BWL-Artikel

Was ist Zahlungsunfähigkeit?

Zahlungsunfähigkeit ist mit Blick auf die rechtliche Definition nach Paragraf 17 Absatz 1 InsO ein wesentlicher Grund, um eine Insolvenz zu eröffnen. In dem Zusammenhang ist es nicht von Bedeutung, um welche Rechtsform des Schuldners es sich im Einzelnen handelt. Der Begriff Zahlungsunfähigkeit beschreibt die Unfähigkeit eines Schuldners, seinen Zahlungsverpflichtungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nachzukommen. Dies ist dem ersten Satz des Absatzes 2 desselben Paragrafen zu entnehmen.

Hierbei geht man davon aus, dass der Schuldner bedingt durch die bestehende finanzielle Situation seine Zahlungen eingestellt hat und noch bestehende Forderungen seiner Gläubiger nicht erfüllt bzw. bedienen kann. Wichtig ist, die individuellen finanziellen Gegebenheiten stets im Blick zu behalten. Vorausschauend planen und handeln – das sind oft die zentralen Grundpfeiler, wenn es darum geht, einer möglichen Zahlungsunfähigkeit oder einer Überschuldung effektiv entgegenzuwirken.

Zahlungsunfähigkeit und Cash Flow

Den Gegensatz zur Zahlungsunfähigkeit bildet der Cash Flow. So wird der Liquiditätsfluss eines Unternehmens innerhalb eines spezifischen Zeitraumes als Cash Flow bezeichnet. An diesem Wert ist ablesbar, wie stark ein Betrieb in Bezug auf finanzielle Aspekte sowie im Hinblick auf die jeweiligen Erträge ist. Die generierten Daten spielen vor allem dann eine wesentliche Rolle, wenn es um die Bedienbarkeit eines Kredites bzw. um die Kreditwürdigkeit im

Cashflow und Zahlungsunfähigkeit

Wie hängen Cashflow und Zahlungsunfähigkeit zusammen?

Allgemeinen geht. Auch für Anbieter von Dienstleistungen sowie für Lieferanten etc. ist der Cash Flow eines Unternehmens von Relevanz. In Deutschland sind ausschließlich börsennotierte Firmen dazu verpflichtet, ihren Cash Flow auch der Öffentlichkeit preiszugeben. KMUs und größere, nicht börsennotierte Firmen sind von dieser Regelung nicht betroffen. Lesen Sie hier mehr über den Cashflow.

Insolvenz bei Zahlungsunfähigkeit

Zahlungsunfähige Personen oder Unternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. In jedem Fall muss aber der zu Grunde liegende Sachverhalt tiefgreifender in Augenschein genommen werden. So gilt es unter anderem zu unterscheiden, ob tatsächlich eine Zahlungsunfähigkeit vorliegt oder ob lediglich ein Mangel an Liquidität besteht. Dieser muss jedoch innerhalb einer festgelegten Frist von 21 Tagen ausgeglichen werden – und das zu mindestens 90 Prozent. So sieht es das BGH vor. Diesbezüglich ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofeseine „Zahlungsunfähigkeit klar abzugrenzen von der bloßen Zahlungsstockung. Hierbei ist von einem kurzfristig behebbaren Mangel an liquiden Mitteln die Rede.“ (Zitat) Gelingt es nicht, innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes den Großteil der Verbindlichkeiten abzutragen, tritt mit Ablauf der Frist automatisch die Zahlungsunfähigkeit in Kraft.

Hinweis:

Sofern es sich bei dem Schuldner um eine Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit oder um eine juristische Person handelt, ist es unerlässlich, die Insolvenz unverzüglich einzuleiten.

Zahlungsunfähigkeit

Zahlungspflichten müssen eingehalten werden!

