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Cashflow: Definition, Berechnungsarten und Stellenwert

Der Cashflow (aus dem Englischen: Geldfluss oder Kapitalfluss) bezeichnet eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Er dient der Ermittlung des Geldzuflusses und Geldabflusses Ihres Unternehmens innerhalb einer bestimmten Abrechnungsperiode. Als Bilanzkennzahl gibt der Cashflow in erster Linie Rückschluss auf die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens.

In Abgrenzung zum Gewinn berücksichtigt dieser Wert keine Abschreibungen oder Rückstellungen, also keine nicht zahlungswirksamen Vorgänge. Durch die Darstellung, welche liquiden Mittel Unternehmen tatsächlich in einer Periode erwirtschaften, spiegelt diese Kennzahl die Finanzkraft und Ertragskraft der Firma wider.

Definitorische Ansätze

Cashflow

Der Cashflow gibt die liquiden Zahlungsmittel an

Der Cashflow lässt sich definieren als Überschuss der regelmäßigen Einnahmen aus der gewöhnlichen betrieblichen Tätigkeit über die laufenden Betriebsausgaben. Damit gibt er an, welche liquiden Zahlungsmittel nachhaltig aus der Betriebstätigkeit zu erwirtschaften sind. Diese Zahlungsmittel stehen zur Deckung besonderer betrieblicher Ausgaben zur Verfügung.

Als Differenz der Einnahmen und Ausgaben kann sich ein positiver oder negativer Cashflow ergeben. Zur Berechnung stehen mehrere Modelle mit unterschiedlicher Aussagekraft zur Verfügung. Ziel der Berechnung ist es in allen Fällen, Rückschluss auf die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens zu erhalten. Die Kennzahl gibt also an, in welchem Ausmaß ein Unternehmen aus eigener Kraft Finanzmittel erwirtschaften und sich damit von innen heraus finanzieren kann.

Die Aussage über Finanz- und Ertragskraft ist für mehrere beteiligte Parteien von Belang. Gegenüber Kreditgebern spielt diese Zahl eine ebenso große Rolle wie für Investoren und Geschäftspartner. Auch Anteilseigner (Aktionäre) wollen über den Cashflow Bescheid wissen.

Um den Cashflow zu erhalten, sind sämtliche Positionen ohne monetären Wert aus dem regulären Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag zu streichen. Bestimmte Positionen fließen in die Überschussberechnungen ein, ohne dass es sich um einen tatsächlichen Fluss von Geldwert handelt. Dies umfasst insbesondere Rückstellungen und Abschreibungen.

Berechnungsmethoden: indirekte Ermittlung des Cashflows

Die Cashflow-Berechnung lässt sich grundsätzlich untergliedern in einen direkten und einen indirekten Ansatz. Die Indirekte Ermittlung des (Brutto-)Cashflows basiert auf einer Herausrechnung der nicht zahlungswirksamen Positionen aus dem Jahresüberschuss. Die indirekte Methode findet häufiger Anwendung als die direkte Methode. Ihr Grundschema geht vom Jahresüberschuss aus, subtrahiert die nicht zahlungswirksamen Erträge und addiert die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen (mathematisch: Cashflow = Jahresüberschuss – nicht zahlungswirksame Erträge + nicht zahlungswirksame Aufwendungen).

Es gibt verschiedene Berechnungsmethoden für den Cashflow

Wichtig ist es hierbei, dass Sie wissen, welche Aufwendungen und Erträge zu den nicht zahlungswirksamen gehören. Die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen beinhalten eine Anhebung des Gewinnvortrags, Einstellungen in den Rücklagen und Abschreibungen. Auch eine Erhöhung der Rückstellungen zählt zu den nicht zahlungswirksamen Aufwendungen. Ebenso gehören Bestandsminderungen dazu, sowohl an fertigen als auch an unfertigen Erzeugnissen. Eine Erhöhung der Sonderposten mit Rücklageanteil zählen ebenfalls dazu. Diese Art von Aufwendungen umfasst auch außerordentliche Aufwendungen außerhalb der regulären Periode.

Nicht zahlungswirksame Erträge beinhalten etwa Auflösungen von Rücklagen und Rückstellungen oder Minderungen des Gewinnvortrages. Auch Zuschreibungen sowie die Auflösung von Wertberichtigungen gehören dazu. Nicht zahlungswirksame Erträge umfassen zudem die Minderung von Sonderposten mit Rücklageanteil sowie Bestandserhöhungen unfertiger und fertiger Produkte. Aktivierte Eigenleistungen zählen gleichermaßen zu den nicht zahlungswirksamen Erträgen. Ebenso umfasst diese Art von Erträgen auch außerordentliche Erträge außerhalb der Periode.

Berechnungsmethoden: direkte Ermittlung des Cashflows

Die direkte Ermittlungsmethode geht von den zahlungswirksamen Erträgen und Aufwendungen aus. Als Differenz aus den zahlungswirksamen Erträgen sowie den zahlungswirksamen Aufwendungen ergibt sich diese Form des Cashflows(mathematisch: Cashflow = zahlungswirksame Erträge – zahlungswirksame Aufwendungen).

Auch bei der direkten Berechnungsmethode ist es erforderlich, die zahlungswirksamen Ertrags- und Aufwandspositionen genau zu kennenZahlungswirksame Erträge umfassen unter anderem die Einzahlungen, die sich aus Unternehmensumsätzen oder Forderungen ergeben. Auch sonstige Einzahlungen sind als zahlungswirksam zu berücksichtigen. Geht es um die Ermittlung des Cashflows aus Investitionstätigkeit, so sind auch so genannte Desinvestitionen als zahlungswirksame Erträge zu berücksichtigen. Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit umfasst auch Eigenkapitaleinlagen sowie Kreditaufnahme.

Zahlungswirksame Aufwendungen beinhalten in erster Linie Auszahlungen für Personal, Verbindlichkeiten, Material und Waren. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit berücksichtigt überdies die Aufwendungen für Investitionen. Bei der Berechnung des Cashflows aus Finanzierungstätigkeit sind zudem Eigenkapitalentnahmen sowie Kreditrückzahlungen zu berücksichtigen.

Die direkte Berechnungsmethode stellt ein relativ selten verwendetes Modell dar. Im Gegensatz zur verbreiteteren Methode der indirekten Berechnung ermöglicht diese Verfahrensweise allerdings eine präzisere Auflistung der Kapitalflüsse. Die direkte Cashflow-Berechnung dient der Ermittlung des Einzahlungsüberschusses im engeren Sinne.

Alternative Berechnungsmodelle des Cashflows

Der Free Cashflow ist für Aktionäre interessant

Neben dem operativen Cashflow und dem Cashflow aus Investitionstätigkeit spielt der so genannte Free Cashflow eine wichtige Rolle. Die Mittel aus dem Free Cash Flow dienen Unternehmen dazu, Gewinnbeteiligungen (Dividenden) an ihre Aktionäre auszuschütten. Ebenso nutzen Unternehmen die Mittel aus dem Free Cashflow für Aktienrückkäufe. Diese Kennzahl entspricht der Summe aus dem operativen und dem Cashflow aus Investitionstätigkeit.

Eine amerikanische Methode im Ertragswertverfahren stellt die so genannte Discounted Cashflow-Variante dar. Sie findet in erster Linie Anwendung im Sinne einer entscheidungsorientierten Unternehmensbewertung.

Der Cashflow Return on Investment (ROI) stellt eine Rendite-Kennzahl dar. Sie dient der Einordnung und Bewertung des operativen Geschäfts. Insbesondere zur Beurteilung einzelner Geschäftsbereiche lässt sich diese Kennzahl anwenden.

Operativer Cashflow

Besonderen Stellenwert nimmt der operative Cashflow ein. Dieser steht für die Möglichkeit eines Unternehmens, aus seinem Kerngeschäft liquide Mittel zu erwirtschaften. Er bezieht sich also auf die operative Geschäftstätigkeit der Firma.

Diese finanziellen Mittel lassen sich zu unterschiedlichen Zwecken heranziehen. Investitionen, die aus diesen Mitteln getätigt werden, stehen für die Selbstfinanzierungsfähigkeit beziehungsweise Innenfinanzierungskraft. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit ist die Ausschüttung der Mittel in Form von Gewinnbeteiligungen beziehungsweise Dividenden an die Aktionäre.

Auch Tilgungen beziehungsweise Zins- und Kreditrückzahlungen an Fremdkapitalgeber nehmen Unternehmen aus den Mitteln des operativen Cashflows vor. Ebenso kommen die Mittel zur Stärkung der Liquidität zum Einsatz. In diesem Falle wird das Geld in liquider Form im Unternehmen belassen. Ein positiver Cashflow ist dabei von hoher Bedeutung für das Unternehmen. Nur in diesem Falle ist Ihr Unternehmen imstande, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen und gegebenenfalls Dividenden an die Aktionäre auszuschütten.

Stellenwert des Cashflows in der Bilanz eines Unternehmens

Auch die Bilanz beinhalten Cashflow-Angaben

Sobald Ihr Konzern einen Jahresabschluss veröffentlicht, beinhaltet dieser auch Cashflow-Angaben. Gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) besteht sogar eine Verpflichtung für Konzerne zur Aufstellung dieser Kennzahl im Jahresabschluss. Unter Nutzung der Kapitalflussrechnung wird die gegenwärtige finanzielle Situation der Firma im Jahresabschluss dargestellt.

Zur Berechnung liegen verschiedenartige Standards für. Für in Deutschland tätige Unternehmen gilt der DRS21 als Standard (Deutscher Rechnungslegungsstandard Nummer 21) für Kapitalflussrechnungen.

Für internationale Belange gibt es den Standard IAS7 (International Accounting Standard 7) für die Kapitalflussrechnung. Dieser beinhaltet den Kapitalfluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit.

Stellenwert des Cashflows in der Unternehmensanalyse

Die Kennzahl stellt einen wichtigen Eckpfeiler einer finanzwirtschaftlichen und erfolgswirtschaftlichen Unternehmensanalyse dar. In der finanzwirtschaftlichen Unternehmensanalyse gibt der Kapitalfluss Rückschluss auf die Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die imstande sind, Investitionen aus eigener Finanzkraft zu tätigen, haben einen Konkurrenzvorteil gegenüber Unternehmen, die auf Kreditgeber angewiesen sind. Firmen, die in Betriebsmittel wie Maschinen oder Modernisierungen aus eigenen finanziellen Mitteln investieren können, sind besser für die Zukunft gerüstet. Gegenüber potentiellen Geschäftspartnern oder Investoren sind solche Unternehmen attraktiver.

Ebenso ist der Kapitalfluss geeignet, um die zur Tilgung von Krediten zur Verfügung stehenden Barmittel anzuzeigen. Die Barmittel sind sowohl im Hinblick auf Kreditgeber als auch auf Gesellschafter von Bedeutung, an die ein Unternehmen sie gegebenenfalls ausschüttet. Ebenso dient die Kennzahl als Frühwarnsystem beziehungsweise Indikator einer drohenden Insolvenz. Handelt es sich über mehrere Abrechnungsperioden hinweg um einen negativen Zahlungsfluss, so kann dies Rückschluss auf mögliche Zahlungsunfähigkeit geben.

Die Kennzahl dient in der erfolgswirtschaftlichen Unternehmensanalyse als Indikator für den Ertrag der Firma. Sowohl die direkte als auch die indirekte Berechnungsmethode findet hierbei Anwendung. In ihrer einfachsten Form hat die Kennzahl in der erfolgswirtschaftlichen Unternehmensanalyse die Gestalt des Brutto-Cashflows. Dieser erfasst den vollständigen Kapitalfluss Ihres Unternehmens. Die Berechnungsmethode berücksichtigt den Jahresüberschuss oder Fehlbetrag, sämtliche Ab und Zuschreibungen sowie die Abnahme oder Zunahme langfristiger Rückstellungen.

Der Netto-Cashflow

Nach Abzug der Steuern erhält man den Nett-Cashflow

Diese Brutto-Zahl stellt gleichermaßen den Ausgangspunkt für die Ermittlung des Netto-Cashflows dar. Dieser ergibt sich nach Abzug von Steuern und den Entnahmen aus dem Unternehmensvermögen durch die Gesellschafter. Hierbei stellt sich die Frage, welche Steuern von der Brutto-Zahl abgezogen werden. Dies hängt vom jeweils angewandten Bewertungsverfahren ab. Für Deutschland gilt typischerweise, dass die Steuern für das Unternehmen und die Einkommenssteuer der Unternehmen verrechnet wird.

Die Ermittlung des Free Cashflows erfolgt ausgehend vom Netto-Wert. Dieser wird um die Kosten für Investitionen bereinigt. Dies umfasst auch Investitionen in Betriebserweiterungen. Damit handelt es sich beim freien Kapitalfluss um denjenigen Wert, der vor Dividendenzahlung oder Investitionen zu ermitteln ist.

Da diese Zahl auch Rückschluss auf die Rückzahlungskraft gibt, ist sie für Fremdkapitalgeber ein wichtiger Anhaltspunkt zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Die direkte Berechnungsmethode sieht vor, vom Brutto-Umsatz sämtliche Ausgaben abzuziehen und den Produktbestand mit einzubeziehen. Die direkte Methode führt zum CFBIT (Cash Flow before Interests and Taxes). Dieser bereinigte Wert beschreibt die Kennzahl vor Zinsen und Steuern. Erst nach Abzug dieser Positionen ergibt sich der Nettowert.

Aussagekraft und Bedeutung für betriebliche Vorhaben

Die Kapitalflussrechnung oder Berechnung des Cashflows stellt gegenüber der Gewinn- und Verlustrechnung ein ergänzendes Modell zur Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolges dar. Die Gewinn- und Verlustrechnung ergibt den Saldo der Erträge (im Sinne einer Erhöhung des Eigenkapitals) und Aufwendungen (sprich Minderung des Eigenkapitals). Da der Kapitalfluss anzeigt, wie viel Geld ein Unternehmen tatsächlich erwirtschaftet hat, kann er große Unterschiede zum Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung aufweisen. Insbesondere bezogen auf einzelne Abrechnungsperioden beziehungsweise Geschäftsjahre fallen die Unterschiede enorm aus. Bezogen auf die gesamte Lebenszeit eines Unternehmens (Totalperiode) fallen diese Differenzen geringer aus beziehungsweise gleichen sich aus.

Für Fremdkapitalanleger ist der Cashflow eine wichtige Entscheidungsbasis

Für unternehmerische Pläne eignet sich der Kapitalfluss als Kennzahl, da er wahren Rückschluss auf die liquiden Mittel des Betriebes zulässt. Speziell für Firmenneugründungen ist dieser Wert von hoher Bedeutung. Er hat Aussagekraft darüber, ob das gegenwärtige Unternehmensgeschäft geeignet ist, genügend liquide Mittel zu erwirtschaften. Damit trägt die Kennzahl dazu bei, die im Businessplan gesteckten Ziele zu erreichen. Ebenso lässt sie Aussagen darüber zu, ob das Unternehmen zusätzliche Investitionen tätigen kann und sollte. Von Bedeutung ist es ebenso, ob die Mittel des Cashflows ausreichen, um bestehende Verpflichtungen zu erfüllen beziehungsweise Kredite zu tilgen. Genügen die Mittel dafür, Gewinnausschüttungen vorzunehmen, können die Gewinnbeteiligten motiviert werden, um künftig noch bessere Unternehmensziele zu erreichen.

Kriterium für Fremdkapitalgeber

Auch im Sinne von Kreditzusagen ist der Kapitalfluss eine relevante Kennzahl. Banken und andere Kreditgeber sind auf hinreichende Bonität beziehungsweise Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers angewiesen. Die Aussagekraft des Cashflows über die Liquidität und Innenfinanzierungskraft Ihres Unternehmens stellt eine wichtige Basis für eine Kreditzusage dar.

Speziell bei Unternehmensgründungen ist oftmals noch nicht genügend Eigenkapital vorhanden, sodass Kredite eine zentrale Voraussetzung für wichtige Erstinvestitionen sind. Diese sind für den Aufbau eines erfolgreichen Betriebs ebenso wichtig wie für das Erreichen weiterer Ziele im Verlauf der Geschäftstätigkeit. Ein positiver Kapitalfluss gibt Banken Rückschluss über die Ertrags- und Finanzierungskraft Ihres Unternehmens und erleichtert die Kreditzusage.

Die BWA und ihre Bedeutung im Unternehmen

Generell lassen sich aus der BWA alle wichtigen Informationen entnehmen, die für ein Unternehmen im Hinblick auf die Kosten- und Erlössituation wichtig sind. Damit spiegelt die Betriebswirtschaftliche Auswertung grundsätzlich die gesamte finanzielle Lage auf einen Blick wider.

