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Unternehmensbewertung

Was ein Unternehmen wirklich wertvoll macht

Es gibt viele Möglichkeiten, um eine Unternehmensbewertung durchzuführen. Beliebte Methoden um den Wert zu ermitteln sind die Überprüfung der Bilanz oder den Wert anhand des Marktanteils zu kalkulieren. Während rein finanzielle Aspekte wichtig sind, gibt es auch andere Gesichtspunkte, die eine Unternehmensbewertung beeinflussen.

In diesem Artikel beschreiben wir drei, manchmal übersehene, aber dennoch wichtige Faktoren, die zu einer soliden Unternehmensbewertung beitragen.

  • Langfristige Verträge mit Kunden
  • Dokumentierte Prozesse und Abläufe
  • Unabhängigkeit des Managements vom Gründer

Langfristige Verträge deuten auf eine strahlende Zukunft

Welche Dokumente duerfen mit einem DMS aufbewahrt werden?Unternehmen sind schon von ihrem Wesen in einem ständigen Zustand der Veränderung. Mit dem Druck von Wettbewerbern, Vorschriften, Logistik, der Wirtschaftslage und vielem mehr ist alles, was ein Element der Stabilität bietet, sehr willkommen. 

Langfristige Verträge bieten einem Unternehmen ein kalkulierbares Einkommen und Sicherheit. Die Bedeutung eines langfristigen Geschäftsverhältnisses darf in einer ständigem Wandel unterworfenen Geschäftswelt nicht unterschätzt werden.

Ein langfristiger Vertrag für ein Produkt oder eine Dienstleistung ist ein starker Indikator dafür, dass die Kunden dem Unternehmen vertrauen. Beispiele für langfristige Verträge umfassen laufende Beratungskosten, langfristiger Wartungsservice, regelmäßige Nachbestellungen und Vermietung von Immobilien oder Ausstattung.

Langfristige Verträge bieten eine solide Grundlage um die künftige Entwicklung des Unternehmens abschätzen zu können (ein wichtiger Teil der Unternehmensbewertung). So müssen Absatzprojektionen nicht auf Schätzungen basieren, die ungenau sein können. Sie basieren auf unterschriebenen Vertragsdokumenten.

Mit langfristigen Verträgen kann die Unternehmensführung genauer planen. Das kann zu mehr Effizienz und Effektivität des Unternehmens führen. Die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen steigt mit größerer Arbeitsplatzsicherheit, die auf langfristigen Verträgen gründet.

Wenn Sie ein Unternehmen bewerten, analysieren Sie die Laufzeit der Verträge. Je länger die Vertragslaufzeit, desto größer ist die Bindung der Kunden an das Unternehmen und die Stabilität des Betriebsergebnisses verbessert sich.

Lese-Tipp: Diese Vertragsarten gibt es in Deutschland. Wir erläutern welche davon Sie kennen müssen.

Prozesse und Abläufe – die unbesungenen Helden des geschäftlichen Erfolgs

Dokumentierte Prozesse und Verfahren sind von zentraler Bedeutung für den Erfolg vieler Unternehmen. Von Fast-Food-Restaurants, kommerziellen Fluggesellschaften und privaten Krankenhäusern bis hin zu Logistik-Unternehmen. Die Restaurantkette McDonalds ist in vielerlei Hinsicht durch die Prozesse und Verfahren definiert, auf denen Ihr Geschäftsmodell aufbaut.

Organisationen verlassen sich auf gut dokumentierte Prozesse um einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt zu erreichen. Die Effizienz, die sie aus ihren dokumentierten Prozessen ziehen, ist ein wichtiger Teil ihrer Bewertung als Unternehmen.

Wie tragen dokumentierte Prozesse und Verfahren zu dem Wert des Unternehmens bei?

