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Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist Fremdfinanzierung?

Unter Fremdfinanzierung versteht man in der Betriebswirtschaftslehre Maßnahmen im Rahmen der Unternehmensfinanzierung, bei denen man einem Unternehmen oder einer sonstigen juristischen Person Fremdkapital für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellt. Gegensatz dazu ist die Eigenfinanzierung, bei der dem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt wird. Instrumente der Fremdfinanzierung sind Mittel von Gläubigern. Zins und Tilgung für die Fremdfinanzierung gehen zu Lasten der Liquidität. Gleichzeitig sind mit der Fremdfinanzierung spezifische Vorteile verbunden.

Kennzeichen für die Fremdfinanzierung

Charakteristisch für die Fremdfinanzierung ist, dass das Unternehmen gegenüber Dritten zur Rückzahlung des nominellen Betrags verpflichtet ist. Außerdem ist der Kapitalnehmer gehalten, einen Zins zu zahlen. Dieser Zins ist erfolgsunabhängig. Die Kapitalgeber haften nicht, sondern sind Gläubiger des Unternehmens. Dabei sind sie nicht berechtigt, auf Entscheidungen der Unternehmensführung Einfluss zu nehmen.

Abgrenzung zwischen Fremd- und Eigenfinanzierung

Wenn die Möglichkeit der Rückzahlung besteht, gehört die entsprechende Bilanzposition zur Fremdfinanzierung. Daher zählen Rückstellungen, wie beispielsweise Pensionsrückstellungen, zum Fremdkapital. Als Mischform zwischen Eigenkapital und Fremdkapital existieren die hybriden Eigenkapitalformen (=Mezzanine-Kapital). Diese liegen vor, wenn einem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung gestellt wird, ohne dass die Kapitalgeber das Recht erhalten, Einfluss zu nehmen oder Residualansprüche geltend zu machen. Lesen Sie hier alles zum Mezzanine-Kapital.

Welche Arten von Fremdkapital gibt es?

Fremdfinanzierung

Wozu werden Kredite gezählt?

Entsprechend der Laufzeit kann zwischen kurzfristigen und langfristigen Arten der Fremdfinanzierung unterschieden werden. Zur kurzfristigen Kreditfinanzierung zählen Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Beispiele hierfür sind kurzfristige Bankkredite, LieferantenkrediteKundenkredite (Anzahlungen) und öffentlich-rechtliche Verbindlichkeiten wie Steuerschulden. Beispiele für langfristige Kreditfinanzierung sind Darlehen von Kreditinstituten, Anleihen und Schuldscheindarlehen. Eine weitere Kategorie sind Kreditsubstitute. Hierzu gehören Leasing, FactoringFranchising und Forfaitierung (=Exportfinanzierung).

Innenfinanzierung und Außenfinanzierung

Eine andere Unterscheidung innerhalb der Unternehmensfinanzierung ist die zwischen Innenfinanzierung und Außenfinanzierung. Innenfinanzierung liegt vor, wenn sich die Finanzierungsquelle im eigenen Unternehmen befindet. Anderenfalls handelt es sich um Außenfinanzierung. Damit kann die Fremdfinanzierung zur Außenfinanzierung gehören, soweit sie über Kredite erfolgt. Oder sie zählt zur Innenfinanzierung. Dies ist der Fall, wenn aus Gewinnen Rückstellungen gebildet werden. In der Regel gehört der größere Teil der Fremdfinanzierung zur Außenfinanzierung.

Wie wird das Fremdkapital bilanziert?

Das Fremdkapital wird laut Handelsgesetzbuch auf der Passivseite verbucht. Dabei ist zu trennen zwischen Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Alle Fremdfinanzierungen sind mit der jeweiligen Herkunftsart und der Laufzeit auszuweisen. Dabei wird unterschieden nach der Restlaufzeit (unter oder über einem Jahr). Fremdfinanzierungen mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren sind gesondert mit ihrem Umfang und ihrer Form auszuweisen.

Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern

Darüber hinaus sind Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern anzugeben. Mit Hilfe

Fremdfinanzierung

Auch latente Steuern gehören zur Fremdfinanzierung

der Rechnungsabgrenzung werden Werte in der Gewinn- und Verlustrechnung der Bilanz der jeweiligen Rechnungsperiode (z. B. Geschäftsjahr) zugeordnet. Latente (= verborgene) Steuern sind solche Steuerlasten oder Steuervorteile, die aus Unterschieden in ihrer Bewertung von Vermögensgegenständen oder Schulden zwischen der Steuerbilanz und der Handelsbilanz entstanden sind. Diese werden sich in späteren Perioden voraussichtlich abbauen. Aktive latente Steuern werden in der Zukunft zu Steuervorteilen führen. Dagegen werden passive latente Steuern in der Zukunft zu Steuerlasten führen.

Kennzahlen

Die Kennzahl, mit der das Ausmaß der Fremdfinanzierung bestimmt wird, ist die Fremdkapitalquote. Diese errechnet sich mit der Formel:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme x 100 %

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote wird oft als Verschuldungsgrad bezeichnet. Dies ist aber nicht korrekt, da der Verschuldungsgrad dem Verhältnis von Fremdkapital zum Eigenkapital entspricht. Sowohl Fremdkapitalquote als auch Verschuldungsgrad zählen zu den vertikalen Schuldenkennzahlen. Hiervon zu unterscheiden sind die horizontalen Schuldenkennzahlen, wie zum Beispiel der Liquiditätsgrad. Dieser gibt Auskunft darüber, inwieweit ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachkommen kann.

