BWL-Artikel

Was ist das Teileinkünfteverfahren?

Wer aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft Einnahmen erzielt, muss die Gewinne versteuern. Bis zum Jahre 2008 galt das Halbeinkünfteverfahren. Eine grundsätzliche Steuerpflicht für diese Einnahmen gibt es mit dem Anrechnungsverfahren bereits seit dem Jahre 1977. Wesentlich für die Berechnung der Steuer ist der Personenstand. Das Teileinkünfteverfahren findet auf natürliche Personen, Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften eine unterschiedliche Anrechnung.

Teileinkünfteverfahren – eine Definition

Das Teileinkünfteverfahren bezieht sich auf alle Einkommen, die sich aus Dividenden oder Wertausschüttungen erzielen lassen. Auch bei einer Veräußerung von Anteilen findet das Verfahren Anwendung. In jedem Fall spielt es eine Rolle, ob die Einkünfte aus Betriebsvermögen oder Privatvermögen stammen. Bei einigen Einkünften ist die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens Pflicht. Bei anderen haben die Unternehmen ein Wahlrecht. Dies bedeutet, dass sie selbst entscheiden können, ob sie ihre Einkünfte nach dem klassischen Steuerrecht oder nach dem Teileinkünfteverfahren besteuern lassen möchten. Gerade bei der Besteuerung von Unternehmen kann das Teileinkünfteverfahren Vorteile bringen. Dies ist unter anderem darin begründet, dass beim

TEV

Wie fällt die Besteuerung aus?

Teileinkünfteverfahren Werbungskosten Berücksichtigung finden. Dies ist bei der klassischen Kapitalbesteuerung nicht der Fall.

Natürliche Person oder Kapitalgesellschaft

Eine wichtige Rolle für die Besteuerung spielt die Rolle des Steuerpflichtigen. Hier findet die Tatsache Berücksichtigung, ob des sich beim Steuerpflichtigen um eine natürliche Person oder um eine Kapitalgesellschaft handelt. Natürliche Personen werden steuerlich anders behandelt als Kapitalgesellschaften.

Wahlrecht oder Pflicht – die Besteuerung natürlicher Personen

Liegt eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft vor, besteht bei einigen Einnahmeformen ein Wahlrecht. Bei anderen hingegen besteht die Pflicht zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

* Betriebsvermögen

Liegt eine Beteiligung an einem Betriebsvermögen vor, ist die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren Pflicht. Hierbei spielt das Beteiligungsverhältnis keine Rolle.

Achtung!
Bei einer Veräußerung des Betriebsvermögens besteht die Verpflichtung zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

* Privatvermögen

Beteiligungen an Privatvermögen lassen sich nach dem Teileinkünfteverfahren besteuern, wenn die Beteiligung mindestens 25 Prozent beträgt. In diesem Fall hat der Steuerpflichtige die Wahl, nach welcher Vorgabe er besteuern lassen möchte.

Achtung!
Liegt bei einer Veräußerung des Privatvermögens eine Beteiligung von mindestens einem Prozent vor, besteht die Pflicht zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

Wichtig zu wissen:

Wenn der Anteilseigner für die Gesellschaft tätig ist, die das Vermögen hält, besteht das Wahlrecht bereits bei einer Beteiligung von einem Prozent.

Besteuerung von Kapitalgesellschaften

Bei einer Kapitalgesellschaft sind Gewinne aus der Veräußerung der Anteile und Ausschüttungen in vollem Umfang steuerfrei. Dies ist in § 8b Abs. 1 Körperschaftsteuergesetz (KStG) geregelt. Zu berücksichtigen ist jedoch

TEV

Wie geht man mit Gewinnen um?

das pauschale Betriebsausgabenabzugsverbot. Dies beträgt fünf Prozent. Somit finden bei der Steuerfreiheit der Gewinne einer Kapitalgesellschaft nur 95 % Berücksichtigung. Die Besteuerung einer Kapitalgesellschaft ist somit auf fünf Prozent der Gewinne begrenzt. Aus diesem Grund sind Kapitalgesellschaften deutlich besser gestellt als natürliche Personen.

 

Grundlagen der Besteuerung

Grundsätzlich gibt es eine Steuerbefreiung in Höhe von 40 Prozent der Einkünfte. Dies gilt für alle Einkommensarten, was bedeutet, dass 60 Prozent der Einkünfte zur Besteuerung herangezogen werden. Diese Tatsache sollte insbesondere bei den Einkommensarten Berücksichtigung finden, bei denen ein Wahlrecht besteht. Durch die Anrechnung der Freibeträge kann die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren günstiger ausfallen als bei der klassischen Besteuerung.

