Was ist die Buchführungspflicht für Unternehmer

Für viele Unternehmer, insbesondere Existenzgründer und Kleinstunternehmer, ist die Buchführung bzw. die Buchführungspflicht ein Buch mit sieben Siegeln. Da jedoch ein Großteil der Gewerbetreibenden gesetzlich dazu verpflichtet ist, Bücher zu führen, kommt man nicht umhin, sich intensiver mit diesem Thema zu befassen.

Die Aufzeichnung der Geschäftsvorfälle im Wirtschaftsjahr ist notwendig, um gegenüber der Finanzbehörde nachweisen zu können, welche Umsätze getätigt wurden, wie hoch der Gewinn oder Verlust ausgefallen ist und wie es um die Vermögenswerte des Unternehmens bestellt ist. Was mit der Pflicht zur Buchführung gemeint ist, wer dieser Pflicht unterliegt und ob es Grenzen und Ausnahmen gibt, die von der Buchführungspflicht befreien, erläutert dieser Artikel.

Die Buchführungspflicht: Warum besteht überhaupt eine Pflicht zur Buchführung

Für die Buchführungspflicht sowie, damit zusammenhängend, die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB), gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Gründe. Zunächst einmal dient die Buchführung, wie Sie in de Abgabenordnung (AO) und im Handelsgesetzbuch (HGB) beschrieben ist, dem Eigennutz und Eigenschutz des Unternehmers. Durch konsequente Buchführung ermöglicht sich der Unternehmer eine fundierte Unternehmensplanung. Er kann unter anderem abschätzen, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt und ob das Unternehmen rentabel arbeitet.

Buchführung erleichtert.

Buchführung ist unabdingbar!

Darüber hinaus bietet ihm die Buchführung tagesaktuell einen Überblick über Forderungen und Verbindlichkeiten des Unternehmens. Weiterhin lässt sich anhand der Buchführung erkennen, welche Werte im betreffenden Unternehmen gebunden sind und wofür Geld investiert wird. Da bereits in kleinen und mittleren Unternehmen zu viele Geschäftsvorfälle vorliegen, um sie alle auswendig zu kennen, ist die Buchführung notwendig, um die finanzielle Lage besser beurteilen zu können.

 

Ein weiterer Grund, aus dem die Buchführungspflicht besteht, ist das sogenannte Staatliche Begehren. Der Staat muss Ausgaben für die Allgemeinheit durch entsprechende Einnahmen decken. Bei diesen handelt es sich im Wesentlichen um Steuern. Damit Unternehmern bzw. Unternehmen eine gerechte Besteuerung angedeihen kann und der Staat keine steuerlichen Einbußen erleidet, wurde die Buchführungspflicht für Unternehmer bereits vor langer Zeit geregelt. Schon im Preußen des 18. Jahrhunderts waren Kaufleute zur Buchführung verpflichtet. Kamen sie dieser Pflicht nicht nach und wurden in der Folge zahlungsunfähig, wurde ihnen dies als „fahrlässiger Bankrott“ angelastet.

Ein letzter wichtiger Grund für de Buchführungspflicht ist dementsprechend auch der Schutz von Gläubigern, Kunden und Geschäftspartnern. Vor allem Gläubiger, Investoren und Kapitalgeber haben ein Anrecht darauf, korrekt über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens in Kenntnis gesetzt zu werden. Banken und Gläubiger zum Beispiel wollen sicherstellen, das Kredite bzw. die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen vom betreffenden Unternehmen tatsächlich bedient werden können.

Geschäftspartner interessiert die Liquidität eines Unternehmens vor allem vor dem Hintergrund, ob es Lieferzusagen dauerhaft einhalten kann. Kunden haben ein berechtigtes Interesse daran, ob ein Unternehmen dauerhaft wirtschaftlich Bestand haben kann, da es sonst seinen Gewährleistungspflichten unter Umständen nicht mehr nachkommen kann.

Was genau bedeutet Buchführungspflicht?

Die Buchführungspflicht geht es darum, dass der buchführungspflichtige Unternehmer dazu verpflichtet ist, seine Einnahmen und Ausgaben auf eine bestimmte Art und Weise zu erfassen. Wie diese Erfassung zu erfolgen hat, ist sowohl im Steuergesetz als auch im Handelsgesetz geregelt. Die Buchführung darf man jedoch nicht mit der Pflicht, Einnahmen und Ausgaben überhaupt zu erfassen, verwechseln.

Einnahmen und Ausgaben müssen offen gelegt sein.

Welche Rechnungen muss ein Buchführungspflichtiger erstellen?

Wer jedoch der Buchführungspflicht unterliegt, muss Einnahmen und Ausgaben mittels sogenannter doppelter Buchführung erfassen. Darüber hinaus ist er verpflichtet, sowohl Bilanzen als auch Gewinn- und Verlustrechnungen zu erstellen. Unterliegt ein Unternehmer nicht der Pflicht zur Buchführung, genügt es, wenn er eine sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt. Diese erfordert deutlich weniger Aufwand und Sachkenntnis als die doppelte Buchführung.

Wer unterliegt der Buchführungspflicht und welche Grenzen gelten?

Die Pflicht zur Buchführung kann sowohl aus dem Steuergesetz als auch aus dem Handelsgesetz abgeleitet werden. Demnach sind alle eingetragenen Vollkaufleute automatisch zur Buchführung verpflichtet. Gewerbetreibende sind immer dann buchführungspflichtig, wenn ihr Umsatz im Wirtschaftsjahr 600.000 Euro überschreitet oder sie pro Wirtschaftsjahr mehr als 60.000 Euro Gewinn erwirtschaften. Freiberufler sind generell nicht buchführungspflichtig. Bei ihnen reicht die Einnahmen-Überschuss-Rechnung unabhängig vom Umsatz oder Gewinn immer aus. Sie können sich jedoch für die Buchführungspflicht entscheiden, da dies unter anderem Vorteile bei der Bildung von Rücklagen bringen kann.

Bei Land- und Forstwirten kann ebenfalls eine Buchführungspflicht vorliegen. Dies ist der Fall, wenn der Umsatz mehr als 600.000 Euro pro Kalenderjahr beträgt oder selbst bewirtschaftete Flächen mit einem Wert von mehr als 25.000 Euro vorhanden sind.

Welche Grenzbeträge gelten?

Gewinne in bestimmter Höhe verpflichten

Außerdem sind Land- und Forstwirte zur Buchführung verpflichtet, wenn ihr Gewinn aus einem Gewerbebetrieb, wie etwa einem Hofladen oder Straßenverkauf, mehr als 60.000 Euro beträgt oder der Gewinn aus Land- und Forstwirtschaft mehr als 60.000 Euro pro Jahr hervorbringt. Gesellschaften, wie etwa eine GmbH, eine UG, eine AG sowie OHG und KG, sind immer zur Buchführung verpflichtet. Die Höhe der Umsätze und Gewinne spielt in diesem Fall keine Rolle.

Wann beginnt die Buchführungspflicht?

Der Beginn der Verpflichtung zur Buchführung ist mitunter davon abhängig, um welche Art von Unternehmen es sich handelt. Die Pflicht zur Buchführung bei einem Einzelunternehmen ist ab dem Zeitpunkt gegeben, an dem die oben genannten Umsatz- und Gewinngrenzen überschritten werden. Gleiches gilt für Land- und Forstwirte. Gesellschaften hingegen sind ab dem Tag ihrer Gründung zur Buchführung verpflichtet. Bei Freiberuflern besteht niemals eine Pflicht zur Buchführung, ganz gleich, wie hoch ihre Umsätze oder Gewinne sind.

Buchführungspflicht für Kleinunternehmer?

Als Kleinunternehmer unterliegt man generell nicht der Buchführungspflicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Unternehmer komplett davon befreit ist, seine Einnahmen und Ausgaben zu erfassen. Er tut dies lediglich nicht mittels doppelter Buchführung, sondern mithilfe der wesentlich einfacheren Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Als Kleinunternehmer gilt, wer im laufenden Jahr Umsätze von nicht mehr als 17.500 Euro erzielt hat und wer im folgenden Jahr Umsätze von 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird.

Aufgrund dieser niedrigen Beträge gilt die sogenannte vereinfachte Buchführungspflicht. Das bedeutet, dass alle Geschäfte so dokumentiert sein müssen, dass sich daraus Schlüsse auf Art und Umfang des Geschäfts ziehen lassen. Weiterhin muss die aktuelle Ertrags- und Vermögenslage ersichtlich sein. Kleinunternehmer müssen also sowohl Kundenkorrespondenz als auch Belege und eigene Rechnungen stets aufbewahren.

Für Kleinunternehmer gilt keine Buchführungspflicht.

Wer Rechnungen nicht vorlegt, muss Strafen zahlen

Mögliche Strafen und Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Buchführungspflicht

Das Finanzamt möchte zu jeder Steuererklärung die zugehörigen Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen sehen.Unternehmen, die die Rechnungen nicht vorlegen, zahlen hohe Strafgelder. Diese befreien jedoch nicht von der Buchführungspflicht, sodass die geforderten Unterlagen in jedem Fall nachgereicht werden müssen. Kommt es zu einer Insolvenz des betroffenen Unternehmens, drohen dem Unternehmer sogar Haftstrafen, wenn er seiner Pflicht zur Buchführung nicht nachgekommen ist. Lesen Sie hier alles über Insolvenz.

Mögliches Ende der Buchführungspflicht

Unter gewissen Umständen kann die Pflicht zur Buchführung bei Unternehmen enden. Bei Einzelunternehmen ist dies der Fall, wenn die oben genannten Grenzen in zwei aufeinanderfolgenden Wirtschaftsjahren unterschritten wurden. Löscht man die betreffende Gesellschaft aus dem Handelsregister, erlischt die Buchführungspflicht.

Was ist eine Aktiengesellschaft?

Eine Aktiengesellschaft ist eine Handelsgesellschaft. Sie zählt wie eine GmbH zu den Kapitalgesellschaften. Rechtlich gesehen ist eine AG eine sogenannte juristische Person mit einer eigenen Rechtspersönlichkeit. Das Grundkapital einer Aktiengesellschaft wird als Gesellschaftsvermögen bezeichnet und in Aktien aufgeteilt. Eine AG haftet gemäß den Vorschriften in § 1 des Aktiengesetzes nur mit diesem Gesellschaftsvermögen für die Verbindlichkeiten gegenüber ihren Gläubigern.

Wie wird eine Aktiengesellschaft gegründet?

Für die Gründung einer AG muss nach der Satzungserstellung ein Notar mitwirken. und von einem Notar mitwirken. Die Satzung ist der der Gesellschaftsvertrag des Unternehmens. Die Gründer der Aktiengesellschaft, der zukünftige Aufsichtsrat und der Vorstand müssen bei der notariellen Beurkundung anwesend sein. Die Satzung enthält unter anderen Angaben zum Sitz und Namen der AG, zur Höhe des Grundkapitals und des Nennbetrags der einzelnen Aktien. Außerdem impliziert er Angaben darüber, welche Art von Aktien – Namens- oder Inhaberaktien – ausgegeben werden soll.

Nach der Satzungsfeststellung müssen sich die Gründer verpflichten, alle Aktien zu übernehmen.

Für die Gründung einer Aktiengesellschaft ist ein bestimmtes Kapital nötig

Welches Mindestkapital braucht eine AG?

Das Mindestgrundkapital für die Gründung einer AG beträgt 50.000 Euro. Zum Notartermin muss zumindest ein Viertel des Grundkapitals auf ein Konto der Aktiengesellschaft eingezahlt worden sein. Danach wird der erste Aufsichtsrat bestellt. Diese Bestellung muss ebenfalls notariell beurkundet werden. Der Aufsichtsrat bestellt den ersten Vorstand der AG.

Mit der Feststellung der Satzung und der Übernahme der Aktien durch die Gründer ist die AG im Innenverhältnis gegründet. Abgeschlossen wird die Gründung durch die Eintragung ins Handelsregister. Die Aktiengesellschaft muss durch alle Gründer, die Vorstandsmitglieder und die Aufsichtsratsmitglieder für die Eintragung beim Handelsregister angemeldet werden. Die notariellen Urkunden über die Gründng müssen ebenfalls eingereicht werden. Die Unterlagen werden vom Registergericht geprüft. Mit der Eintragung ins Handelsregister ist die AG endgültig gegründet und eine eigene RechtspersönlichkeitLesen Sie hier mehr zum Thema „Rechtspersönlichkeit und juristische Personen.

Die Organe einer Aktiengesellschaft

Jede AG hat unabhängig von ihrer Größe oder dem Grundkapital drei Organe für die Geschäftsführung und die Kontrolle. Die Organe einer Aktiengesellschaft sind die Hauptversammlung, der Aufsichtsrat und der Vorstand.

Die Hauptversammlung einer AG

Die Hauptversammlung ist die einmal jährlich einberufene Vertretung der Aktionäre einer AG. In der Hauptversammlung können die Aktionäre ihre Rechte als Eigentümer des Unternehmens ausüben. Die Hauptversammlung muss mindestens einmal im Jahr durch den Vorstand einberufen werden. Bei außergewöhnlichen Ereignissen können darüber hinaus außerordentliche Hauptversammlung stattfinden. Bei der Hauptversammlung geht es in der Regel nicht um Entscheidungen über das operative Geschäft der AG. In

Wer verantwortet welchen Bereich in einer Aktiengesellschaft?

