BWL-Artikel

Was versteht man unter einem Firmenwert?

Der Firmenwert, der auch als Geschäftswert oder Goodwill bezeichnet wird, bezeichnet einen Vermögensposten, der alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter umfasst, abzüglich aller Verbindlichkeiten. Es ist kaum möglich, einen exakten Firmenwert zu ermitteln, da auch nicht greifbare Werte wie der Ruf oder das Image eines Unternehmens mit einbezogen werden.

Nicht greifbare wertbildende Faktoren sind beispielsweise die Stammkundschaft, ein qualitatives Management, die Lage des Unternehmens, das Know-How oder ein guter Facharbeiterstamm. Diese Werte sind nicht direkt messbar, dennoch haben sie einen Einfluss auf den Wert eines Unternehmens.

Goodwill

Wer sich mit dem Thema Firmenwert beschäftigt, stößt dabei zwangsläufig auf die Begriffe Goodwill und Badwill. Als Goodwill bezeichnet man einen positiven Firmenwert. Dazu zählen alle Faktoren, die einen positiven Einfluss auf den Geschäftswert haben. Zum Beispiel zufriedene Kunden, die das Unternehmen ihren Bekannten weiterempfehlen. Dies zieht wiederum neue Kunden an und etabliert das Unternehmen als Marke. Diese positiven Einflüsse für ein Unternehmen steigern den Firmenwert, weil sie dem Unternehmen Kapital einbringen.

Badwill

Der Badwill bezeichnet einen negativen Geschäftswert. Dazu zählen alle negativen Einflüsse auf den Firmenwert, zum Beispiel überwiegend schlechte Bewertungen im Internet. Dies hat negative Auswirkungen auf den Umsatz des Unternehmens zur Folge. Das Unternehmen verliert dadurch vielleicht Kunden, Marktanteile oder Lieferanten.

Derivativer und originärer Firmenwert

Wenn von einem Firmenwert oder Geschäftswert die Rede ist, wird unterschieden zwischen dem derivativen und dem originären Firmenwert. Diese unterscheiden sich sowohl handelsrechtlich als auch steuerrechtlich.

Firmenwert

Was hat sich mein Unternehmen selbst erarbeitet?

Der originäre Firmenwert ist der vom Unternehmen selbst geschaffene Wert. Das Unternehmen hat ihn im Laufe der Zeit selbst erarbeitet und erschaffen. Laut dem Handels- und Steuerrecht darf dieser Wert nicht abgeschrieben werden. Die Begründung hierfür ist, dass dieser Wert im Laufe der Geschäftstätigkeit nicht erworben, sondern erschaffen wurde. Aus diesem Grund können dem originären Firmenwert keine eindeutig identifizierbaren Kosten zugeordnet werden. Eine Abschreibung lässt sich somit nicht rechtfertigen. Zu dem originären Firmenwert gehören unter anderem:

  • der Kundenstamm
  • das Image des Unternehmens
  • die Qualität des Managements
  • ein eventueller Vorteil durch den Standort
  • spezielles Know-How des Unternehmens
  • angemeldete Patente
  • Belieferungsrechte

Derivativer Firmenwert

Der derivative Geschäftswert ist der eigentliche Firmenwert, der beispielsweise durch das Aufkaufen eines anderen Unternehmens entsteht. Dieser wird bei der Abschreibung berücksichtigt. Es ist der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis eines Unternehmens und der Differenz aus Vermögen und Schulden. Vorausgesetzt, es herrscht eine positive Differenz.

Zum besseren Verständnis ein einfaches Beispiel: Unternehmen Y hat ein Vermögen von insgesamt 5 Millionen Euro und Schulden in Höhe von 2 Millionen Euro. Der eigentliche Wert des Unternehmens also beträgt 3 Millionen Euro. Unternehmen X kauft jetzt Unternehmen Y für 10 Millionen Euro. Dieser Wert ist gewissermaßen um 7 Millionen Euro überhöht. Diese 7 Millionen bilden den derivativen Geschäftswert. Er ist somit ein Maß dafür, inwiefern der Kaufpreis eines Unternehmens erhöht ist. Unternehmen X zahlt die 10 Millionen aber nur aus einem Grund: Es hat positive Erwartungen an die Zukunft von Unternehmen Y. Sie rechnen damit, dass sich der erhöhte Kaufpreis in der Zukunft rentieren wird.

Wie berechnet man den Firmenwert?