Berücksichtigung von Werbungskosten

Von den 60 Prozent, die der Besteuerung zugrunde liegen, können Werbungskosten und Betriebsausgaben abgezogen werden. Somit sinkt der Anteil, der für die Besteuerung herangezogen wird, ein weiteres Mal. Dies ist der Grund, warum sich für Unternehmen eine genaue Analyse lohnt, welche Besteuerung günstiger ist. Lesen Sie hier alles zu Betriebsausgaben.

Beispiel für die Steuerberechnung

Ein Unternehmen hat einen Gewinn von 200.000 EUR. Der Gesellschaftsinhaber hat aufgrund der Vermögensart das Recht, zwischen der Kapitalertragssteuer und der Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren zu wählen.

Kapitalertragssteuer

Die Kapitalertragssteuer auf Vermögen beträgt grundsätzlich 30 Prozent. Es gibt einen geringen Freibetrag von 801 EUR im Jahr, der bei hohen Vermögen kaum Auswirkungen hat. Somit werden von den 200.000 EUR Vermögen 199.199 EUR zur Besteuerung herangezogen. Somit beträgt die Steuerlast 59.759,70 EUR.

Teileinkünfteverfahren

Bei der Anwendung des Teileinkünfteverfahrens greift ein Freibetrag von 40 %. Somit betragt der zu versteuernde Gewinn 120.000 EUR. Davon können Werbungskosten und Betriebsausgaben zum Abzug gebracht werden. Bei einem bereinigten Gewinn von 100.000 EUR beträgt der Steuersatz 42 %. Dies ergibt sich aus der Einkommenssteuer-Grundtabelle, die in diesem Fall zur Anwendung kommt. Die zu zahlende Steuer würde in diesem Berechnungsbeispiel 42.000 EUR betragen. Das Unternehmen hat 17.759,70 EUR gespart.

Kritik am Teileinkünfteverfahren

Seit seiner Einführung sorgt das Teileinkünfteverfahren für Kritik. Diese Kritik bezieht sich zum einen darauf, dass Kapitalgesellschaften deutlich besser gestellt sind als natürliche Personen. Dies beruht darauf, dass bei einer Kapitalgesellschaft die Gewinne bis zu 95 Prozent steuerfrei sind. Bei natürlichen Personen werden hingegen bis zu 60 Prozent der Einkünfte abzüglich von Werbungskosten und Betriebsvermögen zur Besteuerung herangezogen.

Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip

TEV

Was darf vom Einkommen abgezogen werden?

Als weiterer Kritikpunkt wird immer wieder ein möglicher Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip laut. In der Folge würde es sich auch um einen Verstoß gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip handeln, das in Art. 3 Abs. 1 GG festgehalten ist. Das objektive Nettoprinzip beschreibt die Tatsache, dass eine steuerpflichtige Person sämtliche Ausgaben für den Beruf von seinem Einkommen abziehen darf. Dieses Recht ergibt sich aus der Tatsache, dass ihm der Teil des für den Beruf aufgewendeten Einkommens nicht für die private Lebenshaltung zur Verfügung steht.

Aus diesem Grund ist es nicht gestattet, diesen Teil des Einkommens für die Berechnung der Steuer heranzuziehen. Beim Teileinkünfteverfahren gilt ein pauschaler Abzug von Steuern, die den tatsächlichen Bedarf nicht berücksichtigen. Aus diesem Grund sehen einige Kritiker die Vorgaben des objektiven Nettoprinzips und damit des im Grundgesetz festgehaltenen Leistungsfähigkeitsprinzips nicht in vollem Umfang gewahrt.

Umsatz oder Gewinn – worin liegt der Unterschied?

In der Alltagssprache werden die Begriffe Umsatz und Gewinn oft verwechselt. Für Unternehmer ist es aber erforderlich, den Unterschied zwischen diesen beiden Größen zu kennen. Eine falsche Berechnung oder Interpretation dieser Kennzahlen kann zu Fehlentscheidungen führen und den unternehmerischen Erfolg gefährden. Worin liegt der Unterschied zwischen Umsätzen und Gewinnen und wie unterscheiden sich diese wiederum von Einnahmen und Ertrag?

Definition Umsatz

Der Umsatz, der auch als Erlös bezeichnet wird, gibt an, wie viel in einem bestimmten Zeitraum eingenommen wurde. Alle hergestellten Güter, die verkauft werden, registriert das Unternehmen als Umsätze. Erst danach werden Steuern, Rabatte oder Skonti abgezogen. Bewertet wird der Umsatz in Geldeinheiten. Die Formel für den Umsatz lautet demzufolge:

U = Absatzmenge x Preis

Beispiel:
Ein Fahrradhändler verkauft 200 Fahrräder für jeweils 400 Euro. In diese Fall errechnet sich der Umsatz wie folgt:
U = 200 x 400 Euro = 80.000 Euro