Wie ist die Hauptversammlung aufgebaut?

der Hauptversammlung werden organisatorische Entscheidungen über Kapitalerhöhungen oder –herabsetzungen, die Besetzung des Aufsichtsrates sowie über die Gewinnverwendung getroffen.

Der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft

Die Aufgaben des Aufsichtsrates sind folgende: Bestellung und Abberufung des Vorstandes sowie Kontrolle des Vorstandes und die Bestimmung des Abschlussprüfers für den Jahresabschluss. Darüber hinaus vertritt der Aufsichtsrat die Gesellschaft gegenüber dem Vorstand. Der Aufsichtsrat einer AG muss aus mindestens drei Mitgliedern bestehen. Die Hauptversammlung wählt diesen Aufsichtsrat. Um der Kontrollfunktion nachkommen zu können, haben die Aufsichtsratsmitglieder zu jeder Zeit Zugang zu den Geschäftsbüchern der Aktiengesellschaft.

Der Vorstand einer Aktiengesellschaft

Der Vorstand ist die Geschäftsführung einer AG. Ein Vorstand leitet das operative Geschäft der AG eigenverantwortlich, selbstständig und unabhängig von Weisungen der Hauptversammlung oder des Aufsichtsrates. Er besteht in der Regel aus mehreren Personen. Diese werden als Vorstandsmitglieder bezeichnet. Nur der Vorstand einer AG hat gemäß § 76 Abs.AktG Geschäftsführungsbefugnis und vertritt die Gesellschaft nach außen. Die sogenannte Vertretungsbefugnis ist grundsätzlich unbeschränkt, aber nur als Gesamtvertretungsbefugnis wirksam. Das bedeutet: Ein einzelnes Vorstandsmitglied kann die Gesellschaft nur wirksam nach außen vertreten, wenn eine Einzelvertretungsbefugnis in der Satzung bestimmt ist.

Bei Aktiengesellschaften mit einem Grundkapital von mehr als 3 Millionen Euro muss der Vorstand aus mindestens zwei Personen bestehen. Ausnahmen von dieser Vorschrift sind nur möglich, wenn in der Satzung der AG bestimmt ist, dass nur eine Person dem Vorstand angehört. Durch die Vergabe von Titeln wie beispielsweise „Finanzvorstand“ oder „Entwicklungsvorstand“ können die Zuständigkeiten der einzelnen Vorstandsmitglieder deutlich gemacht werden. Diese Titel sind nicht rechtlich geregelt. Das Aktiengesetz kennt nur die Bezeichnungen „Vorstandsmitglieder“ und „Vorstand“. Vor allem größere Aktiengesellschaften bestimmen neben den übrigen Vorstandsmitgliedern oft einen Vorstandsvorsitzenden, auch als „Vorstandssprecher“ oder „Chief Executive Officer„, abgekürzt CEO, bezeichnet. Der Aufsichtsrat bestimmt den Vorstandsvorsitzenden. Die Befugnisse des CEO werden im Allgemeinen in der Satzung der AG geregelt.

Wie wird man als Investor Aktionär?

Die Aktien von börsennotierten Aktiengesellschaften können über die Hausbank oder einen Online Broker an den Börsenhandelstagen gekauft und verkauft werden. Die Aktien nicht börsennotierter Gesellschaften werden von Maklern oder auf speziellen Marktplätzen außerhalb der Börse gehandelt. Bei einem Unternehmenskauf erwerben Investoren die Gesellschaftsanteile einer AG in der Regel nach einer Due Dilligence Prüfung.

Wann wird an der Börse gehandelt?

Due Dilligence bei börsennotierten Unternehmen

Für die Due Dilligence Prüfung werden Geschäftsunterlagen der Gesellschaft in einem Datenraum mit strengen Zugangskontrollen für eine Prüfung durch die Investoren zur Verfügung gestellt. Bei einem Unternehmensverkauf können somit die Aktien einer AG ohne eine zwischengeschaltete Börse oder einen anderen Marktplatz an den Käufer übergehen.

Wie wird aus einer AG eine börsennotierte Aktiengesellschaft?

Der Börsengang einer Aktiengesellschaft wird als „Stock Market Launch oder Going Public“ bezeichnet. Dieser ist mit strengen Auflagen verbunden. Die AG muss über ein haftendes Kapital in Höhe von mindestens 730.000 Euro verfügen. Die Abwicklung des Börsengangs erfolgt durch eine oder mehrere damit beauftragte Banken. Die Banken benötigen verschiedene Informationen über die wirtschaftliche Situation der AG sowie über die Ziele des Unternehmens. Die Banken führen in der Regel eine Due Dilligence Prüfung durch.

Sie erstellen den Verkaufsprospekt und legen gemeinsam mit den Eigentümern einen Preis fest, zu dem die Aktien ausgegeben werden sollen. Die Banken suchen bereits im Vorfeld des Börsengangs nach Interessenten, die an einem Aktienkauf interessiert sind. Insgesamt ist der Börsengang ein etwa ein Jahr dauernder Prozess, der mit hohen Kosten verbunden ist. Im Allgemeinen gilt, dass sich der Börsengang für eine Aktiengesellschaft erst lohnt, wenn das Kapital der Gesellschaft mindestens 200 Millionen Euro beträgt.

Haftung der Aktionäre einer AG

Die Aktionäre einer Aktiengesellschaft haften gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft grundsätzlich nur mit dem Wert ihrer Aktien. Der Vorteil ist, dass das Privatvermögen eines Aktionärs vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt ist. Das Risiko für die Anteilseigner ist gering und kalkulierbar. Nur in Ausnahmefällen kommt es zu einer sogenannten Durchgriffshaftung. Bei der Durchgriffshaftung wird auch das Privatvermögen der Aktionäre für die Befriedigung der Gläubigeransprüche herangezogen. Dies ist möglicherweise der Fall, wenn beispielsweise das Vermögen der Gesellschafter und das Vermögen der Gesellschaft auf unzulässige Weise vermischt wird Auch die missbräuchliche Verwendung der Rechtsform AG  führt dazu.

Haftung von Vorstand und Aufsichtsrat einer AG

Für die Vorstandsmitglieder einer AG gelten strenge Haftungsregelungen. Eventuelle Haftungsansprüche gegenüber dem Vorstand müssen vom Aufsichtsrat durchgesetzt werden. Grundlage für die Haftung des Vorstandes ist die sogenannte Sorgfaltspflicht. Die Sorgfaltspflicht betrifft insbesondere den Umgang mit den Einlagen der Aktionäre und die Vorgabe, zum Wohle des Unternehmens zu handeln. Darüber hinaus ist der Vorstand für die Einhaltung der Publizitätspflicht und bei börsennotierten Aktiengesellschaften für die rechtzeitige Veröffentlichung von kursrelevanten Informationen verantwortlich. Haftungsansprüche entstehen nur bei vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht.

Welche Aufgaben hat der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft?

Wer haftet?

Der Aufsichtsrat einer AG haftet bei schuldhaftem Verhalten gegenüber den Anteilseignern und gegenüber der Gesellschaft sowie gegenüber Dritten, falls diese von einem schuldhaften Handeln des Aufsichtsrates betroffen sind.

Wie besteuert man AG’s?

Eine Aktiengesellschaft ist gemäß den Vorschriften in § 1 Abs.1 KStG (Körperschaftssteuergesetz) als juristische Person selbst ein sogenanntes Steuersubjekt. Das Einkommen einer AG unterliegt daher der Körperschaftsteuer, der Umsatzsteuer, der Gewerbe- und Kapitalertragssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag. Grundlage für die Besteuerung ist der in der Handels- und Steuerbilanz ermittelte Gewinn der Aktiengesellschaft.

Werden Gewinne der Aktiengesellschaft an die Aktionäre ausgeschüttet, unterliegen diese Gewinne bei natürlichen Personen gemäß § 20 Abs. 1 EStG (Einkommensteuergesetz) als Einnahmen aus Kapitalvermögen der Einkommensteuer, oder, wenn eine andere Kapitalgesellschaft Aktionär ist, der Körperschaftsteuer.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Aktiengesellschaft?

Welche Vor- und Nachteile bietet eine Aktiengesellschaft?

Mehr als eine halbe Million Aktiengesellschaften gibt es in Deutschland

Einerseits stellt das für die Gründung einer Aktiengesellschaft erforderlichen Grundkapital in Höhe von 50.000 Euro für viele Gründer eine sehr hohe Hürde dar. Andererseits ist die Höhe des haftenden Kapitals ein Grund dafür, warum Aktiengesellschaft eine höhere Reputation genießen als beispielsweise GmbHs. Aktiengesellschaften haben im Allgemeinen einen leichteren Zugang zu den Kapitalmärkten um Kapital zu beschaffen. Demgegenüber stehen wiederum strenge steuerrechtliche Vorgaben sowie rechtliche und organisatorische Verpflichtungen, deren Einhaltung streng kontrolliert wird und deren Missachtung zu empfindlichen Strafen führen kann.

Wie viele Aktiengesellschaften gibt es in Deutschland?

Laut einer Statistik des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2017 in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt und 720.000 Kapitalgesellschaften. Darunter mehr als 700.000 GmbHs und sonstige Kapitalgesellschaften (KGaA, SE) und etwas mehr als 12.000 Aktiengesellschaften. Von den insgesamt 3,48 Millionen Unternehmen in Deutschland waren 2017 Einzelunternehmen mit rund 2,15 Millionen Betrieben die häufigste Rechtsform. Obwohl die Aktiengesellschaft eine relativ selten gewählte Gesellschaftsform ist, sind dafür fast alle großen deutschen Konzerne börsennotierte Aktiengesellschaften.

Was ist Selbstfinanzierung?

Die Selbstfinanzierung ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, bei der die Aufbringung des Kapitals durch die Einbehaltung (Thesaurierung) der von einem Unternehmen erzielten Gewinne erfolgt. Die Selbstfinanzierung nimmt unter den verschiedenen Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung eine Sonderstellung ein. Die Kapitalaufbringung kann entweder durch einen Zufluss von Zahlungsmitteln erfolgen oder durch die Entstehung von Forderungen, falls die in den Verkaufspreisen enthaltenen Gewinnanteile am Markt tatsächlich vergütet werden.

Selbstfinanzierung als Eigenfinanzierung und Innenfinanzierung

Die Selbstfinanzierung ist einerseits entsprechend der Rechtsstellung der Kapitalgeber der Eigenfinanzierung zuzurechnen. Dies deshalb, weil der Gewinn einzig den Anteilseignern des Unternehmens zusteht. Durch eine Thesaurierung der Gewinne wird das Eigenkapital eines Unternehmens und die

Selbstfinanzierung betrifft das Eigenkapital.

Am Ende eines jeden Geschäftsjahres sollte ein Jahresüberschuss stehen

Haftungsbasis für Fremdfinanzierungen gestärkt. Aus Sicht der Mittelherkunft betrachtet ist die Selbstfinanzierung eine Innenfinanzierung. Im Gegensatz zu einer Außenfinanzierung erfolgt die Kapitalaufbringung durch die Erzielung von Umsatzerlösen. Die in den Umsatzerlösen eines Unternehmens enthaltenen Gewinnanteile können für die Selbstfinanzierung verwendet werden.

Die Gewinnermittlung eines Unternehmens erfolgt zum Ende eines Geschäftsjahres mit der Bilanzerstellung. Die im Rahmen der bilanziellen Gewinnermittlung festgestellten Unternehmensgewinne entstehen jedoch im Laufe des Geschäftsjahres bei jedem Geschäft, das ein Unternehmen tätigt. Durch die Kumulierung bis zum Ende des Geschäftsjahres ergibt sich daraus der Periodengewinn oder Jahresüberschuss.

Die im laufenden Geschäftsjahr erzielten Gewinne verwendet man bereits für die Finanzierung. Daraus ergeben sich zwei verschiedene Finanzierungseffekte. Einerseits über die Gewinnanteile, die während des laufenden Geschäftsjahres erzielt werden und andererseits durch die Einbehaltung der am Jahresende ermittelten Gewinne zur Eigenfinanzierung.
Je nachdem, ob und wie ein bilanzieller Ausweis der Gewinneinbehaltung erfolgt, wird bei der Selbstfinanzierung zwischen der offenen und der stillen Selbstfinanzierung unterschieden.

Offene Selbstfinanzierung

Bei der offenen Form erfolgt eine Gewinnthesaurierung. Unternehmensgewinne werden nicht oder nicht vollständig an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern in die Gewinnrücklagen eingestellt. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen die einbehaltenen Gewinne nicht gesondert in der Unternehmensbilanz ausgewiesen werden.

Kapitalgesellschaften müssen einbehaltene Gewinne in die Bilanz einstellen. Hierfür ist ein eigener BilanzpostenGewinnrücklagen vorgesehen. Die Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft entscheiden darüber, ob und in welcher Höhe Gewinne ausgeschüttet oder in die Gewinnrücklagen eingestellt werden.

Bei der offenen Selbstfinanzierung spielen Aktien eine Rolle.

Welche Regeln gelten für Aktiengesellschaften?

