Investition

Was bedeutet der Weighted Average Cost of Capital (WACC)?

Wenn Sie angehender Ökonom oder ein amtierender BWL-Student sind, sind Sie sicherlich einmal auf die Abkürzung WACC gestoßen. Hinter dem Begriff versteckt sich eine Methode, die Ihnen im Falle einer Discounted Cash Flow Bewertung von Nutzen sein kann.

An dieser Stelle finden Sie alle relevanten Informationen zum WACC: Was er ist und wozu er benötigt wird, wie Sie diesen einfach selber berechnen können und was Sie sonst beim komplexen Thema beachten sollten.

Was ist der WACC und warum nutzt man ihn?

Unter WACC versteht man die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens. Die Abkürzung steht für den englischen Begriff „Weighted Average Cost of Capital„, allerdings bürgerte sich hierzulande die Abkürzung schnell als übliche Bezeichnung ein. Diese gewichteten Kapitalkosten errechnen sich aus einer Formel, die Eigenkapital und Fremdkapitel abzüglich eventueller Steuervorteile gegeneinander aufwiegt. Dadurch stellt der WACC ein wertvolles Instrument zur Unternehmens- und Risikobewertung dar.

Im ModiglianiMiller-Theorem nach den beiden Ökonomen Merton Miller und Franco Modigliani ist die Unabhängigkeit des Unternehmenswertes von ihrer Verschulung festgelegt. Dieser Umstand führt zu einem höheren Nutzen von Fremdfinanzierungsmöglichkeiten. Für eine optimale Bestimmung der Steuervorteile einer Fremdfinanzierung ist daher eine Discounted Cash Flow Bewertung notwendig. Nimmt man nun an, es handelt sich beim analysierten Unternehmen um eine wertorientierte Finanzierung, kommt die WACC-Formel ins Spiel.

Die Formel zur Berechnung der gewichteten Durchschnittskapitalkosten setzt das Eigenkapital mit dem Fremdkapital ins Verhältnis. Eigenkapitel besitzt gegenüber dem Fremdkapital ein höheres Risiko, weswegen eine Bewertung dieses Risikos für den Unternehmensführer notwendig erscheint. Im Falle einer Investition ist schwer einzusehen, aus welchen Anteilen das für die Investition getätigte Geld besteht. Mit dem WACC kann berechnet werden, ob sich eine Investition zum gegebenen Zeitpunkt des Unternehmensmanagements lohnt.

Berechnungsformel der gewichteten durchschnittliche Kapitalkosten

Die Formel für den WACC dient zur Berechnung der Gewichtung verschiedener Kapitale. Dazu multipliziert man das Eigenkapital sowie das Fremdkapital jeweils mit dem individuellen Verzinsungsanspruch der Kapitalgeber. Der Anspruch auf Verzinsung beim Fremdkapital reduziert sich allerdings um den Steuervorteil, bevor man beide Elemente zusammen summiert und so eine Prozentzahl erhält. Diese gibt an, wie hoch die Mindestrendite bspw. einer Investition sein muss, um attraktiver als andere zu sein. Die Formel für homogenes Kapital stellt sich wie folgt dar:

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WACC = (E/V) * kE + (F/V) * kF * (1 – ctr)

Die Unternehmenssteuerrate (engl. „corporate tax rate“) zieht sich ab, weil man annimmt, dass Jahresüberschüsse am Jahresende als Dividende herausspringen. Zusätzlich gilt die Annahme, dass jene Dividende der Einkommensteuer unterliegt und zeitgleich Eigenkapitalbeträge durch andere Steuern wie Körperschaftsteuern belegt sind.

Die einzelnen Elemente der WACC-Formel in der Übersicht

Bevor Sie den WACC anwenden können, sollten die einzelnen Variablen der Formel geklärt sein. „V“ steht für das Gesamtkapitel, das Sie in Rechnung stellen, und bildet so die Summe aus „E“ (Eigenkapital) und „F“ (Fremdkapital). Die Variable „kE“ steht für den Verzinsungsanspruch, den der Eigenkapitalgeber an das Unternehmen stellt. Gleichzeitig gilt „kF“ für die Zinsansprüche auf dem Fremdkapital, wobei diese meist vertraglich vereinbart und daher leicht aufzufinden sind. Die Steuerratectr“ erscheint am Schluss und zieht sich von den Zinsansprüchen des Fremdkapitals ab.

Während die Zinsansprüche für das Fremdkapital vertraglich festgeschrieben sind, müssen Sie die des Eigenkapitals zumeist noch finden. Und diese Recherche kann unter Umständen sehr schwierig ausfallen, weil Eigenkapital keiner vertraglichen Bindungspflicht unterliegt und somit Zinsen schriftlich festzuhalten sind. Der WACC benötigt daher zu seiner korrekten Berechnung noch eine weitere Formel: das Capital Asset Pricing Model.

