BWL-Artikel

Was ist eine Kernkapitalquote?

Die Kenntnis über Kennzahlen ist für Finanzakteure von großer Bedeutung. Aus der Betriebswirtschaft ist unter anderem die Eigenkapitalquote bekannt, das Bankenwesen kennt die Kernkapitalquoten. Der Artikel befasst sich mit den Kernkapitalquoten, ihren Bedeutungen und zugehörigen Begriffen.

Was sind Eigenkapitalquoten?

Die Kernkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl im Kreditwesen. Das Äquivalent im Nichtbanken-Sektor ist die Eigenkapitalquote. Die Definition lautet wie folgt: Die Eigenkapitalquote bildet den Anteil des Aktivgeschäfts in der Bankenbilanz ab. Es handelt sich um den Anteil, der durch Eigenmittel gedeckten, risikotragenden und anrechnungspflichtigen Risikopositionen.

Warum ist die Eigenkapitalquote von Belang?

Die Eigenkapitalquote bildet die Grundlage des Gläubigerschutzes. Bevor das Eigenkapital an Gläubiger ausbezahlt wird, greifen zwar zunächst andere Mechanismen, sodass es sich um eine der letzten Möglichkeiten hinsichtlich der Befriedigung von Gläubigern handelt, dennoch wäre ohne das Eigenkapital ebendiese letzte Absicherung nicht vorhanden. Im Ernstfall steht das Eigenkapital den Gläubigern als Haftungsmasse zur

Kernkapitalquote

Wie hoch ist das absolute Eigenkapital?

Verfügung. Jedoch ist die absolute Höhe des Eigenkapitals nur eingeschränkt aussagefähig. Kleine Unternehmen haben tendenziell ein niedrigeres Eigenkapital als große Unternehmen. Aus diesem Grund berechnen Wirtschaftswissenschaftler die zugehörige Quote – die Eigenkapitalquote beziehungsweise die Kernkapitalquote. Der Anteil an der Gesamtmasse wird dargestellt, wodurch eine bessere Einschätzung möglich ist.

Wie hoch sind die Gläubigerrisiken im Bankenwesen?

Banken besitzen im Vergleich zu Nicht-Banken im Allgemeinen relativ wenig Eigenkapital. Die Verbindlichkeiten betragen oftmals zwischen dem Sechs- und dem Fünfzehnfachen des Eigenkapitals. Dementsprechend hoch sind die Gläubigerrisiken. Sind die Kernkapitalquoten niedrig, resultiert die Gefahr von Instabilität des Bankensystems. Es ist für die Banken von Bedeutung, Eigenmittel zur Überwindung von finanziellen Engpässen zu besitzen. Der Branche sind die hohen Gläubigerrisiken bekannt. Sie versucht den Risiken entgegenzuwirken, indem sie die Einhaltung von Mindestkapitalvorschriften und die Anerkennung von Eigenkapitalbestandteilen festlegt.

Der Zusammenhang zwischen strategischen Entscheidungen der Banken und den Kernkapitalquoten

 

Die Banken nutzen Kernkapitalquoten hinsichtlich der strategischen Entscheidungsfindung. Fragen bezüglich der Ausdehnung des Kreditportfolios, des Geschäftsvolumens und einer Kapitalerhöhung werden unter Berücksichtigung der Kernkapitalquote beantwortet. Nicht nur die betreffende Bank interessiert sich für ihre Kernkapitalquoten. Die Kennzahl findet Berücksichtigung bei der Bankenaufsicht, bei Aktionären und bei anderen Kreditinstituten. Kreditrisiken können besser bewertet werden, wenn Transparenz besteht und Kennzahlen der Bilanz bekannt sind. Lesen Sie hier alles über die Bankenaufsicht.

Welche Bedeutung haben Eigenmittel-Aggregate im Zusammenhang mit den Kernkapitalquoten?

