Was ist das Nettoprinzip?

Damit jeder Steuerzahler hierzulande nur so viel Steuern zahlen muss, wie er überhaupt leisten kann, gilt das Nettoprinzip. Damit soll gewährleistet sein, dass dem Steuerpflichtigen immer noch genug zum Leben übrig bleibt. Als Leistungsfähigkeitsprinzip festgeschrieben im Grundgesetz, gibt es das subjektive und objektive Nettoprinzip. Während durch das subjektive Nettoprinzip das Existenzminimum sowie Grundfreibetrag, Erziehungsfreibetrag oder Kindergeld steuerfrei bleiben, kann  der Steuerpflichtige nach dem objektiven Nettoprinzip Kosten als Betriebs- und Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend machen und damit seine

Nettoprinzip

Das Nettoprinzip ist bereits im Grundgesetzt verankert.

Steuerlast mindern.

Definition Nettoprinzip

Das Nettoprinzip gestattet es, in der Bilanz die Aktiva und Passiva zu saldieren, in der Gewinn- und Verlustrechnung den Aufwand vom Ertrag abzuziehen. Aus dem Artikel 3 des Grundgesetzes lässt sich ableiten, dass sich die Steuer nach der individuellen Leistungsfähigkeit richtet, das sogenannte Leistungsfähigkeitsprinzip. Durch das Nettoprinzip wird verhindert, dass das eigentliche Existenzminimum besteuert wird. Dabei wird nach dem objektiven und dem subjektiven Nettoprinzip unterschieden.

Unmittelbarer und mittelbarer Verfassungsrang

Unmittelbarer Verfassungsrang: Da das Nettoprinzip bisher noch nicht als erhebliches Entscheidungsmerkmal für ein Urteil herangezogen wurde, ist der unmittelbare Verfassungsrang noch offen.
Mittelbarer Verfassungsrang: Nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes wird mit dem objektiven Nettoprinzip das Leistungsfähigkeitsprinzip des Grundgesetzes konkret umgesetzt. Damit können sämtliche Kosten, die mit der Erwerbstätigkeit zusammenhängen, auch von der Steuerlast abgezogen werden. Gleichzeitig ist geboten, dass die Steuerlast bei gleicher Leistungsfähigkeit auch gleich hoch ist.

Was ist der Unterschied zwischen subjektivem und objektivem Nettoprinzip?

Objektives Nettoprinzip:

Dieses besagt, dass sämtliche Ausgaben, mit denen Einnahmen erzielt werden sollen, auch von diesen abgezogen werden dürfen. Das sind beispielsweise Ausgaben für Bewerbungen oder Fortbildung. Auch die Kosten für die Fahrt

Nettoprinzip

Wo sind meine Einnahmen zuzuordnen?

zum Arbeitsort, Bürobedarf, Werkzeug, Fachliteratur, selbst Zinsen für einen Kredit oder die Aufwendung für doppelte Haushaltsführung zählen dazu. Schließlich bleibt nur das Nettoeinkommen übrig, um damit das private Leben zu finanzieren. Problematisch sind diese Ausgaben dann, wenn sie nicht eindeutig und zweifelsfrei als Ausgaben für die Erwerbstätigkeit nachweisbar sind. Kann beispielsweise ein für die Arbeit angeschaffter Anzug auch privat getragen werden, kann der Gesetzgeber entscheiden: Teilt er diesen Aufwand in nicht abziehbare und in abziehbare Ausgaben oder lehnt er diese ab?

Subjektives Nettoprinzip:

Bei diesem geht es darum, dass jedem Steuerpflichtigen so viel von seinem Einkommen bleibt, dass für ihn und seine Familie die Existenz gesichert ist. Daher ist auf das Einkommen bis zur Höhe des Grundfreibetrages keine Steuer zu zahlen. Arbeiten beide Ehegatten, bilden sie eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Damit verdoppelt sich auch der Grundfreibetrag.

Wie ist die Rechtsprechung geregelt?

Mit der Erhebung der Einkommenssteuer bekommt der Staat einen Teil der für seinen Bedarf notwendigen Finanzen. Das Einkommen aller natürlichen Personen wird von dieser Steuer erfasst, ebenso deren Finanzlage in einem ganz konkreten Zeitraum. Zugrunde liegt der Steuer das Prinzip der Steuergerechtigkeit. Diese versteht das Bundesverfassungsgericht als eine Besteuerung, die sich daran orientiert, was der jeweilige Steuerzahler individuell leisten kann. Lesen Sie hier mehr zum Thema Steuergerechtigkeit.

Letztendlich kümmern sich die Gerichte um die konkreten Ausgestaltungen. Können bestimmte Ausgaben abgezogen werden? Wenn ja, in welcher Höhe ist dies zulässig? So hat der Bundesfinanzhof beispielsweise vor gut zehn Jahren die Kürzung der sogenannten Pendlerpauschale als verfassungswidrig eingestuft. Nach dessen Ansicht müssen alle Aufwendungen, die der Steuerpflichtige für seine Tätigkeit aufwendet – und daher auch die Fahrtkosten – dem Zugriff des Finanzamtes entgehen. Die Fahrtkosten sieht der Bundesfinanzhof als Ausgaben an, die für die Ausübung der Erwerbstätigkeit unvermeidbar sind. Immerhin zählen die Fahrten zwischen der Arbeitsstätte und Wohnung selbst nach Sozialhilferecht zu den notwendigen Ausgaben.

Wie sind die Home-Office-Auswirkungen?

Ebenso regelmäßig beschäftigt sich die Rechtsprechung mit der Frage, ob und in welcher Höhe man die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Aufwendungen vom steuerpflichtigen Brutto abziehen kann Das betraf in der Regel die Arbeitszimmer von Lehrern. Da dieses nicht während der gesamten Tätigkeit, sondern nur für den Teil, der sich von zu Hause aus erledigen ließ, nutzbar war, berücksichtigte die Aufwendungen dafür nach der

Nettoprinzip

Wozu zählt das Arbeitszimmer?

Rechtsprechung nur dann, wenn es tatsächlich den Mittelpunkt der Tätigkeit bildete. Damit sind die Kosten für ein Arbeitszimmer im eigenen Haus oder der Wohnung immer dann steuerlich abzugsfähig, wenn es für den Arbeitnehmer keinen anderen Arbeitsplatz gibt.

Selbst die Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherung zählen nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes zum Existenzminimum. Daher bekam der Gesetzgeber die Aufgabe, eine entsprechende Regelung auszuarbeiten.
Damit das Nettoprinzip seine Anwendung finden kann, muss es sich konkret durch einzelne Wertungen und Unterprinzipien verwirklichen lassen.

Fazit

Das Grundgesetz ist mit seinen Paragraphen auch für die Ausgestaltung der Steuern zuständig. Im Fall der Einkommenssteuer gilt dabei der allgemeine Gleichheitsgrundsatz. Für die Höhe der Steuern ist die Leistungsfähigkeit entscheidend. Sind Steuerpflichtige in der gleichen Situation, ist daher auch die Höhe der Steuern gleich. Das subjektive und objektive Nettoprinzip sind Unterprinzipien der Leistungsfähigkeit. Während beim ersteren das Existenzminimum unversteuert bleibt, so dass jedem Steuerpflichtigen genügend Mittel für die Existenz bleiben, berücksichtigt das objektive Nettoprinzip die Aufwendungen, die ein Arbeitnehmer auf sich nehmen muss, um überhaupt seine bezahlte Erwerbsarbeit tatsächlich auszuüben.

