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Was ist eine Zession?

Der Begriff Zession stammt aus dem Lateinischen (cessio) und beschreibt eine Abtretung. Im deutschen Zivilrecht ist sie im BGB §398 Satz 1 definiert. Eine Abtretung liegt vor, wenn ein Gläubiger seine Forderungen gegenüber einem Schuldner vertraglich auf einen anderen Gläubiger überträgt. Der Schuldner bleibt dabei gleich, auch am Inhalt und Umfang der Forderung ändert sich nichts. Den ursprünglichen Gläubiger bezeichnet man dabei als Zedent, der Gläubiger, der die Forderung übernimmt, ist ein Zessionar.

Voraussetzungen und Wirkung

Für eine gültige Zession sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Zunächst einmal muss überhaupt eine Forderung vorliegen, bei welcher der Zedent zum Zeitpunkt der Abtretung der Inhaber. Die Forderung muss zudem bestimmt oder bestimmbar sein. Es muss also eindeutig erkennbar sein, aus welchen Dingen sie sich zusammensetzt, wem sie gehört und was genau abgetreten werden soll. Dies ist besonders dann wichtig, wenn es sich um eine sogenannte Vorausabtretung handelt. So lassen sich Forderungen, die aktuell noch nicht bestehen aber schon absehbar sind, abtreten. Dies geht jedoch nur, wenn man sie genau definieren kann.

Grundsätzlich ist jede Forderung übertragbar. Es gibt jedoch auch ein paar Ausnahmen. So können sowohl vertragliche Bestimmungen eine Zession ausschließen als auch gesetzliche Regelungen, die in §§ 399 und 400 BGB zu finden sind. Auch ist eine Abtretung nur rechtens, wenn im Vorfeld ein Abtretungsvertrag geschlossen wurde. Dabei wird vom Gesetz keine konkrete Form vorgeschrieben. Es gibt jedoch vereinzelt Ausnahmen wie beispielsweise bei einer Hypothek. Lesen Sie hier alles zur Hypothek.

Zession

Wer muss wen informieren?

Bei dem Vertrag reicht es wohlgemerkt aus, wenn sich Zedent und Zessionar vertraglich einigen. Der Schuldner muss nicht beteiligt werden und er kann dem Vertrag auch nicht widersprechen. Der Zedent und der Zessionar müssen den Schuldner genau genommen nicht einmal über die Abtretung der Forderung informieren.

Mit Abschluss des Vertrages gehen die Forderungen auf den Zessionar über. Er hat nun das Recht, die Schuld gegenüber dem Schuldner geltend zu machen. Im Gegensatz zu einer Vertragsübernahme bleibt der Zedent jedoch auch weiterhin Vertragspartner des Schuldners. Dies gibt ihm beispielsweise das Recht der Einrede.

Historische Einordnung

Ob eine Forderung einfach übertragbar ist, hat sich in der rechtlichen Betrachtung über die Jahrhunderte immer wieder geändert. Im römischen Recht war es beispielsweise nicht vorgesehen, dass Gläubiger einfach so wechseln können. Damals behalf man sich meist mit einer sogenannten Prozessvertretung. Erst in der Phase des späteren Kaiserreichs stärkte man dann zunehmend die Position des Zessionars und gab ihm die Möglichkeit, Forderungen einzuklagen.

Das spätere germanische Recht ging dann zunächst wieder einen Schritt zurück, da die Möglichkeit, einfach eine Forderung auf eine andere Person zu übertragen, bestritten wurde. Erst im frühen 18. Jahrhundert setzte sich dann die auch heute noch gebräuchliche Meinung durch, die dann auch ihren Weg in das Bürgerliche Gesetzbuch fand.

