BWL-Artikel

Innenfinanzierung – eigene Gewinne investieren

Die Innenfinanzierung ist eine Möglichkeit der Unternehmensfinanzierung. Dabei setzt das Unternehmen Gewinne vergangener Perioden ein, um Investitionen zu tätigen oder zu expandieren. Im Gegensatz zur Außenfinanzierung wird kein externes Kapital verwendet. Auf diese Weise wird neues Eigenkapital oder neues Fremdkapital aus dem Unternehmen selbst generiert.

Als Synonyme für diese Finanzierungsform werden auch die Bezeichnungen „interne Finanzierung“ und „endogene Finanzierung“ benutzt. Mit einem Online Datenraum können Transaktionen um etwA 50% beschleunigt werden.

Informieren Sie sich hier über die verschiedenen Formen der Innenfinanzierung, ihre Voraussetzungen, Vor- und Nachteile sowie die Ermittlung ihres Potentials.

Offene Selbstfinanzierung

Innenfinanzierung

Offene und Stille Selbstfinanzierung

Bezüglich der Innenfinanzierung lassen sich mehrere Formen unterscheiden: Bei der Selbstfinanzierung (= Eigenfinanzierung) erhöht das Unternehmen sein Eigenkapital. Dies kann geschehen, indem einbehaltene Bilanzgewinne zur Finanzierung genutzt werden. In diesem Fall liegt eine „offene Selbstfinanzierung“ vor.

Diese wird auch als Thesaurierung bezeichnet (der Begriff ist aus dem griechischen Wort thesauros = Schatzhaus abgeleitet). Aktiengesellschaften sind gesetzlich verpflichtet, Gewinne in Höhe von 5% des Jahresüberschusses einzubehalten, bis die Kapital- und Gewinnrücklagen 10% des Grundkapitals ausmachen.

Stille Selbstfinanzierung

Die andere Untergruppe ist die „stille Selbstfinanzierung“. Auch hierbei behält das Unternehmen Gewinne ein, aber solche, die bislang nicht ausgewiesen wurden. Das Unternehmen bildet Reserven, indem es seine Verbindlichkeiten, also Passiva, überbewertet oder seine Vermögensgegenstände, also Aktiva, unterbewertet.

Auch bei der stillen Selbstfinanzierung steigt der Vermögenswert des Unternehmens. Aber anders als die offene Selbstfinanzierung unterliegt die stille Selbstfinanzierung nicht der Besteuerung. Stille Reserven muss man erst bei der Veräußerung versteuern.

Fremdfinanzierung

Der Komplementärbegriff zur Selbstfinanzierung ist die Fremdfinanzierung. Bei dieser löst das Unternehmen langfristige Rückstellungen auf. Im Unterschied zu Rücklagen gehören Rückstellungen zum Fremdkapital. So bildet der Betrieb bei dieser Finanzierungsform Fremdkapital, ohne Geldzufuhr von außen zu benötigen. Mit Hilfe von Rückstellungen werden Aufwendungen, die sich auf mehrere Perioden beziehen, abgegrenzt.

Sie führen zu einem späteren Zeitpunkt zu Verbindlichkeiten. Beispiele sind Pensionsrückstellungen oder Rückstellungen für Instandhaltungsmaßnahmen. Der genaue Zeitpunkt der entsprechenden Auszahlung kann ebenso ungewiss sein wie die Höhe und die Fälligkeit überhaupt. Da die Rückstellungen den Gewinn schmälern, aber die zugehörigen Geldmittel zunächst im Unternehmen verbleiben, stehen sie für die Innenfinanzierung zur Verfügung.

Abschreibungen

Das Unternehmen muss am Markt höhere Preise erzielen

Eine weitere Form ist die Innenfinanzierung durch Abschreibungsgegenwerte. Hierbei bildet das Unternehmen kein neues Kapital. Abschreibungen dienen der Streckung von Anschaffungs- und Produktionskosten auf mehrere Jahre. Dadurch wird der Verzehr von Anlagen und Produktionsmitteln bewertet.

