BWL-Artikel

Was ist eigentlich Skonto?

Bei dem sogenannten Skonto handelt es sich um einen Preisnachlass, der dem Kunden vom Unternehmen oder Lieferanten gewährt wird, sofern dieser den Rechnungsbetrag innerhalb eines festgelegten Zeitraums begleicht. Der Skonto wird durch einen Zusatz auf der Rechnung ausgewiesen, z.B. „2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen“. Zahlt der Kunde innerhalb von 14 Tagen, darf er in diesem Fall zwei Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen. Zahlt er erst später, so ist der volle Betrag in Netto zu entrichten.

Sofern der Skonto vom Kunden nicht gezogen wird – dieser also eine längere Zahlungsfrist in Anspruch nimmt – spricht man auch von einem sogenannten Lieferantenkredit. Der Kunde zahlt dem Lieferanten durch den entgangenen Skonto sozusagen Zinsen für die verlängerte Zahlungsfrist.

Was ist der Unterschied zwischen Skonto und Rabatt?

Sowohl ein Skonto als auch ein Rabatt stellt einen Preisnachlass auf einen bestimmten Rechnungsbetrag dar. Die Berechnungsgrundlage ist jedoch eine völlig andere. Während der Rabatt anhand der gekauften Menge ermittelt wird (z.B. 5% Preisnachlass ab 50 Stück), ist der Skonto lediglich an den Zeitraum der Zahlung gebunden. Man spricht daher auch von

  • mengenbedingtem Preisnachlass = Rabatt
  • zeitbedingtem Preisnachlass = Skonto

Der Skonto ist eine gängige Methode, um den Käufer dazu anzuregen, die Rechnung frühzeitig zu begleichen. Für den Lieferanten bedeutet dies unter Umständen eine bessere Liquidität.

Welche Arten von Skonto gibt es?

Beim Skonto unterscheidet man zwischen dem Kundenskonto und dem Lieferantenskonto.

Der Kundenskonto

Skonto

Wer hat Vorteile vom Kundenskonto?

Der Kundenskonto wird von einem Unternehmen gegenüber seinen Kunden gewährt. Das Unternehmen verringert dadurch die Gefahr eines Zahlungsausfalls und vermeidet gegebenenfalls Mahnungen. Für das Unternehmen ist der Kundenskonto allerdings Bestandteil der Kosten, d.h., wenn der Kunde den Skonto zieht, reduzieren sich die Umsatzerlöse des Unternehmens. In der Praxis ist der Kundenskonto aber oft ein weitergereichter Lieferantenskonto. Lesen Sie hier alles zu Umsatzerlösen.

Der Lieferantenskonto

Beim Lieferantenskonto – auch Lieferskonto genannt – handelt es sich um einen Preisnachlass, den der Lieferant gegenüber einem Unternehmen gewährt. Auch hierbei ist das Ziel des Lieferanten immer die frühzeitige Rechnungsbegleichung – das Unternehmen profitiert seinerseits, indem es die Anschaffungskosten durch Ziehen eines Lieferskontos reduzieren kann.
Bei der Kalkulation der Preise ist der Lieferantenskonto bereits miteingerechnet, sodass für den Lieferanten keinerlei Nachteile entstehen.

Höhe des Skontos: Wie viel Prozent darf ich verlangen bzw. gewähren?

Grundsätzlich können die Skontosätze vom Lieferanten bzw. vom Unternehmen frei gewählt werden. Sie werden dem Kunden durch einen einfachen Zusatz auf der Rechnung oder im Angebot mitgeteilt.
In der Praxis werden für konstante Skonti üblicherweise 2-3% angesetzt, gestaffelte Skonti liegen meist zwischen 2 und 5 %.

Konstanter Skontosatz

Ein konstanter Skontosatz ist sozusagen die „einfache“ Variante: Sofern der Zahlungspflichtige innerhalb des vereinbarten Zeitraums (in der Regel 14 Tage) bezahlt, wird ihm der in der Rechnung festgelegte Preisnachlass gewährt.

