BWL-Artikel

Was ist der Solidaritätszuschlag?

Der Solidaritätszuschlag ist eine Ergänzungsabgabe, die erstmals im Jahr 1991 eingeführt wurde. Seit 1995 dient sie zur Finanzierung der Kosten der deutschen Einheit, steht aufgrund ihrer unbefristeten Natur aber auch oft in der Kritik. Als Basis für die Berechnung des sogenannten Solis dienen die Einkommens- und Körperschaftssteuern.

Die Einführung des Solidaritätszuschlags

Auch, wenn der Soli als Abgabe für die Finanzierung der deutschen Einheit bekannt ist, wurde er ursprünglich für einen anderen Zweck eingeführt. So hatte sich Deutschland im Zweiten Golfkrieg im Jahr 1991 dazu bereit erklärt, 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten zu übernehmen. Zudem wurde Geld für die Unterstützung anderer Länder in Mittel-, Ost- und Südeuropa sowie der neuen Bundesländer gebraucht. Um diese Mehrbelastung zu finanzieren, wurde ein befristeter Solidaritätszuschlag eingeführt. Die Erhebung erfolgte vom 1. Juli 1991 bis zum 30. Juni 1992, wobei die Höhe 7,5 Prozent der Einkommens- beziehungsweise Körperschaftsteuer betrug.

Nachdem der Solidaritätszuschlag wie geplant 1992 ausgelaufen war, wurde er in den folgenden beiden Jahren nicht

Soli

Was kostete die Wiedervereinigung tatsächlich?

wieder erhoben. Dies änderte sich allerdings im Jahr 1995. Hintergrund war die Tatsache, dass die Kosten der Wiedervereinigung sich als deutlich größer herausgestellt hatten, als zuvor angenommen wurde. Um diese Kosten zu decken, entschied man sich, den Soli erneut einzuführen. Allerdings wurde dieses Mal keine Frist festgelegt. Die Höhe betrug zunächst wieder 7,5 Prozent. Im Jahr 1998 sank der Betrag auf 5,5 Prozent.

Einkommenssteuer als Grundlage

Grundsätzlich muss jeder Bürger in Deutschland, der ein Einkommen erzielt, den Solidaritätszuschlag zahlen, wenn seine Einkommenssteuer eine gewisse Grenze überschreitet. Diese beträgt bei einer einzelnen Person 972 Euro im Jahr. Paare, die eine gemeinsame Steuererklärung abgeben, sind bis zu einer Einkommenssteuer von 1.944 Euro befreit. Wird der Freibetrag überschritten, dann zahlen die betroffenen Personen nicht sofort den gesamten Soli. Er wird schrittweise angehoben, bis die vollen 5,5 Prozent erreicht sind. Die Grenze für den Gesamtbetrag liegt bei einer Einkommenssteuer von 1.340 Euro, bei Ehepaaren greift erneut der doppelte Wert.

Die Berechnung des Solidaritätszuschlags ist relativ unkompliziert. Angenommen, eine Person erzielt ein Brutto-Einkommen von 2000 Euro im Monat. In der Steuerklasse 1 würde sich daraus eine Einkommenssteuer von 170 Euro ergeben. Auf diese Steuer wird nun der Soli berechnet. Bei 5,5 Prozent beträgt die Abgabe 9,35 Euro pro Monat.

Eine Minderung des Soli kann sich allerdings ergeben, wenn der Steuerzahler Kinder hat. In diesem Falle wird der Zuschlag auf Basis einer fiktiven Lohnsteuer berechnet, welche zuvor um gewisse Freibeträge für Kinder und weitere Freibeträge für deren Betreuung, Erziehung und Ausbildung reduziert wurde.

Soli für Kapitalerträge und Unternehmen

Neben dem klassischen Einkommen fällt der Soli auch bei Kapitalerträgen an. Wer Erträge aus Zinsen, Dividenden oder Aktienverkäufen erzielt, muss ebenfalls diesen Beitrag zahlen. Dies wird relevant, sobald der Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr überschritten wurde. Sobald dies der Fall ist, behalten Banken

Soli

Wie hoch ist der Pauschalbetrag?

zunächst einmal eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent ein. Auf Basis dieser wird anschließend der Solidaritätszuschlag errechnet, der wiederum 5,5 Prozent der Steuer beträgt. Banken zahlen diese Summen anonym. Die Zuordnung zu den jeweiligen Personen erfolgt dann über die Anlage KAP im Zuge der Steuererklärung. Lesen Sie hier alles zu Steuererklärungen.