Verbraucher aber auch Unternehmen sind in jedem Fall dazu angehalten, die Forderungen von Dienstleistern oder Warenanbietern etc. in vollem Umfang und nach individueller Absprache zu erfüllen. Insbesondere gegenüber Banken und anderen Kredit gebenden Instituten besteht selbstverständlich eine Zahlungspflicht. Dabei liegt der folgende Leistungskreislauf zu Grunde: Unternehmen finanzieren sich durch den Verkauf von Produkten, Services oder Dienstleistungen. Die im Zuge dessen generierten Umsätze werden meist zu einem Großteil dazu verwendet, Lieferanten, Dienstleister, Banken etc. zu bedienen.

Aufgrund verschiedener Umstände ist es jedoch möglich, dass das Interesse der Kunden an dem Waren- oder Dienstleistungsangebot nachlässt und der Absatz der betreffenden Unternehmen demgemäß einbricht. Eine solche Negativ-Entwicklung geht stets mit verminderten Geldeingängen einher. In der Konsequenz wird es daher schwieriger, Rechnungen pünktlich zu begleichen oder Kreditforderungen vereinbarungsgemäß zu tilgen. Sowohl bei kurz- und mittelfristigen, als auch bei langfristigen Verträgen und Krediten, ist es aufgrund dessen nicht mehr möglich, die erforderlichen Zahlungen zum jeweils im Vorfeld festgelegten Zeitpunkt zu begleichen.

Zu beachten ist aus der Sicht zahlungsunfähiger Personen oder Unternehmen Folgendes:

  • Eine Zahlungsunfähigkeit wirkt sich erheblich auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens aus.
  • Es dürfen keine weiteren Waren bezogen oder Leistungen in Anspruch genommen werden.
  • Wirtschaftlich schwächere Bereiche können bzw. sollten abgestoßen werden, um bestehende Forderungen zu erfüllen.

    Zahlungsunfähigkeit Richtlinien

    Worauf müssen Zahlungsunfähige achten?

  • Die Anpassung von Kreditraten oder die Verlängerung von Kreditlaufzeiten kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein.

Sofern auch diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, ist es unerlässlich, das Unternehmen zu liquidieren.  Personen und Unternehmen sind gleichermaßen dazu verpflichtet, sich regelmäßig über die gesetzlichen Bestimmungen zu informieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit kann man so adäquat reagieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder bei einer Überschuldung ist umgehend, jedoch in Anlehnung an die aktuelle Gesetzgebung, innerhalb von drei Wochen ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Sofern dieser Schritt zu spät in die Wege geleitet oder gänzlich versäumt wird, muss der Schuldner mit einer strafrechtlichen sowie zivilrechtlichen Verfolgung rechnen.

Wissenswertes für Schuldner und Gläubiger

Bei einem durchzuführenden Insolvenzverfahren werden sowohl die Rechte der Schuldner als auch der Gläubiger in gewisser Weise beschnitten. So werden die Gläubiger im Rahmen einer Insolvenzeröffnung zu einer so genannten Verlustgemeinschaft. Das bedeutet, dass sie den Zahlungsausfall ihres Schuldners jeweils anteilsmäßig zu tragen haben. Gläubiger, die beabsichtigen, sich dieser Verlustgemeinschaft zu entziehen, müssen zusätzliche Konsequenzen fürchten. So ist es ihnen unter anderem nicht gestattet, Einzelzwangsvollstreckungen durchzuführen oder gar „in Eigenregie“ einen Prozess gegen den Schuldner anzustreben.

Net Working Capital

Das Net Working Capital, auch NWC, beschreibt die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Somit handelt es sich beim NWC um das Nettoumlaufvermögen. Ein positives Net Working Capital bedeutet, dass ein Unternehmen über genügend Mittel verfügt, um seinen kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Auch in andere Aktivitäten wird investiert. Mehr Datenraum zur Berechnung des NWC finden Sie hier.
Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens hingegen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht übersteigt, kann das dazu führen, dass das Unternehmen nicht zu wachsen im Stande ist, Gläubigern nichts bezahlen kann oder sogar Konkurs geht. Somit muss das Ziel zwangsläufig heißen, stets ein Net Working Capital größer 0 zu haben. Die Begriffe Working Capital und Net Working Capital unterscheiden sich. Beim Working Capital sind die flüssigen Mittel, also Kassen- und Bankbestände, aufgeführt. In die Berechnung des Net Working Capitals fließen sie nicht mit ein.