Bestimmung der Eigenverzinsung mit dem Capital Asset Pricing-Modell (CAPM)

GrößenklassenDas Capital Asset Pricing-Modell dient unter bestimmten Annahmen zur Preisfindung eines Kapitalvermögens. Dabei berechnen Sie keinen festen Wert, sondern ermitteln stattdessen die Eigenkapitalkosten bzw. die zu erwartende Rendite auf Basis der damit zusammenhängenden Risiken. Auf diese Weise verbindet sich im CAPM die intuitive Vorstellung höherer Renditen durch höheres Risiko in einer Formel. Diese stellt sich wie folgt dar:

Erw. Rendite = risikoloser Zins + Beta * (Marktrendite – risikoloser Zins)

Die zu erwartende Rendite, welche Sie letztlich beim WACC in Betracht ziehen, berechnet sich aus der Marktrendite, dem risikolosen Zins und einem Wert Beta. Der risikolose Zinssatz bezeichnet einen sicheren Zins wie beispielsweise Staatsanleihen, bei denen das Risiko einer unpünktlichen Rückzahlung nicht oder kaum besteht. Die Marktrendite gibt diejenige Rendite an, die breit gestreute Anlagen auf dem Kapitalmarkt realisiert.

Der Beta-Faktor wiederum stellt die Sensibilität einer Anlage dar. Mit diesem Faktor geben Sie das Maß der Reaktion z.B. eines Wertpapiers an der Börse an. Je höher der Faktor ausfällt, desto sensibler reagiert die Anlage auf Veränderungen. Bei einem beispielhaften Beta-Faktor einer Aktie von 0,9 bedeutet dies: Steigt der Aktienmarkt um 10 Prozent, steigt die Aktie selber um 9 Prozent.

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Dasselbe Prinzip gilt beim Fallen einer Aktie. Ein negativer Beta-Faktor0,9 bedeutet eine gegenläufige Tendenz, so dass die beispielhafte Aktie beim Steigen des Marktes um 10 Prozent ihrerseits um 9 Prozent abfällt. Der Beta-Faktor berechnet sich als Quotient der Kovarianz zwischen Aktie und Marktindex im Zähler sowie der Varianz des Marktindexes im Nenner.

Beispielrechnung des WACC

Um die bisherigen Erkenntnisse besser veranschaulichen zu können, soll an dieser Stelle eine ausführliche Beispielrechnung des WACC erfolgen. Nehmen Sie daher an, es geht um eine börsennotierte Aktiengesellschaft, die an der Börse einen Wert von knapp 100 Millionen Euro hat. Zudem ist das Fremdkapital in Höhe von 60 Millionen sowie deren Zinssatz von 4 Prozent bekannt. Um die Sache zu vereinfachen, geben wir dem Eigenkapitel nach Berechnung durch die CAPM-Formel Eigenkapitalkosten von 6,8 Prozent. Der Steuersatz für die Unternehmensgewinne beziffern sich im Beispiel auf 30 Prozent. Die beispielhafte Gesamtformel sieht dann folgendermaßen aus:

WACC = (E/V) * kE + (F/V) * kF * (1 – ctr)
=(100/160)*0,068 + (60/160) * 0,04 * (1 – 0,3)
= 0,0425 + 0,0105
= 0,053 = 5,3 Prozent

InvestitionDie Anteile verteilen sich daher auf 62,5 Prozent des Eigenkapitals (100 Millionen) gegenüber von 37,5 Prozent des Fremdkapitals (60 Millionen) eines Gesamtkapitals von 160 Millionen Euro. Das Kapital bezieht sich dabei nach den Marktwerten und nicht den Buchwerten. Im Beispiel tritt zudem ein positiver Effekt der Fremdfinanzierung ein. Von den 60 Millionen gehen pro Jahr 4 Prozent an den Kapitalgeber. Der Gewinn sinkt dadurch und der zu versteuernde Betrag sinkt. In Zahlen gesprochen: 4 Prozent von 60 Millionen Euro bedeuten 2,4 Millionen Euro. Von diesem Betrag spart man nun 30 Prozent Steuern, also 720.000 Euro.

Schwächen der Berechnung

Selbstverständlich ist die WACC-Berechnung nicht gänzlich ohne Schwächen. Die Berechnung der Beta-Faktoren beruht auf Vergangenheitsdaten von Varianz und Kovarianz der Kurse. Um in der CAPM-Berechnung einzugehen, prognostiziert man daher die Zahlen. Dieser Prozess der Prognose kann durchaus Fehler hervorrufen oder eine Unsicherheit in der Berechnung des WACC darstellen.

Aus diesem Grunde sollte die WACC-Formel nicht als das einzige Mittel in der Discounted Cash Flow Bewertung dienen. Es empfiehlt sich daher seine Rechnung mit dem Total Cash Flow oder dem Flow-To-Equity-Ansatz zu überprüfen. Alle drei Methoden kommen auf das selbe Ergebnis, starten allerdings bei unterschiedlichen Annahmen.

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