Gemäß § 58 des Aktiengesetzes (AktG) dürfen die Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften unter bestimmten Bedingungen ohne Zustimmung der Aktionäre bis zu 50 % des Jahresgewinns in die Gewinnrücklagen einstellen. Zwingend vorgeschrieben ist, dass die Hauptversammlung der AG über die Verwendung der verbleibenden 50 % des Gewinns entscheidet.

Stille Selbstfinanzierung

Eine stille Selbstfinanzierung erfolgt durch die Bildung stiller Reserven, die Bildung stiller Rücklagen oder einer Kombination aus beidem. Die daraus resultierenden Vermögenswerte werden in der Unternehmensbilanz nicht offen ausgewiesen. Daher rührt die Bezeichnung stille Selbstfinanzierung.

Bildung stiller Reserven

Bei der Bildung stiller Reserven werden die Aktiva eines Unternehmens, das heißt das Vermögen, bewusst unterbewertet. Übersteigt die Verrechnung von Abschreibungen den tatsächlichen Werteverzehr eines Vermögensgegenstandes, erfolgt eine Unterbewertung. Beispielsweise, in dem Maschinen und Anlagen höher als erforderlich abgeschrieben werden.

Ebenso ist eine Unterlassung von Aktivierungen, beispielsweise bei selbsterstellten Vermögensgegenständen des immateriellen Anlagevermögens gemäß den Vorschriften in § 248 Abs.HGB möglich. Eine weitere Möglichkeit ist die Unterlassung von Zuschreibungen für Wertsteigerungen, wenn sich der Wert eines Vermögensgegenstandes erhöht hat. Der Vorteil stiller Reserven ist, dass man sie erst zum Zeitpunkt der Auflösung versteuern muss. Das passiert, wenn eine Maschine oder das ganze Unternehmen zum Verkauf steht.

Durch die Bildung stiller Reserven erreicht man einen geringeren Jahresüberschuss in der Bilanz. Dadurch verringert sich die Möglichkeit, am Jahresende Ausschüttungen an die Gesellschafter vorzunehmen. Für

Selbstfinanzierung beinhaltet Chancen und Risiken

Wie ermittelt man einen Jahresüberschuss?

Außenstehende ist die Bildung stiller Reserven in der Regel aus der Bilanz nicht ersichtlich. Welche Bewertungsmaßstäbe für die Bildung der Reserven herangezogen wurden, ist aus dem Jahresabschluss ebenfalls nicht ersichtlich.

Bildung stiller Rücklagen

Für die Bildung stiller Rücklagen werden die Passiva eines Unternehmens überbewertet, in dem das durch Fremd- oder Eigenkapital finanzierte Unternehmensvermögen höher bewertet wird. Durch die Bildung stiller Rücklagen reduziert sich der Unternehmensgewinn und damit die Steuerlast. Durch eine korrekte Bewertung ursprünglich überbewerteter Passiva werden die stillen Rücklagen zu stillen Reserven. Informieren Sie sich hier über stille Rücklagen und Reserven.

Vor- und Nachteile einer Selbstfinanzierung

Eine Selbstfinanzierung bietet für Unternehmen im Vergleich mit anderen Finanzierungsformen verschiedene Vorteile. Einerseits werden durch diese Finanzierung keine neuen Abhängigkeiten von Kapitalgebern wie Banken oder Lieferanten aufgebaut. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Veränderungen bei den Besitzanteilen entstehen. Die Eigentumsanteile aller Gesellschafter bleiben unverändert. Zudem stärkt eine Finanzierung von innen heraus die Eigenkapitalbasis des Unternehmens.

Was sind die Vorteile der Selbstfinanzierung?

Beinhaltet die Selbstfinanzierung eine Tilgung?

Damit verringert sich einerseits die Anfälligkeit für eine Zahlungsunfähigkeit und man erreicht eine steigende Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Der sogenannte Verschuldungsspielraum des Unternehmens wird vergrößert. Nicht zuletzt werden durch die Selbstfinanzierung im Gegensatz zu einer Fremdfinanzierung keine regelmäßigen Zins- oder Tilgungsleistungen ausgelöst. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist die Selbstfinanzierung oft die einzige Möglichkeit, neues Eigenkapital zu beschaffen.

Nachteilig für Kapitalgesellschaften ist, dass das im Rahmen der Selbstfinanzierung gewonnene Kapital zu einem höheren Kurswert führen kann, wenn das Nominalkapital der Gesellschaft unverändert bleibt. Für Aktionäre ist nachteilig, dass die Dividendenrendite durch die Bildung von Gewinnrücklagen sinkt, weil der Kurs der Aktie steigt. Durch eine Kapitalerhöhung aus Mitteln der Gesellschaft ist wiederum eine Absenkung des Aktienkurses möglich.

Alte Maschine - auch ein Sachwert

Was ist der Substanzwert?

Für die betriebswirtschaftliche Unternehmensbewertung – etwa im Rahmen eines Unternehmenskaufs bzw. Unternehmensverkaufs werden unterschiedliche Parameter verwendet. Neben dem Ertragswert kommt hierbei auch der so genannte Substanzwert zum Tragen. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um die in einem Unternehmen befindlichen und in dessen Eigentum stehenden Sachwerte. Bedeutung haben der Substanzwert und andere Parameter der Unternehmensbewertung vor allem im Hinblick auf die Beantragung und Gewährung von Krediten durch Banken bzw. für potentielle Investoren. Bei solchen Entscheidungen spielen nicht zuletzt die im Unternehmen befindlichen Sachwerte sowie das vorhandene immaterielle Vermögen eine entscheidende Rolle.

Die Ermittlung der Grundlagen des Substanzwerts

Maschinen gehören ebenfalls zum Substanzwert eines Unternehmens

Maschinen gehören ebenfalls zum Substanzwert eines Unternehmens

Um den Substanzwert eines Unternehmens bestimmen zu können ist zunächst wichtig das Vermögen des Unternehmens zu erfassen. Dabei geht es um die im Eigentum der Firma stehenden materiellen Güter. Dazu gehören auch Liquide Mittel, die für die Berechnung des Substanzwertes ebenfalls von Belang sind. Entsprechend werden bei der Berechnung mit erfasst:

Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte

Gebäude

Maschinen

Fuhrpark

– Fertige Waren etc.

Bei diesen Werte bzw. diesem Inventar handelt es sich um das so genannte betriebsnotwendige Vermögen, als um Sachwerte, die für die wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens von Belang sind. Darüber hinaus zählen zum Substanzwert aber auch Gegenstände, die nicht zu diesen Zwecken dienen und folglich zum nicht betriebsnotwendigen Vermögen zählen. Dies betrifft etwa Kunstwerke, die in der zentralen Verwaltung hängen u.ä..

Bewertung des Sachvermögens

Im Hinblick auf den für das Sachvermögen anzusetzenden Wert wird im Rahmen der Ermittlung des Substanzwerts der Wiederbeschaffungswert verwendet. Dies ist notwendig, da es um eine realistische Betrachtung der im Betrieb befindlichen Sachwerte geht. Hier spielen Alter und Zustand der Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge eine entscheidende Rolle. Sofern es sich um nicht zum betriebsnotwendigen Vermögen zählende Einzelstücke wie etwa Kunstwerke handelt, wird der potentielle Wert beim Verkauf an einen Sammler als Maßstab herangezogen. Letztlich geht es darum, möglichst realistisch abzubilden, welche Preise die verschiedenen im Eigentum des Unternehmens stehenden Sachen bei einem Verkauf zum jeweiligen Zeitpunkt der Bewertung erzielen würden.

So wird der Substanzwert ermittelt:

Sind alle materiellen Sachwerte des Unternehmens erfasst, werden zu diesen die immateriellen Vermögenswerte hinzu gerechnet. Von diesen werden wiederum die Kredite und anderen Außenstände des Betriebs abgezogen. Der so ermittelte Betrag stellt den aktuellen Substanzwert des Unternehmens dar.

In der Realität wird der Substanzwert einer Firma in der Regel im Rahmen einer Due Diligence ermittelt. Lesen Sie dazu auch die folgenden Beiträge aus dem docurex-Blog:

Der Ertragswert des Unternehmens

Gebäude gehören ebenfalls zurm Substanzwert einer Firma

Gebäude gehören ebenfalls zurm Substanzwert einer Firma

Für die unternehmerische Planung ist der Substanzwert für sich genommen nur von geringer Aussagekraft, da er lediglich den Wert des zur wirtschaftlichen Tätigkeit zur Verfügung stehenden Vermögens abbildet. Gleichwohl kommt dem Substanzwert Bedeutung im Verhältnis zum so genannten Ertragswert zu. Die Bestimmung des Ertragswerts näher zu erläutern, würde den Rahmen dieser kurzen Abhandlung sprengen. Vereinfacht gesagt geht es beim Ertragswertverfahren um die Ermittlung des potentiellen Ertrags, der sich in Zukunft mit dem im Unternehmen befindlichen Vermögen erwirtschaften lässt. Im Hinblick auf Immobilien etwa werden zur Bestimmung der entsprechenden Werte der Bodenrichtwert, die erzielbare Mietzins bei Vermietung oder Verpachtung etc. heran gezogen. Während der Substanzwert sich auf den materiellen Wert zum gegenwärtigen Zeitpunkt bezieht, erfasst der Ertragswert die potentiellen wirtschaftlichen Chancen dieses Vermögens in Richtung Zukunft.

Verhältnis von Substanzwert zum Ertragswert

Für die Bewertung eines Unternehmens spielt das Verhältnis von Substanzwert und Ertragswert eine entscheidende Rolle. Liegt der Ertragswert höher als der Substanzwert, so spricht man von positiven Firmenwert. Ein negativer Firmenwert liegt dagegen dann vor, wenn der der Substanzwert höher ist als der Ertragswert. Für potentielle Kreditgeber bzw. Investoren stellt sich die Situation negativ dar, wenn ein Großteil der im Unternehmen befindlichen Substanz keine Aussicht auf zukünftige Gewinne bietet. Je negativer der Wert ausfällt, desto mehr macht eine Liquidation des Unternehmens Sinn, da viele Sachwerte mit der Zeit an Wert verlieren und die wirtschaftliche Situation keine echten Zukunftsperspektiven aufzuweisen scheint. Ist der Firmenwert dagegen positiv bedeutet dies, dass das im Unternehmen befindliche Vermögen produktiv eingesetzt wird. Entsprechend besser sind in diesen Fällen die Aussichten für die Zukunft.

Geschichte des Substanzwerts

Die ersten wissenschaftlichen Ausführungen zur Unternehmensbewertung gehen auf den Schweizer Ökonomen Karl Käfer zurück. Dieser veröffentlichte 1946 erste Arbeiten zu diesem Thema. Ein erstes Standardwerk, das sich explizit mit dem Substanzwert befasst erstellte Günter Sieben 1961 im Rahmen seiner Doktorarbeit. Diese trug den Titel: „Der Substanzwert. Ein Beitrag zur Lehre der Bewertung der Unternehmung“. Auch in seiner weiteren akademischen Arbeit widmete er sich immer wieder diesem Thema.

Kritik am Substanzwert

Neben der Tatsache, dass die Ermittlung des Substanzwerts für sich genommen wenig Hilfe beim Treffen wirtschaftlicher Entscheidungen bietet, gibt es auch grundsätzliche Kritik an diesem Verfahren der Unternehmensbewertung. Dies betrifft insbesondere die Erfassung immaterieller Güter. Dies betrifft etwa die Bekanntheit einer Marke, die im Unternehmen befindlichen Patente und andere Formen geistigen Eigentums. Diese lassen sich in materieller Hinsicht regelmäßig nur ungenau erfassen. Lässt man sie andererseits außen vor, fehlen in der Regel entscheidende Bestandteile des tatsächlichen Wertes eines Unternehmens. Insofern ist wichtig, den Substanzwert als die relative Größe zu betrachten die er ist und ihn jeweils im Lichte der Gesamtumstände individuell einzuordnen.

Transaktion – Alles was Sie über Transaktionen wissen müssen

Beim Thema „Transaktion“ muss man zwei unterschiedliche Bereiche von Transaktionen unterscheiden. Einmal die Begriff aus der Informatik und einmal die Transaktion in der Wirtschaft  . In diesem Beitrag geht es um die Transaktion zwischen zwei Vertragsparteien in der Volkswirtschaft.

Was ist eine Transaktion?

Streng genommen ist eine Transaktion zwischen zwei Parteien jede Handlung, bei der ein oder mehrere Wirtschaftsgüter ausgetauscht werden. Der Klassiker einer Transaktion ist der Verkauf von etwas Wertvollem bei dem der Verkäufer das wertvolle Gut verkauft. Dabei erhält dann der Käufer das Wirtschaftsgut und bezahlt in der Regel den Verkäufer mit dem Gegenwert in Geld.

Es werden also – nüchtern betrachtet – zwei Güter getauscht: Das Wirtschaftsgut und der Gegenwert in Geld. Vor der Transaktion war der Verkäufer des Wirtschaftsguts der Eigentümer desselben, danach ist er selbiges los und hat dafür den Gegenwert in Geld bekommen.

