Haushaltstheorie als Teil der Mikroökonomie

Ein privater Haushalt besteht aus einer oder mehreren natürlichen Personen, die einen gemeinsamen Wirtschaftsplan erstellen. Dieser enthält alle Einnahmen und Ausgaben des Haushalts. Ein Haushalt als Wirtschaftsgemeinschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass er Güter nur für den Eigenbedarf und nicht zum Verkauf auf einem Markt herstellt. Beispiele für solche im Haushalt hergestellten Güter sind Verpflegung der Mitglieder oder Gäste, Kinderbetreuung, Erziehung oder Pflege für alte und kranke Mitglieder des Haushalts. Was also ist die Haushaltstheorie genau?

Wirtschaftliche Fragen über einen Haushalt betreffen die Art und Weise, wie Entscheidungen im Haushalt erfolgen. Die Untersuchung von Haushalten gehört zu den zentralen Themen der Ökonomie. Nicht umsonst ist oikos das griechische Wort für Haus. Ökonomie ist also im weiteren Sinn eine Untersuchung, wie allgemein Haushaltung funktioniert und zwar nicht nur auf eigentliche private Haushalte beschränkt.

Haushaltstheorie als Teil der Mikroökonomie

Alle Haushalte bilden aggregiert die Nachfrage in der Gesamtwirtschaft. Zusammengenommen sind die Haushalte dann

Haushaltstheorie

Die HHT ist in der Mikroökonomie Zuhause.

Gegenstand der Makroökonomie, während ein einzelner Haushalt von der Mikroökonomie untersucht wird. Die Haushaltstheorie begann als eigenständiger Bereich der Mikorökonomie in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunders. Einer der wesentlichen Begründer der Theorie war Gary Becker in Chicago.

Ziele der Haushaltstheorie

Haushalte sind der Ort, an denen der Konsum in der Wirtschaft stattfindet. Dieser Konsum ist letztlich das Ziel jeder wirtschaftlichen Aktivität. Das Verständnis für die Art der Entscheidungsfindung im Haushalt ist deshalb eine zentrale Frage der Ökonomie.

Annahmen

Diese Annahmen werden formuliert, um sich über die Grundlagen der weiteren Überlegungen klar zu werden. Annahmen dienen aber auch dazu, eine Theorie aufbauen zu können und besonders auch mathematische Methoden anzuwenden.
Zu den weitgehend anerkannten Annahmen gehören die folgenden:

  • Den Mitgliedern eines Haushalts sind die eigenen Präferenzen bekannt.
  • Ein einzelner Haushalt kann keine so hohe Nachfrage nach Gütern aufbringen, dass sich der Preis für diese Güter ändert.
  • Die Entscheidungen im Haushalt können frei getroffen werden. Sie sind lediglich eingeschränkt durch das verfügbare Budget.
  • Die Präferenzen zum Konsum sind transitiv. Besteht also eine Präferenz von A über B und B über C, dann gilt nach der Annahme der Transitivität auch, dass die Konsumenten im Haushalt A der Möglichkeit C vorziehen.
  • Vollständigkeit. Diese Annahme bedeutet, dass die Konsumenten zwei Alternativen der Vorliebe nach vergleichen können. Sie können also feststellen, welche Alternative sie bevorzugen oder dass sie keine Vorliebe für eine davon haben.

Es gibt aber auch Annahmen, die unter Umständen getroffen werden und die nicht allgemein gültig und daher nicht unumstritten sind.

  • Unabhängigkeit. Diese Annahme geht davon aus, dass ein Haushalt sich nicht von den Entscheidungen anderer Haushalte beeinflussen lässt. Mode und Trends scheinen dieser Annahme zu widersprechen.
  • Rationale Entscheidungen unter vollständiger Information. Wie rational die Entscheidungen fallen ist die eine Frage. Als sicher kann man ansehen, dass die Informationen nicht immer vollständig vorliegen werden. In manchen Fällen mag die Annahme durchaus realistisch sein, aber eben nicht unbedingt. In der Theorie kann man dann auf eine Behandlung durch Erwartungswerte oder Wahrscheinlichkeiten zurückgreifen.
  • Veblen-Effekt. Dieser besteht aus der Beobachtung, dass im Konsum die Nachfrage mit steigendem Preis nicht immer sinkt. Dieser Effekt lässt sich bei Luxusgütern beobachten, die oft in höherem Maß nachgefragt werden, wenn sie durch einen höheren Preis exklusiver werden.

Haushaltsnachfrage und Haushaltsangebot

Der Haushalt kann sowohl Arbeitskraft und Kapital anbieten. Die Entscheidungen betreffen die Fragen, wieviel von beiden tatsächlich angeboten wird. Das wiederum hängt vom für die Arbeit bezahlten Lohn und dem für das Kapital bezahlten Zinssatz ab. Nachgefragt werden neben Gütern auch freie Zeit. Diese ist das Komplement der Arbeitszeit.

Die intertemporale Haushaltstheorie

Dieser Aspekt der Haushaltstheorie untersucht die zeitlichen Bedingungen für den Konsum. Der Haushalt optimiert nicht nur den Konsum selbst, sondern auch die Zeit, zu der dieser Konsum stattfindet. Zeitliche Verschiebungen laufen darauf hinaus, dass die Mitglieder des Haushalts das verfügbare Budget über- oder unterschreiten. Das bedeutet dann, dass sie entweder einen Kredit aufnehmen oder eine Sparleistung erbringen.

Mathematische Methoden in der Haushaltstheorie

Zwei Güter und deren Verbrauch kann man den zwei Achsen in einem kartesischen Koordinatensystem zuordnen. Ein Punkt in

Haushaltstheorie

Wie genau errechnet sich das Ergebnis?

der Ebene mit x- und y-Koordinate steht dann für einen Verbrauch von x Einheiten des einen und y Einheiten des anderen Guts. Eine sogenannte Indifferenzkurve besteht aus den Punkten, deren zugeordneter Verbrauch der Konsument als gleich wünschenswert empfindet. Auf die Analyse solcher Kurven wendet die Haushaltstheorie mathematische Methoden zur Analyse an. Dazu gehört die Differenzialrechnung und insbesondere die Methode der Lagrange-Multiplikatoren.

Das Rotten-Kid Theorem als Beispiel

Diese Idee stammt vom Ökonomen Gary Becker und stellt eine Aussage über die beste Umsetzung des Eigeninteresses einer Person im Haushalt dar. Die als Theorem bezeichnete Aussage stellt in den Raum, dass ein Haushaltsmitglied sein eigenes wirtschaftliches Wohlergehen dann am besten fördern kann, wenn es statt rein egoistischem Verhalten einen Beitrag zum Vorteil des gesamten Haushalts liefert. Ein Rotten Kid profitiert also nicht notwendigerweise von seinem Verhalten.