Vorteile der Fremdfinanzierung

Die Vergütung, die für die Bereitstellung des Fremdkapitals fällig wird, stellt Betriebsausgaben dar und mindert damit die Steuerschuld. Bei der Eigenfinanzierung ist dieser steuermindernde Effekt nicht möglich. Darüber hinaus können Unternehmen mit Hilfe der Fremdfinanzierung den Leverage-Effekt nutzen. Dieser bezeichnet die Wirkung einer Ausweitung des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrentabilität und damit auf die Eigenkapitalrendite für die Eigentümer. Voraussetzung hierfür ist, dass die Investitionsrendit (=Gesamtkapitalrendite) oberhalb des Zinssatzes für das Fremdkapital liegt. Beispielsweise zahlt ein Unternehmen einen Zinssatz von drei Prozent für das Darlehen einer Bank, erzielt durch die Investition aber eine Rendite in Höhe von sechs Prozent.

Nachteile der Fremdfinanzierung

Fremdfinanzierung

Fremdfinanzierung hat immer ein gewisses Risiko

Mit der Fremdfinanzierung ist ein höheres unternehmerisches Risiko verbunden. Eine steigende Fremdkapitalquote trägt dazu bei, dass die Liquiditäts– und Refinanzierungsrisiken in der Zukunft zunehmen. Umgekehrt reduziert man bei einer sinkenden Fremdkapitalquote das Ausfallrisiko der Gläubiger, da die Forderungen in steigendem Umfang durch Unternehmensvermögen gedeckt sind. Bei sinkenden Umsätzen kann es für das Unternehmen schwierig werden, Zinsen und Tilgung zu leisten. Das Risiko der Zahlungsunfähigkeit bzw. der Überschuldung steigt.

Darüber hinaus steigt bei zunehmender Fremdkapitalquote der Break-even-Point an (cost leverage). Dies ist der Punkt, an dem sich Erlös und Kosten entsprechen. Das bedeutet, dass das Unternehmen bei steigender Fremdkapitalquote mehr produzieren muss, damit der Erlös den Kosten entspricht. Die Höhe der Fremdkapitalquote variiert zwischen den Branchen stark. Am höchsten ist diese bei Kreditinstituten ausgeprägt. Es folgen das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Großhandel. Am geringsten ist die Fremdkapitalquote in der Automobilindustrie, der optischen Industrie und im verarbeitenden Gewerbe.

Fremdkapitalquote – was steckt dahinter?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkgapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl(en), die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote setzt man bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote dividiert man das Fremdkapital eines Unternehmens durch das

FK-Quote

Die Berechnung der FK-Quote ist nicht allzu kompliziert

Gesamtkapital. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung folgt die Gleichsetzung von Bilanzsumme und Gesamtkapital. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital und Eigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt der Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens. Lesen Sie hier alles zur Bonität.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter, als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze für die Fremdkapitalquote?

FK-Quote

Was bedeuten die Ergebnisse?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung überlässt man alleine den Unternehmern. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel können jedoch noch lange nicht alle KMU erreichen.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ( KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

FK-Quote

Der Leverage-Effekt ist nicht das gleiche wie die FK-Quote

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Was ist Fremdkapital?

Das Fremdkapital (engl.: debtdebt capital) ist der Unternehmung von Gläubigern zur Verfügung gestellt. Die Mittel sind befristet und müssen zurückgezahlt werden. Mit Fremdkapital und Eigenkapital werden Anlagevermögen und Umlaufvermögen beschafft.

Merkmale des Fremdkapitals:

– Gewinn- und Verlust-unabhängiges Entgelt (Zinsen)
– zeitlich befristete Überlassung
– kündbar
– erfordert Sicherheiten
– im Rang vor dem Eigenkapital (bei Verwertungen)
– keine Haftung des Fremdkapitalgebers
– keine Mitwirkungsrechte des Gläubigers.

 

Abgrenzung Fremdkapital und Eigenkapital

Fremdkapital wird befristet vergeben und kann vom Gläubiger gekündigt werden. Der Fremdkapitalgeber hat einen Vergütungsanspruch (Darlehenszinsen), der vom Gewinn- und Verlust des Bilanzjahres unabhängig ist. Auch Inhaber und Gesellschafter können neben ihren Eigenkapitalanteilen der Unternehmung Fremdkapital in Form von Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Fremdkapital ist Teil der unternehmerischen Fremdfinanzierung und eine Form der Außenfinanzierung. Es kann jedoch auch in der Innenfinanzierung generiert werden, wie beispielsweise über Rückstellungen.

Fremdkapital oder Eigenkapital

Fremdkapital oder Eigenkapital?

Hybride Kapitalanteile und Mezzanine

Die Abgrenzung zwischen Fremd- und Eigenkapital kann für Analysten und Banken schwierig sein. Im Allgemeinen werden Bilanzposition nicht mehr als Eigenkapital eingestuft, sobald die geringste Rückzahlungsmöglichkeit besteht. Auch mit einer erfolgsunabhängigen Verzinsung zählt das Kapital regelmäßig zum Fremdkapital. Hybride Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital werden Mezzanine-Kapital genannt. Rückstellungen, einschließlich Pensionsrückstellungen, sind immer Fremdkapital, da eine Rückzahlungswahrscheinlichkeit vorhanden ist (mindestens 50 Prozent). Lesen Sie hier mehr über das Mezzanine-Kapital.

Immobilienfinanzierung mit Fremdkapitalbeteiligung

Beim Immobilienkauf und in Bauprojekten ist das Fremdkapital die Summe aller aufgenommenen Darlehen für die Finanzierung. Das Fremdkapital des Bauvorhabens setzt sich aus Darlehen und Krediten bei Banken, Versicherungen und anderen Instituten, Arbeitgebern (Arbeitgeberdarlehen), der öffentlichen Hand (KommunaldarlehenKfW) und Privatpersonen zusammen. Zur Versicherung der Darlehen tritt der Bauherr den Kreditinstituten Rechte am Bauobjekt ab (Grundpfandrechte).