Die Bürger Deutschlands sind bei der Zahlung des Soli nicht allein. Auch Unternehmen müssen die Abgabe an den Staat entrichten. In diesem Falle dient die Körperschaftssteuer als Grundlage für die Erhebung. Ein Unternehmen, das beispielsweise einen Gewinn von 10.000 Euro erzielt, muss eine Körperschaftssteuer in Höhe von 15 Prozent zahlen, also 1.500 Euro. Für den Soli werden nun wieder 5,5 Prozent von dieser Steuer erhoben. Damit beträgt die Abgabe 82,5 Euro.

Kritik und Abschaffung

Der Solidaritätszuschlag muss sich seit vielen Jahren stark Kritik erwehren. Dabei führen Kritiker vor allem zwei Argumente gegen die Abgabe ins Feld. Einer der großen Kritikpunkte ist die Tatsache, dass die Abgabe seit ihrer Wiedereinführung keine absehbare Endfrist mehr hatte. Dies bezeichnen viele Kritiker als verfassungswidrig. Unter anderem hatte der Bund der Steuerzahler im Jahr 2006 das Bundesverfassungsgericht zu dem Solidaritätszuschlag angerufen. Dieses entschied sich jedoch, das Thema nicht anzunehmen.

Im folgenden Jahr urteilte ein Finanzgericht in Niedersachsen, dass der Soli nicht verfassungsgemäß sei. Dem widersprach das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2010 allerdings und erklärt, dass eine Ergänzungsabgabe keine Frist haben muss. Auch wurde die Meinung des Finanzgerichts zurückgewiesen, dass der Solidaritätszuschlag aus den vorherigen Jahren aufgrund von Steuererleichterungen komplett hätte entfallen müssen und man ihn daher zurückzahlen muss.

Soli

Eine stolze Summe zeigte sich 2018

Ein weiterer Kritikpunkt am Solidaritätszuschlag ist die Tatsache, dass er zwar für die Kosten der Wiedervereinigung erhoben wird, in der Realität aber keine Vorgaben existieren, wofür man das Geld verwenden muss. Der Staat kann die Einnahmen also beliebig einsetzen. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Geld eigentlich für die Förderung von strukturschwachen Regionen gedacht ist, stößt diese fehlende Beschränkung seit vielen Jahren auf große Kritik, da es sich um nicht unerhebliche Summen handelt. Im Jahr 2018 betrug der Solidaritätszuschlag fast 19 Milliarden Euro.

Der Solidaritätszuschlag ab 2021

Aufgrund der Kritik und der Entwicklung in Deutschland beschloss man im November 2019 eine Anpassung des Solis ab dem Jahr 2021. In dessen Folge fällt der Zuschlag für fast 90 Prozent der Bürger in Deutschland weg. So steigt der Freibetrag von 972 Euro auf 16.956 (bei Ehepaaren von 1.944 Euro auf 33.912 Euro), was dazu führt, dass anschließend nur noch Besserverdienende die Abgabe zahlen.

Nicht betroffen von den Erleichterungen sind Kapitalerträge, für die weiterhin die bisherigen Regeln gelten. Auch Unternehmen zahlen ab dem Jahr 2021 unverändert den Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent basierend auf ihrer Körperschaftssteuer.

Was ist Buchführung?

Die Buchhaltung befasst sich mit der Buchführung in einem Unternehmen. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff „Rechnungswesen“ als Synonym hierfür verwendet. Verantwortlich für die Buchhaltung in den Unternehmen sind die Buchhalter.