  • Die Prozesse stellen das geistige Eigentum des Unternehmens das und dessen Verständnis davon, wie das Geschäft zu führen ist. Ein McDonalds Restaurant kann eine bestimmte Anzahl von Menschen bedienen, diese Anzahl ergibt sich aus den Prozessen zur Lebensmittelherstellung. Dies wiederum erlaubt eine präzise Prognose der Kosten und Einnahmen für jedes Restaurant.
  • Das Dokumentieren der Prozesse gibt potenziellen Käufer eine klare Vorstellung davon, wie das Geschäft funktioniert. Natürlich gibt es Bestandteile oder ganze Prozesse, die aus Wettbewerbsgründen vertraulich bleiben müssen. Allerdings hilft die Dokumentation der Prozesse Käufern das Unternehmen besser zu verstehen, das sie kaufen – und vielleicht einen Eindruck davon, wie sie die Effizienz weiter verbessern können.
  • Die Übernahme von Prozessen und Verfahren ist ein Zeichen einer vernünftigen Mentalität innerhalb eines Unternehmens. Das Unternehmen hat sich dazu entschieden, den Betrieb zu verbessern und stellt sicher, dass die Angestellten die Prozesse einhalten.
  • Die Verwendung von dokumentierten Prozessen und Verfahren bedeutet , dass es weniger Abhängigkeit von bestimmten Personen besteht, die spezifische Aufgaben erledigen. Dies ist entscheidend, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen und so auch die Kenntnisse und Erfahrungen des Personals. Wenn dieses Wissen in den Geschäftsprozessen erfasst wurde, besteht deutlich weniger Risiko für das Geschäft, wenn eine bestimmte Person das Unternehmen verlässt..

Wenn Sie ein Unternehmen analysieren, betrachten Sie, welcher Wert aus der Anwendung von Prozessen und Abläufen entsteht. Es kann mehr sein, als Sie denken.

Ein starkes und unabhängiges Management

Aufbewahrungsfristen fuer Selbstständige, Kleingewerbetreibende

Die Geschichte zeigt, dass der Gründer eines Unternehmens möglicherweise nicht die geeignetste Person zur Führung und Verwaltung des Unternehmens ist. Die Fähigkeiten und die Vision die benötigt werden, um ein Unternehmen zu gründen, sind nicht die gleichen wie diejenigen, die für das tägliche Management gebraucht werden. Wenige Gründer entpuppen sich als großartige Manager.

Also stellen Sie sicher, dass Sie bei der Bewertung eines Unternehmens das Verhältnis zwischen dem Gründer und dem Management klar verstehen.

Für neu gegründete Unternehmen kann der Gründer oft vollständigen Einfluss und Kontrolle ausüben, vor allem, wenn er für die Finanzierung des Unternehmens verantwortlich ist. Dies kann in der Gründungszeit vorteilhaft sein, wenn das Charisma und die starke Persönlichkeit eines Gründers wichtig für den Aufstieg der Firma sind. 

Allerdings sollte ein etabliertes Unternehmen über ein Management verfügen, dass das Geschäft auch alleine führen kann, ohne auf direkte Anweisungen des Gründer angewiesen zu sein. Schließlich könnte das Management auch nicht mehr auf den Input des Gründers zurückgreifen, wenn die Firma verkauft werden würde. Das Management muss stark genug sein, um das Unternehmen auch allein führen zu können.

Wenn Sie das Managements und die Verwaltung einer Firma evaluieren, betrachten Sie, ob das Unternehmen stark vom Gründer in Hinsicht auf Leitung und Vision angewiesen ist. Stellen Sie sich die Frage : „Was wäre der Unternehmenswert, wenn der Gründer nicht mehr da wäre?

Zusammenfassend

Wie in diesem Artikel beschrieben, beziehen sich alle drei Faktoren auf die relative Reife eines Unternehmens.

  • Langfristige Verträge zeichnen ein Unternehmen aus, dessen Produkte und Dienstleistungen einen nachgewiesenen und gut etablierten Bedarf so erfüllen, dass die Kunden bereit sind langfristige Vereinbarungen mit der Firma zu treffen. 
  • Die Einhaltung bewährter Prozesse und Verfahren zeigt, wie ein Unternehmen die ganz eigene Art und Weise Dinge zu tun wertschätzt und wie dies als Teil der Unternehmensstruktur dokumentiert werden soll.
  • Das Management hat die notwendige Erfahrung und Unabhängigkeit um das Unternehmen unabhängig vom Einfluss und der Leitung des Gründers zu verwalten.

Einzeln oder gemeinsam haben diese drei Faktoren einen dramatischen Einfluss auf die Unternehmensbewertung und sollten als Teil jedes Bewertungsprozesses betrachtet werden.

BWL-Artikel

Alte Maschine - auch ein Sachwert

Was ist der Substanzwert?

Für die betriebswirtschaftliche Unternehmensbewertung – etwa im Rahmen eines Unternehmenskaufs bzw. Unternehmensverkaufs werden unterschiedliche Parameter verwendet. Neben dem Ertragswert kommt hierbei auch der so genannte Substanzwert zum Tragen. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um die in einem Unternehmen befindlichen und in dessen Eigentum stehenden Sachwerte. Bedeutung haben der Substanzwert und andere Parameter der Unternehmensbewertung vor allem im Hinblick auf die Beantragung und Gewährung von Krediten durch Banken bzw. für potentielle Investoren. Bei solchen Entscheidungen spielen nicht zuletzt die im Unternehmen befindlichen Sachwerte sowie das vorhandene immaterielle Vermögen eine entscheidende Rolle.

Die Ermittlung der Grundlagen des Substanzwerts

Maschinen gehören ebenfalls zum Substanzwert eines Unternehmens

Maschinen gehören ebenfalls zum Substanzwert eines Unternehmens

Um den Substanzwert eines Unternehmens bestimmen zu können ist zunächst wichtig das Vermögen des Unternehmens zu erfassen. Dabei geht es um die im Eigentum der Firma stehenden materiellen Güter. Dazu gehören auch Liquide Mittel, die für die Berechnung des Substanzwertes ebenfalls von Belang sind. Entsprechend werden bei der Berechnung mit erfasst:

Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte

Gebäude

Maschinen

Fuhrpark

– Fertige Waren etc.

Bei diesen Werte bzw. diesem Inventar handelt es sich um das so genannte betriebsnotwendige Vermögen, als um Sachwerte, die für die wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens von Belang sind. Darüber hinaus zählen zum Substanzwert aber auch Gegenstände, die nicht zu diesen Zwecken dienen und folglich zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen zählen. Dies betrifft etwa Kunstwerke, die in der zentralen Verwaltung hängen u.ä..

Bewertung des Sachvermögens

Im Hinblick auf den für das Sachvermögen anzusetzenden Wert wird im Rahmen der Ermittlung des Substanzwerts der Wiederbeschaffungswert verwendet. Dies ist notwendig, da es um eine realistische Betrachtung der im Betrieb befindlichen Sachwerte geht. Hier spielen Alter und Zustand der Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge eine entscheidende Rolle. Sofern es sich um nicht zum betriebsnotwendigen Vermögen zählende Einzelstücke wie etwa Kunstwerke handelt, wird der potentielle Wert beim Verkauf an einen Sammler als Maßstab herangezogen. Letztlich geht es darum, möglichst realistisch abzubilden, welche Preise die verschiedenen im Eigentum des Unternehmens stehenden Sachen bei einem Verkauf zum jeweiligen Zeitpunkt der Bewertung erzielen würden.

So wird der Substanzwert ermittelt:

Sind alle materiellen Sachwerte des Unternehmens erfasst, werden zu diesen die immateriellen Vermögenswerte hinzu gerechnet. Von diesen werden wiederum die Kredite und anderen Außenstände des Betriebs abgezogen. Der so ermittelte Betrag stellt den aktuellen Substanzwert des Unternehmens dar.