Vorteile des Fremdkapitals

– Erhöhung der Liquidität
– Keine Änderung bei der Mitbestimmung
– Keine Änderung bei der Verteilung der Geschäftsbeteiligungen
– Nutzung des Leverage-Effekts (Gewinnsteigerung, höhere Rendite)
– Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität (attraktiv für Investoren)
– Zinsen können als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden.

Nachteile des Fremdkapitals

– Sicherheiten sind erforderlich
– Zinszahlungen auch bei schlechter Geschäftslage
– Befristete Laufzeit des Kapitals
– Minderung der unternehmerischen Unabhängigkeit.

Fristigkeiten des Fremdkapitals

Fremdkapital wird nach seiner Laufzeit (kurz-, mittel- und langfristig) unterschieden. Mittelfristige Fremdkapitalanteile ergeben sich aus dem Saldo zwischen kurzfristigen und langfristigen Verbindlichkeiten. Wichtig ist die Unterscheidung der Fristigkeiten für die Passivierung der Verbindlichkeiten in der Bilanz sowie bei Auswertungen der Vermögenssituation mit Kennzahlen.

Bilanzierung des Fremdkapitals

Fremdkapital bilanzieren

Die Passiv-Seite der Bilanz wird relevant

Reicht das Eigenkapital nicht aus, kann das Unternehmen zur Finanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen (z. B. Anlagen, Fuhrpark, Vorräte) zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Das Fremdkapital erscheint mit dem Eigenkapital auf der Passiva der Bilanz.

Verbindlichkeiten (§ 266 Abs. 3 C HGB)
+ Rückstellungen (§ 266 Abs. 3 B HGB)
Rechnungsabgrenzungsposten (§ 266 Abs. 3 D HGB)
+ latente Steuern (§ 266 Abs. 3 E HGB)
= Summe des Fremdkapitals nach § 266 HGB

Bei der Bilanzierung muss das Fremdkapital (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) nach Herkunftsarten und Laufzeiten gegliedert werden. Nach § 268 Abs. 5 HGB sind Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr und ab einem 1 Jahr auszuweisen. Bei Restlaufzeiten von mehr als 5 Jahren sind nach § 285 Nr. 1 HGB Angaben über Art, Umfang und Form der gestellten Sicherheiten im Anhang zu machen.

Die Verbindlichkeiten des Fremdkapitals

Verbindlichkeiten sind Teil des Fremdkapitals. Zur Erhöhung des Fremdkapitals geht das Unternehmen als Schuldner eine Verpflichtung gegenüber einem Dritten (Gläubiger) ein. Bilanztechnisch sind Verbindlichkeiten die Verpflichtungen zu einer Lieferung oder sonstigen Leistung. Das Gegenstück zur Verbindlichkeit ist die Forderung.

Arten der Verbindlichkeiten (englfinancial liabilities)

– Kreditoren (Lieferanten): Lieferungen und Leistungen
– Debitoren (Kunden): erhaltene Anzahlungen
– Kreditinstitute: Darlehen, Kredite, Wechsel, Anleihen
– Finanzamt: sonstige Verbindlichkeiten (siehe auch Rückstellungen).

Die Bewertung der Verbindlichkeiten erfolgt nach § 253 Abs. 1 HGB zum Erfüllungsbetrag, der den Anschaffungskosten entspricht. Bei der Umrechnung von Verbindlichkeiten in Fremdwährungen ist § 256a HGB anzuwenden.

Ungewissheit bei Rückstellungen

Rückstellungen erhöhen das Fremdkapital. Sie werden gebildet, um dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip aus § 252 HGB zu genügen.

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, deren Bestehen oder Höhe zum Bilanzstichtag ungewiss sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fällig werden, muss hinreichend groß sein. Rückstellungen werden wie Verbindlichkeiten als Fremdkapitalteile auf der Passiva der Bilanz verbucht. Anzunehmen ist nach § 253 Abs. 1 HGB der Betrag zur Erfüllung der Verbindlichkeit (Erfüllungsbetrag).

Fremdkapital und Rückstellungen

Was sind Rückstellungen?

Unterschieden werden
– Pensionsrückstellungen (§ 249 Abs. 1 HGB) für Pensionszusagen des Unternehmens gegenüber dem Mitarbeiter.
– Steuerrückstellungen, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Die Steuern müssen bis zum Ende des Geschäftsjahres wirtschaftlich entstanden sein. Passiv latente Steuern werden in § 274 Abs. 1 HGB geregelt.
Sonstige Rückstellungen werden aus Kulanzgründen (Beseitigung von Mängeln an Lieferungen und Leistungen), aufgrund von Drohverlust nach § 249 Abs. 1 HGB und aus Garantieverpflichtungen gebildet.

Weitere Rückstellungen können für Prozesse, Provisionen, Aufwände für unterlassene Instandhaltungen sowie für Jahresabschluss- und Prüfungskosten veranlasst werden. Rückstellungen sind nicht mit Rücklagen zu verwechseln, die dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Bei den Rücklagen sind Höhe und Bestehen bekannt.

Rechnungsabgrenzungsposten

Rechnungsabgrenzungsposten werden als Fremdkapital in der Bilanz ausgewiesen. Mit der Rechnungsabgrenzung werden Werte aus GuV und Bilanz der tatsächlichen Rechnungsperiode (z. B. Quartal, Geschäftsjahr) zugeordnet.
Beispiel: Mit dem Kunden wurde ein Zahlungsziel vereinbart. Lieferung und Leistung fallen in unterschiedliche Bilanzjahre.

Fremdkapital in der Liquidation

Die Ansprüche aus Fremdkapitalforderungen stehen im Rang vor den Eigenkapitalforderungen. Ist ein Gesellschafter mit seiner Eigenkapitaleinlage im Rückstand, kann der Insolvenzverwalter nach § 171 Abs. 2 HGB die Leistung in die Masse verlangen.

