Was ist das Ertragswertverfahren?

Das Ertragswertverfahren verwendet man zur Wertermittlung von Immobilien. Der Ertragswert ist die Summe der Mieteinnahmen und des Bodenwerts vom Grundstück. Die Nutzung des Ertragswertverfahrens wird zur Ermittlung des Werts von gewerblich genutzten Immobilien oder Mietobjekten verwendet. Vor allem beim Verkauf einer rentablen Immobilie ist es erforderlich den voraussichtlichen Barwert zu kennen. Das Verfahren kann eine Vorschau über die zu erwartenden Erträge ermöglichen. Es gibt zwei Verfahren, mit denen die Rechenaufgabe des Ertragswertverfahrens gelöst werden kann. Informieren Sie sich hier über diese Verfahren und den Einsatz vom hochsicheren Datenraum für beispielweise Immobilienverkäufe.

Wie werden das vereinfachte und das vollständige Ertragswertverfahren durchgeführt?

Ertragswertverfahren ImmobilienVerwendet man das vereinfachte Ertragswertverfahren, bleiben Bodenwert und die daraus resultierenden Verzinsungen ohne Berücksichtigung. Dann kommt es ausschließlich auf die baulichen Anlagen an. Anders als beim vereinfachten Ertragswertverfahren berücksichtigt das vollständige Ertragswertverfahren den Wert des Grundstücks. Dazu ist jedoch ein Vergleichswertverfahren erforderlich, wodurch man den Bodenwert ermittelt.

Danach berechnet man den Mietwert, der sich in erster Linie aus der Lage, der Objektgröße und der Ausstattung der Immobilie ergibt. Den so errechneten Rohertrag reduziert man dann um die Bewirtschaftungskosten.

Darüber hinaus muss in den anschließenden Berechnungen der Liegenschaftszins einbezogen werden. Da die Bodenbewertung und der Erlös stets voneinander unabhängig zu sehen sind, muss man deren Verzinsung, die sich aus dem Bodenwert und der Multiplikation des Liegenschaftzinses ergibt, vom Ertrag abziehen. Der Ertragswert ergibt sich aus diesen zwei Werten, die sich aus dem Wert des Gebäudes und dem Bodenwert ergeben.

Weitere Details zum Ertragswertverfahren

Der Ermittlung liegen meist Betriebsbilanzen der letzten zwei bis drei Jahre, des aktuellen Geschäftsjahres und Prognosebilanzen der zwei zukünftigen Jahre zugrunde. Auf diese Weise entsteht ein guter Überblick über vergangene, aktuelle und zukünftige Situationen. Dabei werden die Gewinne brutto berechnet, um ein objektives Ergebnis zu erhalten. Danach führt man weitere vorgegebene Schritte durch, um die Berechnung zu spezifizieren.

Vergangene Betriebsbilanzen werden mit einmaligen Aufwendungen erweitert, zum Beispiel Abfindungszahlungen. Außergewöhnliche Erträge werden ebenfalls abgezogen, weil sie die Bilanz verfälschen. Nun wird ein Durchschnitt der auf diese Weise erweiterten und der kommenden Bilanzen ermittelt. Daraus resultiert ein Wert, der den zukünftig zu erwartenden Gewinn darstellt. Der in der Zukunft zu erwartende Gewinn, also der Prognosegewinnwert, multipliziert man mit dem Kapitalisierungs-Zinssatz. Dabei handelt es sich um eine theoretische Verzinsung, die Kapitalgeber mit vergleichbaren Kapitalanlagen erwarten. Man muss eine Mindestverzinsung erwirtschaften, damit man das Unternehmen halten kann.

Diese Zinssätze bestehen aus dem Basiszinssatz und dem Risikoaufschlag, der sich auf der Basis des unternehmerischen Risikoaufschlags zusammensetzt. In diesem Zusammenhang sollte man mehrere Kapitalisierung-Zinsfaktoren verwenden. Abschließend ist es wichtig, ob man einen Zinssatz von drei oder sechs Prozent ausgewählt, denn der daraus resultierende Barwert kann sich zum Schluss deutlich erhöhen und so zur Fehlberechnung führen. Daher ist es empfehlenswert, parallel mehrere Optionen zu prüfen, um herauszufinden, welche Kapitalanlage sich am meisten lohnt. So wird aber auch ermittelt, welche Faktoren die Finanzierung gefährden und wie hoch das Risiko äußerer Einflüsse ist. Der finale Unternehmenswert ist das Ziel der Bewertung. Er entsteht durch Teilung der Durchschnittssumme der Erträge durch den fixen Kapitalisierungszins.

Lese-Tipp: Nicht nur bei Immobilien möchten Eigentümer immer wieder wissen, welchen Wert Ihre Immobilie hat. Das gleiche gilt auch für Firmen – nicht zuletzt für Immobilien-Holding. In unserem Blog-Beitrag dazu erklären wir, was genau eine Unternehmensbewertung ist.

Wie aussagekräftig ist das Ertragswertverfahren?

Die Aussagekraft des Verfahrens hängt von der Qualität der Reinertragsprognose und von der Bestimmung des Kalkulationszinssatzes ab. Für den Unternehmenswert ist ausschließlich der Ertragswert des Unternehmens wichtig. Die Berücksichtigung des Substanzwertes wird von den Ertragswertverfahren-Vertretern grundsätzlich abgelehnt. Es ist allerdings teilweise aus sachbezogenen Gründen zugelassen, denn so kann man das Konkurrenzrisiko abschätzen. Das Ertragswertverfahren wird bei Ein- und Zweifamilienhäusern, bei Mietwohn- und Geschäftsgrundstücken sowie gemischt genutzten Grundstücken angewendet. Die Bewertung des Grundstücks richtet sich nach der Jahresrohmiete und dem Gesamtentgelt für die Nutzung inklusive bestimmter Umlagen.

Lesen Sie dazu auch: Was ist der Substanzwert?

Im Grundstückswert sind die Werte der Gebäude, des Bodens und der Außenanlagen enthalten. Man ermittelt dies durch die Anwendung eines Multiplikators auf die jährliche Rohmiete. Die Multiplikatoren berücksichtigen die Bauausführung, Bauart, Grundstücksart, Baujahr und die Gemeindegröße. Der Grundstückswert kann sich aus bestimmten Gründen erhöhen oder ermäßigen.