Was ist der Börsenkurs?

Unter dem Börsenkurs versteht man einen an der Börse festgelegten Preis für Wertpapiere, Devisen oder Wirtschaftsgüter. Der Börsenkurs wird auch als Aktienkurs bezeichnet und entsteht aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Potenzielle Investoren haben einen direkten Einfluss auf den Börsenkurs. Je mehr Anleger sich für eine bestimmte Aktie interessieren, desto höher ist ihr Preis. Ist die Nachfrage gering, fällt der Preis der Aktie. Aus diesem Grund schwankt der Börsenkurs während der Börsenöffnungszeiten. Im Zusammenhang mit dem Börsenkurs unterscheidet man zwischen dem Geldkurs und dem Briefkurs. Der Handelstag an der Börse startet mit dem Eröffnungskurs und wird mit dem Schlusskurs beendet.

Für Unternehmen ist der Preis einer Aktie ausschlaggebend. Multipliziert man die Gesamtheit der Aktien eines Unternehmens mit dem entsprechenden Kurs, ergibt sich die sogenannte Marktkapitalisierung des Unternehmens. Aus dieser geht die Stellung des jeweiligen Unternehmens am Markt hervor. Je besser die Marktkapitalisierung, desto krisensicherer sind die Aktien des Unternehmens.

Mit dem Briefkurs wird der Preis angegeben, zu dem Verkäufer ihre Wertpapiere verkaufen. Der Geldkurs hingegen gibt den Preis an, zu dem Käufer die Wertpapiere kaufen möchten. Dabei verrät der Briefkurs den niedrigsten

Börsenkurs

Welche Kurse gibt es?

Angebotspreis, der Geldkurs hingegen gibt das höchste aktuelle Angebot für eine Aktie an. Der aktuelle Börsenkurs wird als der Preis definiert, zu dem ein bestimmtes Wertpapier zum letzten Mal gehandelt wurde. Dies gilt allerdings nur für Wertpapiere im fortlaufenden Handel. Für Wertpapiere, die nicht im fortlaufenden Handel befindlich sind, wird einmal zur Mitte des Börsentages ein sogenannter Kassakurs festgelegt. Lesen Sie hier alles zum Kassakurs.

Der Börsenkurs gibt nicht nur den aktuellen Wert eines Unternehmens an, sondern erlaubt es, Entwicklungen in der Zukunft vorauszusagen. Bei einer spekulativen Dividendenanlage ist beispielsweise nach einer Dividendenzahlung eine Steigerung des Börsenkurses zu erwarten.

Worin bestehen die Aufgaben eines Skontroführers und eines Börsenmaklers?

Im Grunde genommen unterscheiden sich Skontroführer und Börsenmaklers nur in ihrem Namen. Bis 2002 galt in Deutschland die Berufsbezeichnung „Börsenmakler“. Der Börsenmakler wurde 2002 durch den Skontroführer abgelöst. Ist von Börsen im Ausland die Rede, spricht man nach wie vor von BörsenmaklernSkontroführer sind zum Handel an der Börse zugelassene Handelsteilnehmer. Ein Skontroführer gewährleistet einen geordneten Börsenhandel und betreibt die Vermittlung und den Abschluss von Börsengeschäften in den ihm zugewiesenen Wertpapieren. Skontroführer nehmen Kauf- und Verkaufswünsche entgegen, die sie im sogenannten Orderbook festhalten. Dieses gilt als Grundlage für die Kursermittlung. Neben dem Skontroführer ist auch der Freimakler an der Börse tätig. Im Gegensatz zum Skontroführer, der von der Landesregierung vereidigt wird, unterliegt der Freimakler der Börsenaufsichtsbehörde und wird von der Börse zugelassen.

Welche Kursarten gibt es?

Der Börsenkurs umfasst mehrere Kursarten. Die wichtigsten Kursarten sind der Geld- und der Briefkurs. Der Geldkurs ist der Börsenkurs des Käufers. Dadurch, dass potenzielle Anleger Geld für eine Aktie bieten,

Börsenkurs

Welche Aktie kostet wie viel?

haben sie direkten Einfluss auf den Preis. Der Briefkurs ist der Kurs des Verkäufers und liegt stets über dem Geldkurs. Somit ist es ausgeschlossen, dass Verkäufer Aktien für eine geringere Summe abgeben, als die Käufer zu zahlen bereit sind. Unterschieden wird auch anhand des Zeitpunktes der Kursfeststellung, von dem sich der Eröffnungs– und der Schlusskurs ableiten.

Darüber hinaus spielt die Art der Kursfeststellung eine Rolle: Man spricht von einem variablen Kurs für Aktien, die fortlaufend notiert werden, oder von einem Kassakurs, bei dem eine Aktie nur ein einziges Mal während der Börsensitzung notiert wird. Der Terminkurs, auch als „Forward Rate“ bezeichnet,  stellt Kurs oder den Preis für einen Terminkontrakt oder ein Termingeschäft dar. Der Terminkurs setzt den Preis für Devisen fest, deren Zahlung nur zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden darf.

Anhand des Terminkurses lassen sich Marktkalkulationen ableiten, da der genaue Termin für die Zahlung bereits feststeht. Der gehandelte Kurs wird von Skontroführern festgelegt und richtet sich nach den vorliegenden Angeboten und Nachfragen. Der Taxakurs hingegen wird dann eingesetzt, wenn sich kein gehandelter Kurs ermitteln lässt. Dies ist der Fall, wenn zu einer bestimmten Aktie keine Aufträge vorliegen. Außerdem gibt es auch Kurse, die Skontroführer außerhalb der Börse über sogenannte Direktgeschäfte festlegen.

Was versteht man unter dem DAX?

Der DAX ist der deutsche Leitindex. Ein Index fasst die Aktienwerte mehrerer Unternehmen zusammen und stellt sie als einen einzigen Wert dar. Der DAX („Deutscher Aktienindex“) bildet die 30 umsatzstärksten deutschen Aktien ab. Solche Aktien werden auch „Blue Chips“ genannt. Der deutsche Aktienhandel besteht zu 75 bis 80 % aus dem Handel mit DAX-Werten. Ab September2021 soll der DAX 40 börsennotierte Unternehmen umfassen. Das amerikanische Gegenstück zum DAX ist der Dow Jones, in Japan ist es der Nikkei.

Eingeführt wurde der DAX 1988. Später folgten der MDAX und der SDAX. Der MDAX bildet die 50

Börsenkurs

Wie funktioniert der DAX?

liquidesten Unternehmen Deutschlands ab, die auf die unter dem DAX geführten Unternehmen folgen. Der SDAX umfasst weitere 70 Aktien. Somit sind 130 Aktien durch diese drei Indizes abgedeckt. Um in den DAX aufgenommen zu werden, muss ein Unternehmen eine Reihe strenger Auflagen erfüllen. Es muss im Prime Standards der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein und einen Streuwert von 10 % haben.
Als Realtime-Index gibt der DAX die fortlaufenden Kursveränderungen an, die durch Dividendenauszahlungen, Bonus- und Sonderzahlungen sowie Bezugsrechtsgewährungen zustande kommen.

Was ist das Steuerrecht?

Das Steuerrecht setzt sich aus allen Rechtsnormen zusammen, die auf Steuern anwendbar sind. Hier werden die Aufgaben der Träger der Steuerhoheit definiert. Dies sind neben dem Bund und den einzelnen Bundesländern auch die Kommunalverwaltungen (z.B. bei der Gewerbesteuer und der Grundsteuer). Die Bestimmungen des Steuerrechts regeln, welche Rechte und Pflichten sich für die steuerpflichtigen Personen ergeben.