In der Regel bezieht sich die Betriebswirtschaftliche Auswertung auf die laufenden Daten, die man aus der Finanzbuchhaltung übermittelt. Innerhalb eines laufenden Wirtschaftsjahres kann so ein Unternehmer genauen Aufschluss über die eigene Kosten- und Erlössituation gewinnen und damit die Ertragslage aktuell einschätzen. Auch interessant: Wie Sie einen Datenraum für die BWA nutzen können.

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung arbeitet anders als die Bilanz. Während die Bilanz die Auswertungen zeitverzögert nach einigen Monaten liefert, bietet die Betriebswirtschaftliche Auswertung aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.

Wie entstand die BWA?

Betriebswirtschaftliche Auswertung KreditErstmals wurde die Betriebswirtschaftliche Auswertung in den 1960er Jahren durch DATEV Deutschland als DATEV-Standard-BWA veröffentlicht. Sie sollte als Entscheidungsgrundlage für kleine und mittelständische Unternehmen dienen. Kreditinstitute nutzten diese Betriebswirtschaftliche Auswertung als Basisinformation, um die Beurteilungen von Krediten innerhalb der Kreditwürdigkeit umzusetzen. Inzwischen ist DATEV zu einem der führenden Anbieter geworden und hat die erstmalige Standard-BWA vielfältiger geschaffen und bietet zudem auch branchenbezogene Betriebswirtschaftliche Auswertungen an.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Betriebswirtschaftliche Auswertung?

Die Bedeutung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung in der Unternehmung ist aus einzel- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr groß. In den steuerberatenden Branchen werden monatlich mehr als 2,5 Millionen Auswertungen dieser Art gedruckt. Die Aussagekraft für Unternehmungen, Finanzverwaltungen und auch für Banken ist sehr groß. Die Anforderungen an die Aussage- und an die Auswertungskraft der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dazu ist es wichtig, dass die Betriebswirtschaftliche Auswertung

  • eine rechtformenneutrale Gestaltung hat
  • mit dem Branchenvergleich, dem sogenannten DATIV-Betriebsvergleich, kompatibel ist
  • grundsätzlich größenordnungsneutrale Abbildungen liefert
  • mit den statistischen Daten und dem Rechnungswesen innerhalb des Betriebs integrierte Darstellungen gestattet
  • grundsätzlich standardisierbar ist

Weiterhin sind zusätzlich Zeitpläne und Zeitreihen sowie auch Vorjahresvergleiche und auch grafische Darstellungen wichtige Qualitätskriterien einer Betriebswirtschaftlichen Auswertung.

In der Struktur bildet die Betriebswirtschaftliche Auswertung keine reine Kontenabfrage, sondern eine deutliche betriebswirtschaftliche Aussage.

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bildet ein sehr wichtiges Instrument im Finanzhaushalt im Betrieb und basiert dabei auf Daten, die aus der laufenden Finanzbuchhaltung im Betrieb stammen. Das heißt, dass sie ein Instrument ist, das Verantwortlichen im Betrieb aktuelle Einblicke und Überblicke liefert, was die Kostensituation und die Erlössituation in einer Unternehmung angeht. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung kann die genaue Ertragslage des laufenden Geschäftsjahres abbilden. Die Erstellung erfolgt, anders als bei einer Bilanz, nicht zeitverzögert, sondern spiegelt die aktuelle Lage im Betrieb wider.

Darüber hinaus ist die BWA eine wichtige Datenquelle wenn es um die Ermittlung einer Unternehmensbewertung im Rahmen des Unternehmenskaufs geht.

Was muss eine aussagefähige Betriebswirtschaftliche Auswertung leisten?

Sehr wichtig innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ist, dass die Aufwendungen und Erlöse mit ihrer maßgeblichen Auswirkung innerhalb der Finanzbuchhaltung sowohl unterjährig als auch zeitnah eine Berücksichtigung finden. In Anlehnung an die Branche und das entsprechende Geschäftsmodell können hier verschiedene Positionen gegeben sein. Im Handwerksbetrieb und im produzierenden Gewerbe sind die Bestände an fertigen und unfertigen Arbeiten sehr wichtig. Auch bei Handelsunternehmen gehören in die monatliche Buchhaltung zudem die Warenbestandsveränderungen hinein.

BWA-AbschreibungAbschreibungen muss man jeweils monatlich abgegrenzen. Dazu sollte man mit größeren Aufwandspositionen wie beispielsweise Ertragssteuern ebenso verfahren. Erhaltene Boni von Lieferanten sowie Jahresbonifikationen an Kunden wirken sich in Handelsunternehmen oftmals nicht unerheblich in der Größenordnung und der Unternehmensauswirkung aus.

Darlehen muss man jeweils unterjährig und nicht erst im späteren Jahresabschluss korrekt buchen. Hier geht es beispielsweise um Annuitäten, die aufzuteilen sind in den Zins- und Tilgungsanteil. Dazu müssen auch Anzahlungen und Einbehalte und Rechnungsabgrenzungsposten monatlich, aber nicht erst zum Geschäftsjahresende Berücksichtigung finden.

Was liefert die Standard Betriebswirtschaftliche Auswertung nicht?

Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert, obwohl für die betriebswirtschaftliche Unternehmenssteuerung wichtig, nachfolgende Informationen nicht:

  • den Liquiditätsstand und dessen Entwicklung (also Darlehen und Kontokorrente sowie die Eigenkapitalentwicklung)
  • die Prognosedaten zum Gewinn und zur Zahlungsfähigkeit
  • die Bereichsergebnisse (also Profitcenter sowie unrentable und rentable Geschäftsfelder und Renner/Penner des Handels)

Sind diese Informationen gewünscht, muss ein Unternehmen mehr als ausschließlich die Zahlen aus der Finanzbuchhaltung prüfen. Hier sind Vorschau- und Profitcenterberichte und auch Kennzahlen, die man mittels der Methoden des Finanzcontrollings ermitteln kann, deutlich aussagekräftiger.

Der Profit aus der Betriebswirtschaftlichen Auswertung

Viele Unternehmer werden monatlich mit der BWA durch ihre Buchführung oder den Steuerberater versorgt. Diese werden allerdings oftmals ungelesen abgelegt. Das sollte nicht geschehen, denn die Betriebswirtschaftliche Auswertung bietet eine sehr hochwertige Informationsquelle. Sie liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Lage des Betriebes und dessen Leistungsfähigkeit. Durch die Betriebswirtschaftliche Auswertung lässt sich ablesen, ob eine Unternehmung eine günstige finanzielle Entwicklung hat oder ob Probleme zu erwarten sind.

Innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung werden die Auswertungen und die aktuellen Zahlen aus der Buchführung zusammengefasst, die durch den Steuerberater verarbeitet wurden. Die Form der Aufarbeitung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung fordert keine einheitliche Form. Üblicherweise ist es die kurzfristige Erfolgsabrechnung, die eine geläufige Form der Betriebswirtschaftlichen Auswertung nutzt.

Weitere Varianten sind die Bewegungsbilanz, die Veränderungen innerhalb des Kapitals und des Vermögens aufzeigt und auch die statische Liquidität, die wichtige Informationen zur Zahlungsfähigkeit liefert. Dazu sind auch noch weitere, sehr spezifizierte Formen der Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorhanden. Wer die Betriebswirtschaftliche Auswertung richtig lesen und interpretieren kann, hat ein sehr gutes Instrument an der Hand, um in der Unternehmung Schwachstellen zu erkennen und die gesamte Leistungsfähigkeit zu bewerten. Dazu kann ein Unternehmen kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen einleiten.

Weshalb die einfache BWA nicht immer richtige Ergebnisse liefert

Damit man ein Unternehmen mit der Betriebswirtschaftlichen Auswertung steuern kann oder um eine unterjährige Ermittlung von Ergebnissen zu erlangen, muss man üblicherweise Korrekturen durchführen. Die normale und einfache Betriebswirtschaftliche Auswertung weist nur die Daten aus, die innerhalb der Buchführung erfasst werden, ohne hierbei die betrieblichen Belange einzubeziehen. Soll die Betriebswirtschaftliche Auswertung dagegen als betriebliches Steuerungsinstrument zum Einsatz gelangen, muss sie auch unterjährig wenigstens die richtigen Resultate ausweisen. Damit muss aus einer einfachen dann eine qualifizierte Betriebswirtschaftliche Auswertung entstehen.

Abschließend einige Beispiele, die unrichtige unterjährige Ergebnisse zur Folge haben können

Betriebswirtschaftliche Auswertung AbschlussHier könnte der Materialeinkauf beispielsweise als Verbrauch gebucht werden, was letztlich nicht ganz korrekt ist, denn eigentlich darf nur der tatsächliche Verbrauch innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ausgewiesen werden. Nutzt ein Unternehmen kein Warenwirtschaftssystem, dann kann dies auch durch Schätzung oder durch Durchschnittswerte erfolgen.

Abschreibungen dagegen müssen auf jeweils Monate verteilt, nicht aber vollständig auf das Jahresende gebucht werden, weil sie eben wirtschaftlich immer anteilig in einem Monat anfallen.

Auch Personalkosten müssen deshalb wie Abschreibungen behandelt und auf die jeweiligen Monate aufgeteilt werden, was auch für das Weihnachtsgeld, das Urlaubsgeld wie auch Boni an Mitarbeiter gilt. Dieses gilt auch für eventuelle Einmalzahlungen wie Gebühren und Beiträge oder Versicherungen.

Die Buchung von Umsätzen muss korrekt erfolgen. Dabei gilt, dass An- wie auch Teilzahlungen üblicherweise keine Umsätze darstellen, da der Kunde die Lieferung noch nicht erhalten hat. Sie müssen dann teilweise innerhalb der Verbindlichkeiten einer Bilanz ausgewiesen werden.

Möglicherweise werden Bestandsveränderungen nicht oder aber mit falschen Werten erfasst.

Korrekt sind Herstellungskosten und nicht voraussichtlich erzielte Verkaufspreise.

Ertragssteuern werden nicht jeweils pro Monat angesetzt, aber auch anstelle der Vorauszahlungen werden letztlich nicht die Steuern angesetzt, die deutlich richtiger wären.

Kennzahlen

Latente Steuern – das sollten Sie wissen

Der Begriff Latente Steuern kommt aus dem lateinischen. Das Wort „latens“ bedeutet versteckt oder verdeckt. Es handelt sich also um versteckte steuerliche Abgaben oder Vorteile, die ursprünglich nicht geplant oder vorgesehen waren. Sie ergeben sich aufgrund von Unterschieden, etwa im Ansatz oder im Rahmen der Bewertung von Vermögens- und Wertgegenständen, aber auch aus Schulden und entstehen aus der Differenz zwischen der Steuer- und der Handelsbilanz.

Wie entstehen latente Steuern?

latente Steuern BilanzDas Konzept hinter latenten Abgaben ist einfach: sie entstehen aufgrund von Unterschieden im Ansatz oder in den Bewertungen von Schulden oder anderen Vermögenswerten. Sie kommen vor allem aufgrund einer unterschiedlichen Zwecksetzung im Rahmen der steuerlichen und handelsrechtlichen Gewinnermittlung und Bilanz zustande. Jedes Unternehmen in Deutschland muss eine Handelsbilanz erstellen. Dies wird im Handelsgesetzbuch vorgeschrieben. Die Bilanz dient unter anderem dazu, die Gewinnausschüttung zu berechnen sowie um externe und interne Personen wie die Geschäftsführung, Gläubiger, etc. zu informieren. Im Gegensatz dazu dient die steuerliche Gewinnermittlung dazu, um die Höhe der Besteuerung, etc. zu bemessen. Sie wird in den meisten Fällen durch verschiedene Anpassungen aus der Handelsbilanz abgeleitet oder wird eigenständig aufgestellt.

Genau an dieser Stelle kommt es aufgrund der unterschiedlichen Zwecksetzsetzung zu völlig verschiedenen Bilanzen im Handels- und im Steuerrecht. Im Handelsrecht erfolgt die Bemessung der Gewinnausschüttung eher vorsichtig, um etwa Gläubiger zu schützen. Außerdem sind Differenzen und Gewinnschwankungen, die sogenannten Volatilitäten, die überwiegend auf der Bilanz begründet sind, zu vermeiden. Auf der anderen Seite geben bei der steuerlichen Bilanzierung rechtliche Bestimmungen und Richtlinien häufig vor, worauf zu achten und was zu tun ist.

Kurz gesagt, die latente Steuer entsteht aus der Gegenüberstellung der Handelsbilanz und der Steuerbilanz. Deren Differenzen werden mit dem zukünftig zu erwartenden Steuersatz bewertet.

Grundlagen für die latente Steuer

Als Grundlage für die latente Steuer, Abweichungen und Berechnungen dient in Deutschland das Handelsgesetzbuch. Es legt genau fest, wie latente Steuern entstehen, welche Abweichungen es gibt und wie die Steuer anschließend in der GuV oder in anderen Bilanzen dargestellt werden muss. Darüber hinaus informiert das HGB auch darüber, wie die latente Steuer entsteht bzw. wie sie abgebaut werden kann. Ebenfalls ist geregelt, welche Unternehmen, wie etwa kleine Kapitalgesellschaften, von der latenten Steuer befreit sind. Das Konzept der latenten Steuer ist es, zwei unterschiedliche Bilanzen bzw. Berechnungen für die Steuer zu erhalten, die jeweils unterschiedlichen Zwecken dient.

Vorteile der latenten Steuer

Die Vorteile der latenten Steuer sind offensichtlich. Sie ist in der Regel deutlich genauer was Gewinne und Verluste angeht. Das liegt daran, dass im Rahmen der latenten Steuer häufig Informationen und Daten berechnet werden, die für die steuerlichen Bilanzen in der Regel keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei geht vor allem bei der Berechnung von Gewinnen und Verlusten die Vorsicht vor, um das Risiko für Gläubiger und Anleger so gering wie möglich zu halten. Das kann am Ende zu positiven Überraschungen führen. So kann zum Beispiel der tatsächliche Gewinn größer, oder der aktuelle Verlust geringer sein, als zunächst angenommen.

Die Nachteile der latenten Steuer

latente Steuern NachteileAuch die Nachteile einer latenten Steuer werden schnell sichtbar: da hier viele Informationen verwendet werden, die in den steuerlichen Bilanzen nicht auftauchen bzw. hier auf Sicherheit gesetzt wird, ist die latente Steuer meist unstabil und Schwankungen unterworfen. Das heißt, dass zum Beispiel für den Schutz von Gläubigern und Anlegern die Gewinn- oder Verlustrechnung eher sparsam und mit Vorsicht erfolgt. Das hat jedoch zur Folge, dass am Ende der Gewinn oder Verlust deutlich größer sein kann, als errechnet. Darüber hinaus können sich Daten und Informationen für die Bemessung von latenten Steuerabgaben ständig verändern, während die steuerlichen Bilanzen für den Gesetzgeber hier deutlich stabiler sind.

Die Bilanzierung der latenten Steuer

Es gibt zwei Wege, um latente Steuern zu bilanzieren. Mit diesen werden die noch nicht versteuerten Aufwendungen und Erträge berechnet. Bei der ersten Methode handelt es sich um eine vergangenheits- und gewinnorientierte Methode, während die zweite Methode bilanzorientiert arbeitet. Das deutsche Recht hat bis 2009 die gewinnorientierte Betrachtungsweise vorgesehen. Im Rahmen der Modernisierung des Bilanzrechts hat jedoch auch die bilanzorientierte Betrachtungsweise Ihren Weg in das HGB gefunden. Die bilanzorientierte Betrachtung ist darüber hinaus auch international in der Regel der Standard. Beide Konzepte führen in der Regel zu denselben Ergebnissen.

Die Liability Methode

Die Liability Methode ist eine bilanzorientierte Methode, die auch als Verbindlichkeitsmethode bekannt ist. Bei ihr werden aktive und passive latente Besteuerung sowie Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt betrachtet. Hier geht es vor allem um den richtigen Vermögens- oder Schuldenausweis. Bei der Liability Methode ist der Ergebnisunterschied unbedeutend. Es kommt lediglich auf die Unterschiede in den einzelnen Bilanzpositionen an.

