Der Deckungsbeitrag und seine Berechnung

Der Deckungsbeitrag ist ein Begriff aus der Kosten- und Leistungsrechnung und somit Teil der Betriebswirtschaftslehre. Er bezeichnet den Unterschied zwischen dem erzielten Umsatz und den variablen Kosten. Die Differenz zwischen Umsatz und variablen Kosten wird anschließend zur Deckung der Fixkosten verwendet.

Den Deckungsbeitrag berechnen wir für die Gesamtmenge eines Produktes oder pro Produktionseinheit. Ziel der Berechnung sind die Ermittlung des Produkterfolges und die Angebotskalkulation. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch auch möglich. Zur Berechnung des Deckungsbeitrags können wir gegebenenfalls einen Datenraum einrichten, um die zur Berechnung notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Umsatz, variable Kosten und Fixkosten

Umsatz, variable Kosten und Fixkosten werden zur Berechnung benötigt

Die wichtigsten Variablen zur Berechnung des Deckungsbeitrags sind der Umsatz (Erlös), die variablen Kosten und die Fixkosten. Der Umsatz ergibt sich aus der Verkaufssumme des Produktes. Er stellt die Gesamteinnahmen einer Unternehmung dar und ist nicht zu verwechseln mit dem Cashflow, der alle Einnahmen und Ausgaben zusammenfasst.

Die variablen Kosten sind jene Kosten, die spezifisch für die Produktion des Produktes anfallen, also zum Beispiel die Materialkosten für das Holz bei der Produktion eines Stuhles. Die Fixkosten sind jene Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge des Produktes anfallen. So kostet die Miete für die Produktionshalle etwa stets das Gleiche, unabhängig davon, wie viele Stühle darin produziert werden (bis zum Erreichen der Kapazitätsgrenze).

In Deutschland wird überwiegend die Vollkostenrechnung verwendet. Hier unterscheiden wir zwischen variablen Kosten, die direkt einem Kostenträger zugerechnet werden können, und Allgemeinkosten. Die Allgemeinkosten entstehen für die Gesamtheit der produzierten Einheiten und werden über einen Umlageschlüssel auf die Produkte verteilt.

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung

Je nach Anwendung berechnen wir den Deckungsbeitrag für alle Einheiten eines Produktes oder für jede einzelne Einheit. Wenn wir den gesamten Deckungsbeitrag berechnen, nutzen wir folgende Formel:

rDB := E(x) – Kv = db*verkaufte Menge

Hierbei bezeichnet DB den Deckungsbeitrag, E(x) ist der Erlös für eine Periode und Kv sind die variablen Kosten für eine Periode. Möchten wir den Deckungsbeitrag für ein Produkt berechnen, vereinfacht sich die Formel:

db = p – Kv

wobei p für den Preis des Produktes steht. In der Anwendung stellen wir uns Tischler Heinz vor, der Stühle produziert: Im Monat Juli verkauft Heinz 100 Stühle zu jeweils 100 Euro. Er hat Materialkosten (variable Kosten) von 30 Euro pro Stuhl. Zusätzlich muss er seine Produktionshalle für 3000 Euro mieten und seinen Mitarbeiter Horst mit 1500 Euro bezahlen sowie sich selbst mit 3000 Euro bezahlen (Fixkosten). Für den Deckungsbeitrag ergibt sich:

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100 (Erlös) – 30 (variable Kosten) = 70*100 (verkaufte Menge) = 7000

Es gibt unterschiedliche Arten der Berechnung

Zur Deckung der Fixkosten stehen also 7000 Euro zur Verfügung. Da Heinz jedoch Fixkosten in der Höhe von 7500 Euro hat, ergibt sich ein Verlust von 500 Euro; die Rentabilität ist nicht gegeben.

Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der Mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung versuchen wir, die Fixkosten für die verschiedene Unternehmensbereiche weiter aufzufächern. Ziel ist eine genauere Analyse möglicher defizitärer Produktionsabläufe. Im Falle von Heinz´ Tischlerei könnten wir also die Unternehmensfixkosten (3000 Euro Miete) von den Bereichsfixkosten (1500 Euro für Horsts Bereich und 3000 Euro für Heinz´ Bereich) trennen.

Angenommen, sowohl Horst als auch Heinz produzieren 50 Stühle im Monat Juli, so können wir die Unternehmensfixkosten jeweils zur Hälfte Heinz und Horst zuschreiben. So ergibt sich:

DB Heinz = 100 – 30 = 70*50 = 3500

Dies führt zu folgendem Ergebnis: 3500 – 3000 (Bereichsfixkosten) – 1500 (Unternehmensfixkosten/2) = -1000 Euro

DB Horst = 100 – 30 = 70*50 = 3500

Die führt zu folgendem Ergebnis: 3500 – 1500 (Bereichsfixkosten) – 1500 (Unternehmensfixkosten/2) = 500 Euro

Durch die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung können wir also erkennen, dass Horsts Unternehmensbereich Rentabilität aufweist, während Heinz´ Bereich defizitär ist.