Materielles und formelles Steuerrecht

Das deutsche Steuerrecht unterscheidet nach materiellem und formellem Recht. Im materiellen Steuerrecht stehen die Steuersubjekte und Steuerobjekte im Vordergrund. Als Steuersubjekt wird die Person bezeichnet, die der Steuerschuldner ist. Dies kann eine natürliche Person, eine Personenvereinigung, eine juristische Person (z.B. GmbH) oder eine Vermögensmasse(z.B. eine Stiftung) sein. Mit einem Steuerobjekt wird der Gegenstand festgelegt, der besteuert werden soll. Dies ist z.B. ein gewerblicher Betrieb. Das materielle Steuerrecht zeigt Tatbestände auf, die der Steuerbefreiung unterliegen.

Beispiele:

Natürliche Personen mit einem Wohnsitz im Inland sind nach § 1 Absatz 1 Einkommensteuergesetz steuerpflichtig. Erzielen sie ein jährliches Einkommen, das unter dem Grundfreibetrag liegt, sind diese Personen von der Einkommensteuer befreit.

In der Umsatzsteuer unterliegen Lieferungen und sonstige Leistungen der Umsatzsteuer. Die Behandlungen eines Arztes sind gemäß $ 4 Nr. 14 Umsatzsteuergesetz von der Umsatzsteuer befreit.

Steuerrecht

Verbindliche Rechtsgrundlage

Neben den beiden Beispielen regelt das materielle Recht noch weitere Steuerbefreiungstatbestände. Darüber hinaus werden hier die Bemessungsgrundlagen und die verschiedenen Steuersätze festgelegt.

Das formelle Steuerrecht fußt auf den Bestimmungen der Abgabenordnung. Diese Rechtsgrundlage ist für alle Steuerarten verbindlich. Hier ist z.B. geregelt, wann die Tatbestände der leichtfertigen Steuerverkürzung oder der Steuerhinterziehung erfüllt sind. Das formelle Recht gibt auch Auskunft darüber, bis zu welchem Termin eine Steuererklärung abgegeben werden muss und welche Sanktionen verhängt werden, wenn der Termin von dem Steuerpflichtigen verpasst wird.

Allgemeines und besonderes Steuerrecht

Aus dem allgemeinen Steuerrecht ergeben sich die Rechtsnormen, die allgemein für alle Steuerarten gültig sind. Hauptsächlich kommen hier die Bestimmungen der Abgabenordnung (AO) zur Anwendung.

§ 355 AO regelt die Einspruchsfrist. Möchte der Steuerpflichtige gegen einen Steuerbescheid Einspruch einlegen, hat er gemäß § 355 Absatz 1 Satz 1 AO einen Monat Zeit. Maßgeblich für die Berechnung der Einspruchsfrist ist die Bekanntgabe. Diese dokumentiert die Finanzbehörde durch das Datum, das sich aus dem Steuerbescheid ergibt. Trägt der Steuerbescheid z.B. das Datum 02. Februar, hat der Steuerpflichtige bis zum Ablauf des 02. März Zeit. Wird kein Einspruch eingelegt, ist der Steuerbescheid rechtswirksam.

Steuerrecht

Welche Kategorisierungen werden vorgenommen?

Im besonderen Steuerrecht sind die einzelnen Steuerarten aufgeführt. Im Einkommensteuerrecht sind insgesamt sieben Einkunftsarten aufgeführt, die eine Besteuerung auslösen. Beim Umsatzsteuerrecht werden die Regeln hervorgehoben, die bei grenzüberschreitenden Warenlieferungen beachtet werden müssen. Das Grunderwerbsteuerrecht bestimmt, unter welchen Voraussetzungen der Übergang einer Immobilie für die Steuer relevant wird.

Im besonderen Steuerrecht sind alle Steuerarten und die dazugehörigen Verfahrensvorschriften verankert.

Die Rechtsgrundlagen im deutschen Steuerrecht

Das deutsche Steuerrecht basiert auf den folgenden Rechtsgrundlagen:

  • Steuergesetze sind Rechtsnormen, die sich aus dem Gesetzgebungsverfahren ergeben. Sie werden im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und sind für alle Steuerpflichtigen bindend.
  • Steuerrechtsverordnungen entstehen aufgrund einer Ermächtigung, die der Bundesfinanzminister erlassen hat. Für seine Entscheidung benötigt er die Zustimmung des Bundesrates.
  • Die Urteile der Finanzgerichte und des Bundesgerichtshofs sind zunächst für den Fall bindend, der mit dem Urteil entschieden wurde. Darüber hinaus können sie eine Rechtswirkung für ähnlich gelagerte Fälle entfalten.
  • Supranationales Recht steht über nationalem Recht. Im Steuerrecht gewinnt es z.B. durch die Mehrwertsteuersystemrichtlinie an Bedeutung. Diese regelt das Mehrwertsteuersystem innerhalb der Europäischen Union.
Im internationalen Steuerrecht schließt die deutsche Bundesregierung Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit anderen Staaten. Diese sollen eine Doppelbesteuerung vermeiden, wenn eine steuerpflichtige Person einen internationalen Bezug hat. Lesen Sie hier alles über das DBA.
Beispiel
Der deutsche Staatsangehörige betreibt im nahegelegenen Venlo eine kleine Gastwirtschaft. Prinzipiell müssten die Einkünfte, die in den Niederlanden erzielt werden, auch in Deutschland besteuert werden. Durch ein DBA mit den Niederlanden wird die Doppelbesteuerung vermieden.

Was ist die Finanzgerichtsbarkeit?

Im deutschen Steuerrecht spielt die Finanzgerichtsbarkeit eine wesentliche Rolle. Die Finanzgerichtsbarkeit entscheidet über alle Abgabenangelegenheiten. Rechtsgrundlage der Finanzgerichtsbarkeit ist die Finanzgerichtsordnung (FGO).

Definition: Finanzgerichtsbarkeit

Die Finanzgerichtsbarkeit ist ein Teilgebiet der deutschen Fachgerichtsbarkeit. Die Finanzgerichtsbarkeit bietet Rechtsschutz, wenn gegen eine steuerpflichtige Person ein Steuerbescheid erlassen wurde und ein außergerichtliches Rechtsbehelfsverfahren nicht zum Erfolg führte.

Aufbau der Finanzgerichtsbarkeit

Steuerrecht

Was ist die Finanzgerichtsbarkeit?

Anders als die ordentliche Gerichtsbarkeit (Amtsgericht – Landgericht – Oberlandesgericht – Bundesgerichtshof) oder die Arbeitsgerichtsbarkeit (Arbeitsgericht – Landesarbeitsgericht – Bundesarbeitsgericht) gibt es in der Finanzgerichtsbarkeit nur einen zweistufigen Aufbau. Dieser besteht aus den Finanzgerichten und dem Bundesfinanzhof. Bevor die Finanzgerichtsbarkeit ihre Aufgaben wahrnehmen kann, muss man ein außergerichtliches Rechtsbehelfsverfahren führen.