Bei dem hier beschriebenen Vorgang ist es prinzipiell egal, ob es sich beim Kauf um den Erwerb von Kaugummi im Supermarkt für ein paar Cent dreht oder ob man als Verbraucher Waren im Internet kauft. Genauso spricht man von Transaktionen wenn ein institutionelle Investoren für Milliarden von Euro Aktien oder eine Immobilien kaufen. In den meisten aller betrachteten Fälle sind also Transaktionen identisch mit der Durchführung eines juristischen Kaufvertrages.

Merkmale einer Transaktion

Ein Wesensmerkmal von praktisch allen Transaktionen ist es, dass die Transaktion erst dann vollständig ist, wenn alle einzelnen Schritte der Transaktion durchgeführt wurden. Dabei achten vor allem bei Transaktionen in Millionenhöhe die Vertragsparteien darauf, dass die relevanten Schritte in der richtigen Reihenfolge und in der korrekten Art und Weise verlaufen. Fast alle Transaktionen folgen dabei im Wirtschaftsleben dem Zug-um-Zug Prinzip. Dazu ein Beispiel:

Ein Beispiel für eine Transaktion – Geld abheben

Eine einfache Transaktion: Geld abheben

Eine einfache Transaktion: Geld abheben

Jeder hat schon einmal Geld am Bankautomaten abgehoben. Genau dieser Vorgang ist ein gutes Beispiel um die Vollständigkeit von Transaktionen zu erläutern. Beim Geldabheben passieren mehrere Vorgänge, nachdem sich der Bankkunde samt seiner Bankkarte und seiner PIN authentifiziert hat:

  1. Der gewünschte Auszahlungsbetrag wird vom Kunden per Tastatur an den Automaten übermittelt
  2. Die Software im Geldautomat prüft, ob der entsprechende Geldbetrag im Automaten vorhanden ist
  3. Der Nennbetrag der Abhebung plus die Gebühren werden vom Konto des Kunden abgebucht
  4. Der Geldbetrag wird dem Kunden am Automat ausbezahlt

Man muss kein Computer-Fachmann sein um zu erkennen, dass die Schritte 3.) und 4.) logisch zwingend zusammen gehören. Das bedeutet: Ohne die Abbuchung vom Konto (Schritt 3) darf keine Auszahlung (Schritt 4) erfolgen, sonst hätte der Kunde Geld erhalten, das im nicht zusteht. Im Umkehrschluss gilt aber auch: Sofern die Auszahlung (Schritt 4) scheitert, dann muss die Abbuchung vom Konto rückgängig gemacht werden. Wenn etwa am Geldautomaten zwischen Schritt 3 und 4 der Strom ausfällt, wird die Auszahlung des Geldes nicht funktionieren. In diesem seltenen Fall, muss also der dritte Schritt rückgängig gemacht werden.

Die Schritte bei einem Immobilien-Verkauf

Im Falle des Verkaufs einer Immobilie sehen die einzelnen Schritte in der Chronologie etwas vereinfacht so aus:

– Der Kauf-Vertrag wird in Anwesenheit des Käufers sowie des Verkäufers beim Notar beurkundet

– Der Käufer überweist die vereinbarte Kaufsumme in der Regel auf ein Treuhandkonto z.B. beim Makler

– Der Makler bestätigt den Erhalt des Geldes auf dem Treuhandkonto und informiert den Verkäufer

– Der Verkäufer lässt darauf hin die Immobilie im Grundbuch umschreiben.

– Sobald der geänderte Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist, erhält der Verkäufer die Kaufsumme vom Treuhänder auf sein Konto überwiesen.

Im Falle eines Immobilienverkaufs besteht also eine Transaktion ebenfalls aus mehreren, einzelnen Schritten, die erst in ihrer Summe den Kauf bzw. Verkauf komplett  machen. Diese Vollständigkeit ist vor allem bei hochpreisigen Verkäufen ein wichtiges Wesensmerkmal von Transaktionen

Fehlt auch nur ein einzelner Schritt, so ist die Transaktion nicht vollständig. Sofern das der Fall ist, muss in aller Regel die Transaktion rückabgewickelt werden.

Typische Beispiele für die fehlende Vollständigkeit von Transaktionen, die leider auch in der Realität vorkommen, sind in unserem Immobilien-Beispiel etwa:

– Der Käufer überweist den Kaufpreis  (doch) nicht.

– Der Verkäufer veranlasst die Eigentumsübertragung im Grundbuch nicht.

Unabhängig von der Frage, warum solche Fälle überhaupt vorkommen, gilt: In den geschilderten Fällen muss dann auch der dazugehörige Vertrag rückabgewickelt oder annulliert werden.

Ablauf einer Unternehmens-Transaktion

Ein Unternehmenskauf ist ein Beispiel für komplexe Transaktionen

Ein Unternehmenskauf ist ein Beispiel für komplexe Transaktionen

An dem dinglichen Fall eines Immobilien-Verkaufs kann man vom Prinzip her auch den Eigentumsübergang eines Unternehmens, etwa den Unternehmenskauf erklären. Es beginnt in der Regel mit dem unterschriebenen Kaufvertrag zwischen dem Verkäufer und dem Käufer der Firma. In diesem sind die einzelnen Schritte der Verkaufs-Transaktion in der Regel sehr ausführlich beschrieben. z.B.:

– Wer muss wann, welche Summen bezahlen bzw. auf ein Treuhandkonto einzahlen?

– Wann wird der Eigentumsnachweis des verkauften Übernehmens auf den Käufer überschrieben? z.B. Aktien, GmbH-Anteile etc. ?

Wann übernimmt eine neue Geschäftsführung das Management der Firma?

– Wie lange muss der alte Eigentümer einer Firma dem neuen Käufer des Unternehmens noch zur Seite stehen?

– Wie geht das Eigentum an immateriellen Werten, Boden oder Immobilien der Firma auf den Käufer über?

Wann bekommt der Verkäufer vom Treuhänder die Kaufsumme überwiesen bzw. ausbezahlt?

Beim Unternehmensverkauf hat man im Gegensatz zu Immobilien-Projekten also in der Regel noch sehr viel mehr Schritte zu beachten, ohne die eine Transaktion nicht vollständig wäre.

Wie lange dauert eine Transaktion?

Generell kann man nicht eindeutig im Voraus sagen, wie lange einzelne Transaktionen exakt dauern. Während der Kauf im Supermarkt nur wenige Augenblicke dauert, so können sich Immobilien-Verkäufe und Unternehmens-Transaktionen über Wochen und Monate hin ziehen. Vor allem bei Immobilien-Verkäufen sind sowohl Käufer als auch Verkäufer von staatlichen Stellen (Grundbuch) oder Drittparteien (Makler, Treuhänder) abhängig, auf deren Geschwindigkeit in der Abwicklung sie keinen Einfluss haben.

Beim Unternehmensverkauf, wie er während einer Due Diligence vorbereitet wird, hat der Käufer in der Regel die Absicht, die Kontrolle im erworbenen Unternehmen zu übernehmen. Derlei Transaktionen dauern in der Regel mehrere Monate.

Wie unterscheidet sich eine Wertpapier-Transaktion davon?

Wer hingegen Aktien einer börsennotierten Aktiengesellschaft erwirbt, der hat es mit einem deutlich einfacheren Kauf zu tun. Sofern die ausreichende Liquidität auf dem eigenen Konto vorhanden ist, so kann man jederzeit Aktien des betroffenen Unternehmens an der Börse erwerben. Dieser Kauf von Unternehmensanteilen geschieht jeden Tag rund um die Welt millionenfach und ist in der Regel innerhalb von wenigen Minuten erledigt.

Hinweis: In Deutschland ist ein Aktien-Käufer sowohl nach § 20 AktG als auch nach § 33 WpHG verpflichtet, ab bestimmten Schwellwerten des Stimmrechts an einer börsennotierten Aktiengesellschaft über seine Unternehmensbeteiligung aktiv zu informieren.

Fazit zum Thema Transaktionen

Transaktionen sind letztlich Verkäufe von wertvollen Gütern, die in aller Regel lückenlos dokumentiert werden. Nur die Summe aller Schritte, die bei einem Verkauf – etwa einer Firma – anfallen machen die Transaktion komplett.

Der Kaufvertrag ist die Mutter aller Vertragsarten

Vertragsarten

Im folgenden Beitrag geben wir einen Überblick über die wichtigsten Vertragsarten, die in Deutschland entsprechend dem BGB (Bürgerlichen Gesetzbuch) üblich und bekannt sind. Unser Fokus bei der Auflistung der Vertragsarten liegt dabei auf den Vertragsformen, die typischerweise aus Sicht eines Unternehmens häufiger vorkommen. Vor allem während einer Due Diligence werden Sie es mit sehr vielen unterschiedlichen Verträgen zu tun haben. Wir geben Ihnen einen Überblick:

Grundsatz der Autonomie und Vertragsfreiheit

In Deutschland sind Firmen autonom in Ihren Beziehungen zueinander und zu ihren Kunden. Der Staat soll sich dort möglichst aus den Angelegenheiten von Firmen heraus halten. Daraus resultiert die Vertragsfreiheit, nach der Firmen untereinander im Prinzip Verträge schließen können, wie sie möchten. Die Vertragsfreiheit resultiert im Wesentlichen aus dem Art. 2 des Grundgesetztes.

Bei der Freiheit Verträge zu schließen gilt es aber zu beachten, dass geschlossene Verträge immer zwei Regeln beachten müssen:

  • Sie dürfen gegen keine geltenden Gesetze verstoßen
  • Sie dürfen nicht gegen die „guten Sitten“ verstoßen – also sittenwidrig sein

Grundsätzlich gilt unter Vollkaufleuten, dass ein Vertrag bereits durch die Abgabe zweier gleich lautender Willenserklärungen zustande kommt. Das bedeutet dass der sprichwörtliche Handschlag zwischen zwei Geschäftsführern zweier Firmen in der Tat einen Vertrag begründet.

Wesensmerkmal von Verträge ist, dass immer mindestens 2 Vertragsparteien vorhanden sein müssen. Mindestvoraussetzung für einen Kaufvertrag etwa sind ein Verkäufer und ein Käufer.

Formfreiheit bei Verträgen

In Deutschland gilt Vertragsfreiheit

In Deutschland gilt Vertragsfreiheit

Generell gilt bei Verträgen die Formfreiheit. Das bedeutet dass Verträge nicht unbedingt einer bestimmten Form genügen müssen. Sie müssen also nicht zwingend auf Papier geschrieben oder gar in einem bestimmten Format gespeichert bzw. dokumentiert sein.

In der Realität bei Geschäften von Firmen muss der betroffene Geschäftsführer, oder Vorstand aber im Zweifel beweisen können, dass ein Vertrag besteht bzw. bestanden hat. Daher ist es im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen üblich, Verträge immer in Papierform zu erstellen und von einem vertretungsberechtigten Mitarbeiter (z.B. Prokurist) unterschreiben zu lassen. Jede Vertragspartei bekommt anschließend eine Version des unterschrieben Vertrags ausgehändigt.

Auch aus anderen Gründen möchten Firmen im Rechtsverkehr die Schriftform einhalten: In schriftlichen Verträgen sind oft die folgenden Punkte ausführlich geregelt:

  • Verhalten, wenn eine Partei insolvent geht
  • Verhalten bei Zahlungsverzug
  • Kündigungsfristen
  • Kündigungsmodalitäten

Insbesondere die Kündigungsfristen von Verträgen sind für Unternehmen enorm wichtig. Während etwa eine Privatperson darauf dringt, möglichst schnell aus einem bestimmten Vertrag aussteigen zu können, so geben lange Kündigungsfristen in den meisten Fällen für die betroffenen Firmen eine langfristige finanzielle Planungssicherheit.

Ein Beispiel: Die Mietzeiträume für gewerbliche Immobilien sind selten unter 5 Jahren. Das rührt unter anderem daher, dass zunächst der Vermieter bei Gewerbeimmobilien hohe Einrichtungs- und Investitionskosten hat. Der Mieter selbst möchte anschließend möglichst planbar das Mietobjekt (hier etwa sein Büro) nutzen können. Für beide Parteien ist es daher wichtig, dass im Vorfeld die Kündigungsfristen und die Modalitäten bei Kündigung (Bsp.: Auszug aus einem gewerblich genutzten Büro) klar geregelt sind.

Bei einigen Vertragsarten ist nicht nur die Form vorgeschrieben, sie müssen vielmehr auch besonders beurkundet werden. Dazu gehören typischerweise Gesellschaftsverträge bei GmbHs aber auch Immobiliengeschäfte – z.B. ein Kaufvertrag über ein Bürogebäude, das von einer Firma gekauft wird.

Vertragsarten – eine Übersicht

Nachfolgend finden Sie die üblichen Vertragsarten für Firmen. Wir haben die Reihenfolge bewusst nach der Wichtigkeit für Unternehmen sortiert:

Kaufvertrag als Vertragsart nach §433 BGB

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Der Kaufvertrag ist die Mutter aller Verträge. Der Kaufvertrag ist praktisch jedem Teilnehmer im Rechtsverkehr bekannt, da ihn sprichwörtlich jeder schon einmal angewandt hat, oft ohne es zu wissen.