Firmenwert

Welche Relevanzen vereinen Käufer und Verkäufer, wenn eine Verhandlung geführt wird?

Grundsätzlich ist es unmöglich, einen objektiven Unternehmenswert zu berechnen. Käufer und Verkäufer haben meist verschiedene Ansichten zu diesem Wert. Ein Inhaber lässt beispielsweise seine eigene Arbeit mit in die Berechnung einfließen. Einem Käufer interessiert dagegen nur der eigentliche Sachwert. Um einen möglichst objektiven Sachwert zu erhalten, sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen.

Berechnung mit einem Online-Rechner

Für eine erste Einschätzung genügt meist ein Rechner aus dem Internet. Oft sind es Unternehmensberater, die diese kostenlosen Tools anbieten. Diese Rechner bieten potenziellen Kunden vorab einige Anhaltspunkte für den Wert. Sie basieren in der Regel auf gängigen Verfahren der Unternehmens-Wert-Berechnung. Lesen Sie hier alles zu Unternehmensberatern.

Verfahren zur Berechnung

In der Praxis haben sich zwei gängige Verfahren zur Wert-Ermittlung durchgesetzt.

Das Ertragswertverfahren:

Dieses Verfahren berücksichtigt, was mit dem Unternehmen in Zukunft verdient werden kann. Für die Berechnung werden die Erträge der Firma mit einem Kapitalisierungs-Zinssatz dividiert. Dabei werden mögliche Zinsen für herkömmliche Geldanlagen mit berücksichtigt.

Ein Investor möchte beispielsweise ein Unternehmen kaufen, dessen Ertrag bei 350.000 Euro liegt. Der Geschäftsführer zahlt sich einen Lohn von 100.000 Euro pro Jahr und gibt eine Kapitalverzinsung von 15 Prozent an. Seine Aufgabe ist es jetzt zu berechnen, wie viel Kapital ein Investor mitbringen müsste, um bei einem Zinssatz von 15 Prozent 250.000 Euro Rendite zu erwirtschaften. Die Berechnung sieht folgendermaßen aus: Kapital = 250.000 * (15 / 100). Das Ergebnis ist 1,66 Millionen Euro. Der Firmenwert nach dem Ertragswertverfahren wäre also 1,66 Millionen Euro. So viel Kapital müsste ein Investor mitbringen, um bei einem Einsatz von 15 Prozent 250.000 Euro zu erzielen.

Das Ebit-Verfahren:

Firmenwert

Wie entsteht mein Wert?

In diesem Verfahren wird der Jahresgewinn der Firma mit einem speziellen Faktor multipliziert. Dieser Faktor ist abhängig von der jeweiligen Branche und der Verschuldung des Unternehmens.

Weitere Faktoren, die bei der Wert-Ermittlung eine Rolle spielen, sind folgende:

  • eine plausible Prognose
  • Investitions und Umsatzplanung
  • Art der Unternehmensführung
  • Art der Dienstleistungen und Produkte
  • Umfang des Kundenstamms

Die Kombination aus solidem Kundenstamm und kontinuierlicher Wachstumsrate können den Firmenwert erheblich steigern.

Fremdkapitalquote – was steckt dahinter?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkgapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl(en), die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote setzt man bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote dividiert man das Fremdkapital eines Unternehmens durch das

FK-Quote

Die Berechnung der FK-Quote ist nicht allzu kompliziert

Gesamtkapital. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung folgt die Gleichsetzung von Bilanzsumme und Gesamtkapital. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital und Eigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt der Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens. Lesen Sie hier alles zur Bonität.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter, als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze für die Fremdkapitalquote?

FK-Quote

Was bedeuten die Ergebnisse?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung überlässt man alleine den Unternehmern. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel können jedoch noch lange nicht alle KMU erreichen.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ( KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

FK-Quote

Der Leverage-Effekt ist nicht das gleiche wie die FK-Quote

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Net Working Capital

Das Net Working Capital, auch NWC, beschreibt die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Somit handelt es sich beim NWC um das Nettoumlaufvermögen. Ein positives Net Working Capital bedeutet, dass ein Unternehmen über genügend Mittel verfügt, um seinen kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Auch in andere Aktivitäten wird investiert. Mehr Datenraum zur Berechnung des NWC finden Sie hier.
Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens hingegen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht übersteigt, kann das dazu führen, dass das Unternehmen nicht zu wachsen im Stande ist, Gläubigern nichts bezahlen kann oder sogar Konkurs geht. Somit muss das Ziel zwangsläufig heißen, stets ein Net Working Capital größer 0 zu haben. Die Begriffe Working Capital und Net Working Capital unterscheiden sich. Beim Working Capital sind die flüssigen Mittel, also Kassen- und Bankbestände, aufgeführt. In die Berechnung des Net Working Capitals fließen sie nicht mit ein.

