Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Was sind Aktiva?

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und stellen die Kapitalquellen sowie die Vermögenswerte des Unternehmens dar. Den Aktiva stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz gegenüber. Sie stellen das Kapital dar, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerten erforderlich ist. Die Summe der Aktiva muss immer der Summe der Passiva entsprechen.

Aktiva als Vermögen eines Unternehmens

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und informieren darüber, in welche Werte ein Unternehmen sein Kapital investiert hat. Es handelt sich um das Vermögen eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz für das Kapital, das zur Finanzierung der Vermögenswerte dient. Die Summe der Aktiva ist die Summe der Vermögenswerte und muss mit der Summe der Passiva übereinstimmen. Sie bildet die Bilanzsumme.

Zu diesen Vermögenswerten gehören Anlagen, Maschinen, angelegte Wertpapiere und Bankkonten. Bei den Vermögenswerten wird zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. In den meisten Unternehmen besteht eine Aktivierungspflicht. Das Unternehmen ist verpflichtet, seine Vermögenswerte in der Bilanz darzustellen. Es muss dabei Bilanzklarheit, Bilanzwahrheit und Bilanzkontinuität wahren. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen ein Aktivierungswahlrecht oder sogar ein Aktivierungsverbot besteht.

Unterschied zu Passiva

Die Aktiva geben Auskunft darüber, wofür das Kapital eines Unternehmens verwendet wurde. Im Gegensatz dazu informieren die Passiva über die Herkunft der Mittel zur Finanzierung der Vermögenswerte. Die Aktiva werden häufig als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. In die Aktiva fließen die aktiven Bestandskonten, in die Passiva die passiven Bestandskonten aus der Finanzbuchhaltung ein. Es ist abhängig davon, ob es sich um ein Aktivkonto oder um ein Passivkonto handelt, auf welcher Seite dieses Kontos der Anfangsbestand gebucht wird. Die Tatsache, ob es sich um ein Aktiv- oder um ein Passivkonto handelt, ist auch relevant dafür, auf welcher Seite Zugänge und Abgänge erfasst werden.

 

Die Unterteilung der Aktiva

Im § 266 II HGB ist geregelt, wie die Aktiva in einer Bilanz aufgebaut sind. Die Aktiva setzen sich aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen zusammen, die wiederum unterteilt sind. Bei der Erfassung der verschiedenen Aktivposten in der Bilanz muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. Auf der Aktivseite müssen die Vermögenswerte in nachfolgender Reihenfolge erfasst werden:

– Anlagevermögen, unterteilt in

Immaterielle Vermögensgegenstände

Sachanlagen

Finanzanlagen

– Umlaufvermögen, unterteilt in

Vorräte

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

Wertpapiere

Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks

– Rechnungsabgrenzungsposten

– Aktiv latente Steuern

– Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.

Finanzierung der Vermögenswerte

Die Aktiva in der Bilanz werden durch die Passiva finanziert, bei denen zwischen Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden wird. Eigenkapital wird von den Unternehmern oder Gesellschaftern in Form von finanziellen Mitteln oder Betriebsmitteln wie Maschinen und Anlagen in das Unternehmen eingebracht.Beim Fremdkapital handelt es sich um die Mittel, die einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt werden. Das Unternehmen muss das Fremdkapital wieder zurückzahlen, da es nur zeitlich begrenzt zur Verfügung steht.

 

Das Anlagevermögen als Bestandteil der Aktiva

Das Anlagevermögen ist ein Hauptposten der Aktiva und soll dem Unternehmen langfristig dienen. Die im Anlagevermögen enthaltenen Vermögensgegenstände sind zum Aufbau, zur Ausstattung und zur Funktionsfähigkeit eines Unternehmens erforderlich. Sie sind im Unternehmen dauerhaft gebunden. Das Anlagevermögen umfasst

– Immaterielle Wirtschaftsgüter, zu denen Patente, Lizenzen, Verlagsrechte, Marken und Rezepturen gehören

– Sachanlagen, beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Betriebs- und Geschäftsausstattungen, Maschinen

– Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Anteile an anderen Unternehmen

Die Vermögensgegenstände, die zum Anlagevermögen gehören, müssen auch dann in die Aktiva aufgenommen werden, wenn sie vom Unternehmen selbst erstellt wurden, beispielsweise durch das Unternehmen erstellte Software.

Der Wert vieler Gegenstände des Anlagevermögens wird durch Abschreibungen reduziert.

 

Umlaufvermögen als weiterer Hauptposten der Aktiva

Ein weiterer Hauptposten der Aktiva ist das Umlaufvermögen. Es befindet sich im Umlauf und dient dem Unternehmen nur kurzfristig. Beim Umlaufvermögen handelt es sich um Vermögensgegenstände, die zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur Rückzahlung notwendig sind.

 

Nebenposten der Aktiva

Die Nebenposten der Aktiva umfassen

– aktive Rechnungsabgrenzungsposten, die gebildet werden, wenn ein Unternehmen bereits eine Zahlung geleistet hat, für die es erst in der nächsten Abrechnungsperiode den Gegenwert erhält

– aktiv latente Steuern, die entstehen, wenn der Steuerbestand in der Handelsbilanz niedriger als in der Steuerbilanz ist

– aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung als Schulden, bei denen das Vermögen einem einzigen Zweck dient und dem Zugriff durch Gläubiger entzogen wurde.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus der Bilanz können wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen gebildet werden:

Der Verschuldungsgrad spielt bei der Bewertung der Bonität eines Unternehmens eine wichtige Rolle und wird ermittelt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert und mit 100 multipliziert wird. Er stellt das Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital dar.

Die Gesamtkapitalrentabilität wird in Prozent angegeben und informiert darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Der Gewinn des Unternehmens wird mit den geleisteten Zinsen auf Fremdkapital addiert. Diese Summe wird durch die Bilanzsumme dividiert und mit 100 multipliziert. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen sein. Umso höher die Gesamtkapitalrentabilität, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist Buchführung?

Die Buchhaltung befasst sich mit der Buchführung in einem Unternehmen. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff „Rechnungswesen“ als Synonym hierfür verwendet. Verantwortlich für die Buchhaltung in den Unternehmen sind die Buchhalter.

Unterschied zwischen Buchhaltung und Buchführung

Auch, wenn die Begriffe Buchhaltung und Buchführung oft synonym verwendet werden, bestehen dennoch feine Unterschiede. Im Rahmen der Buchhaltung werden solche unternehmerischen Geschäftsvorgänge dokumentiert, die das Vermögen betreffen. Hierzu zählen beispielsweise Umsätze, Aufwendungen, Abschreibungen (Werteverzehr), Kredite sowie Aufwendungen für Löhne. Die Buchführung bedeutet hingegen die strukturierte Aufzeichnung aller Geschäftsvorgänge auf Basis von Belegen. Sie bildet den Status eines Unternehmens in Zahlen ab und liefert wichtige Informationen.

Wer ist zur Buchführung verpflichtet?

Folgende Unternehmen müssen Bücher führen:

  • Kommanditgesellschaft (KG)
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
  • Aktiengesellschaft (AaG)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft (GmbH & Co. KG)

Die Pflicht zur doppelten Buchführung gilt außerdem für alle Gewerbetreibende oberhalb einer Einkommensgrenze. In der Buchhaltung wird grundsätzlich zwischen zwei Verfahren zur Gewinnermittlung unterschieden:

  • doppelte Buchführung
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)

Welches Verfahren für ein Unternehmen gefordert ist, hängt von folgenden Kriterien ab: der Rechtsform, der Eintragung im Handelsregister sowie dem Jahresumsatz und dem Jahresüberschuss. Die EÜR ist deutlich unkomplizierter als die doppelte Buchführung.

Einkommensgrenzen

Nicht buchführungspflichtig sind Einzelunternehmer, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren einen Umsatz von 600000 Euro und einen Jahresüberschuss von 60000 Euro unterschreiten (§ 241a HGB).

Buchhaltung bei Freiberuflern

Die Verpflichtung zur doppelten Buchführung gilt nicht für Freiberufler. Gleichwohl müssen auch diese ihre Betriebseinnahmen und -ausgaben übersichtlich darstellen. Die Belege sind zu sammeln und in einer Tabelle auszuweisen. Dabei muss nach Erlös- bzw. Kostenarten sortiert werden. Für das Finanzamt ist eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung durchzuführen, in der die Einnahmen und Ausgaben transparent dargestellt werden. Eine Buchhaltungssoftware erleichtert die Dokumentation.

Buchhaltung bei Kleinunternehmern

Den Status Kleinunternehmer haben Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler, sofern sie weniger als 17500 Euro im Jahr verdienen. Auch Steuerpflichtige, die im laufenden Jahr voraussichtlich ein Einkommen unterhalb von 50000 Euro erzielen und im Vorjahr nicht mehr als 17500 Euro verdient haben, können den Status Kleinunternehmer in Anspruch nehmen.

