Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Die Verwendung der richtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist entscheidend, um den Erfolg eines Unternehmens bewerten zu können und die für ein nachhaltiges Wachstum erforderlichen Erkenntnisse zu gewinnen. Zu erkennen, was funktioniert und was nicht, ist die Grundvoraussetzung, um den Fortschritt eines Unternehmens in die richtige Richtung zu lenken zu.

Durch die Festlegung klarer operativer Kennzahlen und die objektive Bewertung haben Unternehmer die Möglichkeit, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu fällen, um langfristig auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Nutzen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen

GrößenklassenKennzahlen sind in jedem Unternehmen die Grundlage für die unternehmerische Entscheidungsfindung. Ausgewählt aus dem geeigneten Datenraum ermöglichen sie das frühzeitige Erkennen von Risiken und helfen Chancen zu nutzen. Kennzahlen helfen der Unternehmensführung, zu verstehen, wie sich das Unternehmen in Bezug auf ihre strategischen Ziele entwickelt.

Wenn man sie richtig festlegt und verwendet, zeigen sie, ob die Leistung mit den Prognosen übereinstimmt. Darüber hinaus können Kennzahlen dazu dienen, von vornherein die richtigen Entscheidungen zu treffen oder aus mehreren Alternativen die wahrscheinlich profitabelste Option auszuwählen. Um verwertbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, müssen die den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zugrunde liegenden Daten

  • verfügbar und messbar sein
  • für die Zielsetzung relevant sein
  • sofort verwertbar sein
  • zeitnah verfügbar sein

Arten und Gliederung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen

Die Kennzahlen unterteilt man je nach Datenraum aus dem sie stammen in Rentabilitätskennzahlen, Liquiditätskennzahlen und Erfolgskennzahlen. Hinzu kommen Kennzahlen zur Vermögensstruktur des Unternehmens (Bilanzkennzahlen), zur Umschlagshäufigkeit des Kapitals oder der Lagerbestände sowie Schuldenkennzahlen.

Rentabilitätskennzahlen

KennzahlenJedes Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, um auf Dauer bestehen zu können. Mehrere Kennzahlen liefern der Geschäftsleitung wichtige Informationen zur Rentabilität ihres Unternehmens. Hierzu zählen unter anderem die Gesamtkapital– und Eigenkapitalrendite sowie die Umsatzrendite und der Return on Investment (ROI).

Gesamt- und Fremdkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrentabilität (englisch Return on Assets) ist ein Maß für die Effizienz des gesamten Kapitaleinsatzes innerhalb einer Abrechnungsperiode. Die Gesamtkapitalrendite ist gleich dem Reingewinn des Unternehmens zuzüglich der Fremdkapitalzinsen dividiert durch das Gesamtkapital. Die Eigenkapitalrendite ist das Verhältnis von Gewinn zu Eigenkapital und zeigt, ob und wie das Eigenkapital innerhalb einer Periode verzinst wurde.

Umsatzrendite

Bei der Umsatzrendite oder Umsatzrentabilität (englisch Return on Sales, ROS) wird unterschieden zwischen der Netto-Umsatzrendite und der Brutto-Umsatzrendite. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis des Gewinns vor Steuern (Brutto) oder des Gewinns nach Steuern im Verhältnis zum Umsatz an. Die Umsatzrendite wird häufig zur Bewertung der Betriebsleistung eines Unternehmens verwendet. Sie wird auch als „Betriebsgewinnmarge“ oder „Betriebsmarge“ bezeichnet.

Die Umsatzrendite kann sowohl als Instrument zur Analyse der Leistung eines einzelnen Unternehmens im Vergleich zu seiner Leistung in der Vergangenheit als auch zum Vergleich der Leistung ähnlicher Unternehmen verwendet werden. Das Verhältnis variiert stark je nach Branche, ist jedoch für den Vergleich verschiedener Unternehmen der selben Branche nützlich.

Wie bei vielen Kennzahlen ist es am besten, die Umsatzrendite eines Unternehmens im Zeitverlauf zu vergleichen, und Trends mit anderen Unternehmen der Branche zu vergleichen. Eine steigende Umsatzrendite zeigt an, dass das Unternehmen effizienter wird, während eine sinkende Quote auf drohende finanzielle Probleme hinweisen könnte. In einigen Fällen können Unternehmen eine niedrige Umsatzrendite jedoch durch erhöhte Umsätze ausgleichen.

Der Return on Investment

Der Return on Investment (ROI) ist eine häufig genutzte betriebswirtschaftliche Kennzahl, mit der die Rendite einer unternehmerischen Tätigkeit anhand des Gewinns im Verhältnis zum eingesetzten Kapital bestimmt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fremdkapitalzinsen dem Gewinn hinzugerechnet werden müssen, das sich der ROI auf das Gesamtkapital des Unternehmen bezieht.

Liquiditätskennzahlen

Liquiditätskennzahlen analysieren die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zurückzuzahlen. Diese Kennzahlen zeigen die Liquidität eines Unternehmens und die Fähigkeit, Vermögenswerte in Bargeld umzuwandeln, um Verbindlichkeiten und andere kurzfristige Verpflichtungen zu erfüllen.

Liquidität ist nicht nur ein Maß dafür, wie viel Geld ein Unternehmen hat. Es ist auch ein Maß dafür, wie einfach es für das Unternehmen sein wird, ausreichend Bargeld zu beschaffen oder Vermögenswerte in Bargeld umzuwandeln.

Vermögenswerte wie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder der Lagerbestand können viele Unternehmen relativ einfach in Bargeld umwandeln. Alle diese Vermögenswerte werden daher in die Liquiditätsberechnung eines Unternehmens einbezogen. Zu den wichtigsten Liquiditätskennzahlen gehören der Liquiditätsgrad (Cash Ratio), die Anlagendeckung und das Working Capital.

Erfolgskennzahlen

Erfolgskennzahlen dienen der Unternehmensführung zur Ermittlung des Unternehmenserfolgs. Sie können sich sowohl am Wert des Unternehmens wie auch am Gewinn orientieren. Wichtige Erfolgskennzahlen sind der Gewinn vor Steuern, der Umsatz, der Rohertrag, das Gesamtbetriebsergebnis und der Jahresüberschuss. Der Deckungsbeitrag und der CashFlow zählen ebenfalls zu den Erfolgskennzahlen.

Der Deckungsbeitrag (englisch contribution margin) ist ein wichtiger Teil der Kosten- und Leistungsrechnung. Er ist die Differenz zwischen Umsatz und den variablen Kosten eines Produktes. Die Differenz ist der Betrag, der zur Deckung der einem Produkt zuzurechnenden Fixkosten zur Verfügung steht.

Der CashFlow ist die Differenz zwischen dem zu Beginn einer Periode verfügbaren Geldbetrag und dem Betrag am Ende dieser Periode. Er ist positiv, wenn der Schlusssaldo höher als der Eröffnungssaldo ist. Der CashFlow steigt, wenn ein Unternehmen zum Beispiel mehr Waren oder Dienstleistungen verkauft, einen Vermögenswert verkauft wird oder die Kosten senkt. Er sinkt, wenn die Umsätze zurückgehen oder Kunden ihre Rechnungen langsamer bezahlen.

Die Höhe des CashFlow ist nicht unbedingt ein guter Indikator für die Leistung eines Unternehmens. Ein hoher CashFlow bedeutet nicht notwendigerweise einen hohen Gewinn. Und hohe Gewinne führen nicht automatisch zu einem hohen oder positiven CashFlow.

Bilanzkennzahlen

Bilanzkennzahlen sind die gebräuchlichsten und am weitesten verbreiteten Instrumente zur Analyse der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Die mit den Bilanzkennzahlen ausgedrückten Verhältnisse sind leicht zu verstehen und einfach zu berechnen. Sie können zum Vergleich verschiedener Unternehmen verwendet werden.

Da es sich um einen mathematischen Vergleich handelt, der auf Verhältnissen basiert, können große und kleine Unternehmen diese Kennzahlen verwenden, um ihre Finanzinformationen zu vergleichen. Diese Finanzkennzahlen berücksichtigen nicht die Größe eines Unternehmens. Gebräuchliche Bilanzkennzahlen sind die Eigenkapitalquote, die Fremdkapitalquote, die Anlagendeckung und Verschuldungsgrad.

Der Verschuldungsgrad (englisch debt to equity ratio oder leverage ratio) ist das Verhältnis zwischen dem in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital und dem Fremdkapital. Darüber hinaus dient der Verschuldungsgrad der Quantifizierung der finanziellen Hebelwirkung, die angibt, in welchem Umfang die Tätigkeiten eines Unternehmens aus dem Eigenkapital gegenüber den Mitteln der Gläubiger finanziert werden. Der Verschuldungsgrad wird hauptsächlich zur Analyse der Kapitalstruktur und damit zur langfristigen Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens verwendet.

Abschreibungsverfahren

Abschreibungsverfahren

Die Abschreibung bezeichnet die Abbildung der Wertminderung von Vermögensgegenständen eines Unternehmens. Um diese zu erfassen und zu verrechnen, kann sich das Rechnungswesen verschiedener Abschreibungsverfahren bedienen.

Die Abschreibung oder auch AfA (Absetzung für Abnutzung) senkt den Unternehmensgewinn und somit die Bemessungsgrundlage für die zu bezahlende Ertragssteuer. In der Bilanz mindert die Abschreibung den Buchwert eines Vermögensgegenstandes, in der Gewinn- und Verlustrechnung wird durch sie der Gewinn geschmälert. Dadurch steigt die Liquidität des Unternehmens.

Welche Güter können Sie abschreiben?

Grundsätzlich kann man alle abnutzbaren Vermögensgegenstände abschreiben, zB Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel, Werkzeug, etc. Aber auch immaterielle Betriebsmittel sind abschreibbar, zB Patente, Konzessionen, Lizenzen oder die Kosten für einen Datenraum.

Wirtschaftsgüter

Auch Wirtschaftsgüter mit geringem Wert kann man abschreiben, hier gibt es allerdings Sonderregelungen. Als geringwertig gelten Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 800 bzw 1000 Euro (bei Sammelabschreibung), wenn sie beweglich, abnutzbar und unabhängig nutzbar sind.

Bei einem Wert zwischen 250 und 800 Euro können Sie den Gegenstand in voller Höhe als Betriebsausgabe buchen.
Zwischen 250 und 1000 Euro ist es auch möglich, einen Sammelposten zu buchen und diesen einheitlich und linear über 5 Jahre abzuschreiben.

Forderungen

Auch Forderungen kann man abschreiben, wenn zB ein Kunde in Insolvenz geht. Die Forderung wird hierzu auf ein Konto namens „zweifelhafte Forderungen“ umgebucht, welches nicht in der Bilanz aufscheint. Sobald klar ist, dass die Forderung wirklich nicht eingebracht werden kann, muss man sie mit der entsprechenden Abschreibungsmethode abschreiben:

  • Einzelwertberichtigung (nur diese eine Forderung wird abgeschrieben)
  • Pauschalwertberichtigung (pauschaler Prozentsatz auf alle Forderungen)
  • eine Mischung aus Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung.