Außergerichtliches Rechtsbehelfsverfahren

Steuern setzt man durch einen Steuerbescheid fest, der gegen die steuerpflichtige Person erlassen wird. Erfolgte eine falsche Steuerfestsetzung gibt das Steuerrecht dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit, binnen einer Frist von einem Monat einen Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen. Damit eröffnet der Steuerpflichtige das außergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren. Stimmt die Finanzbehörde dem Einspruch zu, ändert es den Steuerbescheid ab. Lehnt das Finanzamt die Einlassung ab, teilt sie dies dem Steuerpflichtigen in einer Einspruchsentscheidung mit.

Gegen die Einspruchsentscheidung kann die steuerpflichtige Person Klage bei dem zuständigen Finanzgericht einlegen.

Finanzgerichte

In jedem Bundesland gibt es ein Finanzgericht. Das Verfahren vor einem Finanzgericht wird eröffnet, wenn eine zugelassene Klage existiert. Die Richter entscheiden durch ein Finanzgerichtsurteil. Gegen dieses besteht für einen Steuerpflichtigen oder die Finanzbehörde das Rechtsmittel der Revision, soweit das Finanzgericht diese nach § 115 FGO zugelassen hat.

Bundesfinanzhof (BFH)

Der BFH ist das höchste deutsche Finanzgericht. Die Urteile, die man hier fällt, sind nicht nur für die anhängigen Verfahren bindend. Sie entfalten eine Rechtswirkung für ähnliche Fälle im Steuerrecht.

Über dem BFH steht der Europäische Gerichtshof (EUGH). Diesen ruft man aber nur an, wenn es um steuerliche Sachverhalte mit internationaler Bedeutung geht.

Was ist eine Gewerbesteuer und wie berechnet man sie?

Die Gewerbesteuer ist eine von den Gemeinden erhobene und diesen unmittelbar zufließende Steuer. Sie zählt zu den Ertrags- beziehungsweise Objektsteuern. Im deutschen Steuersystem ist sie als Realsteuer eingestuft. Gegenstand der Gewerbesteuer ist eine von den persönlichen Verhältnissen des Inhabers unabhängige, objektive Besteuerung des Gewerbeertrags von Gewerbebetrieben.
Steuerpflichtig ist also der Gewerbebetrieb und nicht, wie bei Einkommen- und Körperschaftsteuer, der Inhaber. Rechtliche Grundlage für die Erhebung und Berechnung der Gewerbeertragsteuer ist das Gewerbesteuergesetz (GewStG). Gewerbesteuern sind in Deutschland die wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinden.

Die lange Geschichte der Gewerbesteuer

Bereits im Mittelalter mussten Händler und Handwerker Steuern in Form von Marktgeldern oder Sondersteuern für bestimmte Gewerbe abführen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Gewerbesteuern in immer mehr deutschen Territorialstaaten erhoben. Erste allgemeine Gewerbesteuern folgten Anfang des 19 Jahrhunderts. Das erste deutschlandweite Gewerbesteuergesetz trat am 1. Dezember 1936 in Kraft. Damals wurden mit dem Gewerbeertrag auch das Gewerbekapital und die Arbeitsplätze über eine Lohnsummensteuer besteuert. Im Zuge mehrerer Reformen fiel 1978 zunächst die Lohnsummensteuer weg. Die Abschaffung der Gewerbekapitalsteuer folgte 1998. Übrig blieb nur die bis heute erhobene Gewerbeertragsteuer.

Wer muss die Gewerbesteuer bezahlen?

Grundsätzlich muss jeder Gewerbetreibende die Gewerbesteuer auf seinen Gewerbeertrag bezahlen. Die Rechtsform des Gewerbebetriebes spielt dabei keine Rolle. Die Steuerpflicht gilt für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften gleichermaßen.

Wer muss keine Gewerbesteuer bezahlen?

Grundsätzlich von der Gewerbeertragsteuer befreit sind
  • Freiberufler wie Steuerberater, Architekten, Ingenieure, Ärzte und Journalisten
  • Forst- und landwirtschaftliche Betriebe

Zahlungstermine für Gewerbesteuern

Das Finanzamt erstellt anhand des Jahresabschlusses den Gewerbesteuer-Messbescheid und berechnet

Gewerbesteuer

Es gelten bestimmte Beträge und Prozentzahlen

den Steuermessbetrag. Auf Grundlage dieses Bescheides müssen Unternehmen im Folgejahr vierteljährliche Vorauszahlung leisten. Die Zahlungstermine sind der 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November.

Freibetrag

Für Einzelunternehmungen und Personengesellschaften wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder eine Kommanditgesellschaft (KG) hat der Gesetzgeber einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro vorgesehen. Erst, wenn der Jahresgewinn diesen Freibetrag übersteigt, müssen Einzelunternehmen und Personengesellschaft die Gewerbeertragsteuer bezahlen. Der Freibetrag gilt nicht für Kapitalgesellschaften. Personengesellschaften und Einzelunternehmer erhalten den Freibetrag als Ausgleich dafür, das sie, anders als Kapitalgesellschaften, den Unternehmerlohn nicht als Betriebsausgaben von ihrem Betriebsgewinn abziehen dürfen. Lesen Sie hier alles zum Unternehmerlohn.

Berechnung der Gewerbesteuer

Grundlage für die Berechnung der Gewerbeertragsteuer sind der Gewerbeertrag des Betriebes, die Steuermesszahl und der Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde, in der ein Betrieb seinen Sitz hat.

Steuermesszahl

Die Steuermesszahl oder Gewerbesteuermesszahl beträgt seit dem 01.01.2008 deutschlandweit einheitlich 3,5 %. Sie dient den Finanzämtern zur Berechnung des Steuermessbetrages.

Gewerbesteuerhebesatz

Die Gemeinden in Deutschland legen den Gewerbesteuerhebesatz individuell fest. Um innerdeutsche Steueroasen zu vermeiden, beträgt der Mindesthebesatz in Deutschland 200 %. Die durchschnittliche Höhe liegt bei rund 400 %.

Gewerbeertrag

Grundlage für die Ermittlung des Gewerbesteuerbetrages ist der steuerpflichtige Gewinn des Unternehmens, der Gewerbeertrag.

Hinzurechnungen und Kürzungen beim Gewerbeertrag

Der Gesetzgeber hat bestimmt, dass Sie zum Jahresgewinn ihres Unternehmens bestimmte Beträge hinzurechnen müssen. Auf der anderen Seite dürfen Sie bestimmte Kürzungen vom Betriebsergebnis vornehmen.

Hinzurechnungen zum Jahresgewinn

Zu den Hinzurechnungen zählen Schulden, Miet- und Pachtzinsen für Immobilien oder Leasingraten für das Firmenfahrzeug. Für diese Beträge hat der Gesetzgeber bestimmte Finanzierungsanteile pauschal festgelegt. Nur diese Finanzierungsanteile müssen hinzugerechnet werden. Der zu berücksichtigende Finanzierungsanteil beträgt bei Schulden beispielsweise 100 %. 

Der Finanzierungsanteil von Mietzahlungen für ein Bürogebäude beträgt 65 %. Bei Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter beispielsweise den Firmen PKW beträgt der pauschale Finanzierungsanteil 20 %. Von den

Gewerbesteuer

Was darf zugerechnet werden?

addierten Hinzurechnungen dürfen Sie einen Freibetrag von 100.000 Euro abziehen. Vom verbleibenden Betrag werden wiederum 25 % dem Gewerbeertrag hinzugerechnet. Das bedeutet, die Hinzurechnungen haben nur dann eine Auswirkung auf den Gewerbeertrag, wenn sie den Freibetrag von 100.000 Euro überschreiten.