Das Ertragswertverfahren gehört im Hinblick auf die Unternehmensbewertung zum Gesamtbewertungsverfahren. Wird es angewendet, wird der zu erwartende Unternehmensertrag ermittelt. In der Regel erfolgt eine zweigeteilte Prognose des Unternehmensertrags, nämlich nach der Schätzgenauigkeit eines Detailprognosezeitraums und dem Zeitraum auf der Basis des Planungshorizonts. Der Barwert der prognostizierten Liquidationserlöse des Vermögens, das nicht für den Betrieb erforderlich ist, kann man bei der Nutzung des Ertragswertverfahrens auf unterschiedliche Art definieren. Er sollte aber generell den prognostizierten Nutzen, den der Unternehmer erwarten kann, wiedergeben.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Abschluss

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung und ihre Bedeutung im Unternehmen

Generell lassen sich aus der BWA alle wichtigen Informationen entnehmen, die für ein Unternehmen im Hinblick auf die Kosten- und Erlössituation wichtig sind. Damit spiegelt die Betriebswirtschaftliche Auswertung grundsätzlich die gesamte finanzielle Lage auf einen Blick wider.

In der Regel bezieht sich die Betriebswirtschaftliche Auswertung auf die laufenden Daten, die aus der Finanzbuchhaltung übermittelt werden. Innerhalb eines laufenden Wirtschaftsjahres kann so ein Unternehmer genauen Aufschluss über die eigene Kosten- und Erlössituation gewinnen und damit die Ertragslage aktuell einschätzen.

Die BWA arbeitet anders als die Bilanz. Während die Bilanz die Auswertungen zeitverzögert nach einigen Monaten liefert, bietet die Betriebswirtschaftliche Auswertung aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.

Wie entstand die BWA?

Erstmals wurde die Betriebswirtschaftliche Auswertung in den 1960er Jahren durch DATEV Deutschland als DATEV-Standard-BWA veröffentlicht. Sie sollte als Entscheidungsgrundlage für kleine und mittelständische Unternehmen dienen. Kreditinstitute nutzten diese Betriebswirtschaftliche Auswertung als Basisinformation, um die Beurteilungen von Krediten innerhalb der Kreditwürdigkeit umzusetzen. Inzwischen ist DATEV zu einem der führenden Anbieter geworden und hat die erstmalige Standard-BWA vielfältiger geschaffen. Dazu werden auch branchenbezogene Betriebswirtschaftliche Auswertungen angeboten.

Die Bedeutung der BWA ist unbestritten

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Betriebswirtschaftliche Auswertung?

Die Bedeutung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung in der Unternehmung ist aus einzel- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr groß. In den steuerberatenden Branchen werden monatlich mehr als 2,5 Millionen Auswertungen dieser Art gedruckt. Die Aussagekraft für Unternehmungen, die Finanzverwaltung und auch für Banken ist sehr groß. Die Anforderungen an die Aussage- und Auswertungskraft der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dazu ist es wichtig, dass Betriebswirtschaftliche Auswertungen

  • eine rechtformenneutrale Gestaltung haben
  • sie mit dem Branchenvergleich, dem sogenannten DATEV-Betriebsvergleich, kompatibel sind
  • grundsätzlich größenordnungsneutrale Abbildungen liefern
  • mit den statistischen Daten und dem Rechnungswesen innerhalb des Betriebs integrierte Darstellungen gestatten
  • grundsätzlich standardisierbar sind

Weiterhin sind zusätzlich Zeitpläne und Zeitreihen sowie auch Vorjahresvergleiches und auch grafische Darstellungen wichtige Qualitätskriterien einer BWA.

In der Struktur bildet die Betriebswirtschaftliche Auswertung keine reine Kontenabfrage, sondern eine deutliche betriebswirtschaftliche Aussage.

Die Daten für die Betriebswirtschaftliche Auswertung werden der Finanzbuchhaltung im Betrieb entnommen

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bildet ein sehr wichtiges Instrument im Finanzhaushalt des Betriebes und basiert dabei auf Daten, die aus der laufenden Finanzbuchhaltung im Betrieb stammen. Das heißt, dass sie ein Instrument ist, das Verantwortlichen im Betrieb aktuelle Einblicke und Überblicke liefert, was die Kostensituation und die Erlössituation in einer Unternehmung angeht. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung kann die genaue Ertragslage des laufenden Geschäftsjahres abbilden. Sie wird anders als die Bilanz nicht zeitverzögert erstellt, sondern spiegelt die aktuelle Lage im Betrieb wider.

Was muss eine aussagefähige Betriebswirtschaftliche Auswertung leisten?

Sehr wichtig innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ist, dass die Aufwendungen und Erlöse mit ihrer maßgeblichen Auswirkung innerhalb der Finanzbuchhaltung sowohl unterjährig als auch zeitnah eine Berücksichtigung finden. In Anlehnung an die Branche und das entsprechende Geschäftsmodell können hier verschiedene Positionen gegeben sein. Im Handwerksbetrieb und im produzierenden Gewerbe sind die Bestände an fertigen und unfertigen Arbeiten sehr wichtig. Auch bei Handelsunternehmen gehören in die monatliche Buchhaltung zudem die Warenbestandsveränderungen hinein.

Abschreibungen sind monatlich abzugrenzen. Dazu sollte mit größeren Aufwandspositionen wie beispielsweise Ertragssteuern ebenso verfahren werden. Erhaltene Boni von Lieferanten sowie Jahresbonifikationen an Kunden wirken sich in Handelsunternehmen oftmals nicht unerheblich in der Größenordnung und der Unternehmensauswirkung aus.

Darlehen müssen jeweils unterjährig und nicht erst im späteren Jahresabschluss korrekt gebucht werden. Hier geht es beispielsweise um Annuitäten, die aufzuteilen sind in den Zins- und Tilgungsanteil. Dazu müssen auch Anzahlungen und Einbehalte sowie Rechnungsabgrenzungsposten monatlich, und nicht erst zum Geschäftsjahresende Berücksichtigung finden.

Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die einfache BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Die BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Was liefert die Standard Betriebs-wirtschaftliche Auswertung nicht?

Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert nachfolgende für die betriebswirtschaftliche Unternehmenssteuerung wichtige Informationen nicht:

  • den Liquiditätsstand und dessen Entwicklung (also Darlehen und Kontokorrente sowie die Eigenkapitalentwicklung)
  • die Prognosedaten zum Gewinn und zur Zahlungsfähigkeit
  • die Bereichsergebnisse (also Profitcenter sowie unrentable und rentable Geschäftsfelder und Renner/Penner des Handels)

Sind diese Informationen gewünscht, muss man mehr als ausschließlich die Zahlen aus der Finanzbuchhaltung prüfen. Hier sich Vorschau- und Profitcenterberichte und auch Kennzahlen, die das Finanzcontrollings mit seinen Methoden ermittelt, deutlich aussagekräftiger.

Der Profit aus der Betriebswirtschaftliche Auswertung

Viele Unternehmer bekommen monatlich eine Betriebswirtschaftliche Auswertung durch ihre Buchführung oder den Steuerberater. Allerdings legen sie die BWA dann oft ungelesen ab. Das sollte nicht geschehen, denn die Betriebswirtschaftliche Auswertung bietet eine sehr hochwertige Informationsquelle. Sie liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Lage des Betriebes und dessen Leistungsfähigkeit. Mittels der BWA lässt sich ablesen, ob eine Unternehmung eine günstige finanzielle Entwicklung hat oder ob Probleme zu erwarten sind.

Innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung werden die Auswertungen und die aktuellen Zahlen aus der Buchführung zusammengefasst, die durch den Steuerberater verarbeitet wurden. Die Form der Aufarbeitung der BWA ist frei wählbar. Üblicherweise ist es die kurzfristige Erfolgsabrechnung, die eine geläufige Form der Betriebswirtschaftlichen Auswertung nutzt.

Weitere Varianten sind die Bewegungsbilanz, die Veränderungen innerhalb des Kapitals und der Vermögen aufzeigt und auch die statische Liquidität, die wichtige Informationen zur Zahlungsfähigkeit liefert. Dazu sind auch noch weitere, sehr spezifizierte Formen der Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorhanden. Wer die BWA richtig lesen und interpretieren kann, hat ein sehr gutes Instrument an der Hand, um in der Unternehmung Schwachstellen zu erkennen und die gesamte Leistungsfähigkeit zu bewerten. Dazu können kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Weshalb die einfache BWA nicht immer richtige Ergebnisse liefert

Um ein Unternehmen mit der BWA zu steuern oder um eine unterjährige Ermittlung von Ergebnissen zu erlangen, müssen man üblicherweise Korrekturen durchgeführt. Die normale und einfache Betriebswirtschaftliche Auswertung weist nur die Daten aus, die innerhalb der Buchführung erfasst sind, ohne hierbei die betrieblichen Belange einzubeziehen. Soll die Betriebswirtschaftliche Auswertung dagegen als betriebliches Steuerungsinstrument zum Einsatz gelangen, muss sie auch unterjährig wenigstens die richtigen Resultate ausweisen. Damit muss aus einer einfachen dann eine qualifizierte BWA entstehen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Kredit BWA

Die einfache BWA liefert nicht immer richtige Resultate

Nachfolgend einige Beispiele, die unrichtige unterjährige Ergebnisse zur Folge haben können

Bucht ein Unternehmen den Materialeinkauf beispielsweise als Verbrauch, ist das nicht ganz korrekt. Nur der tatsächliche Verbrauch darf innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ausgewiesen werden. Nutzt ein Unternehmen kein Warenwirtschaftssystem, kann dies durch Schätzung erfolgen oder durch die Aufarbeitung von Durchschnittswerte.

Abschreibungen dagegen müssen jeweils auf Monate verteilt, nicht aber vollständig auf das Jahresende gebucht werden, weil sie eben wirtschaftlich immer anteilig in einem Monat anfallen.

Auch Personalkosten müssen deshalb wie Abschreibungen behandelt und auf die jeweiligen Monate aufgeteilt werden, was auch für das Weihnachtsgeld, das Urlaubsgeld wie auch Boni an Mitarbeiter gilt. Dieses gilt auch für eventuelle Einmalzahlungen wie Gebühren und Beiträge oder Versicherungen.

Die Buchung von Umsätzen muss korrekt erfolgen. Dabei gilt, dass An- wie auch Teilzahlungen üblicherweise keine Umsätze darstellen, da der Kunde die Lieferung noch nicht erhalten hat. Sie müssen dann teilweise innerhalb der Verbindlichkeiten einer Bilanz ausgewiesen werden.

Möglicherweise werden Bestandsveränderungen nicht oder aber mit falschen Werten erfasst.

Korrekt sind Herstellungskosten und nicht voraussichtlich erzielte Verkaufspreise.

Die Struktur einer Bilanz

Was ist eine Bilanz?

Bilanzen sind ein elementarer Bestandteil der Buchführung und müssen zur Dokumentation, Information und Gewinn- und Verlustrechnung von jedem Unternehmen erstellt werden. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Bilanz, wie Eröffungsbilanz, Steuerbilanz und Handelsbilanz, die jedoch alle einem sehr ähnlichen Aufbau folgen.

Was versteht man unter dem Begriff „Bilanz“?

In der Bilanz werden Vermögen und Kapital eines Unternehmens am sogenannten Bilanzstichtag (meistens der 31.12. eines jeden Jahres) gegenübergestellt. Während im Inventar Vermögensgegenstände mit Wertangabe und Menge aufgelistet werden, wird in der Bilanz nur der Wert des jeweiligen Vermögensgegenstands angegeben.

Die Bilanz setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Den Aktiva (Vermögensgegenstände) auf der linken Seite, die zeigen, wie die finanziellen Mittel des Unternehmens eingesetzt werden, und den Passiva (grob gesagt das Kapital), die die Ansprüche der Gläubiger an das Unternehmen (Fremdkapital) sowie die der Unternehmer auflisten. Letztere werden als „Eigenkapital“ bezeichnet und ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Vermögen und dem Fremdkapital.

Eine wichtige Regel ist die sogenannte Bilanzgleichung. Sie sagt aus, dass die Bilanz immer ausgeglichen sein muss. Das bedeutet, dass die Summe der Aktiva immer der Summe der Passiva entspricht. Dies ist der Fall, da die Aktivseite die Mittelverwendung angibt, während die Passivseite die Mittelherkunft, also die Schulden des Unternehmens wie Hypotheken und Kredite verzeichnet, die zur Finanzierung der Vermögenswerte verwendet werden.

Woraus setzt sich die Bilanz zusammen?