Die Deferral-Methode

Die Deferral Methode wird auch als Abgrenzungsmethode bezeichnet. Das Ziel ist es, den Steueraufwand zu zeigen, der sich normalerweise aus der Handelsbilanz ergeben hätte. Die Deferral Methode ist GuV-orientiert. Sie dient vor allem als Erfolgsausweis, da sie die Eigenschaft eines Rechnungsabgrenzungspostens besitzt. Als Grundlage dient der Steuersatz, der zur Zeit der Abgrenzung gilt. Sollte sich der Steuersatz später ändern, erfolgt bei der Deferral Methode keine nachträgliche Anpassung.

Der Sarbanes Oxley Act von 2002

Der Sarbanes Oxley Act of 2002 (kurz SOX) wurde als US-Bundesgesetz als Reaktion auf die Bilanzskandale der Jahre 2001 und 2002 erlassen. Die Unternehmen Enron (2001) und Wordcom (2002) waren durch gigantische Finanzskandale in Schieflage geraten. Der Schaden für die Unternehmen und vor allem die Anleger war immens.

Dass diese Skandale überhaupt möglich wurden, lag an der bis 2002 unzuverlässigen Berichterstattung von Unternehmen mit Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt. Daraufhin arbeiteten die beiden US-Senatoren Paul Sarbanes (Demokratische Partei) und Michael Oxley (Republikaner) das nach ihnen benannte Gesetz aus.

Die Senatoren Paul Sarbanes und Michael Oxley (2002)

Die Senatoren Paul Sarbanes und Michael Oxley (2002) – Bild: Wikimedia

Sarbanes Oxley Act: Ziele und Geltungsbereich

Das grundlegende Ziel des Gesetzes bestand und besteht nach wie vor darin, das Vertrauen von Anlegern in die Verlässlichkeit von veröffentlichten Finanzdaten herzustellen. Der Geltungsbereich des Gesetzes erstreckt sich auf alle Unternehmen inklusive Tochterunternehmen, deren Aktien an US-Börsen oder auch außerbörslich in den USA gehandelt oder angeboten werden.

Dabei kann es sich auch um ausländische Unternehmen handeln, weshalb europäische Firmen mit Zugang zum US-Kapitalmarkt das Gesetz kennen müssen. Zweifellos hat SOX die Transparenz der Berichterstattung deutlich verbessert, jedoch konnte das Gesetz einen Banken-Skandal wie den von Lehmann Brothers im Jahr 2008 nicht verhindern.

Die Abschnitte des Gesetzes

Die Sections (Paragraphen) von Sarbanes Oxley sind umfassend (insgesamt 66 Seiten), für das allgemeine Verständnis ist vor allem die Kenntnis von Section 404 bedeutsam. Dieser populärste und kostenintensivste Paragraph des Gesetzes verlangt in jedem Jahresbericht einer Kapitelgesellschaft eine Beurteilung des internen Kontrollsystems einer Firma für die Rechnungslegung. Diese Beurteilung muss von der Geschäftsleitung und von einem externen Wirtschaftsprüfer kommen.

Vor allem Section 404 des SOX hat die Corporate Governance und Compliance-Richtlinien von betroffenen Unternehmen seither deutlich verändert. In den USA wurde auf Grundlage des Gesetzes das PCAOB (Public Company-Accounting Oversight Board) als unabhängige Aufsichtsbehörde geschaffen, die seither Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kontrolliert. Betroffen sind alle Wirtschaftsprüfer, die SEC-kontrollpflichtige Unternehmensabschlüsse überwachen. Die Vorschriften des Gesetzes waren teilweise vollkommen neu und entsprechen in anderen Teilen vorherigen Best-Practice-Standards, die nun bundesrechtlich geregelt wurden.

Konsequenzen für nicht-US Firmen

Ausländische Unternehmen bekamen durch die US-amerikanische Börsenaufsicht (kurz SEC; United States Securities and Exchange Commission)  bis Mitte 2006 Zeit, die Vorschriften des Gesetzes vollständig für ihre Rechnungslegung anzuwenden. Zum Charakter des Gesetzes ist wichtig zu wissen, dass ein Großteil der Sections bestehende US-Bundesgesetze ergänzt und/oder geändert hat, darunter den Securities Exchange Act (Börsengesetz) und den Securities Act (Wertpapiergesetz).

Auch erging an die Börsenaufsicht SEC die Aufforderung, neue Verordnungen für eine verbesserte Transparenz zu erlassen. Darüber hinaus wurden das Bundesstrafgesetzbuch, Strafmaße und einige Verjährungsfristen geändert (in der Regel erhöht/verlängert).

Die wesentlichen Inhalte des SOX

Im Kern müssen der CEO (Chief Executive Officer; Vorstandsvorsitzender) und der CFO (Chief Financial Officer; Finanzvorstand) eines Unternehmens die Ordnungsmäßigkeit der Jahresabschlüsse in der Art einer eidesstattlichen Erklärung bestätigen. Falls sich im Nachhinein Unrichtigkeiten herausstellen, die zu Korrekturen führen, müssen CEO und CFO ihre erfolgsabhängigen Vergütungen zurückzahlen.

Hierbei handelt es sich in der Praxis um eine sehr harte Sanktion, da in den USA dieser Vergütungsteil bis zu 70 % des Einkommens der oberen Managementebene betragen kann. In Europa pendelt der erfolgsabhängige Anteil zwischen 30 bis über 50 % –  allerdings mit steigender Tendenz.

Der neben Edward Snowdon bekannteste Whistleblower: Julian Assange (2009 in Copenhagen).

Der neben Edward Snowdon bekannteste Whistleblower: Julian Assange (2009 in Copenhagen) – New Media Days / Peter Erichsen [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons.

Weitere wichtige Inhalte des Sarbanes Oxley Act sind unter anderem:

  • Unternehmen dürfen ihrem Management keine Darlehen mehr gewähren.
  • Die Mitglieder des Prüfungsausschusses und des Aufsichtsrats müssen unabhängig sein.
  • Nicht-Prüfungsleistungen des Abschlussprüfers sind genehmigungspflichtig, neben der Abschlussprüfung (zeitnah) sind sie verboten.
  • Der Abschlussprüfer muss den Prüfungsausschuss sofort über kritische Vorgänge informieren.
  • Wirtschaftsprüfer unterliegen einem verschärften Haftungsrecht.
  • Es sind Hinweisgebersysteme einzurichten, Whistleblower genießen seither einen erhöhten Schutz.

 

Bedeutung für ausländische Unternehmen und resultierende Rechtskonflikte

Da das Gesetz auch für ausländische Unternehmen gilt, die mit Wertpapieren auf dem US-Markt vertreten sind, resultiert aus ihm die Konsequenz, dass sich die betreffenden Unternehmen entweder vom US-Markt verabschieden (was in der Regel unrealistisch ist) oder Gesetzen wie etwa der Individualhaftung von Vorstandsmitgliedern unterworfen werden, die es im deutschen Recht (und dem anderer europäischer und asiatischer Staaten) so nicht gibt.

Schon diese Konsequenz wiegt schwer, doch ein noch größerer juristischer Konflikt entsteht durch die Aufforderung des Gesetzes an Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, Handlungen zu begehen, die in Deutschland einen Bruch der Verschwiegenheitspflicht und/oder einen Parteiverrat bedeuten und damit standes- oder strafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Die EU-Kommission und Japan haben darauf in Teilen mit adäquaten Richtlinien reagiert (EuroSOX und JapanSOX), doch wirkliche Rechtssicherheit besteht nicht. Daher hat der Sarbanes Oxley Act vielschichtige Auswirkungen auf mehreren Ebenen. Nicht nur die Unternehmen sind betroffen, auch Gesetzgeber in anderen Teilen der Welt mussten reagieren. Vereinfacht gesagt, erzwingt damit die US-Regierung im Wirtschaftsrecht eine globale Nivellierung nach ihren eigenen Standards, die entweder dem Rest der Welt das US-Recht „aufzwingt“ oder für wichtige Unternehmen den US-Marktzugang unterbindet, was letztlich eine verschleierte Form des Protektionismus wäre.

US-Präsident Bush vor der Unterzeichnung des SOX mit Senator Paul Sarbanes im Jahe 2002

US-Präsident Bush vor der Unterzeichnung des SOX mit Senator Paul Sarbanes im Jahr 2002 (Bild: Wikimedia)

Das Gesetz, das George W. Bush im Jahr 2002 unterzeichnet hat, erscheint angesichts der protektionistischen Bestrebungen des aktuellen US-Präsidenten (Anm.: Donald Trump im Jahr 2017) in einem neuen Licht. Sein republikanischer Amtskollege aus dem Jahr 2002 hat ihm quasi eine Steilvorlage vor die Abschottung des US-Marktes geliefert. Alternativ verlangt das Gesetz eine erhebliche Anpassungsleistung durch die übrige (globale) Wirtschaftswelt.

Die Reaktionen in Deutschland auf SOX

Deutschland reagierte wegen der nötigen Rechtsanpassung mit den Gesetzen APAG (AbschlussprüferAufsichtsgesetz), BARefG (Berufsaufsichts-Reformgesetz) und BilReG (Bilanzrechtsreformgesetz), die jeweils grundlegende Reformen des Aufsichtssystems über Abschlussprüfer darstellen. Damit möchte der deutsche Gesetzgeber die Anerkennung hiesiger Aufsichtsmechanismen durch die PCAOB erreichen. Das gelingt bislang überwiegend, aber nicht vollständig. Die deutschen Unternehmen, die an US-Börsen notiert sind, mussten im Zuge des Gesetzes ihre unternehmerischen Abläufe zum Teil erheblich umstellen.

Sie mussten neuartige interne Kontrollsysteme (IKS) implementieren, die so effizient sind, dass die US-Haftung des eigenen Managements praktisch nicht in Kraft tritt. Wenn aber dieser Fall einträte, wäre eine spannende Frage, wie die verlangten Sanktionen nach dem Sarbanes Oxley Act gegen Mitglieder deutscher Aufsichtsräte – möglicherweise gegen herrschendes deutsches Recht – durchgesetzt würden. Am wahrscheinlichsten ist es, dass US-amerikanische Behörden finanzielle Sanktionen, wie sie das Gesetz vorsieht, durch das Einfrieren von Konten der Beteiligten realisiert, wo immer das den US-Behörden möglich ist.

Fazit: Konsequenzen für Gründer und Unternehmer

Für deutsche und europäische Firmen hat der SOX 2002 in der Praxis nur dann Auswirkungen, wenn das Unternehmen am US-amerikanischen Kapitalmarkt tätig ist, also dort Wertpapiere handelt. Für die allermeisten mittelständischen Firmen in Deutschland oder Europa dürfte das in der Praxis nicht der Fall sein.

Dennoch sollten sich vor allem Unternehmens-Käufer diese Tatsache im Rahmen einer Due Diligence vom Verkäufer bestätigen lassen.

BWL-Artikel

Was ist Fremdkapital?

Das Fremdkapital (engl.: debtdebt capital) ist der Unternehmung von Gläubigern zur Verfügung gestellt. Die Mittel sind befristet und müssen zurückgezahlt werden. Mit Fremdkapital und Eigenkapital werden Anlagevermögen und Umlaufvermögen beschafft.

Merkmale des Fremdkapitals:

– Gewinn- und Verlust-unabhängiges Entgelt (Zinsen)
– zeitlich befristete Überlassung
– kündbar
– erfordert Sicherheiten
– im Rang vor dem Eigenkapital (bei Verwertungen)
– keine Haftung des Fremdkapitalgebers
– keine Mitwirkungsrechte des Gläubigers.

 

Abgrenzung Fremdkapital und Eigenkapital

Fremdkapital wird befristet vergeben und kann vom Gläubiger gekündigt werden. Der Fremdkapitalgeber hat einen Vergütungsanspruch (Darlehenszinsen), der vom Gewinn- und Verlust des Bilanzjahres unabhängig ist. Auch Inhaber und Gesellschafter können neben ihren Eigenkapitalanteilen der Unternehmung Fremdkapital in Form von Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Fremdkapital ist Teil der unternehmerischen Fremdfinanzierung und eine Form der Außenfinanzierung. Es kann jedoch auch in der Innenfinanzierung generiert werden, wie beispielsweise über Rückstellungen.

Fremdkapital oder Eigenkapital

Fremdkapital oder Eigenkapital?

Hybride Kapitalanteile und Mezzanine

Die Abgrenzung zwischen Fremd- und Eigenkapital kann für Analysten und Banken schwierig sein. Im Allgemeinen werden Bilanzposition nicht mehr als Eigenkapital eingestuft, sobald die geringste Rückzahlungsmöglichkeit besteht. Auch mit einer erfolgsunabhängigen Verzinsung zählt das Kapital regelmäßig zum Fremdkapital. Hybride Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital werden Mezzanine-Kapital genannt. Rückstellungen, einschließlich Pensionsrückstellungen, sind immer Fremdkapital, da eine Rückzahlungswahrscheinlichkeit vorhanden ist (mindestens 50 Prozent). Lesen Sie hier mehr über das Mezzanine-Kapital.

Immobilienfinanzierung mit Fremdkapitalbeteiligung

Beim Immobilienkauf und in Bauprojekten ist das Fremdkapital die Summe aller aufgenommenen Darlehen für die Finanzierung. Das Fremdkapital des Bauvorhabens setzt sich aus Darlehen und Krediten bei Banken, Versicherungen und anderen Instituten, Arbeitgebern (Arbeitgeberdarlehen), der öffentlichen Hand (KommunaldarlehenKfW) und Privatpersonen zusammen. Zur Versicherung der Darlehen tritt der Bauherr den Kreditinstituten Rechte am Bauobjekt ab (Grundpfandrechte).

Vorteile des Fremdkapitals

– Erhöhung der Liquidität
– Keine Änderung bei der Mitbestimmung
– Keine Änderung bei der Verteilung der Geschäftsbeteiligungen
– Nutzung des Leverage-Effekts (Gewinnsteigerung, höhere Rendite)
– Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität (attraktiv für Investoren)
– Zinsen können als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden.

Nachteile des Fremdkapitals

– Sicherheiten sind erforderlich
– Zinszahlungen auch bei schlechter Geschäftslage
– Befristete Laufzeit des Kapitals
– Minderung der unternehmerischen Unabhängigkeit.

Fristigkeiten des Fremdkapitals

Fremdkapital wird nach seiner Laufzeit (kurz-, mittel- und langfristig) unterschieden. Mittelfristige Fremdkapitalanteile ergeben sich aus dem Saldo zwischen kurzfristigen und langfristigen Verbindlichkeiten. Wichtig ist die Unterscheidung der Fristigkeiten für die Passivierung der Verbindlichkeiten in der Bilanz sowie bei Auswertungen der Vermögenssituation mit Kennzahlen.

Bilanzierung des Fremdkapitals

Fremdkapital bilanzieren

Die Passiv-Seite der Bilanz wird relevant

Reicht das Eigenkapital nicht aus, kann das Unternehmen zur Finanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen (z. B. Anlagen, Fuhrpark, Vorräte) zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Das Fremdkapital erscheint mit dem Eigenkapital auf der Passiva der Bilanz.

Verbindlichkeiten (§ 266 Abs. 3 C HGB)
+ Rückstellungen (§ 266 Abs. 3 B HGB)
Rechnungsabgrenzungsposten (§ 266 Abs. 3 D HGB)
+ latente Steuern (§ 266 Abs. 3 E HGB)
= Summe des Fremdkapitals nach § 266 HGB

Bei der Bilanzierung muss das Fremdkapital (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) nach Herkunftsarten und Laufzeiten gegliedert werden. Nach § 268 Abs. 5 HGB sind Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr und ab einem 1 Jahr auszuweisen. Bei Restlaufzeiten von mehr als 5 Jahren sind nach § 285 Nr. 1 HGB Angaben über Art, Umfang und Form der gestellten Sicherheiten im Anhang zu machen.

Die Verbindlichkeiten des Fremdkapitals

Verbindlichkeiten sind Teil des Fremdkapitals. Zur Erhöhung des Fremdkapitals geht das Unternehmen als Schuldner eine Verpflichtung gegenüber einem Dritten (Gläubiger) ein. Bilanztechnisch sind Verbindlichkeiten die Verpflichtungen zu einer Lieferung oder sonstigen Leistung. Das Gegenstück zur Verbindlichkeit ist die Forderung.

Arten der Verbindlichkeiten (englfinancial liabilities)

– Kreditoren (Lieferanten): Lieferungen und Leistungen
– Debitoren (Kunden): erhaltene Anzahlungen
– Kreditinstitute: Darlehen, Kredite, Wechsel, Anleihen
– Finanzamt: sonstige Verbindlichkeiten (siehe auch Rückstellungen).