Kürzungen beim Gewerbeertrag

In § 9 des Gewerbesteuergesetzes sind verschiedene Positionen aufgeführt, die Sie vor der Berechnung des Gewebesteuerbetrages vom Betriebsergebnis abziehen dürfen. Hierzu zählen beispielsweise

  • Gewinne aus in- und ausländischen Kapitalgesellschaften
  • Gewinne ausländischer Betriebsstätten
  • 1,2 % des Einheitswertes des betrieblich genutzten Grundbesitzes
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge

Nach Berücksichtigung der Hinzurechnungen und Kürzungen erhalten Sie den korrigierten Gewerbeertrag, der für die Berechnung der Gewerbesteuer verwendet wird.

Beispiele für die Berechnung

Bei einem gleich hohen Betriebsergebnis ergeben sich je nach Rechtsform des Unternehmens unterschiedliche Gewerbesteuerbeträge. Der Unterschied ist im Gewerbesteuerfreibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften begründet. Nur der diesen Freibetrag übersteigende Gewerbeertrag findet Berücksichtigung bei der Ermittlung des Gewerbesteuerbetrages.

Zunächst erfolgt die Berechnung des Steuermessbetrages mit der Formel

(Korrigierter Gewerbeertrag – Freibetrag) x Steuermesszahl = Steuermessbetrag

Durch die Multiplikation des Steuermessbetrages mit dem Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde erfolgt die Berechnung der zu zahlenden Gewerbesteuer:

Steuermessbetrag x Gewerbesteuer-Hebesatz = Gewerbesteuer

Die beiden folgenden Beispielrechnungen für eine Personengesellschaft und eine GmbH
beruhen auf den gleichen Annahmen

korrigierter Gewerbeertrag: 200 000 Euro

Gewerbesteuerhebesatz Aachen: 475 %

Beispiel 1: Berechnung für eine Personengesellschaft

zu versteuernder Gewinn: (200.000 Euro – 24.500 Euro) = 175.000 Euro

Steuermessbetrag; 175.500 Euro x 0,035 = 6 142,50 Euro
Gewerbesteuer: 6.142,50 Euro x 4,75 = 29.176.88 Euro

Beispiel 2: Berechnung für eine GmbH
Gewerbesteuer

Wer zahlt wie viel?

zu versteuernder Gewinn: (200.000 Euro – 0 Euro) = 200.000 Euro

Steuermessbetrag; 200.000 Euro x 0,035 = 7.000 Euro
Gewerbesteuer: 7.000 Euro x 4,75 = 33.250 Euro

Kritik

Gewerbesteuern zählen zu den am häufigsten kritisierten Steuern in Deutschland. Hauptkritikpunkt ist, dass die Gewerbesteuer nicht als Betriebsausgabe vom Unternehmensgewinn abgezogen werden dürfen. Hinzu kommt, dass Gewerbetreibende diese Steuer als Privatentnahme buchen müssen.

Was ist der NPV?

Der Kapitalwert, auf Englisch auch“Net Present Value“ (NPV) genannt, gibt Auskunft darüber, ob sich ein bestimmtes Projekt aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Falls der Kapitalwert positiv ausfällt, kann sich der Investor sicher sein, dass sich die Investition lohnt. Im Rahmen der Berechnung der Net Present Value bewertet man frühere Erlöse höher als spätere. Im folgenden Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den NPV berechnen können und wie dieser funktioniert.

Allgemeine Informationen

Mit dem Net Present Value können Sie schnell und einfach herausfinden, ob ein Investment einen künftigen

NPV

Ist mein Plan wirklich rentabel?

Gewinn erwirtschaftet. Der Kapitalwert, den man auch als Nettobarwert (NBW) oder Net Present Value (NPV) bezeichnen kann, stellt eine sehr gute Basis dar, um die Wirtschaftlichkeit einer Investition einzustufen und aufgrund dieser Prognose die entsprechenden Entscheidungen zu treffen. Der NPV wird in vielen Fällen auch bei der Bewertung von Start-ups genutzt. Lesen Sie hier alles über Start-Ups.

Funktionsweise des NPV im Überblick

Der Kapitalwert berechnet sich mittels eins dynamischen Verfahrens und berücksichtigt dabei in erster Linie den Zeitwert. Im Rahmen eines NPV lassen sich frühere Erlöse höher bewerten als spätere. Falls Sie Ihr Kapital gewinnbringend anlegen möchten, sollten Sie unbedingt eine Berechnung des Kapitals durchführen lassen. Ergibt die Berechnung einen positiven NPV, lohnt sich das Investment. Ist der Wert negativ, sollten Sie mit Verlusten rechnen. Im Rahmen der Kapitalwert-Analyse addiert man das Anfangsinvestment mit den abgezinsten Ein- und Auszahlungen des darauffolgenden Zeitraums zusammen:

  1. Kapitalanlage in Personal, Marketing, Anlagen oder Maschinen
  2. Die ungefähre Laufzeit für die Fertigung von Produkten oder die Bereitstellung von Dienstleistungen. Diese gehen mit Kosten einher, bringen Gewinne und führen zu Aus- und Einzahlungen. Bei der Berechnung des NPV spielt die Laufzeit eine entscheidende Rolle. In vielen Fällen setzt man dabei eine Laufzeit von einem Jahr an, es können aber auch beliebig lange Zeiträume vorherrschen.
  3. Ein- und Auszahlungen: Bei Einzahlungen handelt es sich zum Beispiel um Gewinne aus dem Verkauf der Produkte bzw.
    NPV

    Mit welchem Risiko ist zu rechnen?

    Dienstleistungen, während Auszahlungen durch Kosten für Material, Personal und Dienstleistungen entstehen.

  4. Der Restwert: Nachdem die Laufzeit abgelaufen ist, verfügen die Anlagen und Maschinen noch über einen Restwert, den man als Einzahlung berechnet. Falls an dieser Stelle Kosten für die Beseitigung anfallen, entstehen dadurch Auszahlungen.
  5. Der Zinssatz: Falls das Investment über ein Darlehen finanziert ist, müssen Sie den dafür fälligen Zinssatz berücksichtigen. Des Weiteren muss man in der Abzinsung der Aus- und Einzahlungen die Inflation einberechnen. Das sich potenzielle Ein- und Auszahlungen über einen längeren Zeitraum in vielen Fällen nur schätzen lassen, muss an dieser Stelle ein Risikozuschlag verankert sein. Die Höhe der Net Present Value beruht im hohen Maße auf der Festlegung des Zinssatzes, da die potenziellen Gewinne für die Investoren hiervon abhängen.

Wie wird der NPV berechnet?

Um den Kapitalwert mit einer mathematischen Formel berechnen zu können, müssen zunächst alle wichtigen Parameter definiert sein.

  1. Investments und die damit einhergehenden Kosten: Hierzu gehören u. a die Anschaffung von Maschinen, Möbeln, Anlagen, Kosten für Dienstleistungen und Marketingmaßnahmen, Zahlungen für Schulungen. Nachdem alles vorhanden ist, was für die Produktion benötigt wird, werden die Güter produziert oder Dienstleistungen erbracht. Durch den Verkauf derselben werden Erlöse generiert. Hierbei handelt es sich um die Einzahlungen des ersten Jahres. Parallel werden jedoch auch weitere Auszahlungen verursacht, die durch Personal-, Material-, und Dienstleistungskosten entstehen.
  2. Über welchen Zeitraum soll das Investment im Unternehmen verbleiben? Dieser Zeitraum hängt direkt von der Laufzeit oder Nutzungsdauer ab. Ein- und Auszahlungen müssen dabei für den gesamten Zeitraum ermittelt werden. Falls die Nutzungsdauer abgelaufen ist, kann eventuell ein Teil des Investments entweder verkauft oder weiter genutzt werden. Der Investor bekommt in der Regel für den verbleibenden Restwert eine vorher vereinbarte Zahlung.
  3. Der Zinssatz: Bei der Berechnung der Zinsen können unterschiedliche Kriterien eine Rolle spielen und sich so direkt auf die Höhe der Zinsen auswirken. Zu diesen Faktoren gehören:
  • Der Zinssatz, der für die Kredite oder andere Darlehensformen erbracht werden muss
  • Risikozuschlag

    NPV

    Was bewirkt die Inflationsrate?