Die (linke) Aktivseite wird grob in die beiden Bestandteile Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt. Ersteres sind jene Teile des Unternehmens, die dem Betriebszweck dienen und nicht veräußert werden sollen. Letzteres sind Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsvertrieb dienen und zum Verbrauch, zur Verarbeitung, zur Rückzahlung oder zur kurzfristigen Veräußerung gedacht sind. Hierzu zählen etwa Rohstoffe oder Material, das verarbeitet wird.

Die Passivseite besteht aus den beiden Posten Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Das Eigenkapital oder Reinvermögen ist eine rechnerische Größe, die sich ergibt, wenn die Summe der Schulden vom Vermögen abgezogen wird. Verbindlichkeiten gehören zu den Schulden und bezeichnen die finanzielle Verpflichtungen, die ein Unternehmen gegenüber seinen Gläubigern, also beispielsweise Lieferanten oder Kreditgebern, offen hat.

Aktiv- und Passivseite der Bilanz im Detail

Die drei Bestandteile Anlagevermögen, Umlaufvermögen, und Verbindlichkeiten, können in die  Kategorien von Vermögen und finanziellen Verpflichtungen aufgeteilt werden.

Die linke Aktiv-Seite der Bilanz wird in Deutschland meistens nach dem folgenden Schema gegliedert:

Die Struktur einer Bilanz

Die Struktur einer Bilanz

I. Aktiva

  1. Anlagevermögen:
  2. a) immaterielle Vermögensgegenstände wie beispielsweise Patente, Lizenzen und geistiges Eigentum an einem Namen oder einer Marke
  3. b) Grundstücke und Gebäude
  4. c) technische Anlagen und Maschinen
  5. d) Fuhrpark
  6. e) Ladeneinrichtung
  7. f) Betriebs- und Geschäftsausstattung
  8. g) Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Beteiligungen an anderen Unternehmen
  1. Umlaufvermögen:
  1. a) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die zur Produktion benötigt werden
  2. b) unfertige Erzeugnisse
  3. c) fertige Erzeugnisse
  4. d) Handelswaren
  5. e) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, d.h. finanzielle Verbindlichkeiten für gelieferte Waren und Dienstleistungen, die ein anderes Unternehmen als Schuldner gegenüber dem eigenen Unternehmen hat
  6. f) sonstige Forderungen
  7. g) Bankguthaben
  8. h) Kasse (Bestand an Bargeld)
  1. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten:

Rechnungsabgrenzungsposten (RAPs) werden benötigt, um gemäß der Grundsätze korrekter Buchhaltung Gewinn und Verlust richtig zu verbuchen.

Der Bilanzstichtag, ein bestimmter Zeitpunkt, für den die Bilanz erstellt wird (wie beispielsweise der 31. Dezember bei einer Jahresbilanz), trennt dabei Bezahlung und Lieferung einer Leistung.

Ein Beispiel dafür ist die Miete, die quartalsweise im Voraus gezahlt wird. Die Bezahlung erfolgt also vor der Lieferung der Leistung, was den RAP zu einem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten macht.

Wenn mindestens einer der Monate, für die Miete bezahlt wurde, auf einen Zeitpunkt nach dem Bilanzstichtag fällt, muss ein Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden: Der Betrag, der für die Miete in der Folgeperiode fällig wird, wird so vom Mietkostenbetrag der Zeit vor dem Bilanzstichtag abgegrenzt. Somit fällt der Mietaufwand in die beiden Perioden, in denen auch die Leistung erfolgt, und der Aufwand wird korrekt in zwei verschiedenen Perioden bilanziert. Rechnungsabgrenzungsposten werden in der Folgeperiode (also meist im kommenden Bilanzjahr) aufgelöst, indem der Betrag auf ein anderes Konto verbucht wird.

Die (rechte) Passivseite einer Bilanz gliedert sich wie folgt:

II. Passiva

  1. Eigenkapital

Bedingt durch die Natur seiner Bildung durch die Subtraktion der Schulden vom Vermögen kann das Eigenkapital sowohl positiv als auch negativ sein. Im ersten Fall spricht man von einem Gewinn, im zweiten von einem Verlust. Das Eigenkapital ist zudem der Betrag, der die Bilanz ausgleicht.

  1. Verbindlichkeiten
  2. a) Hypotheken, also Darlehen, für das Unternehmen als Hypothekennehmer als Pfand Rechte an seiner Immobilie abtritt
  3. b) Darlehen/Kredite
  4. c) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, das heißt Forderungen, die beispielsweise ein anderes Unternehmen für eine erbrachte Leistung oder eine gelieferte Maschine an das eigene Unternehmen stellt
  5. d) sonstige Verbindlichkeiten
  1. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Das Gegenstück zur aktiven Rechnungsabgrenzung auf der linken Aktivseite ist der passive Rechnungsabgrenzungsposten auf der rechten Passiv-Seite, bei dem die Lieferung vor der Bezahlung erfolgt ist. Auch hier müssen immer dann, wenn die Zeitraum der Inanspruchnahme der Leistung nicht deckungsgleich mit dem Bilanzzeitraum ist, eine passende Abgrenzung in der Bilanz vorgenommen werden.

Königsdisziplin: Die Bilanzanalyse

Wirklich interessant werden Bilanzen wenn Sie Bilanzen aus mehreren, hintereinander liegenden  Jahren vergleichen können. Dies ist typischerweise bei der Beurteilung eines Unternehmens beim Unternehmens-Verkauf im Rahmen einer Due Diligence der Fall.

In solchen Fällen werden Sie in einem digitalen Datenraum die gleich strukturierten Bilanzen mehrerer Jahre sprichwörtlich nebeneinander legen wollen. Dabei sollten Sie auf folgende Bestandteile der Bilanz achten:

  • Wie verändert sich der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn? Sinkt oder steigt er – oder ist sogar ein Verlust ausgewiesen?
  • Wie hat sich das Eigenkapital der Firma verändert? Nimmt es zu oder muss ein Unternehmen mit dem Gewinn aus den Vorjahren einen Verlust im laufenden Jahr kompensieren?
  • Wie verändert sich das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital und die daraus resultierende Verschuldungs-Quote des Unternehmens
  • Wie hoch sind die Bestände an fertigen Waren sowie die Roh- und Hilfsstoffe im Jahresvergleich? Hat das Unternehmen bereits produzierte Waren „auf dem Hof“ stehen und kann sie nicht verkaufen?