Unterschied zwischen Buchhaltung und Buchführung

Auch, wenn die Begriffe Buchhaltung und Buchführung oft synonym verwendet werden, bestehen dennoch feine Unterschiede. Im Rahmen der Buchhaltung werden solche unternehmerischen Geschäftsvorgänge dokumentiert, die das Vermögen betreffen. Hierzu zählen beispielsweise Umsätze, Aufwendungen, Abschreibungen (Werteverzehr), Kredite sowie Aufwendungen für Löhne. Die Buchführung bedeutet hingegen die strukturierte Aufzeichnung aller Geschäftsvorgänge auf Basis von Belegen. Sie bildet den Status eines Unternehmens in Zahlen ab und liefert wichtige Informationen.

Wer ist zur Buchführung verpflichtet?

Folgende Unternehmen müssen Bücher führen:

  • Kommanditgesellschaft (KG)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • Aktiengesellschaft (AaG)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft (GmbH & Co. KG)

Die Pflicht zur doppelten Buchführung gilt außerdem für alle Gewerbetreibende oberhalb einer Einkommensgrenze. In der Buchhaltung wird grundsätzlich zwischen zwei Verfahren zur Gewinnermittlung unterschieden:

  • doppelte Buchführung
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)

Welches Verfahren für ein Unternehmen gefordert ist, hängt von folgenden Kriterien ab: der Rechtsform, der Eintragung im Handelsregister sowie dem Jahresumsatz und dem Jahresüberschuss. Die EÜR ist deutlich unkomplizierter als die doppelte Buchführung.

Einkommensgrenzen

Nicht buchführungspflichtig sind Einzelunternehmer, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren einen Umsatz von 600000 Euro und einen Jahresüberschuss von 60000 Euro unterschreiten (§ 241a HGB).

Buchhaltung bei Freiberuflern

Die Verpflichtung zur doppelten Buchführung gilt nicht für Freiberufler. Gleichwohl müssen auch diese ihre Betriebseinnahmen und -ausgaben übersichtlich darstellen. Die Belege sind zu sammeln und in einer Tabelle auszuweisen. Dabei muss nach Erlös- bzw. Kostenarten sortiert werden. Für das Finanzamt ist eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung durchzuführen, in der die Einnahmen und Ausgaben transparent dargestellt werden. Eine Buchhaltungssoftware erleichtert die Dokumentation.

Buchhaltung bei Kleinunternehmern

Den Status Kleinunternehmer haben Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler, sofern sie weniger als 17500 Euro im Jahr verdienen. Auch Steuerpflichtige, die im laufenden Jahr voraussichtlich ein Einkommen unterhalb von 50000 Euro erzielen und im Vorjahr nicht mehr als 17500 Euro verdient haben, können den Status Kleinunternehmer in Anspruch nehmen.

Kleinunternehmern wird das Verfahren der EÜR gewährt

Ebenso wie Freiberufler sind auch Kleinunternehmer nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet. Sie führen ihre EÜR durch, auf deren Grundlage das Finanzamt die Steuerschuld berechnet. Kleinunternehmer sind aber gehalten, die Belege für Einnahmen und Ausgaben vollständig und sorgfältig aufzubewahren. In der Regel fordert das Finanzamt, dass diese in Papierform eingereicht werden.

Für Gewerbetreibende, die nicht den Status von Kleinunternehmern haben oder als Handelsgesellschaft angemeldet sind, gilt die Pflicht zur doppelten Buchführung. Da diese Art der Gewinnermittlung aufwendig ist, engagieren die meisten Gewerbetreibenden hierfür einen Steuerberater oder Buchhalter.

Bücher in der Buchhaltung

Bei der Buchhaltung werden drei Arten von Büchern unterschieden: das Grundbuch, das Hauptbuch und die Nebenbücher.

Grundbuch

Das Grundbuch bezeichnet man auch als Journal oder Tagebuch. Es enthält alle Geschäftsvorgänge in ihrer chronologischen Reihenfolge. Dabei erfolgt eine Nummerierung sowie Verknüpfung eines jeden Geschäftsvorgangs mit folgenden Informationen.

  • Datum
  • Betrag
  • Erläuterungen
  • Zuordnung zum Beleg
  • Sollkonto
  • Habenkonto

Auf der Basis der Eintragungen im Grundbuch überträgt man die Buchungen in das Hauptbuch.