Formel Net Working Capital

Die Berechnung des Net Working Capital ist unkompliziert. Die Formel sieht folgendermaßen aus:

Net Working Capital = Umlaufvermögen – Liquide Mittel – Kurzfristige Verbindlichkeiten

Umlaufvermögen:

Das Umlaufvermögen eines Unternehmens beschreibt kurzfristige Vermögenswerte in der Bilanz, die innerhalb eines Jahres oder weniger in Bargeld umgewandelt werden können. Zu den kurzfristigen Vermögenswerten gehören in der Regel Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente wie u.a. kurzfristige Staatsanleihen oder Geldmarktfonds. Wertpapiere, Forderungen und Vorräte gelten ebenfalls als kurzfristige Vermögenswerte.

NWC

Umlaufvermögen und liquide Mittel werden zur Berechnung benötigt.

Ein Unternehmen verfügt zum Beispiel über liquide Mittel in Höhe von 500.000 Euro, Forderungen in Höhe von 50.000 Euro und Lagerbestände in Höhe von 100.000 USD. Zur Berechnung des gesamten Umlaufvermögens addieren Sie einfach diese Werte:

500.000 EUR + 50.000 EUR + 100.000EUR = 650.000EUR

Liquide Mittel:

Die liquiden Mittel eines Unternehmens umfassen Geldmittel, die zur sofortigen Zahlung zur Verfügung stehen. Diese Mittel umfassen vor allem Bargeldbestände, Bankguthaben und Schecks. Die liquiden Mittel eines Unternehmens bilden einen Posten im Umlaufvermögen und finden sich auf der Aktiva-Seite der Unternehmensbilanz. Lesen Sie hier alles zur Bilanz.
Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über Bargeldbestände in Höhe von 20.000 Euro. Das Bankguthaben beträgt 7.000 Euro und Schecks haben einen Betrag von 4.000 Euro. Um die Summe der liquiden Mittel zu berechnen, müssen Sie alle diese Werte zu den einzelnen liquiden Mitteln addieren:

20.000 EUR + 7.000 EUR + 4.000 EUR = 31.000 EUR

Kurzfristige Verbindlichkeiten:

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens beschreiben die kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen, die innerhalb eines Jahres oder weniger fällig sind. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten umfassen in der Regel kurzfristige Darlehen, Kredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Rückstellungen und andere Schulden wie Kreditkartensalden oder andere Schulden. Kurzfristige Teile langfristiger Schulden wie gewerbliche Immobilienkredite und Kredite für kleine Unternehmen gelten ebenfalls als kurzfristige Verbindlichkeiten.

Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 200.000 Euro. Die Verbindlichkeiten betragen 70.000 Euro und man hat Rückstellungen in Höhe von 40.000 Euro. Um die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten zu erhalten, muss man diese Werte addieren:

200.000 EUR + 70.000 EUR + 40.000 EUR = 310.000 EUR

Nachdem Sie die Werte sowohl für das Umlaufvermögen, die liquiden Mittel als auch für die kurzfristigen Verbindlichkeiten berechnet haben, besteht der nächste Schritt darin, die liquiden Mittel sowie die kurzfristigen Verbindlichkeiten vom Umlaufvermögen zu subtrahieren, um den Wert Ihres Nettoumlaufvermögens zu erhalten. Unter Verwendung der obigen Zahlen lautet die Berechnung wie folgt:

650.000 EUR – 31.000 EUR – 310.000 EUR = 309.000 EUR NWC

Was sagt das Net Working Capital aus?

NWC?

Was passiert bei einem negativen NWC?

Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens im Wesentlichen positiv ist, bedeutet dies, dass die kurzfristigen Mittel aus dem Umlaufvermögen mehr als ausreichend sind, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zu begleichen. Was bedeutet es, wenn der Wert im Wesentlichen negativ ist? Das Unternehmen verfügt möglicherweise nicht über ausreichende Mittel, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Es besteht die Gefahr eines Konkurses des Unternehmens. Die Angabe des Nettoumlaufvermögens ist aussagekräftiger, wenn eine Trendlinie verfolgt wird, da diese eine allmähliche Verbesserung oder Verringerung des Nettoumlaufvermögens im Laufe der Zeit anzeigen kann.

