ROI (Return on Invest)

Jede unternehmerische Tätigkeit richtet sich auf Gewinnerzielung aus. Sie setzt dafür Kapital ein, das entweder aus eigenen (unternehmerischen) Quellen stammt oder von einem fremden Investor. In beiden Fällen spielt eine der wichtigsten Kennziffern in der Betriebswirtschaft eine entscheidende Rolle: Der ROI (Return on Investment).

Die wortwörtliche Übersetzung ist: „Rückkehr der Investition„. In ihr steckt schon die Antwort auf die Frage: Was genau ist ein ROI? Es ist jener Punkt, an dem der erwirtschaftete Gewinn genau die Investitionskosten decktBWLer sagen: Ab diesem Punkt amortisieren sich die Investitionskosten, sie fließen von jetzt an als Gewinn zurück.

Die Frage, in welchem Zeitraum sich eingesetztes Kapital rentiert, also Gewinne erzielt, ist eine entscheidende im Wirtschaftsleben. Sie unterliegt verschiedenen Betrachtungsweisen, die vor allem davon abhängen, wer bzw. welche Unternehmensabteilung die Investition tätigt. Daraus ergeben sich unterschiedliche zeitliche Erwartungshaltungen.

Berechnung des ROI

ROI

Die Berechnung des ROI ist im Grunde einfach

Teilen Sie den Gewinn eines Unternehmens durch den Nettoumsatz (also exklusive Umsatzsteuer) erhalten Sie die sogenannte Umsatzrendite. Die multiplizieren Sie nun mit dem sogenannten Kapitalumschlag, das heißt Nettoumsatz geteilt durch Gesamtkapital.

Der Kapitalumschlag zeigt, wie oft das Gesamtkapital auf den Umsatz umgeschlagen wird. Beispiel: Kapitalumschlag 2 bedeutet, dass ein Unternehmen für jeden Euro, den es als Kapital einsetzt/ investiert, einen Umsatz von 2 Euro erwirtschaftet.

Umsatzrendite x Kapitalumschlag ergibt eine Kennziffer, die in Prozent beschreibt, wie effizient eine Investition hinsichtlich des Gewinns ist. Jedes Return on Investment berechnet also die prozentuale Relation zwischen Investition und Gewinn.

Ein Beispiel für einen ROI

Stellen Sie sich einen Bäcker vor einer Neuinvestition vor. Er hat das Ziel seinen Absatz zu vergrößern und plant, einen neuen Backofen zu kaufen. Er kann damit 100 Brötchen mehr backen und verkaufen als bisher. Pro Brötchen erzielt er einen Verkaufsgewinn von 8 Cent.

Vorausgesetzt er verkauft alle zusätzlichen 100 Brötchen sind das 8 Euro täglich. Auf 25 geöffnete Tage im Monat umgerechnet erzielt er somit 200 Euro pro Monat oder 2400 Euro pro Jahr. Der neue Ofen kostet genau 2400, die Investition würde also nach einem Jahr „zurückkehren„.

Ein weiteres Beispiel zur Verständlichkeit

Ein Anbau lohnt sich erst nach einigen Monaten bis Jahren

Ein Restaurantbesitzer will mit einem Anbau sein Restaurant erweitern. Der bietet 20 Gästen Platz, die im Durchschnitt für 25 Euro pro Person bestellen. Nach Abzug der Kosten (zum Beispiel Personal und Zutaten) bleiben dem Restaurantbesitzer 10 Euro Gewinn pro Person.

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Bei 20 zusätzlichen Gästen pro Tag bringt ihm das täglich einen Gewinn von 200 Euro, aufs Jahr umgerechnet 70.000 Euro (bei 350 geöffneten Tagen im Jahr und vollem Besuch). Der Anbau kostet 105.000, hätte sich also in 18 Monaten amortisiert. Ab hier beginnt die Gewinnzone.

Unternehmerische Bedeutung des ROI

Er hat trotz seiner rein kostenorientierten Betrachtungsweise enorme Bedeutung in der Geschäftswelt. Das Verhältnis zwischen Gewinn und Investition ist für jede unternehmerische Tätigkeit ganz zentral. Als alleinige betriebswirtschaftliche Kennziffer ist ein ROI allerdings zu wenig aussagekräftig, da er nur die Investitionskosten betrachtet.

Die Abteilung, in der eine Investition erfolgt, entscheidet über seine Bedeutung. Die Marketing-Entscheider rechnen bei ihren werblichen Kampagnen gerne mit dem ROI. Sie wollen schnellen Rückfluss einer Investition durch frühe Erfolgszahlen. Die Personaler denken langfristig und übersetzen eine Neueinstellung nicht sofort in Kennzahlen.

Zu beachten ist auch das jeweilige InvestitionsumfeldIT-Fachleute eines Unternehmens setzen andere Maßstäbe für die Amortisation als Fachkräfte in der Weiterbildung. Die Nutzungsdauer neuer IT-Produkte ist kurzfristiger eingeplant als längerfristig orientierte Investitionen in die Fortbildung.

Der ROI in der Unternehmensrealität

Entscheidend für eine erfolgreiche Unternehmensplanung ist immer die Rentabilität eines Unternehmens. Sie ist der Oberbegriff für mehrere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die der Bewertung des wirtschaftlichen Gesamterfolgs eines Unternehmens dienen.

Der ROI ist ein wesentlicher Faktor dieser Rentabilität (aber nicht der alleinige). Er wird in einer Prozentzahl ausgedrückt, die das Verhältnis von investierten Kapital und Gewinn ausdrückt. Je höher sie ist, desto rentabler wirtschaftet das Unternehmen, ein negativer Wert bedeutet Verlustgeschäft.

Spezielle Bedeutung für das Controlling

Der ROI ist wichtig für die Erfolgsanalyse

Im strategischen Controlling geht es um übergreifende Funktionen im Bereich der Unternehmenssteuerung bzwUnternehmensplanung mit Kontroll– und Koordinationsaufgaben. Das operative Controlling steuert die Rentabilität, Finanzplanung und Budgetverwaltung. Es richtet sich am ROI einer Investition aus.

Der ist also ein wichtiges Kriterium zur Erfolgsanalyse und Erfolgsmessung jeder Kapitalanlage. Er bewertet wie gerade genannt die Rentabilität von dem jeweils investierten Kapital. Hier ist auch ein Begriff gebräuchlich, den Sie vielleicht kennen: Die Kapitalrendite.

Probleme beim ROI

In der Geschäftswelt geht es oft kompliziert zu. Hier bestehen noch viele komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge, die Investitionsentscheidungen beeinflussen. Zum Beispiel andere Kalkulationskosten oder unklare Verwaltungskosten. Hier gibt es noch andere Kennzahlen, die zu beachten sind.

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Der ROI hat rein statischen Charakter und beleuchtet nur einen Teil des betrieblichen Geschehens. Er lässt die gesamte Liquiditätsentwicklung des Unternehmens außer Acht und konzentriert sich einseitig auf eine Investition. Er hat deshalb keine alleinige Aussagekraft für den gesamten Geschäftserfolg.

DuPont-Kennzahlensystem

Eines der bekanntesten und ältesten Kennzahlensysteme auf ROI-Basis entwickelte ein US-Unternehmen 1919. Im rein an monetären Größen orientierten System des amerikanischen Chemie-Konzerns DuPont de Nemours and Co. steht der ROI im Mittelpunkt.

Die Unternehmenspolitik ist hier nicht auf gesamte Gewinnmaximierung ausgelegt, sondern auf Maximierung des Ergebnisses pro eingesetzter Kapitaleinheit. Sprich: Jede Investition soll so früh wie möglich in die Gewinnzone kommen. Die Ertragsrate des eingesetzten Kapitals, also der ROI, soll so hoch wie möglich sein.

Heutige Entscheidungsgrundlagen bei Investitionen

IT-Produkte haben eine kurze Nutzungsdauer

Die erweiterte Auffassung eines modernen Return on Investment geht nicht vom Gesamtkapital aus wie letztlich noch DuPont. Sie betrachtet die Einzelinvestitionen, die im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit erfolgen. Das Kapital dieser einzelnen Investitionen steht im Vordergrund der Analysen, nicht das Gesamtkapital.

Hier ergeben sich unterschiedliche Kalkulationen aus einer vollkommen unterschiedlichen Nutzungsdauer. Einzelinvestitionen in neue Software zum Beispiel in der Informations- und Kommunikationsbranche beachten idealerweise die relativ geringe Nutzungsdauer. Hier ist häufig veraltet, was älter als 3-4 Jahre ist. Sie kennen das vielleicht aus eigener Erfahrung.

Der Planungshorizont dieser Einzelinvestition ist eher kurzfristig und demzufolge sind hier nur Investitionen sinnvoll, die sich unter 3 Jahren amortisieren. Für Unternehmensbereiche wie zum Beispiel einen neuen Maschinenpark ergeben sich deutlich längere Zeithorizonte.

Fazit und Interpretation

Ein ROI ist immer nur so aussagekräftig, wie die bilanziellen Werte, aus denen er entsteht. Ein Wert von 17,5% bedeutet, dass die Investition in einen bestimmten Bereich für das Unternehmen lohnenswert ist. Das eingesetzte Kapital erwirtschaftet hier eine Rentabilität von 17,5%.

Das ist sicherlich eine wichtige betriebswirtschaftliche Kenngröße, die das Unternehmen erfreut. Sie bewertet aber nur direkte Kosten, mögliche indirekte wie zum Beispiel neu entstehende Personalkosten in der Verwaltung blendet sie normalerweise aus. Die rein finanzielle Kostensicht auf ein Unternehmen lässt zudem andere wichtige Aspekte wie Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit oder das öffentliche Markenimage außer Acht.

Für den Gesamterfolg eines Unternehmens ist diese rentabilitätsorientierte Sichtweise deshalb nicht alleine entscheidend. Es ist für Unternehmen wichtig, das zu beachten.