Zession

Die Zession sichert die Liquidität

Heute wird die Zession häufig von Unternehmen genutzt. Sie bietet ihnen eine Möglichkeit, um die eigene Liquidität zu sichern. Ein klassisches Beispiel ist die Beziehung zu Lieferanten. Hat ein Unternehmen offene Zahlungen bei einem Lieferanten, selbst aber noch offene Forderungen gegenüber Kunden, können die Beträge mit der Hilfe einer Abtretung ausgeglichen werden. Das Unternehmen überträgt seine Forderungen an den Lieferanten, er nun wiederum die offenen Zahlungen des Schuldners einfordern kann.

Die verschiedenen Arten

Über die Zeit haben sich verschiedene Arten von Zessionen entwickelt, die unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden. Folgende Varianten sind heute üblich.

  • Einzelzession: Diese Abtretung umfasst nur eine einzelne Summe, wie etwa eine konkrete Rechnung.
  • Rahmenzession: Die Abtretung umfasst mehrere oder sogar alle Forderungen eines Unternehmens.
  • Globalzession: Eine Unterform der Rahmenzession, die alle aktuellen und zukünftigen Forderungen eines Unternehmens beinhaltet.
  • Mantelzession: Eine weitere Form der Rahmenzession, bei der Forderungen bis zu einem bestimmten Höchstbetrag übertragen werden.
  • offene Zession: Der Schuldner wird über die Abtretung informiert und zahlt daraufhin direkt an den Zessionar.
  • stille Zession: Der Schuldner erfährt nicht von der Abtretung. Die Zahlungen erfolgen daraufhin weiterhin an den Zedent, der anschließend wiederum das Geld an den Zessionar weiterleitet.
  • Vorausabtretung: In diesem Falle werden Forderungen schon übertragen, die noch gar nicht entstanden aber bereits absehbar sind.
  • Inkassozession: Die Forderungen werden an eine Bank oder ein Inkassounternehmen abgetreten.
    Sicherungszession: Die Abtretung der Forderungen erfolgt als Sicherung für eine kurzfristige Finanzierung.

Abgrenzungen zur Novation oder Schuldenübernahme

Zession

Eine Schuldenübernahme ist nicht mit der Zession gleichzusetzen

Auch, wenn die Zession das Thema Schulden behandelt, sollte sie nicht mit einer Schuldenübernahme oder einer Novation verwechselt werden. Bei allen drei Vorgängen wird zwar das Schuldverhältnis verändert, trotzdem gibt es Unterschiede. Im Falle einer Schuldübernahme ändert sich nicht wie bei einer Zession der Gläubiger, sondern der Schuldner. Es übernimmt also eine andere Person die Begleichung der Forderung. Bei einer Novation wird dagegen die Schuld direkt aufgehoben. Alle beteiligten Parteien bleiben dabei gleich und es findet nur eine inhaltliche Veränderung der Forderung statt.

Der Unterschied zum Factoring

Das Factoring weißt ebenfalls ein paar Ähnlichkeiten zur Zession auf, ist jedoch nicht mit ihr zu verwechseln. Beim Factoring kauft eine dritte Partei, häufig eine Bank oder eine Gesellschaft, die Forderung auf. Nach dem Verkauf muss der Gläubiger keinen Zahlungsausfall seines Schuldners mehr befürchten, da er die gesamte Schuld nun an den sogenannten Factor verkauft hat. Dieser muss sich nun um die Begleichung der Forderung kümmern und trägt das alleinige Risiko, falls der Schuldner nicht in der Lage ist, die offene Summe zu bezahlen.

Forderungen: Was ist das?

Im betriebswirtschaftlichen Kontext ist eine Forderung ein Zahlungsanspruch eines Gläubigers gegenüber einem Schuldner. Der betriebswirtschaftliche Begriff ist somit nah angelegt an den rechtlichen Begriff der Forderung. Forderungen entstehen regelmäßig im Rahmen der Geschäftstätigkeit von Unternehmen und fallen zum allergrößten Teil in die Kategorie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sie sind in aller Regel der größte Posten im Umlaufvermögen und als eigener Posten zu bilanzieren.

