BWL-Artikel

Was versteht man unter einem Firmenwert?

Der Firmenwert, der auch als Geschäftswert oder Goodwill bezeichnet wird, bezeichnet einen Vermögensposten, der alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter umfasst, abzüglich aller Verbindlichkeiten. Es ist kaum möglich, einen exakten Firmenwert zu ermitteln, da auch nicht greifbare Werte wie der Ruf oder das Image eines Unternehmens mit einbezogen werden.

Nicht greifbare wertbildende Faktoren sind beispielsweise die Stammkundschaft, ein qualitatives Management, die Lage des Unternehmens, das Know-How oder ein guter Facharbeiterstamm. Diese Werte sind nicht direkt messbar, dennoch haben sie einen Einfluss auf den Wert eines Unternehmens.

Goodwill

Wer sich mit dem Thema Firmenwert beschäftigt, stößt dabei zwangsläufig auf die Begriffe Goodwill und Badwill. Als Goodwill bezeichnet man einen positiven Firmenwert. Dazu zählen alle Faktoren, die einen positiven Einfluss auf den Geschäftswert haben. Zum Beispiel zufriedene Kunden, die das Unternehmen ihren Bekannten weiterempfehlen. Dies zieht wiederum neue Kunden an und etabliert das Unternehmen als Marke. Diese positiven Einflüsse für ein Unternehmen steigern den Firmenwert, weil sie dem Unternehmen Kapital einbringen.

Badwill

Der Badwill bezeichnet einen negativen Geschäftswert. Dazu zählen alle negativen Einflüsse auf den Firmenwert, zum Beispiel überwiegend schlechte Bewertungen im Internet. Dies hat negative Auswirkungen auf den Umsatz des Unternehmens zur Folge. Das Unternehmen verliert dadurch vielleicht Kunden, Marktanteile oder Lieferanten.

Derivativer und originärer Firmenwert

Wenn von einem Firmenwert oder Geschäftswert die Rede ist, wird unterschieden zwischen dem derivativen und dem originären Firmenwert. Diese unterscheiden sich sowohl handelsrechtlich als auch steuerrechtlich.

Firmenwert

Was hat sich mein Unternehmen selbst erarbeitet?

Der originäre Firmenwert ist der vom Unternehmen selbst geschaffene Wert. Das Unternehmen hat ihn im Laufe der Zeit selbst erarbeitet und erschaffen. Laut dem Handels- und Steuerrecht darf dieser Wert nicht abgeschrieben werden. Die Begründung hierfür ist, dass dieser Wert im Laufe der Geschäftstätigkeit nicht erworben, sondern erschaffen wurde. Aus diesem Grund können dem originären Firmenwert keine eindeutig identifizierbaren Kosten zugeordnet werden. Eine Abschreibung lässt sich somit nicht rechtfertigen. Zu dem originären Firmenwert gehören unter anderem:

  • der Kundenstamm
  • das Image des Unternehmens
  • die Qualität des Managements
  • ein eventueller Vorteil durch den Standort
  • spezielles Know-How des Unternehmens
  • angemeldete Patente
  • Belieferungsrechte

Derivativer Firmenwert

Der derivative Geschäftswert ist der eigentliche Firmenwert, der beispielsweise durch das Aufkaufen eines anderen Unternehmens entsteht. Dieser wird bei der Abschreibung berücksichtigt. Es ist der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis eines Unternehmens und der Differenz aus Vermögen und Schulden. Vorausgesetzt, es herrscht eine positive Differenz.

Zum besseren Verständnis ein einfaches Beispiel: Unternehmen Y hat ein Vermögen von insgesamt 5 Millionen Euro und Schulden in Höhe von 2 Millionen Euro. Der eigentliche Wert des Unternehmens also beträgt 3 Millionen Euro. Unternehmen X kauft jetzt Unternehmen Y für 10 Millionen Euro. Dieser Wert ist gewissermaßen um 7 Millionen Euro überhöht. Diese 7 Millionen bilden den derivativen Geschäftswert. Er ist somit ein Maß dafür, inwiefern der Kaufpreis eines Unternehmens erhöht ist. Unternehmen X zahlt die 10 Millionen aber nur aus einem Grund: Es hat positive Erwartungen an die Zukunft von Unternehmen Y. Sie rechnen damit, dass sich der erhöhte Kaufpreis in der Zukunft rentieren wird.

Wie berechnet man den Firmenwert?

Firmenwert

Welche Relevanzen vereinen Käufer und Verkäufer, wenn eine Verhandlung geführt wird?

Grundsätzlich ist es unmöglich, einen objektiven Unternehmenswert zu berechnen. Käufer und Verkäufer haben meist verschiedene Ansichten zu diesem Wert. Ein Inhaber lässt beispielsweise seine eigene Arbeit mit in die Berechnung einfließen. Einem Käufer interessiert dagegen nur der eigentliche Sachwert. Um einen möglichst objektiven Sachwert zu erhalten, sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen.