Neben dem Studium der Bilanz sollte man als Käufer beim Erwerb eines Unternehmens natürlich immer auch einen Blick in die Gewinn-und-Verlustrechnung der jeweiligen Bilanzjahre werfen. Weitere Kennzahlen wie etwa die Umsatzrentabilität lassen sich aus einer detaillierteren GuV-Rechnung sehr viel leichter heraus lesen als aus der Bilanz, in der die Zahlen sehr verdichtet dargestellt werden.

Als Teilnehmer einer Kaufprüfung (Due Diligence) müssen Sie die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Analyse von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben. Mehr Begriffe aus Controllung, Buchhaltung und Betriebswirtschaftslehre finden Sie in unserem BWL-Lexikon.

 

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Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Was ist eine Eröffnungsbilanz

Unter einer Eröffnungsbilanz wird eine Bilanz verstanden, die bei der Gründung eines Unternehmens oder zu Anfang eines neuen Wirtschaftsjahrs erstellt wird. Jeder Unternehmer, der nach § 242 HGB verpflichtet ist, regelmäßig Bilanzen zu erstellen, muss also auch eine Eröffnungsbilanz anfertigen.

Welcher Zweck steckt hinter Eröffnungsbilanzen?

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Zum einen verfolgen Bilanzen wie die Eröffnungsbilanz eine Dokumentationsfunktion. Bei ihr werden sich Vermögen und Schulden bei der Gründung eines neuen Unternehmens bzw. zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres gegenüber gestellt. So kann die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens auch von Außenstehenden erfasst werden. Bei bereits bestehenden Unternehmen ist zu beachten, dass sich die eröffnende Bilanz mit der Schlussbilanz decken muss. Diese Tatsache wird auch als Bilanzkontinuität bezeichnet.

Die Dokumentationsfunktion der eröffnenden Bilanzform erstreckt sich beispielsweise auf die Höhe der Einlagen der Gesellschafter und die Ausgestaltung der Sacheinlagen. Ein anderer Zweck von Eröffnungsbilanzen ist, dass die Unternehmen selbst einen Überblick über die finanziellen Mittel erhalten, die ihnen im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Unternehmen, die nicht erst neu gegründet wurden, können zudem die eröffnende Jahresbilanz dieses Jahres mit der Vorjahresbilanz vergleichen und dadurch sehen, wie erfolgreich sich das Unternehmen langfristig entwickelt hat bzw. zukünftig entwickeln könnte. Diese Bilanzform kann also auch als Prognoseinstrument fungieren.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass die Erstellung einer Schlussbilanz zum Ende eines Geschäftsjahres nur möglich ist, wenn die Vermögens- und Kapitalverhältnisse zu Beginn eines Geschäftsjahres bekannt sind.

Wie wird eine Eröffnungsbilanz erstellt?

Eröffnungsbilanzen bestehen wie in der „normalen“ Bilanz aus einer Aktiv und einer Passiv Seite. Wie bei anderen Bilanzen auch, werden Gegenstände des Unternehmens im Eröffnungsbilanzkonto entweder auf der Soll oder der Haben Seite aufgelistet. Auf der Haben Seite finden sich beispielsweise Posten wie das Eigenkapital oder Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, während auf der Soll Seite des Eröffnungsbilanz-Kontos der Besitz von Sachanlagen, die Kasse oder der Stand des Warenlagers aufgelistet wird.

Das Eröffnungsbilanzkonto hat dabei den Zweck, die Bestandskonten zu eröffnen. Zwar könnten die Bestandskonten auch ohne eine Gegenbuchung verzeichnet werden, allerdings widerspreche dieses Vorgehen dem Prinzip der doppelten Buchführung. Wer über eine Buchhaltungssoftware verfügt, kann sich glücklich schätzen, da sich bei ihr in aller Regel die Eröffnung der Konten automatisch ergibt. Grundsätzlich werden im Eröffnungsbilanzkonto (EBK) alle Gegenstände erfasst, die aus dem Vorjahr übernommen wurden.

In welchem Zusammenhang stehen Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüsse?

Die eröffnende Bilanz muss auch deswegen erstellt werden, um den Jahresabschluss am Ende des Wirtschaftsjahres anfertigen zu können. Die Schlussbilanz wird gebildet, indem die Eröffnungsbilanz, sowie die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gegeneinander aufgerechnet werden. In der Schlussbilanz wird das Verhältnis von Aufwand und Ertrag eines Jahres abgebildet. Gemäß des § 257 HGB sowie der § 147 AO müssen Eröffnungsbilanzen übrigens 10 Jahre lang aufbewahrt werden.

In welchen Fällen müssen Eröffnungsbilanzen erstellt werden?

Sowohl bei einer Unternehmensgründung, als auch bei einer Unternehmensumwandlung müssen Sie zwingend Eröffnungsbilanzen erstellen. Das gleiche gilt für den Fall, dass zwei Unternehmen fusionieren oder sich in einem Unternehmen ein Besitzerwechsel vollzieht. Ebenfalls sollten Sie beim Wechsel der Rechtsform oder beim Ausscheiden eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft die Pflicht zur Erstellung von Eröffnungsbilanzen beachten. Für Eröffnungsbilanzen gelten gemäß § 242 Abs. 1 HGB die gleichen Vorschriften wie für die Erstellung einer Jahresbilanz.

Wer muss Eröffnungsbilanzen erstellen?

Die Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften – also AG, GmbH oder auch UG – sind dazu verpflichtet, Bilanzen und damit auch Eröffnungsbilanzen, zu erstellen. Unterschrieben werden muss diese Bilanzform von allen Führungskräften.

Lese-Tipp: Welche Rechtsform passt besser für Gründer – AG oder GmbH?

Welche Frist gilt für die Erstellung von Eröffnungsbilanzen?

Aktiengesellschaften und große bis mittelständische GmbHs müssen ihre Eröffnungsbilanzen innerhalb von 3 Monaten nach ihrer Gründung fertigstellen. Bei UGs, sowie kleineren GmbHs, werden Erstellungsfristen von bis zu 6 Monaten akzeptiert. Bevor Sie also fälschlicherweise von einer 6 monatigen Abgabefrist ausgehen, sollten Sie sich über die in Ihrem Fall geltenden Fristen informieren. So entgehen Sie möglichen unangenehmen Konsequenten von Seiten des Finanzamts oder gar strafrechtlichen Folgen.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil der BWL-Fachbegriffe, die wir im Blog von docurex.com erläutern.