Hauptbuch

Das Hauptbuch umfasst sämtliche Sachkonten. Dabei wird jeder Geschäftsvorgang nach sachlichen Kriterien im entsprechenden Konto gebucht. Aus dem Abschluss im Hauptbuch ergibt sich die Unternehmensbilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung. Der Jahresabschluss zählt zu den wesentlichen Elementen der Bilanzbuchhaltung. Ihn zieht man als Berechnungsgrundlage für die Gewerbesteuer und die Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer heran. Auch Banken und Aktionäre interessieren sich für den Jahresabschluss. Wer eine Buchhaltungssoftware verwendet, braucht kein Hauptbuch zu führen, da sich die Buchungen automatisch in das Hauptbuch übertragen lassen.

Nebenbücher

Die Funktion der Nebenbücher ist es, den Konten im Hauptbuch ausführlichere Erläuterungen beizufügen. Zu den üblichen Nebenbüchern gehören das Kassenbuch, das Warenbuch und das Kontokorrentbuch. Im Kassenbuch werden alle Bargeldbewegungen ausgewiesen. Das Warenbuch umfasst sämtliche Wareneingänge und –ausgänge. Im Kontokorrentbuch sind Informationen zu den Kunden und Lieferanten enthalten.

Konten in der Buchführung

Ein Geschäftsvorgang wird jeweils auf mehreren Konten gebucht. Das Konto ist gegliedert in eine Soll-Seite (linke Spalte) und einer Haben-Seite (rechte Spalte). Wegen der Form wird dieses Konto auch als T-Konto bezeichnet.

Soll und Haben

Der Sinn der Begriffe Soll und Haben erschließt sich nicht so leicht, wenn man von ihrer alltagssprachlichen Bedeutung ausgeht. Auf der Soll-Seite stehen die Forderungen, die das Unternehmen gegenüber den Kunden hat. Es handelt sich also um die Vermögenswerte. Auf der Haben-Seite stehen dagegen die Verbindlichkeiten des Unternehmens gegenüber Dritten. Hierbei handelt es sich um die Schuldwerte.

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB)

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sind im HGB (§ 238 ff.) festgeschrieben. Präzisiert werden die GoB seit 2015 in den GoBD. Mit den GoB werden vor allem Vorschriften zur Dokumentation der Belege formuliert.

  • Belegpflicht
    Grundsätzlich darf eine Buchung nur mit Beleg erfolgen. Ohne Beleg ist keine korrekte Buchung möglich.
  • Vollständigkeit
    Die Buchführung muss lückenlos erfolgen. Dies bedeutet, dass jeder Geschäftsvorgang ausgewiesen werden muss.
  • Klarheit und Übersichtlichkeit
    Die Bücher sind übersichtlich zu führen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Finanzamt die Darstellung lückenlos nachvollziehen kann.
  • Nachprüfbarkeit
    Die Bücher sind so zu führen, dass die Aufzeichnungen nachgeprüft werden können. Diese Anforderung ist zu erfüllen, indem jedem Geschäftsvorgang ein Beleg beigefügt und dieser im Grundbuch ausgewiesen wird. Auch Änderungen müssen entsprechend transparent gemacht werden. Jede Korrektur im Falle einer falschen Buchung muss daher als Korrekturbuchung erfolgen.
  • Richtigkeit
    Jeder Geschäftsvorgang muss sowohl formal als auch inhaltlich (=materiell) korrekt gebucht werden. Die formale Richtigkeit bedeutet, dass jede Buchung auf dem richtigen Konto erfolgt und die Belege mit den Buchungen übereinstimmen. Materielle Richtigkeit bedeutet, dass der Wert und der Inhalt der jeweiligen Buchung korrekt erfasst werden.
  • Zeitgerechtheit
    Buchungen sind fristgerecht und in der erforderlichen zeitlichen Reihenfolge durchzuführen.
  • Aufbewahrung und Sicherheit
    Alle steuerrelevanten Unterlagen sind an die gesetzliche Aufbewahrungspflicht nach § 257 HGB gebunden. Diese Aufbewahrungsfrist erstreckt sich meist auf einen Zeitraum von sechs bzw. zehn Jahren. Es muss gewährleistet sein, dass die ordentliche Buchführung innerhalb dieser Fristen erfolgt.