Mitarbeiterfluktuation – Gründe, Vorteile und Nachteile der Fluktuation

Wenn Mitarbeiter:innen ein Unternehmen verlassen, wird dies als Mitarbeiterfluktuation, kurz Fluktuation bezeichnet. Was die Mitarbeiterfluktuation genau ist, welche Gründe es hierfür gibt und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt, zeigt dieser Beitrag.

Definition Mitarbeiterfluktuation

Als Mitarbeiterfluktuation wird der Weggang von Mitarbeiter:innen aus einem Unternehmen bezeichnet. Dieser Abgang löst in der Regel einen mehrstufigen Prozess von der Kündigungsphase bis hin zur Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen aus. Bei der Mitarbeiterfluktuation werden 3 verschiedene Arten unterschieden.

Natürliche Fluktuation

Auf diese Fluktuation haben weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer. Wenn Mitarbeiter:innen aufgrund eines Ereignisses in ihrem Leben oder gesetzlichen oder vertraglichen Vorgaben aus einem Unternehmen ausscheiden, dann wird dieser Weggang als natürliche Fluktuation bezeichnet. Gründe für die natürliche Mitarbeiterfluktuation sind:
  • Vorruhestand oder Rente
  • Tod eines/einer MitarbeiterIn
  • Ablauf eines Zeitvertrages
  • Beginn eines Studiums
  • Erziehungsurlaub

Unternehmensinterne Fluktuation

Unter die unternehmensinterne Fluktuation fallen alle internen Wechsel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das heißt, wenn eine Mitarbeiterin in eine andere Abteilung wechselt oder einen neuen Aufgabenbereich

Fluktuation

Welche Fluktuation liegt vor?

übernimmt, ist dies eine unternehmensinterne Fluktuation.

Unternehmensexterne Fluktuation

Wenn Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter aus eigenem Antrieb Ihren Arbeitsvertrag kündigen, um eine neue Arbeitsstelle in einem anderen Unternehmen anzutreten, wird dies als unternehmensexterne Fluktuation bezeichnet. Erfolgt dieser selbst motivierte Wechsel innerhalb der ersten 12 Monate nach Antritt der Arbeitsstelle, handelt es sich um eine sogenannte Führungsfluktuation oder Erstjahresfluktuation.

Was sind die Gründe, warum Mitarbeiter:innen ein Unternehmen verlassen?

Eine hohe unternehmensexterne Fluktuation kann ein Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellen. Daher ist es wichtig, die Gründe für diese Mitarbeiterfluktuation zu kennen.

Die Gründe für die unternehmensexterne Mitarbeiterfluktuation sind vielfältig. Gründe für den Weggang von Mitarbeiter:innen und Mitarbeitern finden sich in den allgemeinen und individuellen Arbeitsbedingungen im Unternehmen, in den persönlichen Lebensumständen oder fehlenden Entwicklungs– und Aufstiegsmöglichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Oft angeführte Gründe, warum Mitarbeiter:innen ein Unternehmen verlassen sind:

  • Über- oder Unterforderung
  • mangelnde berufliche Perspektiven
  • berufliche Umorientierung
  • keine Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Veränderungen im persönlichen Bereich
  • schlechte Arbeitsbedingungen
  • lange Arbeitswege
  • schlechte Mitarbeiterführung
  • attraktivere Angebote anderer Unternehmen
  • flexiblere Arbeitszeiten in anderen Unternehmen

Wie wird die Fluktuationsrate berechnet?

Die Fluktuationsrate kann anhand der folgenden Formel berechnet werden:

Anzahl der Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen im Betrachtungszeitraum verlassen haben geteilt durch die durchschnittliche Mitarbeiterzahl in diesem Zeitraum multipliziert mit 100 %.

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Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im Betrachtungszeitraum wird berechnet, indem die Mitarbeiterzahl am Anfang und am Ende der Periode addiert und das Ergebnis durch 2 dividiert wird.

Ein Beispiel für die Berechnung der Fluktuationsrate:

Anzahl Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen verlassen haben: 198
Mitarbeiterzahl am Anfang der Periode: 1.290
Zahl der Mitarbeiter am Ende der Periode: 1288

Fluktuationsrate = 198 / (1.290 + 1.288) / 2 x 100 % = 15,36 %

Wie hoch ist die durchschnittliche Mitarbeiterfluktuation in Deutschland?