In einem Kaufvertrag verpflichtet sich der Verkäufer zur Übereignung der so genannten Kaufsache. Der Käufer sichert dem Verkäufer die Zahlung des vereinbarten Kaufpreises und in die Regel die Abnahme der Kaufsache zu. In den meisten Fällen wird der Käufer im Kaufvertrag zusichern, die Waren bzw. Dienstleistung frei von Mängeln zu übergeben. Sofern es sich um einen gebrauchten Gegenstand handelt, dann wird oft in Verträgen die Klausel „gekauft wie gesehen“ verwendet.

Der einfache Klassiker des Kaufvertrages ist der Kauf von Lebensmitteln im Supermarkt.

Damit ein Kaufvertrag wirksam zustande kommt, muss ein Angebot vorliegen, dass anschließend vom Käufer aktiv angenommen wird. In der Kommunikation zwischen Firmen findet das in der Regel durch die Erstellung eines schriftlichen Angebots statt. Sobald der Kunde dieses Angebot annimmt, kommt ein Kaufvertrag zustande.

Der Kaufvertrag ist als solcher in seiner Grundform formlos gültig. In aller Regel wird man aber in Firmen einen schriftlichen Kaufvertrag verfassen und diesen dokumentieren. So hat sich etwa in den meisten ERP-Systemen durchgesetzt, dass neben dem Angebot ein Lieferschein erstellt wird. Auf dem Lieferschein wird die Übergabe der Ware dokumentiert. Auf dieser Grundlage wiederum wird dem Kunden die Rechnung gestellt.

Übrigens: Die oft im Einzelhandel verwendeten Preiss oder Preis-Auszeichnungen an Waren sind formal-juristisch eine Aufforderung an den Kunden zur Abgabe eines Angebots.

Darlehensvertrag (§488)

Mit einem Darlehensvertrag wird in der Regel Geld verliehen

Das BGB regelt im § 488 die Vergabe von Krediten oder Darlehen. In einem Darlehensvertrag wird also folgendes geregelt:

  • Wie hoch ist der Auszahlungsbetrag, also die die Kreditsumme?
  • Gibt es ein Agio also einen Abschlag auf die Darlehenssumme?
  • Wie wird genau getilgt (endfällig / monatliche Tilgung)?
  • Wie hoch sind die vereinbarten Zinsen?
  • Wann erfolgen die Zinszahlungen (monatlich/quartalsweise)?

Sofern eine Partei eine Privatperson ist, dann ist laut BGB die Schriftform vorgeschrieben (§ 492 BGB). Bei Firmen ist es aber ebenso üblich, dass Darlehensverträge schriftlich dokumentiert werden. Sofern der Darlehensgeber eine Bank ist, so kommen häufig zum eigentlichen Vertrag noch weitere Dokumente hinzu. Zu diesen sind die deutschen Banken seit Basel II verpflichtet. Dazu gehören etwa Selbstauskünfte oder Bürgschaften.

Mietvertrag gem. §§ 535 ff. BGB

Der Mietvertrag nach §535 BGB regelt die Überlassung von „Mietsachen“ auf Zeit. Die Mietsache kann dabei ein Bürogebäude, eine Maschine oder auch ein Computer sein.

Im Mietvertrag wird dabei in der Regel schriftlich geregelt:

  • Was genau vermietet wird – die Mietsache
  • In welchem Zustand sich die Mietsache zu Mietbeginn und zum Mietende befinden muss (Bsp.: renovierte Wohnung)
  • Wie die Mietzahlungen zu leisten sind.
  • Wie die Kündigungsfristen des Mietvertrages geregelt sind

In Deutschland ist für die regelmäßige Zahlung der Entgelte aus einer Mietsache keine regelmäßige Rechnung des Vermieters notwendig. Der Vermieter einer Immobilie in Deutschland muss also seinem Mieter nicht jeden Monat eine Rechnung schicken. In Polen etwa ist das anders. Hier sind Vermieter verpflichtet eine monatliche Rechnung zu versenden.

Praxistipp: In unserem Beitrag im Blog von docurex.com haben wir bereits einmal beschrieben, welche Aspekte eine Firma besonders wertvoll machen: Es sind unter anderem langfristige Mietverträge, die planbare monatliche Einnahmen für die vermietende Firme bringen, gehören auf jeden Fall dazu. Daher wird ein potenzieller Käufer eines Unternehmens bei einem Unternehmensverkauf sich besonders die bestehenden Mietverträge genau anschauen, bei denen die zu kaufende Firma der Vermieter ist.

Pachtvertrag nach § 581 BGB

Beim Pachtvertrag darf der Pächter während des Gebrauchs des verpachteten Gegenstands (etwa ein Restaurant) nutzen. Er darf darüber hinaus auch die Erträge, die der Pachtgegenstand abwirft für sich behalten.

Typische Pachtverträge gibt es sehr häufig in der Gastronomie aber auch in der Landwirtschaft. So darf der Gastronom, die Gewinne aus dem verpachteten Restaurant behalten. Ebenso der Bauer, der einen Acker pachtet. Hier hat man den sprichwörtlichen Pachtertrag in Form von Getreide oder anderen Früchten, die im Herbst geerntet werden.

Wäre der Acker des Bauern vermietet gewesen, so würde juristisch gesehen dem Vermieter der Ertrag zustehen. Nur beim Pachtvertrag steht die Ernte dem Pächter zu.

Leihvertrag gem. §598 ff. BGB

Leihverträge sind ähnlich wie Mietverträge gestaltet. Mit einem Unterschied: Es wird kein Entgelt berechnet. Daher kommt diese Vertragsart bei kommerziell ausgerichteten Unternehmen eher selten vor.

Als Faustregel gilt: Leihen ist kostenlos, mieten kostet Geld.

Der Leasingvertrag

Der Leasingvertrag regelt die Rechte und Pflichten z.B. beim Leasing von Autos

Der Leasingvertrag regelt die Rechte und Pflichten z.B. beim Leasing von Autos

Im Bürgerlichen Gesetzbuch gibt es den Leasingvertrag als solchen nicht. Der Leasingvertrag ist vielmehr eine Mischung aus Kaufvertrag (§433 BGB) und Mietvertrag (§§535ff BGB)

Bei einem Leasingvertrag mietet der Leasingnehmer für eine bestimmte Zeit das Leasing-Objekt und darf es nutzen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Leasingnehmer dem Leasinggeber etwa eine monatliche Leasing-Rate zu bezahlen. Der Klassiker für einen Leasingvertrag ist bei Firmen das zeitlich begrenzte Leasen von Firmen-Fahrzeugen.

In Leasingverträgen wird häufig für das Leasing-Ende ein fester Preis für den Abverkauf des Leasing-Objekts vereinbart. Im Gegensatz zum Kaufvertrag ist der Leasingnehmer beim Leasingvertrag aber nicht zwingend verpflichtet das Leasing-Gut zu kaufen. Es handelt sich häufig um eine Option die der Leasingnehmer nutzen kann, wenn er es möchte.

Dienstvertrag nach§611 ff. BGB

Der Dienstvertrag nach §611 BGB verpflichtet die leistende Partei einen bestimmten „Dienst“ gegen ein Entgelt zu leisten. In der Regel handelt es sich bei diesem Dienst um den Faktor „Zeit“. Wenn also eine Dienstleistungs-Firma mit einem Kunden ein Zeit-Kontingent vereinbart, das flexibel vom Kunden abgerufen werden kann, so ist dies in aller Regel ein Dienstvertrag.

Wie die anderen Vertragsarten auch ist der Dienstvertrag grundsätzlich Formfrei. In der betrieblichen Realität wird er betroffene Dienstvertrag aber schriftlich verfasst werden. Schon allein um Kündigungsfristen und andere wichtige Parameter für beide Seiten planbar zu gestalten.

Im formal-juristischen unterscheidet man beim Dienstvertrag den selbstständigen und unselbstständigen Dienstvertrag. Zu ersterem gehört etwa wenn ein Anwalt für seinen Mandanten tätig wird und Stunden abrechnet. Zu den unselbstständigen Dienstverträgen gehört etwa der Arbeitsvertrag. Dazu weiter unten mehr.

Werkvertrag gem. §§ 631 ff. BGB

Im Falle eines Werkvertrags gemäß §631 BGB verpflichtet sich das Unternehmen zur Erstellung eines Gewerks. Das kann etwa ein Haus, eine Software oder eine andere abgeschlossene Sache sein – z.B. die Komposition eines individuellen Liedes.

Der wichtigste Punkt beim Werkvertrag ist, dass der Unternehmer dem Empfänger den Erfolg des Werkes schuldet. Der Auftraggeber verpflichtet sich seinerseits zur Abnahme des Werkes und natürlich wie beim Kaufvertrag zur Zahlung des vereinbarten Betrages nach Rechnungsstellung.

Das klassische Beispiel eines Werkvertrages ist der Bau einer Immobilie. Hier beauftragt der Bauherr ein Unternehmen mit der Erstellung eines Hauses. Das Bauunternehmen verpflichtet sich, die Immobilie innerhalb einer bestimmten Zeit nach definierten Vorgaben zu erstellen. Der Bauherr seinerseits verpflichtet sich, das Bauwerk abzunehmen und den vereinbarten Preis (in der Regel in einzelnen Teilabschnitten) zu bezahlen.

Auch wenn diese Vertragsart prinzipiell formfrei ist, so kommt die Formfreiheit bei Werkverträgen in der Praxis praktisch nicht vor. Insbesondere bei Summen jenseits von 500.000 € wollen beide Vertragsparteien im Vorfeld genau wissen, wann welche Leistungen abgenommen werden und wann im Gegenzug welche Teil-Erfolge bzw. Abschnitte zu bezahlen sind.

Bei Werkverträgen ist es außerdem üblich die genauen Spezifikationen des Werkes in Pflichtenheften bzw. Lastenheften genau zu definieren.

Der Arbeitsvertrag

Der Arbeitsvertrag regelt die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter und Firma

Der Arbeitsvertrag regelt die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter und Firma

Nicht explizit im BGB behandelt ist der Arbeitsvertrag. Nach herrschender, juristischer Auffassung ist der Arbeitsvertrag zwischen dem Mitarbeiter und dem Unternehmen eine Unterform des Dienstvertrags nach §611 BGB. Der Arbeitsvertrag begründet also die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers in Form von geleisteter Zeit. Für den Unternehmer bedeutet das: Ein Angestellter schuldet dem Unternehmen Zeit, nicht Erfolg.

Wichtig dabei zu wissen: Ein Arbeitsvertrag kann zunächst nur mündlich geschlossen werden. Die Wirksamkeit eines Arbeitsvertrags ist also nicht an die Einhaltung der Schriftform gebunden. Ein Arbeitsvertrag kann also prinzipiell durch Handschlag zwischen dem Arbeitgeber und dem Mitarbeiter geschlossen werden – wovon wir aber dringend abraten.

Bei Arbeitsverträgen die nicht im Vorhinein schriftlich geschlossenen werden, ist der Arbeitgeber (nicht der Mitarbeiter) allerdings verpflichtet, spätestens 1 Monat nach dem Beginn des Arbeitsverhältnisses, die wesentlichen Vertragsbedingungen zu dokumentieren und diese zu unterzeichnen. Von diesem nachdokumentierten Arbeitsvertrag erhalten dann das Unternehmen und der Mitarbeiter je eine Version ausgehändigt.

Der Gesellschaftsvertrag als Vertragsart nach §705 BGB

Wer eine GmbH gründet kommt an dieser Vertragsart nicht vorbei. Prinzipiell ist der Gesellschaftsvertrag nach §705 BGB dazu da die Parteien auf ein gemeinsames Ziel bzw. einen Zweck einzuschwören und dazu ihren Teil beizutragen. Das kann etwa bei einer GmbH die Einzahlung von Geld (Kapitaleinlage) oder das Einbringen von Zeit sein.

Der Gesellschaftsvertrag muss nicht nur zwischen zwei Parteien geschlossen werden. Er wird häufig von sehr viel mehr Vertragsparteien unterzeichnet – meistens so vielen wie es Anteilseigner etwa bei einer GmbH gibt.

Lese-Tipp: Welche Gesellschaftsform für Unternehmensgründer am besten passt haben wir im Blog von docurex bereits einmal ausführlich beschrieben.

Während der Vertrag zur Gründung einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) noch formfrei ist, so muss etwa der Vertrag zur Gründung einer GmbH vom Notar beglaubigt werden. Allein dies erfordert die Schriftform.

Praxistipp: Die Scheidungsrate unter Vertragspartner im Gesellschaftsrecht liegt bei mehr als 50%. Es empfiehlt sich hier nicht nur die Schriftform. Aus der Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Kanzleien und unzähligen Due Diligence Projekten raten wir: Lassen Sie ihre Vertragsentwürfe immer nach dem 4-Augen-Prinzip von einem Fachanwalt prüfen. Das kostet zwar zunächst Geld. Es spart Ihnen aber in den meisten Fällen für den Fall richtig Zeit und Geld, wenn die Geschäfte nicht m ehr laufen oder die Vertragspartner unterschiedlicher Meinung sind.

Denn Verträge werden in Freundschaft geschlossen. Sie sollten alles umfassen und beachten, was man nicht mehr bereden kann weil die Freundschaft beendet ist.