Im Zuge der Finanzkrise Ende der 2000er Jahre hat sich gezeigt, dass das Eigenkapital der Banken zu gering ist. Es ist diesbezüglich zwischen verschiedenen Qualitätsstufen des Eigenkapitals zu unterscheiden. Die CRR bezieht sich seit 2014 auf das „harte Kernkapital„. Es handelt sich hierbei um die reinste Form des Eigenkapitals. Entsprechend den Inhalten der CRRwird zwischen drei Eigenmittelaggregaten unterschieden:
  • hartes Kernkapital („Common Equity Tier 1″; Art. 25 CRR)
  • zusätzliches Kernkapital („Additional Tier-1-Capital“; Art. 51 CRR)
  • Ergänzungskapital („Tier-2-Capital“; Art. 62 CRR)
Aus den Eigenmittelaggregaten werden zugehörige Quoten abgeleitet:
  • harte Kernkapitalquoten
  • Kernkapitalquoten
  • Gesamtkapitalquoten
Die drei Quoten sind wie folgt definiert:
harte Kernkapitalquote = hartes Kernkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 Prozent
Kernkapitalquote = Kernkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 Prozent

Kernkapitalquote

Welche Quoten erkennen wir?

Gesamtkapitalquote = Gesamtkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 ProzentFür Kreditinstitute gelten Vorgaben hinsichtlich Mindestquoten. Artikel 92 gibt vor, dass Banken eine harte Kernkapitalquotevon mindestens 4,5 Prozent aufweisen müssen. Die Kernkapitalquote muss mindestens 6 Prozent betragen. Die Gesamtkapitalquote muss mindestens 8 Prozent betragen.

Beispiele zur Berechnung der Quoten:

1. Harte Kernkapitalquote
harte Kernkapitalquote = hartes Kernkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 Prozent
Angenommen die Bank X besitzt hartes Kernkapital in Höhe von 1 Millionen Euro und einen Gesamtforderungsbetrag in Höhe von 10 Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote berechnet sich in diesem Fall wie folgt:
Harte Kernkapitalquote = 1 Millionen / 10 Millionen * 100 Prozent
= 10 Prozent
Die Vorgaben sind erfüllt.
2. Kernkapitalquote
Kernkapitalquote = Kernkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 Prozent
Angenommen die Bank Y besitzt Kernkapital in Höhe von 2 Millionen Euro und einen Gesamtforderungsbetrag in Höhe von 10 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote berechnet sich in diesem Fall wie folgt:
Kernkapitalquote = 2 Millionen / 10 Millionen * 100 Prozent
= 20 Prozent
Die Vorgaben sind erfüllt.
Gesamtkapitalquote = Gesamtkapital / Gesamtforderungbetrag * 100 Prozent
Angenommen die Bank Z besitzt Gesamtkapital in Höhe von 0,5 Millionen Euro und einen Gesamtforderungsbetrag in Höhe von 10 Millionen Euro. Die Gesamtkapitalquote berechnet sich in diesem Fall wie folgt:
Kernkapitalquote = 0,5 Millionen / 10 Millionen * 100 Prozent
= 5 Prozent
Die Vorgaben sind nicht erfüllt.

Welche Bedeutung haben Kapitalpuffer im Zusammenhang mit der Kernkapitalquote?

Die Einführung des Kapitalpuffers erfolgte im Jahr 2016 durch das KWG. Die Kapitalpuffer bestehen aus hartem Kernkapital und sollen die prozyklischen Effekte verringern. In den §§ 10c bis 10i KWG sind die Anforderungen für die Kapitalpuffer sowie Regelungen und Rechtsfolgen beschrieben, die hinsichtlich des Unterschreitens der Anforderungen bestehen. Ein definierter Begriff ist der Kapitalerhaltungspuffer.

Kernkapitalquote

Welcher Puffer ist notwendig?

Wertberichtigungen und Rückstellungen sollen zu erwartende Verluste abdecken. Der Kapitalerhaltungspuffer jedoch dient dem Auffangen unerwarteter Verluste. § 10c KWG gibt vor, dass Banken einen Kapitalerhaltungspuffer in Höhe von wenigstens 2,5 Prozent des Gesamtforderungsbetrags bilden müssen. Tritt der Fall ein, indem der Kapitalerhaltungspuffer benötigt wird, greift eine Ausschüttungssperre. Gewinn- und Dividendenausschüttungen und diskretionäre Zahlungen sind von dieser Sperre betroffen.

Was versteht man unter der Eigenkapitalquote?