Kleinunternehmern wird das Verfahren der EÜR gewährt

Ebenso wie Freiberufler sind auch Kleinunternehmer nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet. Sie führen ihre EÜR durch, auf deren Grundlage das Finanzamt die Steuerschuld berechnet. Kleinunternehmer sind aber gehalten, die Belege für Einnahmen und Ausgaben vollständig und sorgfältig aufzubewahren. In der Regel fordert das Finanzamt, dass diese in Papierform eingereicht werden.

Für Gewerbetreibende, die nicht den Status von Kleinunternehmern haben oder als Handelsgesellschaft angemeldet sind, gilt die Pflicht zur doppelten Buchführung. Da diese Art der Gewinnermittlung aufwendig ist, engagieren die meisten Gewerbetreibenden hierfür einen Steuerberater oder Buchhalter.

Bücher in der Buchhaltung

Bei der Buchhaltung werden drei Arten von Büchern unterschieden: das Grundbuch, das Hauptbuch und die Nebenbücher.

Grundbuch

Das Grundbuch bezeichnet man auch als Journal oder Tagebuch. Es enthält alle Geschäftsvorgänge in ihrer chronologischen Reihenfolge. Dabei erfolgt eine Nummerierung sowie Verknüpfung eines jeden Geschäftsvorgangs mit folgenden Informationen.

  • Datum
  • Betrag
  • Erläuterungen
  • Zuordnung zum Beleg
  • Sollkonto
  • Habenkonto

Auf der Basis der Eintragungen im Grundbuch überträgt man die Buchungen in das Hauptbuch.

Hauptbuch

Das Hauptbuch umfasst sämtliche Sachkonten. Dabei wird jeder Geschäftsvorgang nach sachlichen Kriterien im entsprechenden Konto gebucht. Aus dem Abschluss im Hauptbuch ergibt sich die Unternehmensbilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung. Der Jahresabschluss zählt zu den wesentlichen Elementen der Bilanzbuchhaltung. Ihn zieht man als Berechnungsgrundlage für die Gewerbesteuer und die Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer heran. Auch Banken und Aktionäre interessieren sich für den Jahresabschluss. Wer eine Buchhaltungssoftware verwendet, braucht kein Hauptbuch zu führen, da sich die Buchungen automatisch in das Hauptbuch übertragen lassen.

Nebenbücher

Die Funktion der Nebenbücher ist es, den Konten im Hauptbuch ausführlichere Erläuterungen beizufügen. Zu den üblichen Nebenbüchern gehören das Kassenbuch, das Warenbuch und das Kontokorrentbuch. Im Kassenbuch werden alle Bargeldbewegungen ausgewiesen. Das Warenbuch umfasst sämtliche Wareneingänge und –ausgänge. Im Kontokorrentbuch sind Informationen zu den Kunden und Lieferanten enthalten.

Konten in der Buchführung

Ein Geschäftsvorgang wird jeweils auf mehreren Konten gebucht. Das Konto ist gegliedert in eine Soll-Seite (linke Spalte) und einer Haben-Seite (rechte Spalte). Wegen der Form wird dieses Konto auch als T-Konto bezeichnet.

Soll und Haben

Der Sinn der Begriffe Soll und Haben erschließt sich nicht so leicht, wenn man von ihrer alltagssprachlichen Bedeutung ausgeht. Auf der Soll-Seite stehen die Forderungen, die das Unternehmen gegenüber den Kunden hat. Es handelt sich also um die Vermögenswerte. Auf der Haben-Seite stehen dagegen die Verbindlichkeiten des Unternehmens gegenüber Dritten. Hierbei handelt es sich um die Schuldwerte.

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB)

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sind im HGB (§ 238 ff.) festgeschrieben. Präzisiert werden die GoB seit 2015 in den GoBD. Mit den GoB werden vor allem Vorschriften zur Dokumentation der Belege formuliert.

  • Belegpflicht
    Grundsätzlich darf eine Buchung nur mit Beleg erfolgen. Ohne Beleg ist keine korrekte Buchung möglich.
  • Vollständigkeit
    Die Buchführung muss lückenlos erfolgen. Dies bedeutet, dass jeder Geschäftsvorgang ausgewiesen werden muss.
  • Klarheit und Übersichtlichkeit
    Die Bücher sind übersichtlich zu führen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Finanzamt die Darstellung lückenlos nachvollziehen kann.
  • Nachprüfbarkeit
    Die Bücher sind so zu führen, dass die Aufzeichnungen nachgeprüft werden können. Diese Anforderung ist zu erfüllen, indem jedem Geschäftsvorgang ein Beleg beigefügt und dieser im Grundbuch ausgewiesen wird. Auch Änderungen müssen entsprechend transparent gemacht werden. Jede Korrektur im Falle einer falschen Buchung muss daher als Korrekturbuchung erfolgen.
  • Richtigkeit
    Jeder Geschäftsvorgang muss sowohl formal als auch inhaltlich (=materiell) korrekt gebucht werden. Die formale Richtigkeit bedeutet, dass jede Buchung auf dem richtigen Konto erfolgt und die Belege mit den Buchungen übereinstimmen. Materielle Richtigkeit bedeutet, dass der Wert und der Inhalt der jeweiligen Buchung korrekt erfasst werden.
  • Zeitgerechtheit
    Buchungen sind fristgerecht und in der erforderlichen zeitlichen Reihenfolge durchzuführen.
  • Aufbewahrung und Sicherheit
    Alle steuerrelevanten Unterlagen sind an die gesetzliche Aufbewahrungspflicht nach § 257 HGB gebunden. Diese Aufbewahrungsfrist erstreckt sich meist auf einen Zeitraum von sechs bzw. zehn Jahren. Es muss gewährleistet sein, dass die ordentliche Buchführung innerhalb dieser Fristen erfolgt.

Was ist eigentlich Controlling?

Auf den ersten Blick scheint der Begriff „Controlling“ die englische Übersetzung für „Kontrolle“ zu sein. Dies ist aber nicht zutreffend. Zwar leitet sich der Begriff von „to control ab. Aber dieser Aufgabenbereich ist viel umfassender. Die Kernfunktion ist die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Unternehmensbereiche. Diese Aufgabe vollzieht sich daher in einem Kreislauf aus

  • Planung
  • Information und Dienstleistung
  • Kontrolle und Analyse
  • Steuerung
  • Controlling und Buchhaltung

Entstanden aus der Buchhaltung geht das Controlling mittlerweile weit darüber hinaus. Dieser Aufgabenbereich bezieht sich nicht wie die Buchhaltung auf vergangene Perioden, sondern ist auf die zukünftige Entwicklung fokussiert. Dabei orientieren sich Controller an den Unternehmenszielen, an deren Formulierung sie selbst mitwirken. Auf dieser Grundlage steuert man betriebliche Abläufe und Projekte. Ohne die Tätigkeit der Controller liefe ein Unternehmen Gefahr, unbemerkt in eine falsche Richtung zu treiben bzw. ohne klares Ziel gesteuert zu werden.

Strategisches und operatives Controlling

Um diese Aufgaben erfüllen zu können, greifen Controller auf verschiedene Instrumente zurück. Unterscheiden muss man dabei zwischen dem strategischen und dem operativen Controlling.

Strategisches Controlling

Das strategische Controlling ist langfristig angelegt und soll den unternehmerischen Erfolg sichern. Zu den Instrumenten des strategischen Controllings zählen die SWOT-Analyse, die Wettbewerbsanalyse, ProduktportfolioanalyseStakeholder-Analyse, Six-Sigma und Benchmarking. Lesen Sie hier alles über Benchmarks.

Operatives Controlling

Dagegen befasst sich das operative Controlling mit dem Tagesgeschäft, treibt die Planung voran und sichert die Zielorientierung. Zu den Instrumenten gehören die ABC-Analyse, die Break-Even-Analyse, die Deckungsbeitragsrechnung, die Kosten- und LeistungsrechnungInvestitionsrechnung, der Soll-Ist-Vergleich und die Abweichungsanalyse. Darüber hinaus zählen Budgetierung und Budgetkontrolle sowie das Berichtswesen zum Instrumentarium.

Organisation des Controllings

Im Einzelnen sind die Aufgaben des Controllings abhängig von der Größe des Unternehmens. Manche Unternehmen lagern diesen Aufgabenbereich an eine externe Gesellschaft aus. In kleineren Firmen nimmt man die Controller-

Controlling

Wer ist für welchen Bereich zuständig?

