Familienunternehmen – Chancen, Risiken, Beispiele!

Wenn eine Familie ein Unternehmen führt, dann trifft kein Außenstehender Entscheidungen. In Deutschland sind Familienunternehmen nach wie vor weit verbreitet und bilden eine tragende Säule der Wirtschaft. Familienbetriebe basieren häufig auf einem soliden Fundament und weisen gemeinsame Werte sowie eine hohe Leistungsbereitschaft auf. Allerdings birgt die Gründung eines Familienunternehmens auch ein paar Risiken.

Familienunternehmen: Definition

Familenunternehmen gehören zu den ältesten Organisationsformen. Sie existieren in zahlreichen Ländern und bis heute haben Familienunternehmen nichts an ihrer Attraktivität eingebüßt. Selbst in Zeiten des digitalen Wandels sind Familienbetriebe weiterhin wettbewerbsfähig, da sie auf einem soliden Fundament aufgebaut sind. Geführt werden Familienbetriebe in der Regel von zwei oder mehreren Familienmitgliedern. Typische Merkmale eines Familienbetriebs sind Stimmrechtskontrolle, Mehrheitseigentum, die Beteiligung mehrerer Generationen sowie die Entscheidungsgewalt.

Familienunternehmen basieren auf unterschiedlichen Strukturen, Entscheidungen und Aspekten. So gibt es Familienbetriebe, in denen die Mehrheit der Anteile in Besitz eines Familienmitglieds oder der gesamten Familie ist. Bei einer weiteren Form des familiengeführten Betriebs liegt die Kontrolle in der Hand eines einzelnen Familienmitglieds oder einer einzelnen Familie. Wenn ein Familienmitglied oder eine Familie die Mehrheit der Anteile besitzt und gleichzeitig ein Familienmitglied im Vorstand sitzt, spricht man ebenfalls von einem familiengeführten Unternehmen.

Welche volkswirtschaftliche Bedeutung haben Familienunternehmen?

Haben familiengeführte Unternehmen überhaupt noch eine volkswirtschaftliche Bedeutung? Und ob! Gerade in Deutschland bilden Familienbetriebe den größten Anteil an aktiven Unternehmen in Deutschland. Weltweit werden deutsche Familienbetriebe

Familienunternehmen

Was bringt ein Familienbetrieb?

um ihre ökonomische Kreativität und Effizienz beneidet. Circa die Hälfte des Umsatzes und der Gesamtbeschäftigung in der Privatwirtschaft wird Familienunternehmen zugeschrieben. Familienbetriebe sind also nach wie vor bedeutend für die Volkswirtschaft – und das, obwohl in Familienbetrieben im Durchschnitt gerade einmal zehn Beschäftigte arbeiten. Der Anteil an Familienunternehmen ist vor allem im Handelssektor und in der Baubranche hoch. In den neuen Bundesländern weisen familiengeführte Betriebe quantitativ betrachtet eine höhere Bedeutung auf. Lesen Sie hier alles zum Thema Handel in Deutschland.

Unangefochten auf Platz 1 der deutschen Familienunternehmen steht Volkswagen. Mit 640.000 Mitarbeitern ist der Familienkonzern gleichzeitig der größte Arbeitgeber Deutschlands. Pro Jahr erwirtschaftet das Unternehmen rund 250 Milliarden Euro. Über die Porsche Automobil Holding sind die Familien Piëch und Porsche die größten Volkswagen-Aktionäre. Auf dem zweiten Platz der erfolgreichsten deutschen familiengeführten Unternehmen befindet sich BMW. Mit einem Umsatz von circa 100 Milliarden Euro pro Jahr ist BMW eines der erfolgreichsten Familienbetriebe aus Deutschland. Erwähnenswert sind auch die Schwarz-Gruppe (Mutterunternehmen der Supermarktketten Kaufland und Lidl) sowie der Discounter Aldi Nord/Süd.

Was sind die Vorteile eines Familienunternehmens?

Verbindlichkeit und Loyalität

Familien, die zusammenarbeiten, sind häufig eher dazu bereit, sich zu engagieren und zusätzliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen. So werden z.B. öfter Überstunden gemacht, um den Erfolg des Familienunternehmens zu sichern. Da Geschäftsvisionen, Ziele und Werte mit den anderen Familienmitgliedern geteilt werden, besteht oft eine erhöhte Leistungsbereitschaft. Darüber hinaus zeigen Familienmitglieder oft ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Sie berücksichtigen nicht nur die Bedürfnisse des Unternehmens, sondern auch die der Familie.