In der Praxis müssen wir jedoch beachten, dass wir bestimmte Kosten nicht eindeutig zurechnen können. Wir können uns vorstellen, dass Heinz zum Beispiel Werbung für seine Stühle macht. Gleichzeitig verkauft er aber auch Tische. Die Werbung wird zwar hauptsächlich den Stuhlverkauf ankurbeln, jedoch auch einen positiven Effekt auf den Tischverkauf haben, da die Bekanntheit von Heinz´ Tischlerei steigt. Hier wissen wir also nicht genau, wie wir die Kosten der Werbung den Stühlen und den Tischen zuordnen sollen.

Relativer Deckungsbeitrag

Deckungsbeitrag

Der relative Deckungsbeitrag lässt sich berechnen

Bei der Berechnung des relativen Deckungsbeitrags beziehen wir den Faktorverbrauch für die Erzeugung des Deckungsbeitrags mit ein. Ein möglicher Faktorverbrauch ist die Zeit, die für die Produktion von Stühlen und Tischen benötigt wird. Wenn wir davon ausgehen, dass Stühle vier Stunden und Tische sechs Stunden in der Herstellung brauchen, jedoch den Gleichen Deckungsbeitrag pro Stück (70 Euro) haben, ergibt sich Folgendes:

Relativer Deckungsbeitrag Stühle: 70/4 = 17,5
Relativer Deckungsbeitrag Tische: 70/6 = 11,667

Wir können den relativen Deckungsbeitrag als Opportunitätskosten für die Herstellung eines Produktes verstehen. Wenn Heinz einen Stuhl weniger produziert, verliert er 17,5 Euro pro Stunde. Produziert er einen Tisch weniger, so verliert er lediglich 11,667 Euro pro Stunde. Er sollte sich also überlegen, die Produktion von Tischen auf die Produktion von Stühlen zu verlagern.

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Anwendungsbereiche für die Deckungsbeitragsrechnung

Wie eingangs erwähnt dient die Deckungsbeitragsrechnung hauptsächlich der Ermittlung der Rentabilität eines Produkts oder einer Produktlinie. Sie kann weiterhin zur Kalkulation eines kostendeckenden Preises verwendet werden. Hieraus ergeben sich einige konkrete Fragestellungen, die wir mit seiner Berechnung beantworten können.

Zum einen können wir erkennen, auf welche Produkte und Produktarten sich unser Betrieb konzentrieren sollte und welche Produkte vielleicht aus dem Programm genommen werden sollten. Wir können über ihn die absolute Preisuntergrenze eines Produktes erkennen und so überprüfen, ob für das Produkt zu diesem Preis eine ausreichende Nachfrage besteht, sodass die Produktion rentabel ist.

Wenn bestimmte Bereiche unrentabel arbeiten, kann es eventuell Sinn machen, diese einem Lieferanten zu übertragen. Auch dies erkennen wir aus unserer Berechnung. Ist ein Bereich hingegen besonders rentabel, können wir uns hier um zusätzliche Aufträge bemühen. Der Deckungsbeitrag sagt uns auch, ab welcher Absatzzahl die Gewinnschwelle eines Produktes erreicht wird. Entsprechend können wir den Absatz planen und die passenden Vertriebsinstrumente einbinden.

Der Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt

Wir können in der Rechnung auch den sogenannten Leverage-Effekt erkennen. Dieser bezeichnet eine kleine Änderung in der Produktion, die eine große Änderung in der Profitabilität unseres Produktes nach sich zieht. So könnte Heinz zum Beispiel versuchen, den Absatz seiner Stühle zu verdoppeln und einen dritten und vierten günstigen Mitarbeiter einzustellen (für jeweils 1500 Euro im Monat). Gleichzeitig verdoppelt sich der Mietpreis für die nun doppelt so große Produktionshalle.

Wie wir gesehen haben hätte Heinz nun drei rentable Unternehmensbereiche (die seiner Mitarbeiter) und einen unrentablen (seinen eigenen). Die Erhöhung seines Produktionsniveaus hätte also einen positiven Leverage-Effekt auf seinen Gewinn. Dies ist der Fall, weil für Heinz´ Fixkosten im Verhältnis zu seinen variablen Kosten bei steigendem Absatz sinken.

Fazit

Den Deckungsbeitrag können wir sehr gut nutzen, um Entscheidungen über unser Produktsortiment zu fällen. Wir können die Daten hierzu beispielsweise in einem Datenraum zur Verfügung stellen und unser Controller errechnet jene Produkte, die einen positiven Deckungsbeitrag zu unseren Fixkosten beitragen. Außerdem kann er analysieren, ob diese in der Gesamtheit gewinnbringend sind.

Der Deckungsbeitrag sollte allerdings nicht die einzige Entscheidungsvariable für Produktentscheidungen sein. Andere Effekte können ebenfalls den Gewinn und den Cashflow unserer Unternehmung beeinflussen. Wenn Heinz beispielsweise Stühle gewinnbringend verkauft und Tische defizitär sind, kann es immer noch sinnvoll für ihn sein, die Tische im Sortiment zu behalten. Zum einen könnte die Nachfrage nach Stühlen zu gering sein, um seine fixen Produktionskapazitäten auszufüllen (die Mitarbeiter hätten nicht genug zu tun). Ebenfalls ist vorstellbar, dass die Tische den Verkauf der gewinnbringenden Stühle ankurbeln, da Heinz´ Kunden Tische meistens zusammen mit Stühlen kaufen.