Definition Gewinn

Der Gewinn bezieht dagegen die Kosten mit ein. Er beschreibt, wie viel vom Umsatz „übrig bleibt“, und zwar nach dem Abzug sämtlicher Kosten. In jedem Unternehmen werden Kosten wirksam. Dies sind zum Beispiel Kosten für die Forschung, die Fertigung, die Miete, die Angestellten, den Vertrieb und das Marketing. Zieht man diese Kosten vom Umsatz ab, erhält man den Gewinn. Die Formel zur Berechnung des Gewinns lautet demzufolge:

G = Umsatz – Kosten
Beispiel: Bei dem oben genannten Fahrradhändler fallen für Miete, Löhne, Vorprodukte, Versicherungen Kosten von insgesamt 45.000 Euro an. Dann berechnet sich der Gewinn wie folgt:
G = 80.000 Euro – 45.000 EUR = 35.000 Euro
Der Betrag von 35.000 Euro bleibt dem Fahrradhändler, nachdem vom Umsatz sämtliche Kosten abgezogen wurden.

Beziehung zwischen Preis und Umsatz

Gewinn/Umstz

Wovon hängt der Umsatz ab?

Grundsätzlich kann der Unternehmensumsatz gesteigert werden, indem der Umsatz gesteigert wird oder indem die Kosten reduziert werden. Ein steigender Preis führt bei gleichbleibender Absatzmenge zu einem höheren Umsatz und bei gleichbleibenden Kosten auch zu einem höheren Gewinn. In der Regel bewirkt ein steigender Preis aber, dass die Absatzmenge zurückgeht. Die Auswirkung auf den Umsatz kann somit nicht verallgemeinert werden. Es hängt von der Preiselastizität der Nachfrage ab, ob der Umsatz steigt oder fällt.

Beziehung zwischen Preis und Gewinn

Auch die Wirkung einer Preiserhöhung auf den Gewinn kann nicht verallgemeinert werden. Falls eine Preissteigerung zu einer Erhöhung des Umsatzes führt, dann steigt in der Regel auch der Gewinn. Denn meist wird bei einer Preiserhöhung weniger abgesetzt. Da nun weniger produziert wird als vorher, fallen in der Regel die Gesamtkosten. Somit steigt der Gewinn.

Auswirkungen eines gestiegenen Qualitätsniveaus

Sowohl der Umsatz als auch die Gesamtkosten sind von der Produktionsmenge abhängig. In der Realität ist die Steigerung des Umsatzes oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Beispielsweise ist eine Anhebung des Qualitätsniveaus der Produkte mit zusätzlichen Kosten verbunden und trägt gleichzeitig zu einem höheren Umsatz bei. Im Ergebnis sinkt der Gewinn, während der Umsatz steigt. Gleichwohl kann sich ein

Gewinn/Umsatz

Hohe Qualität = hoher Gewinn

gestiegenes Qualitätsniveau längerfristig positiv auf den Gewinn auswirken.

 

 

 

 

Verschiedene Kostenstellen

In den meisten Unternehmen werden mehrere Produkte hergestellt. Dazu werden verschiedene Maschinen, Anlagen, Betriebsmittel, Gebäude oder Fahrzeuge verwendet. All diese Kostenstellen müssen im Rahmen der Buchführung erfasst werden, damit der Gewinn korrekt berechnet werden kann.

Der Gewinn ist für die Steuer relevant. Sind die Steuern noch nicht abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn vor Steuern“. Sind die Steuern dagegen bereits abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn nach Steuern“. Sobald ein Unternehmer Gewinne erzielt, ist er steuerpflichtig. Dies gilt auch für Einzelunternehmer und Freiberufler. Je nach Rechtsform müssen Einkommenssteuer oder Körperschaftssteuer gezahlt werden. Gewerbetreibende sind außerdem gewerbesteuerpflichtig.  Lesen Sie hier alles zur Gewerbesteuer.

Systemumsatz, Gruppenumsatz und Branchenumsatz

Der Gesamtumsatz in allen Filialen eines Franchise-Unternehmens wird als Systemumsatz bezeichnet. Bei Unternehmensgruppen addieren sich die Umsätze der einzelnen Unternehmen zum Gruppenumsatz. Die gesamten Umsätze aller Unternehmen in einer Branche bezeichnet man als Branchenumsatz. Auf dieser Grundlage kann für jedes einzelne Unternehmen der Marktanteil berechnet werden.

Ertrag und Einnahmen

Die Begriffe Ertrag und Einnahmen sind nicht identisch mit den Umsätzen und dem Gewinn. Auch die Relation der beiden Begriffe zueinander ist eine andere.

