Wie funktioniert die Ergebnisglättung?

Die Finanzverwaltung setzt die Unternehmenssteuern (Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer) anhand des zu versteuernden Einkommens fest. Ausgangsbasis für die Berechnung des zu versteuernden Einkommens ist der Jahresabschluss. Bei der Erstellung dieses Jahresabschlusses hat jeder bilanzierungspflichtiger Betrieb sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht einen eingeschränkten Gestaltungsspielraum. Die Unternehmen nehmen diesen Gestaltungsspielraum wahr, indem sie Bilanzpolitik betreiben. Einige dieser bilanzpolitischen Maßnahmen führen zu einer Ergebnisglättung.

Was bedeutet Ergebnisglättung?

Ergebnisglättung bedeutet, dass ein Unternehmen Maßnahmen innerhalb der Bilanzpolitik ergreift, um das Ergebnis des Jahresabschlusses entscheidend zu beeinflussen. Die angewendeten Maßnahmen sind sowohl vom Steuerrecht als auch vom Handelsrecht abgedeckt. Hinsichtlich der Wertansätze für die Vermögensgegenstände kann ein Unternehmen z. B. zwischen der linearen Abschreibung und der degressiven Abschreibung wählen. Bei einer Bewertung der im Umlaufvermögen ausgewiesenen Vorräte kann ein Unternehmen sich zwischen dem Fifo-Verfahren und dem Lifo-Verfahren entscheiden. Außerdem kann das Unternehmen eine Ergebnisglättung im Rahmen der Bilanzpolitik erzielen, indem es Sachanlagegüter verkauft oder das Sale-and-lease-back-Verfahren anwendet.

Welche Ziele verfolgt dein Unternehmen mit der Ergebnisglättung?

Die Ziele der Ergebnisglättung richten sich nach dem, was eine Unternehmensführung erreichen will. Möchte es

Ergebnisglättung

Was soll mit einer Glättung passieren?

seine Steuerlast senken, ist es an einem möglichst niedrigen Gewinn interessiert. Ist eine Aktiengesellschaft auf der Suche nach potenziellen Geldgebern, nutzt es die Maßnahmen innerhalb der Bilanzpolitik, um den Gewinn möglichst zu maximieren. Denn an diesem Gewinn orientieren sich die Dividendenauszahlungen, die die Aktionäre erhalten. Damit ein Unternehmen seine Kreditwürdigkeit gegenüber den Banken hervorhebt, möchte es ebenfalls einen hohen Gewinn ausweisen. Dies ist durch die bilanzpolitischen Maßnahmen möglich.

Welche bilanzpolitischen Maßnahmen gibt es?

Um mit der Ergebnisglättung das Jahresergebnis innerhalb der rechtlich zulässigen Möglichkeiten zu beeinflussen, ergreift ein Unternehmen z. B. folgende Maßnahmen innerhalb der Bilanzpolitik:
Abschreibungen auf Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens

Im § 253 Absatz 3 Satz 1 HGB (Handelsgesetzbuch) ist bestimmt, dass die zeitlich abnutzbaren Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens planmäßig abgeschrieben werden müssen.

Für die Geschäftsjahre 2020 und 2021 lässt der Gesetzgeber – coronabedingt – neben der linearen Abschreibung die eigentlich schon abgeschaffte degressive Abschreibung zu. Daneben kommt auch eine Sonderabschreibung in Betracht, wenn ein Unternehmen den Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nimmt.

Beispiel

Ein Unternehmen schafft eine Maschine an, die mit einem jährlichen Betrag von 15.000 Euro abgeschrieben wird. Vor dem Jahr der Anschaffung hat das Unternehmen mit der Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrages Bilanzpolitik betrieben. Zur Ergebnisglättung konnte das Unternehmen bereits vor der Investition 40 % der geplanten Anschaffungskosten im Wege der Sonderabschreibung geltend machen und auf diese Weise seinen Gewinn mindern.

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Bewertung der Vorräte

Eine Ergebnisglättung kann auch durch eine unterschiedliche Bewertung des Vorratsvermögens erzielt werden. Im Rahmen der Bilanzpolitik grenzt das Handelsrecht die Bewertung des Festwerts und der Gruppenbewertung vom Verbrauchsfolgeverfahren ab. Das Festwertverfahren ist im § 240 Absatz 3 HGB gesetzlich verankert. Sie ermöglichen es dem Unternehmen alle sich auf Lager befindlichen Roh- Hilfs– und Betriebsstoffe zu einem Festwert zusammenzufassen, der in jeder Bilanz ausgewiesen wird.