Berechnung mit einem Online-Rechner

Für eine erste Einschätzung genügt meist ein Rechner aus dem Internet. Oft sind es Unternehmensberater, die diese kostenlosen Tools anbieten. Diese Rechner bieten potenziellen Kunden vorab einige Anhaltspunkte für den Wert. Sie basieren in der Regel auf gängigen Verfahren der Unternehmens-Wert-Berechnung. Lesen Sie hier alles zu Unternehmensberatern.

Verfahren zur Berechnung

In der Praxis haben sich zwei gängige Verfahren zur Wert-Ermittlung durchgesetzt.

Das Ertragswertverfahren:

Dieses Verfahren berücksichtigt, was mit dem Unternehmen in Zukunft verdient werden kann. Für die Berechnung werden die Erträge der Firma mit einem Kapitalisierungs-Zinssatz dividiert. Dabei werden mögliche Zinsen für herkömmliche Geldanlagen mit berücksichtigt.

Ein Investor möchte beispielsweise ein Unternehmen kaufen, dessen Ertrag bei 350.000 Euro liegt. Der Geschäftsführer zahlt sich einen Lohn von 100.000 Euro pro Jahr und gibt eine Kapitalverzinsung von 15 Prozent an. Seine Aufgabe ist es jetzt zu berechnen, wie viel Kapital ein Investor mitbringen müsste, um bei einem Zinssatz von 15 Prozent 250.000 Euro Rendite zu erwirtschaften. Die Berechnung sieht folgendermaßen aus: Kapital = 250.000 * (15 / 100). Das Ergebnis ist 1,66 Millionen Euro. Der Firmenwert nach dem Ertragswertverfahren wäre also 1,66 Millionen Euro. So viel Kapital müsste ein Investor mitbringen, um bei einem Einsatz von 15 Prozent 250.000 Euro zu erzielen.

Das Ebit-Verfahren:

Firmenwert

Wie entsteht mein Wert?

In diesem Verfahren wird der Jahresgewinn der Firma mit einem speziellen Faktor multipliziert. Dieser Faktor ist abhängig von der jeweiligen Branche und der Verschuldung des Unternehmens.

Weitere Faktoren, die bei der Wert-Ermittlung eine Rolle spielen, sind folgende:

  • eine plausible Prognose
  • Investitions und Umsatzplanung
  • Art der Unternehmensführung
  • Art der Dienstleistungen und Produkte
  • Umfang des Kundenstamms

Die Kombination aus solidem Kundenstamm und kontinuierlicher Wachstumsrate können den Firmenwert erheblich steigern.

Was ist eine Kaufpreisallokation?

Bei einer Kaufpreisallokation (Purchase Price AllocationPPA) handelt es sich um eine Methode, die sich im betrieblichen Rechnungswesen anwenden lässt. Ursprünglich stammt sie aus den USA, erfreut sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch auch international einer zunehmenden Beliebtheit. Im Falle einer Unternehmensbeteiligung bewertet sie nicht nur nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch den gekauften Unternehmenswert. Schulden, stille Reserven und Vermögenswerte stehen dem Kaufpreis gegenüber, wobei der Zeitwert als Basis fungiert.

Die Kaufpreisallokation im International Financial Reporting Standard

Die Kaufpreisallokation findet sich im International Financial Reporting Standard (IFRS) – konkret im IFRS 3 – wieder. Zunächst muss der Kaufpreis bekannt sein, welcher bereits getätigte, aber auch zukünftige, verpflichtende Zahlungen an den Verkäufer des Unternehmens umfasst. Erwerbsnebenkosten sind laut IFRS 3 hingegen nicht mehr aktivierbar. Liquiditätsbestände, die man vom Unternehmen übernimmt, subtrahieren sich. Der nächste Schritt zielt auf eine Neubewertungsbilanz des neu erworbenen Unternehmens ab. Vermögensgegenstände, Eventualschulden und tatsächliche Schulden muss man identifizieren und anhand des IFRS 3.37 nach ihren Zeitwerten überprüfen.
Mögliche Lasten und stille Reserven, beispielsweise immaterielle Vermögenswerte wie Kundenbeziehungen
Preisallokation

Was gesellt sich zum Eigenkapital?

und Patente, lassen sich so zuverlässig aufdecken. Der Wertansatz hängt im Wesentlichen von den zu erwartenden Synergien infolge des Unternehmenskaufs ab. Die Differenz verbucht man immer dann als Ertrag und schlägt sie dem Eigenkapital zu, wenn der Kaufwert den Buchwert der zuvor bewerteten Beteiligung überschreitet. In dem Fall spricht man von einem negativen Geschäfts- oder Firmenwert (Badwill). Das Gegenteil stellt ein positiver Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) dar, der voraussetzt, dass der Kaufpreis über dem jeweiligen Buchwert liegt. Lesen Sie hier alles zum Buchwert.