Aufgaben oft zusammen mit dem internen Rechnungswesen wahr. Dagegen verfügen größere Unternehmen üblicherweise über eigene Controller-Abteilungen. Mitunter ist das Controlling funktional gegliedert, beispielsweise in das Marketingcontrolling, das Finanzcontrolling und das Investitionscontrolling.

Planung

Die Controller entwickelt ein System aus Zielen. Auf der Grundlage dieser Unternehmensziele legen die Controller die Budgetierung für die Unternehmensbereiche oder Projekte fest. Zur höheren Verbindlichkeit legt man Verfahren fest (zum Beispiel in Form von Zeitplänen oder Checklisten). Auf dieser Grundlage können die Controller später die Prozesse überwachen. Die Führungskräfte der einzelnen Bereiche bringen ihre Vorstellungen bezüglich der jeweiligen Ziele ein. Das Controlling überprüft dabei aber, ob diese Vorstellungen im Hinblick auf den Gesamtplan stimmig sind.

Information und Dienstleistung

Die Controller überwachen die Unternehmenskennzahlen und berichten regelmäßig über die aktuelle Unternehmensentwicklung. Mit Hilfe eines Informationssystems unterstützen die Funktionsträger des Controllings das Management dabei, Unternehmensziele und geeignete Maßnahmen für deren Erreichung festzulegen. Dazu werden die wirtschaftlichen Aktivitäten in Form von Kennzahlen transparent gemacht. Dabei werden sowohl die interne Unternehmenssituation als auch das Unternehmensumfeld mit seinen Chancen und Risiken beleuchtet.

Zu den wesentlichen Kennzahlen gehören der Deckungsbeitrag, der Unternehmenswert und die Rentabilität. Diese Daten werden durch die Controller übersichtlich aufbereitet und so präsentiert, dass das Management Hinweise für die Entwicklung des Gesamtplans erhält. Auf Grundlage diese Berichte können strategische Entscheidungen begründet getroffen werden. Dabei beraten die Controller die Unternehmensführung und geben Handlungsempfehlungen. Außerdem wird es auf diese Weise ermöglicht, die verschiedenen Unternehmensbereiche miteinander zu vergleichen und gegebenenfalls Zielabweichungen einzelnen Bereichen zuordnen zu können.

Kontrolle und Analyse

Controller müssen regelmäßig überprüfen, ob die festgesetzten Ziele erreicht wurden oder ob man zusätzliche Maßnahmen ergreifen muss, um die Zielerreichung zu gewährleisten. Soweit Ziele nicht erreicht werden, analysiert

Controlling

Zeitlich festgelegte Überprüfungen sind relevant

das Controlling die Zielabweichungen und identifiziert Gründe dafür. Gleichzeitig überprüfen die Controller auf diesem Weg die Ziele. Wenn sich Unternehmensziele als nicht mehr geeignet erweisen, werden diese neu formuliert. Das Controlling beobachtet außerdem kontinuierlich das Unternehmensumfeld, um kritische Ereignisse, die das Unternehmen betreffen, rechtzeitig zu erkennen.

 

Steuerung

Unternehmensziele müssen in Maßnahmen und Projekte transformiert sein. Hierzu gehören beispielsweise Investitionsentscheidungen, Effizienzsteigerungen und Maßnahmen zur Kostensenkung. Das Controlling ist dabei für die Koordinierung verantwortlich. Wenn erforderlich, entwickelt das Controlling neue Maßnahmen, um die Unternehmensziele zu erreichen. Auch lassen sich Prozesse optimieren, um die Zielerreichung abzusichern. Mit Hilfe von Prognosen über die Entwicklung der Kennziffern lässt sich gewährleisten, dass man Abweichungen zwischen Ist-Werten und Soll-Werten rechtzeitig erkennt.

Anforderungen an Controller

Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Controlling für die Unternehmensführung müssen die Funktionsträger über entsprechende fachliche Qualifikationen und persönliche Stärken verfügen.

Ausbildung und Studium

Controller benötigen umfassendes betriebswirtschaftliches Wissen. Sie müssen daher ein Studium der Betriebswirtschaftslehre oder eine vergleichbare Ausbildung absolviert haben. Im weiteren Sinnen zählen hierzu alle Studiengänge aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Idealerweise sollte ein Schwerpunkt in Controlling oder Rechnungswesen nachgewiesen sein. Manche Hochschulen bieten spezialisierte Bachelor- und Master-Studiengänge an, damit Absolventen auf diese zentrale Aufgabe vorbereitet sind. Auch im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums oder Fernstudiums lassen sich die erforderlichen Qualifikationen erwerben. Die Industrie- und Handelskammer bietet eine Weiterbildung zum Controller an. In der Regel ist ein solches Programm an Voraussetzungen geknüpft, beispielsweise an einen Studienabschluss, eine kaufmännische Ausbildung oder einen bestimmten Umfang an Berufserfahrungen.

Persönliche Voraussetzungen

Außerdem sollten Controller eine Affinität zu Zahlen haben und flexibel sein. Sie sollten logisch und analytisch

Controlling

Wie sieht das Profil eines perfekten Controllers aus?

denken. Darüber hinaus kennzeichnen kommunikative Fähigkeiten und Präsentationstalent einen guten Controller. Manche Controller sind spezialisiert, beispielsweise auf das Personal, die Produktion, den Einkauf, Logistik, Vertrieb oder auf einzelne Projekte. Hiermit sind spezifische persönliche Anforderungen verbunden.

Fazit

Insgesamt lässt sich das Controlling in folgende Teilgebiete gliedern:

  • Überwachung der Unternehmenskennzahlen
  • Aufbereitung der Zahlen für das Management
  • Unterstützung des Managements bei der Zieldefinition und –erreichung
  • Steuerung und Planung von Projekten
  • Ergebnis- und Zielkontrolle (z. B. durch Soll-Ist-Vergleiche)
  • Durchführung von Wirtschaftlichkeitsberechnungen
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Prozessoptimierungen

Was ist eine ABC-Analyse?

Wer in einem Unternehmen im Management tätig ist, Projekte leitet oder in anderen Zusammenhängen an Entscheidungsfindungen beteiligt ist, der benötigt Methoden, mit denen man bestimmte Situationen und Sachverhalten analysieren und bewerten kann. Eine solche Methode hat der ehemalige General Motors Manager H. Ford Dickie entwickelt und im Jahr 1951 in dessen Veröffentlichung, einem Artikel namens „ABC Inventory Analysis Shoots for Dollars, not Pennies„, der Wissenschaft und Praxis offengelegt. Dickie baute mit seiner ABC-Analyse auf die Arbeiten seiner Kollegen Pareto und Lorenz auf, die mit dem Paretoprinzip und der Lorenzkurve bereits die Grundlagen der ABC-Analyse geschaffen hatten.

Was ist die ABC-Methode wissenschaftlich betrachtet?

Bei dieser Methode handelt es sich um eine sogenannte Programmstrukturanalyse. Sie gehört zu den primären betriebswirtschaftlichen Analyseverfahren. Ziel der Analyse ist es, Objekte oder Prozesse zu analysieren, zu bewerten und zu kategorisieren. Dabei schafft man üblicherweise Klassen, in die die zu bewertenden Objekte mit absteigender Relevanz einsortiert werden. Möchte man zum Beispiel Standorte bewerten, so kommen in eine Klasse A die stärksten, also zum Beispiel die Standorte mit dem höchsten Umsatz und in die Klassen B und C die weniger starken Standorte. Was genau die ABC-Methode bewerten soll, ist wissenschaftlich betrachtet zunächst irrelevant, es muss lediglich eine Sortierung anhand einer Bewertung möglich sein. Die ABC-Analyse ist damit in sehr vielen Fällen einsetzbar und produziert vergleichsweise eindeutige Ergebnisse. Insbesondere in den Bereichen Unternehmensführung, Projektmanagement und Personalmanagement ist die ABC-Analyse aus der heutigen Wirtschaftspraxis daher nicht mehr wegzudenken.

Welche Ziele verfolgt die ABC-Analyse in betriebswirtschaftlicher Hinsicht?

Die ABC-Analyse wuchs in einer Zeit, als Controlling noch nicht überwiegend durch den Einsatz von Rechnern

ABC

Die ABC-Analyse verhalt dem Controlling zur jetzigen Stärke

funktionierte. Controllern gab man mit der ABC-Analyse eine Methode zu Hand, um das wirtschaftliche Handeln besser überwachen, überprüfen und nachjustieren zu können. Dickie selbst nannte 1951 in seinem Artikel die Motivation der Controlling-Mitarbeiter als einen der fünf großen Vorteile durch seinen Ansatz. Doch vor allem sah man die Verbesserung von Planungsprozessen, eine damit einhergehende Steigerung der Effizienz der eigenen Verwaltung und die Reduzierung der Lagerkosten, die man durch die ABC-Analyse erzielen sollte. Unter dem Strich sollte schließlich der fünfte große Vorteil sichtbar werden und das war erwartungsgemäß ein höherer Gewinn.