Beispiel für einen konstanten Skontosatz:
„Zahlung 14 Tage 3 % Skonto, 30 Tage netto.“

Gestaffelter Skontosatz

Bei einem gestaffelten Skontosatz besteht eine Vereinbarung mehrerer Zahlungszeiträume mit unterschiedlichen Preisnachlässen. Für gewöhnlich gilt hierbei: Je schneller der Kunde zahlt, desto höher fällt der Skontosatz aus.

Beispiel für einen gestaffelten Skontosatz:
„Zahlbar innerhalb von 10 Tagen mit 5% Skonto oder 11. – 20. Tag mit 3% Skonto oder 21. – 30. Tag netto.“

Welche Vorteile ergeben sich durch die Gewährung eines Skontos?

Im sogenannten Skontokreislauf interagieren Lieferanten, Unternehmen und Kunden miteinander. In der Regel profitieren alle drei Parteien von der Gewährung eines Skontos.

Der Lieferant

Skonto

Skonto bringt nicht nur Vorteile

Der Lieferant veranschlagt einen höheren Warenpreis, um seinen Unternehmen Skonti gewähren zu können. Sofern das Unternehmen die Rechnung frühzeitig begleicht, verkauft der Lieferant seine Ware also zum ursprünglich kalkulierten Preis. Für den Lieferanten bedeutet die Skontengewährung eine Verringerung des Ausfallrisikos. Vor allem für Lieferanten, die nur wenige Unternehmen mit großen Mengen beliefern, können Zahlungsverzögerungen schnell zu Liquiditätsengpässen führen, die im schlimmsten Fall langfristig in eine Insolvenz münden können.

Das Unternehmen

Für das Unternehmen, das einen Lieferskonto gewährt bekommt, verringern sich durch Ziehen des Skontos die Anschaffungskosten. Bei regelmäßigen Lieferungen kann sich dadurch ein erheblicher Preisvorteil für das Unternehmen ergeben. Gewährt das Unternehmen seinerseits einen Kundenskonto, hat es davon die gleichen Vorteile wie auch der Lieferant: Verringertes Ausfallrisiko und weniger Mahnverfahren.

Der Kunde

Der Kunde darf sich über den gewährten Preisnachlass freuen. Betrachtet man den Skontoabzug in Hinblick auf die vergleichsweise kurze Zeitspanne, ist der Lieferantenkredit sehr teuer. Es lohnt sich also in jedem Fall, den Skonto zu ziehen. Bei großen Beträgen kann es sich unter Umständen sogar lohnen, ein Bankdarlehen aufzunehmen, um den Skontoabzug einlösen zu können. Das funktioniert selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, dass der Zahlungspflichtige zum vereinbarten Zahlungsziel liquide ist. In der Praxis macht eine solche Handhabe lediglich für gewerbliche Kunden Sinn, da die Rechnungsbeträge von Privatkunden vergleichsweise gering ausfallen.

Wie erfolgt die Berechnung des Skontos?

Die Berechnung des Skontos ist denkbar einfach. Sie multiplizieren den Rechnungsbetrag (bzw. die Skontobasis) mit dem Skontosatz und teilen das Ergebnis anschließend durch 100.

Neben dem individuell vereinbarten Skontosatz hängt die korrekte Berechnung vor allem auch von der Berechnungsgrundlage ab. Daneben stellt sich natürlich die Frage, ob man den Brutto- oder den Nettobetrag zur Berechnung heranziehen sollte.

Die Berechnungsgrundlage

Teilweise wird als Berechnungsgrundlage, auch Skontobasis genannt, nicht die gesamte Rechnungssumme

Skonto

Wie erfolgt die Berechnung genau?

veranschlagt, sondern lediglich der Anteil, der auf Materialkosten zurückzuführen ist. Diese Handhabe ist heutzutage vor allem im Handwerk noch üblich. Entgegen der weitverbreiteten Annahme handelt es sich dabei jedoch nicht um eine gesetzliche Grundlage, sondern lediglich um eine traditionelle Vorgabe.
Sofern man nicht den gesamte Rechnungsbetrag als Berechnungsgrundlage ansetzt, muss dies auf der Rechnung deutlich vermerkt sein.