Warum Abschreibung?

Abschreibungsursachen gibt es viele:

  • Technische Ursachen (normaler Verschleiß oder ein Kaputtgehen aufgrund von Katastrophen wie Feuer, Hochwasser, …)
  • Wirtschaftliche Ursachen (durch Nachfrageverschiebungen, Fehlinvestitionen oder Ineffizienz)
  • Rechtliche Ursachen (Ablauf von Verträgen, Patenten, etc.)

Abschreibungsarten

GrößenklassenEs gibt planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen. Die planmäßige Abschreibung beinhaltet, dass alle Wirtschaftsgüter, die über mehrere Jahre genutzt werden, über alle diese Jahre abgeschrieben werden dürfen, so dass man den Wert des Wirtschaftsgutes auf alle Jahre der Nutzung verteilt.

Die außerplanmäßige Abschreibung kann notwendig werden, wenn der Wert des Gegenstandes plötzlich und auf lange Sicht geringer wird, zB bei Beschädigung einer Maschine durch ein unvorhergesehenes Geschehnis wie ein Erdbeben.

Man unterscheidet kalkulatorische Abschreibungen und handelsrechtliche Abschreibungen. Kalkulatorische Abschreibungen existieren nur am Papier und erscheinen in der Buchführung nicht! Man verwendet sie unternehmensintern für diverse Berechnungen. Handelsrechtliche Abschreibungen sind diejenigen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und im Steuerausgleich erscheinen müssen.

Wofür ist die Abschreibung gut?

Wie bereits erwähnt, schmälert die Abschreibung den Gewinn, das bedeutet, dass weniger Ertragssteuer zu bezahlen ist. Das soll sicherstellen, dass dem Unternehmen Geld für neue Investitionen übrig bleibt. Hier ist es wichtig, die Buchhaltung genau zu führen – die Abschreibung muss im Steuerausgleich am Ende des Jahres aufscheinen. Tut sie das nicht, kann sie nicht im nächsten Jahr nachgeholt werden!

Wie hoch ist die Abschreibung?

Die Abschreibung berechnet sich aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des betreffenden Vermögensgegenstandes. Hierzu zählen jedoch nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch Transportkosten, Zölle, Grunderwerbsteuer, Montagekosten, etc., also alle Kosten, die anfallen, um das Wirtschaftsgut für das Unternehmen nutzbar zu machen.

Welches Gesetz gilt für die Abschreibung?

Grundsätzlich gelten hier zwei verschiedene Gesetze: Das Handelsgesetz und das Einkommenssteuergesetz. Beide sind gleichermaßen wichtig und müssen befolgt werden. Die Regeln, die rund um das Thema Abschreibung und Abschreibungsverfahren zu befolgen sind, sind zahlreich.

Wer diese Regeln und Gesetze jedoch genau kennt, kann seinen Gewinn dadurch gut steuern und sich so Vorteile verschaffen. Ein guter Steuerberater ist bei solchen ‚Manipulationen‘ immer die beste Ansprechperson.

Welches Abschreibungsverfahren?

Die lineare Abschreibung:

Sie sieht vor, dass über die gesamte Nutzungsdauer des Gegenstandes jährlich ein gleichbleibender Betrag abgeschrieben werden muss. Diesen Betrag errechnet man, indem man die Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer dividiert.

InvestitionDie geometrisch-degressive Abschreibung:

Hier ist ein gleichbleibender AfA-Satz vorgegeben, die Berechnungsgrundlage ist der jeweilige Restbuchwert. Da der Restbuchwert des Gegenstandes jährlich sinkt, verringern sich auch die Abschreibungsbeträge jährlich.

Die arithmetisch-degressive Abschreibung:

Bei dieser Abschreibungsmethode schreibt man jedes Jahr einen gleichbleibenden Betrag, den Degressionsbetrag, ab. Dieser Degressionsbetrag errechnet sich aus dem Anschaffungsbetrag und der Summe der geplanten Nutzungsjahre. Am Ende der Nutzungsdauer ist der Gegenstand somit vollständig abgeschrieben.

Die digitale Abschreibung:

Sie ist die häufigste Anwendungsform der arithmetisch-degressiven Abschreibung. Bei der digitalen Abschreibung ist der jährliche Abschreibungsbetrag genauso hoch wie die Wertminderung im vergangenen Jahr.

Die gebrochene Abschreibung:

Hier unterscheidet man bei der Errechnung der Abschreibungsbeträge zwischen Zeitverschleiß und Gebrauchsverschleiß. Dies ist in der Praxis relativ kompliziert, da zwischen den beiden Komponenten eine sehr enge Beziehung besteht und sie oft schwer voneinander zu trennen sind.

Die progressive Abschreibung:

Bei der progressiven Abschreibung erhöht sich der Abschreibungssatz mit jedem Jahr (im Gegensatz zur degressiven Abschreibung). Auch hier ist der Gegenstand am Ende der Nutzungsdauer zur Gänze abgeschrieben.

Die leistungsabhängige Abschreibung:

Diese ist dann anwendbar, wenn die Wirtschaftsleistung des Gegenstandes messbar ist bzw. errechnet werden kann, zB. bei Firmenfahrzeugen. Der Abschreibungssatz ist bei der leistungsabhängigen Abschreibung davon abhängig, wie hoch der Beitrag des Gegenstandes im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung des Unternehmens ist.

Welches Abschreibungsverfahren zur Anwendung kommt, entscheidet jedoch nicht der Unternehmer selbst, sondern das Steuergesetz. Momentan ist nur die lineare Abschreibung gestattet.

Die AfA-Tabelle

AbschreibungsverfahrenIn der AfA-Tabelle findet man die gängigsten Wirtschaftsgüter, ihre normale Nutzungsdauer und den Abschreibungssatz. Nachdem die Werte für die normale Nutzungsdauer auf Erfahrungen basieren, ist die Tabelle wichtig für alle Unternehmen.

Die Verwendung der darin enthaltenen Werte ist gesetzlich nicht bindend, jedoch ist die Tabelle von Wirtschaft, Rechtsprechung und Verwaltung anerkannt und für die tägliche Praxis von großer Bedeutung.

Zuschreibung

Das Gegenteil von Abschreibung ist Zuschreibung. Auch diese ist in einem gewissen Rahmen möglich, sie darf jedoch niemals mehr ausmachen, als den Folgebuchwert der gewöhnlichen Abschreibung. Sie kommt also eigentlich nur nach einer Sonderabschreibung in Frage.

Ein Beispiel wäre, wenn ein Unternehmen eine ganz besondere Maschine kauft, die nur ein Produkt für einen bestimmten Kunden herstellt. Kein anderer Kunde fragt dieses Produkt nach und der Kunde, der es nachfragt, geht in Konkurs. Die Maschine würde also abgeschrieben werden. Falls ein neuer Kunde jetzt genau dieses Produkt nachfragen würde, könnte die Maschine hier zugeschrieben werden, da der Grund für die Wertminderung ja nicht mehr existiert.

Was ist ein Business Broker?

Businessbroker sind Mittelsmänner bei Verkäufen von Unternehmen in unterschiedlicher Größe. Dabei ist ein Business Broker dafür zuständig, im Auftrag des Unternehmenseigentümers Käufer für das Unternehmen zu suchen und zu finden.

Die Aufgabe des Business Brokers

Es ist die Aufgabe des Business Brokers, den gesamten Verkaufsprozess von der Käufersuche bis hin zum erfolgreichen Abschluss unterstützend zu begleiten. Sie geben als potenzieller Verkäufer dem Business Broker dabei Zugriff auf alle relevanten Daten – zum Beispiel in einem virtuellen Datenraum.

Die Ursprünge des Berufs

Auch in Deutschland ist in den letzten Jahren das Berufsbild des Business Brokers entstanden. Dieser professionelle Experte kümmert sich um die Akquisition potenzieller Unternehmenskäufer. Vor allem in anderen Ländern wie den USA, Australien, England und der Schweiz hat sich das Berufsbild bereits etabliert.

Der Tätigkeitsbereich eines Business Brokers

Business Broker sind hauptsächlich bei der Unternehmensnachfolge aktiv. Wenn ein Unternehmer seine Tätigkeit beenden will, benötigt er oftmals einen geeigneten Nachfolger. An dieser Stelle kommen die Business Broker ins Spiel, welche dann den Unternehmenseigentümer bei der Suche und Akquisition eines Nachfolgers aktiv unterstützen.

Doch nicht nur die reine Suche nach Käufern oder Nachfolgern ist die Aufgabe von einem Business Broker. Vor allem im Bereich M&A bedarf es wichtige Tätigkeiten im Vorfeld des erfolgreichen Verkaufs. Dies sind zum Beispiel eine Bewertung des Unternehmens, die viele Business Broker komplementär zu ihrem Hauptaufgabenfeld anbieten.

Business Broker – Immobilienmakler

Grundsätzlich weisen die beiden Tätigkeiten und Berufsfelder einige Ähnlichkeiten auf. Das Hauptaufgabenfeld eines Immobilienmaklers ist der Verkauf und die Vermarktung von Grundstücken und Immobilien.

Demgegenüber verkauft der Business Broker Unternehmen und kümmert sich um die Akquisition von Käufern, zum Beispiel im Bereich des M&A. Die Vergütung erfolgt sowohl beim Immobilienmakler als auch beim Businessbroker durch eine Provision. Dies bedeutet, dass eine Beteiligung am Kaufwert des Unternehmens oder der Immobilie stattfindet.

Kriterien für einen unseriösen Firmenvermittler

Wie in vielen Gewerben, gibt es auch bei den Business Brokern schwarze Schafe. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Kriterien, anhand derer potenzielle Unternehmensverkäufer einen geeigneten Firmenvermittler erkennen können.

Unseriös sind demnach Business Broker, die die Kontaktaufnahme mit Hilfe von unaufgeforderten Anrufen oder E-Mails durchführen. Denn seriöse Vermittler arbeiten erst nach Ihrer Beauftragung. Wenn ein Business Broker folglich damit wirbt, bereits mehrere Interessenten zur Verfügung zu haben, handelt es sich dabei oftmals um einen unseriösen Geschäftsmann.

Darüber hinaus setzen unseriöse Business Broker oftmals den interessierten Unternehmensverkäufer unter Druck. Diese wollen bereits beim ersten Gespräch eine Vertragsunterzeichnung erreichen, da bei jedem weiteren Treffen das Risiko steigt, dass Kunden sie als unseriöse Unternehmensvermittler enttarnen.

Kriterien für einen seriösen Business Broker

In der M&A Branche ist eine Bezahlung per Vorkasse nicht üblich. Vielmehr erfolgt die Bezahlung erst nach dem erfolgreichen Abschluss des Unternehmensverkaufes in Form einer Provision, deren Höhe vom Kaufpreis abhängig ist. Interessierte Verkäufer sollten also Zahlungen per Vorkasse oder die Erteilung Einzugsermächtigungen vermeiden.