Die Bewertung der Verbindlichkeiten erfolgt nach § 253 Abs. 1 HGB zum Erfüllungsbetrag, der den Anschaffungskosten entspricht. Bei der Umrechnung von Verbindlichkeiten in Fremdwährungen ist § 256a HGB anzuwenden.

Ungewissheit bei Rückstellungen

Rückstellungen erhöhen das Fremdkapital. Sie werden gebildet, um dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip aus § 252 HGB zu genügen.

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, deren Bestehen oder Höhe zum Bilanzstichtag ungewiss sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fällig werden, muss hinreichend groß sein. Rückstellungen werden wie Verbindlichkeiten als Fremdkapitalteile auf der Passiva der Bilanz verbucht. Anzunehmen ist nach § 253 Abs. 1 HGB der Betrag zur Erfüllung der Verbindlichkeit (Erfüllungsbetrag).

Fremdkapital und Rückstellungen

Was sind Rückstellungen?

Unterschieden werden
– Pensionsrückstellungen (§ 249 Abs. 1 HGB) für Pensionszusagen des Unternehmens gegenüber dem Mitarbeiter.
– Steuerrückstellungen, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Die Steuern müssen bis zum Ende des Geschäftsjahres wirtschaftlich entstanden sein. Passiv latente Steuern werden in § 274 Abs. 1 HGB geregelt.
Sonstige Rückstellungen werden aus Kulanzgründen (Beseitigung von Mängeln an Lieferungen und Leistungen), aufgrund von Drohverlust nach § 249 Abs. 1 HGB und aus Garantieverpflichtungen gebildet.

Weitere Rückstellungen können für Prozesse, Provisionen, Aufwände für unterlassene Instandhaltungen sowie für Jahresabschluss- und Prüfungskosten veranlasst werden. Rückstellungen sind nicht mit Rücklagen zu verwechseln, die dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Bei den Rücklagen sind Höhe und Bestehen bekannt.

Rechnungsabgrenzungsposten

Rechnungsabgrenzungsposten werden als Fremdkapital in der Bilanz ausgewiesen. Mit der Rechnungsabgrenzung werden Werte aus GuV und Bilanz der tatsächlichen Rechnungsperiode (z. B. Quartal, Geschäftsjahr) zugeordnet.
Beispiel: Mit dem Kunden wurde ein Zahlungsziel vereinbart. Lieferung und Leistung fallen in unterschiedliche Bilanzjahre.

Fremdkapital in der Liquidation

Die Ansprüche aus Fremdkapitalforderungen stehen im Rang vor den Eigenkapitalforderungen. Ist ein Gesellschafter mit seiner Eigenkapitaleinlage im Rückstand, kann der Insolvenzverwalter nach § 171 Abs. 2 HGB die Leistung in die Masse verlangen.

Anders verhält es sich bei Gesellschafterkrediten oder des von Nichtgesellschaftern bereit gestellten Fremdkapitals. Im Falle eines Insolvenzverfahrens können sie vom Gläubiger außerordentlich gekündigt werden (§ 490 Abs. 1 BGB). Wurde die Darlehenssumme bereits ausgezahlt, kann der Gläubiger einen Rückforderungsanspruch geltend machen und am Insolvenzverfahren teilnehmen.

Der Rang des Fremdkapitals nach seiner Absicherung

Bei Immobiliendarlehen kann eine weitere Klassifizierung des Fremdkapitals über seine Absicherung erfolgen:

Erstrangig abgesichertes Fremdkapital (englsenior debt): Das Immobilienprojekt wird mit einem Darlehen finanziert, das mit einer erstrangigen Grundschuld besichert ist. Erstrangig eingetragene Gläubiger werden bei einer Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz zuerst bedient.
Nachrangig abgesichertes Fremdkapital (eng. junior debt) und Mezzanine-Kapital: Je nach Ausgestaltung ist das überlassene Kapital bilanziell dem Eigenkapital zuzurechnen.

Kennzahlen des Fremdkapitals

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse des Fremdkapitals liefern wichtige Aussagen für Bilanzanalysen und Bonitätsaussagen der Kreditinstitute.

Fremdkapital Kennzahlen

Was sagt das Fremdkapital aus?

Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote (AnspannungskoeffizientAnspannungsgrad) ist mit der Eigenkapitalquote die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie ermittelt den Anteil der Fremdfinanzierung an der Gesamtfinanzierung (Bilanzsumme).

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme * 100

Mit hohen Fremdkapitalquoten steigt der Zinsaufwand, da Gläubiger für das geliehene Kapital ein Entgelt verlangen. Ein hoher Schuldendienst des Unternehmens mindert wiederum den Gewinn. Mit zunehmender Verschuldung steigt demnach der Break-Even-Point an (cost leverage).

Eine hohe Fremdkapitalquote schlägt sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nieder. Sie bringt Risiken bei der Beschäftigung, der Refinanzierung und der Liquidität mit sich. Bei hohem Fremdkapitalanteil steigt das Ausfallrisiko von Gläubigern. Neue Kredite lassen sich unter Umständen nur noch zu ungünstigen Konditionen aufnehmen. Übliche Fremdkapitalquoten liegen im Baugewerbe bei etwa 72 %, im Einzelhandel mit 62 % und in der Automobilindustrie bei 39 % der Bilanzsumme.

Liquidität

Die Kennzahlen für die Liquidität werden nach ihrer Fristigkeit unterschieden (Liquidität I bis III). Im englischen sind je nach Fristigkeit unterschiedliche Begriffe üblich: Current Ratio, Cash Ratio (Barliquidität), Acid Test Ratio (Quick Ratio).

Liquidität 1. Grades

Die Kennzahl für die Barliquidität sollte größer oder gleich 0,2 sein. Die Liquidität I ermittelt das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie zeigt an, ob ein Unternehmen seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen durch die verfügbaren liquiden Mittel erfüllen kann.

Liquidität I (Cash Ratio) = liquid Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades

Die Liquidität II ermittelt das Verhältnis der kurzfristige Geldmittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Beträgt die Liquidität II 1 oder mehr, können alle kurzfristige Verbindlichkeiten mit den kurzfrisitgen Geldmitteln gezahlt werden. Bei einem Wert kleiner 1 muss das Unternehmen Mittel beschaffen, um den Verbindlichkeiten nachkommen zu können.

Liquidität II (Acid Test Ratio ATR, auch Quick Ratio) = (Geldvermögen + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 3. Grades

Ist die Liquidität III kleiner oder gleich 1, muss unter Umständen Anlagevermögen (Maschinen, Fahrzeuge u.ä.) zur Deckung verkauft werden. Nach der Banker’s Rule (Two-to-One-Rule) sollte die Liquidität III mindestens 2 sein.

Liquidität III (Current Ratio) = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Gesamtkapitalrentabilität

Die GKR (GesamtkapitalrenditeKapitalrentabilitätUnternehmensrenditeUnternehmensrentabilitätenglReturn on AssetsRoA) gibt an, wie gibt an, wie effizient der Kapitaleinsatz innerhalb der Abrechnungsperiode war.

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn aus GuV + Fremdkapitalzinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital)

Was ist Selbstfinanzierung?

Die Selbstfinanzierung ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, bei der die Aufbringung des Kapitals durch die Einbehaltung (Thesaurierung) der von einem Unternehmen erzielten Gewinne erfolgt. Die Selbstfinanzierung nimmt unter den verschiedenen Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung eine Sonderstellung ein. Die Kapitalaufbringung kann entweder durch einen Zufluss von Zahlungsmitteln erfolgen oder durch die Entstehung von Forderungen, falls die in den Verkaufspreisen enthaltenen Gewinnanteile am Markt tatsächlich vergütet werden.

Selbstfinanzierung als Eigenfinanzierung und Innenfinanzierung

Die Selbstfinanzierung ist einerseits entsprechend der Rechtsstellung der Kapitalgeber der Eigenfinanzierung zuzurechnen. Dies deshalb, weil der Gewinn einzig den Anteilseignern des Unternehmens zusteht. Durch eine Thesaurierung der Gewinne wird das Eigenkapital eines Unternehmens und die

Selbstfinanzierung betrifft das Eigenkapital.

Am Ende eines jeden Geschäftsjahres sollte ein Jahresüberschuss stehen

Haftungsbasis für Fremdfinanzierungen gestärkt. Aus Sicht der Mittelherkunft betrachtet ist die Selbstfinanzierung eine Innenfinanzierung. Im Gegensatz zu einer Außenfinanzierung erfolgt die Kapitalaufbringung durch die Erzielung von Umsatzerlösen. Die in den Umsatzerlösen eines Unternehmens enthaltenen Gewinnanteile können für die Selbstfinanzierung verwendet werden.

Die Gewinnermittlung eines Unternehmens erfolgt zum Ende eines Geschäftsjahres mit der Bilanzerstellung. Die im Rahmen der bilanziellen Gewinnermittlung festgestellten Unternehmensgewinne entstehen jedoch im Laufe des Geschäftsjahres bei jedem Geschäft, das ein Unternehmen tätigt. Durch die Kumulierung bis zum Ende des Geschäftsjahres ergibt sich daraus der Periodengewinn oder Jahresüberschuss.

Die im laufenden Geschäftsjahr erzielten Gewinne verwendet man bereits für die Finanzierung. Daraus ergeben sich zwei verschiedene Finanzierungseffekte. Einerseits über die Gewinnanteile, die während des laufenden Geschäftsjahres erzielt werden und andererseits durch die Einbehaltung der am Jahresende ermittelten Gewinne zur Eigenfinanzierung.
Je nachdem, ob und wie ein bilanzieller Ausweis der Gewinneinbehaltung erfolgt, wird bei der Selbstfinanzierung zwischen der offenen und der stillen Selbstfinanzierung unterschieden.

Offene Selbstfinanzierung

Bei der offenen Form erfolgt eine Gewinnthesaurierung. Unternehmensgewinne werden nicht oder nicht vollständig an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern in die Gewinnrücklagen eingestellt. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen die einbehaltenen Gewinne nicht gesondert in der Unternehmensbilanz ausgewiesen werden.

Kapitalgesellschaften müssen einbehaltene Gewinne in die Bilanz einstellen. Hierfür ist ein eigener BilanzpostenGewinnrücklagen vorgesehen. Die Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft entscheiden darüber, ob und in welcher Höhe Gewinne ausgeschüttet oder in die Gewinnrücklagen eingestellt werden.

Bei der offenen Selbstfinanzierung spielen Aktien eine Rolle.

Welche Regeln gelten für Aktiengesellschaften?

Gemäß § 58 des Aktiengesetzes (AktG) dürfen die Vorstände und Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften unter bestimmten Bedingungen ohne Zustimmung der Aktionäre bis zu 50 % des Jahresgewinns in die Gewinnrücklagen einstellen. Zwingend vorgeschrieben ist, dass die Hauptversammlung der AG über die Verwendung der verbleibenden 50 % des Gewinns entscheidet.

Stille Selbstfinanzierung

Eine stille Selbstfinanzierung erfolgt durch die Bildung stiller Reserven, die Bildung stiller Rücklagen oder einer Kombination aus beidem. Die daraus resultierenden Vermögenswerte werden in der Unternehmensbilanz nicht offen ausgewiesen. Daher rührt die Bezeichnung stille Selbstfinanzierung.

Bildung stiller Reserven

Bei der Bildung stiller Reserven werden die Aktiva eines Unternehmens, das heißt das Vermögen, bewusst unterbewertet. Übersteigt die Verrechnung von Abschreibungen den tatsächlichen Werteverzehr eines Vermögensgegenstandes, erfolgt eine Unterbewertung. Beispielsweise, in dem Maschinen und Anlagen höher als erforderlich abgeschrieben werden.

Ebenso ist eine Unterlassung von Aktivierungen, beispielsweise bei selbsterstellten Vermögensgegenständen des immateriellen Anlagevermögens gemäß den Vorschriften in § 248 Abs.HGB möglich. Eine weitere Möglichkeit ist die Unterlassung von Zuschreibungen für Wertsteigerungen, wenn sich der Wert eines Vermögensgegenstandes erhöht hat. Der Vorteil stiller Reserven ist, dass man sie erst zum Zeitpunkt der Auflösung versteuern muss. Das passiert, wenn eine Maschine oder das ganze Unternehmen zum Verkauf steht.

Durch die Bildung stiller Reserven erreicht man einen geringeren Jahresüberschuss in der Bilanz. Dadurch verringert sich die Möglichkeit, am Jahresende Ausschüttungen an die Gesellschafter vorzunehmen. Für

Selbstfinanzierung beinhaltet Chancen und Risiken

Wie ermittelt man einen Jahresüberschuss?

Außenstehende ist die Bildung stiller Reserven in der Regel aus der Bilanz nicht ersichtlich. Welche Bewertungsmaßstäbe für die Bildung der Reserven herangezogen wurden, ist aus dem Jahresabschluss ebenfalls nicht ersichtlich.

Bildung stiller Rücklagen

Für die Bildung stiller Rücklagen werden die Passiva eines Unternehmens überbewertet, in dem das durch Fremd- oder Eigenkapital finanzierte Unternehmensvermögen höher bewertet wird. Durch die Bildung stiller Rücklagen reduziert sich der Unternehmensgewinn und damit die Steuerlast. Durch eine korrekte Bewertung ursprünglich überbewerteter Passiva werden die stillen Rücklagen zu stillen Reserven. Informieren Sie sich hier über stille Rücklagen und Reserven.

Vor- und Nachteile einer Selbstfinanzierung

Eine Selbstfinanzierung bietet für Unternehmen im Vergleich mit anderen Finanzierungsformen verschiedene Vorteile. Einerseits werden durch diese Finanzierung keine neuen Abhängigkeiten von Kapitalgebern wie Banken oder Lieferanten aufgebaut. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Veränderungen bei den Besitzanteilen entstehen. Die Eigentumsanteile aller Gesellschafter bleiben unverändert. Zudem stärkt eine Finanzierung von innen heraus die Eigenkapitalbasis des Unternehmens.

Was sind die Vorteile der Selbstfinanzierung?

Beinhaltet die Selbstfinanzierung eine Tilgung?

Damit verringert sich einerseits die Anfälligkeit für eine Zahlungsunfähigkeit und man erreicht eine steigende Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Der sogenannte Verschuldungsspielraum des Unternehmens wird vergrößert. Nicht zuletzt werden durch die Selbstfinanzierung im Gegensatz zu einer Fremdfinanzierung keine regelmäßigen Zins- oder Tilgungsleistungen ausgelöst. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist die Selbstfinanzierung oft die einzige Möglichkeit, neues Eigenkapital zu beschaffen.

Nachteilig für Kapitalgesellschaften ist, dass das im Rahmen der Selbstfinanzierung gewonnene Kapital zu einem höheren Kurswert führen kann, wenn das Nominalkapital der Gesellschaft unverändert bleibt. Für Aktionäre ist nachteilig, dass die Dividendenrendite durch die Bildung von Gewinnrücklagen sinkt, weil der Kurs der Aktie steigt. Durch eine Kapitalerhöhung aus Mitteln der Gesellschaft ist wiederum eine Absenkung des Aktienkurses möglich.

Was ist EBITDA?

Was ist EBITDA?

Um den Erfolg des eigenen Unternehmens zu vergleichen und zu beurteilen, reichen Gewinn oder Jahresüberschuss nicht aus, obgleich es sich hierbei um aussagekräftige, betriebswirtschaftliche Kennziffern handelt. Es gibt Faktoren, die sich auf den Gewinn Ihres Betriebes auswirken, die außerhalb Ihres Einflussbereiches stehen. Ökonomen nutzen bei der vergleichenden Beurteilung des Erfolgs von unternehmerischen Aktivitäten zunehmend andere Kennzahlen, unter anderem das EBITDA. Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen möchten, gehört das EBITDA zu den Unterlagen im geschützten Datenraum, die ein potenzieller Interessent einsehen möchte.

EBITDA per Definition

Beim Begriff EBITDA handelt es sich um ein Akronym aus dem Englischen, das sich aus folgenden Wörtern zusammensetzt:

E – earnings
B – before
I – interest
T – tax
D – depreciation
A – amortization

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff demnach das Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen auf Sachwerte und nicht greifbare (immaterielle) Vermögensteile. Als betriebswirtschaftliche Kennziffer stellt das EBITDA das Resultat der reinen Aktivität eines Unternehmens dar. Ausgeklammert werden Erträge und Kosten durch Zinsen sowie sämtliche Abschreibungen.

Für wen ist das EBITDA wichtig?

