auch UG – sind dazu verpflichtet, Bilanzen und damit auch Eröffnungsbilanzen, zu erstellen. Unterschrieben werden muss diese Bilanzform von allen Führungskräften.

Welche Frist gilt für die Erstellung von Eröffnungsbilanzen?

Aktiengesellschaften und große bis mittelständische GmbHs müssen ihre Eröffnungsbilanzen innerhalb von 3 Monaten nach ihrer Gründung fertigstellen. Bei UGs, sowie kleineren GmbHs, werden Erstellungsfristen von bis zu 6 Monaten akzeptiert. Bevor Sie also fälschlicherweise von einer 6 monatigen Abgabefrist ausgehen, sollten Sie sich über die in Ihrem Fall geltenden Fristen informieren. So entgehen Sie möglichen unangenehmen Konsequenten von Seiten des Finanzamts oder gar strafrechtlichen Folgen.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil der BWL-Fachbegriffe, die wir im Blog von docurex.com erläutern.