Kriterien der Neubewertung laut IFRS 3.37

Der International Financial Reporting Standard 3.37 legt feste, welche Schulden und Vermögenswerte man im Rahmen der Kaufpreisallokation ansetzen darf. Generell gilt, dass sich der der jeweiligen Position beizulegende Zeitwert zuverlässig bestimmen lassen muss. Handelt es sich um einen materiellen Vermögenswert, muss eine Feststellung erfolgen, ob dieser dem Unternehmen und dem Käufer auch zukünftig einen finanziellen Nutzen einbringt. Ist dies ausgeschlossen oder sehr unwahrscheinlich, kann man ihn von der Neubewertung ausschließen. Spezielle, besonders strenge Ansatzkriterien sind bei immateriellen Vermögenswerten gemäß des International Accounting Standards (IAS) 38 zu beachten.
Diese liegen der Tatsache zugrunde, da man auch immaterielle Vermögenswerte wie Kunden- und Auftragsbestände mit einbezieht. Gewinnmindernde Abschreibungen entstehen so allein durch die Konzern-Konsolidierung. Im Falle der Kaufpreisallokation ist es üblich, solcherlei Abschreibungen zu bereinigen – Den Gewinn schlägt man, vor den Steuern, wieder zu. Von Vorteil ist, dass sich Bewertungsspielräume infolge der Bereinigung neutralisieren lassen. Negativ zu bewerten ist allerdings die Tatsache, dass sie faktisch das Risiko einer Überbewertung birgt. Grund dafür sind Zahlungsabflüsse, die man durch einen zu hoch angesetzten Kaufpreis ignoriert.

Ein weiteres wichtiges Kriterium stellen Verbindlichkeiten und Rückstellungen, also sämtliche Schulden, dar.

Preisallokation

Welche Schulden wandern in die Kalkulation?

Verlangt ist, dass solcherlei Verpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Abfluss finanzieller Mittel bewirken. Gemäß des Financial Reporting Standards darf man jedoch ausschließlich Schulden einbeziehen, die bereits zum Zeitpunkt des Unternehmenserwerbs bestanden. Eventualschulden

müssen hingegen auf Basis vom speziellen Kriterien identifiziert werden, die im IAS 37.10 festgelegt sind.

Der Zeitwert – Bewertungsmaßstäbe und –spielräume im Detail

Bilanzpositionen werden gemäß IFRS 3 mit ihrem Zeitwert angesetzt. Dieser lässt sich zwar mittels verschiedener Methoden ermitteln, in Anhang B des IFRS 3 wird jedoch auf den stets zulässigen Einsatz des Barwertverfahrens verwiesen. Um eine nicht zulässige Alternative handelt es sich hingegen bei der Marktbewertung, da immateriellen Vermögenswerten in der Regel ein aktiver Markt fehlt. Doch Achtung: Das Barwertverfahren birgt einige Tücken. Da das Verfahren auf Schätzungsgrößen beruht, beispielsweise auf Zahlungsüberschüssen und Laufzeit,eröffnet die Kaufpreisallokation die Möglichkeit umfassender Bilanzierungsspielräume. Betroffen sind vor allem immateriellen Vermögenswerte, die die Zuordnung zum Goodwill verhindern. Die Folge: Der ausgeschriebene Gewinn wird in den folgenden Geschäftsjahren gemindert. Das Szenario kann vermieden werden, indem die bereits erwähnte Bereinigung der Abschreibungen zum Einsatz kommt.

Die Kaufpreisallokation im deutschen Handelsgesetzbuch

Das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) regelt die Kaufpreisallokation zwar ähnlich wie der IFRS, geht dabei aber weniger ins Detail. Das HGB schreibt in § 301 lediglich vor, dass infolge des Kaufs erworbene Schulden, Vermögenswerte und Rechnungsabgrenzungsposten mittels ihres Zeitwerts anzusetzen sind. Geschäfts- oder Firmenwert werden im HGB allerdings vollkommen anders als im IFRS behandelt. Gemäß HGB muss ein positiver Unterschiedsbetrag aktiviert und anschließend ratierlich abgeschrieben werden. Infolgedessen werden die Auswirkungen der Bewertungsspielräume gemindert, da alle immateriellen Werte mit einbezogen werden.
Preisallokation

Welcher faktische Gewinn ergibt sich?

Ein negativer Unterschiedsbetrag wird dagegen als Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung passiviert, wie es § 301 Absatz 3 des deutschen Handelsgesetzbuchs vorschreibt. Laut § 309 Absatz 2 durfte man ihn bis Juli 2015 lediglich auflösen, wenn zuvor eine ungünstige Ertragsentwicklung eingetreten ist oder wenn am Stichtag der Bilanz feststeht, dass ein negativer Geschäfts- oder Firmenwert beziehungsweise Badwill einem faktischen Gewinn entspricht. Die aktuelle Fassung des § 309 Absatz 2 beschreibt hingegen, dass man einen negativer Unterschiedsbetrag immer dann auflöst, wenn das Vorgehen den Grundsätzen der Paragraphen 297 und 298 entspricht. Darüberhinaus muss die Auflösung den Vorschriften des ersten Absatz entsprechen.