Die Eigenkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie beziffert das Verhältnis zwischen dem Eigenkapital und dem Gesamtkapital des Unternehmens. Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto liquider ist das Unternehmen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Kreditwürdigkeit aus. Auch der Handlungsspielraum ist besser. So lassen sich wichtige Investitionen sofort und ohne die Notwendigkeit einer Finanzierung aus dem Eigenkapital treffen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass das Eigenkapital zur Verfügung steht und nicht in Anlagen festliegt, die mit einer mittleren oder längeren Laufzeit belegt sind.

Wiedergabe der Kapitalstruktur eines Unternehmens

Anhand der Eigenkapitalquote lässt sich die Kapitalstruktur eines Unternehmens sehr gut wiedergeben. Aus diesem Grund interessieren sich Banken für diesen Wert. Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto besser steht das Unternehmen auf dem Finanzmarkt da. Die Bank lässt sich bei einer hohen Eigenkapitalquote auch auf eine höhere Finanzierung ein. Das bedeutet, dass das Unternehmen einen großen Handlungsspielraum bekommt. Werden Rahmenkredite freigegeben, kann man wichtige Investitionen treffen. Diese dienen dazu, das Unternehmen zu vergrößern und neue Bereiche zu erschließen. In der Folge kann sich das Unternehmen am Markt etablieren und wachsen.

Geringe Eigenkapitalquote kann zum Finanzierungsproblem werden

Ist die Eigenkapitalquote gering, können sich daraus um schlimmsten Falle Finanzierungsprobleme ergeben.

EK-Quote

Die EK-Quote ist entscheidend für die Kreditwürdigkeit

Wenn die Banken ein geringes Eigenkapital ermitteln, können sie daraus schließen, dass das Unternehmen nicht gut wirtschaftet oder dass es in finanziellen Schwierigkeiten steckt. In der Folge ist es möglich, dass die Gewährung von Krediten untersagt ist. Das Unternehmen kann sich nicht weiter entwickeln, weil man keine notwendige Investitionen treffen kann. Somit ist es sehr wichtig, dass Unternehmen einen großen Wert auf die Eigenkapitalquote legen.

Auch für unvorhergesehene Ausgaben sollte immer eine Geldreserve vorhanden sein. Nicht immer ist es möglich, kurzfristig eine Finanzierung zu bekommen. Gerät das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, kann sich dies in der Branche schnell herumsprechen. Die Folge sind unzufriedene Kunden oder Verträge, die man stornieren muss. Der Ruf des Unternehmens kann schnell leiden. Wenn hingegen ein ausreichendes Eigenkapital vorhanden ist, mindert dies die Gefahr von Zahlungsausfällen. Investitionen lassen sich bis zu einer bestimmten Höhe aus dem Eigenkapital decken. Diese finanzielle Reserve ist vor allem für unvorhergesehene Ausgaben von größter Wichtigkeit.

Eigenkapitalquote und die Gläubiger

Wenn ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerät, interessieren sich die Gläubiger für das Kapital, was noch vorhanden ist. Liegt ein Titel vor, kann aus diesem Kapital gepfändet werden. Ist die Kreditwürdigkeit des Unternehmens in Gefahr, kann ein künftiger Geschäftsbetrieb schwierig werden. In der Folge kommt es nicht selten zu Insolvenzen oder Betriebsschließungen. Kann hingegen noch eine gewisse Eigenkapitalquote nachgewiesen

EK-Quote

Oftmals führt eine niedrige EK-Quote direkt in die Insolvenz

werden, ist es möglich, den Gläubigern einen Vergleich anzubieten. In diesem Falle leidet die Liquidität des Unternehmens mitunter nicht so stark, als wenn Außenstände gar nicht bedient werden können. Somit ist es von Vorteil, wenn einem Gläubiger eine gewisse Eigenkapitalquote nachgewiesen werden kann. Dies bedeutet, dass die Liquidität des Unternehmens noch in einem gewissen Maße vorhanden ist.

Pfändung in die Eigenkapitalquote

Sollte ein Titel vorliegen, ist es möglich, in die Eigenkapitalquote zu pfänden. Beim Eigenkapital handelt es sich um ein Vermögen, das nicht oder nur in engen Grenzen geschützt ist. Somit ist es wichtig, dass Pfändungen durch rechtzeitige Absprachen mit den Gläubigern vermieten werden. Lesen Sie hier alles zum Thema Pfändung.