Darüber hinaus spricht es für die Qualität des Vermittlers, wenn der Vertrag die konkreten Leistungen sorgfältig beschreibt. Bei seriösen Business Brokern ist im Vertrag zudem die Erstellung eines Informationsblattes für potenzielle Käufer des Unternehmens geregelt.

Die konkreten Regelungen sprechen also stets für die Qualität eines Vermittlers, da unseriöse Business Broker oftmals mit schwammigen Formulierungen versuchen, den Verkäufer zu täuschen. Darüber hinaus sind Referenzen oftmals das beste Kriterium für einen seriösen Unternehmensvermittler. Wenn eine Vielzahl vergangener Kunden von den Qualitäten des Business Brokers schwärmt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Sie als zukünftiger Kunde und Unternehmensverkäufer den Kaufvorgang erfolgreich und zufrieden abschließen.

Due Diligence – die Prüfung des Unternehmens im Vorfeld

Business BrokerWie bereits festgestellt, kümmert sich ein Business Broker auch um Tätigkeiten im Vorfeld des Unternehmensverkaufes. Dazu gehört bspw. das Tätigkeitsfeld der Due Diligence.

Die Spezialisten überprüfen bereits im Vorfeld die Bilanzen, Ressourcen und Risiken des zu verkaufenden Unternehmens. Diese kann das zu verkaufende Unternehmen bspw. in einem virtuellen Datenraum bereitstellen. Auf der einen Seite dient diese Analyse der Information des Käufers, sodass die typische Asymetrie in puncto Informationsverteilung verschwindet.

Darüber hinaus fällt es dem potenziellen Kunden anschließend einfacher, das jeweilige Unternehmen zu bewerten. Denn ohne eine Bewertung des Unternehmens ist eine Entscheidung pro oder contra Kauf nicht möglich.

Für juristische Personen erfüllt die Due Diligence eine Rechenschaftsfunktion. Denn die Geschäftsführer und Manager müssen gegenüber den Stakeholdern ein sorgfältiges Handeln nachweisen. Diese Exculpationsfunktion erfüllt die Due Diligence zusätzlich.

Die Schwerpunkte der Prüfung

Bei der Due Diligence gibt es unterschiedliche Arten. Diese sind abhängig vom Zeitpunkt der Prüfung und dem Zweck. Trotzdem überschneiden sich die Analyseschwerpunkte bei den verschiedenen Prüfungsarten.

Der Businessbroker überprüft die rechtliche und steuerliche Situation des Unternehmens. Die Analyse umfasst zudem die finanzwirtschaftliche Situation mitsamt der finanziellen Risiken. Auch die Strategie, der Markt und die Branche gehören zur Due Diligence Prüfung.

Die Umweltverträglichkeit des Unternehmens und die Situation der Mitarbeiter runden die Prüfung erfolgreich ab, sodass sowohl Käufer als auch Verkäufer ein umfassendes Bild über das Unternehmen bekommen.

Due Diligence in Mergers and Acquisitions

Was ist ein Deal Breaker?

Der Begriff Dealbreaker stammt aus dem Bereich des M&A. Bei der Fusion bzw. Übernahme von Unternehmen kommt es immer wieder vor, dass ein Deal Breaker für ein Scheitern des Übernahmeversuchs sorgt. Es handelt sich folglich um diejenigen Themen, die die Verhandlungen letztendlich zum Scheitern bringen. Wenn Unternehmen das Vorliegen eines solchen Sachverhaltes erkennen, brechen diese dann die Verhandlungen mit dem anderen Unternehmen ab, sodass die Übernahme nicht zustande kommt.

Deal Breaker aus der Perspektive der Due Diligence

Due Diligence ist die Bezeichnung für eine Prüfung eines Unternehmens, welches zum Verkauf steht. Der potenzielle Käufer möchte sich vor dem Vertragsabschluss Gewissheit über die finanzielle, rechtliche und tatsächliche Situation des anderen Unternehmens verschaffen. Experten ermitteln die relevanten Daten und stellen diese dem potenziellen Käufer zum Beispiel in einem virtuellen Datenraum zur Verfügung.

Vertragsverhandlungen implizieren für ein Unternehmen sowohl einen gewissen finanziellen als auch zeitlichen Aufwand. Infolgedessen ist es von eminenter Bedeutung, dass Experten im Rahmen der Due Diligence Prüfung bereits im Voraus potenzielle Deal Breaker identifizieren.

Da ein Deal Breaker vor allem für den potenziellen Käufer ein hohes Risiko darstellt, gehört die Identifizierung von Dealbreaker eindeutig zur Due Diligence. Eigentlich ist die primäre Aufgabe der Prüfung festzustellen, ob der vereinbarte Kaufpreis angemessen ist. Nicht selten kommen im Zuge dessen allerdings Faktoren zum Vorschein, die einen Vertragsabschluss verhindern.

Die unterschiedlichen Dealbreaker

Dealbreaker gibt es sowohl in rechtlicher als auch tatsächlicher Hinsicht. Sowohl eine unpassende Unternehmenskultur als auch das Eingehen von umkalkulierbaren Risiken können Unternehmen als Dealbreaker werten. Dealbreaker sind dabei stets in gewisser Weise von der subjektiven Einschätzung der Käufer abhängig – was für den einen Interessenten ein Hindernis ist, stört einen anderen potenziellen Käufer unter Umständen nicht einmal.

Der Verkaufspreis des Unternehmen ist kein Deal Breaker. Sicherlich scheitern viele Käufe und Firmenübernahmen auch an überzogenen Preisvorstellungen. Dann bezeichnen die Unternehmen den Grund für das Scheitern allerdings nicht als Deal Breaker.

1. Signifikante Unterschiede bei der Unternehmenskultur

 

Bei einer Firmenübernahme können Unterschiede in der firmeninternen Kultur eine entscheidende Rolle spielen. Wenn der potenzielle Käufer im Laufe der Verhandlungen immer mehr das Gefühl entwickelt, dass beide Unternehmen nicht zusammenpassen, handelt es sich um einen Dealbreaker. Denn eine Fusion oder Übernahme erfordert auch die Übernahme gewisser Strukturen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn zumindest überwiegend Übereinstimmungen existieren.

Die Führungskräfte, die die letztendliche Entscheidung treffen, können in den unterschiedlichen Kulturen und Strukturen ein unüberwindbares Hindernis oder nicht kalkulierbares Risiko sehen. Dann sorgt der Deal Breaker für das Scheitern der Verhandlungen.

2. Risiken nicht kalkulierbar

Darüber hinaus sind auch andere nicht kalkulierbare Risiken ein häufiger Grund für das Scheitern einer lange geplanten Übernahme. Die Risiken können wirtschaftlicher, steuerlicher oder auch tatsächlicher Art sein. Wenn das zu verkaufende Unternehmen in der Vergangenheit mangelhafte Ware ausgeliefert hat, stellt sich die Frage nach der Produkthaftung. Naturgemäß sind Risiken der Produkthaftung nur schwer kalkulierbar. Vor allem bei international tätigen Unternehmen besteht oftmals ein Haftungsrisiko, das kaum überschaubar ist.

Zudem ist der Erfolg vieler Unternehmen vom Bestehen von Schutzrechten abhängig. Wenn allerdings die Schutzrechtsverträge in Kürze auslaufen oder anderweitig Unsicherheiten hinsichtlich der Patente bestehen, kommt ein Dealbreaker in Betracht. Falls der potenzielle Käufer nicht bereit ist, die damit verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen, scheitern die Verhandlungen. Nicht kalkulierbare Risiken sind ein häufiger Deal Breaker.

3. Inhalte des Kaufvertrags

Darüber hinaus gehört bei vielen Vertragsverhandlungen zur Tagesordnung, dass Unternehmen Inhalte des Kaufvertrags im Laufe der Verhandlungen ändern. Wenn Unternehmen zum Beispiel auf den Einbau von Wettbewerbsklauseln bestehen, kann dies für Unzufriedenheit sorgen. Der Dealbreaker Wettbewerbsklausel verbietet dem Unternehmen, dass es wieder in der gleichen Branche wie das andere Unternehmen tätig ist.

Viele Unternehmen können und wollen diese Wettbewerbsklauseln nicht akzeptieren. Denn dies kommt oftmals einem Entzug der Existenzgrundlage gleich.

Darüber hinaus kann die Änderung anderer Vertragsinhalte Grund für das Scheitern des Vertrags sein. Letztendlich müssen der Käufer und der Verkäufer sich einigen, um den Verkauf des Unternehmens erfolgreich abzuschließen.

4. Kostenstruktur der Vertragsverhandlungen

Im fortgeschrittenen Stadium von Vertragsverhandlungen müssen die Unternehmen oftmals die Kostenfrage klären. Denn für die Rechtsanwälte, Due Diligence Experten oder den Notar fallen Gebühren an. Grundsätzlich trägt jedes Unternehmen seine eigenen Kosten und der Käufer die anfallenden Gebühren.

Im Einzelfall kann die Kostenfrage allerdings für Unstimmigkeit sorgen. Bei hohen Verkaufssummen sind die Gebühren in Relation zum Kaufpreis oftmals vergleichsweise gering. Dann kann es wohlmöglich sein, dass das Unternehmen die geänderte Auffassung als Vertrauensbruch ansieht. Demgegenüber ist es bei kleineren Unternehmenskäufen durchaus möglich, dass das Unternehmen die Gebühren und Kosten für beide Vertragsparteien nicht tragen kann.

Das Fazit – Deal Breaker beim M&A

Im Bereich des M&A gibt es vielfältige Deal Breaker. Unternehmen sollten sich im Voraus vergewissern, dass kein Deal Breaker im fortgeschrittenen Stadium der Verhandlungen für ein Scheitern derselbigen sorgt. Aus diesem Grund ist es von besonderer Bedeutung, dass die Unternehmen sorgfältig darauf achten, was der Vertragspartner für Vorstellungen hat.

Verschuldungsgrad

Verschuldungsgrad: Kennzahl, Aussagekraft und Interpretation

Der Verschuldungsgrad entspricht allgemein dem Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital. Er stellt eine Prozentzahl dar und lässt Rückschlüsse auf den finanziellen Spielraum eines Unternehmens zu. Als wichtige Kennzahl jeder Fundamentalanalyse ist der Verschuldungsgrad für Anleger von hoher Bedeutung. Er spielt weiterhin für Kreditgeber, bei Unternehmensübernahmen oder auch für Staaten eine Rolle.

Der Verschuldungsgrad und seine Berechnung im Überblick

Als wesentliche Unternehmens-Kennzahl lässt der Verschuldungsgrad Aussagen über die Stabilität eines Unternehmens zu. Für Aktionäre spielt er bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle. Bei Firmenkäufen oder -übernahmen hat er eine hohe Bedeutung im Datenraum, der auch alle Unterlagen beinhaltet, die das zu verkaufende Unternehmen dem Kaufinteressenten bereitstellt.