Formel Net Working Capital

Die Berechnung des Net Working Capital ist unkompliziert. Die Formel sieht folgendermaßen aus:

Net Working Capital = Umlaufvermögen – Liquide Mittel – Kurzfristige Verbindlichkeiten

Umlaufvermögen:

Das Umlaufvermögen eines Unternehmens beschreibt kurzfristige Vermögenswerte in der Bilanz, die innerhalb eines Jahres oder weniger in Bargeld umgewandelt werden können. Zu den kurzfristigen Vermögenswerten gehören in der Regel Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente wie u.a. kurzfristige Staatsanleihen oder Geldmarktfonds. Wertpapiere, Forderungen und Vorräte gelten ebenfalls als kurzfristige Vermögenswerte.

NWC

Umlaufvermögen und liquide Mittel werden zur Berechnung benötigt.

Ein Unternehmen verfügt zum Beispiel über liquide Mittel in Höhe von 500.000 Euro, Forderungen in Höhe von 50.000 Euro und Lagerbestände in Höhe von 100.000 USD. Zur Berechnung des gesamten Umlaufvermögens addieren Sie einfach diese Werte:

500.000 EUR + 50.000 EUR + 100.000EUR = 650.000EUR

Liquide Mittel:

Die liquiden Mittel eines Unternehmens umfassen Geldmittel, die zur sofortigen Zahlung zur Verfügung stehen. Diese Mittel umfassen vor allem Bargeldbestände, Bankguthaben und Schecks. Die liquiden Mittel eines Unternehmens bilden einen Posten im Umlaufvermögen und finden sich auf der Aktiva-Seite der Unternehmensbilanz. Lesen Sie hier alles zur Bilanz.
Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über Bargeldbestände in Höhe von 20.000 Euro. Das Bankguthaben beträgt 7.000 Euro und Schecks haben einen Betrag von 4.000 Euro. Um die Summe der liquiden Mittel zu berechnen, müssen Sie alle diese Werte zu den einzelnen liquiden Mitteln addieren:

20.000 EUR + 7.000 EUR + 4.000 EUR = 31.000 EUR

Kurzfristige Verbindlichkeiten:

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens beschreiben die kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen, die innerhalb eines Jahres oder weniger fällig sind. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten umfassen in der Regel kurzfristige Darlehen, Kredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Rückstellungen und andere Schulden wie Kreditkartensalden oder andere Schulden. Kurzfristige Teile langfristiger Schulden wie gewerbliche Immobilienkredite und Kredite für kleine Unternehmen gelten ebenfalls als kurzfristige Verbindlichkeiten.

Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 200.000 Euro. Die Verbindlichkeiten betragen 70.000 Euro und man hat Rückstellungen in Höhe von 40.000 Euro. Um die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten zu erhalten, muss man diese Werte addieren:

200.000 EUR + 70.000 EUR + 40.000 EUR = 310.000 EUR

Nachdem Sie die Werte sowohl für das Umlaufvermögen, die liquiden Mittel als auch für die kurzfristigen Verbindlichkeiten berechnet haben, besteht der nächste Schritt darin, die liquiden Mittel sowie die kurzfristigen Verbindlichkeiten vom Umlaufvermögen zu subtrahieren, um den Wert Ihres Nettoumlaufvermögens zu erhalten. Unter Verwendung der obigen Zahlen lautet die Berechnung wie folgt:

650.000 EUR – 31.000 EUR – 310.000 EUR = 309.000 EUR NWC

Was sagt das Net Working Capital aus?

NWC?

Was passiert bei einem negativen NWC?

Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens im Wesentlichen positiv ist, bedeutet dies, dass die kurzfristigen Mittel aus dem Umlaufvermögen mehr als ausreichend sind, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zu begleichen. Was bedeutet es, wenn der Wert im Wesentlichen negativ ist? Das Unternehmen verfügt möglicherweise nicht über ausreichende Mittel, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Es besteht die Gefahr eines Konkurses des Unternehmens. Die Angabe des Nettoumlaufvermögens ist aussagekräftiger, wenn eine Trendlinie verfolgt wird, da diese eine allmähliche Verbesserung oder Verringerung des Nettoumlaufvermögens im Laufe der Zeit anzeigen kann.

Das Net Working Capital kann auch verwendet werden, um die Fähigkeit eines Unternehmens zu schätzen, schnell zu wachsen. Wenn es über ein großes Net Working Capital verfügt, kann das Geschäft scheinbar schnell wachsen. Umgekehrt wäre es aufgrund einer angespannten Lage des Nettoumlaufvermögens sehr unwahrscheinlich, dass ein Unternehmen über die finanziellen Mittel verfügt, um sein Wachstum zu beschleunigen. Ein spezifischerer Indikator für die Wachstumsfähigkeit ist, wenn ein Unternehmen Bargeld von seinen Kunden einziehen kann, bevor es seine Lieferanten bezahlen muss.

Wie steht es um das Unternehmen?

Vereinfacht kann man sagen, dass, je höher das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens ist, desto stabiler ist das Unternehmen für die Gegenwart und die kurzfristige Zukunft aufgestellt. Dabei muss aber beachtet werden, dass ein zu hohes Umlaufvermögen auf eine die Eigenkapitalrentabilität negativ beeinträchtigende Bindung von kurzfristigen Vermögen hinweisen kann.

NWC

Wie steht es um die Zukunft meines Unternehmens?

Änderungen im Net Working Capital sind ein Maß für den operativen Cashflow (OCF) und werden in der Regel in der Kapitalflussrechnung erfasst. Die Veränderung des Nettoumlaufvermögens kann Ihnen zeigen, ob das kurzfristige Geschäftsvermögen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten von einer Periode zur nächsten zunimmt oder abnimmt. Ein zunehmendes oder abnehmendes Nettoumlaufvermögen ist jedoch nicht zwingend gut oder schlecht. Gelegentlich erfordern strategische Geschäftsentscheidungen einen kurzfristigen Anstieg der Verbindlichkeiten. Oder ein zunehmendes Nettoumlaufvermögen kann zeigen, dass ein größerer Teil Ihres Bargeldes in Vermögenswerte investiert ist, die möglicherweise nicht sehr liquide sind. Daher ist es wichtig, die Entwicklung des Nettoumlaufvermögens zu verfolgen, damit Unternehmen ihren OCF überwachen können.

Was ist Fremdkapital?

Das Fremdkapital (engl.: debtdebt capital) ist der Unternehmung von Gläubigern zur Verfügung gestellt. Die Mittel sind befristet und müssen zurückgezahlt werden. Mit Fremdkapital und Eigenkapital werden Anlagevermögen und Umlaufvermögen beschafft.

Merkmale des Fremdkapitals:

– Gewinn- und Verlust-unabhängiges Entgelt (Zinsen)
– zeitlich befristete Überlassung
– kündbar
– erfordert Sicherheiten
– im Rang vor dem Eigenkapital (bei Verwertungen)
– keine Haftung des Fremdkapitalgebers
– keine Mitwirkungsrechte des Gläubigers.

 

Abgrenzung Fremdkapital und Eigenkapital

Fremdkapital wird befristet vergeben und kann vom Gläubiger gekündigt werden. Der Fremdkapitalgeber hat einen Vergütungsanspruch (Darlehenszinsen), der vom Gewinn- und Verlust des Bilanzjahres unabhängig ist. Auch Inhaber und Gesellschafter können neben ihren Eigenkapitalanteilen der Unternehmung Fremdkapital in Form von Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Fremdkapital ist Teil der unternehmerischen Fremdfinanzierung und eine Form der Außenfinanzierung. Es kann jedoch auch in der Innenfinanzierung generiert werden, wie beispielsweise über Rückstellungen.