Eigenkapitalquote und die Gesellschafter

Da ein hohes Eigenkapital immer ein eindeutiges Indiz für die Liquidität eines Unternehmens ist, interessieren sich auch die Gesellschafter eines Unternehmens dafür. Ist Eigenkapital vorhanden, sind Gesellschafter eher bereit, in ein Projekt einzusteigen. Wenn ein Unternehmen hingegen am Rande der Liquidität arbeiten, kann es vorkommen, dass die Gesellschafter ausbleiben oder sich von gemeinsam vereinbarten Projekten zurückziehen. Ein Wachstum des Unternehmens ist vor diesem Hintergrund kaum noch möglich. Somit sollten Unternehmen auch vor diesem Hintergrund darauf achten, dass die Eigenkapitalquoten stabil gehalten werden. In nahezu allen Geschäftsbereichen ist der Nachweis von Eigenkapital von großer Wichtigkeit. Er erleichtert die Begleichung der finanziellen Verpflichtungen und die Aufnahme von Krediten.

Ermittlung der Eigenkapitalquoten durch ein Unternehmen

Für jedes Unternehmen können die Eigenkapitalquoten ermittelt werden. Dazu werden die Geldreserven den finanziellen Verpflichtungen gegenübergestellt, die zum Zeitpunkt der Ermittlung offen sind. Auch Kredite werden in diese Berechnung einbezogen.

EK-Quote

Ohne Geldreserven kann ein Unternehmen nicht überleben

Die Berechnung des wirtschaftlichen Eigenkapitals erfolgt auf der Grundlage der Geldreserven, die ein Unternehmen zur Verfügung hat. In diesen Bereich fallen Kontostände, aber auch Wertpapiere, Aktien und Guthaben auf Tagesgeldkonten. Die Gegenrechnung von Krediten kann erfolgen, wenn es Außenstände in Bezug auf die zu zahlenden Raten gibt. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass die ausstehenden Raten aus dem Eigenkapital beglichen werden. Des Weiteren werden offene Rechnungen berücksichtigt. Auch diese müssen vom Eigenkapital abgezogen werden, da die Bezahlung aussteht.

Wirtschaftliches Eigenkapital und tatsächliches Eigenkapital

Das wirtschaftliche Eigenkapital muss dem tatsächlichen Eigenkapital nicht entsprechend. Es gibt auch Anteile an der Quote, die nicht in das wirtschaftliche Kapital einbezogen werden. Dies ist vor allem bei größeren Unternehmen der Fall, die verschiedene Finanzreserven haben. Banken und Gesellschafter berücksichtigen in der Regel auch das Eigenkapital, das auf den Firmenkonten liegt und nicht zum wirtschaftlichen Kapital gerechnet wird.

Umsatzrendite

Gesamtkapitalrentabilität – Berechnung, Aussagekraft und Bedeutung

Die Gesamtkapitalrentabilität stellt eine wichtige Erfolgskennzahl dar. Sie kommt bei der Analyse von Bilanzen zur Anwendung und liefert Informationen über die Rentabilität eines Unternehmens. Grundsätzlich gilt, dass ein Betrieb umso effizienter arbeitet, je höher diese Kennziffer ausfällt. Für Investoren ist eine Aktie attraktiv, die eine im Vergleich hohe Gesamtkapitalrendite aufweist. Diese Kennziffer ist international unter der Bezeichnung „return on assets“ weit verbreitet. Im deutschen Sprachraum verwenden Bilanzanalysten auch „Kapitalrendite“ als Synonym. Verglichen mit der Eigen- sowie Fremdkapitalrendite ist die Gesamtkapitalrendite die umfassendere Kennziffer. Eine tragfähige Analyse betrachtet jedoch stets mehrere Kennzahlen, um belastbare Ergebnisse zu erzielen.

Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität lässt sich berechnen

Die Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität

Um diese Kennziffer zu berechnen, ist die Summe aus dem Gewinn und den auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen durch die Bilanzsumme zu teilen. Der sich ergebende Quotient drückt in Prozent aus, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Auf ähnliche Weise ermitteln Analysten die Eigenkapital- und Fremdkapitalrentabilität.