Anders verhält es sich bei Gesellschafterkrediten oder des von Nichtgesellschaftern bereit gestellten Fremdkapitals. Im Falle eines Insolvenzverfahrens können sie vom Gläubiger außerordentlich gekündigt werden (§ 490 Abs. 1 BGB). Wurde die Darlehenssumme bereits ausgezahlt, kann der Gläubiger einen Rückforderungsanspruch geltend machen und am Insolvenzverfahren teilnehmen.

Der Rang des Fremdkapitals nach seiner Absicherung

Bei Immobiliendarlehen kann eine weitere Klassifizierung des Fremdkapitals über seine Absicherung erfolgen:

Erstrangig abgesichertes Fremdkapital (englsenior debt): Das Immobilienprojekt wird mit einem Darlehen finanziert, das mit einer erstrangigen Grundschuld besichert ist. Erstrangig eingetragene Gläubiger werden bei einer Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz zuerst bedient.
Nachrangig abgesichertes Fremdkapital (eng. junior debt) und Mezzanine-Kapital: Je nach Ausgestaltung ist das überlassene Kapital bilanziell dem Eigenkapital zuzurechnen.

Kennzahlen des Fremdkapitals

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse des Fremdkapitals liefern wichtige Aussagen für Bilanzanalysen und Bonitätsaussagen der Kreditinstitute.

Fremdkapital Kennzahlen

Was sagt das Fremdkapital aus?

Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote (AnspannungskoeffizientAnspannungsgrad) ist mit der Eigenkapitalquote die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie ermittelt den Anteil der Fremdfinanzierung an der Gesamtfinanzierung (Bilanzsumme).

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme * 100

Mit hohen Fremdkapitalquoten steigt der Zinsaufwand, da Gläubiger für das geliehene Kapital ein Entgelt verlangen. Ein hoher Schuldendienst des Unternehmens mindert wiederum den Gewinn. Mit zunehmender Verschuldung steigt demnach der Break-Even-Point an (cost leverage).

Eine hohe Fremdkapitalquote schlägt sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nieder. Sie bringt Risiken bei der Beschäftigung, der Refinanzierung und der Liquidität mit sich. Bei hohem Fremdkapitalanteil steigt das Ausfallrisiko von Gläubigern. Neue Kredite lassen sich unter Umständen nur noch zu ungünstigen Konditionen aufnehmen. Übliche Fremdkapitalquoten liegen im Baugewerbe bei etwa 72 %, im Einzelhandel mit 62 % und in der Automobilindustrie bei 39 % der Bilanzsumme.

Liquidität

Die Kennzahlen für die Liquidität werden nach ihrer Fristigkeit unterschieden (Liquidität I bis III). Im englischen sind je nach Fristigkeit unterschiedliche Begriffe üblich: Current Ratio, Cash Ratio (Barliquidität), Acid Test Ratio (Quick Ratio).

Liquidität 1. Grades

Die Kennzahl für die Barliquidität sollte größer oder gleich 0,2 sein. Die Liquidität I ermittelt das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie zeigt an, ob ein Unternehmen seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen durch die verfügbaren liquiden Mittel erfüllen kann.

Liquidität I (Cash Ratio) = liquid Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades

Die Liquidität II ermittelt das Verhältnis der kurzfristige Geldmittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Beträgt die Liquidität II 1 oder mehr, können alle kurzfristige Verbindlichkeiten mit den kurzfrisitgen Geldmitteln gezahlt werden. Bei einem Wert kleiner 1 muss das Unternehmen Mittel beschaffen, um den Verbindlichkeiten nachkommen zu können.

Liquidität II (Acid Test Ratio ATR, auch Quick Ratio) = (Geldvermögen + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 3. Grades

Ist die Liquidität III kleiner oder gleich 1, muss unter Umständen Anlagevermögen (Maschinen, Fahrzeuge u.ä.) zur Deckung verkauft werden. Nach der Banker’s Rule (Two-to-One-Rule) sollte die Liquidität III mindestens 2 sein.

Liquidität III (Current Ratio) = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Gesamtkapitalrentabilität

Die GKR (GesamtkapitalrenditeKapitalrentabilitätUnternehmensrenditeUnternehmensrentabilitätenglReturn on AssetsRoA) gibt an, wie gibt an, wie effizient der Kapitaleinsatz innerhalb der Abrechnungsperiode war.

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn aus GuV + Fremdkapitalzinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital)

Was ist Eigenkapital?

Eigenkapital (englequityequity capital) sind Sach- und Finanzmittel, dem dem Eigentümer der Unternehmung gehören. Es ist Teil der Eigenfinanzierung des Unternehmens und wird zusammen mit dem Fremdkapital auf der Passiv-Seite der Bilanz ausgewiesen.

Unternehmer oder Gesellschafter stellen der Unternehmung mit ihren Einlagen Eigenkapital zur Verfügung. Bestehen keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen, können Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, in die Unternehmung eingebracht werden. Die Inhabereinlagen haben einen langfristigen Charakter. Das betriebliche Anlagevermögen sollte mit Eigenkapital und langfristigem Fremdfkapital finanziert werden.

Wichtiges auf einen Blick

  • Erhöhung durch Kapitaleinlage der Inhaber, Beteiligungen Dritter (fremdfinanziertes Eigenkapital) oder Gewinnthesaurierung
  • Überlassung erfolgt langfristig (unbefristet oder mit fester Laufzeit)
  • Kein Anspruch auf Rückzahlung oder Verzinsung
  • kein Liquiditätsrisiko (Beteiligung an Gewinnen und Verlusten)

    Was ist Eigenkapital

    Was genau ist das Eigenkapital?