Abschreibungen stellen somit Aufwendungen dar, die mit der Nutzung der Anlagen verbunden sind. Wie andere Aufwendungen (z. B. Mieten, Pachten) kalkuliert man Abschreibungen in die Preise mit ein. Soweit der Ersatz abgeschriebener Produktionsmittel durch das Unternehmen nicht erforderlich ist, entstehen Spielräume für die Innenfinanzierung. Dies wird als Kapitalfreisetzungseffekt bezeichnet.

Umschichten von Vermögensgegenständen

Auch das Umschichten von Vermögensgegenständen stellt eine Gruppe der Innenfinanzierung dar. Dabei veräußert der Betrieb Aktivpositionen, zum Beispiel Maschinen oder Gebäude. Hierdurch wird gebundenes Kapital freigesetzt.

Auch Forderungen von Kunden oder Lieferanten kann das Unternehmen verkaufen. Diese Form stellt einen Aktivtausch dar, bei dem das Unternehmen nicht liquide Aktiva in liquide Aktiva umwandelt. Die Geldmittel steigen also in dem Umfang, in dem das Anlagevermögen sinkt.

Alternativ kann das Unternehmen die Geschwindigkeit des Kapitalumschlags erhöhen oder die Menge an betriebsnotwendigem Kapital reduzieren. Dies gelingt durch Rationalisierung oder durch den Verkauf von nicht mehr erforderlichen Vermögensgegenständen. Dabei geraten zwar externe Geldmittel in das Unternehmen, aber diese sind der Gegenwert zu eigenen Leistungen. Daher gehören auch solche Maßnahmen zur Innenfinanzierung. Der Kapitalbestand ändert sich hierbei nicht.

Voraussetzungen

Allen Formen ist gemeinsam, dass sich das Unternehmen aus eigener Kraft, also aus den betrieblichen Leistungsprozessen heraus finanziert. Daher ist die Innenfinanzierung in der Regel nur dann möglich, wenn das Unternehmen schon hohe Umsätze erzielt hat und entsprechend hohe Mittel zur Finanzierung bereitstehen. Neugegründete Unternehmen sind meist nicht zu dieser Finanzierungsform fähig.

Zudem muss das Unternehmen in der Lage sein, höhere Preise am Markt durchzusetzen. Denn die Mittel für die Innenfinanzierung werden in jedem Fall in den kommenden Perioden über die Umsätze an das Unternehmen zurückfließen müssen. Entsprechend muss der Betrieb sie in die Preiskalkulation einbeziehen.

Vorteile und Nachteile der Innenfinanzierung

Das Unternehmen finanziert sich aus eigener Kraft

Bei der Innenfinanzierung benötigt das Unternehmen kein externes Kapital und vermeidet so die Abhängigkeit von Kreditgebern. Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen und es werden keine Zinsen, Gebühren oder Vermittlungsprovisionen wirksam.

Ein Nachteil besteht in der mangelnden Planbarkeit. Der Finanzierungsrahmen ergibt sich aus den Gewinnen der Vorperiode und kann daher nicht genau vorhergesehen werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Gewinne unrentabel in Investitionen veranlagt werden.

Cashflow als Indikator

Weit verbreitet ist es, mit Hilfe des Cashflow den verfügbaren Rahmen der Innenfinanzierung zu identifizieren. Dieser beschreibt den Zufluss an Geld während einer Periode. Er kann auch negativ sein, falls unter dem Strich Geld abfließt. Je höher der Cash-Flow ist, desto größer ist das Potential zur Innenfinanzierung. Voraussetzung für die Gültigkeit dieser Beziehung ist, dass Einzahlungen und Auszahlungen zeitlich nicht auseinander fallen. Falls es hier zu Abweichungen kommt, kann sich herausstellen, dass der Spielraum aufgrund des Cash-Flow überschätzt wurde.

Sie können den Cashflow berechnen, indem Sie die Auszahlungen von den Einzahlungen abziehen. Indirekt kann der Cash-Flow auch aus dem Jahresüberschuss hergeleitet werden. Zu addieren ist dann erstens der Aufwand, der nicht mit Auszahlungen verbunden ist, abzüglich des Ertrags, der nicht mit Einzahlungen verbunden ist. Zweitens sind zu addieren die Einzahlungen, die nicht mit Ertrag verbunden sind, abzüglich der Auszahlungen, die nicht mit Aufwand verbunden sind.