Viele Studien und Versuche haben sich seitdem intensiv mit der Methode auseinandergesetzt und nach wie vor gilt, dass die ABC-Analyse in ihren Festen unerschütterlich bleibt und bei richtiger Ausführung entsprechende Resultate liefert.

Praktische Anwendungen des Prinzips heute

Heutzutage dient die ABC-Methode freilich nicht mehr der Motivation von Controlling-Mitarbeitern. Der Fokus liegt im Projektmanagement, der Unternehmensführung und auch im Personalwesen, vor allem in der Verteilung von Personal. Ziel dabei ist es, sich der Komplexität großer Zahlen anzunähern und diese handhabbar zu bekommen. Zudem ermöglicht es die ABC-Analyse, das Wesentliche vom weniger Wesentlichen bzw. dem Unwesentlichen zu unterscheiden und zu trennen. So sollen zum einen richtige Entscheidungen getroffen werden, vor allem aber unwirtschaftliche Vorhaben gestoppt bzw. gar nicht erst begonnen werden. Das führt im Ergebnis zu einer Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit sowie zu einem verbesserten Risikomanagement. Lesen Sie hier alles zum Risikomanagement.

ABC

Nicht immer läuft es wie gewünscht

Die ABC-Analyse wird zudem regelmäßig im Rahmen von Rationalisierungen, Umstrukturierungen und in Krisenzeiten angewendet. Anhand der ABC-Methode kann schnell detailliert herausgefunden werden, welche Teile eines Unternehmens gewinnbringend und welche verlustreich sind. Insbesondere der wirtschaftliche Wert eigener Produkte, eigener Mitarbeiter und Ressourcen kann somit schnell ermittelt und in die Entscheidungsfindung eingebracht werden.

Kann die ABC-Analyse auch erweitert werden?

Neben der ABC-Variante haben sich auch die XYZ-Analyse und die GMK-Analyse etablieren können. Bei der XYZ-Analyse wird die ABC-Variante durch eine zusätzliche Klassifikation von Produkten oder Rohstoffen nach deren jeweiligen Verbrauch bzw. Verkauf ergänzt. Diese Variante, die in der Literatur auch als ABC/XYZ-Analyse bezeichnet wird, kann wiederum um die GMK-Analyse erweitert werden. Bei dieser wird zusätzlich noch die Größe der zu betrachtenden Objekte – nämlich Groß, Mittel und Klein – in die Analyse miteinbezogen.

Ein Beispiel: Die ABC-Analyse im Praxistest

Was in der Theorie zunächst einleuchtend klingt, muss aber natürlich auch den Praxistest überstehen. Ein praktischer Anwendungsfall ist die Bewertung der eigenen Produkte im Rahmen von Rationalisierungen bzw. Fokussierung. Um eigene Produkte bewerten zu können, muss zunächst eine Beschreibung anhand einer Kenngröße stattfinden. Kenngrößen für die Bewertung von Produkten sind zum Beispiel a) die Anzahl der Verkäufe, b) der Umsatz, den man durch diese Verkäufe generiert und c) die Marge pro Produkt. Nun muss man sinnvolle Klassen einteilen. In diesem Schritt ist zunächst zu prüfen, ob die Kenngrößen eine solche Unterteilung zulassen. Sind zum Beispiel die Margen alle sehr ähnlich oder ist der Umsatz pro Produkt ungefähr ausgeglichen, andere Faktoren stimmen aber nicht überein, scheidet eine Klassifizierung nach dieser Kenngröße aus.

Die Festlegung der Klassengrenzen hängt zudem von der Zielsetzung aus. Ist es das Ziel, nur einige wenige

ABC

Welches Produkt wandert in welche Klasse?

Produkte herauszufiltern, müssen die Grenzen entsprechend so gesetzt sein, dass ein Großteil möglichst in die Klasse A gehört und eine scharfe Abgrenzung zwischen den Klassen B und C erfolgen kann. Ziel könnte es in diesem Szenario sinnvollerweise sein, herauszufinden ob einige wenige Produkte im Sinne des Paretoprinzips den größten Teil am Umsatz oder der Marge des Unternehmens ausmachen. Abschließend lassen sich die Ergebnisse der ABC-Analyse in einem ABC-Diagramm darstellen und somit visualisierbar machen.

Nachteile der ABC-Analyse & Kritik

Unzweifelhaft kann die ABC-Analyse nur den aktuellen, also den IST-Zustand, darstellen. Daraus müssen und können zwar Handlungsanleitungen für die Zukunft abgelesen werden, eine Prognose für die Zukunft darf man aber nicht erwarten. Auch gibt es Kritik dahingehend, dass die grobe Einteilung schnell zu Unterkomplexität führen kann.

Was ist eine SE?

Unter den Startups entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft (SE). Zwischen dieser Rechtsform und der klassischen Kapitalgesellschaft gibt es viele Gemeinsamkeiten. Aber es bestehen auch Unterschiede, aus denen spezifische Vorteile der SE resultieren. Diese sind sowohl wirtschaftlicher als auch psychologischer Art. Hier erfahren Sie, warum sich viele Unternehmen für die Form der Europäischen Aktiengesellschaft entscheiden und was diese Rechtsform kennzeichnet.

Definition SE

Die Abkürzung SE steht für Societas Europaea„. Dabei handelt es sich um eine Europäische Aktiengesellschaft, auch Europa AG genannt. Dies ist eine Rechtsform für Aktiengesellschaften in der EU und im gesamten europäischen Wirtschaftsraum. Mit dieser Rechtsfigur ist die Gründung von Gesellschaften nach nahezu einheitlichen Rechtsprinzipien möglich.

Entstehung und gesetzliche Grundlage

Die Europäische Aktiengesellschaft stellt eine eigene Rechtspersönlichkeit dar. Diese Rechtsform entwickelte sich im Jahr 2001. Die EU-Verordnung zur Europäischen Aktiengesellschaft trat im Oktober 2004 in Kraft. Diese EU-Verordnung beschränkt sich auf einzelne Regelungen, die sich jeweils durch nationales Recht ergänzen. Maßgeblich dafür ist, in welchem EU-Mitgliedsland die Firma ihren Sitz hat. Nach dem nationalen Recht entscheidet sich auch die Besteuerung eines Unternehmens mit der Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft.

Merkmale einer SE

In vielerlei Hinsicht entspricht die Europäische Aktiengesellschaft der klassischen Aktiengesellschaft. Die SE ist

SE

AG oder SE?

ebenfalls eine Kapitalgesellschaft. Das Grundkapital einer Europäischen Aktiengesellschaft muss in Aktien zerlegt sein. Diese werden auch an der Börse gehandelt. Die Übertragung von Aktien erfolgt nach nationalen Regelungen. Das Mindestkapital beträgt 120.000 Euro. Dies ist deutlich mehr als bei einer AG (50.000 Euro) und einer GmbH (25.000 Euro). Die Aktionäre sind Mitglieder der Hauptversammlung und haften bis zur Höhe des jeweiligen gezeichneten Kapitals. In Deutschland haben sich inzwischen rund 400 Unternehmen für diese Rechtsform entschieden. Von den 30 DAX-Unternehmen haben sechs die Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft. Lesen Sie hier alles zum Dax.

Vorteile der SE

Trotz vieler Gemeinsamkeiten zwischen der Europäischen Aktiengesellschaft und der deutschen AG gibt es einige Gründe, warum eine Europäische Aktiengesellschaft vorteilhaft ist.

Grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivität wird erleichtert

Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern präsent sein wollen, brauchen als Europäische Aktiengesellschaft nicht mehr in jedem Land eine Tochtergesellschaft zu gründen. Stattdessen können sie jeweils Niederlassungen einrichten. Grenzüberschreitende Mergers & Acquisitions (M&A)-Transaktionen sind daher vereinfacht möglich. Die Gewinnverteilung in den einzelnen Ländern ist somit wesentlich einfacher, ohne dass aufwändige Ausschüttungen erforderlich sind.

Freie Auswahl des Hauptsitzes innerhalb der EU

Der Hauptsitz einer Europäischen Aktiengesellschaft lässt sich innerhalb der EU frei wählen. Eine SE kann ihren Sitz jederzeit in einen anderen Mitgliedstaat verlagern. In der Folge ändern sich rechtliche Rahmenbedingungen. Hieraus kann man wirtschaftliche Vorteile generieren. Nationale Steuergesetze lassen sich allerdings nicht ohne weiteres umgehen.

Mehr Flexibilität bezüglich der Struktur

SE

Wer trifft die Entscheidungen?