  • Liquidationsrisiko durch Nachrangigkeit
  • Haftung des Kapitalgebers (persönlich oder mit der Einlage)
  • Mitspracherecht und Mitwirkungsrecht des Kapitalgebers

     Keine Verzinsung von Kapitaleinlagen (Eigenfinanzierung)

    Für seine Eigenkapitaleinlage erhält der Kapitalgeber keine feststehende Verzinsung. Daher trägt das zur Verfügung gestellte Inhaberkapital ein unternehmerisches Risiko. Meist ist der Einlageninhaber jedoch am Gewinn der Unternehmung beteiligt. Unter Umständen muss der Kapitalgeber sogar einen Verlust hinzunehmen, der seine Einlage schmälert.

    Abgrenzung zum Fremdkapital

    Fremdkapital wird der Unternehmung durch Dritte bereitgestellt. Die Fremdkapitaleinlage erfolgt gegen Verzinsung. Die Darlehensaufnahme durch den Unternehmer ist eine Fremdfinanzierung zur Erhöhung des Fremdkapitals. Für die Überlassung des Kapitals fordert die Bank unabhängig vom Gewinn oder Verlust des Unternehmers die vereinbarten Darlehenszinsen.

    Bilanzierung des Eigenkapitals

    Die Höhe des Eigenkapitals ist die Differenz zwischen Vermögen und Schulden des Unternehmens. Das Vermögen auf der Aktiv-Seite der Bilanz wird den Schulden auf der Passiv-Seite gegenübergestellt. Die Aktiva enthält die Vermögensgegenstände des Unternehmens (Anlagevermögen, Umlaufvermögen), auf der Passiva stehen die Geldmittel, mit denen das Anlagevermögen finanziert wurde (Eigen- und Fremdkapital).

    Eigenkapital = aktiviertes Vermögen der Bilanz ./. Fremdfinanzierung

    Werden beispielsweise Maschinen und Vorräte mit zu hohen Werten aktiviert, wird auf der Passiva ein zu hoher (unrichtiger) Eigenkapitalanteil ausgewiesen. Die tatsächliche Höhe des vorhandenen Eigenkapitals lässt sich erst bei der Verwertung einer Unternehmung (z. B. durch Verkauf oder Liquidation) ermitteln.

    Eigenkapital bilanzieren

    Das Eigenkapital und die Bilanz

    Bilanzierung des Eigenkapitals von Gesellschaften

    Die Gesellschafter von Personengesellschaften (OHG, KG, e.K.) und Einzelunternehmen haften persönlich. Die jährlichen Gewinne und Verluste der Gesellschaft werden auf den Eigenkapitalkonten (Kapitalkonten) der Gesellschafter verrechnet. Im Eigenkapitalanteil enthaltene stille Rücklagen sind in der Bilanz nicht erkennbar und müssen geschätzt werden.

    Für Kapitalgesellschaften ist das Handelsgesetzbuch (HGB) verpflichtend. Die Einlagen der Inhaber werden auch als gezeichnetes Eigenkapital bezeichnet. Es ist gemäß HGB als Bilanzposition im Jahresabschluss auszuweisen. Nach § 266 Abs. 3 HGB gliedert sich das Eigenkapital als Saldo zwischen Vermögen und Schulden wie folgt auf:

    Gezeichnetes Kapital (Nominalkapital, Grundkapital, Stammkapital)
    Kapitalrücklagen
    Gewinnrücklagen
    +/- Gewinnvortrag/Verlustvortrag
    +/- Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
    = Eigenkapital der Kapitalgesellschaft (§ 266 Abs. 3 lit. A HGB

    Verpflichtung und Rückzahlung des Eigenkapitals

    Gesellschafter von Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, KGaA) haften nicht persönlich, sondern nur mit ihren Einlagen. Der Gesetzgeber legt für Kapitalgesellschaften die Höhe dieser Mindest-Einlagen (Garantiekapital) fest (Aktiengesellschaften in § 7 AktG (Aktiengesetz) , GmbH-Einlagen bei der Gründung in § 5 Abs. 1 GmbHG). Der Kapitalgesellschafter ist gesetzlich verpflichtet, das Garantiekapital im Unternehmen zu belassen. Auch Kreditinstitute und Versicherungen müssen zur Sicherung und Pflichterfüllung gegenüber ihren Gläubigern ein angemessenes Eigenkapital haben.

    Die Stammeinlagen bilden das Eigenkapital der Kapitalgesellschaft. Sie sind das haftende Kapital (Garantiekapital) der Gesellschaft und dienen der Sicherung des Fremdkapitals. Die Entnahme von Eigenkapitalanteilen erfordert bei Kapitalgesellschaften den Beschluss der Anteilseigner (GmbH-Gesellschafter, Aktionäre). Unternehmer von Einzelunternehmen und Personengesellschafter können hingegen jederzeit (im gemeinsamen Einverständnis/nachgesellschaftlicher Vereinbarung) Eigenkapital entnehmen.

    Bei Liquidation oder Insolvenz des Unternehmens steht das Fremdkapital im Rang vor dem Eigenkapital. Erst nach Bedienung sämtlicher Fremdkapitalgeber und nachrangiger Gläubiger kann der Eigenkapitalgeber aus den verbleibenden Mitteln eine Rückzahlung erhalten. Lesen Sie hier mehr zum Thema Insolvenz.

    Fremdfinanziertes Eigenkapital

    Eine Eigenkapitalerhöhung erfolgt durch Einlagen von Unternehmer (Eigenfinanzierung) oder Gesellschaftern (Fremdfinanzierung durch Eigenkapital).

    Die Eigenkapitaleinlagen der Unternehmer sind finanzielle Mittel, die der Unternehmung langfristig zur Verfügung stehen und für die keine festen Zinsen oder zinsähnliche Zahlungen (z. B. Prämien) vereinbart wurden. Neben der Eigenfinanzierung mit Eigenmitteln der Inhaber können sich Unternehmen fremdfinanzieren. Die klassische Fremdfinanzierung ist die Aufnahme von kurz- und langfristigen Darlehen.