Definition

Die Definition einer Forderung in der Betriebswirtschaft lehnt sich im Wesentlichen an die rechtliche Definition an. Demnach sind Forderungen Ansprüche einer natürlich oder juristischen Person an eine andere natürliche oder juristische Person, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Die Leistung kann materieller oder immaterieller Art sein. Die Forderung selbst ist ein immaterieller Vermögenswert.

Forderungen im betriebswirtschaftlichen Kontext beschreiben Geldforderungen, die aus einem Vertrag resultieren. Hierin ist der Schuldner verpflichtet, sie zu einem bestimmten Datum oder über einen bestimmten Zeitraum gegenüber dem Gläubiger zu begleichen. Aus Sicht des Gläubigers ist eine Forderung ein Vermögenswert, der aktiv in die Bilanz eingeht. Demgegenüber steht aus Sicht des Schuldners eine Verbindlichkeit gleicher Höhe.

Forderungen

Wer eine Leistung erbracht hat, fordert die Entlohnung

Aus einer Forderung generiert der Gläubiger finanzielle Mittel und somit Einnahmen. Sie ist somit ein Finanzinstrument aus Sicht des Gläubigers. Aus der Forderung geht für das Unternehmen ein wirtschaftlicher Nutzen hervor, da mit einem Mittelzufluss in der Zukunft zu rechnen ist und gleichzeitig bereits ein Verfügungsrecht über diesen Mittelzufluss existiert.

Wie entstehen Forderungen?

Sie entstehen immer dann, wenn im Rahmen eines Vertrags eine Lieferung und/oder Leistung zwischen zwei Parteien vereinbart, die Leistung des Gläubigers bei Gefahrübergang der Sache aber noch nicht direkt vom Schuldner bezahlt ist. Sie entsteht somit typischerweise in der normalen Geschäftstätigkeit, wenn man Zahlungen auf Ziel vereinbart und eine Seite die Sache oder Dienstleistung bereits in den Herrschaftsbereich des Käufers gebracht hat.

Neben einem vereinbarten Zielverkauf entsteht eine Forderung auch bei einem Zahlungsverzug. Eine bestehende Forderung, die bis zur Fälligkeit nicht beglichen wurde, bleibt somit erhalten. Ein Zahlungsverzug bringt aber unter Umständen Veränderungen in der bilanziellen Bewertung mit sich und eröffnet weitere rechtliche Möglichkeiten gegen den Schuldner.

Welche Arten von Forderungen gibt es?

Forderungen lassen sich auf unterschiedliche Weise klassifizieren. Der mit Abstand häufigste Fall sind Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sie entstehen aus der typischen Geschäftstätigkeit von Unternehmen, wenn Waren oder Dienstleistungen verkauft und nicht direkt vom Schuldner bezahlt werden.

Handelsrechtlich sind von den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen noch Selbige gegen verbundene Unternehmen, FO gegen Unternehmen mit einem Beteiligungsverhältnis sowie sonstige Vermögensgegenstände zu unterscheiden. Nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS/IAS gibt es neben den FO aus Lieferungen und Leistungen die sonstigen finanziellen Vermögenswerte und die sonstigen nicht-finanziellen Vermögenswerte. Die Positionen mit „Sonstigen“ umfassen Forderungen, die nicht aus typischer Geschäftstätigkeit entstanden sind, beispielsweise aus Beteiligungen, Wertpapieren, gegenüber Arbeitnehmern, Finanzderivaten oder Nebengeschäften.

FO lassen sich weiter nach ihrer Fristigkeit unterscheiden. Eine kurzfristige Forderung begleicht man voraussichtlich innerhalb eines Jahres, eine mittelfristige FO zwischen einem und fünf Jahren und eine langfristige Forderung nach mehr als fünf Jahren.

Wie wird eine FO bilanziert?

Sie sind sind als finanzielle Mittel zu sehen, über die bereits ein rechtlicher Anspruch besteht. Sobald dieser Anspruch – bei Lieferungen und Leistungen ab dem Gefahrübergang in die Sphäre des Käufers – vorliegt, muss man die zugehörige Forderung buchhalterisch aktivieren. Eine FO ist dabei ein Aktivposten in der Bilanz und Teil des Umlaufvermögens.