  • Inflationsrate
  • Weighted Average Cost of Capital

Sie sollten sich dessen bewusst sein: Je höher der Zinssatz ist, umso weniger gewinnbringender erscheint das Investment.

Beispiel für Berechnung der NPV

Im Folgenden zeigen wir Ihnen am Beispiel einer Fortbildung, wie Sie den Kapitalwert berechnen können:
Sie wollen sich weiterbilden und neben Ihrer derzeitigen Arbeit ein Teilzeitstudium absolvieren. Das Studium hat eine Dauer von drei Jahren. Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass Sie während dieser Zeit weniger arbeiten und demzufolge auch weniger verdienen, können Sie schnell und einfach berechnen, ob sich Ihre Weiterbildung in Zukunft tatsächlich lohnen wird. Bekommen Sie nach Abschluss Ihres Studiums eine höher bezahlte Stelle und Sie arbeiten dort für fünf Jahre, können Sie auf dieser Grundlage den NPV berechnen:
Monatliche Kosten:

  • 200 Euro für das Studium und das dazugehörige Arbeitsmaterial inklusive der Fahrkosten
  • 500 Euro weniger Gehalt
  • Nach Studienabschluss erhalten Sie 600 Euro mehr
  • Sie rechnen mit einem Zinssatz von 8 Prozent, weil Sie nicht genau wissen, ob Sie tatsächlich nach Ihrem Abschluss eine bessere Stelle in der Firma bekommen
  • Setzen Sie diese Daten in die NPV-Gleichung ein, kommen Sie auf einen Kapitalwert von rund 1200 Euro. Der NPV ist positiv und Sie sehen, dass sich die Investition lohnt.

Was sind Passiva?

Eine Bilanz setzt sich aus den Aktiva auf der linken und den Passiva auf der rechten Seite zusammen. Während die Aktiva die Kapitalquellen und Vermögenswerte eines Unternehmens darstellen, bilden die Passiva das verfügbare Kapital ab, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerte dient. Zwischen den beiden Seiten der Bilanz muss immer ein Gleichgewicht herrschen.

Passiva – Das Kapital eines Unternehmens

Die Passiva werden auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen und repräsentieren das Kapital eines Unternehmens. Sie informieren über die Mittelherkunft für die finanzierten Aktiva auf der linken Seite der Bilanz. Der Wert aller Aktiva muss immer dem Wert aller Passiva entsprechen. Dieser Wert wird als Bilanzsumme bezeichnet.

In den meisten Unternehmen besteht Passivierungspflicht. Das Unternehmen muss seine Posten an Eigenkapital und Fremdkapital in den Passiva der Bilanz buchen. Ein Passivierungswahlrecht oder sogar ein Passivierungsverbot besteht nur in einigen Ausnahmefällen.

Unterschied zu Aktiva

Während die Passiva darüber informieren, woher die Mittel stammen, gewähren die Aktiva Auskunft darüber, für welche Zwecke die Mittel verwendet werden. Häufig werden die Aktiva auch als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. Aus den Aktiva leiten sich die aktiven Bestandskonten und aus den Passiva die passiven Bestandskonten in der Finanzbuchhaltung ab. Abhängig davon, ob es sich um aktive oder passive Bestandskonten handelt, kommt es darauf an, auf welcher Seite der Anfangsbestand auf diesen Konten gebucht wird. Weiterhin leitet sich davon ab, wie Zugänge und Abgänge gebucht werden.

Die Unterteilung der Passiva

Die Unterteilung der Passiva ist in §266 III HGB geregelt. Grundsätzlich bestehen die Passiva aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der grundlegende Aufbau erfolgt in der Reihenfolge

– Eigenkapital

Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Passive Rechnungsabgrenzungsposten

– Passiv latente Steuern.

Die einzelnen Posten der Passiva sind zumeist noch weiter aufgegliedert.

Eigenkapital und Fremdkapital sind zwei unterschiedliche Finanzierungsquellen, die Unternehmen nutzen können. Das Eigenkapital kann in verschiedene Aspekte wie Kapitalrücklage, Gewinnrücklage und gezeichnetes Kapital untergliedert werden.

Das Fremdkapital ist ebenfalls untergliedert. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die sich aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Krediten ergeben.

Rechnungsabgrenzungsposten komplettieren die Passiva in der Bilanz. Sie entstehen nur in besonderen Fällen.

Das Eigenkapital eines Unternehmens

Das Eigenkapital steht ganz oben auf der Passivseite der Bilanz. Es handelt sich um das Kapital, das von den Eigentümern des Unternehmens eingezahlt wurde. Neben den finanziellen Mitteln der Eigentümer kann es sich auch um Sachwerte handeln, die den Eigentümern gehören.

Die Unternehmer oder Gesellschafter stellen mit ihren Einlagen dem Unternehmen das Eigenkapital zur Verfügung. Wenn keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen bestehen, können die Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, erfolgen. Die Überlassung des Eigenkapitals erfolgt langfristig. Sie ist unbefristet oder mit einer festen Laufzeit möglich. Die Unternehmer oder Gesellschafter haben keinen Anspruch auf eine Rückzahlung oder Verzinsung und gehen kein Liquiditätsrisiko durch Gewinne oder Verluste ein. Das von den Unternehmern oder Gesellschaftern eingebrachte Eigenkapital wird auch als gezeichnetes Kapital bezeichnet. Der Kapitalgeber haftet mit seinem Eigenkapital und hat ein Mitwirkungsrecht.

Zum Eigenkapital gehören auch Gewinnrücklagen des Vorjahres und Kapitalrücklagen. Ein Gewinnvortrag und ein Jahresüberschuss können das Eigenkapital erhöhen, während das Eigenkapital durch einen Verlustvortrag und einen Jahresfehlbetrag gemindert werden kann.

Rückstellungen bei den Passiva

Rückstellungen werden bei den Passiva nach dem Eigenkapital aufgeführt und werden für Zahlungen gebildet, die ein Unternehmen in der Zukunft leisten muss. Dabei weiß das Unternehmen noch nicht genau, in welcher Höhe die Zahlungen zu leisten sind. Solche Zahlungen können beispielsweise für drohende Prozesse oder Verfahren erforderlich sein.

Das Fremdkapital – die Verbindlichkeiten

Das Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Da es nur befristet verfügbar ist, muss es zurückgezahlt werden. Fremdkapital und Eigenkapital dienen der Beschaffung von Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Fremdkapital ist gewinn- und verlustunabhängig. Es erfordert Sicherheiten und steht bei der Verwertung im Rang vor dem Eigenkapital. Der Fremdkapitalgeber muss nicht haften und hat als Gläubiger keine Mitwirkungsrechte.