Fluktuation

Wann werden Mitarbeiter entlassen?

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßig Statistiken zur durchschnittlichen Fluktuation der Mitarbeiter:innen in verschiedenen Branchen. So betrug die Fluktuation im Jahr 2019 im Gastgewerbe 68,1 %. Im Baugewerbe wechselten im gleichen Zeitraum rund 36,6 % den Arbeitgeber. Die geringste Fluktuation wurde in den öffentlichen Verwaltungen, der Verteidigung und den Sozialversicherungen mit nur 14,3 % registriert.

Nachteile der Mitarbeiterfluktuation

Wenn Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter aus eigenem Willen ein Unternehmen verlassen, hat dies je nach Position und Dauer der Unternehmenszugehörigkeit oft gravierende Nachteile.

Jeder Weggang von Personal verursacht Kosten, wenn die Stelle neu besetzt werden muss. Die Rekrutierung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen kosten Zeit und viel Geld. Sie müssen zum Teil über mehrere Monate von anderen Mitarbeiter:innen eingearbeitet werden. Diese fehlen dann in ihrem Aufgabenbereich.

Wenn Personal in leitender Funktion das Unternehmen verlässt, geht in der Regel sehr viel Know-how verloren. Einerseits fehlt die Fachkompetenz dem Unternehmen, andererseits besteht die Gefahr, dass andere Unternehmen davon profitieren werden.

Ein Weggang von wichtigen Personen, die jahrelang der Ansprechpartner für bestimmte Kunden gewesen sind, kann auch die Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen gefährden. Neue Mitarbeiter:innen müssen diese über Jahre gewachsenen Beziehungen zunächst aufbauen.

In den letzten Wochen und Monaten der Betriebszugehörigkeit fehlt es wechselwilligen Mitarbeiter:innen oft an der Motivation. Sie sitzen ihre Zeit vor dem Wechsel nur noch ab. Dies kann oft schon Monate vor der Kündigung der Fall sein, wenn Mitarbeiter:innen die innere Kündigung aussprechen, bevor sie die tatsächliche Kündigung abgeben. Auf der anderen Seite können sich durch die Mitarbeiterfluktuation auch Vorteile für ein Unternehmen ergeben.

Vorteile der Mitarbeiterfluktuation

Neue Mitarbeiter:innen bringen neue Impulse ins Unternehmen. Sie sehen Dinge aus einem anderen Blickwinkel und haben oft neue Ideen. Sie können sich sehr positiv auf die weitere Entwicklung des Unternehmens auswirken, indem sie neue Herangehensweisen etablieren.

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Durch den Weggang von Mitarbeiter:innen ergeben sich für andere im Unternehmen verbleibende Mitarbeiter:innen möglicherweise Aufstiegschancen. Dies führt meist zu einem Motivationsschub, um sich für die Übernahme neuer Aufgaben und neuer Verantwortungen zu bewerben.

Mit neuen Mitarbeiter:innen erfolgt in der Regel ein Wissenstransfer vom alten zum neuen Arbeitgeber. Insbesondere branchenfremde neue Mitarbeiter:innen können dem Unternehmen neue Impulse geben und neue Möglichkeiten eröffnen.

Wie lässt sich Mitarbeiterfluktuation vermeiden?

Fluktuation

Ein Wechsel ist nicht immer notwendig.

Die natürliche und unternehmensinterne Fluktuation sind vorhersehbar und weitestgehend planbar. Sie sind für Unternehmen in der Regel nicht problematisch. Wenn jedoch viele Mitarbeiter:innen aus eigenen Willen das Unternehmen verlassen wollen, sollten Unternehmer:innen reagieren. Die Gründe für den Wechsel sollten sie aufdecken, um einer allzu hohen Fluktuation rechtzeitig entgegenwirken zu können. Maßnahmen gegen eine hohe Mitarbeiterfluktuation sind:

  • ein gutes Betriebsklima
  • eine gute Work-Life-Balance
  • Betreuungsangebote
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Aufstiegsmöglichkeiten
  • Anerkennung von Leistungen
  • regelmäßige Mitarbeitergespräche

Nicht zuletzt sollte mit wechselwilligen Mitarbeiter:innen ein Trennungsgespräch geführt werden. In diesem Gespräch können Unternehmer:innen die Gründe für den Wechsel erfahren und in Zukunft möglicherweise vermeiden.