    Fremdfinanziertes Eigenkapital

    Was ist fremdfinanziertes Eigenkapital?

    Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist die Erhöhung des fremdfinanzierten Eigenkapitals. Dazu beschafft sich das Unternehmen durch Verkäufe von Beteiligungen finanzielle Mittel. Beispiel: Eine Aktiengesellschaft emittiert Aktien an der Börse. Der Kapitalgeber erhält aus seiner Unternehmensbeteiligung einen Gewinnanteil (Dividende, Risikoprämie), das Unternehmen erhöht sein Eigenkapital.

    Die mit den Anteilseignern vereinbarten Ausschüttungen und Dividenden mindern das Betriebsergebnis (Gewinn). Sie können für das Unternehmen teurer sein, als ein vergleichbares Bankdarlehen. Die Vorteile des fremdfinanzierten Eigenkapitals liegen im geringeren Verschuldungsgrad und einem kleineren Finanzierungsrisiko, da im Falle von Unternehmensverlusten keine Ausschüttung erfolgen muss.

    Funktionen des Eigenkapitals

    Bei allen Gesellschaftsformen von Wirtschaftsunternehmungen erfüllt das Eigenkapital mehrere Funktionen:

    a) Gründungsfunktion 
    Eigenkapital vereinfacht die Aufnahme von Krediten. Das eingebrachte Kapital dient den Kreditinstituten als Sicherheit für die ausgegebenen Kredite, da in der Gründungsphase beispielsweise auch Vorräte (verderbliche Waren) mitfinanziert werden müssen.

    b) Haftungsfunktion (Verlustabsorption)
    Ein negatives Betriebsergebnis wird vom Eigenkapitalanteil aufgefangen. Mit dem Ausgleich von Verlusten besteht ein Gläubigerschutz. Umso höher das Eigenkapital, desto länger kann das Unternehmen Verluste hinnehmen ohne in die Insolvenz zugehen.

    c) Finanzierungsfunktion
    Im Rahmen der goldenen Bilanzregel sollen langfristige Vermögensgegenstände (Sachanlagevermögen und Beteiligungen) auch langfristig finanziert sein.

    d) Begrenzungsfunktion
    Geringes Eigenkapital kann das Geschäftsvolumen und damit die Geschäftstätigkeit des Unternehmens einschränken. Schlechte Schuldenkennzahlen, wie z. B. die Eigenkapitalquote, warnen Gläubiger vor der Vergabe von Krediten. Dabei kann es sich auch Lieferungen mit Zahlungsziel handeln, die der Unternehmer nun Vorkasse zahlen muss.

    e) Risikodeckungspotenzial
    Rating und Risikotragfähigkeit des Unternehmens werden durch den vorhandenen Eigenkapitalanteil und den Risikoumfang des Unternehmens mitbestimmt. Einen großen Einfluss auf das Rating nimmt die Eigenkapitalquote. Das Risikodeckungspotenzial bezeichnet die maximal möglichen risikobedingten Verluste des Unternehmens.

    f) Repräsentations– und Werbefunktion
    Ein hoher Eigenkapitalanteil schafft Vertrauen in das Unternehmen. Im Rahmen von Public Relations und Werbemaßnahmen kann man diese Botschaft sowohl potenziellen Gläubigern als auch Kunden übermitteln.

    g) Bemessungsfunktion (Bezugsgröße zur Gewinnverteilung)
    Das Eigenkapital ist die Bemessungsgrundlage bei der Verteilung von Gewinnen und Verlusten an die Gesellschafter. Prämien, Dividenden und Ausschüttungen werden auf der Basis des geleisteten Eigenkapitalanteils an den Gesellschafter ausgezahlt.

    h) Herrschaftsfunktion 
    Eigenkapitalgeber können mit ihrer Beteiligung regelmäßig Mitwirkungs und Mitspracherechte ausüben.

    Wichtige Kennzahlen des Eigenkapitals

    Bei der Kreditvergabe und im Rahmen der Bilanzanalyse spielt die Höhe des Eigenkapitals eine wichtige Rolle und geht in eine Vielzahl von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ein.

    Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Bilanzsumme * 100

    Kennzehlen Eigenkapital

    Wichtige Formeln zum EK

    Die Eigenkapitalquote (vertikale Kennzahl) lässt Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit (Bonität) zu. Sie geht maßgeblich in das Rating ein. Je höher die Eigenkapitalquote, umso besser die Bonität.

    Eine hohe EK-Quote verbessert auch den cost leverage. Bei hohem Eigenkapitalanteil bedingt einen niedrigen Fremdkapitalanteil. Damit sind die vom Unternehmen zu zahlenden Fremdkapitalzinsen relativ niedrig, womit weniger Gewinne für den Zinsaufwand verbraucht werden. Dadurch wird auch der Break-even-Point schneller erreicht.

Anlagedeckungsgrad I = Eigenkapital / Anlagevermögen

Die Anlage- oder Kapitaldeckung sagt aus, zu welchem Grad langfristige Anlagen auch langfristig finanziert sind (goldene BilanzregelFristenkongruenz).

Ist der Anlagedeckungsgrad I größer oder gleich 1, hat das Unternehmen seine gesamte Bilanz-Aktiva mit Eigenkapitalfinanziert (sehr selten in der Praxis). Beim produzierenden Gewerbe mit fremdfinanzierten oder geleasten Maschinen liegt die Zielquote des Anlagedeckungsgrads I zwischen 50 und 70 Prozent. 

Anlagedeckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen

Der Anlagedeckungsgrad II (Deckungsgrad B, Vermögensdeckungsgrad) setzt das Anlagevermögen zum langfristigen Kapitalvermögen in Beziehung. Zum Anlagevermögen gehören Maschinen und der Fuhrpark, ohne die eine Produktion nicht möglich ist. Kann nicht das gesamte Anlagevermögen mit Eigenkapital finanziert werden, sollte es zumindest langfristig finanziert sein. Der Anlagedeckungsgrad II sollte demnach größer oder gleich 1. Bei einem Wert kleiner als 1 wurden Teile des langfristigen Anlagevermögens mit kurzfristigem Fremdkapital finanziert.