Verbindlichkeiten bestehen aus

Kreditoren von Lieferanten aus Lieferungen und Leistungen

Debitoren als Forderungen an Kunden und erhaltene Anzahlungen

– Krediten, Darlehen, Anleihen und Wechseln

– Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Rückstellungen können das Fremdkapital erhöhen.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus den Passiva können verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet werden:

Eine wichtige Kennzahl für das Eigenkapital ist die Eigenkapitalquote. Sie wird ermittelt, indem die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Sie gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad drückt das Verhältnis vom Fremdkapital zum Eigenkapital aus. Er informiert über den finanziellen Spielraum eines Unternehmens und ist im Rahmen einer Fundamentalanalyse bei Aktien für Anleger von Bedeutung. Anhand des Verschuldungsgrades erfahren potentielle Käufer des Unternehmens sowie Investoren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. Der Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Bonität des Unternehmens. Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, wird das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert.

Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine wichtige Erfolgskennzahl, die ermittelt wird, indem der Gewinn und die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen addiert und durch die Bilanzsumme dividiert werden. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert werden. Je höher die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens in Prozent ist, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Was sind Aktiva?

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und stellen die Kapitalquellen sowie die Vermögenswerte des Unternehmens dar. Den Aktiva stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz gegenüber. Sie stellen das Kapital dar, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerten erforderlich ist. Die Summe der Aktiva muss immer der Summe der Passiva entsprechen.

Aktiva als Vermögen eines Unternehmens

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und informieren darüber, in welche Werte ein Unternehmen sein Kapital investiert hat. Es handelt sich um das Vermögen eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz für das Kapital, das zur Finanzierung der Vermögenswerte dient. Die Summe der Aktiva ist die Summe der Vermögenswerte und muss mit der Summe der Passiva übereinstimmen. Sie bildet die Bilanzsumme.

Zu diesen Vermögenswerten gehören Anlagen, Maschinen, angelegte Wertpapiere und Bankkonten. Bei den Vermögenswerten wird zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. In den meisten Unternehmen besteht eine Aktivierungspflicht. Das Unternehmen ist verpflichtet, seine Vermögenswerte in der Bilanz darzustellen. Es muss dabei Bilanzklarheit, Bilanzwahrheit und Bilanzkontinuität wahren. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen ein Aktivierungswahlrecht oder sogar ein Aktivierungsverbot besteht.

Unterschied zu Passiva

Die Aktiva geben Auskunft darüber, wofür das Kapital eines Unternehmens verwendet wurde. Im Gegensatz dazu informieren die Passiva über die Herkunft der Mittel zur Finanzierung der Vermögenswerte. Die Aktiva werden häufig als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. In die Aktiva fließen die aktiven Bestandskonten, in die Passiva die passiven Bestandskonten aus der Finanzbuchhaltung ein. Es ist abhängig davon, ob es sich um ein Aktivkonto oder um ein Passivkonto handelt, auf welcher Seite dieses Kontos der Anfangsbestand gebucht wird. Die Tatsache, ob es sich um ein Aktiv- oder um ein Passivkonto handelt, ist auch relevant dafür, auf welcher Seite Zugänge und Abgänge erfasst werden.

 

Die Unterteilung der Aktiva

Im § 266 II HGB ist geregelt, wie die Aktiva in einer Bilanz aufgebaut sind. Die Aktiva setzen sich aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen zusammen, die wiederum unterteilt sind. Bei der Erfassung der verschiedenen Aktivposten in der Bilanz muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. Auf der Aktivseite müssen die Vermögenswerte in nachfolgender Reihenfolge erfasst werden:

– Anlagevermögen, unterteilt in

Immaterielle Vermögensgegenstände

Sachanlagen

Finanzanlagen

– Umlaufvermögen, unterteilt in

Vorräte

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

Wertpapiere

Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks

Rechnungsabgrenzungsposten

– Aktiv latente Steuern

– Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.

Finanzierung der Vermögenswerte

Die Aktiva in der Bilanz werden durch die Passiva finanziert, bei denen zwischen Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden wird. Eigenkapital wird von den Unternehmern oder Gesellschaftern in Form von finanziellen Mitteln oder Betriebsmitteln wie Maschinen und Anlagen in das Unternehmen eingebracht.Beim Fremdkapital handelt es sich um die Mittel, die einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt werden. Das Unternehmen muss das Fremdkapital wieder zurückzahlen, da es nur zeitlich begrenzt zur Verfügung steht.

 

Das Anlagevermögen als Bestandteil der Aktiva

Das Anlagevermögen ist ein Hauptposten der Aktiva und soll dem Unternehmen langfristig dienen. Die im Anlagevermögen enthaltenen Vermögensgegenstände sind zum Aufbau, zur Ausstattung und zur Funktionsfähigkeit eines Unternehmens erforderlich. Sie sind im Unternehmen dauerhaft gebunden. Das Anlagevermögen umfasst

– Immaterielle Wirtschaftsgüter, zu denen Patente, Lizenzen, Verlagsrechte, Marken und Rezepturen gehören

– Sachanlagen, beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Betriebs- und Geschäftsausstattungen, Maschinen

– Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Anteile an anderen Unternehmen

Die Vermögensgegenstände, die zum Anlagevermögen gehören, müssen auch dann in die Aktiva aufgenommen werden, wenn sie vom Unternehmen selbst erstellt wurden, beispielsweise durch das Unternehmen erstellte Software.

Der Wert vieler Gegenstände des Anlagevermögens wird durch Abschreibungen reduziert.

 

Umlaufvermögen als weiterer Hauptposten der Aktiva

Ein weiterer Hauptposten der Aktiva ist das Umlaufvermögen. Es befindet sich im Umlauf und dient dem Unternehmen nur kurzfristig. Beim Umlaufvermögen handelt es sich um Vermögensgegenstände, die zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur Rückzahlung notwendig sind.

 

Nebenposten der Aktiva

Die Nebenposten der Aktiva umfassen

– aktive Rechnungsabgrenzungsposten, die gebildet werden, wenn ein Unternehmen bereits eine Zahlung geleistet hat, für die es erst in der nächsten Abrechnungsperiode den Gegenwert erhält

– aktiv latente Steuern, die entstehen, wenn der Steuerbestand in der Handelsbilanz niedriger als in der Steuerbilanz ist

– aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung als Schulden, bei denen das Vermögen einem einzigen Zweck dient und dem Zugriff durch Gläubiger entzogen wurde.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus der Bilanz können wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen gebildet werden:

Der Verschuldungsgrad spielt bei der Bewertung der Bonität eines Unternehmens eine wichtige Rolle und wird ermittelt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert und mit 100 multipliziert wird. Er stellt das Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital dar.

Die Gesamtkapitalrentabilität wird in Prozent angegeben und informiert darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Der Gewinn des Unternehmens wird mit den geleisteten Zinsen auf Fremdkapital addiert. Diese Summe wird durch die Bilanzsumme dividiert und mit 100 multipliziert. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen sein. Umso höher die Gesamtkapitalrentabilität, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was versteht man unter einem Staatsbankrott?

Ein Staatsbankrott beziehungsweise eine Staatsinsolvenz liegt vor, wenn eine Regierung fällige Zahlungen nicht oder nur noch teilweise begleichen kann. Ebenso ist es möglich, dass die Regierung eigenständig den Staatsbankrott erklärt, da sie Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Blickwinkel Völkerrecht: So wird der Staatsbankrott im Völkerrecht behandelt

Zahlungsverpflichtungen bleiben bestehen, selbst, wenn der Schuldner keine Vermögenswerte und flüssigen Mittel haben sollte. Analog zum deutschen Zivilrecht gilt dieser Grundsatz auch im Völkerrecht. Ist es dem Staat nicht möglich, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, bleibt nur der Weg in die Insolvenz – also in den Staatsbankrott. Im Gegensatz zum nationalen Insolvenzrecht ist die Staatsinsolvenz nicht gesetzlich vorgesehen. Der Staat ist ein übergeordnetes Gebilde – er muss sich aus den nationalen Insolvenzregeln ausklammern. § 12 Absatz 1 Nummer 1 InsO regelt diese Situation für Deutschland:

Ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Bundes ist nicht möglich. Staaten können keinem Insolvenzverfahren unterworfen werden. Aus ökonomischer Sicht lässt sich das Verbot eines Insolvenzverfahrens für Staaten mit dem Verweis auf die potenziell unbegrenzten Staatseinnahmequellen erklären. Dem Staat kommt im Wirtschaftsleben eine Sonderrolle zu. Dennoch können Staaten faktisch zahlungsunfähig sein und müssen drastische Einschnitte im wirtschaftlichen sowie sozialen Alltag vornehmen. Schuldenerlasse sind möglich, jedoch rechtfertigt die Angabe des Staates, zahlungsunfähig zu sein, nicht die Verneinung der Gültigkeit von Zahlungsverpflichtungen. Vor allem private Gläubiger eines Staates sollen geschützt werden, sie sollen erst bei Ausschöpfung aller anderen Mittel auf ihre Interessen verzichten müssen. Diese Sichtweise wurde unter anderem vom Bundesverfassungsgericht im Jahr 2007 bestätigt. Lesen Sie hier alles zum Thema Schuldenerlass.

Der Fall Argentinien: Staatsbankrott gegen privatrechtliche Zahlungsansprüche

Staatsbankrott

Ein Staatsbankrott kann jede Landesgröße treffen

Das Bundesverfassungsgericht stellte 2007 fest, dass keine allgemeinen Regeln im Völkerrecht existieren, die dem Staat das Recht geben, die Erfüllung von privatrechtlichen Zahlungsansprüchen gegenüber Staatsanlagegläubigern zu verweigern. Argentinien hatte zuvor einseitig das Zahlungsmoratorium ausgerufen. Laut Aussage des Bundesverfassungsgericht geben die allgemeinen Grundsätze des Staatsnotstands keine ausreichende Begründung für die Rechtfertigung von Vertragsverletzungen zwischen dem Staat und privaten Akteuren.

Die internationale Doktrin berücksichtigt, dass Staaten bei wirtschaftlichen und finanziellen Problemen den Staatsnotstand ausrufen können. Allerdings ist die Angabe, die Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen sei für den Staat wirtschaftlich unmöglich, nicht ausreichend, um einen grundsätzlichen Verzicht auf Zahlungsverpflichtungen zu begründen. Es ist erforderlich, nachzuweisen, dass die Zahlungen für den Staat selbstdestruktiv wären. Führt die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen dazu, dass der Staat seine grundlegenden staatlichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann, dann liegen besondere Umstände vor, die die Einstellung von Zahlungen an private Gläubiger völkerrechtlich rechtfertigen. Zu den grundlegenden staatlichen Aufgaben gehören insbesondere die Rechtspflege, die Gesundheitsvorsorge und die Schulbildung.

Blickwinkel Sozialwissenschaften: Drei Arten von Staatsbankrotten

Sozialwissenschaftler unterscheiden drei Arten von Staatsbankrotten:

  1. Rechtliche Staatsinsolvenz: Der Staat bestreitet die Rechtmäßigkeit der Kreditaufnahme und weist Schuldverpflichtungen zurück. Ein Beispiel ist Weigerung des Staates im Jahr 1841, Bankschuldverschreibungen im Wert von mehr als 7 Millionen Dollar anzuerkennen. Der Staat erklärte die Bankschuldverschreibungen für verfassungswidrig und wies diesbezügliche Verpflichtungen zurück.
  2. Politisch motivierter Staatsbankrott: Die Regierung gibt an, nicht an die Zahlungsverpflichtung der Vorgängerregierung gebunden zu sein. Ein Beispiel ist Weigerung der russischen Regierung im Jahr 1917, die Schulden des Zarenreichs zu übernehmen.
  3. Finanzielle Staatsinsolvenz: Der Staat stellt klar, seine Zahlungen einzustellen. Oftmals besteht ein zeitlicher Zusammenhang zum Einbruch der Landeswährung, wie es im Jahr 1995 in Mexiko der Fall war.
    In der heutigen Zeit ist vor allem der finanzielle Staatsbankrott von Belangen.

Blickwinkel Internationales Währungsrecht

Staatsbankrott

Wie kommt es zum Bankrott?

Das internationale Währungsrecht kennt kein Insolvenzverfahren für Staaten. Normen, die dabei helfen, zu definieren, wann ein Schuldnerstaat zahlungsunfähig ist, existieren bislang nicht. Die Klassifizierung ist erschwert. Im zwischenstaatlichen Bereich hat sich jedoch eine gewisse Praxis etabliert, Zahlungskrisen zu bewältigen. Umschuldungsverhandlungen sollen dem drohenden Verzug der Erfüllung von Auslandsverpflichtungen entgegenwirken. Der IWF ermittelt die Finanzierungslücke, sodass sich der Grad der Umschuldung bestimmen lässt.

Welche Ursachen hat ein Staatsbankrott?

Möglich sind zwei Ursachen:

  • Ökonomisch bedingter Staatsbankrott
  • Politisch bedingter Staatsbankrott

Ein ökonomisch bedingter Staatsbankrott bedeutet, dass der Staat überschuldet ist. Ein hoher Schuldenstand und ein Missverhältnis zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen führen zu dieser Situation. Die Gläubiger zweifeln an, dass der Staat seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Eine derartige Situation entsteht beispielsweise durch eine schlecht laufende Wirtschaft und zu hohe Ausgaben. Allgemeine Finanzkrisen begünstigen Staatsinsolvenzen. Der politisch bedingte Staatsbankrott wird durch die Weigerung der Regierung zur Erfüllung der Verbindlichkeiten ausgelöst. Regimewechsel oder Revolutionen führen dazu, dass sich Regierungen nicht an die Zahlungsverpflichtungen ihrer Vorgänger gebunden fühlen. Obgleich dem Staat Geld zur Verfügung steht, bedient er seine Schulden nicht mehr.

In welchen Indikatoren wird der Staatsbankrott gemessen?

Ökonomische Marktindikatoren sind Kennzahlen, die aus dem Staatshaushalt abgeleitet werden. Die Gruppe der Marktindikatoren umfasst aktuelle Kurs- und Zinsentwicklungen.

Staatsbankrott

Welche Aussagen stehen hinter den Schulden?

Drei wichtige Kennzahlen:

  • Die Schuldenquote ist definiert als der Quotient von Staatsverschuldung und Staatseinnahmen.
  • Der Schuldendienstdeckungsgrad ist der Quotient aus der Summe von Zinsen und Tilgung und den Staatseinnahmen.
  • Die Schuldendeckung ist der Quotient aus der Staatsverschuldung und den Exporterlösen.
    Schuldentragfähigkeit liegt vor, wenn die Schuldenquote weniger als 200 bis 250 Prozent beträgt.
  • Der Schuldendeckungsgrad muss weniger als 20 bis 25 Prozent betragen.