Der Bürgschaftsvertrag nach § 765 BGB

Der  Bürgschaftsvertrag ist eine von vier in Deutschland bekannten Vertragsarten, für einen Gläubiger Sicherheit herzustellen. Die Bürgschaft an sich ist ein Dreiecksgeschäft und kommt fast immer zusammen mit Darlehensverträgen vor.

Der Schuldner leiht sich in der Regel beim Gläubiger Geld. Dafür muss er eine Sicherheit erbringen. Sofern Eigentumsvorbehalt, Verpfändung oder Hypothek nicht ausreichen oder nicht möglich sind, kann ein Bürgschaftsvertrag dem Gläubiger die notwendige Sicherheit geben.

Im Klartext: Im ersten Schritt wird in der Regel zwischen Gläubiger und Schuldner ein Darlehensvertrag geschlossen. Im zweiten Schritt vereinbarten der Bürge und der Gläubiger einen Bürgschaftsvertrag. Dabei ist es in der Regel die Aufgabe des Schuldners einen Bürgen zu benennen oder diesen dazu zu überreden, die Bürgschaft einzugehen.

Beispiel: Im Fall eines privaten Hauskaufs, wird die Kredit-gebende Bank (Gläubiger) auf einer Hypothek auf das Haus des Schuldners bestehen. Im Fall der Verletzung des Darlehensvertrags durch den Schuldner kann die Bank das Haus verkaufen und damit die Restschuld begleichen.

Bei Darlehensverträgen von Firmen, die nicht dinglich abgesichert werden können, wir die Bank in der Regel auf einem Bürgschaftsvertrag zu einem Kredit beharren.

In der Praxis sieht das dann meist so aus: Das Unternehmen (etwa eine GmbH; hier der Schuldner) nimmt bei ihrer Bank einen Kredit auf. Im gleichen Zug wird einer oder mehrere Eigentümer der GmbH eine Bürgschaft für diesen Kredit abgeben müssen.

Im Fall der 1-Mann GmbH, d.h. wenn Eigentümer und Geschäftsführer die gleichen Personen sind, schließt also der Geschäftsführer für die GmbH  den Darlehensvertrag mit der Bank. Der geschäftsführende Gesellschafter unterschreibt als Privatperson mit der Bank einen Bürgschaftsvertrag. Damit wird in der Realität oft die Risiko-Minimierung einer GmbH über das Eigenkapital umgangen und im Falle einer Verletzung des Darlehensvertrags durch die GmbH (bspw. im Falle einer Insolvenz) doch das Privatvermögen des Eigentümers angegriffen.

Tipp: Im docurex Datenraum können Sie das Modul „Contract Analyzer“ hinzu buchen. Damit analysieren Sie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz alle hochgeladenen Vertragsarten auf Merkmale, auf die es bei einem Unternehmenskauf ankommt.

Sachdarlehensvertrag nach § 607 BGB

Ein Sachdarlehensvertrag ist vom Prinzip wie ein Darlehensbetrag zu sehen. Hier wird eine Sache an den Vertragsnehmer übergeben. Im Gegensatz zum Darlehensvertrag verpflichtet sich der Vertragsnehmer aber die Sache in gleicher Menge, Güte und Art zum vereinbarten Zeitpunkt zurück zugeben. Er ist nicht verpflichtet exakt die identische Sache zurück zu geben sondern nur eine gleichartige Sache.

Beispiele wären etwa ein Sachdarlehensvertrag über 10 Tonnen Getreide an einen Bäcker, der das Getreide mahlen lässt und anschließend zu Brot verarbeitet. Das in Anspruch genommene Getreide kann der Bäcker bzw. der Müller natürlich nicht zurückgeben. Er kenn lediglich einen adäquaten Ersatz besorgen.

In Sachdarlehensverträgen kann ein Darlehensentgelt vereinbart werden, es muss aber nicht. Unter Firmen findet der Sachdarlehensvertrag eher selten Anwendung.

Tauschvertrag gem. § 480 BGB

Beim Tauschvertrag nach § 480 BGB tauschen die Vertragsparteien zwei in der Regel gleichwerte Sachen. Das können Maschinen oder Vermögenswerte sein. Im realen Miteinander von Unternehmen kommt der Tauschvertrag aber eher sollten vor.

Schenkungsvertrag (§§ 516 ff. BGB)

Zu den weniger relevanten Vertragsarten zählt noch der Schenkungsvertrag gem. § 516 BGB. Auch wenn hier eine Sache oder ein Vermögenswert unentgeltlich hergegeben wird, so handelt es sich streng genommen um einen Vertrag.

Fragen und Antworten zu Verträgen und Vertragsarten

Gilt das Widerrufsrecht auch für Kaufleute?

Kurz gesagt: nein. Wer als (Voll-)Kaufmann einen verbindlichen Vertrag schließt, kann ihn nicht einfach widerrufen oder stornieren. Das Widerrufsrecht gilt nur für Privatleute. Für Kaufleute gilt es nicht. Quelle: https://www.frag-einen-anwalt.de/Zustandegekommener-Kaufvertrag-zwischen-Kaufleuten–f5516.html

Kann man Verträge durch Handschlag begründen?

Kaufleute können Verträge per Handschlag fassen

Kaufleute können Verträge per Handschlag fassen

Ja – Kaufleute können bei gleich lautenden Willenserklärungen einen gültigen Vertrag eingehen. Der Handschlag ist dabei eher symbolischer Natur. – In der Realität ist es aber schwierig den Vertrags-Kontext (Inhalt, Umfang, Betrag etc.) nachtäglich zu beweisen. Daher empfehlen wir Verträge unbedingt schriftlich fest zu halten.

Weitere Lese-Tipps aus dem Blog von docurex.com

 

Was ist ein Debitor? Debitorenbuchhaltung innerhalb eines Unternehmens.

Was ist ein Debitor?

Debitor ist ein Begriff aus dem Rechnungswesen, der aus dem lateinischen Wort „debere“ für „schulden“ bzw. „debit“ für „Schuld“ abgeleitet wurde. Der Debitor ist ein grundlegend wichtiger Begriff für die Datenraumbuchhaltung, weil der Debitor im Bereich der Finanzbuchhaltung eines Unternehmens eine der Hauptrollen einnimmt.

Debitorenbuchhaltung – was sich dahinter verbirgt

Personen im MeetingEinen Hinweis auf die Bedeutung vom Debitor für das Unternehmen gibt die Bezeichnung Debitorenbuchhaltung. Die Buchhaltung rund um den Debitor ist die Sektion der Finanzbuchhaltung eines Unternehmens. Diese befasst sich mit der Verbuchung der Lieferungen und Leistungen des Unternehmens. Es geht um Dokumentation und kaufmännische Verwaltung der Unternehmensforderungen. Letztlich auch um Realisierung der offenen Posten, wenn der Debitor die Lieferung/Leistung noch nicht vergütet hat. Kurzum: Die Debitorenbuchhaltung ist der Teil der Finanzbuchhaltung, in der alle laufenden Geschäftsvorfälle bearbeitet werden. Also solche, die die Beziehung des Unternehmens zu seinen Kunden betreffen. Bis hin zur Durchführung von Lastschriften und Regulierung des Mahnwesens, dieser spezielle Teil der Debitorenbuchhaltung ist auch als Forderungsmanagement bekannt.

Jeder Kunde, an den ein Unternehmen eine Lieferung oder Leistung erbracht hat, ist buchhalterisch so lange ein Debitor, wie er noch Schuldner des Unternehmens ist. Zum Schuldner des Unternehmens wird er durch Erhalt einer Rechnung über eine Lieferung oder Leistung des entsprechenden Unternehmens, er bleibt Schuldner = Debitor, bis diese Rechnung bezahlt ist. Ganz praktisch gesehen, spielt die Debitorenbuchhaltung deshalb eine so wesentliche Rolle für jedes Unternehmen, weil mit ihr die offenen Außenstände beobachtet und möglichst kontrolliert werden.

Der Debitor: ein Beispiel

Im konkreten Leben gestaltet sich diese Beziehung z. B. in folgender Form: Das Unternehmen „KreaVino“ liefert dem Kunden „Debi-Beratung“ 3 Kartons vom Spitzenwein „Buchhalters Choice“. Mit im Karton oder extra mit der Post geht dem Kunden „Debi-Beratung“ die Rechnung über diese Lieferung zu. Bis die Rechnung beglichen wurde, ist Auftraggeber/Kunde „Debi-Beratung“ in der Bilanz als Debitor zu führen. Sein Auftragnehmer/Lieferant „KreaVino“ ist zugleich sein Kreditor (weil er – wie eine Bank bei einem Kredit – von „Debi-Beratung“ eine Zahlung fordern darf, eben die Bezahlung der Rechnung).

Welche Ansprüche gegen den Debitor ergeben sich?

Die Ansprüche gegen den Debitor sind nicht immer nur Forderungen von Warenlieferanten. Sondern die Bilanzposition des § 266 Abs. 2 B II Nr. 1 HGB (Gliederung der Bilanz), die diese Forderungen gegen andere Forderungen abgrenzt, betrifft auch alle Forderungen aus Leistungen. Sie umfasst also auch das gesamte große Feld der Dienstleistungen eines Unternehmens/Auftragnehmers für seine Kunden/Auftraggeber.

Diese Abgrenzung in einer speziellen Bilanzposition dient der Bilanzklarheit: Ein sachkundiger Dritter soll sich mit geringem Aufwand ein Bild über diese Forderungen des Unternehmens verschaffen können; auch über deren Anteil an den gesamten Forderungen, die einem Unternehmen zustehen. Die Abgrenzung rechtfertigt sich zudem dadurch, dass für die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Regel ähnliche Zahlungsziele gelten. Bei den in § 266 Abs. 2 B II Nr. 2 und 3 HGB gelisteten Forderungen (Forderungen gegen verbundene Unternehmen bzw. Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht) sind sehr individuelle Vereinbarungen üblich.

Ein Debitor kann eine natürliche Person sein (Hausfrau X bestellt Backzutaten), ein Unternehmen (Bauunternehmer Y bestellt Ziegel beim Baustoffhändler) oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts (die Senatsverwaltung Z bestellt Büromöbel).

Vom Käufer zum Debitor

Abschluss eines VertragsWenn das Unternehmen nicht auf Rechnung liefert, sondern der Auftraggeber die Ware oder Dienstleistungen sofort nach Aushändigung bzw. Erbringung bezahlt, entsteht bei diesem Bargeschäft keine Beziehung zwischen Debitor und Kreditor. Beziehungsweise, sie entsteht nicht, wenn alles gut geht. Wenn der Kunde beim Bezahlen verschämt im Portemonnaie kramt, sowie um Anschreiben bittet und das Unternehmen trotzdem gestattet, dass er die Ware im Einkaufskorb mitnimmt, wird dieser Kunde dadurch zum Debitor dieses Unternehmens. Wenn der Kunde die sofort bezahlte Ware zu Recht reklamiert hat und das Unternehmen ihm der Kaufpreis zurückerstatten muss, gilt das Unternehmen als Debitor des Kunden, wenn es ihm nicht sofort das Geld aushändigt.

Auch außerhalb des Bargeschäfts kommen Situationen vor, in dem ein Unternehmen seinem Kunden und Debitor Geld schuldet – das ist beispielsweise bei allen Fällen gegeben, wenn der Kunde/Debitor wegen beschädigter, minderwertiger, nicht vollzähliger Ware eine Rückzahlung verlangen kann. Da es maximal begriffsverwirrend wäre, den Kunden während dieser Zeit der Hin- und Her-Überweisung bzw. Verrechnung der von ihm geschuldeten Summe gegen die Rückzahlung als (teilweisen) Kreditor zu bezeichnen, hat sich für diese Kunden die Bezeichnung kreditorischer Debitor ausgebildet.

Einbuchung und Ausbuchung von Schulden

Die Einbuchung und Ausbuchung der Schulden vom Debitor erfolgt nach besonderen Bilanzierungsregeln, die der Gewinn- und Ertragslage Rechnung tragen, in der sich ein Unternehmen mit Beziehung zu einem Debitor befindet: Die offenen Forderungen sind zwar Einnahmen des Unternehmens, können aber wegen des Gebots der Bilanzklarheit noch nicht bei den Einnahmen verbucht werden, bis sie tatsächlich bezahlt sind. Da dieses „bereits verdiente Geld“ aber in der Bilanz irgendwie abgebildet werden muss, enthält das Handelsgesetzbuch Regelungen, wie mit diesen offenen Forderungen bilanztechnisch zu verfahren ist. Sie müssen ab einem bestimmten Zeitpunkt unter der Bilanzposition (offene) „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ gebucht werden. Zu einem anderen genau geregelten Zeitpunkt aus dieser Bilanzposition müssen diese wieder ausgebucht werden, um den Umsatzerlösen zugeschlagen zu werden.

Der Zeitpunkt der bilanzwirksamen Aktivierung der offenen Forderungen aus Warenlieferungen ist für den Lieferanten/Unternehmer in dem Moment gekommen, wenn die Preisgefahr auf den Käufer/Debitor übergegangen ist. Denn ab Übergang der Preisgefahr trägt der Käufer das Risiko des Untergangs oder der Verschlechterung der Sache, selbst wenn diese zufällig bzw. durch höhere Gewalt geschieht. Die Preisgefahr geht nach § 446 BGB grundsätzlich mit der Übergabe auf den Käufer/Debitor über. Für den Versendungskauf gilt die Spezialregel des § 447 Abs. 1 BGB, nach dem die Preisgefahr bereits mit Aushändigung der Ware an den Transportunternehmer auf den Debitor übergeht.