Eine Einnahme ist ein Geschäftsvorgang, der mit einer Zunahme des betrieblichen Geldvermögens verbunden ist. Die Einnahme bewertet man in Geldeinheiten. Dieser Geldwert entspricht dem Wert der materiellen Güter oder Dienstleistungen, die das Unternehmen bei dem jeweiligen Geschäftsvorgang an den Markt herausgibt. Dabei ist nicht maßgeblich, wann man die Leistung erstellt hat.

Gewinn/Umsatz

Was charakterisiert den Ertrag?

Unter Ertrag lässt sich ein Geschäftsvorgang verstehen, bei dem das betriebliche Gesamtvermögen zunimmt. Ertrag entsteht also immer dann, wenn man neue unternehmerische Werte schafft. Der Zeitpunkt der Zahlung ist nicht maßgeblich.

Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag

Die Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Drei Fälle lassen sich unterscheiden.

  1. Einnahme entspricht dem Ertrag
    In diesem Fall verkauft man ein Gut oder eine Dienstleistung in der gleichen zeitlichen Periode, in der die Erstellung der Leistung erfolgte. Den Wert der Leistung verbucht man dann gleichzeitig als Einnahme und als Ertrag.
  2. Neutrale Einnahme: Einnahme, aber kein Ertrag
    In diesem Fall liegen die Zeitpunkte der Leistung und der Zahlung in unterschiedlichen Perioden. Dies ist gegeben, wenn man Güter verkauft, die noch nicht existieren. Eine neutrale Einnahme liegt auch vor, wenn eine Anzahlung für eine noch zu erstellende Leistung erfolgt. Tätigt der Eigenkapitalgeber eine Einlage, dann liegt ebenfalls eine neutrale Einnahme vor.
  3. Kalkulatorischer Ertrag: Ertrag, aber keine Einnahme
    Hierbei fallen die Zeitpunkte für die Produktion und den Verkauf in umgekehrter Weise auseinander. Beispielsweise werden Güter produziert, aber noch nicht verkauft, sondern gelagert. Demzufolge erzielt man in der aktuellen Zeitperiode noch keine Einnahmen.

Was ist der Anlagedeckungsgrad?

Die Anlagedeckung ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die über das Ausmaß der finanziellen Stabilität eines Unternehmens Auskunft gibt. Anders formuliert, erkennt das Unternehmen mit dieser Kennzahl, welcher Anteil an den vorhandenen Anlagen über Eigenkapital bestritten wird und demzufolge nicht „auf Pump“, also durch Fremdkapital, finanziert werden muss.

Kennziffern für die Anlagedeckung

Zur Analyse der Anlagedeckung existieren mehrere Kennzahlen: der Anlagedeckungsgrad I und der Anlagedeckungsgrad II. Hinzu kommt die erweiterte Anlagedeckung (auch Anlagedeckungsgrad III genannt).

Anlagevermögen als Bezugsgröße

Bezugsgröße dabei ist jeweils das Anlagevermögen. Darunter wird das in einem Unternehmen langfristig gebundene Vermögen verstanden. Hierzu zählen beispielsweise Maschinen, Gebäude und Fahrzeuge. Davon abzugrenzen ist das kurzfristig vorhandene Vermögen, das als Umlaufvermögen bezeichnet wird. Hierzu gehört beispielsweise der Eiserne Bestand. Dieser ist definiert als Bestand an Rohstoffen, Betriebsstoffen, Hilfsstoffen, Halb- und Fertigerzeugnissen, die zur sicheren Aufrechterhaltung des Betriebs mindestens vorrätig sein müssen. Im Vergleich zum Anlagevermögen ist das Umlaufvermögen leichter liquidierbar.

Formel für den Anlagedeckungsgrad I

Der Anlagedeckungsgrad I errechnet sich wie folgt:

Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen x 100 Prozent

Aussagekraft Anlagedeckungsgrad I

Der Anlagedeckungsgrad I gibt Auskunft darüber, in welchem Umfang das Anlagevermögen mit Eigenkapital finanziert ist. Beträgt der Deckungsgrad I zum Beispiel 50 Prozent, bedeutet dies, dass von einem Euro

Anlagedeckungsgrad

Je höher der Anlagedeckungsgrad, desto besser

Anlagevermögen 50 Cent durch Eigenkapital gedeckt sind und entsprechend die übrigen 50 Cent mit Fremdkapital zu finanzieren sind. Je höher der Anlagedeckungsgrad I ausgeprägt ist, desto mehr ist neben dem Anlagevermögen auch das Umlaufvermögen durch langfristiges Kapital finanziert.