Zunächst können Sie als Unternehmer wertvolle Schlüsse aus dem EBITDA bei der Steuerung Ihrer Firma ziehen. Ebenso aussagekräftig ist die Kennziffer für die Bewertung durch externe Organisationen und Institutionen wie Banken bei der Bewilligung eines Unternehmenskredits. Banken erkennen am EBITDA die Wirtschaftlichkeit einer Firma vor der Kreditvergabe. Einigen Unternehmern hilft die Kennzahl bei der Festsetzung von Gehältern für Mitarbeiter in Führungspositionen. Der Vorteil von EBITDA ist auf einen Nenner zu bringen: Der Wert vermittelt einen Eindruck von der Rentabilität der reinen Betriebsaktivität, weil Posten ohne direkte Relevanz außer Acht bleiben. Nicht relevante Positionen sind:

Zinsen seitens Ertrag und Kosten

Wenn Sie als Unternehmer an anderen Firmen finanziell beteiligt sind, haben die daraus resultierenden Zinserträge nichts mit den Aktivitäten Ihres Betriebs zu tun. Gleiches gilt für die Zinsen als Kosten bei laufenden Krediten. Beides fällt unter die Strategie des Unternehmens und ist für das EBITDA bedeutungslos.

Steuern

Ob Sie viel oder wenig Steuern in Ihrem Unternehmen entrichten, sagt ebenso wenig über dessen Rentabilität aus. Die Höhe der anfallenden Steuern ist von vielen Faktoren und äußeren Umständen abhängig.

Abschreibungen

Sie wollen oder müssen in Ihr Unternehmen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erworbene Sachanlagen (also Investitionen) sowie nicht greifbare Güter schreiben Sie selbstverständlich ab. Es handelt sich dabei um unternehmerische Prozesse ohne Aussagekraft bezüglich der Rentabilität.

Wer sich über die betriebliche Verfassung Ihres Unternehmens informieren will, muss daher das EBITDA als objektiven Hinweis betrachten. Da jedoch Abschreibungen ausgeklammert sind, gibt die Kennzahl keine Auskunft über den zukünftigen Gesamterfolg Ihrer Firma. Unternehmerische Ausgaben beinhalten auch permanent Abschreibungen, aus zwei wichtigen Gründen. Bereits erworbene Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen verlieren an Wert ebenso wie an Zuverlässigkeit. Neuanschaffungen müssen ebendiese ersetzen. Das wirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens ist ständigen Veränderungen unterworfen, auf die Sie als Unternehmer reagieren müssen, um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen.

Hinweise zum EBITDA

Im Handelsrecht der BRD wird der Begriff EBITDA nicht angewandt, lediglich im Steuerrecht. Beim bisher beschriebenen EBITDA handelt es sich um eine vollständig reine Kennziffer. Zudem gibt es eine bereinigte (adjusted) Variante. Bei dieser rechnet man Erträge und Kosten mit außerordentlicher Bedeutung aus dem Ergebnis eines Unternehmens heraus. Aufwendungen, die in direktem Zusammenhang mit der Firmenaktivität stehen, bleiben jedoch in der Berechnung. Dazu zählen beispielsweise Abschreibungen für unternehmerisch genutzte Anlagen und Maschinen. Welche außergewöhnlichen Positionen zu diesen Erträgen und Kosten zählen, ist allerdings nicht exakt definiert. Im direkten Vergleich von Unternehmen fehlt es dem bereinigten EBITDA daher an Aussagekraft.

In Bezug auf den Gesamterfolg eines Unternehmens wurde das EBITDA in den vergangenen Jahren eher kritisch betrachtet, weil es eben nur begrenzt aussagefähig ist. Die Kritik ist begründet und das ist einzelnen großen Konzernen geschuldet. Diese versuchten, mit EBITDA-Kennziffern ihre finanzielle Lage zu verschleiern, weil Verluste davon nicht erfasst werden. Unter dem EBITDA-Deckmantel wird aber auch versucht, Firmenergebnisse optimaler darzustellen als sie sind. Ungeachtet dieser Einzelfälle ist die Kennziffer bei objektiver Erarbeitung recht aufschlussreich.

Wie Sie das EBITDA Ihres Unternehmens berechnen

Für die Berechnung benötigen Sie den Jahresüberschuss, der in Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder Gewinn-/Verlustrechnung zu finden ist. Eine Addition der Aufwendungen findet seitens Steuern und Zinsen statt. Subtrahieren müssen Sie Erträge bezüglich Steuern und Zinsen. Abschreibungen werden einerseits addiert, Zuschreibungen andererseits abgezogen. Im Ergebnis erhalten Sie das reine EBITDA. Zur Berechnung vom bereinigten EBITDA addieren Sie außergewöhnliche Aufwendungen und ziehen außerordentliche Erträge ab.

Wenn Sie wissen möchten, wie wirtschaftlich Ihr Unternehmen in der Praxis arbeitet, berechnen Sie im Idealfall die EBITDA-Marge gemäß nachfolgender Erklärung. Diese Marge vermittelt Ihnen ein sehr realistisches Bild von den betrieblichen Geschäftsabläufen. Sie ist wesentlich aussagefähiger als die klassische Methode, bei der man das Verhältnis zwischen Überschuss und Umsatz ermittelt. Mithilfe dieser kleinen Rechnung stellen Sie die Relation von der Kennziffer zum gesamten Umsatz dar, indem Sie die Kennzahl durch den Umsatz teilen und mit 100 multiplizieren, erhalten Sie die EBITDA-Marge.

Bei der Berechnung wird der komplette Umsatz eines Jahres verwendet, je höher die Kennziffer im Verhältnis zum Umsatz liegt, desto größer ist die EBITDA-Marge. Eine hohe Marge bedeutet auch, dass vergleichsweise geringe Kosten zu berücksichtigen sind. Sie erkennen an der Marge Ihrer Firma, ob Sie betriebliche Kosten wirksam senken können. Dazu ein praktisches Beispiel:

  • Sie erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro.
  • Das EBITDA beträgt nach Abzug aller direkt damit verbundener Kosten 225.000 Euro.
  • Die Kennziffer durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert, ergibt eine EBITDA-Marge von 15 Prozent.

Anleitung zur Berechnung der reinen Kennziffer

Zur vereinfachten Darstellung geht man davon aus, dass im Unternehmen des nachfolgenden Beispiels keine Erträge seitens Zinsen und Steuern anfallen. Der Jahresüberschuss beträgt eine Million Euro. Zu dieser Million Euro müssen die Positionen 250.000 Euro für Steueraufwand und 200.000 Euro für aufgewendete Kreditzinsen sowie 800.000 Euro für Abschreibungen addiert werden. Die reine Kennziffer lautet somit 2.250.000 Euro. Hat das Unternehmen außerordentliche Erträge von 100.000 Euro zu verzeichnen, werden diese vom EBITDA subtrahiert, um die bereinigte Kennzahl 2.150.000 Euro zu erhalten. Den Erfolg Ihres Unternehmens bewerten Sie idealerweise mit der Kennziffer EBITDA, welche sich auch für den Vergleich mit Mitbewerbern eignet.

Abschreibungsverfahren

Abschreibungsverfahren

Die Abschreibung bezeichnet die Abbildung der Wertminderung von Vermögensgegenständen eines Unternehmens. Um diese zu erfassen und zu verrechnen, kann sich das Rechnungswesen verschiedener Abschreibungsverfahren bedienen.

Die Abschreibung oder auch AfA (Absetzung für Abnutzung) senkt den Unternehmensgewinn und somit die Bemessungsgrundlage für die zu bezahlende Ertragssteuer. In der Bilanz mindert die Abschreibung den Buchwert eines Vermögensgegenstandes, in der Gewinn- und Verlustrechnung wird durch sie der Gewinn geschmälert. Dadurch steigt die Liquidität des Unternehmens.

Welche Güter können Sie abschreiben?

Grundsätzlich kann man alle abnutzbaren Vermögensgegenstände abschreiben, zB Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel, Werkzeug, etc. Aber auch immaterielle Betriebsmittel sind abschreibbar, zB Patente, Konzessionen, Lizenzen oder die Kosten für einen Datenraum.

Wirtschaftsgüter

Auch Wirtschaftsgüter mit geringem Wert kann man abschreiben, hier gibt es allerdings Sonderregelungen. Als geringwertig gelten Wirtschaftsgüter bis zu einem Wert von 800 bzw 1000 Euro (bei Sammelabschreibung), wenn sie beweglich, abnutzbar und unabhängig nutzbar sind.

Bei einem Wert zwischen 250 und 800 Euro können Sie den Gegenstand in voller Höhe als Betriebsausgabe buchen.
Zwischen 250 und 1000 Euro ist es auch möglich, einen Sammelposten zu buchen und diesen einheitlich und linear über 5 Jahre abzuschreiben.

Forderungen

Auch Forderungen kann man abschreiben, wenn zB ein Kunde in Insolvenz geht. Die Forderung wird hierzu auf ein Konto namens „zweifelhafte Forderungen“ umgebucht, welches nicht in der Bilanz aufscheint. Sobald klar ist, dass die Forderung wirklich nicht eingebracht werden kann, muss man sie mit der entsprechenden Abschreibungsmethode abschreiben:

  • Einzelwertberichtigung (nur diese eine Forderung wird abgeschrieben)
  • Pauschalwertberichtigung (pauschaler Prozentsatz auf alle Forderungen)
  • eine Mischung aus Einzelwertberichtigung und Pauschalwertberichtigung.

Warum Abschreibung?

Abschreibungsursachen gibt es viele:

  • Technische Ursachen (normaler Verschleiß oder ein Kaputtgehen aufgrund von Katastrophen wie Feuer, Hochwasser, …)
  • Wirtschaftliche Ursachen (durch Nachfrageverschiebungen, Fehlinvestitionen oder Ineffizienz)
  • Rechtliche Ursachen (Ablauf von Verträgen, Patenten, etc.)

Abschreibungsarten

GrößenklassenEs gibt planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen. Die planmäßige Abschreibung beinhaltet, dass alle Wirtschaftsgüter, die über mehrere Jahre genutzt werden, über alle diese Jahre abgeschrieben werden dürfen, so dass man den Wert des Wirtschaftsgutes auf alle Jahre der Nutzung verteilt.

Die außerplanmäßige Abschreibung kann notwendig werden, wenn der Wert des Gegenstandes plötzlich und auf lange Sicht geringer wird, zB bei Beschädigung einer Maschine durch ein unvorhergesehenes Geschehnis wie ein Erdbeben.

Man unterscheidet kalkulatorische Abschreibungen und handelsrechtliche Abschreibungen. Kalkulatorische Abschreibungen existieren nur am Papier und erscheinen in der Buchführung nicht! Man verwendet sie unternehmensintern für diverse Berechnungen. Handelsrechtliche Abschreibungen sind diejenigen, die gesetzlich vorgeschrieben sind und im Steuerausgleich erscheinen müssen.

Wofür ist die Abschreibung gut?

Wie bereits erwähnt, schmälert die Abschreibung den Gewinn, das bedeutet, dass weniger Ertragssteuer zu bezahlen ist. Das soll sicherstellen, dass dem Unternehmen Geld für neue Investitionen übrig bleibt. Hier ist es wichtig, die Buchhaltung genau zu führen – die Abschreibung muss im Steuerausgleich am Ende des Jahres aufscheinen. Tut sie das nicht, kann sie nicht im nächsten Jahr nachgeholt werden!

Wie hoch ist die Abschreibung?

Die Abschreibung berechnet sich aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des betreffenden Vermögensgegenstandes. Hierzu zählen jedoch nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch Transportkosten, Zölle, Grunderwerbsteuer, Montagekosten, etc., also alle Kosten, die anfallen, um das Wirtschaftsgut für das Unternehmen nutzbar zu machen.

Welches Gesetz gilt für die Abschreibung?

Grundsätzlich gelten hier zwei verschiedene Gesetze: Das Handelsgesetz und das Einkommenssteuergesetz. Beide sind gleichermaßen wichtig und müssen befolgt werden. Die Regeln, die rund um das Thema Abschreibung und Abschreibungsverfahren zu befolgen sind, sind zahlreich.

Wer diese Regeln und Gesetze jedoch genau kennt, kann seinen Gewinn dadurch gut steuern und sich so Vorteile verschaffen. Ein guter Steuerberater ist bei solchen ‚Manipulationen‘ immer die beste Ansprechperson.

Welches Abschreibungsverfahren?

Die lineare Abschreibung:

Sie sieht vor, dass über die gesamte Nutzungsdauer des Gegenstandes jährlich ein gleichbleibender Betrag abgeschrieben werden muss. Diesen Betrag errechnet man, indem man die Anschaffungskosten durch die Nutzungsdauer dividiert.

InvestitionDie geometrisch-degressive Abschreibung:

Hier ist ein gleichbleibender AfA-Satz vorgegeben, die Berechnungsgrundlage ist der jeweilige Restbuchwert. Da der Restbuchwert des Gegenstandes jährlich sinkt, verringern sich auch die Abschreibungsbeträge jährlich.

Die arithmetisch-degressive Abschreibung:

Bei dieser Abschreibungsmethode schreibt man jedes Jahr einen gleichbleibenden Betrag, den Degressionsbetrag, ab. Dieser Degressionsbetrag errechnet sich aus dem Anschaffungsbetrag und der Summe der geplanten Nutzungsjahre. Am Ende der Nutzungsdauer ist der Gegenstand somit vollständig abgeschrieben.

Die digitale Abschreibung:

Sie ist die häufigste Anwendungsform der arithmetisch-degressiven Abschreibung. Bei der digitalen Abschreibung ist der jährliche Abschreibungsbetrag genauso hoch wie die Wertminderung im vergangenen Jahr.

Die gebrochene Abschreibung:

Hier unterscheidet man bei der Errechnung der Abschreibungsbeträge zwischen Zeitverschleiß und Gebrauchsverschleiß. Dies ist in der Praxis relativ kompliziert, da zwischen den beiden Komponenten eine sehr enge Beziehung besteht und sie oft schwer voneinander zu trennen sind.

Die progressive Abschreibung:

Bei der progressiven Abschreibung erhöht sich der Abschreibungssatz mit jedem Jahr (im Gegensatz zur degressiven Abschreibung). Auch hier ist der Gegenstand am Ende der Nutzungsdauer zur Gänze abgeschrieben.

Die leistungsabhängige Abschreibung:

Diese ist dann anwendbar, wenn die Wirtschaftsleistung des Gegenstandes messbar ist bzw. errechnet werden kann, zB. bei Firmenfahrzeugen. Der Abschreibungssatz ist bei der leistungsabhängigen Abschreibung davon abhängig, wie hoch der Beitrag des Gegenstandes im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung des Unternehmens ist.

Welches Abschreibungsverfahren zur Anwendung kommt, entscheidet jedoch nicht der Unternehmer selbst, sondern das Steuergesetz. Momentan ist nur die lineare Abschreibung gestattet.

Die AfA-Tabelle

AbschreibungsverfahrenIn der AfA-Tabelle findet man die gängigsten Wirtschaftsgüter, ihre normale Nutzungsdauer und den Abschreibungssatz. Nachdem die Werte für die normale Nutzungsdauer auf Erfahrungen basieren, ist die Tabelle wichtig für alle Unternehmen.

Die Verwendung der darin enthaltenen Werte ist gesetzlich nicht bindend, jedoch ist die Tabelle von Wirtschaft, Rechtsprechung und Verwaltung anerkannt und für die tägliche Praxis von großer Bedeutung.

Zuschreibung

Das Gegenteil von Abschreibung ist Zuschreibung. Auch diese ist in einem gewissen Rahmen möglich, sie darf jedoch niemals mehr ausmachen, als den Folgebuchwert der gewöhnlichen Abschreibung. Sie kommt also eigentlich nur nach einer Sonderabschreibung in Frage.

Ein Beispiel wäre, wenn ein Unternehmen eine ganz besondere Maschine kauft, die nur ein Produkt für einen bestimmten Kunden herstellt. Kein anderer Kunde fragt dieses Produkt nach und der Kunde, der es nachfragt, geht in Konkurs. Die Maschine würde also abgeschrieben werden. Falls ein neuer Kunde jetzt genau dieses Produkt nachfragen würde, könnte die Maschine hier zugeschrieben werden, da der Grund für die Wertminderung ja nicht mehr existiert.

Umsatzrendite

Gesamtkapitalrentabilität – Berechnung, Aussagekraft und Bedeutung

Die Gesamtkapitalrentabilität stellt eine wichtige Erfolgskennzahl dar. Sie kommt bei der Analyse von Bilanzen zur Anwendung und liefert Informationen über die Rentabilität eines Unternehmens. Grundsätzlich gilt, dass ein Betrieb umso effizienter arbeitet, je höher diese Kennziffer ausfällt. Für Investoren ist eine Aktie attraktiv, die eine im Vergleich hohe Gesamtkapitalrendite aufweist.