Brutto oder Netto?

Grundsätzlich setzt man zur Berechnung des Skontos immer den Brutto-Rechnungsbetrag an. Bei Gewährung eines Skontos verringert sich also neben dem Nettobetrag auch die Umsatzsteuer. Für Unternehmer besteht der Preisvorteil eines gezogenen Lieferantenskontos allerdings nur im Nettoanteil. Die eingesparte Umsatzsteuer wirkt sich lediglich als durchlaufender Posten aus und ist damit über eine gewisse Zeitspanne betrachtet unerheblich.

Was versteht man unter einem Firmenwert?

Der Firmenwert, der auch als Geschäftswert oder Goodwill bezeichnet wird, bezeichnet einen Vermögensposten, der alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter umfasst, abzüglich aller Verbindlichkeiten. Es ist kaum möglich, einen exakten Firmenwert zu ermitteln, da auch nicht greifbare Werte wie der Ruf oder das Image eines Unternehmens mit einbezogen werden.

Nicht greifbare wertbildende Faktoren sind beispielsweise die Stammkundschaft, ein qualitatives Management, die Lage des Unternehmens, das Know-How oder ein guter Facharbeiterstamm. Diese Werte sind nicht direkt messbar, dennoch haben sie einen Einfluss auf den Wert eines Unternehmens.

Goodwill

Wer sich mit dem Thema Firmenwert beschäftigt, stößt dabei zwangsläufig auf die Begriffe Goodwill und Badwill. Als Goodwill bezeichnet man einen positiven Firmenwert. Dazu zählen alle Faktoren, die einen positiven Einfluss auf den Geschäftswert haben. Zum Beispiel zufriedene Kunden, die das Unternehmen ihren Bekannten weiterempfehlen. Dies zieht wiederum neue Kunden an und etabliert das Unternehmen als Marke. Diese positiven Einflüsse für ein Unternehmen steigern den Firmenwert, weil sie dem Unternehmen Kapital einbringen.

Badwill

Der Badwill bezeichnet einen negativen Geschäftswert. Dazu zählen alle negativen Einflüsse auf den Firmenwert, zum Beispiel überwiegend schlechte Bewertungen im Internet. Dies hat negative Auswirkungen auf den Umsatz des Unternehmens zur Folge. Das Unternehmen verliert dadurch vielleicht Kunden, Marktanteile oder Lieferanten.

Derivativer und originärer Firmenwert

Wenn von einem Firmenwert oder Geschäftswert die Rede ist, wird unterschieden zwischen dem derivativen und dem originären Firmenwert. Diese unterscheiden sich sowohl handelsrechtlich als auch steuerrechtlich.

Firmenwert

Was hat sich mein Unternehmen selbst erarbeitet?

Der originäre Firmenwert ist der vom Unternehmen selbst geschaffene Wert. Das Unternehmen hat ihn im Laufe der Zeit selbst erarbeitet und erschaffen. Laut dem Handels- und Steuerrecht darf dieser Wert nicht abgeschrieben werden. Die Begründung hierfür ist, dass dieser Wert im Laufe der Geschäftstätigkeit nicht erworben, sondern erschaffen wurde. Aus diesem Grund können dem originären Firmenwert keine eindeutig identifizierbaren Kosten zugeordnet werden. Eine Abschreibung lässt sich somit nicht rechtfertigen. Zu dem originären Firmenwert gehören unter anderem:

  • der Kundenstamm
  • das Image des Unternehmens
  • die Qualität des Managements
  • ein eventueller Vorteil durch den Standort
  • spezielles Know-How des Unternehmens
  • angemeldete Patente
  • Belieferungsrechte

Derivativer Firmenwert

Der derivative Geschäftswert ist der eigentliche Firmenwert, der beispielsweise durch das Aufkaufen eines anderen Unternehmens entsteht. Dieser wird bei der Abschreibung berücksichtigt. Es ist der Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis eines Unternehmens und der Differenz aus Vermögen und Schulden. Vorausgesetzt, es herrscht eine positive Differenz.