Eine hohe Ausprägung des Anlagedeckungsgrades I bescheinigt dem Unternehmen demzufolge eine hohe finanzielle Stabilität. Ein Wert von 100 Prozent wird in der Realität aber selten erreicht. Dies gilt auch für erfolgreiche Unternehmen. In der Regel streben Unternehmen einen Wert zwischen 70 und 100 Prozent oder zwischen 50 und 100 Prozent an. Gläubiger interessieren sich oft für diese Kennziffer. Denn bei einem hohen Anlagedeckungsgrad I ist das Ausfallrisiko für die Gläubiger gering. Aber auch Unternehmen selbst interessieren sich für diese Kennziffer. Dies gilt vor allem für anlageintensive Branchen wie zum Beispiel die Transportwirtschaft und die Wohnungswirtschaft.

Formel für den Anlagedeckungsgrad II

Der Anlagedeckungsgrad II errechnet sich wie folgt:

(Eigenkapital plus kurzfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermögen x 100 Prozent

Aussagekraft Anlagedeckungsgrad II

Der Anlagedeckungsgrad II gibt Auskunft darüber, in welchem Umfang das Anlagevermögen langfristig finanziert ist. Beträgt der Deckungsgrad II zum Beispiel 80 Prozent, bedeutet dies, dass 80 Prozent des Anlagevermögens langfristig finanziert sind und dementsprechend die übrigen 20 Prozent kurzfristig finanziert werden müssen. Das Anlagevermögen ist langfristig gebunden und sollte daher entsprechend langfristig finanziert werden. In der Regel sollte diese Kennziffer daher 100 Prozent betragen. Dies bedeutet, dass das Anlagevermögen komplett durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital finanziert ist.

Werden die 100 Prozent überschritten, dann ist neben dem Anlagevermögen auch betriebsnotwendiges

Anlagedeckungsgrad

Ist mein Anlagevermögen langfristig finanziert?

Umlaufvermögen mit langfristigem Charakter durch die Finanzierung abgedeckt. Dies bedeutet: Je höher der Deckungsgrad II ist, umso stärker ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens ausgeprägt. Beträgt der Anlagedeckungsgrad II weniger als 100 Prozent, besteht ein höheres Risiko der Zahlungsunfähigkeit. Denn wenn kurzfristige Verbindlichkeiten fällig werden, würde das Umlaufvermögen zur Deckung nicht mehr ausreichen. Lesen Sie hier alles zum Umlaufvermögen.

 

Maßgebliche Kennziffer

Weil hier im Vergleich zum Anlagedeckungsgrad I auch das langfristige Fremdkapital in die Berechnung einbezogen wird, ist es hierbei leichter, die Zielmarke von 100 Prozent zu erfüllen. Heute gilt der Anlagedeckungsgrad II als maßgebliche Kennziffer für die Anlagedeckung.

Anlagedeckungsgrade und Goldene Bilanzregel

Die Anlagedeckungsgrade I und II hängen mit der Goldenen Bilanzregel zusammen. Diese besagt, dass das Anlagevermögen langfristig finanziert sein soll. Dagegen kann die Finanzierung des Umlaufvermögens kurzfristig gedeckt sein. Demzufolge ist mit der Goldenen Bilanzregel die Kongruenz der Fristen zwischen Mittelverwendung und Mittelherkunft gefordert. Die Anlagedeckungsgrade beinhalten jeweils das formale Umkehrverhältnis der Goldenen Bilanzregel. Mit Hilfe dieser Kennziffern kann kontrolliert werden, ob der Grundsatz der Fristenkongruenz eingehalten wird und ob damit die Liquidität ausreichend gewährleistet ist.

Erweiterte Anlagedeckung

Als ergänzende Kennziffer verwendet man die erweiterte Anlagedeckung (=Anlagedeckungsgrad III). Dabei lassen sich weitere Teile des Umlaufvermögens, nämlich die Eisernen Bestände, in die Berechnung einbeziehen.

Formel für die erweiterte Anlagedeckung

Die erweiterte Anlagedeckung errechnet sich demnach wie folgt:

(Eigenkapital plus kurzfristige Fremdkapital) geteilt durch (Anlagevermögen plus Eiserne Bestände des Umlaufvermögens) x 100 Prozent

Da man die Eisernen Bestände in den meisten Unternehmen nicht exakt beziffert kann, lässt sich die erweiterte Anlagedeckung in der Realität nur selten berechnen. Wenn die Bestimmung dennoch erfolgen soll, lässt sich alternativ mit den Vorräten rechnen. Beträgt die erweiterte Anlagedeckung mindestens 100 Prozent, bedeutet dies, dass das Anlagevermögen und Teile des Umlaufvermögens durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital

Anlagedeckungsgrad

Wie liquide ist mein Unternehmen?

finanziert sind.

Anlagedeckungsgrade in der Bilanzanalyse

Die Anlagedeckungsgrade gehören zu den Kennzahlen, die im Rahmen der Bilanzanalyse auftauchen. Sie bilden zusammen mit den Liquiditäts­graden und dem Working Capital (=Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten) die Kennzahlen der horizontalen Bilanzstruktur. Dabei erkennt man die Relation zwischen Aktiva und Passiva (also Vermögenswerte und Schulden), was die Liquiditätsanalyse bezeichnet.

