BWL-Artikel

Was ist eine Amortisationsrechnung?

Die Amortisationsrechnung ist ein quantitatives, statisches Rechenverfahren. Ziel ist es, das Risiko einzuschätzen, dass ein Unternehmen mit einer Investition beispielsweise in Maschinen, Ausrüstungen und Produktionsanlagen eingeht. Die Amortisationsrechnung dient dazu, die Vorteilhaftigkeit einer Investition anhand der Amortisationszeit zu ermitteln. Die Amortisationszeit ist der Zeitraum, innerhalb dessen das durch eine Investition gebundene Kapital zurückgeflossen ist. Grundlage für die Berechnung der Amortisationszeit sind die Ergebnisse der Kosten- oder Gewinnvergleichsrechnung.

Allgemein gilt eine Investition als vorteilhaft, wenn die Amortisationszeit kürzer ist, als die vom Unternehmen festgelegte Zeit für den Kapitalrückfluss. Beim Vergleich von zwei Investitionsobjekten gilt das Objekt als vorteilhaft, dessen Amortisationszeit kürzer ist. Eine andere Bezeichnung für Amortisationsrechnung ist Kapitalrückflussrechnung. Die englischen Bezeichnungen sind Pay-off Methode, Pay-out-Methode oder Pay-back-Methode. Die Amortisationszeit wird im Englischen als Payback-periodbezeichnet.

Methoden der Amortisationsrechnung

Die Amortisationszeit für eine Investition kann anhand von zwei verschiedenen Methoden berechnet werden. Die Durchschnittsmethode ist eine statische Amortisationsrechnung. Die zweite Methode ist die Kumulationsmethode. Lesen Sie hier alles zur Kumulation.

Amortisationsrechnung mit der Durchschnittsmethode

Mit der Durchschnittsmethode wird der Zeitpunkt ermittelt, an dem die Summe der für die Zukunft erwarteten Rückschlüsse gleich dem für die Investition aufgewendeten Kapital ist. Eingangsgrößen für die Berechnung sind die ursprünglichen Anschaffungskosten, die eventuell um den Restwert gemindert werden. Der daraus ermittelte Wert wird durch die erwarteten Rückflüsse pro Periode zuzüglich der Abschreibungen dividiert. Die Formel für die Durchschnittsmethode lautet:

Amortisationszeit = (Anschaffungskosten – Restwert) / (Rückfluss pro Periode + AfA)

Amortisation

Es gibt zwei Methoden, um die Amortisation zu berechnen

Ein Beispiel: Ein Hersteller von Stanzteilen für die Elektroindustrie will eine neue Stanze kaufen. Zwei Maschinen stehen zur Auswahl. Stanze A kostet 150.000 EUR. Stanze B 180.000 EUR. Beide Maschinen werden linear über 5 Jahre abgeschrieben. Die Erlöse sind bei beiden Maschinen mit je 60.000 EUR pro Jahr identisch. Die Betriebskosten für Stanze A betragen 12.000 EUR und für Stanze B 8.000 EUR im Jahr. Der kalkulatorische Zinssatz für das durch die Investition gebundene Kapital beträgt 4 %.

Für die Amortisationsrechnung wird zunächst der durchschnittliche Gewinn pro Jahr für beide Maschinen berechnet.

Stanze A Stanze B
Erlös p. a. 60.000 EUR 60.000 EUR
AFA 30.000 EUR 36.000 EUR
Kalkulatorische Zinsen 3.000 EUR 3.600 EUR
Betriebskosten 12.000 EUR 8.000 EUR
Gewinn p. a. 15.000 EUR 12.400 EUR

Die jährliche Abschreibung errechnen sich aus den Anschaffungskosten jeweils dividiert durch den Abschreibungszeitraum von 5 Jahren. Die jährlichen kalkulatorischen Zinsen werden für die durchschnittliche Kapitalbindung (Kapitaleinsatz / 2) berechnet.

Die ursprünglichen Anschaffungskosten werden anschließend in der Amortisationsrechnung durch den ermittelten durchschnittlichen Jahresgewinn dividiert. Die zunächst abgezogenen Abschreibungen werden wieder hinzugerechnet, da sie nicht zahlungswirksam sind. Für beide Maschinen ergeben sich die folgenden Amortisationszeiten:

Stanze A Stanze B
Gewinn p. a. 15.000 EUR 12.400 EUR
zzgl. Abschreibungen 30.000 EUR 36.000 EUR
Kapitalrückfluss p. a. 45.000 EUR 48.400 EUR
Kapitaleinsatz 150.000 EUR 180.000 EUR
Amortisationszeit 3,33 Jahre 3,72 Jahre

Die jeweilige Amortisationszeit wird durch einfache Division des investierten Kapitals durch den gesamten Kapitalrückfluss pro Periode ermittelt. Die Berechnung der Amortisationszeit kann – wie im Beispiel – auf der Basis von Gewinnen oder auf der Basis des Deckungsbeitrags erfolgen, sodass eine differenzierte Risikobetrachtung vorgenommen werden kann.

Amortisationsrechnung mit der Kumulationsmethode

Bei der Amortisationsrechnung mit Hilfe der Kumulationsmethode werden nicht die durchschnittlichen jährlichen Mittelrückflüsse, sondern unterschiedliche Rückflüsse pro Periode berücksichtigt. Der jeweilige zu erwartende Kapitalrückflusspro Periode kann in der Regel jedoch immer nur geschätzt werden. Ein Beispiel:

Amortisation

Wichtig sind die Rückflüsse pro Periode

Für einer Investition in eine neue Produktionsanlage im Wert von 200.000 EUR werden im Laufe von drei Jahren die folgenden Kapitalrückflüsse angenommen

1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
Mittelrückfluss 120.000 EUR 80.000 EUR 40.000 EUR

Der durchschnittliche Mittelrückfluss beträgt bei diesem Beispiel pro Jahr 80.000 EUR (120.000 EUR + 80.000 EUR + 40.000 EUR) / 3 Jahre.

Bei der Berechnung der Amortisationszeit mit der Durchschnittsmethode wäre die Produktionsanlage nach 2,5 Jahren amortisiert (200.000 EUR / 80.000 EUR pro Jahr = 2,5 Jahre). Bei Berechnung der Amortisationszeit mit der Kumulationsmethode wäre die Produktionsanlage dagegen bereits nach zwei Jahren vollständig amortisiert, da die Summe der Mittelrückflüsse in den ersten beiden Jahren dem Investitionsbetrag entspricht.

Nachteile der statischen Amortisationsrechnung

Amortisation

Amortisation nimmt Einfluss auf die Rentabilität

Im Laufe der Amortisationszeit können Sie Änderungen beispielsweise der Verkaufserlöse oder Einsatzmengen ergeben. Diese Veränderungen bleiben bei der statischen Amortisationsrechnung unberücksichtigt. Weitere Probleme können bei der Zurechenbarkeit der Erlöse entstehen, wenn mehrere Maschinen oder Anlagen an der Fertigung eines Produktes beteiligt sind. Hinzu kommt, dass der Kapitaleinsatz unter Rentabilitätsgesichtspunkten bei der statischen Amortisationsrechnungnicht berücksichtigt wird. Das bedeutet, selbst bei einer kurzen Amortisationszeit kann die Rentabilität der Investition im Vergleich zu den Zielen des Unternehmens nicht ausreichend sein. Ein weiterer Nachteil ist, dass Rückflüsse nach dem Ende der Amortisationszeit bei dieser Form der Amortisationsrechnung nicht berücksichtigt werden.

Bedeutung der Amortisationsrechnung bei einem Unternehmensverkauf

Im Rahmen eines Unternehmensverkaufs spielt die Amortisationsrechnung ebenfalls eine bedeutende Rolle. Bei der eingehenden Due Diligence Prüfung im physischen oder virtuellen Datenraum ermöglicht die Amortisationsrechnung beispielsweise auf Basis des Deckungsbeitrags einzelner Produkte oder Produktgruppen dem Käufer eine realistische Einschätzung, welche Unternehmensteile rentabel sind und wann sich der Unternehmenskauf insgesamt bezahlt machen wird.

Abschreibungsverfahren

Abschreibungsverfahren

Die Abschreibung bezeichnet die Abbildung der Wertminderung von Vermögensgegenständen eines Unternehmens. Um diese zu erfassen und zu verrechnen, kann sich das Rechnungswesen verschiedener Abschreibungsverfahren bedienen.

Die Abschreibung oder auch AfA (Absetzung für Abnutzung) senkt den Unternehmensgewinn und somit die Bemessungsgrundlage für die zu bezahlende Ertragssteuer. In der Bilanz mindert die Abschreibung den Buchwert eines Vermögensgegenstandes, in der Gewinn- und Verlustrechnung wird durch sie der Gewinn geschmälert. Dadurch steigt die Liquidität des Unternehmens.

Welche Güter können Sie abschreiben?

Grundsätzlich kann man alle abnutzbaren Vermögensgegenstände abschreiben, zB Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel, Werkzeug, etc. Aber auch immaterielle Betriebsmittel sind abschreibbar, zB Patente, Konzessionen, Lizenzen oder die Kosten für einen Datenraum.

Wirtschaftsgüter

Auch Wirtschaftsgüter mit geringem Wert kann man abschreiben, hier gibt es allerdings Sonderregelungen. Als geringwertig gelten Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 800 bzw 1000 Euro (bei Sammelabschreibung), wenn sie beweglich, abnutzbar und unabhängig nutzbar sind.

Bei einem Wert zwischen 250 und 800 Euro können Sie den Gegenstand in voller Höhe als Betriebsausgabe buchen.
Zwischen 250 und 1000 Euro ist es auch möglich, einen Sammelposten zu buchen und diesen einheitlich und linear über 5 Jahre abzuschreiben.

Forderungen

Auch Forderungen kann man abschreiben, wenn zB ein Kunde in Insolvenz geht. Die Forderung wird hierzu auf ein Konto namens „zweifelhafte Forderungen“ umgebucht, welches nicht in der Bilanz aufscheint. Sobald klar ist, dass die Forderung wirklich nicht eingebracht werden kann, muss man sie mit der entsprechenden Abschreibungsmethode abschreiben:

  • Einzelwertberichtigung (nur diese eine Forderung wird abgeschrieben)
  • Pauschalwertberichtigung (pauschaler Prozentsatz auf alle Forderungen)
  • eine Mischung aus Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung.

Warum Abschreibung?

Abschreibungsursachen gibt es viele:

  • Technische Ursachen (normaler Verschleiß oder ein Kaputtgehen aufgrund von Katastrophen wie Feuer, Hochwasser, …)
  • Wirtschaftliche Ursachen (durch Nachfrageverschiebungen, Fehlinvestitionen oder Ineffizienz)
  • Rechtliche Ursachen (Ablauf von Verträgen, Patenten, etc.)

Abschreibungsarten

GrößenklassenEs gibt planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen. Die planmäßige Abschreibung beinhaltet, dass alle Wirtschaftsgüter, die über mehrere Jahre genutzt werden, über alle diese Jahre abgeschrieben werden dürfen, so dass man den Wert des Wirtschaftsgutes auf alle Jahre der Nutzung verteilt.

Die außerplanmäßige Abschreibung kann notwendig werden, wenn der Wert des Gegenstandes plötzlich und auf lange Sicht geringer wird, zB bei Beschädigung einer Maschine durch ein unvorhergesehenes Geschehnis wie ein Erdbeben.

Man unterscheidet kalkulatorische Abschreibungen und handelsrechtliche Abschreibungen. Kalkulatorische Abschreibungen existieren nur am Papier und erscheinen in der Buchführung nicht! Man verwendet sie unternehmensintern für diverse Berechnungen. Handelsrechtliche Abschreibungen sind diejenigen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und im Steuerausgleich erscheinen müssen.

Wofür ist die Abschreibung gut?

Wie bereits erwähnt, schmälert die Abschreibung den Gewinn, das bedeutet, dass weniger Ertragssteuer zu bezahlen ist. Das soll sicherstellen, dass dem Unternehmen Geld für neue Investitionen übrig bleibt. Hier ist es wichtig, die Buchhaltung genau zu führen – die Abschreibung muss im Steuerausgleich am Ende des Jahres aufscheinen. Tut sie das nicht, kann sie nicht im nächsten Jahr nachgeholt werden!

Wie hoch ist die Abschreibung?

Die Abschreibung berechnet sich aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des betreffenden Vermögensgegenstandes. Hierzu zählen jedoch nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch Transportkosten, Zölle, Grunderwerbsteuer, Montagekosten, etc., also alle Kosten, die anfallen, um das Wirtschaftsgut für das Unternehmen nutzbar zu machen.

Welches Gesetz gilt für die Abschreibung?

Grundsätzlich gelten hier zwei verschiedene Gesetze: Das Handelsgesetz und das Einkommenssteuergesetz. Beide sind gleichermaßen wichtig und müssen befolgt werden. Die Regeln, die rund um das Thema Abschreibung und Abschreibungsverfahren zu befolgen sind, sind zahlreich.

Wer diese Regeln und Gesetze jedoch genau kennt, kann seinen Gewinn dadurch gut steuern und sich so Vorteile verschaffen. Ein guter Steuerberater ist bei solchen ‚Manipulationen‘ immer die beste Ansprechperson.

Welches Abschreibungsverfahren?

Die lineare Abschreibung:

Sie sieht vor, dass über die gesamte Nutzungsdauer des Gegenstandes jährlich ein gleichbleibender Betrag abgeschrieben werden muss. Diesen Betrag errechnet man, indem man die Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer dividiert.

InvestitionDie geometrisch-degressive Abschreibung:

Hier ist ein gleichbleibender AfA-Satz vorgegeben, die Berechnungsgrundlage ist der jeweilige Restbuchwert. Da der Restbuchwert des Gegenstandes jährlich sinkt, verringern sich auch die Abschreibungsbeträge jährlich.

Die arithmetisch-degressive Abschreibung:

Bei dieser Abschreibungsmethode schreibt man jedes Jahr einen gleichbleibenden Betrag, den Degressionsbetrag, ab. Dieser Degressionsbetrag errechnet sich aus dem Anschaffungsbetrag und der Summe der geplanten Nutzungsjahre. Am Ende der Nutzungsdauer ist der Gegenstand somit vollständig abgeschrieben.

Die digitale Abschreibung:

Sie ist die häufigste Anwendungsform der arithmetisch-degressiven Abschreibung. Bei der digitalen Abschreibung ist der jährliche Abschreibungsbetrag genauso hoch wie die Wertminderung im vergangenen Jahr.

Die gebrochene Abschreibung:

Hier unterscheidet man bei der Errechnung der Abschreibungsbeträge zwischen Zeitverschleiß und Gebrauchsverschleiß. Dies ist in der Praxis relativ kompliziert, da zwischen den beiden Komponenten eine sehr enge Beziehung besteht und sie oft schwer voneinander zu trennen sind.

Die progressive Abschreibung:

Bei der progressiven Abschreibung erhöht sich der Abschreibungssatz mit jedem Jahr (im Gegensatz zur degressiven Abschreibung). Auch hier ist der Gegenstand am Ende der Nutzungsdauer zur Gänze abgeschrieben.

Die leistungsabhängige Abschreibung:

Diese ist dann anwendbar, wenn die Wirtschaftsleistung des Gegenstandes messbar ist bzw. errechnet werden kann, zB. bei Firmenfahrzeugen. Der Abschreibungssatz ist bei der leistungsabhängigen Abschreibung davon abhängig, wie hoch der Beitrag des Gegenstandes im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung des Unternehmens ist.

Welches Abschreibungsverfahren zur Anwendung kommt, entscheidet jedoch nicht der Unternehmer selbst, sondern das Steuergesetz. Momentan ist nur die lineare Abschreibung gestattet.

Die AfA-Tabelle

AbschreibungsverfahrenIn der AfA-Tabelle findet man die gängigsten Wirtschaftsgüter, ihre normale Nutzungsdauer und den Abschreibungssatz. Nachdem die Werte für die normale Nutzungsdauer auf Erfahrungen basieren, ist die Tabelle wichtig für alle Unternehmen.

Die Verwendung der darin enthaltenen Werte ist gesetzlich nicht bindend, jedoch ist die Tabelle von Wirtschaft, Rechtsprechung und Verwaltung anerkannt und für die tägliche Praxis von großer Bedeutung.

Zuschreibung

Das Gegenteil von Abschreibung ist Zuschreibung. Auch diese ist in einem gewissen Rahmen möglich, sie darf jedoch niemals mehr ausmachen, als den Folgebuchwert der gewöhnlichen Abschreibung. Sie kommt also eigentlich nur nach einer Sonderabschreibung in Frage.

Ein Beispiel wäre, wenn ein Unternehmen eine ganz besondere Maschine kauft, die nur ein Produkt für einen bestimmten Kunden herstellt. Kein anderer Kunde fragt dieses Produkt nach und der Kunde, der es nachfragt, geht in Konkurs. Die Maschine würde also abgeschrieben werden. Falls ein neuer Kunde jetzt genau dieses Produkt nachfragen würde, könnte die Maschine hier zugeschrieben werden, da der Grund für die Wertminderung ja nicht mehr existiert.