Diese Kennziffer ist international unter der Bezeichnung „return on assets“ weit verbreitet. Im deutschen Sprachraum verwenden Bilanzanalysten auch „Kapitalrendite“ als Synonym. Verglichen mit der Eigen- sowie Fremdkapitalrendite ist die Gesamtkapitalrendite die umfassendere Kennziffer. Eine tragfähige Analyse betrachtet jedoch stets mehrere Kennzahlen, um belastbare Ergebnisse zu erzielen.

Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität lässt sich berechnen

Die Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität

Um diese Kennziffer zu berechnen, ist die Summe aus dem Gewinn und den auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen durch die Bilanzsumme zu teilen. Der sich ergebende Quotient drückt in Prozent aus, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Auf ähnliche Weise ermitteln Analysten die Eigenkapital- und Fremdkapitalrentabilität.

Die einzelnen Faktoren der Gesamtkapitalrendite

Im Zähler der Gesamtkapitalrentabilität steht stets eine Gewinngröße. Dabei handelt es sich in der Regel um das Jahresergebnis, wie es sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt. Fällt dieses Ergebnis positiv aus, erfolgt die Ausweisung als Jahresüberschuss. Bei einem Verlust zeigen Unternehmen in ihrer Erfolgsrechnung einen Jahresfehlbetrag.

Den Nenner der Gesamtkapitalrendite bilden das Eigen- und Fremdkapital, die zusammen die Bilanzsumme ergeben. Das Eigenkapital besteht bei Kapitalgesellschaften aus dem Stammkapital (GmbH) beziehungsweise dem Grundkapital (Aktiengesellschaft). Außerdem gehören die Kapital- und Gewinnrücklagen, der Gewinn- oder dem Verlustvortrag und das Jahresergebnis zum Eigenkapital.

Die Passivseite der Bilanz zeigt unter dem Oberbegriff Fremdkapital Rückstellungen sowie kurz- und langfristige Verbindlichkeiten. Diese gliedern sich gemäß dem Bilanzgliederungsschema in Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Verwandte Kennzahlen

Da die Bilanzsumme im Nenner steht, bezieht die Gesamtkapitalrentabilität sämtliche Kapitalbestandteile mit in die Berechnung ein. Dagegen ermittelt die Eigenkapitalrendite lediglich die Verzinsung des geliehenen Kapitals. Dementsprechend ist dabei der Unternehmensgewinn durch die Summe der eigenen Mittel zu teilen.

Um die Gewinnsituation eines Betriebs einzuschätzen, bilden Fachleute darüber hinaus regelmäßig die Umsatzrendite. Dabei handelt es sich um den Quotienten aus dem Gewinn und Umsatz. Als Gewinngröße kommt das Jahresergebnis vor Steuern oder das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Frage.

Die Aussagekraft der Gesamtkapitalrentabilität

In der Bilanz spielt die GKR eine Rolle

Durch die Berechnungsmethode der Gesamtkapitalrendite kommt es zu einer Neutralisierung der absoluten Größen von Gewinn und Bilanzsumme. Aus diesem Grund schafft die sich ergebende Prozentzahl ein hohes Maß an Vergleichbarkeit. Aufgrund dieser Standardisierung zählt die Gesamtkapitalrendite ebenso wie die Eigenkapitalrentabilität und die Umsatzrendite zu den bei Unternehmensanalysen sehr häufig eingesetzten Kennzahlen.

Die Gesamtkapitalrentabilität lässt sich für unternehmensinterne Untersuchungen der Entwicklung des Ergebnisses über mehrere Jahre heranziehen. So ist erkennbar, ob es einem Unternehmen gelingt, seine Ertragskraft im Laufe der Zeit zu steigern oder nicht.

Darüber hinaus ist die Gesamtkapitalrendite ausgezeichnet geeignet, um Vergleiche von Unternehmen der gleichen Branche vorzunehmen. Dabei kommt es weder auf deren Größe noch Rechtsform an. Börsenexperten führen mithilfe der Kapitalkennziffern auch Renditevergleiche von Aktien aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen durch, um günstige Investitionsgelegenheiten zu identifizieren.

Vergleich der Gesamtkapitalrendite mit alternativen Geldanlagen

Analysten ziehen diese Kennziffer bei Aktien häufig heran, um sie der Verzinsung von Spareinlagen gegenüber zu stellen. Dabei ist zu erwarten, dass die Rendite der verbrieften Unternehmensanteile deutlich über der von verzinslichen Investments liegt. Denn mit Aktien ist ein wesentlich höheres Chancen- und Risikopotential verbunden als mit Geldeinlagen auf Sparkonten.

Wenn ein Unternehmen über mehrere Perioden eine im Branchenvergleich unterdurchschnittliche Gesamtkapitalrentabilität zeigt, stellt dies ein deutliches Warnsignal dar. Offensichtlich gelingt es der Geschäftsleitung dann nicht, das Unternehmen profitabel zu führen.

Die Bedeutung der Gesamtkapitalrentabilität für die Unternehmensplanung und die Kreditvergabe

Die GKR spielt bei der Vergabe von Krediten eine Rolle

Aufgrund ihrer großen Aussagekraft erfolgt die Verwendung der Gesamtkapitalrendite genau wie der Eigenkapitalrendite bei der Planung der künftigen Geschäftstätigkeit. Im Rahmen der Unternehmensplanung legen Verantwortliche einen bestimmten Wert der Gesamtkapitalrendite als Zielgröße fest. Bei deren Definition orientieren sie sich sowohl an den entsprechenden Prozentzahlen des Unternehmens in der Vergangenheit als auch an branchenüblichen Renditegrößen.

Außerdem spielt die Gesamtkapitalrendite eine wichtige Rolle für die Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Banken nehmen eine umfassende Bilanzanalyse vor, um sich von der Bonität des Kreditnehmers ein Bild zu machen. Von der Höhe der Gesamtkapitalrendite hängt sowohl ab, ob der Antragsteller ein Darlehen bekommt, als auch die Höhe der Kreditzinsen.

Weitere Vorteile der Gesamtkapitalrendite bei Vergleichen

Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital variiert von Branche zu Branche stark. Auch die Gesellschaftsform besitzt einen wesentlichen Einfluss auf die Kapitalstruktur. Die Gesamtkapitalrendite ermöglicht hier eine Gegenüberstellung, die diese Faktoren neutralisiert.

Darüber hinaus bewährt sich diese Kennziffer ebenfalls bei länderübergreifenden Vergleichen. So wiesen zum Beispiel zahlreiche deutsche Unternehmen in der Nachkriegszeit eine sehr schwache Ausstattung mit Eigenkapital auf. Analysen mit Hilfe der Gesamtkapitalrendite lieferten in dieser Situation Informationen über die Gewinnsituation im Verhältnis zu Unternehmen in anderen Ländern.

Der Einfluss des Leverage-Effekts

Bei der Ermittlung der Gesamtkapitalrendite kommt es zu einer Neutralisierung des Leverage-Effekts. Diese Hebelwirkung führt bei anderen Rentabilitätsvergleichen zu einer Verzerrung des Ergebnisses und damit zu einer Beeinträchtigung des Aussagewertes.

Im Bereich der Kapitalstruktur bezeichnet der Leverage-Effekt die Wirkung einer Erhöhung des Anteils der Fremdfinanzierung: Liegt die Höhe deren Verzinsung unter der Eigenkapitalrendite, wird das Unternehmen durch eine größere Finanzierung (scheinbar) profitabler.

Der Leverage-Effekt ist jedoch mit hohen Risiken verbunden. Bereits eine geringe Veränderung der Kreditzinsen, kann eine erhebliche Auswirkung auf die Unternehmensrendite haben. Ein hoher Verschuldungsgrad impliziert stets die Gefahr, bei einer Verschlechterung der Liquidität fällige Zins- und Tilgungsleistungen nicht erbringen zu können.

Wichtige Aspekte der Gesamtkapitalrentabilität

Der Leverage-Effekt birgt Risiken

Aussagestarke Bilanzanalysen basieren stets auf der Untersuchung mehrerer Kennziffern. Da die Gesamtkapitalrendite ebenso wie die Eigenkapitalrendite sowie die Umsatzrentabilität um Prozentzahlen handelt, ist eine Ergänzung durch absolute Zahlen erforderlich. Nur auf diese Weise lässt sich ein umfassender und zutreffender Eindruck von der Gesamtsituation des Unternehmens gewinnen.

Für diesen Zweck eignen sich die Umsatzzahlen der letzten Jahre, aus denen sich das Wachstumsrate ermitteln lässt. Das Gleiche trifft auf die Jahresüberschüsse zu. Die Anteilseigner des Unternehmens streben eine Zunahme beider Werte an, um sich nachhaltig steigende Gewinne durch expandieren Geschäftstätigkeit zu sichern.

Grundsätzlich bildet die Bilanz eines Unternehmens stets die Vergangenheit ab. Dementsprechend zeigt auch die Gesamtkapitalrendite lediglich, wie sich die Profitabilität eines Unternehmens in abgelaufenen Wirtschaftsjahren darstellt. Insbesondere in einem sich stark verändernden wirtschaftlichen Umfeld lassen sich daraus nicht ohne weiteres Aussagen über die künftige Gewinn- beziehungsweise Verlustsituation ableiten. Aus diesem Grund ergänzen Prognoserechnungen idealerweise die vergangenheitsbezogene Bilanzanalyse.

Die Eigenkapitalrentabilität – Bedeutung, Berechnung und Anwendung

Die Eigenkapitalrentabilität, häufig auch in der englischen Entsprechung return on equity genannt, dokumentiert die Verzinsung des Eigenkapitals. Die Angabe erfolgt in Prozent. Sie bezieht sich üblicherweise auf den Zeitraum von einem Geschäftsjahr, also der Periode zwischen zwei Abschlüssen. Für die genaue Berechnung werden der in der Zeit erzielte Überschuss und das zur Verfügung stehende Eigenkapital herangezogen.

Der Wert besitzt deshalb eine derart große Bedeutung, weil er zusammen mit anderen Kennzahlen wie dem Cashflow Prognosen über die zukünftige Unternehmensentwicklung erlaubt. Eine niedrige Eigenkapitalrentabilität kann auf überbewertete Aktiva oder zu viel gebundenes Kapital hindeuten. Eine zu hohe Prozentzahl wiederum weist oftmals darauf hin, dass aktuell eine Ausnahmesituation vorliegt. Diese kann beispielsweise durch einmalig aufgetretene und nicht wiederholbare Gewinne verursacht sein.

Damit ein Unternehmen sein Eigenkapital vergrößern kann, werden in aller Regel Investoren benötigt. Diese erwarten für das eingesetzte Geld eine Rendite, die sich an den Chancen und Risiken des jeweiligen Geschäftsbereichs orientiert. Somit entstehen Kosten, die sogenannten Eigenkapitalkosten. Derartige Finanzierungsgebühren sind vergleichbar mit den finanziellen Aufwendungen für einen Kredit. Die Rendite für die Geldgeber sollte dabei mindestens so hoch sein wie der durchschnittliche Zinssatz am Markt. Ansonsten ist kein Anreiz für eine Investition gesetzt.

Berechnung der Eigenkapitalrentabilität

Eigenkapitalrentabilität

Die Eigenkapitalrentabilität lässt sich berechnen

Grundsätzlich wird die Eigenkapitalrentabilität berechnet aus dem Quotienten des Gewinns und der Höhe des Eigenkapitals im selben Zeitraum. Der Gewinn findet sich im Normalfall in der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens. Dabei ist der Jahresüberschuss nach Steuern der entscheidende Wert.

Bei Einzelunternehmen muss vor der Berechnung noch der kalkulatorische Unternehmerlohn abgezogen werden. Hintergrund dessen ist die Tatsache, dass Einzelunternehmer vom Gewinn ihres Geschäftes leben. Ohne diese Maßnahme würde die Eigenkapitalrentabilität deutlich zu hoch ausfallen, wobei auch bei Personengesellschaften wie einer OHG oder KG analog vorgegangen werden sollte.

Das Eigenkapital lässt sich der Bilanz entnehmen. Nicht genau festgelegt ist hierbei, ob der das Geschäftsjahr abschließende Wert oder der Stand zu Beginn herangezogen werden soll. Ein hohes Maß an Aussagekraft birgt sicherlich eine dritte und deutlich aufwendigere Herangehensweise. Der Durchschnittswert des Eigenkapitals über das gesamte Geschäftsjahr dürfte die realistisches Angabe sein.

Beispiele für die Berechnung

Liegt das Eigenkapital zu Jahresbeginn bei 1.000.000 Euro und es wurde ein Gewinn von 80.000 Euro erzielt, ergibt sich nach der Formel Gewinn durch Eigenkapital eine Eigenkapitalrentabilität von 8 Prozent. Veranschlagt man dagegen das Eigenkapital zum Abschluss des Geschäftsjahres und berücksichtigt dabei, dass der Gewinn das Eigenkapital hat ansteigen lassen, kommen als Ergebnis lediglich 7,4 Prozent heraus.

Drei Wege führen zur EKR

Der dritte Weg, der ein über das Jahr durchschnittlich ansteigendes Eigenkapitals annimmt, das bei regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben bei 1.040.000 Euro liegen würde, führt zu der Lösung 7,7 Prozent. Der letzte Wert, der lediglich wegen der Rundungsfehler exakt in der Mitte liegt, erscheint als der realistischste von den dreien. Natürlich wurden in der kurzen Ausführung Steuern und weitere Faktoren zur besseren Veranschaulichung weggelassen.

Schwieriger wird die Situation, wenn von der oben erwähnten Million nur die Hälfte Eigenkapital war. Bei dem anderen Teil handele es sich um Fremdkapital, das zu 5 Prozent zu verzinsen ist. Damit sinkt der Gewinn aus dem Beispiel zwar auf 55.000 Euro im Jahr. Allerdings bezieht er sich ebenfalls auf ein deutlich niedrigeres Eigenkapital von 500.000 Euro. Die Eigenkapitalrentabilität steigt deshalb auf 11 Prozent, weil mit fremder Geld sozusagen zusätzliche Gewinne erwirtschaftet wurden. Je höher der Grad der Verschuldung in dem Beispiel ausfällt, umso höher steigt die EKR.

Dieser Hebeleffekt verdeutlicht, wie sich Investitionen in ein Unternehmen sowohl für den Geldgeber als auch den denjenigen, der die Gewinne erwirtschaftet, lohnen können. Es zeigt aber gleichzeitig, wie weit Renditen auseinander liegen können und wie schnell sich dieses Vorgehen ins Negative umkehren kann. Sobald Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben und die Kosten für das Kapital über der Gesamtrentabilität liegen, sinkt die Eigenkapitalrentabilität sprunghaft und kann sogar unter Null fallen.

Der Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt: kleine Änderung – großer Einfluss

Hat eine nur geringfügige Änderung einen großen Einfluss auf das abschließende Ergebnis, spricht man vom Leverage-Effekt oder einer Hebelwirkung. Bei der Eigenkapitalrentabilität kommt er zum Tragen, wenn fremdes Kapital und damit Verschuldung im Spiel ist. Solang die Kosten für Fremdkapital niedriger sind als die erwartbare Rendite, lohnt es sich, den Verschuldungsgrad zu steigern. Die eigenen Gewinne erhöhen sich trotz vergleichsweise niedrigem Einsatz eigenen Geldes spürbar.

Gleichzeitig steigt mit wachsender Verschuldung auch das Risiko für alle Beteiligten. Sinkt die Gewinnerwartung oder liegt der Zeitpunkt der Rückforderung des Fremdkapitals vor dem Auslaufen eines Investments, können sich schnell Probleme für das gesamte Geschäftsmodell ergeben. Die Hebelwirkung setzt ein und eine eigentlich hohe Eigenkapitalrentabilität führt zum Gegenteil des erwarteten Szenarios, obwohl nur geringfügige Änderungen der Gesamtsituation eingetreten sind.

Einen zusätzlichen Anreiz zur Verschuldung und damit zur Vergrößerung des Leverage-Effektes setzt das Steuersystem. Da die Kosten für Fremdkapital den Gewinn reduzieren, lohnt die Verschuldung noch mehr. Zinsen sind ein Aufwand, der vom zu versteuernden Gewinn abgezogen wird. Dieser scheinbare Vorteil niedrigerer Steuern birgt ein hohes Risikopotential.

Die Gesamtkapitalrentabilität

Der Blick auf die insgesamt erzielte Rendite durch einen Kapitaleinsatz wird als Gesamtkapitalrentabilität bezeichnet. Mit dieser lassen sich die Risiken und Nachteile umgehen, die mit der Eigenkapitalrentabilität verknüpft sind. Hierbei werden zu den Gewinnen sämtliche Kosten für Fremdkapital hinzugezogen und ebenso durch die Gesamtsumme des eingesetzten Kapitals geteilt. Das Ergebnis umgeht den Leverage-Effekt und gewährt einen allgemeineren Überblick über Gewinn und Verlust einer Unternehmung.

Weitere Probleme bei der Ermittlung der Eigenkapitalrentabilität

Jahresabschlüsse müssen vergleichbar sein

Einzelne Werte des Jahresabschlusses eines Unternehmens werden miteinander in Verbindung gesetzt. Deshalb müssen für eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen auch die Jahresabschlüsse vergleichbar sein. Arbeiten diese jedoch nach unterschiedlichen Prinzipien, weil die Rechnungslegung nicht den gleichen Standards folgt, können sich abweichende Gewinne oder Eigenkapitalwerte ergeben. Trotz theoretisch gleicher Wert würden die Werte für die Eigenkapitalrentabilität voneinander abweichen.

Ähnliches passiert bei der Verwendung einer anderen Nutzungsdauer für eine Anschaffung oder variierenden Abschreibungsmethoden. Besonders bei Abschreibungen existieren zahlreiche Modelle, die zwischen einfacher Berechenbarkeit und einer realitätsnahe Angabe schwanken. Weil sie Einfluss auf den Unternehmensgewinn haben, ist für eine echte Vergleichbarkeit ein intensiver Blick in die Bilanzen notwendig.

Anwendung in der Praxis

Als Kennzahl hilft die Eigenkapitalrentabilität, das eigene Wirtschaften einzuschätzen oder unterschiedliche Wettbewerber miteinander vergleichen zu können. Verschiedene Branchen weisen dabei teils deutlich voneinander abweichende Werte auf. Ist ein hoher Personalaufwand nötig und der Anteil des Eigenkapital groß, dann wird die Eigenkapitalrentabilität entsprechend gering ausfallen. Kaum anfallende Fixkosten, viel Fremdkapital und eine hohe Gewinnmargen steigern die EKR, sind aber in den meisten Fällen ein Hinweis auf größere Risiken.

Ansonsten ist eine hohe Eigenkapitalrentabilität zumeist nur bei marktbeherrschenden Unternehmen oder Monopolisten anzutreffen, die aufgrund ihrer Stellung Gewinnmargen ohne Wettbewerbsdruck festlegen können. Eine geringe EKR muss im Allgemeinen nicht als schlechtes Zeichen bewertet werden. Abhängig von der Branche kann es sich durchaus um einen Normalzustand handeln. Ein langfristiger Blick auf die Zuverlässigkeit und Stabilität der Eigenkapitalrentabilität verrät hierbei viel über die weitere Entwicklung des Unternehmens und die zukünftige Entwicklung von erwartbaren Renditen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Abschluss

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung und ihre Bedeutung im Unternehmen

Generell lassen sich aus der BWA alle wichtigen Informationen entnehmen, die für ein Unternehmen im Hinblick auf die Kosten- und Erlössituation wichtig sind. Damit spiegelt die Betriebswirtschaftliche Auswertung grundsätzlich die gesamte finanzielle Lage auf einen Blick wider.

In der Regel bezieht sich die Betriebswirtschaftliche Auswertung auf die laufenden Daten, die aus der Finanzbuchhaltung übermittelt werden. Innerhalb eines laufenden Wirtschaftsjahres kann so ein Unternehmer genauen Aufschluss über die eigene Kosten- und Erlössituation gewinnen und damit die Ertragslage aktuell einschätzen.

Die BWA arbeitet anders als die Bilanz. Während die Bilanz die Auswertungen zeitverzögert nach einigen Monaten liefert, bietet die Betriebswirtschaftliche Auswertung aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.

Wie entstand die BWA?

Erstmals wurde die Betriebswirtschaftliche Auswertung in den 1960er Jahren durch DATEV Deutschland als DATEV-Standard-BWA veröffentlicht. Sie sollte als Entscheidungsgrundlage für kleine und mittelständische Unternehmen dienen. Kreditinstitute nutzten diese Betriebswirtschaftliche Auswertung als Basisinformation, um die Beurteilungen von Krediten innerhalb der Kreditwürdigkeit umzusetzen. Inzwischen ist DATEV zu einem der führenden Anbieter geworden und hat die erstmalige Standard-BWA vielfältiger geschaffen. Dazu werden auch branchenbezogene Betriebswirtschaftliche Auswertungen angeboten.

Die Bedeutung der BWA ist unbestritten

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Betriebswirtschaftliche Auswertung?

Die Bedeutung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung in der Unternehmung ist aus einzel- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr groß. In den steuerberatenden Branchen werden monatlich mehr als 2,5 Millionen Auswertungen dieser Art gedruckt. Die Aussagekraft für Unternehmungen, die Finanzverwaltung und auch für Banken ist sehr groß. Die Anforderungen an die Aussage- und Auswertungskraft der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dazu ist es wichtig, dass Betriebswirtschaftliche Auswertungen

  • eine rechtformenneutrale Gestaltung haben
  • sie mit dem Branchenvergleich, dem sogenannten DATEV-Betriebsvergleich, kompatibel sind
  • grundsätzlich größenordnungsneutrale Abbildungen liefern
  • mit den statistischen Daten und dem Rechnungswesen innerhalb des Betriebs integrierte Darstellungen gestatten
  • grundsätzlich standardisierbar sind

Weiterhin sind zusätzlich Zeitpläne und Zeitreihen sowie auch Vorjahresvergleiches und auch grafische Darstellungen wichtige Qualitätskriterien einer BWA.

In der Struktur bildet die Betriebswirtschaftliche Auswertung keine reine Kontenabfrage, sondern eine deutliche betriebswirtschaftliche Aussage.

Die Daten für die Betriebswirtschaftliche Auswertung werden der Finanzbuchhaltung im Betrieb entnommen

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bildet ein sehr wichtiges Instrument im Finanzhaushalt des Betriebes und basiert dabei auf Daten, die aus der laufenden Finanzbuchhaltung im Betrieb stammen. Das heißt, dass sie ein Instrument ist, das Verantwortlichen im Betrieb aktuelle Einblicke und Überblicke liefert, was die Kostensituation und die Erlössituation in einer Unternehmung angeht. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung kann die genaue Ertragslage des laufenden Geschäftsjahres abbilden. Sie wird anders als die Bilanz nicht zeitverzögert erstellt, sondern spiegelt die aktuelle Lage im Betrieb wider.

Was muss eine aussagefähige Betriebswirtschaftliche Auswertung leisten?

Sehr wichtig innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ist, dass die Aufwendungen und Erlöse mit ihrer maßgeblichen Auswirkung innerhalb der Finanzbuchhaltung sowohl unterjährig als auch zeitnah eine Berücksichtigung finden. In Anlehnung an die Branche und das entsprechende Geschäftsmodell können hier verschiedene Positionen gegeben sein. Im Handwerksbetrieb und im produzierenden Gewerbe sind die Bestände an fertigen und unfertigen Arbeiten sehr wichtig. Auch bei Handelsunternehmen gehören in die monatliche Buchhaltung zudem die Warenbestandsveränderungen hinein.

Abschreibungen sind monatlich abzugrenzen. Dazu sollte mit größeren Aufwandspositionen wie beispielsweise Ertragssteuern ebenso verfahren werden. Erhaltene Boni von Lieferanten sowie Jahresbonifikationen an Kunden wirken sich in Handelsunternehmen oftmals nicht unerheblich in der Größenordnung und der Unternehmensauswirkung aus.

Darlehen müssen jeweils unterjährig und nicht erst im späteren Jahresabschluss korrekt gebucht werden. Hier geht es beispielsweise um Annuitäten, die aufzuteilen sind in den Zins- und Tilgungsanteil. Dazu müssen auch Anzahlungen und Einbehalte sowie Rechnungsabgrenzungsposten monatlich, und nicht erst zum Geschäftsjahresende Berücksichtigung finden.

Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die einfache BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Die BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Was liefert die Standard Betriebs-wirtschaftliche Auswertung nicht?

Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert nachfolgende für die betriebswirtschaftliche Unternehmenssteuerung wichtige Informationen nicht:

  • den Liquiditätsstand und dessen Entwicklung (also Darlehen und Kontokorrente sowie die Eigenkapitalentwicklung)
  • die Prognosedaten zum Gewinn und zur Zahlungsfähigkeit
  • die Bereichsergebnisse (also Profitcenter sowie unrentable und rentable Geschäftsfelder und Renner/Penner des Handels)

Sind diese Informationen gewünscht, muss man mehr als ausschließlich die Zahlen aus der Finanzbuchhaltung prüfen. Hier sich Vorschau- und Profitcenterberichte und auch Kennzahlen, die das Finanzcontrollings mit seinen Methoden ermittelt, deutlich aussagekräftiger.

Der Profit aus der Betriebswirtschaftliche Auswertung

Viele Unternehmer bekommen monatlich eine Betriebswirtschaftliche Auswertung durch ihre Buchführung oder den Steuerberater. Allerdings legen sie die BWA dann oft ungelesen ab. Das sollte nicht geschehen, denn die Betriebswirtschaftliche Auswertung bietet eine sehr hochwertige Informationsquelle. Sie liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Lage des Betriebes und dessen Leistungsfähigkeit. Mittels der BWA lässt sich ablesen, ob eine Unternehmung eine günstige finanzielle Entwicklung hat oder ob Probleme zu erwarten sind.

Innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung werden die Auswertungen und die aktuellen Zahlen aus der Buchführung zusammengefasst, die durch den Steuerberater verarbeitet wurden. Die Form der Aufarbeitung der BWA ist frei wählbar. Üblicherweise ist es die kurzfristige Erfolgsabrechnung, die eine geläufige Form der Betriebswirtschaftlichen Auswertung nutzt.

Weitere Varianten sind die Bewegungsbilanz, die Veränderungen innerhalb des Kapitals und der Vermögen aufzeigt und auch die statische Liquidität, die wichtige Informationen zur Zahlungsfähigkeit liefert. Dazu sind auch noch weitere, sehr spezifizierte Formen der Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorhanden. Wer die BWA richtig lesen und interpretieren kann, hat ein sehr gutes Instrument an der Hand, um in der Unternehmung Schwachstellen zu erkennen und die gesamte Leistungsfähigkeit zu bewerten. Dazu können kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Weshalb die einfache BWA nicht immer richtige Ergebnisse liefert

Um ein Unternehmen mit der BWA zu steuern oder um eine unterjährige Ermittlung von Ergebnissen zu erlangen, müssen man üblicherweise Korrekturen durchgeführt. Die normale und einfache Betriebswirtschaftliche Auswertung weist nur die Daten aus, die innerhalb der Buchführung erfasst sind, ohne hierbei die betrieblichen Belange einzubeziehen. Soll die Betriebswirtschaftliche Auswertung dagegen als betriebliches Steuerungsinstrument zum Einsatz gelangen, muss sie auch unterjährig wenigstens die richtigen Resultate ausweisen. Damit muss aus einer einfachen dann eine qualifizierte BWA entstehen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Kredit BWA

Die einfache BWA liefert nicht immer richtige Resultate

Nachfolgend einige Beispiele, die unrichtige unterjährige Ergebnisse zur Folge haben können

Bucht ein Unternehmen den Materialeinkauf beispielsweise als Verbrauch, ist das nicht ganz korrekt. Nur der tatsächliche Verbrauch darf innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ausgewiesen werden. Nutzt ein Unternehmen kein Warenwirtschaftssystem, kann dies durch Schätzung erfolgen oder durch die Aufarbeitung von Durchschnittswerte.

Abschreibungen dagegen müssen jeweils auf Monate verteilt, nicht aber vollständig auf das Jahresende gebucht werden, weil sie eben wirtschaftlich immer anteilig in einem Monat anfallen.

Auch Personalkosten müssen deshalb wie Abschreibungen behandelt und auf die jeweiligen Monate aufgeteilt werden, was auch für das Weihnachtsgeld, das Urlaubsgeld wie auch Boni an Mitarbeiter gilt. Dieses gilt auch für eventuelle Einmalzahlungen wie Gebühren und Beiträge oder Versicherungen.

Die Buchung von Umsätzen muss korrekt erfolgen. Dabei gilt, dass An- wie auch Teilzahlungen üblicherweise keine Umsätze darstellen, da der Kunde die Lieferung noch nicht erhalten hat. Sie müssen dann teilweise innerhalb der Verbindlichkeiten einer Bilanz ausgewiesen werden.

Möglicherweise werden Bestandsveränderungen nicht oder aber mit falschen Werten erfasst.

Korrekt sind Herstellungskosten und nicht voraussichtlich erzielte Verkaufspreise.

Die Struktur einer Bilanz

Was ist eine Bilanz?

Bilanzen sind ein elementarer Bestandteil der Buchführung und müssen zur Dokumentation, Information und Gewinn- und Verlustrechnung von jedem Unternehmen erstellt werden. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Bilanz, wie Eröffungsbilanz, Steuerbilanz und Handelsbilanz, die jedoch alle einem sehr ähnlichen Aufbau folgen.

Was versteht man unter dem Begriff „Bilanz“?

In der Bilanz werden Vermögen und Kapital eines Unternehmens am sogenannten Bilanzstichtag (meistens der 31.12. eines jeden Jahres) gegenübergestellt. Während im Inventar Vermögensgegenstände mit Wertangabe und Menge aufgelistet werden, wird in der Bilanz nur der Wert des jeweiligen Vermögensgegenstands angegeben.

Die Bilanz setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Den Aktiva (Vermögensgegenstände) auf der linken Seite, die zeigen, wie die finanziellen Mittel des Unternehmens eingesetzt werden, und den Passiva (grob gesagt das Kapital), die die Ansprüche der Gläubiger an das Unternehmen (Fremdkapital) sowie die der Unternehmer auflisten. Letztere werden als „Eigenkapital“ bezeichnet und ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Vermögen und dem Fremdkapital.

Eine wichtige Regel ist die sogenannte Bilanzgleichung. Sie sagt aus, dass die Bilanz immer ausgeglichen sein muss. Das bedeutet, dass die Summe der Aktiva immer der Summe der Passiva entspricht. Dies ist der Fall, da die Aktivseite die Mittelverwendung angibt, während die Passivseite die Mittelherkunft, also die Schulden des Unternehmens wie Hypotheken und Kredite verzeichnet, die zur Finanzierung der Vermögenswerte verwendet werden.

Woraus setzt sich die Bilanz zusammen?

Die (linke) Aktivseite wird grob in die beiden Bestandteile Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt. Ersteres sind jene Teile des Unternehmens, die dem Betriebszweck dienen und nicht veräußert werden sollen. Letzteres sind Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsvertrieb dienen und zum Verbrauch, zur Verarbeitung, zur Rückzahlung oder zur kurzfristigen Veräußerung gedacht sind. Hierzu zählen etwa Rohstoffe oder Material, das verarbeitet wird.

Die Passivseite besteht aus den beiden Posten Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Das Eigenkapital oder Reinvermögen ist eine rechnerische Größe, die sich ergibt, wenn die Summe der Schulden vom Vermögen abgezogen wird. Verbindlichkeiten gehören zu den Schulden und bezeichnen die finanzielle Verpflichtungen, die ein Unternehmen gegenüber seinen Gläubigern, also beispielsweise Lieferanten oder Kreditgebern, offen hat.

Aktiv- und Passivseite der Bilanz im Detail

Die drei Bestandteile Anlagevermögen, Umlaufvermögen, und Verbindlichkeiten, können in die  Kategorien von Vermögen und finanziellen Verpflichtungen aufgeteilt werden.

Die linke Aktiv-Seite der Bilanz wird in Deutschland meistens nach dem folgenden Schema gegliedert:

Die Struktur einer Bilanz

Die Struktur einer Bilanz

I. Aktiva

  1. Anlagevermögen:
  2. a) immaterielle Vermögensgegenstände wie beispielsweise Patente, Lizenzen und geistiges Eigentum an einem Namen oder einer Marke
  3. b) Grundstücke und Gebäude
  4. c) technische Anlagen und Maschinen
  5. d) Fuhrpark
  6. e) Ladeneinrichtung
  7. f) Betriebs- und Geschäftsausstattung
  8. g) Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Beteiligungen an anderen Unternehmen
  1. Umlaufvermögen:
  1. a) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die zur Produktion benötigt werden
  2. b) unfertige Erzeugnisse
  3. c) fertige Erzeugnisse
  4. d) Handelswaren
  5. e) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, d.h. finanzielle Verbindlichkeiten für gelieferte Waren und Dienstleistungen, die ein anderes Unternehmen als Schuldner gegenüber dem eigenen Unternehmen hat
  6. f) sonstige Forderungen
  7. g) Bankguthaben
  8. h) Kasse (Bestand an Bargeld)
  1. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten:

Rechnungsabgrenzungsposten (RAPs) werden benötigt, um gemäß der Grundsätze korrekter Buchhaltung Gewinn und Verlust richtig zu verbuchen.