Gruppenbewertung bedeutet, dass ein Unternehmen gleichartige Betriebsstoffe – z. B. zwei unterschiedliche Sorten

Ergebnisglättung

Was entspricht meinem Zielwert?

Nägel – zu einem Posten in der Bilanz zusammenfassen darf. Beim Verbrauchsfolgeverfahren kann das Unternehmen zwischen dem Lifo-Verfahren und dem Fifo-Verfahren wählen. Beim Lifo-Verfahren unterstellt ein Produktionsbetrieb, dass die zuletzt angeschafften Vorräte zuerst verbraucht werden. Wendet es das Fifo-Verfahren an, geht das Finanzamt von dem Verbrauch der zuerst angeschafften Vorräte aus.

Verkauf von Sachanlagegütern

Eine Maschine, die ein Unternehmen nicht mehr für den Fertigungsprozess einsetzt, wirkt sich negativ auf die Liquidität eines Unternehmens aus, weil der Besitz unnötig Kapital bindet. Durch einen Verkauf der Maschine kann ein Unternehmen mehr Liquidität schaffen und mit der zusätzlichen Einnahme eine Ergebnisglättung erzielen. Im Rahmen der Bilanzpolitik erreicht das Unternehmen hierdurch einen höheren Gewinnausweis.

Anwendung des Sale-and-lease-back-Verfahrens

Das Sale-and-lease-back-Verfahren wendet ein Unternehmen zur Ergebnisglättung an, wenn es seine Liquidität steigern möchte. Bei dieser Maßnahme der Bilanzpolitik verkauft das Unternehmen einen Gegenstand aus dem Sachanlagevermögen an eine Leasinggesellschaft und mietet ihn gleichzeitig wieder zurück. Lesen Sie hier alles über Sale-and-lease-back.

In der Praxis bucht das Unternehmen den Gegenstand mit seinem Restbuchwert aus dem betrieblichen Unternehmensvermögen aus. Der Verkaufserlös stellt einen außerordentlichen Ertrag dar, den das Unternehmen in seiner Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt. Abschreibungen kann das Unternehmen auf diesen Vermögensgegenstand nicht mehr vornehmen. Dafür führen die aufgewendeten Leasinggebühren zu einer Ergebnisglättung, weil sie als Betriebsausgaben den Gewinn des Unternehmens mindern. Ein Unternehmen nutzt das Sale-and-lease-back-Verfahren, wenn es – z. B. zur Finanzierung einer anderen Investition – dringend Kapital benötigt.

Bilanzpolitik anhand eines konkreten Beispiels

Ein Unternehmen, das mit der Ergebnisglättung Bilanzpolitik betreiben möchte, hat sich für die nächsten Jahre das Ziel gesteckt, jeweils einen möglichst hohen Gewinn auszuweisen. Deshalb verzichtet ein Unternehmen bewusst darauf, alle geringwertigen Wirtschaftsgüter, die die Voraussetzungen erfüllen, in einen Sammelposten einzustellen. Stattdessen nimmt das Unternehmen die Möglichkeit der Sofortabschreibung wahr. Durch die Sofortabschreibung der geringwertigen Wirtschaftsgüter steigen die Betriebsausgaben des Unternehmens. Hier führt die Ergebnisglättung dazu, dass der Gewinn sich reduziert und das Unternehmen eine geringere Steuerlast hat.

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Fazit

Möchte ein Unternehmen das erzielte Jahresergebnis entscheidend beeinflussen, kann es innerhalb der

Ergebnisglättung

Die Glättung kann Ergebnisse entscheidend verändern.

Bilanzpolitik verschiedene Maßnahmen anwenden, die zu einer Ergebnisglättung führen. Das Unternehmen setzt bilanzpolitische Maßnahmen ein, um den Gewinn zu reduzieren oder zu maximieren. Zu den Maßnahmen, die ein Unternehmen im Rahmen der Bilanzpolitik ergreift, gehören neben unterschiedlichen Abschreibungsmethoden bei den Vermögensgegenständen und einer unterschiedlichen Bewertung des Vorratsvermögens z. B. der Verkauf von Vermögensgegenständen des Sachanlagevermögens oder die Anwendung des Sale-and-leas-back-Verfahrens. Die von einem Unternehmen im Rahmen der Bilanzpolitik angewendeten Maßnahmen sind mit den Regelungen im Handelsrecht und in Steuerrecht vereinbar. Damit setzt das Unternehmen ein legitimes Mittel zur Ergebnisglättung ein.