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Was sind Rücklagen

Auch wenn die Begriffe Rückstellungen und Rücklagen häufig für ein und denselben Sachverhalt verwendet werden, handelt es sich um zwei unterschiedliche Positionen in der Bilanz. Rücklagen unterteilen sich in zwei Sparten und sind in passiver Form nicht, in aktiver Form durchaus in Bilanzen ersichtlich und steuerlich anrechenbar.

Was sind Rücklagen in unternehmerischen Bilanzen?

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Als Rücklagen werden finanzielle Eigenmittel bezeichnet, die im Unternehmenskapital gebunden sind. Sie sind in einigen Branchen, beispielsweise in der Finanz- und Versicherungswirtschaft sogar gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso kann eine Vorschreibung laut Satzung vorliegen und den prozentualen Anteil der Rücklagen benennen. Rücklagen unterteilen sich in passive und aktive Posten. Passive Rücklagen sind in der Bilanz nicht ersichtlich, während aktive Rücklagen nicht nur ersichtlich, sondern auch steuerpflichtig sind.

Alle offenen Rücklagen basieren auf dem Eigenkapital eines Unternehmens und dienen dem Zweck, spätere Zahlungen oder unvorhergesehene Ausgaben problemlos realisieren zu können. Primär dient die Rücklage dem Ausgleich von Verlusten und erhöht die Liquidität eines Unternehmens. Zahlt ein Geschäftspartner nicht zuverlässig und es entstehen höhere Außenstände, greifen Unternehmer auf ihre Rücklagen zurück und können sich so vor dem drohenden finanziellen Defizit schützen. Rücklagen sind also eine vorbeugende, eine Präventivmaßnahme. Dem gegenüber stehen Rückstellungen, die bei einer eintretenden Verbindlichkeit avisiert werden und zur Deckung drohender Außenstände dienen.

Unterschiede zwischen Rücklagen und einer Rückstellung

Ein gravierender Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen (Rücklagen und Rückstellungen) basiert auf der Ursache, aus der heraus sie gebildet werden. Während Rücklagen der präventiven Vorbeugung vor Zahlungsausfällen dienen und in der Regel nicht in Anspruch genommen werden müssen, ist eine Rückstellung ein Betrag der gebildet wird, wenn ein Zahlungsausfall droht und der Unternehmer einen finanziellen Engpass „vorhersieht“.

Dabei erfolgt die Bilanzierung einer Rückstellung als Aufwand, wodurch sie den Jahresgewinn spürbar beeinflusst. In Vorbereitung auf eine hohe Steuernachforderung oder die Bildung von Pensionen entscheiden sich große bis mittelständische Unternehmen sehr häufig für eine Rückstellung, aus der die vorhersehbaren Verbindlichkeiten finanziert werden. Häufig wird Geld auch zurückgestellt, um eine im vorigen Geschäftsjahr liegende Verbindlichkeit zu tilgen. Sobald der Betrag bekannt und beispielsweise der Steuer- oder Gerichtsbescheid eingetroffen sind, wird die Rückstellung aufgelöst und ihrem Zweck zugeführt.

Die Rückstellung ist:

– in der Regel aus Fremdkapital gebildet

– erfolgsfördernd: Aufwand wird zum aktuellen Zeitpunkt verbucht, Zahlung erfolgt später

– zweckgebunden.

 

Im Gegensatz dazu sind Rücklagen:

– aus dem Eigenkapital des Unternehmens gebildet

– in der Regel völlig erfolgsneutral

– zweckfrei und nicht an einer Verbindlichkeit orientiert.

 

Da es sich bei der Rückstellung um gebildetes und nicht um vorhandenes Kapital des Unternehmens handelt, erscheinen sie als Fremdkapital auf der Passivseite von Bilanzen und senken den Jahresgewinn. Anders verhält es sich bei der Rücklage, die keinen Einfluss auf den Gewinn nimmt und lediglich durch Eigenkapitalerhöhung die Wirtschaftlichkeit und Stärke eines Unternehmens steigert. In diesem Zusammenhang sind etwa die immer im Eigenkapitel-Teil der Bilanz (rechts, also Passivseite) zu findenden Kapitalrücklagen oder Gewinnrücklagen einer Firma.

Strikte Trennung der Begriffe und Finanzmittel in der Buchhaltung nötig

Eine Kombination der Gelder oder eine gemeinschaftliche Verwendung dieser beiden Bezeichnungen ist nicht zielführend. Für Unternehmen sind Rücklagen zwar praktisch und liquiditätsfördernd, in der Regel aber wenig interessant im steuerlichen Bereich. Da sie die Gewinne nicht schmälern, beeinflussen sie die Forderungen zur Gewerbe- und Umsatzsteuer nicht, wodurch gerade kleinere Unternehmen auf in Bilanzen auftauchende Rücklagen verzichten und sich eher auf das stille Eigenkapital berufen.

Anders verhält es sich bei der Rückstellung, die in Form eines Kredits oder eines Darlehens aus fremdem Kapital gewonnen und zur Tilgung bevorstehender Verbindlichkeiten eingesetzt wird. Dieser Aufwand führt zur steuerlichen Anrechnung und wirkt sich positiv auf die Versteuerung von Unternehmensgewinnen aus.

Fazit zu Rücklagen und Rückstellungen

Sowohl Rücklagen wie eine Rückstellung dürfen in der Steuererklärung nicht falsch eingetragen oder gar außen vor gelassen werden. In beiden Fällen handelt es sich um Kapital, das dem Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Dabei unterscheidet man zwischen steuerpflichtigem Aufwandskapital und stillem Kapital bei Rücklagen.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil der BWL-Fachbegriffe, die wir im Blog von docurex.com erläutern.

Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

Was sind Rückstellungen

Im Rahmen unserer Reihe „BWL-Begriffe“ kurz erklärt, starten wir heute mit dem Begriff der „Rückstellungen„. In dieser kleinen Serie erläutern wir die betriebswirtschaftliche Fachbegriffe, auf die nicht-Betriebswirte im Rahmen eines Unternehmenskaufs, Firmenverkaufs oder generell im Rahmen einer Due Diligence konfrontiert werden.

Was sind Rückstellungen?

Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

Der Begriff Rückstellungen lässt sich am besten durch die Beschreibung der Funktion innerhalb der Jahresabschlüsse oder auch der Rechnungslegung von Unternehmen beleuchten. Die Bilanz eines Unternehmens soll möglichst ein realitätsnahes Abbild der tatsächlichen Vermögenslage und wirtschaftlichen Situation sein: Deshalb werden beispielsweise Waren nur mit ihren bisherigen, tatsächlichen Substanzwerten und nicht einem eventuellen Verkaufspreis bewertet. Denn dieser müsste am Markt ja erst erzielt werden.

Genauso verhält es sich mit Kosten- oder Belastungspositionen: Bereits eingekaufte Waren oder Dienstleistungen werden mit Einkaufspreisen bzw. Anschaffungskosten in die Bilanz eingestellt. Was aber geschieht mit Belastungen, die zu einem späteren Zeitpunkt nur vielleicht eintreten könnten? Bei denen der Unternehmer nicht weiß, wann diese fällig werden und welche Finanzmittel bereitgestellt werden müssten? Für diese Kategorie der unsicheren Ausgaben hat der Gesetzgeber in den Bilanzierungsvorschriften eine eigene Begriffswelt geschaffen: Die Posten werden als Rückstellung bezeichnet und um ein weiteres, beschreibendes Wort ergänzt. (z.b. Rückstellungen für Pensionen oder Steuer-Rückstellungen)

Ohne Rückstellungen würde der Jahresabschluss ein zu hohes Vermögen ausweisen und insbesondere die (Auszahlungs-) Risiken nicht korrekt darstellen.

Kategorien möglicher Rückstellungen

Folgende, erwartete Buchungen bzw. Zahlungen gehören zur Rückstellungs-Kategorie:

  • Belastungen oder Ausgaben, die wahrscheinlich oder mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit eintreten können. Die aber selbst bei genauestem Arbeiten oder detaillierten Berechnungen nicht betragsmäßig beschrieben werden können.-
  • Circa-Angaben, bei denen oftmals nicht einmal der Zeitpunkt der Ausgabe im Vorhinein abgeschätzt werden kann.
  • Eine wertvolle Finanzierungsquelle: Eigentlich gehören die für die Rückstellung vorgesehenen Beträge schon denjenigen, an die diese ausbezahlt werden müssen. Da sie aber erst nach dem Bilanzstichtag festgestellt werden können, sind sie eine bedeutende Finanzierungsquelle für das Unternehmen, da die dazugehörigen Finanzmittel ja noch niemandem ausgezahlt wurden
  • Eine wertvolle Kennzahl insbesondere für die Bilanzanalyse und Unternehmensbewertung. Anhand der Höhe der Rückstellungen lässt sich die wirtschaftliche Lage oder auch die Qualität von Produkten des Unternehmens sehr gut darstellen.

Während des Dieselskandals der großen Autobauer wies etwa das Ansteigen dieser Kennzahl auch in den Rechenwerken der Unternehmen auf den akuten Handlungsbedarf bzw. auch die Risiken mit bereits ausgelieferten Produkten hin.

Unterschiedliche Varianten für ein aussagekräftiges Zahlenwerk

Die Rückstellung für drohende Verluste wird immer dann gebildet, wenn aus einem bereits laufenden Geschäft ein Verlust zu erwarten ist. Dieser ist ja -eigentlich- im „alten“ Geschäftsjahr begründet, kann aber noch nicht genau beziffert werden. Auch die Aufwendungen für Garantiefälle, Reparaturen und ähnliche Vorgänge werden oft verwendet, da sie aufgrund der langen Gewährleistungszeiträume (Herstellergarantie) weit in das nächste oder übernächste Jahr hineinreichen können. Eine weitere Kategorie sind die rechtzeitig zu berücksichtigenden wahrscheinlichen Aufwendungen für Gerichtsprozesse und andere juristische Auseinandersetzungen. Hier wird Vorsorge getroffen für teilweise in der Zukunft entstehende Prozesskosten bestehend aus Aufwendungen für eigene Anwälte und diejenigen Anwälte der Gegenseite sowie Gerichtskosten und etwaigen zu leistenden Schadensersatz.

Darüber hinaus gibt es insbesondere bei größeren Unternehmen oder börsennotierten Gesellschaften oftmals eine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge. Wird diese nicht aus Beitragszahlungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gespeist, dann wird der auf das Unternehmen entfallende Betrag geschätzt und im Jahresabschluss ausgewiesen. Da das Geld ja bisher noch nicht ausgezahlt worden ist, steht es dem Unternehmen zur Finanzierung zur Verfügung. Muss aber logischerweise als Betrag ausgewiesen werden, der ja „eigentlich“ nicht zum Unternehmensvermögen gehört.

Auch die Berechnung bzw. Festlegung von Steuern für das abgelaufene Geschäftsjahr ist oftmals nur mit einem bestimmten zeitlichen Nachlauf möglich. Deshalb musste eine Rechengröße geschaffen werden, die dem Tatbestand des nicht genauen Kennens der Steuerhöhe und des Zahlungstermins entspricht. Deshalb gibt es auch eine Steuer-Kategorie unter diesem Oberbegriff.

Im Rahmen einer Bilanz finden Sie Rückstellungen immer auf der rechten (Passiv-) Seite in der oberen Hälfte direkt nach dem Eigenkapital.

Lesenswerte Artikel aus dem docurex-Blog zum Thema:

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich der Begriff „Rückstellungen“ immer mit Zahlungen und Ausgaben befasst, die in der Zukunft liegen und  –  sowohl der Sache als auch der Höhe nach – nicht genau bestimmt werden können. Das Vorsichtsprinzip im Rahmen der Bilanzierung gebietet es, diese Beträge klar auszuweisen – was auch immer in der Zukunft geschehen mag. Für den aufmerksamen Betrachter können Werte für zukünftige Garantieausgaben oder auch jedes Jahr steigende Werte für wahrscheinlich anfallende Prozesskosten ein Hinweis auf eine mögliche Anfälligkeit des Geschäftsmodells sein.

Ebenso können aufmerksame Bearbeiter im Datenraum etwa während einer Financial Due Diligence durchaus das Potenzial für einen späteren Kapital-Abfluss erkennen, sofern das hinter der Rückstellung stehende Risiko in der Zukunft nicht eintritt.

Weitere Informationen zu Rückstellungen:

Auch eine Form der Rücklage

Was ist eine Kapitalrücklage?