Geht es um Forderungen aus (Dienst-)Leistungen, darf man diese unter der Bilanzposition (offene) Forderungen aus (Lieferungen und) Leistungen verbuchen. Allerdings erst, sobald man die vertraglich geschuldete Leistung erbracht hat. Darüber hinaus gilt es, die Abrechnung zu erstellen. Die Ausbuchung aus der Bilanzposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ erfolgt mit vollständiger Bezahlung der Forderung. Bleibt diese Bezahlung ganz oder teilweise aus, wird eine Ausbuchung fällig, die durch Wertberichtigung bzw. Abschreibung auf Forderungen erfolgt.

Das Debitorenrisiko

Münzen auf einem Haufen.Der letzte Satz deutet es schon an: Eng mit dieser Bilanzposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ ist der Begriff „Debitorenrisiko“ verbunden. Denn die Bilanzposition „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ gibt nur theoretisch Auskunft darüber, wie viele Debitor-Forderungen den eigenen Verbindlichkeiten, also offenen Rechnungen des Unternehmens gegenüberstehen – es handelt sich um eine Abbildung des Geschäftserfolges, die auf der Hoffnung einer guten Zahlungsmoral des Kunden basiert. Jedes Unternehmen, das nicht auf sofortige Barzahlung des Käufers oder auf Vorauskasse besteht, unterliegt diesem Debitorenrisiko. Denn es ist möglich, dass der Kunde nicht zahlt, die Buchung auf das Konto „offene Forderungen“ ist nur eine Art Zwischenbuchung, die nach Zahlungseingang in eine Buchung als Umsatzerlös mündet.

Verneint der Kunde die Zahlung, muss man die offene Position in Höhe der Ausfallwahrscheinlichkeit auf das Konto „zweifelhafte Forderungen“ umbuchen. Bleibt der Debitor die Zahlung sicher schuldig (und bestehen wenig Aussichten, durch ein Gerichtsverfahren zur Zahlung zu kommen), muss man die oben erwähnte Wertberichtigung oder gar eine Abschreibung verbuchen, die zu einer Kürzung des Unternehmensgewinns führt. Deshalb sind in der Praxis die Prüfung der Bonität der Debitoren, die Fälligkeitsüberwachung und das Mahnwesen mitunter die wichtigsten Teile der Debitorenbuchhaltung.

Front einer Bank

Was ist ein Kreditor?

Der Kreditor ist Gläubiger des Unternehmens – Bilanz und Warenwirtschaft

Partner, die Hände schüttelnDer Kreditor gewährt Kredite und gilt somit als Gläubiger eines Unternehmens. Das Unternehmen schuldet einer Person oder einer Institution Geld, die im Rechnungswesen als Kreditor bezeichnet wird. Bei der Bilanzerstellung nach HGB sind die Kreditoren eines Unternehmens in einer eigenen Bilanzposition zu erfassen. Umgangssprachlich ist der Kreditor meist ein Lieferant des Unternehmens.

Im Datenraum von ERP- und Warenwirtschaftssystemen sind der Kreditor und sein Gegenspieler, der Debitor, häufig anzutreffen. Kreditoren und Debitoren sind natürliche Personen, Unternehmen oder juristische Personen des öffentlichen Rechts. In der Buchhaltung bezeichnet der Kreditor einen Gläubiger und der Debitor einen Schuldner des Unternehmens. Kreditor ist etwa der Lieferant, der dem Unternehmer Waren mit Zahlungsziel verkauft. Solange die Rechnung nicht bezahlt ist, handelt es sich bei dem Lieferanten buchhalterisch um einen Kreditor des Unternehmens – denn man schuldet ihm Geld.

Kreditoren des Unternehmens

In seiner betriebswirtschaftlichen Definition ist der Kreditor eine Person oder eine Institution, die Kredite an Kreditnehmer vergibt. Seinen Namen leitet der Kreditor vom lateinischen Wort „credere“ ab, das mit „glauben“ oder „anvertrauen“ übersetzt werden kann. Der Kreditor vertraut jemandem Geld oder Güter (Waren und Dienstleistungen) an. Zu den typischen Kreditoren eines Unternehmens gehören Lieferanten, kreditgebende Banken, der Steuerberater, der Vermieter, aber auch der Staat und das Finanzamt können als Kreditoren auftreten. Wenn beispielsweise Lohnsteuern der Mitarbeiter abgeführt werden müssen oder die Umsatzsteuerlast zu zahlen ist, tauchen Staat und Finanzamt als Kreditoren in der Unternehmensbuchhaltung auf. Der Gläubiger (Kreditor des Unternehmens) führt seinerseits das schuldende Unternehmen als Debitor in seiner Buchhaltung.

Der Kreditor im Rechnungswesen

Während der Kreditor im deutschen Rechnungswesen ein Gläubiger von Forderungen aus Lieferungen aus Leistungen ist, bezeichnet der Komplementärbegriff des Debitors den Schuldner von Forderungen. Der Kreditor übernimmt als Lieferant oder Dienstleister die Risiken eines Kreditgebers. Die Ansprüche des Kreditors ergeben sich aus den Verbindlichkeiten seines Abnehmers aus Lieferungen und Leistungen, wobei es sich in der Regel um Warenlieferungen oder Dienstleistungen handelt.

Risiko der Kreditoren

Das Risiko des Gläubigers ist, dass seine überlassenen Lieferungen und Leistungen nicht oder nicht vollständig bezahlt werden. Dem Kreditor steht der Rechtsweg offen (z.B. über das gerichtliche Mahnverfahren), solange sein Debitor nicht insolvent ist. Der Lieferant verwaltet dieses Ausfallrisiko in seiner Debitorenbuchhaltung. In der Debitorenbuchhaltung ist ein Debitor ein Kunde oder eine andere Person, die dem Unternehmen kurz- oder längerfristig Geld schuldet. Den Debitoren des Lieferanten können Kreditorenlimits eingeräumt werden. Ist das Limit überschritten, findet keine Lieferung von weiteren Waren an den Debitor statt. Erst nach einer Teilzahlung kann wieder bis zum Kreditorenlimit auf Ziel gekauft werden.

Kundenindividuelles Kreditlimit

Der Kreditor kann die Risiken kundenindividuell abwägen. Sie ziehen dazu häufig Bankauskünfte, Jahresabschlüsse oder Büroauskünfte hinzu. Viele Warenwirtschaftssysteme ermöglichen die Anlage von kundenindividuellen Kreditorenlimits. Eine weitere Möglichkeit ist die Lieferung gegen Eigentumsvorbehalt, um im Falle der Insolvenz oder Nichtzahlung die Gegenstände aus dem Besitz des Debitors zurückzuholen. Der Eigentumsvorbehalt ist somit eine originäre Kreditsicherheit des Gläubigers.

Bilanzanalyse und Kreditorenziel

Taschenrechner und GeldscheineDie Überwachung und Verbuchung von Lieferantenverbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erfolgt in der Kreditorenbuchhaltung des Unternehmens. Darüber hinaus übernimmt die Kreditorenbuchhaltung zudem die Fälligkeitsüberwachung der Lieferantenverbindlichkeiten. Fällig ist die Kreditorenverbindlichkeit mit dem Erreichen des Kreditorenziels. In der Bilanzanalyse ist das Kreditorenziel eine betriebswirtschaftliche Kennzahl für die Umschlaggeschwindigkeit der Kreditoren. Die Kennzahl drückt aus, wie schnell Verbindlichkeiten bezahlt werden. Sie spiegelt somit die Zahlungsmoral eines Unternehmens wider.

Berechnung des Kreditorenziels:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen x 360 / Aufwendungen für Roh-Hilfs- und Betriebsstoffe pro Jahr.
  • In die Berechnungen der Aufwendungen gehen alle im Produktionsprozess verbrauchten Materialien sowie die beanspruchten Fremdleistungen ein.

Interpretation des Kreditorenziels

Kurze Kreditorenlaufzeiten (schnelle Zahlung von Kreditorenverbindlichkeiten) werden bei der Bilanzanalyse als gute Liquidität gewertet. Lange Kreditorenlaufzeiten lassen lange Zahlungsziele, eine große Verhandlungsmacht oder schlechtes Kreditorenmanagement vermuten. Unternehmen mit großer Verhandlungsstärke können häufig lange Kreditorenziele erwirken. So können etwa große Einzelhandelsketten mit ihren Lieferanten ein Zahlungsziel von bis zu 90 Tagen vereinbaren.

Kreditoren in der Bilanz

Bei einem Jahresabschluss nach Handelsgesetzbuch (HGB) sind die Kreditoren den „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ zugeordnet. Der Gesetzgeber hat zur Abgrenzung der Kreditorenposten mit § 266 Abs. 3 C 4 HGB diese neue Bilanzposition geschaffen. Die Debitoren (Schuldner) des Unternehmens werden der Bilanzposition der „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ zugewiesen. Das Handelsgesetz möchte mit dieser gesonderten Auflistung und Trennung der Debitoren und Kreditoren die Bilanzklarheit verbessern. Die Bilanzen von Unternehmen sowie Branchen sollen lesbar und vergleichbar sein. Denn der Gesetzgeber wünscht, dass sich ein sachkundiger Dritter ein Bild über den Anteil der Kreditorenverbindlichkeiten an den Gesamtverbindlichkeiten machen kann. Handelsrechtlich gehören die aufgelisteten Forderungen der Debitoren zum Umlaufvermögen des Unternehmens.

Saldierungsverbot in der Bilanz

Debitorische KreditorenbuchungenIm Jahresabschluss gilt das Saldierungsverbot. Kreditoren, deren Forderungen vom Unternehmen überzahlt wurden, werden als debitorische Kreditoren bezeichnet. Eventuelle Überzahlungen des Unternehmens an den Kreditor dürfen in der Bilanz des Unternehmens nicht schuldenmindernd in die Bilanzposition „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ eingehen. Deshalb werden debitorische Kreditorenbuchungen im Rahmen der Jahresabschlussbuchungen als „sonstige Vermögensgegenstände“ (sonstige Forderungen) umgegliedert und als Guthaben ausgewiesen.

Was ist EBITDA?

Was ist EBITDA?

Um den Erfolg des eigenen Unternehmens zu vergleichen und zu beurteilen, reichen Gewinn oder Jahresüberschuss nicht aus, obgleich es sich hierbei um aussagekräftige, betriebswirtschaftliche Kennziffern handelt. Es gibt Faktoren, die sich auf den Gewinn Ihres Betriebes auswirken, die außerhalb Ihres Einflussbereiches stehen. Ökonomen nutzen bei der vergleichenden Beurteilung des Erfolgs von unternehmerischen Aktivitäten zunehmend andere Kennzahlen, unter anderem das EBITDA. Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen möchten, gehört das EBITDA zu den Unterlagen im geschützten Datenraum, die ein potenzieller Interessent einsehen möchte.

EBITDA per Definition

Beim Begriff EBITDA handelt es sich um ein Akronym aus dem Englischen, das sich aus folgenden Wörtern zusammensetzt:

E – earnings
B – before
I – interest
T – tax
D – depreciation
A – amortization

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff demnach das Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen auf Sachwerte und nicht greifbare (immaterielle) Vermögensteile. Als betriebswirtschaftliche Kennziffer stellt das EBITDA das Resultat der reinen Aktivität eines Unternehmens dar. Ausgeklammert werden Erträge und Kosten durch Zinsen sowie sämtliche Abschreibungen.

Für wen ist das EBITDA wichtig?

Zunächst können Sie als Unternehmer wertvolle Schlüsse aus dem EBITDA bei der Steuerung Ihrer Firma ziehen. Ebenso aussagekräftig ist die Kennziffer für die Bewertung durch externe Organisationen und Institutionen wie Banken bei der Bewilligung eines Unternehmenskredits. Banken erkennen am EBITDA die Wirtschaftlichkeit einer Firma vor der Kreditvergabe. Einigen Unternehmern hilft die Kennzahl bei der Festsetzung von Gehältern für Mitarbeiter in Führungspositionen. Der Vorteil von EBITDA ist auf einen Nenner zu bringen: Der Wert vermittelt einen Eindruck von der Rentabilität der reinen Betriebsaktivität, weil Posten ohne direkte Relevanz außer Acht bleiben. Nicht relevante Positionen sind:

Zinsen seitens Ertrag und Kosten

Wenn Sie als Unternehmer an anderen Firmen finanziell beteiligt sind, haben die daraus resultierenden Zinserträge nichts mit den Aktivitäten Ihres Betriebs zu tun. Gleiches gilt für die Zinsen als Kosten bei laufenden Krediten. Beides fällt unter die Strategie des Unternehmens und ist für das EBITDA bedeutungslos.

Steuern

Ob Sie viel oder wenig Steuern in Ihrem Unternehmen entrichten, sagt ebenso wenig über dessen Rentabilität aus. Die Höhe der anfallenden Steuern ist von vielen Faktoren und äußeren Umständen abhängig.