Während bei einer AG Vorstand und Aufsichtsrat obligatorisch sind, können bei der Europäischen Aktiengesellschaft die Funktionen von Vorstand und Aufsichtsrat in einem Organ gebündelt werden. Diese Struktur ist für ausländische Investoren oft attraktiver, da diese in den angelsächsischen Ländern üblich ist. Die monistische Struktur ist aber nur eine Option. Eine SE kann sich auch für die in Kontinentaleuropa übliche Struktur mit Vorstand und Aufsichtsrat entscheiden.

Bezüglich der Mitbestimmung darf eine Europäische Aktiengesellschaft von den nationalen Regelungen abweichen. Im Einvernehmen zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretung können eigene Regelungen über die Mitbestimmung getroffen werden. Wenn die Anzahl der Arbeitnehmer sich nach dem Inkrafttreten einer solchen Vereinbarung ändert, hat dies per se keine Auswirkungen auf die Mitbestimmungsregelungen.

Psychologische Wahrnehmung und Image

Die Europäische Aktiengesellschaft ist mit einem positiven Image verbunden, da mit der Wahl dieser Rechtsform Weltoffenheit zum Ausdruck gebracht wird. Einem solchen Unternehmen werden oft mehr kulturelle Kompetenzen und eine höhere Flexibilität zugetraut. Im Wettbewerb können sich Unternehmen auf diese Weise von der Konkurrenz absetzen.

Gründung einer SE

Im Vergleich zur Gründung einer klassischen Aktiengesellschaft ist die Gründung einer Europäischen Aktiengesellschaft etwas aufwändiger. Eine SE kann nicht unmittelbar, sondern allein durch eine bereits bestehende Gesellschaft gegründet werden. Laut EU-Verordnung existieren vier Optionen für die Gründung. Davon sind zwei Modelle weit verbreitet.

  1. der Formwechsel einer AG in eine Europäische Aktiengesellschaft und
  2. die Verschmelzung zweier Aktiengesellschaften aus verschiedenen EU-Mitgliedstaaten zu einer Europäischen Aktiengesellschaft

Voraussetzung bei beiden Varianten ist, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt der Gründung der SE bereits als AG geführt ist. Daher ist ein Startup mit der Rechtsform der GmbH gehalten, sich zunächst in eine Aktiengesellschaft

SE

Was muss ein Startup haben, um als SE auftreten zu können?

umzuwandeln. In beiden Varianten ist ein Verfahren zur Mitarbeiterbeteiligung durchzuführen. Dabei verhandelt die Geschäftsführung der zukünftigen Europa AG mit der Arbeitnehmervertretung über die Mitbestimmungsregelungen im Aufsichtsorgan.

Für wen ist die SE geeignet?

Aufgrund des relativ hohen Mindestkapitals eignet sich die SE vor allem für mittlere und große Unternehmen. Auch für kleinere Unternehmen mit einem starken und schnellen Wachstum kann diese Rechtsform vorteilhaft sein. Die Kosten im Zuge der Umwandlung lohnen sich oft mittel- bis langfristig. Wenn Personengesellschaften einen Börsengang planen, ist es häufig sinnvoll, die Option der Europa AG zu prüfen.

Was ist ein USP?

Unter dem Begriff Unique Selling Point oder Unique Selling Proposition, abgekürzt USP, versteht man ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Das Produkt oder die Dienstleistung bieten im Vergleich zur Konkurrenz etwas Besonderes. Etwa durch einen einzigartigen Nutzen oder ein außerordentlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich ein Angebot optimal auf einem Markt positionieren und den Konsumenten auf diese Weise zu einer Kaufentscheidung bewegen.

Entscheidend für Produktpositionierung und Marketing

Einen schlagkräftigen USP für ein Angebot zu finden, ist vor allem in einem homogenen und gesättigten Marktumfeld, in dem die Produkte gleichartig und objektiv austauschbar scheinen, von essentieller Bedeutung. Dabei spielt nicht nur die Definition, sondern auch die Kommunikation des Alleinstellungsmerkmals eine wesentliche Rolle. Durch ein ausgereiftes Marketing-Konzept macht man dem Konsumenten deutlich, um welche besondere Eigenschaft ein Produkt seinen Mitbewerbern voraus ist. Eine aussagekräftige Werbebotschaft, die sich auf den USP bezieht, bildet die Grundlage für die Wirkung auf den potentiellen Kunden und damit auch für den Verkaufserfolg.

Im Marketing dient der USP dazu, ein bestimmtes Angebot aus der Fülle an ähnlichen Konkurrenzangeboten herauszuheben. Oft ist es eine nützliche Eigenschaft oder ein reizvolles Versprechen, das für die gesamte Produktpalette einer Marke gültig ist und sich unmittelbar mit ihr in Verbindung bringen lässt. Nicht selten findet man die USPs schon im Slogan und in allen Formen der Werbung. Inn indirekter Form tritt es im Logo, dem

USP

Wo tritt der erste USP auf?

Online-Auftritt oder der Gestaltung von Verpackungen auf. Das USP eines Metzgers ist beispielsweise die regionale Herkunft seiner Produkte. Er gestaltet sein Marketing so, dass dieses Argument beim Käufer im Mittelpunkt steht.

Dadurch grenzt er seine Zielgruppe bewusst ein und adressiert sich an die Gruppe der bewussten Konsumenten. Ihnen ist eine hohe Qualität beim Fleischkauf wichtiger als beispielsweise ein möglichst niedriger Preis. Bei der Positionierung eines Produktes kommt es im Allgemeinen darauf an, dass das USP unmittelbar mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig löst das eine Identifikation mit dem potentiellen Käufer aus. Damit dies funktioniert, bedarf es eines starken Marketings und einer passenden Zielgruppenansprache.

BasisnutzenZusatznutzenUSP

Im professionellen Marketing differenziert man den Begriff des Produktnutzens in drei wesentliche Bereiche. Vorstellen kann man sich das als Pyramidenform. Das Fundament bildet hierbei der Basisnutzen. Er besitzt für den Konsumenten die höchste Priorität und ist bei allen gleichartigen Produkten eines Typs identisch. So haben alle Haarshampoos gemeinsam, dass sie die Haare pflegen und reinigen. Dabei ist es egal, welche Marke oder welche Ausführung des Produktes gewünscht ist. An zweiter Stelle kommt der Zusatznutzen. Er ist zwar spezifischer, aber keinesfalls einzigartig. Lesen Sie hier alles über den wirtschaftlichen Nutzen.

Im Falle des Shampoos sind besondere Feuchtigkeit oder bestimmte Inhaltsstoffe die mögliche Zusatznutzen. Im Hinblick auf den Zusatznutzen kann man das Angebot weiter eingrenzen. So kann der Kunde noch zwischen

USP

Der Nutzen grenzt den USP ein

einigen wenigen Möglichkeiten entscheiden. An dieser Stelle kommt der USP ins Spiel, welcher einen einzigartigen Vorteil verspricht. Diesen kann kein anderes Produkt dieser Kategorie bieten. Wurde ein Haarshampoo beispielsweise mit einer patentierten Formel entwickelt, die eine einzigartige Wirkung auf das Haar des Anwenders hat, handelt es sich um eine Unique Selling Proposition. Diese deckt nur ein einziges Produkt beziehungsweise eine bestimmte Marke ab.

Einzigartig, zielgruppenorientiert und verteidigungsfähig – Die Kriterien für ein USP

Im Marketingbereich spricht man von einem wirkungsvollen USP, wenn die Aspekte Einzigartigkeit, Zielgruppenrelevanz und Verteidigungsfähigkeit gegeben sind. Bei der Bewertung der Einzigartigkeit achtet man unter anderem darauf, wie weit sich das Produkt oder der Service durch den USP tatsächlich von der Konkurrenz abhebt. Je einzigartiger das Angebot ist, desto größer ist logischerweise auch der durch die Einzigartigkeit entstehende Wettbewerbsvorteil. Merkmale, die eher unter den Basis- oder den Zusatznutzen fallen und durch das Marketing einen vermeintlichen USP darstellen, funktionieren in der Praxis nur selten.

Neben seiner Einzigartigkeit muss ein USP auch auf die Zielgruppe sowie die Nutzung des Produktes zugeschnitten sein. Ein Hautpflegeprodukt mit einer 20-jährigen Haltbarkeit wird z.B. selten benötigt. Dämmt ein Produkt eine Hautkrankheit ein, steigt die Nachfrage dagegen. Nicht zuletzt sollte das ausgewählte Verkaufsargument auch verteidigungsfähig sein. Es muss also tatsächlich wie in der Werbung beschrieben funktionieren. Ist dies nicht der Fall, kann sich das USP schnell gegenteilig auf den Verkaufserfolg auswirken.