Vertrauen

Wer ein nicht-familiengeführtes Unternehmen führt, steht zunächst vor der großen Herausforderung, loyale Mitarbeiter zu finden, denen man vertrauen kann. In Familienunternehmen ist Vertrauen meist in ganz natürlicher Form vorhanden. Daher besteht oft eine offene Diskussions– und Streitkultur, die innovative und kreative Ideen hervorbringen kann.

Gemeinsame Werte

Familienunternehmen vertreten zumeist dieselben Werte, Einstellungen und Visionen. Im Vergleich zu anderen Betrieben gibt es weniger Druck, vierteljährliche Berichte für Investoren zu erstellen, sondern der Fokus liegt auf der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens.

Stabilität

Familienbetriebe basieren häufig auf einem soliden Fundament. In Bezug auf Führung, Struktur und Unternehmenskultur weisen Familienunternehmen oft ein hohes Maß an geschäftlicher Stabilität auf. Weist eine Firma einen starken Sinn für Stabilität auf, werden meist auch Prozesse und Richtlinien wesentlich besser befolgt.

Finanzielle Ressourcen

Die Mitglieder des Familienbetriebs setzen in der Regel ihre persönlichen finanziellen Ressourcen ein, um die Firma zu gründen oder wenn sie mit Schwierigkeiten konfrontiert sind. Das hilft letztendlich, die Kosten zu minimieren und das Geschäft zu stärken.

Bereitschaft zu Flexiblität

Familienmitglieder nehmen unterschiedliche Rollen ein und arbeiten gleichzeitig an verschiedenen Aufgaben. Da sich die Familienmitglieder sehr stark mit dem Unternehmen identifizieren, besteht auch eine erhöhte Bereitschaft zur Flexibilität bezüglich der Einsatzbereiche und Arbeitszeiten.

Familienunternehmen: Was sind die Risiken?

Familiäre Konflikte
Familienunternehmen

Nicht alles läuft rund in Familienunternehmen!

Selbstverständlich bergen Familienunternehmen auch einige Risiken. Konflikte kommen natürlich in jedem Unternehmen einmal vor. Allerdings können diese von Familienmitgliedern persönlich genommen werden und zu Ressentiments führen. Werden die Konflikte nicht gelöst, kann das langfristige Schäden nach sich ziehen – sowohl unternehmerisch als auch familiär.

Nachfolge

Führungskräfte stehen in Familienbetrieben manchmal vor der schwierigen Entscheidung mögliche Nachfolger auszuwählen. Wenn diese Entscheidung nicht rechtzeitig getroffen wird, kann die Nachfolgeregelung nicht geplant und umgesetzt werden.

Mangelnde Fähigkeiten

Manchmal werden von leitenden Mitgliedern Familienmitglieder eingestellt, die nicht das notwendige Know-how und die Erfahrung vorweisen, die eigentlich für diese Position notwendig wäre. Da diese ihre Rolle dann oft nicht effektiv ausführen können, wirkt sich das letztendlich negativ auf das Tagesgeschäft aus.

Vetternwirtschaft

Ein weiterer Nachteil in familiengeführten Betrieben ist die Vetternwirtschaft. Das bedeutet, dass Familienmitglieder gegenüber Nicht-Familienmitgliedern bevorzugt werden (selbst wenn Nicht-Familienmitglieder die bessere Qualifikation vorweisen können). Für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg ist es jedoch wichtig, dass Entscheidungen objektiv getroffen werden und Emotionen sowie persönliche Beziehungen ausgeblendet werden.

Was versteht man unter Family Business Governance?

Familiy Business Governance bedeutet, dass die Handhabung von Familien- und Unternehmensfragestellungen gleichwertige Aufmerksamkeit erhält. Family Governance und Business Governance sind einander gegenübergestellt. Diese Strategie zielt darauf ab, gemeinsame Regeln für die Familie und ihren Umgang mit dem Betrieb zu schaffen. Zentrale Instrumente im Family Business Governance sind KonfliktmanagementGesellschafterkompetenzentwicklungFamilienaktivitäten und soziales Engagement. Zu den zentralen Gremien zählen das Family Office sowie der Familienrat/Gesellschafterausschuss.