Fremdkapital oder Eigenkapital

Fremdkapital oder Eigenkapital?

Hybride Kapitalanteile und Mezzanine

Die Abgrenzung zwischen Fremd- und Eigenkapital kann für Analysten und Banken schwierig sein. Im Allgemeinen werden Bilanzposition nicht mehr als Eigenkapital eingestuft, sobald die geringste Rückzahlungsmöglichkeit besteht. Auch mit einer erfolgsunabhängigen Verzinsung zählt das Kapital regelmäßig zum Fremdkapital. Hybride Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital werden Mezzanine-Kapital genannt. Rückstellungen, einschließlich Pensionsrückstellungen, sind immer Fremdkapital, da eine Rückzahlungswahrscheinlichkeit vorhanden ist (mindestens 50 Prozent). Lesen Sie hier mehr über das Mezzanine-Kapital.

Immobilienfinanzierung mit Fremdkapitalbeteiligung

Beim Immobilienkauf und in Bauprojekten ist das Fremdkapital die Summe aller aufgenommenen Darlehen für die Finanzierung. Das Fremdkapital des Bauvorhabens setzt sich aus Darlehen und Krediten bei Banken, Versicherungen und anderen Instituten, Arbeitgebern (Arbeitgeberdarlehen), der öffentlichen Hand (KommunaldarlehenKfW) und Privatpersonen zusammen. Zur Versicherung der Darlehen tritt der Bauherr den Kreditinstituten Rechte am Bauobjekt ab (Grundpfandrechte).

Vorteile des Fremdkapitals

– Erhöhung der Liquidität
– Keine Änderung bei der Mitbestimmung
– Keine Änderung bei der Verteilung der Geschäftsbeteiligungen
– Nutzung des Leverage-Effekts (Gewinnsteigerung, höhere Rendite)
– Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität (attraktiv für Investoren)
– Zinsen können als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden.

Nachteile des Fremdkapitals

– Sicherheiten sind erforderlich
– Zinszahlungen auch bei schlechter Geschäftslage
– Befristete Laufzeit des Kapitals
– Minderung der unternehmerischen Unabhängigkeit.

Fristigkeiten des Fremdkapitals

Fremdkapital wird nach seiner Laufzeit (kurz-, mittel- und langfristig) unterschieden. Mittelfristige Fremdkapitalanteile ergeben sich aus dem Saldo zwischen kurzfristigen und langfristigen Verbindlichkeiten. Wichtig ist die Unterscheidung der Fristigkeiten für die Passivierung der Verbindlichkeiten in der Bilanz sowie bei Auswertungen der Vermögenssituation mit Kennzahlen.

Bilanzierung des Fremdkapitals

Fremdkapital bilanzieren

Die Passiv-Seite der Bilanz wird relevant

Reicht das Eigenkapital nicht aus, kann das Unternehmen zur Finanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen (z. B. Anlagen, Fuhrpark, Vorräte) zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Das Fremdkapital erscheint mit dem Eigenkapital auf der Passiva der Bilanz.

Verbindlichkeiten (§ 266 Abs. 3 C HGB)
+ Rückstellungen (§ 266 Abs. 3 B HGB)
Rechnungsabgrenzungsposten (§ 266 Abs. 3 D HGB)
+ latente Steuern (§ 266 Abs. 3 E HGB)
= Summe des Fremdkapitals nach § 266 HGB

Bei der Bilanzierung muss das Fremdkapital (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) nach Herkunftsarten und Laufzeiten gegliedert werden. Nach § 268 Abs. 5 HGB sind Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr und ab einem 1 Jahr auszuweisen. Bei Restlaufzeiten von mehr als 5 Jahren sind nach § 285 Nr. 1 HGB Angaben über Art, Umfang und Form der gestellten Sicherheiten im Anhang zu machen.

