Was versteht man unter Liquiditätskennzahlen?

Mit den Liquiditätskennzahlen erfasst man das Verhältnis der flüssigen Mittel zu den finanziellen Verpflichtungen eines Unternehmens.  Es wird also überprüft, wie viel Geld das Unternehmen zur Verfügung hat und wie es um dessen kurzfristig zu bedienende Schulden bestellt ist, um im nächsten Schritt beide Werte miteinander in Beziehung zu setzen. Dass es hierbei nicht nur eine Kennzahl, sondern mehrere Liquiditätskennzahlen gibt, ist dem Umstand geschuldet, dass sich bei den liquiden Mitteln eines Unternehmens unterschiedliche Werte mit einbezogen lassen. Drei Liquiditäten stehen zur Wahl:

  • Barliquidität
  • Einzugsliquidität
  • Warenliquidität

Barliquidität

Bei der Barliquidität handelt es sich um den Liquiditätsgrad 1, auch cash ratio genannt. Bei diesem setzt man die dem Unternehmen zur Verfügung stehenden liquiden Mittel mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Beziehung. Zu den liquiden Mitteln zählen dabei folgende Werte:

  • Kassenbestand
  • Bankguthaben
  • Wechsel (diskontfähige Besitzwechsel)
  • Börsenfähige Wertpapiere (wenn diese Teil des Umlaufvermögens sind)

Auf der anderen Seite stehen die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Hierunter fallen alle Verbindlichkeiten, deren Laufzeit ein Jahr oder weniger beträgt. Neben zu zahlenden Rechnungen und kurzfristigen Krediten zählen hierzu auch langfristige Darlehen, die innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt der Betrachtung der Rückzahlung unterliegen. Hierbei ist zu beachten, dass die meisten digitalen Buchhaltungsprogramme in diesem Zusammenhang lediglich Verbindlichkeiten erfassen, die innerhalb der nächsten 90 Tage fällig sind.

Unter den Liquiditätskennzahlen ist die Barliquidität von besonderer Bedeutung. Anhand dieser lässt sich überprüfen, in welchem Maße ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten kurzfristig bedient. Wie bei den anderen

Liquidität

Welche Form haben die Verbindlichkeiten?

Liquiditätskennzahlen auch, drückt sich dieser Wert in Prozent aus. Dies bedeutet, dass bei der Barliquidität im Mittelpunkt steht, wie viel Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten sich durch liquide Mittel sofort tilgen ließen. Hierzu teilt man die liquiden Mittel durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multipliziert den erhaltenen Wert mit hundert. Lesen Sie hier alles zu Verbindlichkeiten.

Hierbei gilt ein Wert zwischen 25 und 30 Prozent als gerade noch akzeptabel. Ab einer Stufe von 45 Prozent gilt die Liquidität als gut. Der allgemein anerkannte Optimalwert liegt bei 80 Prozent. Liegt die Barliquidität darüber, geht man davon aus, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht in rentabler Weise eingesetzt werden. In der Praxis befindet sich der entsprechende Wert in den meisten Unternehmen bei etwa 60 Prozent. Bei dieser Stufe ist es meist problemlos möglich, kurzfristige liquide Engpässe durch Kontokorrentkredite zu überbrücken.

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Einzugsliquidität

Im Rahmen der Liquiditätskennzahlen bildet die Einzugsliquidität oder Quick Ratio den Liquiditätsgrad 2. Auf dieser Stufe werden zu den liquiden Mitteln die kurzfristig fällig werdenden Außenstände hinzu gerechnet. Nach Addition dieser Werte erfolgt wiederum die Division durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

In diesem Rahmen spielt der Wert von 100 Prozent eine zentrale Rolle. Liegt die Einzugsliquidität eines Unternehmens deutlich unterhalb dieses Wertes, bedeutet das, dass das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen aktuell nicht nachkommen kann. Idealerweise halten sich beide Positionen die Waage, was einen Wert von 100 Prozent ergibt. Liegt der Wert oberhalb von 100 Prozent, ist dies in der Regel ein Indiz für

Liquidität

Wann liegt totes Kapital vor?

totes Kapital, weil das Unternehmen ihre Mittel nicht zur Generierung weiterer Umsätze verwendet, sondern als Guthaben in den Büchern stehen.

Bei Werten unterhalb von 100 Prozent bestehen im Unternehmen Liquiditätsprobleme. Diese können unterschiedliche Ursachen haben. So kann es etwa sein, dass Rechnungen mit zu langen Zahlungszielen bestehen. Bei zu geringer Einzugsliquidität sollte man diese entsprechend verkürzen. Gleichzeitig können die eigenen Zahlungsfristen bei Lieferanten zu gering bemessen sein. Diese sollten einer Anpassung unterliegen. Es kann aber auch ein Problem in der Preiskalkulation vorliegen, weil das Unternehmen für seine Produkte keinen dem eigentlichen Aufwand entsprechenden Preis verlangt.

Warenliquidität

Die dritte der zentralen Liquiditätskennzahlen ist die so genannten Warenliquidität. Diese bezeichnet man auch als Current Ratio. Sie bildet die Liquidität dritten Grades. In diesem Rahmen folgt bei der Betrachtung der Liquidität des Unternehmens auch die Berücksichtigung die Vorräte des Unternehmens. Noch nicht verkaufte Waren sind mit einem deutlich höheren Risiko behaftet als die Werte, die bei den anderen beiden Liquidätskennzahlen vorherrschen. Natürlich kann es immer dazu kommen, dass der Wert von Aktienpaketen oder anderen Wertpapieren kurzfristig einbricht oder dass sich Außenstände nicht vollständig realisieren lassen. Bei bisher nicht verkauften Waren ist das entsprechende Risiko jedoch deutlich höher.

Anders als bei den anderen beiden Liquiditätskennzahlen sollte der Wert bei der Warenliquidität immer oberhalb von 100 Prozent liegen. Auch in diesem Fall sollte man diesen Wert nicht unbegrenzt übersteigen, weil dies einen Hinweis auf zu geringe Rentabilität darstellt. Bei einem Abrutschen unter 100 droht jedoch schnell ein Liquiditätsengpass, weil sich selbst bei Verkauf sämtlicher Waren eine finanzielle Lücke ergibt. Ein Rückgriff auf das Anlagevermögen des Unternehmens ist dann so gut wie unausweichlich. Ist solches Vermögen nicht in

Liquidität

Vorsicht vor einer Insolvenz!

ausreichender Menge vorhanden, droht bei Unterschreitung des Wertes von 100 Prozent die Insolvenz.

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Bedeutung der Liquiditätskennzahlen

Neben der internen Bewertung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens haben dessen Liquiditätskennzahlen auch großen Einfluss darauf, wie hoch die Chancen auf neue Darlehen stehen. Kredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen werden regelmäßig nur gewährt, wenn eine entsprechende Kreditwürdigkeit vorliegt. Sinken die die Liquiditätskennzahlen deutlich unterhalb der oben beschriebenen Werte, ziehen Kreditinstitute meist schnell die Reißleine, sofern kein ausreichendes Anlagevermögen vorhanden ist, das noch nicht als Sicherheit für andere Verbindlichkeiten dient.