Das Net Working Capital kann auch verwendet werden, um die Fähigkeit eines Unternehmens zu schätzen, schnell zu wachsen. Wenn es über ein großes Net Working Capital verfügt, kann das Geschäft scheinbar schnell wachsen. Umgekehrt wäre es aufgrund einer angespannten Lage des Nettoumlaufvermögens sehr unwahrscheinlich, dass ein Unternehmen über die finanziellen Mittel verfügt, um sein Wachstum zu beschleunigen. Ein spezifischerer Indikator für die Wachstumsfähigkeit ist, wenn ein Unternehmen Bargeld von seinen Kunden einziehen kann, bevor es seine Lieferanten bezahlen muss.

Wie steht es um das Unternehmen?

Vereinfacht kann man sagen, dass, je höher das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens ist, desto stabiler ist das Unternehmen für die Gegenwart und die kurzfristige Zukunft aufgestellt. Dabei muss aber beachtet werden, dass ein zu hohes Umlaufvermögen auf eine die Eigenkapitalrentabilität negativ beeinträchtigende Bindung von kurzfristigen Vermögen hinweisen kann.

NWC

Wie steht es um die Zukunft meines Unternehmens?

Änderungen im Net Working Capital sind ein Maß für den operativen Cashflow (OCF) und werden in der Regel in der Kapitalflussrechnung erfasst. Die Veränderung des Nettoumlaufvermögens kann Ihnen zeigen, ob das kurzfristige Geschäftsvermögen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten von einer Periode zur nächsten zunimmt oder abnimmt. Ein zunehmendes oder abnehmendes Nettoumlaufvermögen ist jedoch nicht zwingend gut oder schlecht. Gelegentlich erfordern strategische Geschäftsentscheidungen einen kurzfristigen Anstieg der Verbindlichkeiten. Oder ein zunehmendes Nettoumlaufvermögen kann zeigen, dass ein größerer Teil Ihres Bargeldes in Vermögenswerte investiert ist, die möglicherweise nicht sehr liquide sind. Daher ist es wichtig, die Entwicklung des Nettoumlaufvermögens zu verfolgen, damit Unternehmen ihren OCF überwachen können.

Umsatzrendite

Stuttgarter Verfahren

Das Stuttgarter Verfahren wurde ursprünglich zur Bewertung von Immobilien eingesetzt. Auf Grund der einfachen Berechnungsmethode fand es bis 2009 außerdem Anwendung bei der Bewertung von nicht börsennotierten Anteilen an Kapitalgesellschaften. Die Methode errechnete den gemeinen Wert von Unternehmen als Bemessungsgrundlage der Erbschaft- bzwSchenkungsteuer. Heute findet man das Stuttgarter Verfahren noch als Abfindungsregelung in GmbH-Gesellschaftsverträgen, die vor 2009 gegründet wurden.

Beim Stuttgarter Verfahren handelte es sich um ein Übergewinnabgeltungsverfahren. Man ging davon aus, dass der Wert eines Unternehmens grundsätzlich seiner Vermögenssubstanz entspricht. Für überdurchschnittliche Gewinne wurde ein Zuschlag ermittelt, der sich aus den vermuteten ausschüttungsfähigen Gewinnen der nächsten fünf Jahre ergab.

Das Verfahren stammt aus den 50er Jahren. Die Stuttgarter Finanzverwaltung entwickelte es, um das damals stark kritisierte Berliner Verfahren abzulösen. Das Erbschaftsteuerreformgesetz vom 1. Januar 2009 schaffte das Stuttgarter Verfahren offiziell wieder ab. Heute verwendet man zukunftsorientierte Bewertungsmethoden, wie das Discounted-Cashflow-Verfahren, das Ertragswertverfahren oder das Substanzwertverfahren.

Stuttgarter Verfahren

Das Stuttgarter Verfahren diente zur Wertermittlung von Immobilien

Sonderregelungen

Es gab zahlreiche Sonderregelungen, die unter anderem für neu gegründete Gesellschaften, Holdinggesellschaften und gemeinnützige Gesellschaften galten. Besondere Umstände, wie Sonderabschreibungen sowie Verlustrückträge und –vorträge, konnten durch Zu- oder Abschläge berücksichtigt werden.