Abschreibungen

Sie wollen oder müssen in Ihr Unternehmen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erworbene Sachanlagen (also Investitionen) sowie nicht greifbare Güter schreiben Sie selbstverständlich ab. Es handelt sich dabei um unternehmerische Prozesse ohne Aussagekraft bezüglich der Rentabilität.

Wer sich über die betriebliche Verfassung Ihres Unternehmens informieren will, muss daher das EBITDA als objektiven Hinweis betrachten. Da jedoch Abschreibungen ausgeklammert sind, gibt die Kennzahl keine Auskunft über den zukünftigen Gesamterfolg Ihrer Firma. Unternehmerische Ausgaben beinhalten auch permanent Abschreibungen, aus zwei wichtigen Gründen. Bereits erworbene Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen verlieren an Wert ebenso wie an Zuverlässigkeit. Neuanschaffungen müssen ebendiese ersetzen. Das wirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens ist ständigen Veränderungen unterworfen, auf die Sie als Unternehmer reagieren müssen, um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen.

Hinweise zum EBITDA

Im Handelsrecht der BRD wird der Begriff EBITDA nicht angewandt, lediglich im Steuerrecht. Beim bisher beschriebenen EBITDA handelt es sich um eine vollständig reine Kennziffer. Zudem gibt es eine bereinigte (adjusted) Variante. Bei dieser rechnet man Erträge und Kosten mit außerordentlicher Bedeutung aus dem Ergebnis eines Unternehmens heraus. Aufwendungen, die in direktem Zusammenhang mit der Firmenaktivität stehen, bleiben jedoch in der Berechnung. Dazu zählen beispielsweise Abschreibungen für unternehmerisch genutzte Anlagen und Maschinen. Welche außergewöhnlichen Positionen zu diesen Erträgen und Kosten zählen, ist allerdings nicht exakt definiert. Im direkten Vergleich von Unternehmen fehlt es dem bereinigten EBITDA daher an Aussagekraft.

In Bezug auf den Gesamterfolg eines Unternehmens wurde das EBITDA in den vergangenen Jahren eher kritisch betrachtet, weil es eben nur begrenzt aussagefähig ist. Die Kritik ist begründet und das ist einzelnen großen Konzernen geschuldet. Diese versuchten, mit EBITDA-Kennziffern ihre finanzielle Lage zu verschleiern, weil Verluste davon nicht erfasst werden. Unter dem EBITDA-Deckmantel wird aber auch versucht, Firmenergebnisse optimaler darzustellen als sie sind. Ungeachtet dieser Einzelfälle ist die Kennziffer bei objektiver Erarbeitung recht aufschlussreich.

Wie Sie das EBITDA Ihres Unternehmens berechnen

Für die Berechnung benötigen Sie den Jahresüberschuss, der in Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder Gewinn-/Verlustrechnung zu finden ist. Eine Addition der Aufwendungen findet seitens Steuern und Zinsen statt. Subtrahieren müssen Sie Erträge bezüglich Steuern und Zinsen. Abschreibungen werden einerseits addiert, Zuschreibungen andererseits abgezogen. Im Ergebnis erhalten Sie das reine EBITDA. Zur Berechnung vom bereinigten EBITDA addieren Sie außergewöhnliche Aufwendungen und ziehen außerordentliche Erträge ab.

Wenn Sie wissen möchten, wie wirtschaftlich Ihr Unternehmen in der Praxis arbeitet, berechnen Sie im Idealfall die EBITDA-Marge gemäß nachfolgender Erklärung. Diese Marge vermittelt Ihnen ein sehr realistisches Bild von den betrieblichen Geschäftsabläufen. Sie ist wesentlich aussagefähiger als die klassische Methode, bei der man das Verhältnis zwischen Überschuss und Umsatz ermittelt. Mithilfe dieser kleinen Rechnung stellen Sie die Relation von der Kennziffer zum gesamten Umsatz dar, indem Sie die Kennzahl durch den Umsatz teilen und mit 100 multiplizieren, erhalten Sie die EBITDA-Marge.

Bei der Berechnung wird der komplette Umsatz eines Jahres verwendet, je höher die Kennziffer im Verhältnis zum Umsatz liegt, desto größer ist die EBITDA-Marge. Eine hohe Marge bedeutet auch, dass vergleichsweise geringe Kosten zu berücksichtigen sind. Sie erkennen an der Marge Ihrer Firma, ob Sie betriebliche Kosten wirksam senken können. Dazu ein praktisches Beispiel:

  • Sie erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro.
  • Das EBITDA beträgt nach Abzug aller direkt damit verbundener Kosten 225.000 Euro.
  • Die Kennziffer durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert, ergibt eine EBITDA-Marge von 15 Prozent.

Anleitung zur Berechnung der reinen Kennziffer

Zur vereinfachten Darstellung geht man davon aus, dass im Unternehmen des nachfolgenden Beispiels keine Erträge seitens Zinsen und Steuern anfallen. Der Jahresüberschuss beträgt eine Million Euro. Zu dieser Million Euro müssen die Positionen 250.000 Euro für Steueraufwand und 200.000 Euro für aufgewendete Kreditzinsen sowie 800.000 Euro für Abschreibungen addiert werden. Die reine Kennziffer lautet somit 2.250.000 Euro. Hat das Unternehmen außerordentliche Erträge von 100.000 Euro zu verzeichnen, werden diese vom EBITDA subtrahiert, um die bereinigte Kennzahl 2.150.000 Euro zu erhalten. Den Erfolg Ihres Unternehmens bewerten Sie idealerweise mit der Kennziffer EBITDA, welche sich auch für den Vergleich mit Mitbewerbern eignet.

Was ist ein Management-Buyout?

Was ist ein Management Buyout

Unter einem Buy-Out versteht man in der wörtlichen Übersetzung einen Aus-Kauf. Dieser Begriff ist für diese Art von Transaktion, auch wenn sie sich digital im Datenraum abspielt, absolut zutreffend. Denn mit einem Buy-Out erwirbt ein Unternehmen, eine Person oder eine Gruppe Anteile eines Unternehmens mit dem Ziel, dieses zu übernehmen. Vor allem Im Bereich des Managements und in der Wirtschaft ist der Begriff des Buy-Outs sehr geläufig.

Arten des Buy-Out

Beim Buy-Out unterscheidet man grundsätzlich in zwei Kategorien. Diese sind zum einen der Management Buyout und zum anderen der Employee Buyout.

Employee Buyout

Management BuyoutBeim dieser Art der Übernahme werden die Anteile des Unternehmens von der Belegschaft erworben. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens gleichzeitig die Gesellschafter bzw. Aktionäre sind. Für das Unternehmen kann dies durchaus positive Impulse setzen, da die Mitarbeiter letztendlich für den Erfolg des Unternehmens und ihres eigenen Erfolgs selbst verantwortlich sind.

Management Buyout

Im Gegensatz zu der ersten erläuterten Variante des Buyout werden beim Management Buyout die Anteile des Unternehmens durch das Management erworben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hier nur um einen oder mehrere Manager des Unternehmens handelt. Wichtig ist nur, dass sie Manager des Unternehmens sind, welches übernommen werden soll.

Übernahmezeitpunkt und Finanzierung

Ein Management Buyout ist dann abgeschlossen bzw. gegeben, wenn ein Anteil von mindestens zehn Prozent aller Unternehmensanteile erworben worden sind. Allerdings ist dann eine vollständige Übernahme im Rahmen des Management Buyout noch nicht realisiert. Denn um die Übernahme komplett zu gestalten, muss die Anteilsmehrheit bei besagter Person oder Personengruppe vorliegen.

Sie stellen sich sicherlich die Frage, woher das Geld für einen Management Buyout stammt. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass diese Geschäfte größtenteils fremdfinanziert sind, also mit Hilfe von Darlehen absolviert werden. Lediglich ein kleiner Teil des Finanzvolumens dieser Transaktionen ist aus den persönlichen Besitzverhältnissen der Investoren.

Das benötigte restliche Kapital stammt dann entweder von den Banken im Rahmen einer klassischen Fremdfinanzierung oder sogenannten Venture-Capital-Gebern. Hierbei handelt es sich um Personen oder Gesellschaften, die sich von der Übernahme ebenfalls positive Auswirkungen erhoffen und durch ihre Einlage den Eigenkapitalanteil an der Finanzierung erhöhen.

Buy-Out – was steckt dahinter

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass eine Vielzahl an Gründen gibt, warum sich Unternehmer und Unternehmensinhaber dazu entschließen, das eigene Unternehmen  dem Management zu verkaufen bzw. es diesem im Rahmen des Management Buyout zum Kauf anbieten.

Die typischen Fälle hier sind, dass der Eigentümer sich zur Ruhe setzen oder einfach nur zurückziehen möchte. In diesem Beispiel ist es sogar sinnvoll, das Unternehmen in die Hände des Managements zu übergeben. Denn ein langjähriges Management kennt die Firma sehr gut, weiß um Stärken und Schwächen, kann auf einen Kundenstamm zugreifen und hat somit sehr gute Chancen, mit dem Unternehmen weiter am Markt vertreten und erfolgreich zu sein.

Nach dem Motto neue Besen kehren gut können Krisen abgewendet, abgeschwächt, umgangen und vermieden werden. Des Weiteren bleiben Angelegenheiten des Unternehmens in den eigenen vier Wänden. Bei einer externen Übernahme können wertvolle Informationen auch an Außenstehende getragen werden.

Vorteile die durch ein Management Buyout erzielt werden können

Gerade im Bereich der Unternehmensnachfolgen ist das Management Buyout ein sehr bewährtes Verfahren. Die bekannte Firma bleibt im Kern erhalten, die Nachfolger setzen sich quasi in ein gemachtes Netz und können von den Erfahrungen, dem Ruf des Unternehmens und dem vorhandenen Kundenstamm profitieren.

Eine Umfirmierung, Namensänderung oder gar Neugründung hat gerade hier extreme Schwierigkeiten zu meistern, denn man ist neu und muss sich erst mal ins Gespräch bringen, die Leute von sich, den Leistungen und der Qualität überzeugen.

Handelt es sich um ein Unternehmen, das an der Börse notiert ist, so dient das Buyout dazu, das Unternehmen an sich wieder zu privatisieren. Das ist vor allem dazu gut, das Unternehmen unabhängig von der Börse und dem Kurswert neu auszurichten und die Unternehmensentwicklung voran zu treiben.

Übernahme ohne Erben

Aber auch wenn keine Erben da sind, die das Unternehmen übernehmen und weiterführen wollen und können, liegt es oft im Interesse der Eigentümer, ihr „Schätzchen“ in vertrauensvolle Hände zu geben. Das ist beim Management Buyout der Fall. Die potenziellen Nachfolger sind seit langem im Unternehmen präsent, haben Einblick in alle Belange des Unternehmens, wissen um Stärken und Schwächen. Sie sind somit in der Lage, das Unternehmen 1:1 zu übernehmen und weiterzuführen.

Gleichzeitig eröffnen sich mit einer solchen Übernahme auch Entwicklungsmöglichkeiten. Alteigentümer geben ihre Unternehmen gerne in die Hände ihrer Geschäftsführung bzw. Managements, da man die Leute kennt, ihnen vertraut und auch einschätzen kann, welche Qualifikationen sie haben und ob das Unternehmen in ihrem Sinne kaufmännisch geschickt weitergeführt wird.

Des Weiteren müssen die Eigentümer nicht alle Geschäftsunterlagen anderen Interessenten, die von außen in das Unternehmen eindringen möchten, zur Verfügung stellen. Diese Interessenten könnten beispielsweise Mitbewerber am Markt sein und somit die vertraulichen Informationen missbräuchlich aus Sicht der Unternehmer zu eigenen Zwecken verwenden.

Lese-Tipp: Welche Dokumente Sie als Unternehmensverkäufer im Rahmen einer Due Diligence bereit stellen sollten.

Management Buyout als Rettung

Auch in schlechten Zeiten ist das Management Buyout eine bewährte Verfahrensform. Interne Manager sind in der Regel deutlich besser dazu geeignet, die wirtschaftliche Situation zu beurteilen als externe Investoren oder Sanierer.

Aufgrund dieses Wissens sind eigene Kräfte auch eher in der Lage und willig, die Herausforderung anzunehmen und das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen und dann weiter zu führen. Nur nicht mehr als Manager, sondern als Inhaber.

Nachteile der Unternehmensübernahme

Unternehmensnachfolge WertermittlungWenn Sie aus dem Management wechseln und Inhaber eines Unternehmens werden möchten, so sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass Sie sich dieser neuen Situation anpassen müssen. Vor allem mental kann das eine echte Herausforderung bedeuten.

Für den Verkäufer sind aber auch Nachteile gegeben. Es kann durchaus sein, dass das Managements aus verschiedenen Gründen einen Wissensvorsprung gegenüber dem bisherigen Inhaber hat. Das liegt in erster Linie daran, dass sich das Management von Natur aus mehr mit dem Datenraum und den hier hinterlegten Informationen befasst und auch befassen muss als der Inhaber.

So kann es sein, dass der Kaufpreis durch den potenziellen Käufer (Manager) durch verschiedene Arten beeinflusst wird. Beispiel hierfür ist etwa die Abgabe einer schlechteren Zukunftsperspektive.