Die Kennzahl entspricht finanzmathematisch dem Quotienten aus Fremdkapital und Eigenkapital, multipliziert mit 100. Es ergibt sich eine Prozentzahl: Fremdkapital / Eigenkapital x 100 = Verschuldungsgrad in Prozent.

Die Herausforderung bei der Berechnung der Kennzahl besteht in erster Linie in einer exakten Definition der Positionen. Insbesondere sind Fremd- und Eigenkapital genau voneinander abzugrenzen. Letzteres umfasst grundsätzlich finanzielle Mittel aus dem Unternehmensvermögen abzüglich sämtlicher Schulden und Verbindlichkeiten. Ein großer Teil des Eigenkapitals besteht aus den Mitteln, die von Unternehmenseigentümern eingebracht werden oder Mitteln, die als Gewinn im Unternehmen bleiben. Zusammengefasst bezeichnet das Fremdkapital sämtliche Mittel, die durch Dritte ins Unternehmen gelangen. Das Fremdkapital umfasst damit insbesondere Schulden, Verbindlichkeiten und Beteiligungen.

VerschuldungsgradHat ein Unternehmen beispielsweise ein Eigenkapital von 400.000 Euro und nimmt zu Investitionszwecken ein Fremdkapital in Höhe von 900.000 Euro auf, so beträgt die Höhe des Verschuldungsgrads 225 Prozent.

Bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote in Deutschland im Bereich zwischen 20 und 25 Prozent handelt es sich um einen durchschnittlichen Verschuldungsgrad zwischen 300 und 400 Prozent.

Überprüfung des Verschuldungsgrades

Es existieren mehrere Ansätze, Unternehmen hinsichtlich ihres Verschuldungsgrads zu überprüfen. Banken gehen im Falle der Kreditvergabe von der Bilanz des Unternehmens aus. Bevor ein Unternehmen Fremdkapital erhält, ermitteln Kreditgeber durch Einsicht in die Bilanzen das Kreditausfallrisiko. Dieses stellt einen wesentlichen Bestandteil in der Bonitätsprüfung dar. Die Ermittlung des Verschuldungsgrads ist auch über eine Gewinn- und Verlustrechnung möglich. Die Kennzahl bildet die Grundlage zur Ermittlung der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Diese wiederum ist entscheidend für das Kreditrisiko.

Aussagekraft und Anwendungsbereiche der Kennzahl

Es existiert eine Reihe von Einsatzbereichen und Anwendungsmöglichkeiten für die Kennzahl des Verschuldungsgrads. Er lässt sich aus der Bilanz eines Unternehmens ermitteln, doch geht seine Aussagekraft darüber hinaus. Auch für Käufer, Aktionäre, Kreditgeber oder für Staaten stellt die Kennzahl einen wichtigen Anhaltspunkt dar.

Geht es um den Verkauf eines Unternehmens, sind Interessenten an der Bestimmung des Unternehmenswerts interessiert. Beim Kauf ist eine Due-Dilligence-Prüfung Gang und Gäbe, die auf zahlreiche Angaben aus dem Datenraum des zu verkaufenden Unternehmens angewiesen ist. Hierbei stellt der Verschuldungsgrad einen wichtigen Anhaltspunkt für den Gesamtwert dar. Käufer und Investoren erfahren anhand der Kennzahl gleichermaßen, welchen Grad an Fremdfinanzierung das Unternehmen aufweist.

Richtet sich ein Unternehmen an Kreditgeber, um Fremdkapital auszunehmen, so ist die Kennzahl ebenso von Bedeutung. Für Banken stellt sie einen Anhaltspunkt für die Bonität dar. Die Berechnung des Ausfallrisikos von Unternehmen oder auch Privatpersonen bezieht den Verschuldungsgrad mit ein. Ein hoher Grad ist für Kreditgeber Anlass, ein hohes Kreditausfallrisiko anzunehmen. Ein solches ist in der Regel mit höheren Zinsen verbunden.

Für Aktionäre ist die Kennzahl eine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, wie gut ein Unternehmen die Verschuldung mit Eigenkapital abdeckt. Ein hoher Verschuldungsgrad kann unter Umständen auf eine höhere Insolvenzwahrscheinlichkeit hinweisen. Ist die Verschuldung mit wenig Eigenkapital gedeckt, werden außerdem Ausfälle in der Dividendenzahlung wahrscheinlicher.

Auch auf makroökonomischer Ebene ist die Kennzahl von Bedeutung. Volkswirtschaften, beispielsweise Staaten, sind typischerweise an gesetzliche Auflagen gebunden und dürfen einen gewissen Verschuldungsgrad nicht übersteigen. Für EU-Mitgliedsstaaten beziehungsweise den europäischen Wirtschaftsraum ist gemäß Stabilitäts und Wachstumspakt eine maximale öffentliche Staats-Verschuldungsquote von 60 Prozent des BIP vorgesehen. Das jährliche Haushaltsdefizit ist auf 3 Prozent des BIP zu begrenzen.

Bedeutung eines hohen Verschuldungsgrades

Es stellt sich die Frage, ob ein hoher Verschuldungsgrad per se als problematisch anzusehen ist. Zwar existieren Faustregeln, nach denen eine bestimmter Höhe der Kennzahl im Unternehmen nicht zu übersteigen ist. Doch fällt die Kennzahl in einigen Branchen deutlich höher aus, während die Unternehmen dennoch florieren und an der Börse gut performen.

Ein typisches Beispiel sind Versicherungen, die häufig einen extremen Grad der Verschuldung haben. Dieser geht in einigen Fällen in den vierstelligen Bereich. Das DAX-notierte Versicherungsunternehmen Allianz hatte im Jahr 2016 einen Verschuldungsgrad von über 1.150 Prozent. Solche Zahlen legen nahe, die Kennzahl stets kontextuell richtig einzuordnen.
Die hohe Verschuldung hängt mit hohen Fremdkapitalsummen zusammen. Es handelt sich demnach um Kapital, das ein Unternehmen nicht selbst erwirtschaftet hat, sondern das von Dritten stammt. Es gehört zur Geschäftspraxis in vielen Unternehmen, mit Fremdkapital zu arbeiten. Banken und Versicherungen arbeiten geschäftsmäßig mit dem Geld Dritter, sodass sich die hohe Verschuldungsquote nicht vermeiden lässt. In diesem Falle ist ein hoher Verschuldungsgrad im gewissen Rahmen nicht als problematisch zu betrachten.

Unternehmenskäufe und Verschuldungsgrad

Für Interessenten und Käufer stellt sich die Frage nach dem optimalen Verschuldungsgrad. Dieser ist von mehreren Faktoren abhängig, von denen die jeweilige Branche nur einer ist.

InvestementHäufig ist zu lesen, dass der Verschuldungsgrad nicht über 200 Prozent liegen soll, das Fremdkapital also nicht mehr als dem doppelten Eigenkapital entspricht. Die Verschuldungsquote liegt in diesem Falle beim Verhältnis 2:1. Die bedeutet, dass der Verschuldungsgrad dann optimal ist, wenn die Kapitalkosten gegenüber der Fremdfinanzierung geringer ausfallen.

Dies bedeutet für die Fremdkapitalquote, dass diese in der Bilanz nicht mehr als 67 Prozent der Gesamt-Bilanzsumme entspricht. Umgekehrt gilt die Verschuldung als angemessen, wenn eine Eigenkapitalquote von 33 Prozent gegeben ist.

Tendenziell ist festzustellen, dass mit einem höheren Verschuldungsgrad ein größeres Kreditausfallrisiko für Kreditgeber verbunden ist. Doch ist zu berücksichtigen, dass mit dem Verschuldungsgrad die Eigenkapitalrendite wachsen kann. Mit einem hohen Verschuldungsgrad ist ein geringes Eigenkapital verbunden. Damit sich dies lohnt und die Hebelwirkung (Leverage-Effekt) greift, muss der Zinssatz für das Fremdkapital geringer ausfallen als die Eigenkapitalrendite.
Unternehmen ist dennoch anzuraten, den Verschuldungsgrad möglichst gering zu halten. Ein höheres Maß an Verschuldung lässt die Zinslast beziehungsweise Tilgungslast ansteigen, was eine Reduktion der Gewinne zur Folge hat.

Der Verschuldungsgrad und Möglichkeiten seiner Reduktion

Während manche Aktiengesellschaften von einem höheren Verschuldungsgrad profitieren, legen viele kleinere Unternehmen Wert auf eine geringere Verschuldungsquote. Große, börsennotierte Unternehmen können durch Erhöhung des Fremdkapitals den Vorteil haben, dass sich die Investitionen besser kontrollieren lassen. Ist der Fremdkapitaleinsatz höher, sieht sich das Management des Unternehmens weiterhin dazu gezwungen, gegenüber Kreditgebern und Aktionären verantwortungsbewusst zu handeln.

Junge oder kleinere Unternehmen profitieren bei geringem Verschuldungsgrad von besseren Konditionen bei der Fremdkapitalaufnahme. Weiterhin sinkt das Risiko einer Insolvenz. Notwendige Investitionen können oft aus Eigenmitteln geleistet werden. Geht es jedoch um kostspielige Investitionen (etwa zur Erlangung eines Wettbewerbsvorteils), kann die Inkaufnahme eines höheren Verschuldungsgrads auch hier von Vorteil sein.

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion des Verschuldungsgrads umfassen die schnelle Rückzahlung von Schulden sowie die Erhöhung des Eigenkapitals. Ersteres lässt sich umsetzen, indem Überschüsse so schnell wie möglich zur Tilgung der Kreditschuld beim Gläubiger eingesetzt werden.

Das Eigenkapital lässt sich etwa gezielt durch den Einsatz von Gewinnrücklagen realisieren. Erwirtschaftete Gewinne fließen dabei gezielt in die Erhöhung des Eigenkapitals.

Eine weitere Alternative findet sich im Factoring. Auch diese Maßnahme trägt zur Erhöhung des Eigenkapitals bei. Ein Unternehmen überträgt hierbei noch ausstehende, offene Rechnungen oder Forderungen an ein anderes Unternehmen. Dieses begleicht die fraglichen Rechnungen sofort und kümmert sich selbst um das Einholen der noch bestehenden Forderungen.

Investition

Was bedeutet der Weighted Average Cost of Capital (WACC)?

Wenn Sie angehender Ökonom oder ein amtierender BWL-Student sind, sind Sie sicherlich einmal auf die Abkürzung WACC gestoßen. Hinter dem Begriff versteckt sich eine Methode, die Ihnen im Falle einer Discounted Cash Flow Bewertung von Nutzen sein kann.

An dieser Stelle finden Sie alle relevanten Informationen zum WACC: Was er ist und wozu er benötigt wird, wie Sie diesen einfach selber berechnen können und was Sie sonst beim komplexen Thema beachten sollten.