Verschuldungsgrad

Verschuldungsgrad: Kennzahl, Aussagekraft und Interpretation

Der Verschuldungsgrad entspricht allgemein dem Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigeenkapital. Er stellt eine Prozentzahl dar und lässt Rückschlüsse auf den finanziellen Spielraum eines Unternehmens zu. Als wichtige Kennzahl jeder Fundamentalanalyse ist der Verschuldungsgrad für Anleger von hoher Bedeutung. Er spielt weiterhin für Kreditgeber, bei Unternehmensübernahmen oder auch für Staaten eine Rolle.

Der Verschuldungsgrad und seine Berechnung im Überblick

Als wesentliche Unternehmens-Kennzahl lässt der Verschuldungsgrad Aussagen über die Stabilität eines Unternehmens zu. Für Aktionäre spielt er bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle. Bei Firmenkäufen oder -übernahmen hat er eine hohe Bedeutung im Datenraum, der auch alle Unterlagen beinhaltet, die das zu verkaufende Unternehmen dem Kaufinteressenten bereitstellt.

Die Kennzahl entspricht finanzmathematisch dem Quotienten aus Fremdkapital und Eigenkapital, multipliziert mit 100. Es ergibt sich eine Prozentzahl: Fremdkapital / Eigenkapital x 100 = Verschuldungsgrad in Prozent.

Die Herausforderung bei der Berechnung der Kennzahl besteht in erster Linie in einer exakten Definition der Positionen. Insbesondere sind Fremd- und Eigenkapital genau voneinander abzugrenzen. Letzteres umfasst grundsätzlich finanzielle Mittel aus dem Unternehmensvermögen abzüglich sämtlicher Schulden und Verbindlichkeiten. Ein großer Teil des Eigenkapitals besteht aus den Mitteln, die von Unternehmenseigentümern eingebracht werden oder Mitteln, die als Gewinn im Unternehmen bleiben. Zusammengefasst bezeichnet das Fremdkapital sämtliche Mittel, die durch Dritte ins Unternehmen gelangen. Das Fremdkapital umfasst damit insbesondere Schulden, Verbindlichkeiten und Beteiligungen.

VerschuldungsgradHat ein Unternehmen beispielsweise ein Eigenkapital von 400.000 Euro und nimmt zu Investitionszwecken ein Fremdkapital in Höhe von 900.000 Euro auf, so beträgt die Höhe des Verschuldungsgrads 225 Prozent.

Bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote in Deutschland im Bereich zwischen 20 und 25 Prozent handelt es sich um einen durchschnittlichen Verschuldungsgrad zwischen 300 und 400 Prozent.

Überprüfung des Verschuldungsgrades

Es existieren mehrere Ansätze, Unternehmen hinsichtlich ihres Verschuldungsgrads zu überprüfen. Banken gehen im Falle der Kreditvergabe von der Bilanz des Unternehmens aus. Bevor ein Unternehmen Fremdkapital erhält, ermitteln Kreditgeber durch Einsicht in die Bilanzen das Kreditausfallrisiko. Dieses stellt einen wesentlichen Bestandteil in der Bonitätsprüfung dar. Die Ermittlung des Verschuldungsgrads ist auch über eine Gewinn- und Verlustrechnung möglich. Die Kennzahl bildet die Grundlage zur Ermittlung der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Diese wiederum ist entscheidend für das Kreditrisiko.

Aussagekraft und Anwendungsbereiche der Kennzahl

Es existiert eine Reihe von Einsatzbereichen und Anwendungsmöglichkeiten für die Kennzahl des Verschuldungsgrads. Er lässt sich aus der Bilanz eines Unternehmens ermitteln, doch geht seine Aussagekraft darüber hinaus. Auch für Käufer, Aktionäre, Kreditgeber oder für Staaten stellt die Kennzahl einen wichtigen Anhaltspunkt dar.

Geht es um den Verkauf eines Unternehmens, sind Interessenten an der Bestimmung des Unternehmenswerts interessiert. Beim Kauf ist eine Due-Dilligence-Prüfung Gang und Gäbe, die auf zahlreiche Angaben aus dem Datenraum des zu verkaufenden Unternehmens angewiesen ist. Hierbei stellt der Verschuldungvsgrad einen wichtigen Anhaltspunkt für den Gesamtwert dar. Käufer und Investoren erfahren anhand der Kennzahl gleichermaßen, welchen Grad an Fremdfinanzierung das Unternehmen aufweist.

Richtet sich ein Unternehmen an Kreditgeber, um Fremdkapital auszunehmen, so ist die Kennzahl ebenso von Bedeutung. Für Banken stellt sie einen Anhaltspunkt für die Bonität dar. Die Berechnung des Ausfallrisikos von Unternehmen oder auch Privatpersonen bezieht den Verschuldungsgrad mit ein. Ein hoher Grad ist für Kreditgeber Anlass, ein hohes Kreditausfallrisiko anzunehmen. Ein solches ist in der Regel mit höheren Zinsen verbunden.

Für Aktionäre ist die Kennzahl eine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, wie gut ein Unternehmen die Verschuldung mit Eigenkapital abdeckt. Ein hoher Verschuldungsgrad kann unter Umständen auf eine höhere Insolvenzwahrscheinlichkeit hinweisen. Ist die Verschuldung mit wenig Eigenkapital gedeckt, werden außerdem Ausfälle in der Dividendenzahlung wahrscheinlicher.