Die einzelnen Faktoren der Gesamtkapitalrendite

Im Zähler der Gesamtkapitalrentabilität steht stets eine Gewinngröße. Dabei handelt es sich in der Regel um das Jahresergebnis, wie es sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt. Fällt dieses Ergebnis positiv aus, erfolgt die Ausweisung als Jahresüberschuss. Bei einem Verlust zeigen Unternehmen in ihrer Erfolgsrechnung einen Jahresfehlbetrag. Den Nenner der Gesamtkapitalrendite bilden das Eigen- und Fremdkapital, die zusammen die Bilanzsumme ergeben. Das Eigenkapital besteht bei Kapitalgesellschaften aus dem Stammkapital (GmbH) beziehungsweise dem Grundkapital (Aktiengesellschaft). Außerdem gehören die Kapital- und Gewinnrücklagen, der Gewinn- oder dem Verlustvortrag und das Jahresergebnis zum Eigenkapital. Die Passivseite der Bilanz zeigt unter dem Oberbegriff Fremdkapital Rückstellungen sowie kurz- und langfristige Verbindlichkeiten. Diese gliedern sich gemäß dem Bilanzgliederungsschema in Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sowie Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Verwandte Kennzahlen

Da die Bilanzsumme im Nenner steht, bezieht die Gesamtkapitalrentabilität sämtliche Kapitalbestandteile mit in die Berechnung ein. Dagegen ermittelt die Eigenkapitalrendite lediglich die Verzinsung des geliehenen Kapitals. Dementsprechend ist dabei der Unternehmensgewinn durch die Summe der eigenen Mittel zu teilen. Um die Gewinnsituation eines Betriebs einzuschätzen, bilden Fachleute darüber hinaus regelmäßig die Umsatzrendite. Dabei handelt es sich um den Quotienten aus dem Gewinn und Umsatz. Als Gewinngröße kommt das Jahresergebnis vor Steuern oder das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Frage.

Die Aussagekraft der Gesamtkapitalrentabilität

In der Bilanz spielt die GKR eine Rolle

Durch die Berechnungsmethode der Gesamtkapitalrendite kommt es zu einer Neutralisierung der absoluten Größen von Gewinn und Bilanzsumme. Aus diesem Grund schafft die sich ergebende Prozentzahl ein hohes Maß an Vergleichbarkeit. Aufgrund dieser Standardisierung zählt die Gesamtkapitalrendite ebenso wie die Eigenkapitalrentabilität und die Umsatzrendite zu den bei Unternehmensanalysen sehr häufig eingesetzten Kennzahlen. Die Gesamtkapitalrentabilität lässt sich für unternehmensinterne Untersuchungen der Entwicklung des Ergebnisses über mehrere Jahre heranziehen. So ist erkennbar, ob es einem Unternehmen gelingt, seine Ertragskraft im Laufe der Zeit zu steigern oder nicht. Darüber hinaus ist die Gesamtkapitalrendite ausgezeichnet geeignet, um Vergleiche von Unternehmen der gleichen Branche vorzunehmen. Dabei kommt es weder auf deren Größe noch Rechtsform an. Börsenexperten führen mithilfe der Kapitalkennziffern auch Renditevergleiche von Aktien aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen durch, um günstige Investitionsgelegenheiten zu identifizieren.

Vergleich der Gesamtkapitalrendite mit alternativen Geldanlagen

Analysten ziehen diese Kennziffer bei Aktien häufig heran, um sie der Verzinsung von Spareinlagen gegenüber zu stellen. Dabei ist zu erwarten, dass die Rendite der verbrieften Unternehmensanteile deutlich über der von verzinslichen Investments liegt. Denn mit Aktien ist ein wesentlich höheres Chancen- und Risikopotential verbunden als mit Geldeinlagen auf Sparkonten. Wenn ein Unternehmen über mehrere Perioden eine im Branchenvergleich unterdurchschnittliche Gesamtkapitalrentabilität zeigt, stellt dies ein deutliches Warnsignal dar. Offensichtlich gelingt es der Geschäftsleitung dann nicht, das Unternehmen profitabel zu führen.