Kritik am Stuttgarter Verfahren

Das Stuttgarter Verfahren war ein sehr pauschaler Bewertungsansatz, der individuelle Besonderheiten von Unternehmen nicht berücksichtigte. Damit verstößt es gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip. Da es laut eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts nicht mit dem Grundgesetz vereinbar war, schaffte man es 2009 schließlich ab.

Als Methode zur Unternehmensbewertung eignete sich das Stuttgarter Verfahren ohnehin nicht, da es auf realitätsfernen Ausgangsparametern beruhte. Es kam lediglich fiskalischen Zwecken zu Nutze. Das Verfahren der Übergewinnabgeltung gilt als überholt und die Verwendung der Vermögenswerte aus der Bilanz als unrealistisch. Damit entsprach es nicht dem Standard IDW S1 nach den Grundsätzen zur Durchführung von Unternehmensbewertungen des Instituts für Wirtschaftsprüfer.

Berechnungsmethode

Im ersten Schritt ermittelt man den Vermögenswert. Dieser ergibt sich aus der Differenz von Vermögen und Schulden, ins Verhältnis gesetzt mit dem Nennkapital. Daraus erhält man die folgende Formel: Vermögenswert = (Vermögen – Schulden) * 100 / Nennkapital. Es kann sich auch ein negativer Vermögenswert ergeben, wenn die Schulden höher sind als das Vermögen.

Die Berechnung des Unternehmens durch das Stuttgarter Verfahren

Der zweite Schritt dient der Ermittlung des Ertragshundertsatzes. Hierbei bestimmt man den gewogenen Durchschnitt der Eigenkapitalverzinsung der letzten drei Geschäftsjahre und setzt diesen wiederum ins Verhältnis zum Nennkapital. Das erste Jahr fließt dabei einfach, das zweite doppelt und das dritte dreifach in die Berechnung ein. Man erhält folgende Formel: Ertragshundertsatz = (1 * Geschäftsjahr 1 + 2 * Geschäftsjahr 2 + 3 * Geschäftsjahr 3) * 100 / 6 * Nennkapital. Ergibt sich ein negativer Wert, nimmt man zur weiteren Berechnung einen Ertragshundertsatz von 0 an.

Der dritte und letzte Schritt errechnet den gemeinen Wert eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft. Diesen Wert müsste ein Käufer beim Erwerb aufwenden. Neben dem Vermögenswert werden die Ertragsaussichten der kommenden Jahre im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen berücksichtigt. Nach aktuell gültiger Fassung der Erbschaftsteuer-Richtlinien ist dies ein Grenzzinsatz von 9 % berechnet auf fünf Jahre. Daraus ergibt sich die folgende Formel: Gemeiner Wert = Vermögenswert + 5 * (Ertragshundertsatz – 9 * Gemeiner Wert / 100).

Durch Auflösung und Rundung ergibt sich schließlich die nachfolgende Formel zur Berechnung des gemeinen Wertes nach Stuttgarter Verfahren: Gemeiner Wert = 0,68 * (Vermögenswert + 5 * Ertragshundertsatz). In Relation zum Nennkapital gesetzt erhält man damit den Wert aller Anteile einer Kapitalgesellschaft.

Rechenbeispiel

Folgende Werte werden für ein Unternehmen angenommen:
Betriebsvermögen: 1.000.000 EUR
Nennkapital: 750.000 EUR
Gewinn im letzten Geschäftsjahr: 30.000 EUR
Gewinn im vorletzen Geschäftsjahr: 25.000 EUR
Gewinn vor drei Geschäftsjahren: 20.000 EUR

Durch Einsetzen der Werte in die oben hergeleiteten Formeln erhält man:
Vermögenswert = (Vermögen – Schulden) * 100 / Nennkapital
Vermögenswert = 1.000.000 * 100 / 750.000
Vermögenswert = 133,33

Ertragshundertsatz = (1 * Geschäftsjahr 1 + 2 * Geschäftsjahr 2 + 3 * Geschäftsjahr 3) * 100 / 6 * Nennkapital
Ertragshundertsatz = (1 * 20.000 + 2 * 25.000 + 3 * 30.000) * 100 / 6 * 750.000
Ertragshundertsatz = 4,11

Gemeiner Wert = 0,68 * (Vermögenswert + 5 * Ertragshundertsatz)
Gemeiner Wert = 0,68 * (133,33 + 5 * 4,11)
Gemeiner Wert = 104,64

Der Wert aller Anteile der Kapitalgesellschaft nach Stuttgarter Verfahren beträgt somit 750.000 EUR * 104,64% = 784.800 EUR