Auch auf makroökonomischer Ebene ist die Kennzahl von Bedeutung. Volkswirtschaften, beispielsweise Staaten, sind typischerweise an gesetzliche Auflagen gebunden und dürfen einen gewissen Verschuldungsgrad nicht übersteigen. Für EU-Mitgliedsstaaten beziehungsweise den europäischen Wirtschaftsraum ist gemäß Stabilitäts und Wachstumspakt eine maximale öffentliche Staats-Verschuldungsquote von 60 Prozent des BIP vorgesehen. Das jährliche Haushaltsdefizit ist auf 3 Prozent des BIP zu begrenzen.

Bedeutung eines hohen Verschuldungsgrades

Es stellt sich die Frage, ob ein hoher Verschuldungsgrad per se als problematisch anzusehen ist. Zwar existieren Faustregeln, nach denen eine bestimmter Höhe der Kennzahl im Unternehmen nicht zu übersteigen ist. Doch fällt die Kennzahl in einigen Branchen deutlich höher aus, während die Unternehmen dennoch florieren und an der Börse gut performen.

Ein typisches Beispiel sind Versicherungen, die häufig einen extremen Grad der Verschuldung haben. Dieser geht in einigen Fällen in den vierstelligen Bereich. Das DAX-notierte Versicherungsunternehmen Allianz hatte im Jahr 2016 einen Verschuldungsgrad von über 1.150 Prozent. Solche Zahlen legen nahe, die Kennzahl stets kontextuell richtig einzuordnen.
Die hohe Verschuldung hängt mit hohen Fremdkapitalsummen zusammen. Es handelt sich demnach um Kapital, das ein Unternehmen nicht selbst erwirtschaftet hat, sondern das von Dritten stammt. Es gehört zur Geschäftspraxis in vielen Unternehmen, mit Fremdkapital zu arbeiten. Banken und Versicherungen arbeiten geschäftsmäßig mit dem Geld Dritter, sodass sich die hohe Verschuldungsquote nicht vermeiden lässt. In diesem Falle ist ein hoher Verschuldungsgrad im gewissen Rahmen nicht als problematisch zu betrachten.

Unternehmenskäufe und Verschuldungsgrad

Für Interessenten und Käufer stellt sich die Frage nach dem optimalen Verschuldungsgrad. Dieser ist von mehreren Faktoren abhängig, von denen die jeweilige Branche nur einer ist.

InvestementHäufig ist zu lesen, dass der Verschuldungsgrad nicht über 200 Prozent liegen soll, das Fremdkapital also nicht mehr als dem doppelten Eigenkapital entspricht. Die Verschuldungsquote liegt in diesem Falle beim Verhältnis 2:1. Die bedeutet, dass der Verschuldungsgrad dann optimal ist, wenn die Kapitalkosten gegenüber der Fremdfinanzierung geringer ausfallen.

Dies bedeutet für die Fremdkapitalquote, dass diese in der Bilanz nicht mehr als 67 Prozent der Gesamt-Bilanzsumme entspricht. Umgekehrt gilt die Verschuldung als angemessen, wenn eine Eigenkapitalquote von 33 Prozent gegeben ist.

Tendenziell ist festzustellen, dass mit einem höheren Verschuldungsgrad ein größeres Kreditausfallrisiko für Kreditgeber verbunden ist. Doch ist zu berücksichtigen, dass mit dem Verschuldungsgrad die Eigenkapitalrendite wachsen kann. Mit einem hohen Verschuldungsgrad ist ein geringes Eigenkapital verbunden. Damit sich dies lohnt und die Hebelwirkung (Leverage-Effekt) greift, muss der Zinssatz für das Fremdkapital geringer ausfallen als die Eigenkapitalrendite.
Unternehmen ist dennoch anzuraten, den Verschuldungsgrad möglichst gering zu halten. Ein höheres Maß an Verschuldung lässt die Zinslast beziehungsweise Tilgungslast ansteigen, was eine Reduktion der Gewinne zur Folge hat.

Der Verschuldungsgrad und Möglichkeiten seiner Reduktion

Während manche Aktiengesellschaften von einem höheren Verschuldungsgrad profitieren, legen viele kleinere Unternehmen Wert auf eine geringere Verschuldungsquote. Große, börsennotierte Unternehmen können durch Erhöhung des Fremdkapitals den Vorteil haben, dass sich die Investitionen besser kontrollieren lassen. Ist der Fremdkapitaleinsatz höher, sieht sich das Management des Unternehmens weiterhin dazu gezwungen, gegenüber Kreditgebern und Aktionären verantwortungsbewusst zu handeln.

Junge oder kleinere Unternehmen profitieren bei geringem Verschuldungsgrad von besseren Konditionen bei der Fremdkapitalaufnahme. Weiterhin sinkt das Risiko einer Insolvenz. Notwendige Investitionen können oft aus Eigenmitteln geleistet werden. Geht es jedoch um kostspielige Investitionen (etwa zur Erlangung eines Wettbewerbsvorteils), kann die Inkaufnahme eines höheren Verschuldungsgrads auch hier von Vorteil sein.

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion des Verschuldungsgrads umfassen die schnelle Rückzahlung von Schulden sowie die Erhöhung des Eigenkapitals. Ersteres lässt sich umsetzen, indem Überschüsse so schnell wie möglich zur Tilgung der Kreditschuld beim Gläubiger eingesetzt werden.

Das Eigenkapital lässt sich etwa gezielt durch den Einsatz von Gewinnrücklagen realisieren. Erwirtschaftete Gewinne fließen dabei gezielt in die Erhöhung des Eigenkapitals.

Eine weitere Alternative findet sich im Factforing. Auch diese Maßnahme trägt zur Erhöhung des Eigenkapitals bei. Ein Unternehmen überträgt hierbei noch ausstehende, offene Rechnungen oder Forderungen an ein anderes Unternehmen. Dieses begleicht die fraglichen Rechnungen sofort und kümmert sich selbst um das Einholen der noch bestehenden Forderungen.