Die Verbindlichkeiten des Fremdkapitals

Verbindlichkeiten sind Teil des Fremdkapitals. Zur Erhöhung des Fremdkapitals geht das Unternehmen als Schuldner eine Verpflichtung gegenüber einem Dritten (Gläubiger) ein. Bilanztechnisch sind Verbindlichkeiten die Verpflichtungen zu einer Lieferung oder sonstigen Leistung. Das Gegenstück zur Verbindlichkeit ist die Forderung.

Arten der Verbindlichkeiten (englfinancial liabilities)

– Kreditoren (Lieferanten): Lieferungen und Leistungen
– Debitoren (Kunden): erhaltene Anzahlungen
– Kreditinstitute: Darlehen, Kredite, Wechsel, Anleihen
– Finanzamt: sonstige Verbindlichkeiten (siehe auch Rückstellungen).

Die Bewertung der Verbindlichkeiten erfolgt nach § 253 Abs. 1 HGB zum Erfüllungsbetrag, der den Anschaffungskosten entspricht. Bei der Umrechnung von Verbindlichkeiten in Fremdwährungen ist § 256a HGB anzuwenden.

Ungewissheit bei Rückstellungen

Rückstellungen erhöhen das Fremdkapital. Sie werden gebildet, um dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip aus § 252 HGB zu genügen.

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, deren Bestehen oder Höhe zum Bilanzstichtag ungewiss sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fällig werden, muss hinreichend groß sein. Rückstellungen werden wie Verbindlichkeiten als Fremdkapitalteile auf der Passiva der Bilanz verbucht. Anzunehmen ist nach § 253 Abs. 1 HGB der Betrag zur Erfüllung der Verbindlichkeit (Erfüllungsbetrag).

Fremdkapital und Rückstellungen

Was sind Rückstellungen?

Unterschieden werden
– Pensionsrückstellungen (§ 249 Abs. 1 HGB) für Pensionszusagen des Unternehmens gegenüber dem Mitarbeiter.
– Steuerrückstellungen, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Die Steuern müssen bis zum Ende des Geschäftsjahres wirtschaftlich entstanden sein. Passiv latente Steuern werden in § 274 Abs. 1 HGB geregelt.
Sonstige Rückstellungen werden aus Kulanzgründen (Beseitigung von Mängeln an Lieferungen und Leistungen), aufgrund von Drohverlust nach § 249 Abs. 1 HGB und aus Garantieverpflichtungen gebildet.

Weitere Rückstellungen können für Prozesse, Provisionen, Aufwände für unterlassene Instandhaltungen sowie für Jahresabschluss- und Prüfungskosten veranlasst werden. Rückstellungen sind nicht mit Rücklagen zu verwechseln, die dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Bei den Rücklagen sind Höhe und Bestehen bekannt.

Rechnungsabgrenzungsposten

Rechnungsabgrenzungsposten werden als Fremdkapital in der Bilanz ausgewiesen. Mit der Rechnungsabgrenzung werden Werte aus GuV und Bilanz der tatsächlichen Rechnungsperiode (z. B. Quartal, Geschäftsjahr) zugeordnet.
Beispiel: Mit dem Kunden wurde ein Zahlungsziel vereinbart. Lieferung und Leistung fallen in unterschiedliche Bilanzjahre.

Fremdkapital in der Liquidation

Die Ansprüche aus Fremdkapitalforderungen stehen im Rang vor den Eigenkapitalforderungen. Ist ein Gesellschafter mit seiner Eigenkapitaleinlage im Rückstand, kann der Insolvenzverwalter nach § 171 Abs. 2 HGB die Leistung in die Masse verlangen.

Anders verhält es sich bei Gesellschafterkrediten oder des von Nichtgesellschaftern bereit gestellten Fremdkapitals. Im Falle eines Insolvenzverfahrens können sie vom Gläubiger außerordentlich gekündigt werden (§ 490 Abs. 1 BGB). Wurde die Darlehenssumme bereits ausgezahlt, kann der Gläubiger einen Rückforderungsanspruch geltend machen und am Insolvenzverfahren teilnehmen.