Der USP in der Anwendung – Möglichkeiten und Beispiele

Ein Alleinstellungsmerkmal lassen sich in den unterschiedlichsten Kategorien finden. Von Formgebung und Design über funktionale Aspekte und den Produktnutzen bis hin zu einem attraktiven Preis ist alles möglich. Wird ein besonders günstiger Preis als Alleinstellungsmerkmal herangezogen, spricht man auch von einem monetären USP. Häufig werden außerdem Spezial-Features, die kein anderes Konkurrenzprodukt vorweisen kann, als USP verwendet. Auch nachhaltige und gerechte Produktionsbedingungen, die Teilnahme am fairen Handel oder eine regionale Herstellung können als Alleinstellungsmerkmale für bestimmte Zielgruppen funktionieren. USPs beschränken sich keineswegs auf die Produktebene. Auch im Servicebereich kann mit langen Garantieversprechen, schnellen Lieferungen oder kostenlosen Geschenken ein Alleinstellungsmerkmal funktionieren.

USP

Nicht nur das Produkt selbst zeigt einen USP

Dass sich ein USP auch durch ein gelungenes Marketing schaffen lässt, zeigt der Süßwarenhersteller Ferrero. Seit Jahren wird das Produkt Duplo als „die wahrscheinlich längste Praline der Welt“ vermarktet. Durch dieses Statement grenzt sich Duplo erfolgreich von allen Konkurrenzprodukten ab. Während für die Alleinstellung gegenüber anderen Schokoriegeln das Versprechen, dass es sich bei der Süßigkeit um eine Praline handelt, ausreicht, sorgt die für eine Praline außergewöhnlich längliche Form für eine Abgrenzung in die andere Richtung. Die Kombination aus der Länge eines Schokoriegels und der Machart einer Praline macht Duplo zu einem Produkt mit großem Wiedererkennungswert. Der Zusatz „der Welt“ aus dem Slogan verdeutlicht zudem die Einzigartigkeit des USPs, da die Werbebotschaft ein maximal ausgeprägtes Merkmal impliziert.

Forderungen: Was ist das?

Im betriebswirtschaftlichen Kontext ist eine Forderung ein Zahlungsanspruch eines Gläubigers gegenüber einem Schuldner. Der betriebswirtschaftliche Begriff ist somit nah angelegt an den rechtlichen Begriff der Forderung. Forderungen entstehen regelmäßig im Rahmen der Geschäftstätigkeit von Unternehmen und fallen zum allergrößten Teil in die Kategorie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sie sind in aller Regel der größte Posten im Umlaufvermögen und als eigener Posten zu bilanzieren.

Definition

Die Definition einer Forderung in der Betriebswirtschaft lehnt sich im Wesentlichen an die rechtliche Definition an. Demnach sind Forderungen Ansprüche einer natürlich oder juristischen Person an eine andere natürliche oder juristische Person, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Die Leistung kann materieller oder immaterieller Art sein. Die Forderung selbst ist ein immaterieller Vermögenswert.

Forderungen im betriebswirtschaftlichen Kontext beschreiben Geldforderungen, die aus einem Vertrag resultieren. Hierin ist der Schuldner verpflichtet, sie zu einem bestimmten Datum oder über einen bestimmten Zeitraum gegenüber dem Gläubiger zu begleichen. Aus Sicht des Gläubigers ist eine Forderung ein Vermögenswert, der aktiv in die Bilanz eingeht. Demgegenüber steht aus Sicht des Schuldners eine Verbindlichkeit gleicher Höhe.

Forderungen

Wer eine Leistung erbracht hat, fordert die Entlohnung

Aus einer Forderung generiert der Gläubiger finanzielle Mittel und somit Einnahmen. Sie ist somit ein Finanzinstrument aus Sicht des Gläubigers. Aus der Forderung geht für das Unternehmen ein wirtschaftlicher Nutzen hervor, da mit einem Mittelzufluss in der Zukunft zu rechnen ist und gleichzeitig bereits ein Verfügungsrecht über diesen Mittelzufluss existiert.

Wie entstehen Forderungen?

Sie entstehen immer dann, wenn im Rahmen eines Vertrags eine Lieferung und/oder Leistung zwischen zwei Parteien vereinbart, die Leistung des Gläubigers bei Gefahrübergang der Sache aber noch nicht direkt vom Schuldner bezahlt ist. Sie entsteht somit typischerweise in der normalen Geschäftstätigkeit, wenn man Zahlungen auf Ziel vereinbart und eine Seite die Sache oder Dienstleistung bereits in den Herrschaftsbereich des Käufers gebracht hat.

Neben einem vereinbarten Zielverkauf entsteht eine Forderung auch bei einem Zahlungsverzug. Eine bestehende Forderung, die bis zur Fälligkeit nicht beglichen wurde, bleibt somit erhalten. Ein Zahlungsverzug bringt aber unter Umständen Veränderungen in der bilanziellen Bewertung mit sich und eröffnet weitere rechtliche Möglichkeiten gegen den Schuldner.

Welche Arten von Forderungen gibt es?

Forderungen lassen sich auf unterschiedliche Weise klassifizieren. Der mit Abstand häufigste Fall sind Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sie entstehen aus der typischen Geschäftstätigkeit von Unternehmen, wenn Waren oder Dienstleistungen verkauft und nicht direkt vom Schuldner bezahlt werden.

Handelsrechtlich sind von den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen noch Selbige gegen verbundene Unternehmen, FO gegen Unternehmen mit einem Beteiligungsverhältnis sowie sonstige Vermögensgegenstände zu unterscheiden. Nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS/IAS gibt es neben den FO aus Lieferungen und Leistungen die sonstigen finanziellen Vermögenswerte und die sonstigen nicht-finanziellen Vermögenswerte. Die Positionen mit „Sonstigen“ umfassen Forderungen, die nicht aus typischer Geschäftstätigkeit entstanden sind, beispielsweise aus Beteiligungen, Wertpapieren, gegenüber Arbeitnehmern, Finanzderivaten oder Nebengeschäften.

FO lassen sich weiter nach ihrer Fristigkeit unterscheiden. Eine kurzfristige Forderung begleicht man voraussichtlich innerhalb eines Jahres, eine mittelfristige FO zwischen einem und fünf Jahren und eine langfristige Forderung nach mehr als fünf Jahren.

Wie wird eine FO bilanziert?

Sie sind sind als finanzielle Mittel zu sehen, über die bereits ein rechtlicher Anspruch besteht. Sobald dieser Anspruch – bei Lieferungen und Leistungen ab dem Gefahrübergang in die Sphäre des Käufers – vorliegt, muss man die zugehörige Forderung buchhalterisch aktivieren. Eine FO ist dabei ein Aktivposten in der Bilanz und Teil des Umlaufvermögens.

Bei der erstmaligen Bilanzierung einer Forderung ist diese zu Anschaffungskosten zu zählen. Das entspricht dem

Forderungen

Wie prüft man die Forderung?

Nennwert einschließlich eventueller Transaktionskosten (entspricht dem Bruttorechnungsbetrag). Ist die Forderung zum Bilanzstichtag noch offen, wird sie zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Jede FO gehört nach dem Niederstwertprinzip geprüft und ist dann gegebenenfalls auf den niedrigeren Wert abzuschreiben.

Die Prüfung nach dem Niederstwertprinzip ist auf jede FO einzeln anzuwenden (Prinzip der Einzelbewertung). Das Ausfallrisiko unterliegt einer Prüfung. Besteht so ein Risiko, handelt es sich um eine zweifelhafte Forderung, die nun auf den wahrscheinlichen Zahlungseingang in der Zukunft abzuschreiben ist. Bei vielen kleinen Einzelforderungen lässt sich handelsrechtlich auch eine Pauschalwertberichtigung der Forderungssumme nach Erfahrungswerten vornehmen. Eine Kombination aus Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung ist gegebenenfalls auch möglich.

Was passiert bei Darlehen und Fremdwährung?

Bei einer Darlehensforderung ist in der Regel eine Verzinsung vereinbart. Die Forderung lässt sich mit dem Barwert bilanzieren. Dieser ergibt sich aus den Zins- und Tilgungszahlungen, die mit einem marktüblichen Zins diskontiert werden. Liegt der vertraglich vereinbarte Zins unterhalb des Marktzinses, ist die Darlehensforderung auf den niedrigeren Wert abzuschreiben.

Forderungen

Währungsänderungen sind zu berücksichtigen

Ist die Forderung in einer Fremdwährung, muss man sie in die heimische Währung umrechnen. In Deutschland ist das der Euro, wenn die Bilanzierung nach deutschem Recht erfolgt. Durch Wechselkursänderungen verändert sich damit der Wert der FO, was zum Bilanzstichtag zu berücksichtigen ist. Bei einer kurzfristigen Fremdwährungsforderung ist mit dem aktuellen Divisenkurs zu bilanzieren – auch, wenn dieser über den Wert bei der Aktivierung der Forderung liegt. Hier wird das Niederstwertprinzip durchbrochen. Bei langfristigen Fremdwährungsforderungen gilt das Niederstwertprinzip weiter.