Zum besseren Verständnis ein einfaches Beispiel: Unternehmen Y hat ein Vermögen von insgesamt 5 Millionen Euro und Schulden in Höhe von 2 Millionen Euro. Der eigentliche Wert des Unternehmens also beträgt 3 Millionen Euro. Unternehmen X kauft jetzt Unternehmen Y für 10 Millionen Euro. Dieser Wert ist gewissermaßen um 7 Millionen Euro überhöht. Diese 7 Millionen bilden den derivativen Geschäftswert. Er ist somit ein Maß dafür, inwiefern der Kaufpreis eines Unternehmens erhöht ist. Unternehmen X zahlt die 10 Millionen aber nur aus einem Grund: Es hat positive Erwartungen an die Zukunft von Unternehmen Y. Sie rechnen damit, dass sich der erhöhte Kaufpreis in der Zukunft rentieren wird.

Wie berechnet man den Firmenwert?

Firmenwert

Welche Relevanzen vereinen Käufer und Verkäufer, wenn eine Verhandlung geführt wird?

Grundsätzlich ist es unmöglich, einen objektiven Unternehmenswert zu berechnen. Käufer und Verkäufer haben meist verschiedene Ansichten zu diesem Wert. Ein Inhaber lässt beispielsweise seine eigene Arbeit mit in die Berechnung einfließen. Einem Käufer interessiert dagegen nur der eigentliche Sachwert. Um einen möglichst objektiven Sachwert zu erhalten, sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen.

Berechnung mit einem Online-Rechner

Für eine erste Einschätzung genügt meist ein Rechner aus dem Internet. Oft sind es Unternehmensberater, die diese kostenlosen Tools anbieten. Diese Rechner bieten potenziellen Kunden vorab einige Anhaltspunkte für den Wert. Sie basieren in der Regel auf gängigen Verfahren der Unternehmens-Wert-Berechnung. Lesen Sie hier alles zu Unternehmensberatern.

Verfahren zur Berechnung

In der Praxis haben sich zwei gängige Verfahren zur Wert-Ermittlung durchgesetzt.

Das Ertragswertverfahren:

Dieses Verfahren berücksichtigt, was mit dem Unternehmen in Zukunft verdient werden kann. Für die Berechnung werden die Erträge der Firma mit einem Kapitalisierungs-Zinssatz dividiert. Dabei werden mögliche Zinsen für herkömmliche Geldanlagen mit berücksichtigt.

Ein Investor möchte beispielsweise ein Unternehmen kaufen, dessen Ertrag bei 350.000 Euro liegt. Der Geschäftsführer zahlt sich einen Lohn von 100.000 Euro pro Jahr und gibt eine Kapitalverzinsung von 15 Prozent an. Seine Aufgabe ist es jetzt zu berechnen, wie viel Kapital ein Investor mitbringen müsste, um bei einem Zinssatz von 15 Prozent 250.000 Euro Rendite zu erwirtschaften. Die Berechnung sieht folgendermaßen aus: Kapital = 250.000 * (15 / 100). Das Ergebnis ist 1,66 Millionen Euro. Der Firmenwert nach dem Ertragswertverfahren wäre also 1,66 Millionen Euro. So viel Kapital müsste ein Investor mitbringen, um bei einem Einsatz von 15 Prozent 250.000 Euro zu erzielen.

Das Ebit-Verfahren:

Firmenwert

Wie entsteht mein Wert?

In diesem Verfahren wird der Jahresgewinn der Firma mit einem speziellen Faktor multipliziert. Dieser Faktor ist abhängig von der jeweiligen Branche und der Verschuldung des Unternehmens.

Weitere Faktoren, die bei der Wert-Ermittlung eine Rolle spielen, sind folgende:

  • eine plausible Prognose
  • Investitions und Umsatzplanung
  • Art der Unternehmensführung
  • Art der Dienstleistungen und Produkte
  • Umfang des Kundenstamms

Die Kombination aus solidem Kundenstamm und kontinuierlicher Wachstumsrate können den Firmenwert erheblich steigern.

Was ist ein Rechnungsabgrenzungsposten?

Bei einem Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich im Kontext der kaufmännischen Buchführung um einen Schnitt im Jahresabschluss bzwPeriodenabschlussRechnungsabgrenzungsposten sind deswegen notwendig, weil am Bilanzstichtag bei den Einnahmen und Erträgen zeitliche Unterschiede existieren. Konkret bedeutet das, dass nicht alle Werte am Bilanzstichtag wirksam werden. Durch den Prozess der Rechnungsabgrenzung kann man die Beträge korrekt den jeweiligen zeitlichen Perioden zuordnen. Die Vorgehensweise im Rahmen der Rechnungsabgrenzung ist im Handelsgesetzbuch (HGB) und im Einkommenssteuergesetz festgelegt.

Allgemeine Informationen

Die Hauptfunktion des Rechnungsabgrenzungspostens ist die korrekte zeitliche Zuordnung der Beträge. Nehmen wir uns als Beispiel eine Versicherung, die Ihnen im Dezember eine Rechnung für das erste Halbjahr vorab sendet. Diese Faktur bezieht sich nur auf einen Monat im aktuellen Jahr, jedoch auf sechs Monate im nächsten Jahr. Durch die entsprechende Rechnungsabgrenzung vergewissert man sich, dass der Betrag in dieser Periode in Ihre Buchhaltung kommt. Dank dieser Vorgehensweise ist Ihre Bilanz einerseits näher an der Wirklichkeit, andererseits wird dadurch auch verhindert, dass Bilanzergebnisse durch zu hohe Vorzahlungen zu stark verstreut werden können. Damit haben der Fiskus und gewissenhafte und präzise Unternehmer ein entsprechend großes Interesse an akkuraten Rechnungsabgrenzungsposten. Lesen Sie hier alles über den Fiskus.

Zweck der Rechnungsabgrenzung

Ein Rechnungsabgrenzungsposten ist nötigt, um den Erfolg eines Unternehmens periodengerecht feststellen zu können, wenn Geschäftsfälle mehrere Buchungen verlangen und diese demzufolge verschiedene Rechnungsperioden

RAP

Wann findet die Abführung der Steuern statt?

betreffen. Dies ist beispielsweise immer dann der Fall, wenn es mit Lieferanten oder Kunden bestimmte Vereinbarungen hinsichtlich der Zahlungsziele gibt. Konkret bedeutet das, dass die Lieferung und Leistung einerseits und die Zahlung andererseits nicht in der gleichen Periode stattfinden. Durch den Rechnungsabgrenzungsposten lässt sich auch sicherstellen, dass man anfallende Steuern für die entsprechenden Perioden korrekt abführen kann.

Welche Arten der Rechnungsabgrenzung gibt es?

Rechnungsabgrenzungsposten lassen sich in zwei Hauptarten einteilen, und zwar in aktive und passive Rechnungsabgrenzungen. Darüber hinaus kann man auch zwischen antizipativen und transitorischen Rechnungsabgrenzungsposten unterscheiden. Besonders wichtig ist, dass Sie für Ihre Buchhaltung die Unterschiede zwischen der aktiven und der passiven Rechnungsabgrenzung genau kennen. Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten werden übrigens mit „passive RAP“ abgekürzt, die aktiven hingegen mit „aktive RAP„.

Aktive Rechnungsabgrenzung

Im Rahmen der aktiven Rechnungsabgrenzung leistet man noch vor dem Bilanzstichtag eine Zahlung, die jedoch teilweise in das nächste Jahr übergeht. Erinnern wir uns an dieser Stelle an das bereits im obigen Absatz beschriebene Beispiel der Vorauszahlung an die Versicherung. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Beispiel für Rechnungsabgrenzungsposten. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl anderer Situationen, in denen es zu längerfristigen Vorauszahlungen kommt, wie zum Beispiel bei langfristigen Verträgen mit Lieferanten, die gewisse Anzahlungen verlangen.

RAP

Welcher Anteil fällt in welches Jahr?