Bei der erstmaligen Bilanzierung einer Forderung ist diese zu Anschaffungskosten zu zählen. Das entspricht dem

Forderungen

Wie prüft man die Forderung?

Nennwert einschließlich eventueller Transaktionskosten (entspricht dem Bruttorechnungsbetrag). Ist die Forderung zum Bilanzstichtag noch offen, wird sie zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Jede FO gehört nach dem Niederstwertprinzip geprüft und ist dann gegebenenfalls auf den niedrigeren Wert abzuschreiben.

Die Prüfung nach dem Niederstwertprinzip ist auf jede FO einzeln anzuwenden (Prinzip der Einzelbewertung). Das Ausfallrisiko unterliegt einer Prüfung. Besteht so ein Risiko, handelt es sich um eine zweifelhafte Forderung, die nun auf den wahrscheinlichen Zahlungseingang in der Zukunft abzuschreiben ist. Bei vielen kleinen Einzelforderungen lässt sich handelsrechtlich auch eine Pauschalwertberichtigung der Forderungssumme nach Erfahrungswerten vornehmen. Eine Kombination aus Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung ist gegebenenfalls auch möglich.

Was passiert bei Darlehen und Fremdwährung?

Bei einer Darlehensforderung ist in der Regel eine Verzinsung vereinbart. Die Forderung lässt sich mit dem Barwert bilanzieren. Dieser ergibt sich aus den Zins- und Tilgungszahlungen, die mit einem marktüblichen Zins diskontiert werden. Liegt der vertraglich vereinbarte Zins unterhalb des Marktzinses, ist die Darlehensforderung auf den niedrigeren Wert abzuschreiben.

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Währungsänderungen sind zu berücksichtigen

Ist die Forderung in einer Fremdwährung, muss man sie in die heimische Währung umrechnen. In Deutschland ist das der Euro, wenn die Bilanzierung nach deutschem Recht erfolgt. Durch Wechselkursänderungen verändert sich damit der Wert der FO, was zum Bilanzstichtag zu berücksichtigen ist. Bei einer kurzfristigen Fremdwährungsforderung ist mit dem aktuellen Divisenkurs zu bilanzieren – auch, wenn dieser über den Wert bei der Aktivierung der Forderung liegt. Hier wird das Niederstwertprinzip durchbrochen. Bei langfristigen Fremdwährungsforderungen gilt das Niederstwertprinzip weiter.

Wird eine Forderung vor dem Bilanzstichtag beglichen, gehört sie entsprechend wieder ausgebucht. Im einfachsten Fall überweist man den Bruttobetrag und sie erlischt. Viel Unternehmen vereinbaren mit dem Käufer aber eventuelle Boni und Skonti, wenn sie das Zahlungsziel nicht bis zur Frist ausschöpfen, sondern schneller bezahlen. Diese Boni und Skonti mindern im Nachhinein die Forderung und sind, wenn sie anfallen, zu verrechnen. Lesen Sie hier alles über Skonto.

Forderungsmanagement

Aufgrund der Wichtigkeit von Forderungen für das Unternehmen setzen die meisten Unternehmen auf ein Forderungsmanagement. Das Forderungsmanagement überwacht jede Forderung und schließt Rückschlüsse auf die Bonität der Käufer. So wahrt man einen Überblick über die Risiken. Das Management schreitet bei Zahlungsverzug aktiv ein und vollzieht weitere Schritte gegenüber säumigen Kunden. Forderungsausfälle gefährden maßgeblich die Liquidität des Unternehmens, was im Extremfall zur Insolvenz führen kann.

Was ist Factoring?

