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Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

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Was sind Rückstellungen

Im Rahmen unserer Reihe „BWL-Begriffe“ kurz erklärt, starten wir heute mit dem Begriff der „Rückstellungen„. In dieser kleinen Serie erläutern wir die betriebswirtschaftliche Fachbegriffe, mit denen die nicht-Betriebswirte im Rahmen eines Unternehmenskaufs, Firmenverkaufs oder generell im Rahmen einer Due Diligence konfrontiert sind.

Was sind Rückstellungen?

Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

Der Begriff Rückstellungen lässt sich am besten durch die Beschreibung der Funktion innerhalb der Jahresabschlüsse oder auch der Rechnungslegung von Unternehmen beleuchten. Die Bilanz eines Unternehmens soll möglichst ein realitätsnahes Abbild der tatsächlichen Vermögenslage und wirtschaftlichen Situation sein: Deshalb bewertet man beispielsweise Waren nur mit ihren bisherigen, tatsächlichen Substanzwerten und nicht einem eventuellen Verkaufspreis. Denn diesen müsste man am Markt ja erst erzielen.

Genauso verhält es sich mit Kosten- oder Belastungspositionen: Bereits eingekaufte Waren oder Dienstleistungen stellt man mit Einkaufspreisen bzw. Anschaffungskosten in die Bilanz ein. Was aber geschieht mit Belastungen, die zu einem späteren Zeitpunkt nur vielleicht eintreten könnten? Bei denen der Unternehmer nicht weiß, wann diese fällig sind und welche Finanzmittel bereitgestellt sein müssten? Für diese Kategorie der unsicheren Ausgaben hat der Gesetzgeber in den Bilanzierungsvorschriften eine eigene Begriffswelt geschaffen: Die Posten nennen sich Rückstellung und lassen sich um ein weiteres, beschreibendes Wort ergänzen. (z.b. Rückstellungen für Pensionen oder Steuer-Rückstellungen)

Ohne Rückstellungen würde der Jahresabschluss ein zu hohes Vermögen ausweisen und insbesondere die (Auszahlungs-) Risiken nicht korrekt darstellen.

Kategorien möglicher Rückstellungen

Folgende, erwartete Buchungen bzw. Zahlungen gehören zur Rückstellungs-Kategorie:

  • Belastungen oder Ausgaben, die wahrscheinlich oder mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit eintreten können. Die sich aber selbst bei genauestem Arbeiten oder detaillierten Berechnungen nicht betragsmäßig beschreiben lassen.
  • Circa-Angaben, bei denen man oftmals nicht einmal der Zeitpunkt der Ausgabe im Vorhinein abgeschätzen kann.
  • Eine wertvolle Finanzierungsquelle: Eigentlich gehören die für die Rückstellung vorgesehenen Beträge schon denjenigen, an die diese ausbezahlt werden müssen. Da man sie aber erst nach dem Bilanzstichtag feststellen kann, sind sie eine bedeutende Finanzierungsquelle für das Unternehmen, da die dazugehörigen Finanzmittel ja noch niemandem ausgezahlt sind
  • Eine wertvolle Kennzahl insbesondere für die Bilanzanalyse und Unternehmensbewertung. Anhand der Höhe der Rückstellungen lässt sich die wirtschaftliche Lage oder auch die Qualität von Produkten des Unternehmens sehr gut darstellen.

Während des Dieselskandals der großen Autobauer wies etwa das Ansteigen dieser Kennzahl auch in den Rechenwerken der Unternehmen auf den akuten Handlungsbedarf bzw. auch die Risiken mit bereits ausgelieferten Produkten hin.

Unterschiedliche Varianten für ein aussagekräftiges Zahlenwerk

Die Rückstellung für drohende Verluste wird immer dann gebildet, wenn aus einem bereits laufenden Geschäft ein Verlust zu erwarten ist. Dieser ist ja -eigentlich- im „alten“ Geschäftsjahr begründet,lässt sich aber noch nicht genau beziffern. Auch die Aufwendungen für Garantiefälle, Reparaturen und ähnliche Vorgänge finden otmals Verwendung, da sie aufgrund der langen Gewährleistungszeiträume (Herstellergarantie) weit in das nächste oder übernächste Jahr hineinreichen können. Eine weitere Kategorie sind die rechtzeitig zu berücksichtigenden wahrscheinlichen Aufwendungen für Gerichtsprozesse und andere juristische Auseinandersetzungen. Hier wird Vorsorge getroffen für teilweise in der Zukunft entstehende Prozesskosten bestehend aus Aufwendungen für eigene Anwälte und diejenigen Anwälte der Gegenseite sowie Gerichtskosten und etwaigen zu leistenden Schadensersatz.

Darüber hinaus gibt es insbesondere bei größeren Unternehmen oder börsennotierten Gesellschaften oftmals eine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge. Wird diese nicht aus Beitragszahlungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gespeist, dann wird der auf das Unternehmen entfallende Betrag geschätzt und im Jahresabschluss ausgewiesen. Da das Geld ja bisher noch nicht ausgezahlt worden ist, steht es dem Unternehmen zur Finanzierung zur Verfügung. Muss aber logischerweise als Betrag ausgewiesen werden, der ja „eigentlich“ nicht zum Unternehmensvermögen gehört.

Auch die Berechnung bzw. Festlegung von Steuern für das abgelaufene Geschäftsjahr ist oftmals nur mit einem bestimmten zeitlichen Nachlauf möglich. Deshalb musste eine Rechengröße geschaffen werden, die dem Tatbestand des nicht genauen Kennens der Steuerhöhe und des Zahlungstermins entspricht. Deshalb gibt es auch eine Steuer-Kategorie unter diesem Oberbegriff.

Im Rahmen einer Bilanz finden Sie Rückstellungen immer auf der rechten (Passiv-) Seite in der oberen Hälfte direkt nach dem Eigenkapital.

Lesenswerte Artikel aus dem docurex-Blog zum Thema:

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich der Begriff „Rückstellungen“ immer mit Zahlungen und Ausgaben befasst, die in der Zukunft liegen und  –  sowohl der Sache als auch der Höhe nach – nicht genau bestimmt werden können. Das Vorsichtsprinzip im Rahmen der Bilanzierung gebietet es, diese Beträge klar auszuweisen – was auch immer in der Zukunft geschehen mag. Für den aufmerksamen Betrachter können Werte für zukünftige Garantieausgaben oder auch jedes Jahr steigende Werte für wahrscheinlich anfallende Prozesskosten ein Hinweis auf eine mögliche Anfälligkeit des Geschäftsmodells sein.

Ebenso können aufmerksame Bearbeiter im Datenraum etwa während einer Financial Due Diligence durchaus das Potenzial für einen späteren Kapital-Abfluss erkennen, sofern das hinter der Rückstellung stehende Risiko in der Zukunft nicht eintritt.

Weitere Informationen zu Rückstellungen: