BWL-Artikel

Was versteht man unter der GuV-Rechnung?

Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, kurz GuV-Rechnung, ist neben der Bilanz das wichtigste Element des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Vereinfacht ausgedrückt stehen sich in dieser Rechnung die Einnahmen und die Ausgaben eines Unternehmens innerhalb eines bestimmten Zeitraums gegenüber. Oft wird diese GuV-Rechnung im Jahresabschluss erstellt, teilweise geschieht dies monatlich.

Wer muss eine GuV-Rechnung durchführen?

In Deutschland sind alle Kaufleute zur Erstellung einer solchen GuV-Rechnung verpflichtet. Aber auch international ist es fast überall Pflicht, die Ertragslage mit Hilfe der GuV zu bewerten. Ausnahmen existieren einige wenige. Im Folgenden wird erklärt, wie sich der Aufbau der GuV-Rechnung gestaltet. Hierfür können mehreren Methoden zur Hilfe genommen werden. Dennoch bleibt das basale Prinzip der Erstellung einer GuV-Rechnung recht simpel und einfach nachzuvollziehen.

Fiktives Beispiel für eine GuV-Rechnung

Ein Beispiel mit konkreten Zahlen soll das Ganze ein wenig illustrieren. Geht wir einmal von einem Unternehmen aus, das physische Produkte vertreibt, also keine Software oder Dienstleistungen, wie zum Beispiel Fahrräder, aus. Aufwendungen fallen in den Bereichen Miete, Arbeitslohn, Energie und Steuern an. Einige Aspekte lassen wir an diese Stelle unberücksichtigt. Auf der Einnahmenseite stehen die Erlöse aus den verkauften Produkten sowie

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Was ist Ertrag, was Aufwendung?

eventuelle Zinserträge.

Für jeden dieser Bereiche wird in der Buchhaltung nun ein eigenes Konto eröffnet. Die Erfolgskonten mit den Themen Umsatzerlöse und Zinserträge. Die Aufwandskonten mit den Bereichen Miete, Arbeitslohn, Energie und Steuern.  Lesen Sie hier alles über Erfolgskonten.

Alle monetären Bewegungen, die innerhalb eines Zeitraums, also eines Monats oder eines Jahres, durch die Existenz des Unternehmens und die Abwicklung ihrer Geschäftstätigkeiten anfallen, tauchen in diesen Konten auf

Um das mit konkreten Zahlen zu unterlegen, geht man von 36.000 Euro Miete und Energiekosten von 3.600 Euro aus. 9.000 Euro Steuern fallen in diesem Zeitraum an. Einnahmen erzielt das Unternehmen durch den Verkauf von Fahrrädern im Gesamtwert von 80.000 Euro in einem Jahr. Der Arbeitslohn beläuft sich auf 21.000 Euro. Zinsen erhält das Unternehmen über seine vorhandenen Gelder in Höhe von 600 Euro.

Die Erträge bucht man nun auf der Haben-Seite in der GuV-Rechnung. Das sind in diesem Falle:

80.000 Euro Umsatzerlöse
600 Euro Zinsen

Die Aufwendungen schlagen mit folgenden Posten auf der Soll-Seite der GuV-Rechnung zu Buche:

3.600 Euro Energie
9.000 Euro Steuern
36.000 Euro Miete
21.000 Euro Arbeitslohn

Anschließend wird auf beiden Seiten der Saldo gebildet, der einen positiven oder negativen Wert ergibt und schließlich im GuV-Konto verbucht. Nun wird auch hier der Ssaldo gebucht, das
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Die komplizierte Berechnung einfach erklärt

folgendes Schaubild ergibt:

Sollseite
___________
3.600 Euro
9.000 Euro
36.000 Euro
21.000 Euro
___________
Saldo: 69.600

Die Habenseite sieht dann wie folgt aus:

Habenseite
__________
80.000 Euro
600 Euro
__________
Saldo 80.600

Beide Saldi werden nun in der GuV-Rechnung eingetragen:

Soll Haben
______________________
69.600 80.600
Saldo 11.000

Das Unternehmen hat also in diesem einen Jahr seines Betriebs einen Gewinn von 11.000 Euro erzielt.

Unterschied Kontenform vs Staffelform

Diese beiden Formen sind bei der Erstellung einer GuV-Rechnung möglich.

Kontenform

Bei der Kontenform geht man im Prinzip wie in obigem Beispiel vor. Man erstellt eine Tabelle mit zwei Spalten: Soll und Haben. Alles, was in die Kasse hereinfließt, wird in der Spalte „Haben“ erfasst. Alle Punkte, bei denen das Unternehmen selbst Aufwendungen leisten muss, sprich, Geld ausgeben, werden in der Spalte „Soll“ verbucht. Welche einzelnen Unterkonten es dabei üblicherweise gibt, ist für das Verstehen dieses Prinzips nicht wirklich relevant.
Am Ende ergibt sich ein Saldo, der schließlich das Endergebnis des entsprechenden Jahres oder Monat bedeutet, je nachdem, ob man den Saldo auf der Soll- oder Habenseite bilden muss.

Staffelform

Bei der Verwendung der Staffelform geht man ein wenig anders vor. Hier werden Gruppierungen statt Konten angelegt. Innerhalb jeder Gruppierung wird jeder einzelne existierende Posten aufgelistet. Danach erhält jede Gruppe ihre eigene Zwischensumme. Dies bewirkt den manchmal gerne genutzten Vorteil, dass die einzelnen Komponenten des Gesamtergebnisses einzeln einsehbar sind. So kann man konkreter lokalisieren, wo sich positive oder negative Einflüsse und Entwicklungen ergeben haben.

Zwei Methoden der GuV-Rechnung

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Die Alternativen der GuV-Berechnung

Hier unterscheidet man das Gesamtkostenverfahren, kurz GKV, und das Umsatzkostenverfahren (UKV). Bei Letzterem ist lediglich die Berücksichtigung von Umsatzerlösen und Umsatzkosten, also den Ausgaben zur Erzielung dieser Umsätze, notwendig. Dies ist bei vielen Unternehmen eher unterkomplex. In der GKV hingegen müssen ebenso Bestandserhöhungen oder aktivierte Eigenleistungen dem auf der Ertragsseite ihren Platz finden. So ergibt sich ein umfangreicheres Bild. Gleichwohl ist diese Methode nicht für alle Formen von Unternehmen überhaupt sinnvoll, weshalb der deutsche Gesetzgeber beide Methoden erlaubt, was sich wiederum nicht in allen Ländern auf diese Weise handhaben lässt.

Brutto- oder Nettoverfahren

Diese beiden Verfahren sind ebenfalls, zumindest in bestimmten Fällen, zulässig. Das Bruttoprinzip bei der GuV-Rechnung besagt, dass alle Arten von Aufwand und Ertrag als Einzelposition darin erscheinen müssen. Eine vorher durchgeführte Verrechnung, also eine Saldierung einzelner Positionen, ist nicht zulässig.

Allerdings existieren relativ weitreichende Ausnahmen, insbesondere für kleine und mittlere Kapitalgesellschaften. Diese können bestimmte Posten in ihrer GuV-Rechnung vorab zusammenfassen. Diese Methode dient dem Zweck, der Konkurrenz keinen allzu konkreten Einblick in die internen Geschäftsvorgänge zu ermöglichen. Dennoch muss auch in diesem Falle ein detaillierter Kontenplan existieren, aus dem die einzelnen Bestandteile der Gesamtrechnung hervorgehen.

In der Schweiz ist die GuV-Rechnung übrigens unter dem Begriff „Erfolgsrechnung“ geläufig, funktioniert aber nach demselben Prinzip. Als zentraler Bestandteil der Jahresabschlussrechnung ist diese GuV-Rechnung eben das wichtigste Element, um den Gewinn bzw. Verlust eines Unternehmens zu bestimmen.

Was ist die Kapitalflussrechnung?

Laut § 264 HGB müssen Kapitalgesellschaften für den Jahresabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung neben der Offenlegung ihrer Vermögens- und Ertragslage auch ein Bild ihrer Finanzlage vermitteln. Während die Vermögenslage in der Bilanz und die Ertragslage in der Gewinn- und Verlustrechnung abgebildet werden, wird zur Darstellung der Finanzlage die Kapitalflussrechnung eingesetzt.

Definition und Zielsetzung der Kapitalflussrechnung

Die Kapitalflussrechnung gibt Aufschluss über die allgemeine Liquiditätslage eines Unternehmens und seinen Möglichkeiten, liquide Mittel für Investitionen, zur Schuldentilgung und Gewinnausschüttung einzusetzen. Etabliert sind die synonymen Bezeichnungen FinanzflussrechnungGeldflussrechnungMittelflussrechnung oder Ccashflow-Rechnung. Bei der Berechnung werden der Liquiditätsbestand am Periodenende dem Bestand am Periodenanfang gegenübergestellt. Für den betrachteten Zeitraum werden alle Zu- und Abflüsse an Finanzmitteln systematisch erfasst. Daraus lassen sich Rückschlüsse über die Mittelherkunft und die Mittelverwendung ziehen. Zu den Finanzmitteln zählen ausschließlich Zahlungsmittel (Kassenbestand, Guthaben bei Bundesbank und Kreditinstituten) und -äquivalente (als Liquiditätsreserve gehaltene Werwtpapiere im Umlaufvermögen, die leicht veräußerbar sind). Zu beachten ist, dass der Begriff Kapitalflussrechnung missverständlich aufgefasst werden kann, da es unterschiedliche Definitionen des Begriffs Kapital gibt. Zum einen gibt es eine klassische Definition, die unter Kapital die Wertsumme einer Bilanz versteht. Diese besteht aus Forderungen und Verbindlichkeiten auf der Aktivseite sowie aus Eigen- und Frefmdkapital auf der Passivseite. Hierbei gehören auch schwer liquidierbare Gegenstände des Anlagevermögens und langfristige Forderungen zum Kapital. Zum anderen kann der Begriff Kapital auch rein monetär aufgefasst werden und ausschließlich auf Geldmittel abzielen. Diese enger gefasste, monetäre Sichtweise dient als Grundlage für die Kapitalflussrechnung.

Datenquellen und Aufbau der Cashflow-Rechnung

Die benötigten Angaben für die Kapitalflussrechnung ergeben sich vor allem aus der Gewinn- und Verlustrechnung des Jahresabschlusses. Erträge und Aufwendungen, die nicht zu zahlungswirksamen Positionen geführt haben, erfahren keine Berücksichtigung. So bleiben beispielsweise Zu- oder Abschreibungen, Wertberichtigungen und Zuführungen oder Auflösungen von Rückstellungen außer Betracht. Dadurch ist die Kapitalflussrechnung weniger durch bilanzielle Ermessensspielräume beeinflusst. Nach dem deutschen Rechnungslegungsstandard DRS 21 und IAS 7 (International Accounting Standard) ist die Kapitalflussrechnung in drei Stufen aufzustellen:

  1. Cashflow aus operativer Tätigkeit Er wird in der betrieblichen Tätigkeit des Unternehmens generiert. Je höher er ausfällt, desto erfolgreicher ist das Unternehmen.
  2. Cashflow aus Investitionstätigkeit Da Investitionen in der Regel nicht gleichmäßig getätigt werden, hat dieser Cashflow eine untergeordnete Rolle. Ist er aber über längere Zeiträume positiv, deutet dies auf wenig Investitionstätigkeit einerseits und den Verkauf von Anlagevermögen andererseits hin.
  3. Cashflow aus Finanzierungstätigkeit Auch hier sind keine regelmäßigen Kapitalflüsse zu erwarten. Bei positivem Cashflow fließen dem Unternehmen Mittel von außen zu, beispielsweise durch Eigentümer oder Banken.

Die drei Stufen zeigen auf, welche Tätigkeiten im Unternehmen in welcher Höhe zur Liquidität beitragen. Beispielsweise lassen sich so Einmaleffekte aus Anlagekäufen und –verkäufen oder Finanzierungsrunden sichtbar machen.

Betrachtungszeitraum

Hinsichtlich des Betrachtungszeitraumes unterscheidet man zwischen der retrospektiven und der prospektive Kapitalflussrechnung. Während der retrospektiven Cashflow-Rechnung als vergangenheitsorientierter Sichtweise die periodenbezogenen Daten des Jahresabschlusses zugrunde liegen, ist die prospektive Kapitalflussrechnung zukunftsorientiert. Man nennt sie auch Finanzplan, sie arbeitet mit den Planzahlen der Gewinn- und Verlustrechnung zusammen. Lesen Sie hier alles zum Thema Finanzplan.

Arten der Kapitalflussrechnung

Für die Erstellung einer Kapitalflussrechnung gibt es verschiedene Standards, Richtlinien und Empfehlungen. Grundsätzlich können Unternehmen die Cashflow-Rechnung nach der direkten oder indirekten Methode aufstellen. IAS 7 empfiehlt für die Erstellung eines Abschlusses nach IFRS die Ermittlung des operativen Cashflows in der direkten Methode, da hierbei künftige Cashflows leichter abzuschätzen sind. DRS 21 schreibt ausdrücklich vor, für die Berichterstattung im Jahresabschluss die Cashflows für Investitions– und Finanzierungstätigkeit direkt zu ermitteln. Das deutsche HGB macht keine Vorgaben. Daneben gibt es eine Empfehlung der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) und der Schmalenbach-Gesellschaft (SG) zur Erstellung einer vereinfachten Kapitalflussrechnung auf Basis der indirekten Methode. Hauptadressaten dieses Berechnungsansatzes sind Gremien der Mitarbeitervertretung und Betriebsräte.

Kapitalflussrechnung – die direkte Methode

Vor allem bei der unternehmensinternen Cashflow-Berechnung lassen sich die Kapitalströme nach der direkten Methode ermitteln. Voraussetzung dabei ist der Zugriff auf die detaillierten Buchungsdaten des Rechnungswesens. Hierbei stellt man die relevanten Ein- und Auszahlungen gegenüber, daraus leitet sich der Zahlungsüberschuss ab.

Kapitalflussrechnung – die indirekte Methode

In der Praxis ist die Nutzung der indirekten Methode weit verbreitet, da für unternehmensexterne Betrachter die Detailinformationen der einzelnen Buchungen nicht vorliegen. Die indirekte Methode greift daher auf die in der Bilanz veröffentlichten Zahlen für die Überleitung einer Kapitalflussrechnung zurück. Ausgehend vom veröffentlichten Ergebnis des Unternehmens addiert man nicht alle zahlungswirksamen Aufwendungen wie Abschreibungen und Rückstellungen hinzu. Einnahmen, welche im Betrachtungszeitraum nicht zu Einzahlungen führten, lassen sich subtrahieren. Der operative Cashflow zeigt, ob ein Unternehmen seine Ausgaben des laufenden Geschäfts durch Einnahmen decken kann. Des Weiteren, ob Überschüsse aus dem operativen Bereich für Investitionen zur Verfügung stehen oder den Liquiditätsbedarf von Finanzierungen decken können. Tritt beim operativen Cashflow ein Fehlbetrag auf, muss man diesen entweder durch Barmittel aus der Vorperiode oder über eine Eigen- bzw. Fremdfinanzierung ausgleichen. Im Beispiel ließ sich zwar ein operativer Cashflow in Höhe von 135.000 EUR erwirtschaften, für den Bereich der Investitionen musste man allerdings 245.000 EUR aufwenden. Saldiert ergibt sich hieraus ein Nettoliquiditätsbedarf von 110.000 EUR. Da die Liquidität, die zu Beginn der Periode zur Verfügung stand (25.000 EUR), nicht ausreichte, um diesen Fehlbetrag zu decken, folgt einerseits eine Kapitalerhöhung durch die Gesellschafter (Eigenfinanzierung) in Höhe von 100.000 EUR und andererseits die Aufnahme eines Kredits (Fremdfinanfzierung) (20.000 EUR). In Summe errechnet sich ein Finanzmittelbestand am Ende der Periode von 15.000 EUR.