Die Historie der Forderungsfinanzierung reicht weit in die Vergangenheit zurück. Den Vorläufer der heute beliebten Unternehmensfinanzierungsform gab es bereits im alten Babylonien sowie bei den alten Griechen und Römern. Hier wurden schon vor 5000 Jahren Handelsgeschäfte finanziell über Vermittler abgewickelt, welche im Prinzip Factoringleistungen nach heutigem Verständnis anboten. Die Römer waren es auch, die dem Factoring den Namen (facere = machen) gaben.

Definition des Factorings

Factoring bedeutet ständiger Forderungsverkauf aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens gegen seine Kunden an ein Factoringinstitut. Dadurch, dass das Unternehmen seinen Kunden ein Zahlungsziel setzt und damit einen häufig kostenlosen Lieferantenkredit gewährt, entstehen die Forderungen.

Rechtliche Grundlagen des Factorings

Factoring ist rechtlich gesehen ein Kaufvertrag von Forderungen. Die Geschäftsbeziehung basiert auf einem Factoringvertrag zwischen Factoringgesellschaft und Kunden/Unternehmen. In der Praxis übernimmt die Factoringgesellschaft ebenso das gesamte Debitorenmanagement sowie das Ausfallrisiko des Lieferantenkredits.

Aufgaben des Factorings

Die Factoringgesellschaft (Factor) übernimmt durch Ankauf der Forderungen eine Finanzierungsfunktion, die bei den meisten Factoringkunden im Vordergrund steht.
Die Finanzierungsfunktion des Factorings besteht darin, dass dem Factoringkunden der Gegenwert der Forderung abzüglich des Sicherheitsbehaltes sofort und umsatzkongruent vom Factor bereitgestellt wird. Der Factoringkunde kann dann sofort über diese Mittel verfügen und verbessert hiermit seine Liquiditätslage.

Factoring

Wie wirkt sich Factoring auf die Liquidität aus?

Das Factoring kann, was die Finanzierungsfunktion betrifft, als Vermögensumschichtung und damit als Innenfinanzierung betrachtet werden.

Weiterhin bewirkt die Finanzierungsfunktion für den Factoringkunden einen sofortigen Liquiditätszufluss beim Verkauf der Forderungen. Der Factoringkunde muss nicht abwarten, bis der Debitor die ausstehenden Forderungen begleicht. Im Allgemeinen bietet der Factor die sofortige Bezahlung von bis zu 90 Prozent der an ihn abgetretenen Forderungen an. Das Geld steht dem Unternehmen sofort zur Verfügung und sollte beispielsweise für die Verminderung beziehungsweise Tilgung eigener Schulden bei Geldinstituten oder Lieferanten benutzt werden. Meistens fixiert der Factor diese Reduktion als Auflage.
Dies bewirkt eine Bilanzverkürzung und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Die noch bestehende Differenz von mindestens 10 Prozent der zugrunde liegenden Forderungen behält das Factoringinstitut als Entgelt und Sicherheitsabschlag für etwaige Forderungsausfälle unmittelbar zurück.
In der Praxis beinhaltet Forderungsfinanzierung häufig die Übernahme eines möglichen Forderungsausfalles(Delkredererisiko) als Zusatzfunktion. Dies geschieht dahingehend, dass der Factor das Unternehmen von seinem Kreditrisiko befreit und auf etwaige Regressansprüche verzichtet.
Optional besteht seitens der Factoringgesellschaft die Möglichkeit, Bereiche der Verwaltung und des Debitorenmanagements zu übernehmen. In der Praxis ist häufig die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens und des Inkassos anzutreffen.

Arten des Factorings

Als echtes Factoring bezeichnet man das Verfahren, bei dem die Factoringgesellschaft das Delkredererisiko

Factoring

Wer trägt bei den beiden Factoring-Arten das Risiko?

