Cash Burn Rate: Kennzahl, Aussagekraft und Interpretation

Bei der Cash Burn Rate (CBR) handelt es sich um eine Kennzahl, die einen Rückschluss auf die Liquidität Ihres Unternehmens zulässt. Konkret bezeichnet sie die Zeitspanne bis zur Insolvenz bei anhaltend hohen Betriebsausgaben.

Sie entspricht dem Quotienten aus liquiden und geldnahen Mitteln sowie dem negativen operativen Cashflow. Die CBR ist insbesondere im Zusammenhang mit Start-ups mit hohen Anfangs-Investitionen relevant, wo herkömmliche Kennzahlen sich als nicht hinreichend erwiesen.

Cash Burn Rate im Überblick

Cash Burn RateDie Cash Burn Rate findet eine deutschsprachige Entsprechung im Begriff Geld-Verbrennungsrate. Sie steht für die Zeitdauer, bis die liquiden Mittel eines Unternehmens bei gleichbleibendem Ausgabeverhalten aufgebraucht sind, bis also Insolvenz droht.

Die Unternehmens-Kennzahl lässt sich dem Jahresabschluss beziehungsweise der Kapitalflussrechnung entnehmen. Besonders bei jungen Unternehmen kommt der CBR eine hohe Bedeutung im Datenraum zu. Potentielle Investoren sind an sämtlichen relevanten Kennzahlen interessiert.

Die CBR als Maß für die Liquiditätslage

Als Maß für die Liquiditätslage des Unternehmens ist die Cash Burn Rate von besonderem Interesse. Der Begriff kam insbesondere im Zusammenhang mit jungen Unternehmen der New Economy auf. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass ein hohes Risiko mit überdurchschnittlichen Gewinnaussichten einhergeht.

Besonders in der Gründungsphase ist Ihr Unternehmen mit besonders hohen laufenden fixen und variablen Kosten konfrontiert. Dazu gehören (Marketing-)Ausgaben für die Bekanntmachung des Unternehmens, Ausstattungskosten und Kosten für das Personal.

Gleichermaßen generieren Sie in dieser Phase wahrscheinlich noch keine großen Umsätze geschweige denn Gewinne. Daher ist die Cash Burn Rate eine hilfreiche Kennzahl zur Abschätzung, wann Ihrem Unternehmen bei gleichbleibend hohen Ausgaben die Liquidität ausgehen wird. Typischerweise handelt es sich bei der CBR um einen Bemessungszeitraum, der zwischen einem Monat und einem Jahr anzusiedeln ist.

Berechnung der Cash Burn Rate

Zur Ermittlung der Liquidität Ihres Unternehmens über die Cash Burn Rate bedarf es korrekter Werte, die in die Formel eingesetzt werden. Sie lautet:

Liquide und geldnahe Mittel / negativer operativer Cashflow.

Konkrete Rechenbeispiele vermitteln einen greifbaren Eindruck.

Angenommen, ein Start-up verfügt über 50.000 Euro Rücklagen in Form von Eigenkapital. Die monatlichen Ausgaben betragen 6.000 Euro gegenüber Einnahmen von 1.000 Euro monatlich. Die Cash Burn Rate beträgt in diesem Beispiel 50.000 / (6.000 – 1.000) = 10. Der Wert von 10 lässt sich so interpretieren, dass dem Unternehmen bei der aktuellen Ausgabe- und Einnahmesituation 10 Monate verbleiben, bis das Eigenkapital beziehungsweise die liquiden Mittel aufgebraucht sind.

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Für Start-ups ist es anzuraten, sich auf diesem sich ergebenden Zeitfenster nicht auszuruhen. Vorteilhafter ist es, wenn die Einnahmen die Ausgaben so früh wie möglich kompensieren. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Kennzahl der Cash Burn Rate nicht als statisch zu betrachten ist. Je nach Eigenkapital und Cash Flow kann sie sich jederzeit ändern. Steigt ihr Wert, so spricht dies für eine solidere Finanzlage und es bleibt dem Unternehmen mehr Zeit, bis die Mittel ausgeschöpft sind.

Herausforderung in der Bestimmung

Die Herausforderung besteht darin, die Summe der liquiden und geldnahen Mittel exakt und korrekt zu bestimmen. Eine der wesentlichen Voraussetzungen hierfür besteht in einer geordneten und strukturierten Buchhaltung.