In der Realität wird der Substanzwert einer Firma in der Regel im Rahmen einer Due Diligence ermittelt. Lesen Sie dazu auch die folgenden Beiträge aus dem docurex-Blog:

Der Ertragswert des Unternehmens

Gebäude gehören ebenfalls zurm Substanzwert einer Firma

Gebäude gehören ebenfalls zurm Substanzwert einer Firma

Für die unternehmerische Planung ist der Substanzwert für sich genommen nur von geringer Aussagekraft, da er lediglich den Wert des zur wirtschaftlichen Tätigkeit zur Verfügung stehenden Vermögens abbildet. Gleichwohl kommt dem Substanzwert Bedeutung im Verhältnis zum so genannten Ertragswert zu. Die Bestimmung des Ertragswerts näher zu erläutern, würde den Rahmen dieser kurzen Abhandlung sprengen. Vereinfacht gesagt geht es beim Ertragswertverfahren um die Ermittlung des potentiellen Ertrags, der sich in Zukunft mit dem im Unternehmen befindlichen Vermögen erwirtschaften lässt. Im Hinblick auf Immobilien etwa werden zur Bestimmung der entsprechenden Werte der Bodenrichtwert, die erzielbare Mietzins bei Vermietung oder Verpachtung etc. heran gezogen. Während der Substanzwert sich auf den materiellen Wert zum gegenwärtigen Zeitpunkt bezieht, erfasst der Ertragswert die potentiellen wirtschaftlichen Chancen dieses Vermögens in Richtung Zukunft.

Verhältnis von Substanzwert zum Ertragswert

Für die Bewertung eines Unternehmens spielt das Verhältnis von Substanzwert und Ertragswert eine entscheidende Rolle. Liegt der Ertragswert höher als der Substanzwert, so spricht man von positiven Firmenwert. Ein negativer Firmenwert liegt dagegen dann vor, wenn der der Substanzwert höher ist als der Ertragswert. Für potentielle Kreditgeber bzw. Investoren stellt sich die Situation negativ dar, wenn ein Großteil der im Unternehmen befindlichen Substanz keine Aussicht auf zukünftige Gewinne bietet. Je negativer der Wert ausfällt, desto mehr macht eine Liquidation des Unternehmens Sinn, da viele Sachwerte mit der Zeit an Wert verlieren und die wirtschaftliche Situation keine echten Zukunftsperspektiven aufzuweisen scheint. Ist der Firmenwert dagegen positiv bedeutet dies, dass das im Unternehmen befindliche Vermögen produktiv eingesetzt wird. Entsprechend besser sind in diesen Fällen die Aussichten für die Zukunft.

Geschichte des Substanzwerts

Die ersten wissenschaftlichen Ausführungen zur Unternehmensbewertung gehen auf den Schweizer Ökonomen Karl Käfer zurück. Dieser veröffentlichte 1946 erste Arbeiten zu diesem Thema. Ein erstes Standardwerk, das sich explizit mit dem Substanzwert befasst erstellte Günter Sieben 1961 im Rahmen seiner Doktorarbeit. Diese trug den Titel: „Der Substanzwert. Ein Beitrag zur Lehre der Bewertung der Unternehmung“. Auch in seiner weiteren akademischen Arbeit widmete er sich immer wieder diesem Thema.

Kritik am Substanzwert

Neben der Tatsache, dass die Ermittlung des Substanzwerts für sich genommen wenig Hilfe beim Treffen wirtschaftlicher Entscheidungen bietet, gibt es auch grundsätzliche Kritik an diesem Verfahren der Unternehmensbewertung. Dies betrifft insbesondere die Erfassung immaterieller Güter. Dies betrifft etwa die Bekanntheit einer Marke, die im Unternehmen befindlichen Patente und andere Formen geistigen Eigentums. Diese lassen sich in materieller Hinsicht regelmäßig nur ungenau erfassen. Lässt man sie andererseits außen vor, fehlen in der Regel entscheidende Bestandteile des tatsächlichen Wertes eines Unternehmens. Insofern ist wichtig, den Substanzwert als die relative Größe zu betrachten die er ist und ihn jeweils im Lichte der Gesamtumstände individuell einzuordnen.