übernimmt. Unechtes Factoring dagegen verzichtet auf die Übernahme dieses Risikos. In Deutschland ist hauptsächlich das Verfahren des echten Factorings verbreitet. Die Veräußerung der Forderung erfolgt mit Übergang aller Rechte und Pflichten an den Factor.
Man unterscheidet weiterhin das offene Factoring, bei dem der Schuldner Kenntnis vom Verkauf der Forderung hat, und das stille Factoring, bei dem die Kunden an das Unternehmen zahlen und das Unternehmen die für die verkauften Forderungen vereinnahmten Gelder an das Factoringinstitut weiterleitet.

Kosten für das Factoring

  • Die Kosten für die Forderungsfinanzierung berechnen sich aus folgenden Parametern:
  • Factorabler Jahresumsatz
  • Finanzierungslinie (angekaufte Forderungen multipliziert mit der Bevorschussungsquote)
  • Bonität des Factoringkunden
  • Anzahl Kunden
  • Anzahl Rechnungen
  • Umfang der übernommenen Dienstleistung (Full-Service Factoring oder Inhouse Factoring)
  • Bestehen einer Kreditversicherung
  • spezifisches Ausfallrisiko der Forderung.
In der Praxis orientiert sich der Faktor für die Vorfinanzierung am EURIBOR zuzüglich eines Aufschlages von in der Regel ein bis zwei Prozentpunkten. Lesen Sie hier alles über die EURIBOR.

Berechnungsbeispiel

Für die Dienstleistungsgebühr (1 Prozent von 1 Million EUR Umsatz) werden 10.000 EUR für die Delkrederegebühr (1 Prozent von 1 Million Umsatz) auch 10.000 EUR erhoben. Die Zinsen betragen (1,5 Prozent von 900.000 EUR) 13.500 EUR. Daraus ergeben sich monatliche Kosten in Höhe von 33.500 EUR, die den monatlichen Einsparungen gegenüber stehen. Es fallen Debitorenbuchhaltungs– und Mahnkosten in Höhe von 20.000 EUR und Forderungsausfälle in Höhe von 5.000 EUR weg. Die Verminderung der Zinsen beläuft sich auf (6 Prozent von 900.000 / 12 Monate) 4.500 EUR. Daraus ergibt sich eine Einsparung von 29.500 EUR.
Da die Kosten höher als die Einsparungen sind, sollte in diesem Beispiel kein Factoring durchgeführt werden.

Vorteile des Factorings

Durch die Finanzierungsfunktion erhält ein Factoringkunde den um den Sicherheitsbehalt verminderten Gegenwert der abgetretenen Forderung vom Factoringinstitut zur Verfügung gestellt. Diese Eigenschaft des Factorings stellt für ein Unternehmen die Sicherung der eigenen Liquidität dar und hilft, Zahlungsengpässe zu vermeiden. Der Factoringkunde wird so auch in die Lage versetzt, seine Finanzplanung besser gestalten zu können. Der Bedarf an finanziellen Mitteln eines Unternehmens kann direkt durch die Veräußerung der Außenstände durch den Factor gedeckt werden. Der Unternehmer ist so gestellt, als würden alle seine Abnehmer am Tag des Rechungserhalts bezahlen.

Damit steigt gleichzeitig die finanzielle Flexibilität, da Factoring als umsatzkongruente Wachstumsfinanzierung im

Factoring

Finanziell bewirkt Factoring eine größere Liquidität

Vergleich zu Betriebsmittelkrediten die Liquiditätssituation verbessern kann. Beim Factoring besteht kein fixiertes

Gesamtlimit wie beispielsweise bei einem KontokorrentkreditFactoring ermöglicht es Unternehmen, ohne zusätzliche persönliche Sicherheiten ihren Finanzierungsrahmen auszubauen. Außerdem kann ein Unternehmen die flüssigen Geldmittel dazu verwenden, frühzeitig die Rechnungen der eigenen Lieferanten zu bezahlen, um so deren gewährte Skonti zu nutzen und finanzielle Mittel einzusparen.
Nutzt der Factoringkunde den neu gewonnenen Liquiditätsspielraum zur Tilgung bestehender Schulden, bewirkt dies in der Bilanz eine Verbesserung der Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Sofern die Factoringgesellschaft mit der Forderungsübertragung auch die Ausfallrisiken bei Zahlungsunfähigkeit übernimmt, ist der Klient vom Kreditausfallrisiko befreit, da der Factor das Risiko eines Forderungsausfalls
regresslos trägt. Der Forderungsverkäufer kann von der zumeist höheren Inkassostärke der
Factoringgesellschaft profitieren. In der Praxis zeigt sich dies in höheren Inkassoquoten und somit in niedrigeren Aufwendungen durch Forderungsausfälle. Das Factoring kann damit eine Kreditversicherung gegen Forderungsausfälle ersetzen.

Was ist Zahlungsunfähigkeit?

Zahlungsunfähigkeit ist mit Blick auf die rechtliche Definition nach Paragraf 17 Absatz 1 InsO ein wesentlicher Grund, um eine Insolvenz zu eröffnen. In dem Zusammenhang ist es nicht von Bedeutung, um welche Rechtsform des Schuldners es sich im Einzelnen handelt. Der Begriff Zahlungsunfähigkeit beschreibt die Unfähigkeit eines Schuldners, seinen Zahlungsverpflichtungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nachzukommen. Dies ist dem ersten Satz des Absatzes 2 desselben Paragrafen zu entnehmen.

Hierbei geht man davon aus, dass der Schuldner bedingt durch die bestehende finanzielle Situation seine Zahlungen eingestellt hat und noch bestehende Forderungen seiner Gläubiger nicht erfüllt bzw. bedienen kann. Wichtig ist, die individuellen finanziellen Gegebenheiten stets im Blick zu behalten. Vorausschauend planen und handeln – das sind oft die zentralen Grundpfeiler, wenn es darum geht, einer möglichen Zahlungsunfähigkeit oder einer Überschuldung effektiv entgegenzuwirken.

Zahlungsunfähigkeit und Cash Flow

Den Gegensatz zur Zahlungsunfähigkeit bildet der Cash Flow. So wird der Liquiditätsfluss eines Unternehmens innerhalb eines spezifischen Zeitraumes als Cash Flow bezeichnet. An diesem Wert ist ablesbar, wie stark ein Betrieb in Bezug auf finanzielle Aspekte sowie im Hinblick auf die jeweiligen Erträge ist. Die generierten Daten spielen vor allem dann eine wesentliche Rolle, wenn es um die Bedienbarkeit eines Kredites bzw. um die Kreditwürdigkeit im

Cashflow und Zahlungsunfähigkeit

Wie hängen Cashflow und Zahlungsunfähigkeit zusammen?

Allgemeinen geht. Auch für Anbieter von Dienstleistungen sowie für Lieferanten etc. ist der Cash Flow eines Unternehmens von Relevanz. In Deutschland sind ausschließlich börsennotierte Firmen dazu verpflichtet, ihren Cash Flow auch der Öffentlichkeit preiszugeben. KMUs und größere, nicht börsennotierte Firmen sind von dieser Regelung nicht betroffen. Lesen Sie hier mehr über den Cashflow.

Insolvenz bei Zahlungsunfähigkeit

Zahlungsunfähige Personen oder Unternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. In jedem Fall muss aber der zu Grunde liegende Sachverhalt tiefgreifender in Augenschein genommen werden. So gilt es unter anderem zu unterscheiden, ob tatsächlich eine Zahlungsunfähigkeit vorliegt oder ob lediglich ein Mangel an Liquidität besteht. Dieser muss jedoch innerhalb einer festgelegten Frist von 21 Tagen ausgeglichen werden – und das zu mindestens 90 Prozent. So sieht es das BGH vor. Diesbezüglich ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofeseine „Zahlungsunfähigkeit klar abzugrenzen von der bloßen Zahlungsstockung. Hierbei ist von einem kurzfristig behebbaren Mangel an liquiden Mitteln die Rede.“ (Zitat) Gelingt es nicht, innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes den Großteil der Verbindlichkeiten abzutragen, tritt mit Ablauf der Frist automatisch die Zahlungsunfähigkeit in Kraft.

Hinweis:

Sofern es sich bei dem Schuldner um eine Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit oder um eine juristische Person handelt, ist es unerlässlich, die Insolvenz unverzüglich einzuleiten.

Zahlungsunfähigkeit

Zahlungspflichten müssen eingehalten werden!

Verbraucher aber auch Unternehmen sind in jedem Fall dazu angehalten, die Forderungen von Dienstleistern oder Warenanbietern etc. in vollem Umfang und nach individueller Absprache zu erfüllen. Insbesondere gegenüber Banken und anderen Kredit gebenden Instituten besteht selbstverständlich eine Zahlungspflicht. Dabei liegt der folgende Leistungskreislauf zu Grunde: Unternehmen finanzieren sich durch den Verkauf von Produkten, Services oder Dienstleistungen. Die im Zuge dessen generierten Umsätze werden meist zu einem Großteil dazu verwendet, Lieferanten, Dienstleister, Banken etc. zu bedienen.

Aufgrund verschiedener Umstände ist es jedoch möglich, dass das Interesse der Kunden an dem Waren- oder Dienstleistungsangebot nachlässt und der Absatz der betreffenden Unternehmen demgemäß einbricht. Eine solche Negativ-Entwicklung geht stets mit verminderten Geldeingängen einher. In der Konsequenz wird es daher schwieriger, Rechnungen pünktlich zu begleichen oder Kreditforderungen vereinbarungsgemäß zu tilgen. Sowohl bei kurz- und mittelfristigen, als auch bei langfristigen Verträgen und Krediten, ist es aufgrund dessen nicht mehr möglich, die erforderlichen Zahlungen zum jeweils im Vorfeld festgelegten Zeitpunkt zu begleichen.

Zu beachten ist aus der Sicht zahlungsunfähiger Personen oder Unternehmen Folgendes:

  • Eine Zahlungsunfähigkeit wirkt sich erheblich auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens aus.
  • Es dürfen keine weiteren Waren bezogen oder Leistungen in Anspruch genommen werden.
  • Wirtschaftlich schwächere Bereiche können bzw. sollten abgestoßen werden, um bestehende Forderungen zu erfüllen.

    Zahlungsunfähigkeit Richtlinien

    Worauf müssen Zahlungsunfähige achten?

  • Die Anpassung von Kreditraten oder die Verlängerung von Kreditlaufzeiten kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein.

Sofern auch diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, ist es unerlässlich, das Unternehmen zu liquidieren.  Personen und Unternehmen sind gleichermaßen dazu verpflichtet, sich regelmäßig über die gesetzlichen Bestimmungen zu informieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit kann man so adäquat reagieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder bei einer Überschuldung ist umgehend, jedoch in Anlehnung an die aktuelle Gesetzgebung, innerhalb von drei Wochen ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Sofern dieser Schritt zu spät in die Wege geleitet oder gänzlich versäumt wird, muss der Schuldner mit einer strafrechtlichen sowie zivilrechtlichen Verfolgung rechnen.

Wissenswertes für Schuldner und Gläubiger

Bei einem durchzuführenden Insolvenzverfahren werden sowohl die Rechte der Schuldner als auch der Gläubiger in gewisser Weise beschnitten. So werden die Gläubiger im Rahmen einer Insolvenzeröffnung zu einer so genannten Verlustgemeinschaft. Das bedeutet, dass sie den Zahlungsausfall ihres Schuldners jeweils anteilsmäßig zu tragen haben. Gläubiger, die beabsichtigen, sich dieser Verlustgemeinschaft zu entziehen, müssen zusätzliche Konsequenzen fürchten. So ist es ihnen unter anderem nicht gestattet, Einzelzwangsvollstreckungen durchzuführen oder gar „in Eigenregie“ einen Prozess gegen den Schuldner anzustreben.