Die liquiden sowie geldnahen Mittel lassen oft mit dem Begriff Eigenkapital zusammenfassen. Gemeint sind finanzielle Mittel, die ein Start-up bereits ohne Fremdkapitalaufnahme mitbringt. Mit der Anwendung des Eigenkapitals steigt die Aussagekraft der Kennzahl, da sich auf diese Weise die gesamten eigenen finanziellen Mittel Ihres Unternehmens berücksichtigen lassen.

Der negative operative Cashflow liegt grundsätzlich dann vor, sobald die Ausgaben Ihres Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum höher als die Einnahmen ausfallen. Dies ist nicht zwingend negativ zu werten, da gerade in der Anfangsphase oftmals hohe Investitionen für das Wachstum erforderlich sind und kurzfristig einen negativen operativen Cashflow zur Folge haben können.

Die richtigen Rückschlüsse ziehen

Werden präzise Daten in die angegebene Formel eingegeben, gibt die Formel Rückschluss auf den voraussichtlichen Zeitpunkt, zu dem Ihr Unternehmen unter gleichem Ausgabeverhalten in finanzielle Engpässe gerät.

Die Kennzahl zeigt also an, wann die liquiden Mittel beziehungsweise das Eigenkapital aufgebraucht sein werden. Im Beispiel eines Worst-Case-Szenarios handelt es sich beim Ergebnis der Cash Burn Rate um den Zeitpunkt der Insolvenz. Ist dies der Fall, gibt es keine unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten mehr, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Mit der Cash Burn Rate ist eine spezielle Kennzahl für die Start-ups in der New Economy eingeführt worden. Herkömmliche betriebswirtschaftliche Ansätze greifen aufgrund der besonderen Herausforderungen dieser jungen Unternehmen häufig nicht. Oftmals generieren solche Unternehmen über mehrere Geschäftsjahre keine nennenswerten Gewinne oder Cashflows. Die Interpretation einer hohen oder niedrigen Cash Burn Rate erfordert allerdings eine separate Betrachtung des jeweiligen Falls.

Interpretation der CBR

Die Cash Burn Rate ist neben Start-ups auch für die Einführung neuer Geschäftsfelder oder Geschäftseinheiten von besonderem Interesse. Jede Anfangsphase ist typischerweise von hohen Anfangs-Investitionen geprägt. Hierbei kommen negative operative Cashflows zustande, wodurch sich die finanziellen Spielräume verringern.

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Anwendung findet die Kennzahl in der Finanzierungs-Analyse. Speziell in der Cash-Flow-Analyse hat sie eine wichtige Bedeutung. Die Cash Burn Rate ist als Kennzahl für die Liquidität nicht nur im Hinblick auf die Einschätzung der eigenen Finanzlage entscheidend. Auch potentielle Investoren interessieren sich für die Liquidität. Im Businessplan des Unternehmens kann sie daher für mögliche Geldgeber ausschlaggebend sein.

Grundsätzlich ist eine hohe Cash Burn Rate als Indikator einer soliden finanziellen Situation des Unternehmens zu verstehen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass ein hoher Wert dieser Kennzahl zur im Gesamtzusammenhang mit anderen Kennzahlen zu beurteilen ist.

Auch andere Punkte einschließen

Eine Verwendung und Interpretation sollte stets im Zusammenhang mit einer Fundamentalanalyse erfolgen. Weiterhin handelt es sich bei diesem Wert stets nur um eine Momentaufnahme. Ein verbesserter Cashflow beispielsweise kann die Cash Burn Rate jederzeit verändern. Weiterhin kann die Erhöhung des Eigenkapitals die CBR verbessern (beispielsweise indem neue Gesellschafter gewonnen werden).

Handelt es sich um eine geringe Cash Burn Rate, so gibt dies einen Hinweis darauf, dass ein Unternehmen seine finanziellen Reserven bald ausgeschöpft haben wird. Als Gegenmaßnahme könnten etwa die Ausgaben gesenkt oder für mehr positiven Cashflow (etwa durch Erhöhung der Umsätze) gesorgt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit einer umgekehrten Berechnung der Cash Burn Rate. In diesem Falle ist sie als Geschwindigkeit zu verstehen, mit der ein Unternehmen seine liquiden Mittel beim gegenwärtigen Geschäftsverhalten „verbrennt“. Unter dieser Berechnungsgrundlage ist die Interpretation genau umgekehrt: ein niedriger Wert wäre ein Indikator auf ein geringes Tempo der Geldverbrennung und damit auf eine solide Finanzlage.