Zwischen den Branchen innerhalb der Volkswirtschaft bestehen erhebliche Unterschiede in der Ausprägung der Anlagedeckungsgrade. Grundsätzlich ist es im Dienstleistungssektor und im Handel leichter, die Zielmarken zu erfüllen als im produzierenden Gewerbe. Dies gilt insbesondere für kapitalintensive Industrien wie zum Beispiel die Schwerindustrie. Typische Gründe für einen sinkenden Anlagendeckungsgrad sind eine sinkende Eigenkapitalausstattung durch Jahresfehlbeträge oder hohe Neuinvestitionen.

Net Working Capital

Das Net Working Capital, auch NWC, beschreibt die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Somit handelt es sich beim NWC um das Nettoumlaufvermögen. Ein positives Net Working Capital bedeutet, dass ein Unternehmen über genügend Mittel verfügt, um seinen kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Auch in andere Aktivitäten wird investiert. Mehr Datenraum zur Berechnung des NWC finden Sie hier.
Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens hingegen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht übersteigt, kann das dazu führen, dass das Unternehmen nicht zu wachsen im Stande ist, Gläubigern nichts bezahlen kann oder sogar Konkurs geht. Somit muss das Ziel zwangsläufig heißen, stets ein Net Working Capital größer 0 zu haben. Die Begriffe Working Capital und Net Working Capital unterscheiden sich. Beim Working Capital sind die flüssigen Mittel, also Kassen- und Bankbestände, aufgeführt. In die Berechnung des Net Working Capitals fließen sie nicht mit ein.

Formel Net Working Capital

Die Berechnung des Net Working Capital ist unkompliziert. Die Formel sieht folgendermaßen aus:

Net Working Capital = Umlaufvermögen – Liquide Mittel – Kurzfristige Verbindlichkeiten

Umlaufvermögen:

Das Umlaufvermögen eines Unternehmens beschreibt kurzfristige Vermögenswerte in der Bilanz, die innerhalb eines Jahres oder weniger in Bargeld umgewandelt werden können. Zu den kurzfristigen Vermögenswerten gehören in der Regel Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente wie u.a. kurzfristige Staatsanleihen oder Geldmarktfonds. Wertpapiere, Forderungen und Vorräte gelten ebenfalls als kurzfristige Vermögenswerte.

NWC

Umlaufvermögen und liquide Mittel werden zur Berechnung benötigt.

Ein Unternehmen verfügt zum Beispiel über liquide Mittel in Höhe von 500.000 Euro, Forderungen in Höhe von 50.000 Euro und Lagerbestände in Höhe von 100.000 USD. Zur Berechnung des gesamten Umlaufvermögens addieren Sie einfach diese Werte:

500.000 EUR + 50.000 EUR + 100.000EUR = 650.000EUR

Liquide Mittel:

Die liquiden Mittel eines Unternehmens umfassen Geldmittel, die zur sofortigen Zahlung zur Verfügung stehen. Diese Mittel umfassen vor allem Bargeldbestände, Bankguthaben und Schecks. Die liquiden Mittel eines Unternehmens bilden einen Posten im Umlaufvermögen und finden sich auf der Aktiva-Seite der Unternehmensbilanz. Lesen Sie hier alles zur Bilanz.
Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über Bargeldbestände in Höhe von 20.000 Euro. Das Bankguthaben beträgt 7.000 Euro und Schecks haben einen Betrag von 4.000 Euro. Um die Summe der liquiden Mittel zu berechnen, müssen Sie alle diese Werte zu den einzelnen liquiden Mitteln addieren:

20.000 EUR + 7.000 EUR + 4.000 EUR = 31.000 EUR

Kurzfristige Verbindlichkeiten:

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten eines Unternehmens beschreiben die kurzfristigen finanziellen Verpflichtungen, die innerhalb eines Jahres oder weniger fällig sind. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten umfassen in der Regel kurzfristige Darlehen, Kredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Rückstellungen und andere Schulden wie Kreditkartensalden oder andere Schulden. Kurzfristige Teile langfristiger Schulden wie gewerbliche Immobilienkredite und Kredite für kleine Unternehmen gelten ebenfalls als kurzfristige Verbindlichkeiten.