Was ist der WACC und warum nutzt man ihn?

Unter WACC versteht man die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens. Die Abkürzung steht für den englischen Begriff „Weighted Average Cost of Capital„, allerdings bürgerte sich hierzulande die Abkürzung schnell als übliche Bezeichnung ein. Diese gewichteten Kapitalkosten errechnen sich aus einer Formel, die Eigenkapital und Fremdkapitel abzüglich eventueller Steuervorteile gegeneinander aufwiegt. Dadurch stellt der WACC ein wertvolles Instrument zur Unternehmens- und Risikobewertung dar.

Im ModiglianiMiller-Theorem nach den beiden Ökonomen Merton Miller und Franco Modigliani ist die Unabhängigkeit des Unternehmenswertes von ihrer Verschulung festgelegt. Dieser Umstand führt zu einem höheren Nutzen von Fremdfinanzierungsmöglichkeiten. Für eine optimale Bestimmung der Steuervorteile einer Fremdfinanzierung ist daher eine Discounted Cash Flow Bewertung notwendig. Nimmt man nun an, es handelt sich beim analysierten Unternehmen um eine wertorientierte Finanzierung, kommt die WACC-Formel ins Spiel.

Die Formel zur Berechnung der gewichteten Durchschnittskapitalkosten setzt das Eigenkapital mit dem Fremdkapital ins Verhältnis. Eigenkapitel besitzt gegenüber dem Fremdkapital ein höheres Risiko, weswegen eine Bewertung dieses Risikos für den Unternehmensführer notwendig erscheint. Im Falle einer Investition ist schwer einzusehen, aus welchen Anteilen das für die Investition getätigte Geld besteht. Mit dem WACC kann berechnet werden, ob sich eine Investition zum gegebenen Zeitpunkt des Unternehmensmanagements lohnt.

Berechnungsformel der gewichteten durchschnittliche Kapitalkosten

Die Formel für den WACC dient zur Berechnung der Gewichtung verschiedener Kapitale. Dazu multipliziert man das Eigenkapital sowie das Fremdkapital jeweils mit dem individuellen Verzinsungsanspruch der Kapitalgeber. Der Anspruch auf Verzinsung beim Fremdkapital reduziert sich allerdings um den Steuervorteil, bevor man beide Elemente zusammen summiert und so eine Prozentzahl erhält. Diese gibt an, wie hoch die Mindestrendite bspw. einer Investition sein muss, um attraktiver als andere zu sein. Die Formel für homogenes Kapital stellt sich wie folgt dar:

WACC = (E/V) * kE + (F/V) * kF * (1 – ctr)

Die Unternehmenssteuerrate (engl. „corporate tax rate“) zieht sich ab, weil man annimmt, dass Jahresüberschüsse am Jahresende als Dividende herausspringen. Zusätzlich gilt die Annahme, dass jene Dividende der Einkommensteuer unterliegt und zeitgleich Eigenkapitalbeträge durch andere Steuern wie Körperschaftsteuern belegt sind.

Die einzelnen Elemente der WACC-Formel in der Übersicht

Bevor Sie den WACC anwenden können, sollten die einzelnen Variablen der Formel geklärt sein. „V“ steht für das Gesamtkapitel, das Sie in Rechnung stellen, und bildet so die Summe aus „E“ (Eigenkapital) und „F“ (Fremdkapital). Die Variable „kE“ steht für den Verzinsungsanspruch, den der Eigenkapitalgeber an das Unternehmen stellt. Gleichzeitig gilt „kF“ für die Zinsansprüche auf dem Fremdkapital, wobei diese meist vertraglich vereinbart und daher leicht aufzufinden sind. Die Steuerratectr“ erscheint am Schluss und zieht sich von den Zinsansprüchen des Fremdkapitals ab.

Während die Zinsansprüche für das Fremdkapital vertraglich festgeschrieben sind, müssen Sie die des Eigenkapitals zumeist noch finden. Und diese Recherche kann unter Umständen sehr schwierig ausfallen, weil Eigenkapital keiner vertraglichen Bindungspflicht unterliegt und somit Zinsen schriftlich festzuhalten sind. Der WACC benötigt daher zu seiner korrekten Berechnung noch eine weitere Formel: das Capital Asset Pricing Model.

Bestimmung der Eigenverzinsung mit dem Capital Asset Pricing-Modell (CAPM)

GrößenklassenDas Capital Asset Pricing-Modell dient unter bestimmten Annahmen zur Preisfindung eines Kapitalvermögens. Dabei berechnen Sie keinen festen Wert, sondern ermitteln stattdessen die Eigenkapitalkosten bzw. die zu erwartende Rendite auf Basis der damit zusammenhängenden Risiken. Auf diese Weise verbindet sich im CAPM die intuitive Vorstellung höherer Renditen durch höheres Risiko in einer Formel. Diese stellt sich wie folgt dar:

Erw. Rendite = risikoloser Zins + Beta * (Marktrendite – risikoloser Zins)

Die zu erwartende Rendite, welche Sie letztlich beim WACC in Betracht ziehen, berechnet sich aus der Marktrendite, dem risikolosen Zins und einem Wert Beta. Der risikolose Zinssatz bezeichnet einen sicheren Zins wie beispielsweise Staatsanleihen, bei denen das Risiko einer unpünktlichen Rückzahlung nicht oder kaum besteht. Die Marktrendite gibt diejenige Rendite an, die breit gestreute Anlagen auf dem Kapitalmarkt realisiert.

Der Beta-Faktor wiederum stellt die Sensibilität einer Anlage dar. Mit diesem Faktor geben Sie das Maß der Reaktion z.B. eines Wertpapiers an der Börse an. Je höher der Faktor ausfällt, desto sensibler reagiert die Anlage auf Veränderungen. Bei einem beispielhaften Beta-Faktor einer Aktie von 0,9 bedeutet dies: Steigt der Aktienmarkt um 10 Prozent, steigt die Aktie selber um 9 Prozent.

Dasselbe Prinzip gilt beim Fallen einer Aktie. Ein negativer Beta-Faktor0,9 bedeutet eine gegenläufige Tendenz, so dass die beispielhafte Aktie beim Steigen des Marktes um 10 Prozent ihrerseits um 9 Prozent abfällt. Der Beta-Faktor berechnet sich als Quotient der Kovarianz zwischen Aktie und Marktindex im Zähler sowie der Varianz des Marktindexes im Nenner.

Beispielrechnung des WACC

Um die bisherigen Erkenntnisse besser veranschaulichen zu können, soll an dieser Stelle eine ausführliche Beispielrechnung des WACC erfolgen. Nehmen Sie daher an, es geht um eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die an der Börse einen Wert von knapp 100 Millionen Euro hat. Zudem ist das Fremdkapital in Höhe von 60 Millionen sowie deren Zinssatz von 4 Prozent bekannt. Um die Sache zu vereinfachen, geben wir dem Eigenkapitel nach Berechnung durch die CAPM-Formel Eigenkapitalkosten von 6,8 Prozent. Der Steuersatz für die Unternehmensgewinne beziffern sich im Beispiel auf 30 Prozent. Die beispielhafte Gesamtformel sieht dann folgendermaßen aus:

WACC = (E/V) * kE + (F/V) * kF * (1 – ctr)
=(100/160)*0,068 + (60/160) * 0,04 * (1 – 0,3)
= 0,0425 + 0,0105
= 0,053 = 5,3 Prozent

InvestitionDie Anteile verteilen sich daher auf 62,5 Prozent des Eigenkapitals (100 Millionen) gegenüber von 37,5 Prozent des Fremdkapitals (60 Millionen) eines Gesamtkapitals von 160 Millionen Euro. Das Kapital bezieht sich dabei nach den Marktwerten und nicht den Buchwerten. Im Beispiel tritt zudem ein positiver Effekt der Fremdfinanzierung ein. Von den 60 Millionen gehen pro Jahr 4 Prozent an den Kapitalgeber. Der Gewinn sinkt dadurch und der zu versteuernde Betrag sinkt. In Zahlen gesprochen: 4 Prozent von 60 Millionen Euro bedeuten 2,4 Millionen Euro. Von diesem Betrag spart man nun 30 Prozent Steuern, also 720.000 Euro.

Schwächen der Berechnung

Selbstverständlich ist die WACC-Berechnung nicht gänzlich ohne Schwächen. Die Berechnung der Beta-Faktoren beruht auf Vergangenheitsdaten von Varianz und Kovarianz der Kurse. Um in der CAPM-Berechnung einzugehen, prognostiziert man daher die Zahlen. Dieser Prozess der Prognose kann durchaus Fehler hervorrufen oder eine Unsicherheit in der Berechnung des WACC darstellen.

Aus diesem Grunde sollte die WACC-Formel nicht als das einzige Mittel in der Discounted Cash Flow Bewertung dienen. Es empfiehlt sich daher seine Rechnung mit dem Total Cash Flow oder dem Flow-To-Equity-Ansatz zu überprüfen. Alle drei Methoden kommen auf das selbe Ergebnis, starten allerdings bei unterschiedlichen Annahmen.

Was ist eine Investition

Für Unternehmen gehören Entscheidungen bzgl. Investitionen zum Überleben auf dem Markt. Auch Investitionen für den geschäftlichen Datenraum sind hier zu berücksichtigen. Aber auch für Privatpersonen ist die Wichtigkeit einer Investition gerade in Bezug auf die Altersvorsorge nicht von der Hand zu weisen. Um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen, sind einige Punkte zu beachten.

Begriffsdefinition

Unter einer Investition versteht man den Einsatz von finanziellen Mittel für Güter, die auf lange Sicht gesehen Vorteile verschaffen können. Besonders Immobilien, techn. Anlagen und Maschinen sowie Fahrzeuge werden hierunter verstanden. Nicht als Investition gelten Güter, die für den Konsum bestimmt sind. Allerdings sollten Sie bedenken, dass eine Investition immer auf Planungen basieren, die eine zukünftige Wirkung erwarten lassen. Ob jedoch genau diese beabsichtigte Wirkung einsetzt, ist mit Ausnahme der Abschreibungen bei den Steuerzahlungen, ungewiss.

InvestitionDas bedeutet, dass beispielsweise die Anschaffung eines Baggers für ein Bauunternehmen eine bessere Auftragssituation aufgrund größerer Kapazitätenverfügbarkeit bewirken soll. Ob diese Anschaffung sich aber über den geplanten Abschreibungszeitraum von 20 Jahren rentiert, kann von Ihnen nur während dieses Zeitraums festgestellt werden. Im schlimmsten Falle handelt es sich um eine Fehlinvestition, also um verlorenes Kapital.

Zur besseren Planung sollte vor jeder Investition eine Investitionsrechnung erfolgen. Hiermit können Sie feststellen, ob die geplante Maßnahme vorteilhaft ist und ob es eine bessere Alternative gibt. Eine gute Entscheidung diesbezüglich hängt von einem systematischen Vorgehen zur Lösung dieser Fragestellung ab.