Der Bilanzstichtag, ein bestimmter Zeitpunkt, für den die Bilanz erstellt wird (wie beispielsweise der 31. Dezember bei einer Jahresbilanz), trennt dabei Bezahlung und Lieferung einer Leistung.

Ein Beispiel dafür ist die Miete, die quartalsweise im Voraus gezahlt wird. Die Bezahlung erfolgt also vor der Lieferung der Leistung, was den RAP zu einem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten macht.

Wenn mindestens einer der Monate, für die Miete bezahlt wurde, auf einen Zeitpunkt nach dem Bilanzstichtag fällt, muss ein Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden: Der Betrag, der für die Miete in der Folgeperiode fällig wird, wird so vom Mietkostenbetrag der Zeit vor dem Bilanzstichtag abgegrenzt. Somit fällt der Mietaufwand in die beiden Perioden, in denen auch die Leistung erfolgt, und der Aufwand wird korrekt in zwei verschiedenen Perioden bilanziert. Rechnungsabgrenzungsposten werden in der Folgeperiode (also meist im kommenden Bilanzjahr) aufgelöst, indem der Betrag auf ein anderes Konto verbucht wird.

Die (rechte) Passivseite einer Bilanz gliedert sich wie folgt:

II. Passiva

  1. Eigenkapital

Bedingt durch die Natur seiner Bildung durch die Subtraktion der Schulden vom Vermögen kann das Eigenkapital sowohl positiv als auch negativ sein. Im ersten Fall spricht man von einem Gewinn, im zweiten von einem Verlust. Das Eigenkapital ist zudem der Betrag, der die Bilanz ausgleicht.

  1. Verbindlichkeiten
  2. a) Hypotheken, also Darlehen, für das Unternehmen als Hypothekennehmer als Pfand Rechte an seiner Immobilie abtritt
  3. b) Darlehen/Kredite
  4. c) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, das heißt Forderungen, die beispielsweise ein anderes Unternehmen für eine erbrachte Leistung oder eine gelieferte Maschine an das eigene Unternehmen stellt
  5. d) sonstige Verbindlichkeiten
  1. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Das Gegenstück zur aktiven Rechnungsabgrenzung auf der linken Aktivseite ist der passive Rechnungsabgrenzungsposten auf der rechten Passiv-Seite, bei dem die Lieferung vor der Bezahlung erfolgt ist. Auch hier müssen immer dann, wenn die Zeitraum der Inanspruchnahme der Leistung nicht deckungsgleich mit dem Bilanzzeitraum ist, eine passende Abgrenzung in der Bilanz vorgenommen werden.

Königsdisziplin: Die Bilanzanalyse

Wirklich interessant werden Bilanzen wenn Sie Bilanzen aus mehreren, hintereinander liegenden  Jahren vergleichen können. Dies ist typischerweise bei der Beurteilung eines Unternehmens beim Unternehmens-Verkauf im Rahmen einer Due Diligence der Fall.

In solchen Fällen werden Sie in einem digitalen Datenraum die gleich strukturierten Bilanzen mehrerer Jahre sprichwörtlich nebeneinander legen wollen. Dabei sollten Sie auf folgende Bestandteile der Bilanz achten:

  • Wie verändert sich der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn? Sinkt oder steigt er – oder ist sogar ein Verlust ausgewiesen?
  • Wie hat sich das Eigenkapital der Firma verändert? Nimmt es zu oder muss ein Unternehmen mit dem Gewinn aus den Vorjahren einen Verlust im laufenden Jahr kompensieren?
  • Wie verändert sich das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital und die daraus resultierende Verschuldungs-Quote des Unternehmens
  • Wie hoch sind die Bestände an fertigen Waren sowie die Roh- und Hilfsstoffe im Jahresvergleich? Hat das Unternehmen bereits produzierte Waren „auf dem Hof“ stehen und kann sie nicht verkaufen?

Neben dem Studium der Bilanz sollte man als Käufer beim Erwerb eines Unternehmens natürlich immer auch einen Blick in die Gewinn-und-Verlustrechnung der jeweiligen Bilanzjahre werfen. Weitere Kennzahlen wie etwa die Umsatzrentabilität lassen sich aus einer detaillierteren GuV-Rechnung sehr viel leichter heraus lesen als aus der Bilanz, in der die Zahlen sehr verdichtet dargestellt werden.

Als Teilnehmer einer Kaufprüfung (Due Diligence) müssen Sie die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Analyse von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben. Mehr Begriffe aus Controllung, Buchhaltung und Betriebswirtschaftslehre finden Sie in unserem BWL-Lexikon.

 

Auch lesenswert:

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Was ist eine Eröffnungsbilanz

Unter einer Eröffnungsbilanz wird eine Bilanz verstanden, die bei der Gründung eines Unternehmens oder zu Anfang eines neuen Wirtschaftsjahrs erstellt wird. Jeder Unternehmer, der nach § 242 HGB verpflichtet ist, regelmäßig Bilanzen zu erstellen, muss also auch eine Eröffnungsbilanz anfertigen.

Welcher Zweck steckt hinter Eröffnungsbilanzen?

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Das Prinzip der Eröffnungsbilanz (Q: Centipede, Wikipedia)

Zum einen verfolgen Bilanzen wie die Eröffnungsbilanz eine Dokumentationsfunktion. Bei ihr werden sich Vermögen und Schulden bei der Gründung eines neuen Unternehmens bzw. zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres gegenüber gestellt. So kann die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens auch von Außenstehenden erfasst werden. Bei bereits bestehenden Unternehmen ist zu beachten, dass sich die eröffnende Bilanz mit der Schlussbilanz decken muss. Diese Tatsache wird auch als Bilanzkontinuität bezeichnet.

Die Dokumentationsfunktion der eröffnenden Bilanzform erstreckt sich beispielsweise auf die Höhe der Einlagen der Gesellschafter und die Ausgestaltung der Sacheinlagen. Ein anderer Zweck von Eröffnungsbilanzen ist, dass die Unternehmen selbst einen Überblick über die finanziellen Mittel erhalten, die ihnen im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Unternehmen, die nicht erst neu gegründet wurden, können zudem die eröffnende Jahresbilanz dieses Jahres mit der Vorjahresbilanz vergleichen und dadurch sehen, wie erfolgreich sich das Unternehmen langfristig entwickelt hat bzw. zukünftig entwickeln könnte. Diese Bilanzform kann also auch als Prognoseinstrument fungieren.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass die Erstellung einer Schlussbilanz zum Ende eines Geschäftsjahres nur möglich ist, wenn die Vermögens- und Kapitalverhältnisse zu Beginn eines Geschäftsjahres bekannt sind.

Wie wird eine Eröffnungsbilanz erstellt?

Eröffnungsbilanzen bestehen wie in der „normalen“ Bilanz aus einer Aktiv und einer Passiv Seite. Wie bei anderen Bilanzen auch, werden Gegenstände des Unternehmens im Eröffnungsbilanzkonto entweder auf der Soll oder der Haben Seite aufgelistet. Auf der Haben Seite finden sich beispielsweise Posten wie das Eigenkapital oder Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, während auf der Soll Seite des Eröffnungsbilanz-Kontos der Besitz von Sachanlagen, die Kasse oder der Stand des Warenlagers aufgelistet wird.

Das Eröffnungsbilanzkonto hat dabei den Zweck, die Bestandskonten zu eröffnen. Zwar könnten die Bestandskonten auch ohne eine Gegenbuchung verzeichnet werden, allerdings widerspreche dieses Vorgehen dem Prinzip der doppelten Buchführung. Wer über eine Buchhaltungssoftware verfügt, kann sich glücklich schätzen, da sich bei ihr in aller Regel die Eröffnung der Konten automatisch ergibt. Grundsätzlich werden im Eröffnungsbilanzkonto (EBK) alle Gegenstände erfasst, die aus dem Vorjahr übernommen wurden.

In welchem Zusammenhang stehen Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüsse?

Die eröffnende Bilanz muss auch deswegen erstellt werden, um den Jahresabschluss am Ende des Wirtschaftsjahres anfertigen zu können. Die Schlussbilanz wird gebildet, indem die Eröffnungsbilanz, sowie die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) gegeneinander aufgerechnet werden. In der Schlussbilanz wird das Verhältnis von Aufwand und Ertrag eines Jahres abgebildet. Gemäß des § 257 HGB sowie der § 147 AO müssen Eröffnungsbilanzen übrigens 10 Jahre lang aufbewahrt werden.

In welchen Fällen müssen Eröffnungsbilanzen erstellt werden?

Sowohl bei einer Unternehmensgründung, als auch bei einer Unternehmensumwandlung müssen Sie zwingend Eröffnungsbilanzen erstellen. Das gleiche gilt für den Fall, dass zwei Unternehmen fusionieren oder sich in einem Unternehmen ein Besitzerwechsel vollzieht. Ebenfalls sollten Sie beim Wechsel der Rechtsform oder beim Ausscheiden eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft die Pflicht zur Erstellung von Eröffnungsbilanzen beachten. Für Eröffnungsbilanzen gelten gemäß § 242 Abs. 1 HGB die gleichen Vorschriften wie für die Erstellung einer Jahresbilanz.

Wer muss Eröffnungsbilanzen erstellen?

Die Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften – also AG, GmbH oder auch UG – sind dazu verpflichtet, Bilanzen und damit auch Eröffnungsbilanzen, zu erstellen. Unterschrieben werden muss diese Bilanzform von allen Führungskräften.

Lese-Tipp: Welche Rechtsform passt besser für Gründer – AG oder GmbH?

Welche Frist gilt für die Erstellung von Eröffnungsbilanzen?

Aktiengesellschaften und große bis mittelständische GmbHs müssen ihre Eröffnungsbilanzen innerhalb von 3 Monaten nach ihrer Gründung fertigstellen. Bei UGs, sowie kleineren GmbHs, werden Erstellungsfristen von bis zu 6 Monaten akzeptiert. Bevor Sie also fälschlicherweise von einer 6 monatigen Abgabefrist ausgehen, sollten Sie sich über die in Ihrem Fall geltenden Fristen informieren. So entgehen Sie möglichen unangenehmen Konsequenten von Seiten des Finanzamts oder gar strafrechtlichen Folgen.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil der BWL-Fachbegriffe, die wir im Blog von docurex.com erläutern.

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Was sind Rücklagen

Auch wenn die Begriffe Rückstellungen und Rücklagen häufig für ein und denselben Sachverhalt verwendet werden, handelt es sich um zwei unterschiedliche Positionen in der Bilanz. Rücklagen unterteilen sich in zwei Sparten und sind in passiver Form nicht, in aktiver Form durchaus in Bilanzen ersichtlich und steuerlich anrechenbar.

Was sind Rücklagen in unternehmerischen Bilanzen?

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Rücklagen sind letztlich stille Reservern eines Unternehmens

Als Rücklagen werden finanzielle Eigenmittel bezeichnet, die im Unternehmenskapital gebunden sind. Sie sind in einigen Branchen, beispielsweise in der Finanz- und Versicherungswirtschaft sogar gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso kann eine Vorschreibung laut Satzung vorliegen und den prozentualen Anteil der Rücklagen benennen. Rücklagen unterteilen sich in passive und aktive Posten. Passive Rücklagen sind in der Bilanz nicht ersichtlich, während aktive Rücklagen nicht nur ersichtlich, sondern auch steuerpflichtig sind.

Alle offenen Rücklagen basieren auf dem Eigenkapital eines Unternehmens und dienen dem Zweck, spätere Zahlungen oder unvorhergesehene Ausgaben problemlos realisieren zu können. Primär dient die Rücklage dem Ausgleich von Verlusten und erhöht die Liquidität eines Unternehmens. Zahlt ein Geschäftspartner nicht zuverlässig und es entstehen höhere Außenstände, greifen Unternehmer auf ihre Rücklagen zurück und können sich so vor dem drohenden finanziellen Defizit schützen. Rücklagen sind also eine vorbeugende, eine Präventivmaßnahme. Dem gegenüber stehen Rückstellungen, die bei einer eintretenden Verbindlichkeit avisiert werden und zur Deckung drohender Außenstände dienen.

Unterschiede zwischen Rücklagen und einer Rückstellung

Ein gravierender Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen (Rücklagen und Rückstellungen) basiert auf der Ursache, aus der heraus sie gebildet werden. Während Rücklagen der präventiven Vorbeugung vor Zahlungsausfällen dienen und in der Regel nicht in Anspruch genommen werden müssen, ist eine Rückstellung ein Betrag der gebildet wird, wenn ein Zahlungsausfall droht und der Unternehmer einen finanziellen Engpass „vorhersieht“.

Dabei erfolgt die Bilanzierung einer Rückstellung als Aufwand, wodurch sie den Jahresgewinn spürbar beeinflusst. In Vorbereitung auf eine hohe Steuernachforderung oder die Bildung von Pensionen entscheiden sich große bis mittelständische Unternehmen sehr häufig für eine Rückstellung, aus der die vorhersehbaren Verbindlichkeiten finanziert werden. Häufig wird Geld auch zurückgestellt, um eine im vorigen Geschäftsjahr liegende Verbindlichkeit zu tilgen. Sobald der Betrag bekannt und beispielsweise der Steuer- oder Gerichtsbescheid eingetroffen sind, wird die Rückstellung aufgelöst und ihrem Zweck zugeführt.

Die Rückstellung ist:

– in der Regel aus Fremdkapital gebildet

– erfolgsfördernd: Aufwand wird zum aktuellen Zeitpunkt verbucht, Zahlung erfolgt später

– zweckgebunden.

 

Im Gegensatz dazu sind Rücklagen:

– aus dem Eigenkapital des Unternehmens gebildet

– in der Regel völlig erfolgsneutral

– zweckfrei und nicht an einer Verbindlichkeit orientiert.

 

Da es sich bei der Rückstellung um gebildetes und nicht um vorhandenes Kapital des Unternehmens handelt, erscheinen sie als Fremdkapital auf der Passivseite von Bilanzen und senken den Jahresgewinn. Anders verhält es sich bei der Rücklage, die keinen Einfluss auf den Gewinn nimmt und lediglich durch Eigenkapitalerhöhung die Wirtschaftlichkeit und Stärke eines Unternehmens steigert. In diesem Zusammenhang sind etwa die immer im Eigenkapitel-Teil der Bilanz (rechts, also Passivseite) zu findenden Kapitalrücklagen oder Gewinnrücklagen einer Firma.

Strikte Trennung der Begriffe und Finanzmittel in der Buchhaltung nötig

Eine Kombination der Gelder oder eine gemeinschaftliche Verwendung dieser beiden Bezeichnungen ist nicht zielführend. Für Unternehmen sind Rücklagen zwar praktisch und liquiditätsfördernd, in der Regel aber wenig interessant im steuerlichen Bereich. Da sie die Gewinne nicht schmälern, beeinflussen sie die Forderungen zur Gewerbe- und Umsatzsteuer nicht, wodurch gerade kleinere Unternehmen auf in Bilanzen auftauchende Rücklagen verzichten und sich eher auf das stille Eigenkapital berufen.

Anders verhält es sich bei der Rückstellung, die in Form eines Kredits oder eines Darlehens aus fremdem Kapital gewonnen und zur Tilgung bevorstehender Verbindlichkeiten eingesetzt wird. Dieser Aufwand führt zur steuerlichen Anrechnung und wirkt sich positiv auf die Versteuerung von Unternehmensgewinnen aus.

Fazit zu Rücklagen und Rückstellungen

Sowohl Rücklagen wie eine Rückstellung dürfen in der Steuererklärung nicht falsch eingetragen oder gar außen vor gelassen werden. In beiden Fällen handelt es sich um Kapital, das dem Unternehmen zum aktuellen Zeitpunkt zur Verfügung steht. Dabei unterscheidet man zwischen steuerpflichtigem Aufwandskapital und stillem Kapital bei Rücklagen.

Dieser Blog-Beitrag ist Teil der BWL-Fachbegriffe, die wir im Blog von docurex.com erläutern.