Ein Unternehmen verfügt beispielsweise über ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 200.000 Euro. Die Verbindlichkeiten betragen 70.000 Euro und man hat Rückstellungen in Höhe von 40.000 Euro. Um die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten zu erhalten, muss man diese Werte addieren:

200.000 EUR + 70.000 EUR + 40.000 EUR = 310.000 EUR

Nachdem Sie die Werte sowohl für das Umlaufvermögen, die liquiden Mittel als auch für die kurzfristigen Verbindlichkeiten berechnet haben, besteht der nächste Schritt darin, die liquiden Mittel sowie die kurzfristigen Verbindlichkeiten vom Umlaufvermögen zu subtrahieren, um den Wert Ihres Nettoumlaufvermögens zu erhalten. Unter Verwendung der obigen Zahlen lautet die Berechnung wie folgt:

650.000 EUR – 31.000 EUR – 310.000 EUR = 309.000 EUR NWC

Was sagt das Net Working Capital aus?

NWC?

Was passiert bei einem negativen NWC?

Wenn das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens im Wesentlichen positiv ist, bedeutet dies, dass die kurzfristigen Mittel aus dem Umlaufvermögen mehr als ausreichend sind, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zu begleichen. Was bedeutet es, wenn der Wert im Wesentlichen negativ ist? Das Unternehmen verfügt möglicherweise nicht über ausreichende Mittel, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Es besteht die Gefahr eines Konkurses des Unternehmens. Die Angabe des Nettoumlaufvermögens ist aussagekräftiger, wenn eine Trendlinie verfolgt wird, da diese eine allmähliche Verbesserung oder Verringerung des Nettoumlaufvermögens im Laufe der Zeit anzeigen kann.

Das Net Working Capital kann auch verwendet werden, um die Fähigkeit eines Unternehmens zu schätzen, schnell zu wachsen. Wenn es über ein großes Net Working Capital verfügt, kann das Geschäft scheinbar schnell wachsen. Umgekehrt wäre es aufgrund einer angespannten Lage des Nettoumlaufvermögens sehr unwahrscheinlich, dass ein Unternehmen über die finanziellen Mittel verfügt, um sein Wachstum zu beschleunigen. Ein spezifischerer Indikator für die Wachstumsfähigkeit ist, wenn ein Unternehmen Bargeld von seinen Kunden einziehen kann, bevor es seine Lieferanten bezahlen muss.

Wie steht es um das Unternehmen?

Vereinfacht kann man sagen, dass, je höher das Nettoumlaufvermögen eines Unternehmens ist, desto stabiler ist das Unternehmen für die Gegenwart und die kurzfristige Zukunft aufgestellt. Dabei muss aber beachtet werden, dass ein zu hohes Umlaufvermögen auf eine die Eigenkapitalrentabilität negativ beeinträchtigende Bindung von kurzfristigen Vermögen hinweisen kann.

NWC

Wie steht es um die Zukunft meines Unternehmens?

Änderungen im Net Working Capital sind ein Maß für den operativen Cashflow (OCF) und werden in der Regel in der Kapitalflussrechnung erfasst. Die Veränderung des Nettoumlaufvermögens kann Ihnen zeigen, ob das kurzfristige Geschäftsvermögen im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten von einer Periode zur nächsten zunimmt oder abnimmt. Ein zunehmendes oder abnehmendes Nettoumlaufvermögen ist jedoch nicht zwingend gut oder schlecht. Gelegentlich erfordern strategische Geschäftsentscheidungen einen kurzfristigen Anstieg der Verbindlichkeiten. Oder ein zunehmendes Nettoumlaufvermögen kann zeigen, dass ein größerer Teil Ihres Bargeldes in Vermögenswerte investiert ist, die möglicherweise nicht sehr liquide sind. Daher ist es wichtig, die Entwicklung des Nettoumlaufvermögens zu verfolgen, damit Unternehmen ihren OCF überwachen können.

Goldene Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel bezeichnet den Finanzierungsgrundsatz, durch den man das Anlagevermögen Ihres Unternehmens durch längerfristig gebundenes Kapital deckt. Im Gegensatz hierzu kann das Umlaufvermögen auch durch kurzfristiges Kapital wie beispielsweise Kredite finanziert werden kann.

Aussage der Regel

Dabei geht diese goldene Regel der Bilanz so weit, dass sie eine Übereinstimmung der jeweiligen Laufzeiten fordert. Das bedeutet für Sie, dass Ihr Anlagevermögen, zu dem neben den allgemeinen Gegenständen auch der Datenraum – hierbei handelt es sich um einen geschützten Raum, in dem auf Servern alle Daten Ihres Unternehmens gesichert und Ihren Kunden zur Verfügung gestellt werden – gehört, durch Eigenkapital gedeckt bzw. finanziert wird. Und das über einen möglichst langen Zeitraum.

Ist dies der Fall, so steht Ihr Unternehmen erst einmal aus bilanzieller Sicht gut da. Eine Garantie für den Erfolg oder die Liquidität ist die Einhaltung dieser Regel jedoch nicht, da diese beiden Punkte immer von weiteren Aspekten abhängig sind. So werden die Fristen des gebundenen Kapitals nicht durch die Bilanz erfasst und abgebildet. Auch spielt das verhalten Ihrer Kunden und Lieferanten hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Einordnung in die Finanzierungsregeln

Die Liquidität eines Unternehmens lässt sich darstellen

Die goldene Bilanzregel ist eine sogenannte horizontale Finanzierungsregel. Dabei wird sie bilanziell präziser dargestellt. Wie bereits erwähnt, besagt die Regel, dass das Eigenkapital das Anlagevermögen decken soll. Im weitergehenden Sinne kann jedoch auch verstanden werden, dass das Anlagevermögen durch Fremdkapital mit langer Bindung gedeckt sein kann.

Bei einer noch weiter auflockernden Betrachtungsweise kann man die Regel sogar so definieren und verstehen, dass neben dem Anlagevermögen auch das auf Dauer gebundene Umlaufvermögen, die sogenannte eiserne Reserve, hiervon erfasst ist. Daraus folgt, dass Gegenstände des Umlaufvermögens, die nicht dauernd gebunden sind, durch kurzfristiges Kapital zu finanzieren sind.

Allerdings handelt es sich hierbei weniger um eine Bilanzregel sondern vielmehr um eine Finanzierungsregel. Diese besagt, dass langfristig gebundenes Kapital auch langfristig finanziert sein soll, während die Mittel zur kurzfristigen Finanzierung auch nur kurzfristig gebunden sein sollen. Hier spielt das Prinzip der Fristenkongruenz zwischen Mittelverwendung und Mittelherkunft eine entscheidende Rolle.

Bedeutung

Auch wenn die praktische Bedeutung der horizontalen Regeln zur Finanzierung ihre Grenzen hat, so bietet sie Ihnen in der Bilanz sehr gute Möglichkeiten, die Liquidität Ihres Unternehmens aufgrund der vorhandenen Kapital– und Vermögensstruktur auf mittel- und langfristige Zeiten darzustellen und auch zu zeigen, wie lange Sie in der Lage sind, diese auch aufrecht zu erhalten.

Wenn Sie diese Regeln einhalten, so haben Sie gute Chancen, das finanzielle Gleichgewicht auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Beachten Sie jedoch nicht nur die langfristigen Bereiche. Sie können Ihre Liquidität grundsätzlich nur dann aufrecht erhalten, wenn Sie auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht aus dem Auge verlieren und so jederzeit in der Lage sind, Ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten auch nachzukommen.

Wie Sie sehen reicht es nicht, sich nur mit der goldenen Bilanzregel zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist auch immer die goldene Finanzierungsregel zu sehen. Diese beiden stehen in einer absoluten Abhängigkeit voneinander.

Horizontale Kapital- / Vermögensstrukturregel

Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel

Die horizontale Kapital- bzwVermögensstrukturregel beinhaltet die Vorstellung über die fristenmäßigen Abstufungen und Zuordnungen in der Bilanz. Danach sollen langfristige Vermögensteile auf der Aktivseite entsprechend langfristiger Passiva zugeordnet sein bzw. denen gleich stehen. Dies soll bei kurzfristigen Positionen analoge Anwendung finden.

Hiervon ist die goldene Bilanzregel nicht erfasst. Diese zielt auf die bestehende Gliederung der Bilanz an sich in Bezug auf Aktiva und Passiva. In der Bilanz entscheidet die zeitliche Komponente darüber, ob man eine Position der Aktiv- oder Passivseite zuordnet. Somit kann man die Forderung der Regel, dass den Aktiva entsprechende Passiva zugeordnet werden, auch mit bilanziellen Begriffen umschreiben und umsetzen. Allerdings sollten Sie hierbei immer berücksichtigen, dass Fälligkeitstermine in der Bilanz grundsätzlich ungenau sind.

Fristenkongruenz – Anwendung der goldenen Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel findet vor allem in Verbindung mit einer Fristenkongruenz in der Finanzierung praktische Bedeutung und Anwendung analog zum Anlagedeckungsgrad. Demnach ist das Anlagevermögen langfristig und das Umlaufvermögen kurzfristig zu finanzieren. Hier können Sie jedoch nur beschränkte Informationen sammeln, da eine Bilanz sich immer auf die Vergangenheit bezieht und Sie diese Werte nicht für die Zukunft übertragen können.

Des Weiteren ist zu beachten, dass man auch Teile des Anlagevermögens kurzfristig ohne oder nur mit geringem Verlust auflösen kann oder liquide sein können. Hierzu zählen vor allem börsennotierte Wertpapiere. Diese Tatsache gilt auch in umgekehrter Folge für das Umlaufvermögen. Dies ist für externe in der Regel nicht ersichtlich.

Daraus folgt, dass die goldene Bilanzregel nur eine tendenzielle Aussagekraft in Bezug auf die jeweilige Finanzierung bietet.