Hierbei sollten Sie folgende Punkte beachten:

1. Was muss ich tun, um Erfolg zu haben im Vergleich zu einem Unterlassen der Maßnahme

Beschreiben Sie hier vollständig und detailliert Ihre Handlungsweise. Stellen Sie sicher, dass alle relevanten Punkte berücksichtigt werden. Sollten Sie den Konsum ausländischer Investitionen beabsichtigen, dürfen Sie hier nicht vergessen, dass eventuelle Export-Deckungsbeiträge, die bis dato einberechnet waren, nicht mehr zur Verfügung stehen.

2. Zeitplan

Planen Sie den für die Investition veranschlagten Zeitraum. Dieser wird auch als Abschreibungszeitraum bezeichnet. Beachten Sie hierbei, dass am Ende dieser Zeitspanne die von Ihnen genutzten Güter immer noch einen Restwert haben. Auch bei Finanzierungen kann es durchaus sein, dass zum Ende der Abschreibung noch offene Posten der Finanzierung bestehen. Bei technischen Anlagen und Gebäuden können sogar noch Rückbaumaßnahmen fällig werden. Alle diese Kosten müssen von Ihnen von Anfang an berücksichtigt und in die Planungen mit einbezogen werden.

3. Zusatzkosten der verschiedenen Alternativen

Beziehen Sie alle Kosten in Ihre Berechnungen und Planungen mit ein. Restwerte, Zahlungsziele und gegebenenfalls auch Kursschwankungen bei ausländischen Investitionen. Wenn Sie diese nun alle mit berücksichtigt haben, überlegen Sie genau, was Sie machen wollen. Vergleichen Sie den künftigen Stand mit Ihrer Ausgangssituation! So fällt Ihnen die Entscheidung, neue Investition oder weitermachen wie bislang, deutlich leichter.

4. Ermittlung des Kalkulationszinssatzes

Beachten Sie Ihren Kalkulationszinssatz. Dieser setzt sich aus Risiko, Zeitspanne der Investition und die Ersetzbarkeit der Güter. Dieser so zu berechnende Mischzinssatz berücksichtigt die notwendige Eigenkapitalverzinsung in Relation zum nötigen Eigenkapitalanteil sowie dem Fremdkapitalzinssatz. Sowohl für das Eigenkapital als auch das Fremdkapital sind die aktuellen Marktwerte zugrunde zu legen und nicht Ihre Bilanzwerte. Nimmt die Finanzierung einen wichtigen Bestandteil für die Entscheidung ein, so sollten Sie die beiden Finanzierungsarten und deren jeweilige Zinssätze separat voneinander betrachten.

5. Datenaufbereitung

Beachten Sie die während eines Jahres anfallenden Zahlungen. Diese müssen zum Jahresende hin verrechnet und in Ihrem Geschäftsbericht ausgewiesen werden. Achten Sie hierbei darauf, dass alle Zahlen aus dem Datenraum entsprechend auf- und abgezinst werden. Anschaffungen werden immer zum Startzeitpunkt hin abgezinst. Alle anderen kassenwirksamen Zahlungen werden zum Jahresende entsprechend aufgezinst.

6. Berechnung der Vorteilhaftigkeit – Einsatz vollständiger Finanzpläne

Für die Bestimmung de Vorteilhaftigkeit gibt es insgesamt drei Modelle, von denen zwei auf der Basis ohne Restriktionen beruhen.

a) ohne Anfangskapital

Eine Investition ist genau dann ohne Anfangskapital vorteilhaft, wenn der Endwert im vollständigen Finanzplan größer null ist. Ist dies der Fall, so sind alle Kosten gedeckt und für Ihr Unternehmen ist ein Vermögenszuwachs zu Buche zu schlagen.

b) Anfangskapital steht teilweise zur Verfügung

Hier ist die Investition genau dann vorteilhaft, wenn der Endwert im vollständigen Finanzplan höher ist als der angenommene Endwert. So ist das gesamte Kapital während der Laufzeit gebunden. Wenn der Endwert nun ausreicht, die Mindestverzinsung zu erreichen, ist die Vorteilhaftigkeit gegeben.

Schließen sich beide Alternativen jedoch gegenseitig aus, so sollten Sie diejenige wählen, bei der Vermögenszuwachs höher liegt.

Mit Restriktionen

Bei einem vollständigen Kapitalmangel und für einen internen Vergleich spielen die verschiedenen Kriterien der Rendite eine große Rolle. Hier sollten Sie die Alternativen mit den höchsten Renditen nutzen und diese bis zur vollständigen Vergabe des Kapitals einplanen. Allerdings bieten sich hier Ihnen Risiken, die dazu führen, dass Entscheidungen, die der linearen Optimierung zuzuweisen sind, Ihre Pläne zunächst nicht verwirklichen lassen.

7. Aufstellung und Berechnung Ihres Finanzplans

8. Sensitivitätsanalyse

Um eine bessere Beurteilung der Vorteilhaftigkeit erzielen zu können, werden im Finanzplan wichtige Entscheidungsgrundlagen immer wieder angepasst. Der Konsum eines Gutes kann dann unter Bezugnahme dieser verschiedenen Parameter auch dann positiv beschieden werden, wenn sie in einem ungünstigen Fall die Vorteilhaftigkeit aufrechterhält.

Trotzdem sollten Sie wissen, dass hier in der Regel negative Endwerte die Folge sind. Hier ist es nun Ihre Entscheidung, ob Sie auf Ihren Berechnungen beruhend diese Investition tätigen möchten oder nicht.

9. Alternativbetrachtungen ohne finanzielle Kenndaten

Nicht immer können Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen auch mit Kosten betrachten. Oder aber diese in Relation zu setzen ist für Sie mit einem allzu großen Aufwand verbunden. Aber für eine Investition sind diese Posten ebenfalls detailliert zu betrachten und zu berücksichtigen. Haben Sie mehrere Alternativen zur Auswahl, hilft eine Bewertungsmatrix. Mit der hier erreichten Punktzahl können Sie dann einen Vergleich mit dem im Finanzplan ausgewiesenen Endwert vornehmen. Gerade Investitionen, die eine hohe Nachhaltigkeit und Umweltaspekte besitzen, können so besser beschlossen und umgesetzt werden.

Bei der Überlegung zur Durchführung einer Investition sollten Sie stets beachten, dass Sie nach der Wahl einer zur Verfügung stehenden Alternative noch lange nicht fertig sind. Sie müssen hier stets ein wachsames Auge haben, um so eventuell in der Folge auftretende Risiken rechtzeitig zu erkennen und diesen entgegenwirken zu können. Aber auch, um neue Chancen finden und nutzen zu können.

Hat der Prozess nun begonnen, sind fallende Kosten für das Gut oder sonstige Kosten, die noch anfallen, für Ihre weiteren Entscheidungen in dieser Hinsicht nicht mehr von Bedeutung. Es werden nur noch die Kosten und Einnahmen betrachtet, die sich noch aktiv variieren lassen.

Goldene Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel bezeichnet den Finanzierungsgrundsatz, durch den das Anlagevermögen Ihres Unternehmens durch längerfristig gebundenes Kapital gedeckt wird. Im Gegensatz hierzu kann das Umlaufvermögen auch durch kurzfristiges Kapital wie beispielsweise Kredite finanziert werden kann.

Aussage der Regel

Dabei geht diese goldene Regel der Bilanz so weit, dass sie eine Übereinstimmung der jeweiligen Laufzeiten fordert. Das bedeutet für Sie, dass Ihr Anlagevermögen, zu dem neben den allgemeinen Gegenständen auch der Datenraum – hierbei handelt es sich um einen geschützten Raum, in dem auf Servern alle Daten Ihres Unternehmens gesichert und Ihren Kunden zur Verfügung gestellt werden – gehört, durch Eigenkapital gedeckt bzw. finanziert wird. Und das über einen möglichst langen Zeitraum.

Ist dies der Fall, so steht Ihr Unternehmen erst einmal aus bilanzieller Sicht gut da. Eine Garantie für den Erfolg oder die Liquidität ist die Einhaltung dieser Regel jedoch nicht, da diese beiden Punkte immer von weiteren Aspekten abhängig sind. So werden die Fristen des gebundenen Kapitals nicht durch die Bilanz erfasst und abgebildet. Auch spielt das verhalten Ihrer Kunden und Lieferanten hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Einordnung in die Finanzierungsregeln

Die Liquidität eines Unternehmens lässt sich darstellen

Die goldene Bilanzregel ist eine sogenannte horizontale Finanzierungsregel. Dabei wird sie bilanziell präziser dargestellt. Wie bereits erwähnt, besagt die Regel, dass das Eigenkapital das Anlagevermögen decken soll. Im weitergehenden Sinne kann jedoch auch verstanden werden, dass das Anlagevermögen durch Fremdkapital mit langer Bindung gedeckt sein kann.

Bei einer noch weiter auflockernden Betrachtungsweise kann die Regel sogar so definiert und verstanden werden, dass neben dem Anlagevermögen auch das auf Dauer gebundene Umlaufvermögen, die sogenannte eiserne Reserve, hiervon erfasst wird. Daraus folgt, dass Gegenstände des Umlaufvermögens, die nicht dauernd gebunden sind, durch kurzfristiges Kapital zu finanzieren sind.

Allerdings handelt es sich hierbei weniger um eine Bilanzregel sondern vielmehr um eine Finanzierungsregel. Diese besagt, dass langfristig gebundenes Kapital auch langfristig finanziert werden soll, während die Mittel zur kurzfristigen Finanzierung auch nur kurzfristig gebunden sein sollen. Hier spielt das Prinzip der Fristenkongruenz zwischen Mittelverwendung und Mittelherkunft eine entscheidende Rolle.

Bedeutung

Auch wenn die praktische Bedeutung der horizontalen Regeln zur Finanzierung ihre Grenzen hat, so bietet sie Ihnen in der Bilanz sehr gute Möglichkeiten, die Liquidität Ihres Unternehmens aufgrund der vorhandenen Kapital– und Vermögensstruktur auf mittel- und langfristige Zeiten darzustellen und auch zu zeigen, wie lange Sie in der Lage sind, diese auch aufrecht zu erhalten.

Wenn Sie diese Regeln einhalten, so haben Sie gute Chancen, das finanzielle Gleichgewicht auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Beachten Sie jedoch nicht nur die langfristigen Bereiche. Sie können Ihre Liquidität grundsätzlich nur dann aufrecht erhalten, wenn Sie auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht aus dem Auge verlieren und so jederzeit in der Lage sind, Ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten auch nachzukommen.

Wie Sie sehen reicht es nicht, sich nur mit der goldenen Bilanzregel zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist auch immer die goldene Finanzierungsregel zu sehen. Diese beiden stehen in einer absoluten Abhängigkeit voneinander.