Die Bedeutung der Gesamtkapitalrentabilität für die Unternehmensplanung und die Kreditvergabe

Die GKR spielt bei der Vergabe von Krediten eine Rolle

Aufgrund ihrer großen Aussagekraft erfolgt die Verwendung der Gesamtkapitalrendite genau wie der Eigenkapitalrendite bei der Planung der künftigen Geschäftstätigkeit. Im Rahmen der Unternehmensplanung legen Verantwortliche einen bestimmten Wert der Gesamtkapitalrendite als Zielgröße fest. Bei deren Definition orientieren sie sich sowohl an den entsprechenden Prozentzahlen des Unternehmens in der Vergangenheit als auch an branchenüblichen Renditegrößen. Außerdem spielt die Gesamtkapitalrendite eine wichtige Rolle für die Überprüfung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Banken nehmen eine umfassende Bilanzanalyse vor, um sich von der Bonität des Kreditnehmers ein Bild zu machen. Von der Höhe der Gesamtkapitalrendite hängt sowohl ab, ob der Antragsteller ein Darlehen bekommt, als auch die Höhe der Kreditzinsen.

Weitere Vorteile der Gesamtkapitalrendite bei Vergleichen

Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital variiert von Branche zu Branche stark. Auch die Gesellschaftsform besitzt einen wesentlichen Einfluss auf die Kapitalstruktur. Die Gesamtkapitalrendite ermöglicht hier eine Gegenüberstellung, die diese Faktoren neutralisiert. Darüber hinaus bewährt sich diese Kennziffer ebenfalls bei länderübergreifenden Vergleichen. So wiesen zum Beispiel zahlreiche deutsche Unternehmen in der Nachkriegszeit eine sehr schwache Ausstattung mit Eigenkapital auf. Analysen mit Hilfe der Gesamtkapitalrendite lieferten in dieser Situation Informationen über die Gewinnsituation im Verhältnis zu Unternehmen in anderen Ländern.

Der Einfluss des Leverage-Effekts

Bei der Ermittlung der Gesamtkapitalrendite kommt es zu einer Neutralisierung des Leverage-Effekts. Diese Hebelwirkung führt bei anderen Rentabilitätsvergleichen zu einer Verzerrung des Ergebnisses und damit zu einer Beeinträchtigung des Aussagewertes. Im Bereich der Kapitalstruktur bezeichnet der Leverage-Effekt die Wirkung einer Erhöhung des Anteils der Fremdfinanzierung: Liegt die Höhe deren Verzinsung unter der Eigenkapitalrendite, wird das Unternehmen durch eine größere Finanzierung (scheinbar) profitabler. Der Leverage-Effekt ist jedoch mit hohen Risiken verbunden. Bereits eine geringe Veränderung der Kreditzinsen, kann eine erhebliche Auswirkung auf die Unternehmensrendite haben. Ein hoher Verschuldungsgrad impliziert stets die Gefahr, bei einer Verschlechterung der Liquidität fällige Zins- und Tilgungsleistungen nicht erbringen zu können.

Wichtige Aspekte der Gesamtkapitalrentabilität

Der Leverage-Effekt birgt Risiken

Aussagestarke Bilanzanalysen basieren stets auf der Untersuchung mehrerer Kennziffern. Da die Gesamtkapitalrendite ebenso wie die Eigenkapitalrendite sowie die Umsatzrentabilität um Prozentzahlen handelt, ist eine Ergänzung durch absolute Zahlen erforderlich. Nur auf diese Weise lässt sich ein umfassender und zutreffender Eindruck von der Gesamtsituation des Unternehmens gewinnen. Für diesen Zweck eignen sich die Umsatzzahlen der letzten Jahre, aus denen sich das Wachstumsrate ermitteln lässt. Das Gleiche trifft auf die Jahresüberschüsse zu. Die Anteilseigner des Unternehmens streben eine Zunahme beider Werte an, um sich nachhaltig steigende Gewinne durch expandieren Geschäftstätigkeit zu sichern. Grundsätzlich bildet die Bilanz eines Unternehmens stets die Vergangenheit ab. Dementsprechend zeigt auch die Gesamtkapitalrendite lediglich, wie sich die Profitabilität eines Unternehmens in abgelaufenen Wirtschaftsjahren darstellt. Insbesondere in einem sich stark verändernden wirtschaftlichen Umfeld lassen sich daraus nicht ohne weiteres Aussagen über die künftige Gewinn- beziehungsweise Verlustsituation ableiten. Aus diesem Grund ergänzen Prognoserechnungen idealerweise die vergangenheitsbezogene Bilanzanalyse.