Als Kapitalrücklage werden Kapitalbeträge bezeichnet, die zurückgelegt werden. Soweit ist der Begriff an sich eigentlich selbsterklärend. In der Regel handelt es sich dabei um Gewinne, die dem Eigenkapital zugeordnet werden. Darin unterscheiden sich die Rücklagen von den Rückstellungen, die nicht dem Eigenkapital zugeordnet werden.

Die Kapitalrücklage ist eine reine Vorsichtsmaßnahme: Sie soll betimmte Risiken extra absichern. Als Risiken werden vor allem Verluste bezeichnet. In § 152 Abs. 2, 3 AktG ist festgelegt, dass Aktiengesellschaften die Entwicklung ihrer Rücklagen in der Bilanz oder im Anhang angeben müssen.

Auch eine Form der Rücklage

Auch eine Form der Rücklage

Da diese Vorschrift für alle Rücklagen gilt, sollte ein sogenannter Rücklagenspiegel geführt werden: Hier werden schriftlich und leicht übersichtlich alle Vorgänge und Entwicklungen festgehalten, so dass eine Übersicht über das Geschehen entsteht. Für die Erstellung der Bilanz ist es sinnvoll, wenn in diesem Rücklagenspiegel nicht nur die aktuellen Beträge, sondern auch der Betrag des vorherigen Jahres, der Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag verzeichnet sind. Außerdem gehören die Entnahmen und Einzahlungen aller einzelnen Rücklagenarten in die Aufzeichnungen, sowie der jeweils neue Stand am Stichtag.

Was wie ausgewiesen wird, bestimmt das Gesetz

Bei der Kapitalrücklage handelt es sich um einen Teil der sogenannten offenen Rücklagen. Diese müssen getrennt ausgewiesen werden, so festgeschrieben in der Gliederungsvorschrift des § 266 Abs. 3 HGB. Die Reihenfolge ist ebenfalls festgelegt: An erster Stelle steht das Grundkapital, es folgen die Kapitalrücklagen, danach wird die Gewinnrücklage mit ihren Unterarten aufgeführt. In der Bilanzaufstellung müssen alle Einstellungen und Auflösungen der Kapitalrücklagen aufgeführt werden.

Kapitalrücklagen sind in der Bilanz unterteilt

Die Kapitalrücklagen werden in drei verschiedene Arten davon aufgeführt. Zuerst müssen die Agiobeträge aufgeführt werden, die aus der Emission von Anteilen anfallen. Dabei geht es insbesondere um Aktion, um Vorzugsaktien, aber auch um Bezugsrechte und Wandel- oder Optionsanleihen.

Die zweite Unterart besteht aus Zuzahlungen. Diese wurden von den Gesellschaftern geleistet, um die Gewährung von Vorzügen zu entgelten.

Die dritte Unterart ist sehr weit gefasst: Hier geht es um alle Beträge, die aus allen anderen Zuzahlungen bestehen, die die Gesellschafter in das Eigenkapital leisten.

Die mit der Kapitalrücklage verbundenen Begriffe

In der Erklärung zur Kapitalrücklage wurden einige Begriffe genannt, die nicht sofort klar oder einleuchtend sind. Einer dieser Begriffe ist der Agiobetrag. Darunter versteht man denjenigen Betrag bzw. Wert, der über den Nennwert hinausgeht, wenn im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien ausgegeben werden. In diesem Fall wird in der Regel ein über dem Nennwert liegender Emissionskurs festgelegt – so kommt das Agio zustande. Das Agio wird von der Gesellschaft als Zahlungseingang vereinnahmt. Im Bilanzausgleich ist jetzt ein gleich großer Posten verbucht, und zwar in Form einer Kapitalrücklage.

Daraus folgert aber auch, dass keine Kapitalrücklagen anfallen, wenn die Aktien ausnahmsweise zum Nennwert emittiert werden. Diese Situation wird als Pari bezeichnet. Die Emission der Aktien unter ihrem Nennwert ist übrigens verboten, so nachzulesen in § 9 des AktG. Professionell ausgedrückt heißt dieser Vorgang Unterpariemission. Die Überpariemission, also die Emission zu einem höheren Wert als dem Nennwert, ist statthaft, also erlaubt. Sollte kein Nennwert vorhanden sein, wird der rechnerische Wert herangezogen, um den Agio zu ermitteln.

Rücklagen sind gesetzlich festgelegt

Zusammen mit den Gewinnrücklagen gehört die Kapitalrücklage zur gesetzlichen Rücklage. Festgelegt ist vom Gesetzgeber, dass solange 5 % des Jahresüberschusses in die Gewinnrücklagen eingestellt werden müssen, bis diese gemeinsam mit den Kapitalrücklagen den Wert von 10 % vom Grundkapital erreichen.

Übrigens ist im Zusammenhang mit Kapitalrücklagen auch häufig von Außenfinanzierung die Rede. Das bedeutet folgendes: Nur über die Kapitalrücklage ist es möglich, einem Unternehmen von außen Rücklagen zuzuführen. Alle anderen Rücklagenformen gehören zur so genannten Innenfinanzierung.

Aus der Erfahrung der Datenraum-Projekte von docurex.com werden bei der Bilanzanalyse inbesondere die Passivseiten der Bilanz unter die Lupe genommen. Die hier auftauchenden Fragestellungen sind oft:

  • Sind alle bekannten Risiken ausreichend in der Bilanz mit Werten hinterlegt?
  • Sind die Kapitalrücklagen bereits über den gesetzlichen Vorschriften

Sind die Rücklagen oder die Rückstellungen zu hoch – dann ergibt sich nach dem Unternehmenskauf in der Regel die Möglichkeit, Kapital aus dem gekauften Unternehmen zu entnehmen. Im umgekehrten Fall – wenn Risiken zu gering eingestuft worden sind – wird der neue Eigentümer der Firma Kapital nachschießen müssen. Insbesondere der zweite Fall wird von Investoren nach Möglichkeit vermieden und bereits während einer Due Diligence genau beleuchtet.

Beide Fälle werden in aller Regel während einer Financial Due Diligence genauer beleuchtet und durch entsprechend dokumentierte Fragestellungen in einem Datenraum notariell dokumentiert. So haben sowohl der Käufer als auch der Verkäufer eines Unternehmens größtmögliche Sicherheit was spätere gegenseitige Ansprüche angeht.