Grundsätzlich sollte man vor den Buchungen genau ermitteln, welcher Anteil des Gesamtbetrages welchem Geschäftsjahr zugerechnet sein soll. Sie müssen also den exakten Anteil des Gesamtbetrages berechnen, der in das alte Geschäftsjahr fällt und wie viel die aktuelle Periode betrifft. Die anschließende Buchung lässt sich in mehreren Schritten realisieren:

 

  1. Generelle Buchung des Geschäftsfalles, wie zum Beispiel: Versicherungsbeträge an Finanzdienstleister, 2.000 Euro
  2. Gestaltung der aktiven Rechnungsabgrenzung, wie zum Beispiel: aktiver Rechnungsabgrenzungsposten an Versicherungsbeträge, 500 Euro
    Hiermit wurde nun angegeben, welcher Anteil ausgewiesen werden soll. Im nächsten Jahr wird diese Position wieder aufgelöst.
  3. Auflösung der Abgrenzung, Versicherungsbeträge an aktive RAP, 500 Euro
    Somit wird der Kreislauf der Buchungen geschlossen und der Prozess der aktive RAP vollständig erledigt.

Passive Rechnungsabgrenzung

Im Rahmen des passiven Rechnungsabgrenzungspostens ist der Geschäftsfall genau gegenteilig. Konkret bedeutet das, dass Ihr Unternehmen eine Vorauszahlung vor dem Bilanzstichtag erhalten hat, die sich jedoch nicht dem laufenden Geschäftsjahr, sondern dem Folgejahr zuordnen lässt. Auch in solchen Situationen lässt sich durch die Rechnungsabgrenzung eine realitätsnahe Darstellung in der Bilanz gewährleisten.
Ein Beispiel hierfür ist, wenn Ihr Unternehmen Softwareprodukte verkauft und die Lizenzen für diese Produkte ab dem Kaufdatum zwei Jahre lang aktiv sind. Aber auch in traditionellen Sparten, wie beispielsweise bei einer Mitgliedschaft im Fitnesscenter, sind passive Rechnungsabgrenzungen häufig nötig.

Wie kann man nun die Verbuchung einer passiven RAP realisieren? Wie bei der aktiven RAP müssen Sie auch hier zunächst ermitteln, welcher Anteil des Gesamtbetrags der aktuellen Periode und welcher Betrag dem laufenden Geschäftsjahr zugerechnet sein muss. Genauso wie bei dem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten setzt sich der

RAP

Wie wird die RAP gebucht?

Prozess der Buchung aus drei Schritten zusammen.

  1.  Generelle Buchung des Geschäftsfalls, wie zum Beispiel: erhaltene Lizenzgebühr, 1.000 Euro
  2. Buchung zur Gestaltung der passiven Rechnungsabgrenzung, wie zum Beispiel: Lizenzgebühr an passive Rechnungsabgrenzung, 500 Euro
  3. Auflösung der passiven RAP im folgenden Jahr: Passive Rechnungsabgrenzung an Lizenzgebühr, 500 Euro
    Auch in diesem Fall wird der Kreislauf der Buchungen geschlossen und der Prozess der passiven RAP vollständig aufgelöst.

Fazit

Die Prozesse der Abgrenzung sehen auf den ersten Blick komplizierter aus, als sie schlussendlich sind. Durch den Rechnungsabgrenzungsposten sorgen Sie dafür, dass man Beträge der dazugehörigen Rechnungsperiode korrekt zuordnen kann und somit Ihre Bilanzen möglichst der Realität entsprechen. Die Buchung der Abrechnung lässt sich in wenigen, einfachen Schritten realisieren, deren Ablauf erfolgt stets nach dem gleichen Muster. Es ist besonders wichtig, dass Sie vorab genau ermitteln, welchen Betrag man welcher Periode zurechnen soll, damit die Buchungen dann auch der Realität entsprechen.

Was ist Factoring?

Die Historie der Forderungsfinanzierung reicht weit in die Vergangenheit zurück. Den Vorläufer der heute beliebten Unternehmensfinanzierungsform gab es bereits im alten Babylonien sowie bei den alten Griechen und Römern. Hier wurden schon vor 5000 Jahren Handelsgeschäfte finanziell über Vermittler abgewickelt, welche im Prinzip Factoringleistungen nach heutigem Verständnis anboten. Die Römer waren es auch, die dem Factoring den Namen (facere = machen) gaben.