Wird eine Forderung vor dem Bilanzstichtag beglichen, gehört sie entsprechend wieder ausgebucht. Im einfachsten Fall überweist man den Bruttobetrag und sie erlischt. Viel Unternehmen vereinbaren mit dem Käufer aber eventuelle Boni und Skonti, wenn sie das Zahlungsziel nicht bis zur Frist ausschöpfen, sondern schneller bezahlen. Diese Boni und Skonti mindern im Nachhinein die Forderung und sind, wenn sie anfallen, zu verrechnen. Lesen Sie hier alles über Skonto.

Forderungsmanagement

Aufgrund der Wichtigkeit von Forderungen für das Unternehmen setzen die meisten Unternehmen auf ein Forderungsmanagement. Das Forderungsmanagement überwacht jede Forderung und schließt Rückschlüsse auf die Bonität der Käufer. So wahrt man einen Überblick über die Risiken. Das Management schreitet bei Zahlungsverzug aktiv ein und vollzieht weitere Schritte gegenüber säumigen Kunden. Forderungsausfälle gefährden maßgeblich die Liquidität des Unternehmens, was im Extremfall zur Insolvenz führen kann.

Was ist eine Kapitalgesellschaft?

Im Rahmen der Unternehmensgründung müssen sich Gründer für eine Rechtsform entscheiden. Je nach Anzahl der beteiligten Personen, Kapitaldecke und Haftungsfragen kann das eine Kapitalgesellschaft oder eine Personalgesellschaft sein. Bei einer Personalgesellschaft stehen die beteiligten Personen im Fokus, während bei einer Kapitalgesellschaft in erster Linie das eingesetzte Kapital im Mittelpunkt steht. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Formen von Kapitalgesellschaften. In Deutschland sind die Aktiengesellschaft (AG) und Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) die häufigsten Arten. Alle gesetzlichen Regelungen zu Kapitalgesellschaften hält das Handelsgesetzbuch (HGB) fest.

Gründung einer Kapitalgesellschaft

Die Bildung einer Kapitalgesellschaft beginnt, indem sie in das Handelsregister einträgt. Mit dem Eintrag in das Handelsregister startet auch die Haftungsbeschränkung. Vor der offiziellen Eintragung in das Handelsregister muss zunächst ein Gesellschaftsvertrag abgeschlossen und ein Geschäftsführer benannt werden. Darüber hinaus muss man den Vertrag notariell beurkunden. In der Periode nach dem Eintrag in das Handelsregister und vor der notariellen Beurkundung besteht eine Aktiengesellschaft als sogenannte „Vor-AG„.

Formen von Kapitalgesellschaften

Bei den Kapitalgesellschaften werden unterschiedliche Formen unterschieden, und zwar:
  • Aktiengesellschaft (AG)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Unternehmergesellschaft als Unterform der GmbH
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Bei der Aktiengesellschaft kommt der Kapitalbeteiligung eine äußerst wichtige Rolle zu, die durch die Gesellschafter erbracht wird. Die Gesellschafter, die Aktien kaufen, bezeichnet man als Aktionäre. Bei großen Aktiengesellschaften gibt es in der Regel mehrere sogenannte „Großaktionäre“, die einen größeren Einfluss als „Kleingesellschafter“ haben. Gewinne, die durch das Unternehmen erwirtschaftet werden, werden durch

KG

Wann gilt der Gewinn als Dividende?

Dividenden an alle beteiligten Gesellschafter ausgeschüttet.

Eine GmbH wird von einer oder mehreren Personen als Gründungsgesellschafter gegründet. Als Gesellschafter können sowohl natürliche als auch juristische Personen fungieren. Falls eine GmbH nur einen Gesellschafter hat, spricht man in diesem Fall von einer sogenannten Ein-Person-GmbH„. Die Gründungsgesellschafter schließen einen Gesellschaftsvertrag ab, der notariell beurkundet werden muss.

Bei einer Unternehmensgesellschaft (UG) handelt es sich um eine kleinere Variante der traditionellen GmbH, die man im Jahr 2008 in Deutschland eingeführt hat. Entworfen hat man sie als eine Alternative zum nicht börsennotierten britischen Limited und hat diese Rechtsform in der Bundesrepublik im Laufe der Jahre größtenteils verdrängt.

Bei der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die über keinen gewöhnlichen Vorstand verfügt, sondern persönlich haftende Gesellschafter als Komplementäre fungieren. Obwohl die Kommanditgesellschaft auf Aktien sich vom Aufbau her stark an eine Personalgesellschaft anlehnt, ist sie trotzdem eine Kapitalgesellschaft.

Wichtigsten Merkmale von Kapitalgesellschaften

Auch, wenn sich die verschiedenen Typen von Kapitalgesellschaften durch unterschiedliche Eigenschaften auszeichnen, gibt es dennoch einige gemeinsame Merkmale:

Rechtsstellung

Bei einer Kapitalgesellschaft handelt es sich um eine sogenannte „juristische Person“. Konkret bedeutet das, dass sie rechtlich unabhängig von ihren Gesellschaftern besteht. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, Besitz zu erwerben und als Partei vor Gericht aufzutreten. Lesen Sie hier alles zu  juristischen Personen.

Haftungsbegrenzung

Bei einer Kapitalgesellschaft kommt dem Kapital die tragende Rolle zu. Die erzielten Gewinne stehen den Gründern bzw. Eigentümern entsprechend ihrer Kapitalanteile zu. Die Eigentümer müssen nicht unbedingt im Unternehmen beschäftigt sein oder dieses leiten. Dies zeigt sich vor allem am Beispiel von Aktiengesellschaften, die

KG

Wer ist im Unternehmen beschäftigt, wer nicht?

über mehrere Millionen von Eigentümern verfügen. Der Tod oder das Ausscheiden eines Gesellschafters hat keinen Einfluss auf das Bestehen der Kapitalgesellschaft, da es sich bei der Gesellschaft um eine juristische Person handelt, die unabhängig davon selbständig weiter bestehen kann. Im Rahmen einer Kapitalgesellschaft bezieht sich die Haftung in der Regel auf das Vermögen der Gesellschaft, während eine Haftung mit dem Privatvermögen nur in Einzelfällen zutrifft.

Vertretung nach außen

Bei einer Kapitalgesellschaft ist es nicht zwingend nötig, dass Gesellschafter auch die Führung des Unternehmens übernehmen oder umgekehrt. Es ist eine sogenannte Fremdorganschaft möglich, sodass Dritte die Gesellschaft nach außen vertreten können. In vielen Fällen ist es üblich, dass beispielsweise die Gesellschafter einer GmbH einen Geschäftsführer aus den eignen Reihen wählen oder dass Aktionäre im Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft sitzen.

Gründung

Bei Kapitalgesellschaften passiert eine strikte Trennung von Gesellschaftern und Gesellschaft. Die Kapitalgesellschaft kann als juristische Person Arbeits- und Geschäftsführungsverträge mit den Gesellschaftern abschließen. Das Mindestkapital ist von der Art der Gesellschaft abhängig, es muss jedoch aufgrund von Haftungsbeschränkungen unbedingt eingezahlt werden. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung wird das Mindeststammkapital mit 25.000 Euro beziffert, während bei einer AG (Aktiengesellschaft) das Mindestkapital 50.000 Euro beträgt. Bei einer GmbH muss die Einlage nicht unbedingt in Form von Geld geleistet werden, sondern kann auch in Form von Sacheinlagen erfolgen, wie zum Beispiel:
  • Autos
  • Maschinen
  • Immobilie
Bei einer Unternehmensgesellschaft können jedoch keine Sacheinlagen geleistet werden. Im Rahmen einer Aktiengesellschaft kommen die Gesellschafter für das Mindestkapital auf, indem Sie Aktien als Anteile an der Gesellschaft käuflich erwerben.

Gewinnausschüttung

Gesellschafter beteiligen sich in der Regel mit unterschiedlich großen Geldwerten an einer Kapitalgesellschaft. Entsprechend dem Gesellschaftsanteil, den man besitzt, fällt generell auch der Anteil an Gewinn und Verlust des

KG

Wer ist für die Gewinnausschüttung verantwortlich?

Unternehmens aus. Falls ein Gesellschafter beispielsweise 30 Prozent des Kapitals gestellt hat, dann stehen ihm in der Regel auch 30 Prozent des Gewinns zu.