Horizontale Kapital- / Vermögensstrukturregel

Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel

Die horizontale Kapital- bzwVermögensstrukturregel beinhaltet die Vorstellung über die fristenmäßigen Abstufungen und Zuordnungen in der Bilanz. Danach sollen langfristige Vermögensteile auf der Aktivseite entsprechend langfristiger Passiva zugeordnet sein bzw. denen gleich stehen. Dies soll bei kurzfristigen Positionen analog angewendet werden.

Hiervon ist die goldene Bilanzregel nicht erfasst. Diese zielt auf die bestehende Gliederung der Bilanz an sich in Bezug auf Aktiva und Passiva. In der Bilanz entscheidet die zeitliche Komponente darüber, ob eine Position der Aktiv- oder Passivseite zugeordnet wird. Somit kann die Forderung der Regel, dass den Aktiva entsprechende Passiva zugeordnet werden, auch mit bilanziellen Begriffen umschrieben und umgesetzt werden. Allerdings sollten Sie hierbei immer berücksichtigen, dass Fälligkeitstermine in der Bilanz grundsätzlich ungenau sind.

Fristenkongruenz – Anwendung der goldenen Bilanzregel

Die goldene Bilanzregel findet vor allem in Verbindung mit einer Fristenkongruenz in der Finanzierung praktische Bedeutung und Anwendung analog zum Anlagedeckungsgrad. Demnach ist das Anlagevermögen langfristig und das Umlaufvermögen kurzfristig zu finanzieren. Hier können Sie jedoch nur beschränkte Informationen sammeln, da eine Bilanz sich immer auf die Vergangenheit bezieht und Sie diese Werte nicht für die Zukunft übertragen können.

Des Weiteren ist zu beachten, dass auch Teile des Anlagevermögens kurzfristig ohne oder nur mit geringem Verlust aufgelöst werden können bzw. liquide gemacht werden. Hierzu zählen vor allem börsennotierte Wertpapiere. Diese Tatsache gilt auch in umgekehrter Folge für das Umlaufvermögen. Dies ist für externe in der Regel nicht ersichtlich.

Daraus folgt, dass die goldene Bilanzregel nur eine tendenzielle Aussagekraft in Bezug auf die jeweilige Finanzierung bietet.

Größenklassen HGB

Das Handelsgesetzbuch (HGB) definiert Größenklassen, die den Umfang der Rechnungslegung sowie deren Veröffentlichung regeln. Die Größe der Kapitalgesellschaft bestimmt die Anforderungen an die Rechnungslegung, deren Veröffentlichung sowie die Prüfung durch einen externen Abschlussprüfer (Due Diligence). Kleinere Gesellschaften müssen einen geringeren Umfang und Detaillierungsgrad offen legen.

Größenklasse bestimmt Umfang der Rechnungslegung

Die Verpflichtung zur Rechnungslegung ist im Handelsgesetzbuch (§238 Abs. 1 HGB) festgelegt. Mit der Rechnungslegung berichtet das Unternehmen über Lage und Entwicklung sowie die Verwendung von finanziellen Mitteln. Die veröffentlichten Dokumente sollen Staat, Lieferanten, Kunden, Arbeitnehmer, Gläubiger, Eigentümer und andere Stakeholder informieren. Dabei werden die Ergebnisse in einem Jahresabschluss und ggf. einem Lagebericht zusammengefasst. Welche weiteren Dokumente bei der Rechnungslegung zu erstellen sind und welche Erleichterungen zutreffen können, regelt das Handelsrecht mit den Größenklassen. Die Größenklassen sind in §267 und §267a HGB niedergelegt und bestimmen die Rechnungslegung, die Prüfungspflicht sowie die Offenlegung.

Größenklassen für Unternehmen

Die Größenklassen für Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, KGaA) regelt §267 HGB. Nach §264a HGB sind diese Größenklassen auch für Personengesellschaften, bei denen keine natürliche Person haftet (z. B. GmbH & Co. KG, UG & Co. KG) anzuwenden.

Für Personengesellschaften mit natürlichen Personen als haftende Gesellschafter gelten andere Größenklassen und Regelungen, die im Publizitätsgesetz (PublG) geregelt sind.

Schwellenwerte der Größenklassen

Die genannten Schwellenwerte bzwGrößenkriterien sind im Gesetz bezifferte Richtwerte. Für bestimmte Unternehmensformen und –branchen hat der Gesetzgeber Ausnahmen bzw. weitere Verpflichtungen erlassen.

Größenklassen

Die Größenklassen sind gesetzlich geregelt

Kleinstunternehmen:
Bilanzsumme: 350.000 Euro
Umsatzerlöse: 700.000 Euro
Arbeitnehmerzahl: 10

Kleine Unternehmen:
Bilanzsumme: 6.000.000 Euro
Umsatzerlöse12.000.000 Euro
Arbeitnehmerzahl: 50

Mittelgroße Unternehmen:
Bilanzsumme: 20.000.000 Euro
Umsatzerlöse40.000.000 Euro
Arbeitnehmerzahl: 250

Beispiel:
Eine GmbH mit einer Bilanzsumme von 20.000.000 Euro, 250 Mitarbeitern und Umsatzerlösen von 41.000.000 Euro ist eine große Kapitalgesellschaft im Sinne des §267 HGB. Die GmbH hat damit die Verpflichtung, eine Rechnungslegung (einschließlich Due Diligence Prüfung) entsprechend der großen Kapitalgesellschaft zu veröffentlichen.

Mit dem BilRUG (Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz) sind die Schwellenwerte für Bilanzsumme und Umsatzerlöse (Arbeitnehmerzahl unverändert) ab 2016 angehoben.

Die richtige Größenklasse für das Unternehmen

Die vier Größen der Kapitalgesellschaften sind im Handelsgesetzbuch (HGB) wie folgt definiert:

  • Kleinstgesellschaft
  • Kleingesellschaft
  • Mittelgroße Gesellschaft
  • Großgesellschaft

Welcher Größenklasse das Unternehmen zuzuordnen ist, ermittelt sich anhand von drei Schwellenwerten (Größenkriterien):

1) Bilanzsumme
2) Arbeitnehmerzahl (im Jahresdurchschnitt)
3) Umsatzerlöse (12 Monate vor Abschlussstichtag).

Ein Unternehmen wird einer Größenklasse zugerechnet, wenn mindestens zwei der drei Schwellenwerte nicht überschritten werden.

Die Größenklasse einer Gesellschaft wechselt nur dann, wenn die Schwellenwerte sich in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren (Abschlussstichtag) ändern. Damit soll eine häufige Änderung der Offenlegungspflichten vermieden werden.

Berechnung der Größenkriterien (Schwellenwerte)

1) Ermittlung der Bilanzsumme

Summe aller Posten der Aktivseite (Anlagevermögen, UmlaufvermögenRechnungsabgrenzungsposten, aktive latente Steuern, aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung), ohne ausgewiesene Fehlbeträge i.S.d§268 Absatz 3 HGB.

Die Anzahl der Mitarbeiter ist ein Faktor

2) Ermittlung der Arbeitnehmerzahl (§267 Absatz 5 HGB)

Die Arbeitnehmerzahl im Jahresdurchschnitt = Anzahl Mitarbeiter pro Quartal / 4

Bei den summierten Mitarbeiterständen am 31. März, 30. Juni, 30. September, 31. Dezember werden im Ausland beschäftigte Arbeitnehmer des Unternehmens mitgezählt. Auszubildende des Unternehmens werden nicht mitgezählt.

3) Ermittlung der Umsatzerlöse (§277 Absatz 1 HGB)

Erlöse aus Verkauf, Vermietung, Verpachtung
+ Erlöse aus der Erbringung von Dienstleistungen
./. Erlösschmälerungen
./. Umsatzsteuer
./. andere mit dem Umsatz verbundene Steuern (z. B. StromsteuerTabaksteuer)

Ausnahmen für Kleinstgesellschaften

Für Kleinstkapitalgesellschaften werden die Regeln für kleine Kapitalgesellschaften angewendet (§267a Absatz 2 HGB). Ergänzende Erleichterungen sind möglich, wie zum Beispiel ein Verzicht auf einen Anhang (§264 Absatz 1 Satz 5 HGB) oder die Aufstellung einer verkürzten Bilanz (§266 Absatz 1 Satz 4 HGB).

Mit dem durch BilRUG eingeführten §267a Absatz 3 HGB können folgende Gesellschaften keine Kleinstkapitalgesellschaften sein, selbst wenn sie die Größenkriterien erfüllen:

  • Investmentgesellschaften (gemäß §1 Absatz 11 des Kapitalanlagegesetzbuchs)
  • Unternehmensbeteiligungsgesellschaften (gemäß §1a Absatz 1 des Gesetzes über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften)
  • Finanzholdinggesellschaften, die Beteiligungen erwerben, aber nicht in die Verwaltung der jeweiligen Unternehmen eingreifen (gemäß §1a Absatz 1 des Gesetzes über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften).

Ein börsennotiertes Unternehmen ist immer eine „Große Kapitalgesellschaft“

Ausnahmen für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften, wie beispielsweise eine börsennotierte Aktiengesellschaft (AG), sind immer „Große Kapitalgesellschaften“, auch wenn sie andere Größenkriterien (Schwellenwerte) erfüllen (§264d HGB).
Auch Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen sind immer große Kapitalgesellschaften (§340a Absatz 1 HGB§341aAbsatz 1 HGB). Rechnungslegung und Veröffentlichung müssen gemäß der Größenklasse „große Kapitalgesellschaften“ erfolgen.

Ausnahmen für Konzernmütter (§290 I und II HGB)

Für Konzernmütter oder –töchter ohne Kapitalmarktorientierung am Abschlussstichtag, besteht keine Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses, wenn folgende Werte nicht überschritten werden (Abschlussstichtag):

Bilanzsumme von Mutter und Töchter: 23.100.000 Euro
Umsatzerlöse46.200.000 Euro
Durchschnittliche Arbeitnehmerzahl: 250

Bilanzsumme nach Abzug des Fehlbetrages: 19.250.000 Euro
Umsatzerlöse38.500.000 Euro
Durchschnittliche Arbeitnehmerzahl: 250

Eine Kapitalmarktorientierung liegt vor, wenn eines der Unternehmen Wertpapiere auf einem organisierten Markt verkauft oder eine solche Zulassung beantragt hat (§264d HGB). Börsennotierte Aktiengesellschaften sind grundsätzlich kapitalmarktorientiert.

Übersicht der Pflichten und Erleichterungen zur Rechnungslegung

Der Jahresabschluss der Kapitalgesellschaft ist beim elektronischen Bundesanzeiger in elektronischer Form einzureichen. Die Größenklasse des Unternehmens bestimmt dabei:

  • Fristen und Gliederung zum Jahresabschluss
  • Angaben im Anhang und zum Lagebericht
  • Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts durch einen vereidigten Buchprüfer oder Wirtschaftsprüfer (Due Diligence Vorgaben gemäß §316 ffHGB)
  • Offenlegung (Publizierung) des Jahresabschlusses.

Die vom Unternehmen einzureichenden und offen zu legenden Unterlagen sind entsprechend der Größenklassen wie folgt:

Kleinstkapitalgesellschaften

  • verkürzte Bilanz
  • Verzicht auf Anhang bei Erweiterung der Bilanz
  • vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung
  • keine Prüfungspflicht des Abschlusses.

Je größer eine Firma, desto mehr Pflichten gehen damit einher

Kleine Kapitalgesellschaften

  • Jahresabschluss (Bilanz)
  • Anhang
  • Gewinn- und Verlustrechnung sind optional
  • keine Prüfungspflicht des Abschlusses.

Mittelgroße Kapitalgesellschaften

  • Jahresabschluss (entsprechend der Kleinkapitalgesellschaft)
  • erweiterte Angaben zur Bilanz (entsprechend der Großkapitalgesellschaft)
  • verkürzter Anhang ist möglich
  • Prüfungspflicht besteht (Due Diligence).

Große Kapitalgesellschaften

  • Jahresabschluss (Bilanz)
  • Gewinn und Verlustrechnung
  • Anhang
  • Lagebericht mit Bestätigungsvermerk oder dem Vermerk über dessen Versagung
  • Gewinnverwendungsvorschlag
  • Bericht des Aufsichtsrats
  • Entsprechenserklärung des Vorstands
  • Prüfungspflicht besteht (Due Diligence).

Kommt der Unternehmer seiner Verpflichtung zur Offenlegung des Jahresabschlusses nicht nach, werden Sanktionen gegen das Unternehmen erlassen. Mit der Weiterleitung des Vorfalls durch den elektronischen Bundesanzeiger an das Bundesamt für Justiz (BdJ) wird eine Nachfrist von sechs Wochen erteilt, um die gemäß Handelsrecht erstellten Unterlagen nachzureichen. Nach Verstreichen dieser Frist leitet das BdJ ein Ordnungsgeldverfahren ein, bei dem Bußgelder zwischen 2.500 bis 25.000 Euro verhängt werden. Das Verfahren wird gegen die Kapitalgesellschaft und den Geschäftsführer eingeleitet, der zusätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hat.

Was ist ein Businessplan?

Jedem, der sich damit beschäftigt hat, sich selbstständig zu machen, ist wahrscheinlich schon einmal der Begriff Businessplan begegnet. Ein Businessplan ist ein hilfreiches Konzept, seine Ideen zu strukturieren und das Für und Wider der Geschäftsidee abzuwägen. Dabei dient ein Businessplan nicht nur dazu, die eigene Sicherheit zu festigen, sondern auch eventuelle Investoren und Geschäftspartner von den eigenen Unternehmensplänen zu überzeugen.

Damit die Daten vor fremdem Zugriff sicher sind und in einem sicheren Raum eingesehen werden können, gibt es den sogenannten Datenraum. In einem Datenraum können vertrauliche Daten zwischen Unternehmen ausgetauscht werden. Meist wird dieser zum Beispiel bei einem Anwalt eingerichtet, kann aber auch virtuell erstellt werden.

Ein Businessplan – was ist das eigentlich?

Das englische Wort Business, lässt sich mit Geschäft, bzw. Unternehmen übersetzen, kann aber auch im Sinne von Aufgabe oder Problemstellung genutzt werden. Ein Businessplan ist ein Konzept, dass sich aus allen drei Komponenten zusammensetzt. Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte gut durchdacht werden. Ein Businessplan kann hier wertvolle Entscheidungshilfen liefern. Er ist gleichzeitig ein Geschäftsplan, ein Aufgaben- und auch ein Problemplan.

In einem gut ausgearbeiteten Businessplan sollten alle Aspekte, die sich aus der geplanten Unternehmung ergeben durchleuchtet werden. Ein Businessplan sollte eventuelle Geschäftspartner und Geldgeber überzeugen, aber nicht „schönfärben“. Ein sorgfältig ausgearbeiteter Plan hilft dabei, späteres Scheitern zu verhindern. Mit einem allzu rosig gefärbten Konzept tut man sich letztlich selbst keinen Gefallen. Es gilt eine realistische Balance zu halten, ohne dabei an Überzeugungskraft einzubüßen.

Für wen ist ein Businessplan hilfreich?

Grundsätzlich empfiehlt es sich grundsätzlich, bei neu zu gründenden Unternehmungen einen Businessplan zu erstellen. Er hilft, sich einen Überblick über die Tragfähigkeit der Geschäftspläne zu verschaffen. In vielen Bereichen ist die Vorlage eines Businessplans obligatorisch. Insbesondere, wer einen Existenzgründungskredit beantragen möchte, wird gebeten werden, einen Businessplan zu erstellen. Es gibt zwar keine gesetzlich vorgeschriebene Gliederung für einen Geschäftsplan, dennoch sollte eine gewisse Struktur eingehalten werden.

Wie sollte der Businessplan aussehen?

Als grobe Vorgabe empfiehlt sich eine Unterteilung in zwei Bereiche. Einen Teil, der sich mit der Vorstellung des Projektes in Textform beschäftigt und einen zweiten, der sich mit Zahlen auseinandersetzt. Beginnen sollte man immer mit einer Zusammenfassung. Welches sind die wichtigsten Punkte, mit denen sich das Unternehmen beschäftigen wird? In möglichst kurzen und prägnanten Sätzen sollten hier das Unternehmen und die gewünschten Ziele vorgestellt werden. Dieser Teil sollte, ähnlich wie ein Inhaltsverzeichnis, einen kurzen Überblick über die geplanten Aktivitäten liefern.

Im Anschluss daran sollte man etwas mehr ins Detail gehen. Die Geschäftsidee sollte umfassend vorgestellt werden. Ebenso das zu verfolgende Konzept, das hinter der Idee steht. Welche Zielgruppe soll erreicht werden? Welche Marketing Strategien sind geplant? Gibt es Alleinstellungsmerkmale? Gibt es bereits Mitbewerber im gleichen Segment und wenn ja – wie kann sich das Unternehmen erfolgreich gegen die Konkurrenz durchsetzen?

Anschließend sollte eine Vorstellung des oder der Gründer stehen. Warum ist dieses Team oder dieser Gründer dafür prädestiniert, die Idee zum Erfolg zu führen? Welche persönlichen Kompetenzen kann er, können sie einfließen lassen? Wie sollen sich der Gründer oder das Gründerteam am Markt etablieren? Welcher Marketing-Mix, welche Kommunikationsmittel werden eingesetzt? Wie soll die Preisgestaltung aussehen? Wie ein möglicher Vertrieb strukturiert werden? Zum Abschluss sollte man noch auf den Personalbedarf eingehen und die angestrebte Rechtsform des Unternehmens nennen und auch begründen.

Größenklassen

Eine echte Herausforderung ist für viele die Darstellung der geplanten Aktivitäten in Zahlen. Hierzu zählen die Nennung des erforderlichen Kapitalbedarfs, wie dieser finanziert werden soll, sowie eine realistische Einschätzung der zu erzielenden Umsätze und Gewinne. Eine gründliche Recherche ist hier in der Regel unverzichtbar. Schließlich ist niemanden damit gedient, wenn hier allzu viel Fantasie zum Einsatz kommt. Wer hier realitätsnah bleibt, legt den Grundstein für ein erfolgreiches Geschäft. Man gewinnt nicht nur für sich selbst einen guten Überblick, sondern liefert auch potenziellen Kapitalgebern mehr Sicherheit.

Welchen Umfang sollte ein Businessplan haben?

Es gibt keine allgemeingültigen Vorgaben, wie viele Seiten ein Businessplan haben sollte. In erster Linie ist dies von der jeweiligen Geschäftsidee abhängig. Ein komplexer Plan erfordert eine umfangreichere Erläuterung, als die Eröffnung eines kleineren Betriebes. Grundsätzlich sollte ein Businessplan alle erforderlichen Informationen mit prägnanten Worten auf den sprichwörtlichen Punkt bringen. Allzu ausschweifende Formulierungen könnten Finanzgeber eventuell verschrecken.

Gleiches kann aber auch passieren, wenn die Ausführungen all zu spärlich ausfallen. Wie so oft liegt der richtige Weg in der goldenen Mitte. Wichtig ist, dass das vorgelegte Konzept spiegelt, dass sich der oder die künftigen Unternehmer ausgiebig mit dem Vorhaben und den damit verbundenen Problematiken beschäftigt haben. Jeder, der den Geschäftsplan liest, sollte davon überzeugt sein, dass der oder die Autoren wissen, wovon sie sprechen, respektive schreiben.

Fehler, die man vermeiden sollte

Zunächst einmal sei festgestellt, dass es keinen starren Rahmen gibt, der die Qualität eines Businessplans festlegt. Das Spektrum der Möglichkeiten ist breit gefächert und lässt keine einheitliche Bewertung zu. Dennoch gibt es ein paar Punkte, die man beachten sollte:

Wer sich selbstständig machen möchte, sollte über gewisse Vorkenntnisse in dem von ihm gewünschten Metier verfügen. Nicht immer ist es möglich, eine Vielzahl von Qualifikationen nachzuweisen. Wichtig, um andere vom eigenen Konzept zu überzeugen, ist jedoch, dass man aus dem Geschäftsplan erkennen kann, dass sich der oder die Gründer umfassend mit dem Thema auseinandergesetzt haben und über entsprechende fachliche Kompetenzen verfügen. Eine dieser zwingend erforderlichen Eigenschaften ist kaufmännisches Denken. Kaufmännisches Basiswissen und entsprechendes Handeln zählen zu den Grundlagen, ohne die kein Unternehmer auskommt.

Wer seinen Businessplan zur Prüfung vorlegt, sollte sichergehen, dass dieser eine klare Linie verfolgt. Nichts bringt ein Vorhaben schneller zum Scheitern, als ein Konzept, das nicht in sich schlüssig ist. Darüber hinaus sollte man sich unbedingt auf eventuelle Fragen vorbereiten. Insbesondere sind Kenntnisse über die jeweilige Marktsituation erforderlich. Kann ich mein Produkt oder meine Dienstleistung erfolgreich am Markt etablieren? Welche Konkurrenten gibt es und ist die Preisgestaltung tragfähig? Gibt es eine ausreichende Nachfrage, um erfolgreich in die Zukunft starten zu können?

Echten Killerfaktor haben übrigens Rechtschreib- und Grammatikfehler. Wie soll jemand, der nicht in der Lage ist, ein fehlerfreies Dokument vorzulegen, ein Unternehmen leiten? Empfehlenswert ist das Durchleuchten einer „Worst Case“ Situation. Zuviel Optimismus kann manchmal eben wirklich zu viel sein. Was kann im schlimmsten Fall passieren und wie kann ich dem entgegenwirken? Wichtige Fragen, deren Beantwortung Gründern und potenziellen Geldgebern mehr Vertrauen in das Konzept geben.