Definition des Factorings

Factoring bedeutet ständiger Forderungsverkauf aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens gegen seine Kunden an ein Factoringinstitut. Dadurch, dass das Unternehmen seinen Kunden ein Zahlungsziel setzt und damit einen häufig kostenlosen Lieferantenkredit gewährt, entstehen die Forderungen.

Rechtliche Grundlagen des Factorings

Factoring ist rechtlich gesehen ein Kaufvertrag von Forderungen. Die Geschäftsbeziehung basiert auf einem Factoringvertrag zwischen Factoringgesellschaft und Kunden/Unternehmen. In der Praxis übernimmt die Factoringgesellschaft ebenso das gesamte Debitorenmanagement sowie das Ausfallrisiko des Lieferantenkredits.

Aufgaben des Factorings

Die Factoringgesellschaft (Factor) übernimmt durch Ankauf der Forderungen eine Finanzierungsfunktion, die bei den meisten Factoringkunden im Vordergrund steht.
Die Finanzierungsfunktion des Factorings besteht darin, dass dem Factoringkunden der Gegenwert der Forderung abzüglich des Sicherheitsbehaltes sofort und umsatzkongruent vom Factor bereitgestellt wird. Der Factoringkunde kann dann sofort über diese Mittel verfügen und verbessert hiermit seine Liquiditätslage.

Factoring

Wie wirkt sich Factoring auf die Liquidität aus?

Das Factoring kann, was die Finanzierungsfunktion betrifft, als Vermögensumschichtung und damit als Innenfinanzierung betrachtet werden.

Weiterhin bewirkt die Finanzierungsfunktion für den Factoringkunden einen sofortigen Liquiditätszufluss beim Verkauf der Forderungen. Der Factoringkunde muss nicht abwarten, bis der Debitor die ausstehenden Forderungen begleicht. Im Allgemeinen bietet der Factor die sofortige Bezahlung von bis zu 90 Prozent der an ihn abgetretenen Forderungen an. Das Geld steht dem Unternehmen sofort zur Verfügung und sollte beispielsweise für die Verminderung beziehungsweise Tilgung eigener Schulden bei Geldinstituten oder Lieferanten benutzt werden. Meistens fixiert der Factor diese Reduktion als Auflage.
Dies bewirkt eine Bilanzverkürzung und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Die noch bestehende Differenz von mindestens 10 Prozent der zugrunde liegenden Forderungen behält das Factoringinstitut als Entgelt und Sicherheitsabschlag für etwaige Forderungsausfälle unmittelbar zurück.
In der Praxis beinhaltet Forderungsfinanzierung häufig die Übernahme eines möglichen Forderungsausfalles(Delkredererisiko) als Zusatzfunktion. Dies geschieht dahingehend, dass der Factor das Unternehmen von seinem Kreditrisiko befreit und auf etwaige Regressansprüche verzichtet.
Optional besteht seitens der Factoringgesellschaft die Möglichkeit, Bereiche der Verwaltung und des Debitorenmanagements zu übernehmen. In der Praxis ist häufig die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens und des Inkassos anzutreffen.

Arten des Factorings

Als echtes Factoring bezeichnet man das Verfahren, bei dem die Factoringgesellschaft das Delkredererisiko

Factoring

Wer trägt bei den beiden Factoring-Arten das Risiko?

übernimmt. Unechtes Factoring dagegen verzichtet auf die Übernahme dieses Risikos. In Deutschland ist hauptsächlich das Verfahren des echten Factorings verbreitet. Die Veräußerung der Forderung erfolgt mit Übergang aller Rechte und Pflichten an den Factor.
Man unterscheidet weiterhin das offene Factoring, bei dem der Schuldner Kenntnis vom Verkauf der Forderung hat, und das stille Factoring, bei dem die Kunden an das Unternehmen zahlen und das Unternehmen die für die verkauften Forderungen vereinnahmten Gelder an das Factoringinstitut weiterleitet.

Kosten für das Factoring

  • Die Kosten für die Forderungsfinanzierung berechnen sich aus folgenden Parametern:
  • Factorabler Jahresumsatz
  • Finanzierungslinie (angekaufte Forderungen multipliziert mit der Bevorschussungsquote)
  • Bonität des Factoringkunden
  • Anzahl Kunden
  • Anzahl Rechnungen
  • Umfang der übernommenen Dienstleistung (Full-Service Factoring oder Inhouse Factoring)
  • Bestehen einer Kreditversicherung
  • spezifisches Ausfallrisiko der Forderung.
In der Praxis orientiert sich der Faktor für die Vorfinanzierung am EURIBOR zuzüglich eines Aufschlages von in der Regel ein bis zwei Prozentpunkten. Lesen Sie hier alles über die EURIBOR.

Berechnungsbeispiel

Für die Dienstleistungsgebühr (1 Prozent von 1 Million EUR Umsatz) werden 10.000 EUR für die Delkrederegebühr (1 Prozent von 1 Million Umsatz) auch 10.000 EUR erhoben. Die Zinsen betragen (1,5 Prozent von 900.000 EUR) 13.500 EUR. Daraus ergeben sich monatliche Kosten in Höhe von 33.500 EUR, die den monatlichen Einsparungen gegenüber stehen. Es fallen Debitorenbuchhaltungs– und Mahnkosten in Höhe von 20.000 EUR und Forderungsausfälle in Höhe von 5.000 EUR weg. Die Verminderung der Zinsen beläuft sich auf (6 Prozent von 900.000 / 12 Monate) 4.500 EUR. Daraus ergibt sich eine Einsparung von 29.500 EUR.
Da die Kosten höher als die Einsparungen sind, sollte in diesem Beispiel kein Factoring durchgeführt werden.

Vorteile des Factorings

Durch die Finanzierungsfunktion erhält ein Factoringkunde den um den Sicherheitsbehalt verminderten Gegenwert der abgetretenen Forderung vom Factoringinstitut zur Verfügung gestellt. Diese Eigenschaft des Factorings stellt für ein Unternehmen die Sicherung der eigenen Liquidität dar und hilft, Zahlungsengpässe zu vermeiden. Der Factoringkunde wird so auch in die Lage versetzt, seine Finanzplanung besser gestalten zu können. Der Bedarf an finanziellen Mitteln eines Unternehmens kann direkt durch die Veräußerung der Außenstände durch den Factor gedeckt werden. Der Unternehmer ist so gestellt, als würden alle seine Abnehmer am Tag des Rechungserhalts bezahlen.

Damit steigt gleichzeitig die finanzielle Flexibilität, da Factoring als umsatzkongruente Wachstumsfinanzierung im

Factoring

Finanziell bewirkt Factoring eine größere Liquidität

Vergleich zu Betriebsmittelkrediten die Liquiditätssituation verbessern kann. Beim Factoring besteht kein fixiertes

Gesamtlimit wie beispielsweise bei einem KontokorrentkreditFactoring ermöglicht es Unternehmen, ohne zusätzliche persönliche Sicherheiten ihren Finanzierungsrahmen auszubauen. Außerdem kann ein Unternehmen die flüssigen Geldmittel dazu verwenden, frühzeitig die Rechnungen der eigenen Lieferanten zu bezahlen, um so deren gewährte Skonti zu nutzen und finanzielle Mittel einzusparen.
Nutzt der Factoringkunde den neu gewonnenen Liquiditätsspielraum zur Tilgung bestehender Schulden, bewirkt dies in der Bilanz eine Verbesserung der Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Sofern die Factoringgesellschaft mit der Forderungsübertragung auch die Ausfallrisiken bei Zahlungsunfähigkeit übernimmt, ist der Klient vom Kreditausfallrisiko befreit, da der Factor das Risiko eines Forderungsausfalls
regresslos trägt. Der Forderungsverkäufer kann von der zumeist höheren Inkassostärke der
Factoringgesellschaft profitieren. In der Praxis zeigt sich dies in höheren Inkassoquoten und somit in niedrigeren Aufwendungen durch Forderungsausfälle. Das Factoring kann damit eine Kreditversicherung gegen Forderungsausfälle ersetzen.