Buchführung und Besteuerung

Für eine jede Kapitalgesellschaft sind die Buchführungsregeln des Handelsgesetzbuches gültig. Eine Kapitalgesellschaft gilt gesetzlich als Kaufmann und muss daher die Pflicht zur ordnungsgemäßen Buchführung mit detaillierten Jahresabschlüssen erfüllen.

Klassifizierung nach Größenklassen

Im deutschen Bilanzrecht werden Kapitalgesellschaften in drei Größenklassen eingeteilt, und zwar in:
  • kleine
  • mittelgroße und
  • große Gesellschaften
Die Einordnung einer Kapitalgesellschaft verläuft anhand der Umsatzerlöse, Bilanzsumme und Zahl der Mitarbeiter. Je größer die Gesellschaft ist, gelten umso strengere Rechnungslegungsanforderungen. Die Klassifizierung nach Größenklassen hat in erster Linie für Publizitätspflichten Bedeutung, in deren Rahmen man Unternehmen dazu verpflichtet, rechnungsbezogene Informationen zu veröffentlichen.

Was ist ein Rechnungsabgrenzungsposten?

Bei einem Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich im Kontext der kaufmännischen Buchführung um einen Schnitt im Jahresabschluss bzwPeriodenabschlussRechnungsabgrenzungsposten sind deswegen notwendig, weil am Bilanzstichtag bei den Einnahmen und Erträgen zeitliche Unterschiede existieren. Konkret bedeutet das, dass nicht alle Werte am Bilanzstichtag wirksam werden. Durch den Prozess der Rechnungsabgrenzung kann man die Beträge korrekt den jeweiligen zeitlichen Perioden zuordnen. Die Vorgehensweise im Rahmen der Rechnungsabgrenzung ist im Handelsgesetzbuch (HGB) und im Einkommenssteuergesetz festgelegt.

Allgemeine Informationen

Die Hauptfunktion des Rechnungsabgrenzungspostens ist die korrekte zeitliche Zuordnung der Beträge. Nehmen wir uns als Beispiel eine Versicherung, die Ihnen im Dezember eine Rechnung für das erste Halbjahr vorab sendet. Diese Faktur bezieht sich nur auf einen Monat im aktuellen Jahr, jedoch auf sechs Monate im nächsten Jahr. Durch die entsprechende Rechnungsabgrenzung vergewissert man sich, dass der Betrag in dieser Periode in Ihre Buchhaltung kommt. Dank dieser Vorgehensweise ist Ihre Bilanz einerseits näher an der Wirklichkeit, andererseits wird dadurch auch verhindert, dass Bilanzergebnisse durch zu hohe Vorzahlungen zu stark verstreut werden können. Damit haben der Fiskus und gewissenhafte und präzise Unternehmer ein entsprechend großes Interesse an akkuraten Rechnungsabgrenzungsposten. Lesen Sie hier alles über den Fiskus.

Zweck der Rechnungsabgrenzung

Ein Rechnungsabgrenzungsposten ist nötigt, um den Erfolg eines Unternehmens periodengerecht feststellen zu können, wenn Geschäftsfälle mehrere Buchungen verlangen und diese demzufolge verschiedene Rechnungsperioden

RAP

Wann findet die Abführung der Steuern statt?

betreffen. Dies ist beispielsweise immer dann der Fall, wenn es mit Lieferanten oder Kunden bestimmte Vereinbarungen hinsichtlich der Zahlungsziele gibt. Konkret bedeutet das, dass die Lieferung und Leistung einerseits und die Zahlung andererseits nicht in der gleichen Periode stattfinden. Durch den Rechnungsabgrenzungsposten lässt sich auch sicherstellen, dass man anfallende Steuern für die entsprechenden Perioden korrekt abführen kann.

Welche Arten der Rechnungsabgrenzung gibt es?

Rechnungsabgrenzungsposten lassen sich in zwei Hauptarten einteilen, und zwar in aktive und passive Rechnungsabgrenzungen. Darüber hinaus kann man auch zwischen antizipativen und transitorischen Rechnungsabgrenzungsposten unterscheiden. Besonders wichtig ist, dass Sie für Ihre Buchhaltung die Unterschiede zwischen der aktiven und der passiven Rechnungsabgrenzung genau kennen. Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten werden übrigens mit „passive RAP“ abgekürzt, die aktiven hingegen mit „aktive RAP„.

Aktive Rechnungsabgrenzung

Im Rahmen der aktiven Rechnungsabgrenzung leistet man noch vor dem Bilanzstichtag eine Zahlung, die jedoch teilweise in das nächste Jahr übergeht. Erinnern wir uns an dieser Stelle an das bereits im obigen Absatz beschriebene Beispiel der Vorauszahlung an die Versicherung. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Beispiel für Rechnungsabgrenzungsposten. Es gibt jedoch auch eine Vielzahl anderer Situationen, in denen es zu längerfristigen Vorauszahlungen kommt, wie zum Beispiel bei langfristigen Verträgen mit Lieferanten, die gewisse Anzahlungen verlangen.

RAP

Welcher Anteil fällt in welches Jahr?

Grundsätzlich sollte man vor den Buchungen genau ermitteln, welcher Anteil des Gesamtbetrages welchem Geschäftsjahr zugerechnet sein soll. Sie müssen also den exakten Anteil des Gesamtbetrages berechnen, der in das alte Geschäftsjahr fällt und wie viel die aktuelle Periode betrifft. Die anschließende Buchung lässt sich in mehreren Schritten realisieren:

 

  1. Generelle Buchung des Geschäftsfalles, wie zum Beispiel: Versicherungsbeträge an Finanzdienstleister, 2.000 Euro
  2. Gestaltung der aktiven Rechnungsabgrenzung, wie zum Beispiel: aktiver Rechnungsabgrenzungsposten an Versicherungsbeträge, 500 Euro
    Hiermit wurde nun angegeben, welcher Anteil ausgewiesen werden soll. Im nächsten Jahr wird diese Position wieder aufgelöst.
  3. Auflösung der Abgrenzung, Versicherungsbeträge an aktive RAP, 500 Euro
    Somit wird der Kreislauf der Buchungen geschlossen und der Prozess der aktive RAP vollständig erledigt.

Passive Rechnungsabgrenzung

Im Rahmen des passiven Rechnungsabgrenzungspostens ist der Geschäftsfall genau gegenteilig. Konkret bedeutet das, dass Ihr Unternehmen eine Vorauszahlung vor dem Bilanzstichtag erhalten hat, die sich jedoch nicht dem laufenden Geschäftsjahr, sondern dem Folgejahr zuordnen lässt. Auch in solchen Situationen lässt sich durch die Rechnungsabgrenzung eine realitätsnahe Darstellung in der Bilanz gewährleisten.
Ein Beispiel hierfür ist, wenn Ihr Unternehmen Softwareprodukte verkauft und die Lizenzen für diese Produkte ab dem Kaufdatum zwei Jahre lang aktiv sind. Aber auch in traditionellen Sparten, wie beispielsweise bei einer Mitgliedschaft im Fitnesscenter, sind passive Rechnungsabgrenzungen häufig nötig.

Wie kann man nun die Verbuchung einer passiven RAP realisieren? Wie bei der aktiven RAP müssen Sie auch hier zunächst ermitteln, welcher Anteil des Gesamtbetrags der aktuellen Periode und welcher Betrag dem laufenden Geschäftsjahr zugerechnet sein muss. Genauso wie bei dem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten setzt sich der

RAP

Wie wird die RAP gebucht?

Prozess der Buchung aus drei Schritten zusammen.

  1.  Generelle Buchung des Geschäftsfalls, wie zum Beispiel: erhaltene Lizenzgebühr, 1.000 Euro
  2. Buchung zur Gestaltung der passiven Rechnungsabgrenzung, wie zum Beispiel: Lizenzgebühr an passive Rechnungsabgrenzung, 500 Euro
  3. Auflösung der passiven RAP im folgenden Jahr: Passive Rechnungsabgrenzung an Lizenzgebühr, 500 Euro
    Auch in diesem Fall wird der Kreislauf der Buchungen geschlossen und der Prozess der passiven RAP vollständig aufgelöst.

Fazit

Die Prozesse der Abgrenzung sehen auf den ersten Blick komplizierter aus, als sie schlussendlich sind. Durch den Rechnungsabgrenzungsposten sorgen Sie dafür, dass man Beträge der dazugehörigen Rechnungsperiode korrekt zuordnen kann und somit Ihre Bilanzen möglichst der Realität entsprechen. Die Buchung der Abrechnung lässt sich in wenigen, einfachen Schritten realisieren, deren Ablauf erfolgt stets nach dem gleichen Muster. Es ist besonders wichtig, dass Sie vorab genau ermitteln, welchen Betrag man welcher Periode zurechnen soll, damit die Buchungen dann auch der Realität entsprechen.