Der Rang des Fremdkapitals nach seiner Absicherung

Bei Immobiliendarlehen kann eine weitere Klassifizierung des Fremdkapitals über seine Absicherung erfolgen:

Erstrangig abgesichertes Fremdkapital (englsenior debt): Das Immobilienprojekt wird mit einem Darlehen finanziert, das mit einer erstrangigen Grundschuld besichert ist. Erstrangig eingetragene Gläubiger werden bei einer Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz zuerst bedient.
Nachrangig abgesichertes Fremdkapital (eng. junior debt) und Mezzanine-Kapital: Je nach Ausgestaltung ist das überlassene Kapital bilanziell dem Eigenkapital zuzurechnen.

Kennzahlen des Fremdkapitals

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse des Fremdkapitals liefern wichtige Aussagen für Bilanzanalysen und Bonitätsaussagen der Kreditinstitute.

Fremdkapital Kennzahlen

Was sagt das Fremdkapital aus?

Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote (AnspannungskoeffizientAnspannungsgrad) ist mit der Eigenkapitalquote die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie ermittelt den Anteil der Fremdfinanzierung an der Gesamtfinanzierung (Bilanzsumme).

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme * 100

Mit hohen Fremdkapitalquoten steigt der Zinsaufwand, da Gläubiger für das geliehene Kapital ein Entgelt verlangen. Ein hoher Schuldendienst des Unternehmens mindert wiederum den Gewinn. Mit zunehmender Verschuldung steigt demnach der Break-Even-Point an (cost leverage).

Eine hohe Fremdkapitalquote schlägt sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nieder. Sie bringt Risiken bei der Beschäftigung, der Refinanzierung und der Liquidität mit sich. Bei hohem Fremdkapitalanteil steigt das Ausfallrisiko von Gläubigern. Neue Kredite lassen sich unter Umständen nur noch zu ungünstigen Konditionen aufnehmen. Übliche Fremdkapitalquoten liegen im Baugewerbe bei etwa 72 %, im Einzelhandel mit 62 % und in der Automobilindustrie bei 39 % der Bilanzsumme.

Liquidität

Die Kennzahlen für die Liquidität werden nach ihrer Fristigkeit unterschieden (Liquidität I bis III). Im englischen sind je nach Fristigkeit unterschiedliche Begriffe üblich: Current Ratio, Cash Ratio (Barliquidität), Acid Test Ratio (Quick Ratio).

Liquidität 1. Grades

Die Kennzahl für die Barliquidität sollte größer oder gleich 0,2 sein. Die Liquidität I ermittelt das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie zeigt an, ob ein Unternehmen seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen durch die verfügbaren liquiden Mittel erfüllen kann.

Liquidität I (Cash Ratio) = liquid Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades

Die Liquidität II ermittelt das Verhältnis der kurzfristige Geldmittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Beträgt die Liquidität II 1 oder mehr, können alle kurzfristige Verbindlichkeiten mit den kurzfrisitgen Geldmitteln gezahlt werden. Bei einem Wert kleiner 1 muss das Unternehmen Mittel beschaffen, um den Verbindlichkeiten nachkommen zu können.

Liquidität II (Acid Test Ratio ATR, auch Quick Ratio) = (Geldvermögen + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 3. Grades

Ist die Liquidität III kleiner oder gleich 1, muss unter Umständen Anlagevermögen (Maschinen, Fahrzeuge u.ä.) zur Deckung verkauft werden. Nach der Banker’s Rule (Two-to-One-Rule) sollte die Liquidität III mindestens 2 sein.

Liquidität III (Current Ratio) = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Gesamtkapitalrentabilität

Die GKR (GesamtkapitalrenditeKapitalrentabilitätUnternehmensrenditeUnternehmensrentabilitätenglReturn on AssetsRoA) gibt an, wie gibt an, wie effizient der Kapitaleinsatz innerhalb der Abrechnungsperiode war.

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn aus GuV + Fremdkapitalzinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital)