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Was ist Kapitalbindung?

Was versteht man unter der Kapitalbindungsdauer? Das Hauptziel eines Unternehmens besteht darin, einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Um dies zu erreichen, wird Kapital eingesetzt. Neben den liquiden Mitteln (z.B. Bankguthaben und Kassenbestand) investiert das Unternehmen Kapital in das Anlagevermögen und in das Umlaufvermögen. Hier werden die Gegenstände ausgewiesen, die das Unternehmen benötigt, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Liquide Mittel stehen dem Unternehmen zu jederzeit zur Verfügung. Größere Rechnungen werden mit einer Banküberweisung beglichen. Kleinere Anschaffungen bezahlt das Unternehmen bar.

Problematisch wird es für den Betrieb bei dem Kapital, das in eine Produktionsmaschine oder in einen anderen Vermögensgegenstand des Anlagevermögens investiert wurde. Für die Nutzungsdauer dieser Produktionsmaschine ist das Kapital in dem Unternehmen gebunden. Ebenso verhält es sich bei den Vermögensgegenständen des Umlaufvermögens. Hier tritt die Kapitalbindung in Form einer offenen Kundenrechnung ein. Solange diese noch nicht ausgeglichen ist, kann das Unternehmen nicht über das Kapital

Kapitalbindung

Welches Kapital ist an das Unternehmen gebunden?

verfügen.

Das nicht verfügbare Kapital ist an das Unternehmen gebunden.

Welche Aussage trifft die Kapitalbindungsdauer?

Da ein Unternehmen auf den Kapitaleinsatz angewiesen ist, ermittelt es den Zeitraum, für den das in dem Anlage- oder Umlaufvermögen gebundene Kapital nicht für andere Investitionen genutzt werden kann. Dieser Zeitraum wird als Kapitalbindungsdauer bezeichnet.

Bei der Berechnung der Kapitalbindungsdauer muss unterschieden werden, ob die Vermögengenstände dem Unternehmen langfristig oder nur kurzfristig dienen sollen.

Die Kapitalbindung im Anlagevermögen

In dem betrieblichen Anlagevermögen weist ein Unternehmen die Vermögensgegenstände aus, die dem Betrieb langfristig (über ein Jahr) dienen sollen.

Beispiel

Ein Pkw, den der Geschäftsführer einer GmbH für betriebliche Zwecke nutzt, wird im Anlagevermögen ausgewiesen. Die Anschaffungskosten gehen über die Zeit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer als Abschreibung in die steuerliche Gewinnermittlung des Unternehmens ein. Laut den amtlichen AfA-Tabellen gilt für die Abschreibung eines betrieblichen Pkws eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 6 Jahren. Danach ist der Pkw vollständig abgeschrieben.

Dass der Pkw dem Unternehmen langfristig dienen soll und über die Zeit seiner betrieblichen Nutzung abgeschrieben wird, wirkt sich auch auf die Kapitalbindung aus. Die Kapitalbindungsdauer stimmt mit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer überein. In dem obigen Beispiel ist das Kapital für 6 Jahre in dem Unternehmen gebunden.

Das gebundene Kapital im Anlagevermögen hat insbesondere für Start-ups und Existenzgründern eine wichtige Bedeutung. Hier sind in der Regel noch nicht genügend liquide Mittel vorhanden, um hohes Kapital in einer Produktionsmaschine oder einem Pkw zu binden. Lesen Sie hier alles über Start-Ups.

Die Bindung im Umlaufvermögen

In dem Umlaufvermögen eines Unternehmens ist die Kapitalbindung naturgemäß sehr kurz.

Die Kapitalbindung im Umlaufvermögen entsteht zum größten Teil bei den Forderungen. Je höher der Forderungsbestand ist, desto höher ist auch die Kapitalbindung. Das Unternehmen kann mit den zwei folgenden Maßnahmen auf die Kapitalbindungsdauer im Umlaufvermögen einwirken:

  • Die Zahlungsziele für die Kunden werden z.B. von 14 Tagen auf 7 Tage heruntergesetzt.
  • Für die eigenen Verbindlichkeiten nutzt das Unternehmen die Zahlungsfrist voll aus.

Führt ein Unternehmen diese Regeln in dem Betrieb ein, verringert sich die Kapitalbindungsdauer.

Kapitalbindung muss auch im Lager einkalkuliert werden. Je länger ein Unternehmen Waren und Materialien in seinem Bestand hat, desto länger ist die Kapitalbindung. Eine Lösung für dieses Problem ist die Erhöhung der Lagerumschlagshäufigkeit. Dies bedeutet, dass die Waren und Materialien nicht so lange gelagert werden. Dies ist z.B. möglich, wenn ein Betrieb die Just-in-time-Produktion einführt. Hier wird das Material erst geliefert, wenn es im Produktionsprozess benötigt wird.

Die durchschnittliche Kapitalbindung als betriebswirtschaftliche Kennzahl

Die durchschnittliche Kapitalbindung (kurz: DKB) tritt nur bei den Vermögensgegenständen des abnutzbaren Anlagevermögens ein. Investiert das Unternehmen z.B. in ein Grundstück (nicht abnutzbares Anlagevermögen) oder wartet es auf die Bezahlung einer Rechnung, kann die DKB nicht ermittelt werden.

Kapitalbindung

Wie berechnet sich die Kapitalbindung?

Bei den Vermögensgegenständen des abnutzbaren Anlagevermögens (z.B. Produktionsmaschine, Fuhrpark oder Geschäftsausstattung) nutzt ein Unternehmen die durchschnittliche Kapitalbindung als betriebswirtschaftliche Kennzahl.

Zwei Faktoren wirken auf die Kapitalbindungsdauer ein. Dies sind die Abschreibungen auf den Vermögensgegenstand und die Umsatzerlöse, die man mit dem Vermögensgegenstand generieren kann.

Für die Ermittlung der durchschnittlichen Kapitalbindung wendet ein Unternehmen die folgende Formel an:

DKB = (RB + RE) / 2

RB steht für den Restwert, den die Investition zu Beginn des Jahres hat.

RE stellt den Restwert dar, den die Investition am Schluss des Geschäftsjahres hat.

Beispiel

Ein Unternehmen kauft eine gebrauchte Maschine für 15.000 Euro. Die Restnutzungsdauer beträgt zwei Jahre. Die Abschreibung beträgt demnach 7.500 Euro pro Jahr. Zum Ende des zweiten Geschäftsjahres ist die Maschine vollständig abgeschrieben.

Zum Schluss des ersten Geschäftsjahres hat die Maschine einen Restwert von 7.500 Euro.

Die durchschnittliche Kapitalbindung ermittelt sich wie folgt:

DKB (1. Jahr) = (15.000 Euro + 7.500 Euro) / 2 = 11.250 Euro

Für das zweite Geschäftsjahr ergibt sich die folgende Rechnung:

DKB (2. Jahr) = (7.500 Euro + 0 Euro) / 2 = 3.750 Euro.

Welche Folgen löst die Kapitalbindung aus?

Eine hohe Kapitalbindung ist für das Unternehmen mit negativen Folgen verbunden. Je länger das Unternehmen nicht über das Kapital verfügen kann, desto schwächer zeigt sich die Liquidität. Um weiter investieren zu können, ist das Unternehmen in diesem Fall auf die Aufnahme von Fremdkapital angewiesen. Dieser Schritt ist aber mit

Kapitalbindung

Wann benötigt das Unternehmen Fremdkapital?

weiteren Kosten (z.B. Fremdkapitalzinsen) verbunden.

Ein Unternehmen, das wirtschaftlich agieren möchte, kann daher nur daran interessiert sein, die Kapitalbindungsdauer so weit wie möglich zu minimieren und gebundenes Kapital so schnell wie möglich wieder frei zu setzen.

Eine Möglichkeit zur Kapitalfreisetzung besteht in der Verkürzung der Produktionsprozesse. Stellt das Unternehmen den Produktionsablauf so um, sodass man das Material erst liefert, wenn es im Herstellungsprozess vorgesehen ist, verringert es den Lagerbestand und damit auch die Kapitalbindung.

 

 

Was sind Passiva?

Eine Bilanz setzt sich aus den Aktiva auf der linken und den Passiva auf der rechten Seite zusammen. Während die Aktiva die Kapitalquellen und Vermögenswerte eines Unternehmens darstellen, bilden die Passiva das verfügbare Kapital ab, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerte dient. Zwischen den beiden Seiten der Bilanz muss immer ein Gleichgewicht herrschen.

Passiva – Das Kapital eines Unternehmens

Die Passiva werden auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen und repräsentieren das Kapital eines Unternehmens. Sie informieren über die Mittelherkunft für die finanzierten Aktiva auf der linken Seite der Bilanz. Der Wert aller Aktiva muss immer dem Wert aller Passiva entsprechen. Dieser Wert wird als Bilanzsumme bezeichnet.

In den meisten Unternehmen besteht Passivierungspflicht. Das Unternehmen muss seine Posten an Eigenkapital und Fremdkapital in den Passiva der Bilanz buchen. Ein Passivierungswahlrecht oder sogar ein Passivierungsverbot besteht nur in einigen Ausnahmefällen.

Unterschied zu Aktiva

Während die Passiva darüber informieren, woher die Mittel stammen, gewähren die Aktiva Auskunft darüber, für welche Zwecke die Mittel verwendet werden. Häufig werden die Aktiva auch als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. Aus den Aktiva leiten sich die aktiven Bestandskonten und aus den Passiva die passiven Bestandskonten in der Finanzbuchhaltung ab. Abhängig davon, ob es sich um aktive oder passive Bestandskonten handelt, kommt es darauf an, auf welcher Seite der Anfangsbestand auf diesen Konten gebucht wird. Weiterhin leitet sich davon ab, wie Zugänge und Abgänge gebucht werden.

Die Unterteilung der Passiva

Die Unterteilung der Passiva ist in §266 III HGB geregelt. Grundsätzlich bestehen die Passiva aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der grundlegende Aufbau erfolgt in der Reihenfolge

– Eigenkapital

Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Passive Rechnungsabgrenzungsposten

– Passiv latente Steuern.

Die einzelnen Posten der Passiva sind zumeist noch weiter aufgegliedert.

Eigenkapital und Fremdkapital sind zwei unterschiedliche Finanzierungsquellen, die Unternehmen nutzen können. Das Eigenkapital kann in verschiedene Aspekte wie Kapitalrücklage, Gewinnrücklage und gezeichnetes Kapital untergliedert werden.

Das Fremdkapital ist ebenfalls untergliedert. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die sich aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Krediten ergeben.

Rechnungsabgrenzungsposten komplettieren die Passiva in der Bilanz. Sie entstehen nur in besonderen Fällen.

Das Eigenkapital eines Unternehmens

Das Eigenkapital steht ganz oben auf der Passivseite der Bilanz. Es handelt sich um das Kapital, das von den Eigentümern des Unternehmens eingezahlt wurde. Neben den finanziellen Mitteln der Eigentümer kann es sich auch um Sachwerte handeln, die den Eigentümern gehören.

Die Unternehmer oder Gesellschafter stellen mit ihren Einlagen dem Unternehmen das Eigenkapital zur Verfügung. Wenn keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen bestehen, können die Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, erfolgen. Die Überlassung des Eigenkapitals erfolgt langfristig. Sie ist unbefristet oder mit einer festen Laufzeit möglich. Die Unternehmer oder Gesellschafter haben keinen Anspruch auf eine Rückzahlung oder Verzinsung und gehen kein Liquiditätsrisiko durch Gewinne oder Verluste ein. Das von den Unternehmern oder Gesellschaftern eingebrachte Eigenkapital wird auch als gezeichnetes Kapital bezeichnet. Der Kapitalgeber haftet mit seinem Eigenkapital und hat ein Mitwirkungsrecht.

Zum Eigenkapital gehören auch Gewinnrücklagen des Vorjahres und Kapitalrücklagen. Ein Gewinnvortrag und ein Jahresüberschuss können das Eigenkapital erhöhen, während das Eigenkapital durch einen Verlustvortrag und einen Jahresfehlbetrag gemindert werden kann.

Rückstellungen bei den Passiva

Rückstellungen werden bei den Passiva nach dem Eigenkapital aufgeführt und werden für Zahlungen gebildet, die ein Unternehmen in der Zukunft leisten muss. Dabei weiß das Unternehmen noch nicht genau, in welcher Höhe die Zahlungen zu leisten sind. Solche Zahlungen können beispielsweise für drohende Prozesse oder Verfahren erforderlich sein.

Das Fremdkapital – die Verbindlichkeiten

Das Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Da es nur befristet verfügbar ist, muss es zurückgezahlt werden. Fremdkapital und Eigenkapital dienen der Beschaffung von Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Fremdkapital ist gewinn- und verlustunabhängig. Es erfordert Sicherheiten und steht bei der Verwertung im Rang vor dem Eigenkapital. Der Fremdkapitalgeber muss nicht haften und hat als Gläubiger keine Mitwirkungsrechte.

Verbindlichkeiten bestehen aus

– Kreditoren von Lieferanten aus Lieferungen und Leistungen

– Debitoren als Forderungen an Kunden und erhaltene Anzahlungen

– Krediten, Darlehen, Anleihen und Wechseln

– Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Rückstellungen können das Fremdkapital erhöhen.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus den Passiva können verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet werden:

Eine wichtige Kennzahl für das Eigenkapital ist die Eigenkapitalquote. Sie wird ermittelt, indem die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Sie gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad drückt das Verhältnis vom Fremdkapital zum Eigenkapital aus. Er informiert über den finanziellen Spielraum eines Unternehmens und ist im Rahmen einer Fundamentalanalyse bei Aktien für Anleger von Bedeutung. Anhand des Verschuldungsgrades erfahren potentielle Käufer des Unternehmens sowie Investoren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. Der Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Bonität des Unternehmens. Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, wird das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert.

Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine wichtige Erfolgskennzahl, die ermittelt wird, indem der Gewinn und die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen addiert und durch die Bilanzsumme dividiert werden. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert werden. Je höher die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens in Prozent ist, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Was sind Aktiva?

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und stellen die Kapitalquellen sowie die Vermögenswerte des Unternehmens dar. Den Aktiva stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz gegenüber. Sie stellen das Kapital dar, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerten erforderlich ist. Die Summe der Aktiva muss immer der Summe der Passiva entsprechen.

Aktiva als Vermögen eines Unternehmens

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und informieren darüber, in welche Werte ein Unternehmen sein Kapital investiert hat. Es handelt sich um das Vermögen eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz für das Kapital, das zur Finanzierung der Vermögenswerte dient. Die Summe der Aktiva ist die Summe der Vermögenswerte und muss mit der Summe der Passiva übereinstimmen. Sie bildet die Bilanzsumme.

Zu diesen Vermögenswerten gehören Anlagen, Maschinen, angelegte Wertpapiere und Bankkonten. Bei den Vermögenswerten wird zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. In den meisten Unternehmen besteht eine Aktivierungspflicht. Das Unternehmen ist verpflichtet, seine Vermögenswerte in der Bilanz darzustellen. Es muss dabei Bilanzklarheit, Bilanzwahrheit und Bilanzkontinuität wahren. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen ein Aktivierungswahlrecht oder sogar ein Aktivierungsverbot besteht.

Unterschied zu Passiva

Die Aktiva geben Auskunft darüber, wofür das Kapital eines Unternehmens verwendet wurde. Im Gegensatz dazu informieren die Passiva über die Herkunft der Mittel zur Finanzierung der Vermögenswerte. Die Aktiva werden häufig als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. In die Aktiva fließen die aktiven Bestandskonten, in die Passiva die passiven Bestandskonten aus der Finanzbuchhaltung ein. Es ist abhängig davon, ob es sich um ein Aktivkonto oder um ein Passivkonto handelt, auf welcher Seite dieses Kontos der Anfangsbestand gebucht wird. Die Tatsache, ob es sich um ein Aktiv- oder um ein Passivkonto handelt, ist auch relevant dafür, auf welcher Seite Zugänge und Abgänge erfasst werden.

 

Die Unterteilung der Aktiva

Im § 266 II HGB ist geregelt, wie die Aktiva in einer Bilanz aufgebaut sind. Die Aktiva setzen sich aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen zusammen, die wiederum unterteilt sind. Bei der Erfassung der verschiedenen Aktivposten in der Bilanz muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. Auf der Aktivseite müssen die Vermögenswerte in nachfolgender Reihenfolge erfasst werden:

– Anlagevermögen, unterteilt in

Immaterielle Vermögensgegenstände

Sachanlagen

Finanzanlagen

– Umlaufvermögen, unterteilt in

Vorräte

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

Wertpapiere

Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks

– Rechnungsabgrenzungsposten

– Aktiv latente Steuern

– Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.

Finanzierung der Vermögenswerte

Die Aktiva in der Bilanz werden durch die Passiva finanziert, bei denen zwischen Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden wird. Eigenkapital wird von den Unternehmern oder Gesellschaftern in Form von finanziellen Mitteln oder Betriebsmitteln wie Maschinen und Anlagen in das Unternehmen eingebracht.Beim Fremdkapital handelt es sich um die Mittel, die einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt werden. Das Unternehmen muss das Fremdkapital wieder zurückzahlen, da es nur zeitlich begrenzt zur Verfügung steht.

 

Das Anlagevermögen als Bestandteil der Aktiva

Das Anlagevermögen ist ein Hauptposten der Aktiva und soll dem Unternehmen langfristig dienen. Die im Anlagevermögen enthaltenen Vermögensgegenstände sind zum Aufbau, zur Ausstattung und zur Funktionsfähigkeit eines Unternehmens erforderlich. Sie sind im Unternehmen dauerhaft gebunden. Das Anlagevermögen umfasst

– Immaterielle Wirtschaftsgüter, zu denen Patente, Lizenzen, Verlagsrechte, Marken und Rezepturen gehören

– Sachanlagen, beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Betriebs- und Geschäftsausstattungen, Maschinen

– Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Anteile an anderen Unternehmen

Die Vermögensgegenstände, die zum Anlagevermögen gehören, müssen auch dann in die Aktiva aufgenommen werden, wenn sie vom Unternehmen selbst erstellt wurden, beispielsweise durch das Unternehmen erstellte Software.

Der Wert vieler Gegenstände des Anlagevermögens wird durch Abschreibungen reduziert.

 

Umlaufvermögen als weiterer Hauptposten der Aktiva

Ein weiterer Hauptposten der Aktiva ist das Umlaufvermögen. Es befindet sich im Umlauf und dient dem Unternehmen nur kurzfristig. Beim Umlaufvermögen handelt es sich um Vermögensgegenstände, die zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur Rückzahlung notwendig sind.

 

Nebenposten der Aktiva

Die Nebenposten der Aktiva umfassen

– aktive Rechnungsabgrenzungsposten, die gebildet werden, wenn ein Unternehmen bereits eine Zahlung geleistet hat, für die es erst in der nächsten Abrechnungsperiode den Gegenwert erhält

– aktiv latente Steuern, die entstehen, wenn der Steuerbestand in der Handelsbilanz niedriger als in der Steuerbilanz ist

– aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung als Schulden, bei denen das Vermögen einem einzigen Zweck dient und dem Zugriff durch Gläubiger entzogen wurde.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus der Bilanz können wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen gebildet werden:

Der Verschuldungsgrad spielt bei der Bewertung der Bonität eines Unternehmens eine wichtige Rolle und wird ermittelt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert und mit 100 multipliziert wird. Er stellt das Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital dar.

Die Gesamtkapitalrentabilität wird in Prozent angegeben und informiert darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Der Gewinn des Unternehmens wird mit den geleisteten Zinsen auf Fremdkapital addiert. Diese Summe wird durch die Bilanzsumme dividiert und mit 100 multipliziert. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen sein. Umso höher die Gesamtkapitalrentabilität, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist IAS?

IAS ist die Abkürzung für „International Accounting Standards“, auf Deutsch internationale Rechnungslegungsstandards. Dabei handelt es sich um eine Reihe von international vereinbarten Grundsätzen und Verfahren, die festlegen, auf welche Art und Weise die Rechnungslegung in kapitalmarktorientierten Unternehmen oder Konzernen erfolgen soll.

IAS – Basis für die Rechnungslegung internationaler Unternehmen

Im Zuge der seit Mitte der 1960er Jahre zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft wurde deutlich, dass ein weltweit akzeptierter Rahmen für die auf internationaler Ebene konsistente, vergleichbare, zuverlässige und transparente Erstellung von Finanzunterlagen und -berichten notwendig ist. Diesen einheitlichen Rahmen bilden die bis 2001 veröffentlichten IAS und die nachfolgenden IFRS.

Wer ist für die IAS verantwortlich?

Die IAS wurden vom International Accounting Standards Committee (IASC) erstellt und herausgegeben. Das IASC wurde 1973 von Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Mexiko, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich gegründet. 1989 veröffentlichte das IASC mit dem „Framework for the Preparation and Presentation of Financial Statements“ das erste internationale akzeptierte „konzeptionelle Rahmenwerk“, um Unternehmen bei der Rechnungslegung und Berichterstattung zu unterstützen. Bis zum Jahr 2001 wurden insgesamt 41 IAS Standards vom IASC entwickelt und veröffentlicht.

Ab dem Jahr 2001 wurde eine neue Reihe mit insgesamt 17 Standards entwickelt, die als International Financial Reporting Standards (IFRS) bezeichnet werden. Gleichzeitig erfolgte eine Umbenennung des International Accounting Standards Committee in International Accounting Standards Board (IASB). Seit dem 1. Dezember 2016 hat das IASB 14 Vorstandsmitglieder. Die Mitglieder werden für eine fünfjährige Amtszeit ernannt. Die Verfassung des IASB schreibt vor, dass jeweils vier Vorstandsmitglieder aus der Region Asien/Ozeanien, Europa, Nord- und Südamerika, ein Mitglied aus Afrika und ein weiteres aus einem beliebigen Gebiet stammen müssen. Die Mitglieder des IASB Boards müssen einerseits über praktische Erfahrung und andererseits über eine hohe fachliche Kompetenz in Bezug auf die Rechnungslegung großer Unternehmen verfügen.

Das IASB hat seinen Sitz in London und ist bis heute Herausgeber der aktuellen IFRS. Die älteren IAS werden vom International Accounting Standards Board regelmäßig überarbeitet und bei Bedarf aktualisiert. In der Europäischen Union sind die IFRS seit dem Jahr 2005 von kapitalmarktorientierten Unternehmen bei der Bilanzerstellung verpflichtend anzuwenden. Andere Unternehmen, die international tätig sind, von denen jedoch keine Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere an einer Börse gehandelt werden, können diese Standards ebenfalls anwenden, sind jedoch nicht dazu verpflichtet.

Warum wurden die IAS entwickelt?

Moderne Volkswirtschaften sind auf grenzüberschreitende Transaktionen und den freien Fluss von internationalem Kapital angewiesen. Mehr als ein Drittel aller weltweiten Finanztransaktionen finden heute grenzüberschreitend statt – mit steigender Tendenz. Investoren suchen weltweit nach Diversifizierungs- und Investitionsmöglichkeiten und Unternehmen beschaffen Kapital an den globalen Finanzmärkten, agieren zunehmend international und haben Tochtergesellschaften oder Niederlassungen in mehreren Ländern.

In der Vergangenheit wurden grenzüberschreitende Aktivitäten dadurch erschwert, dass verschiedene Länder ihre eigenen nationalen Rechnungslegungsstandards hatten. Dieser Flickenteppich unterschiedlicher Vorschriften erhöhte häufig die Kosten für internationale Transaktionen, die Komplexität der Abschlüsse und letztendlich das Risiko für Investoren und andere, die diese Abschlüsse für wirtschaftliche Entscheidungen verwenden.

Die Anwendung nationaler Rechnungslegungsstandards bedeutete, dass die im Jahresabschluss ausgewiesenen Beträge oft auf unterschiedlichen Grundlagen berechnet werden. Für Kapitalgeber und andere interessierte Personenkreise bedeutet dies, dass die Details der nationalen Rechnungslegungsstandards im Einzelnen untersucht werden müssen, da selbst ein geringer Unterschied in den Anforderungen bei der Rechnungslegung einen erheblichen Einfluss auf die veröffentlichte Leistung und finanzielle Lage eines Unternehmens haben kann.

Mit den IAS und den seit 2001 veröffentlichten IFRS wurden die Jahresabschlüsse transparenter und leichter vergleichbar. Die IAS und IFRS-Standards behandelt einzelne Themenbereiche der Rechnungslegung und empfehlen, wie bestimmte Transaktionen in der Rechnungslegung dargestellt werden sollten, Sie sorgen für Transparenz, indem sie die Qualität von Finanzinformationen vereinheitlichen und verbessern. Dies ermöglicht Anlegern und anderen Marktteilnehmern, fundierte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Die IAS und IFRS Standards verringern die Informationslücke zwischen den Kapitalgebern und den Unternehmen und Personen, denen sie ihr Geld anvertraut haben. Die Standards schreiben die Veröffentlichung von Informationen vor, die erforderlich sind, um das Management zur Rechenschaft zu ziehen.

Als Rahmen für global vergleichbare Informationen sind die IAS und IFRS-Standards auch für Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt von entscheidender Bedeutung. Nicht zuletzt tragen die Standards zur Wirtschaftlichkeit bei, indem sie Anlegern helfen, Chancen und Risiken zu identifizieren und so die Kapitalallokation zu verbessern. Für Unternehmen reduziert die Verwendung weltweit gültiger Standards die Kapitalkosten und senkt die Kosten für die internationale Berichterstattung.

Welche Vorteile bietet diese Rechnungslegung?

Die Mitgliedsländer der G20 und andere große internationale Organisationen sowie sehr viele Regierungen, Wirtschaftsverbände und Investoren unterstützen das Ziel eines einheitlichen Satzes von qualitativ hochwertigen, globalen Rechnungslegungsstandards. Unter anderem macht die Weltbank die Vergabe von Krediten davon abhängig, ob die IAS verwendet werden. In der Regel verlangen international tätige Investoren Abschlüsse, die auf Grundlage dieser Standards erstellt worden.

Dies hat dazu geführt, dass die IAS und IFRS trotz eines für viele Unternehmen zunächst erhöhten Aufwandes bei der Rechnungslegung heute weitgehend akzeptiert werden. Die IAS und IFRS ermöglichen Investoren und anderen interessierten Personenkreisen den unkomplizierten Vergleich von Unternehmen bei einem Unternehmensverkauf egal, in welchem Land das Unternehmen seinen Sitz hat. Diesen Vorteil wissen Investoren zu schätzen, wenn sie im Datenraum ein Unternehmen im Rahmen der Due Diligence bewerten.

Was ist Factoring?

Die Historie der Forderungsfinanzierung reicht weit in die Vergangenheit zurück. Den Vorläufer der heute beliebten Unternehmensfinanzierungsform gab es bereits im alten Babylonien sowie bei den alten Griechen und Römern. Hier wurden schon vor 5000 Jahren Handelsgeschäfte finanziell über Vermittler abgewickelt, welche im Prinzip Factoringleistungen nach heutigem Verständnis anboten. Die Römer waren es auch, die dem Factoring den Namen (facere = machen) gaben.

Definition des Factorings

Factoring bedeutet ständiger Forderungsverkauf aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens gegen seine Kunden an ein Factoringinstitut. Dadurch, dass das Unternehmen seinen Kunden ein Zahlungsziel setzt und damit einen häufig kostenlosen Lieferantenkredit gewährt, entstehen die Forderungen.

Rechtliche Grundlagen des Factorings

Factoring ist rechtlich gesehen ein Kaufvertrag von Forderungen. Die Geschäftsbeziehung basiert auf einem Factoringvertrag zwischen Factoringgesellschaft und Kunden/Unternehmen. In der Praxis übernimmt die Factoringgesellschaft ebenso das gesamte Debitorenmanagement sowie das Ausfallrisiko des Lieferantenkredits.

Aufgaben des Factorings

Die Factoringgesellschaft (Factor) übernimmt durch Ankauf der Forderungen eine Finanzierungsfunktion, die bei den meisten Factoringkunden im Vordergrund steht.
Die Finanzierungsfunktion des Factorings besteht darin, dass dem Factoringkunden der Gegenwert der Forderung abzüglich des Sicherheitsbehaltes sofort und umsatzkongruent vom Factor bereitgestellt wird. Der Factoringkunde kann dann sofort über diese Mittel verfügen und verbessert hiermit seine Liquiditätslage.

Factoring

Wie wirkt sich Factoring auf die Liquidität aus?

Das Factoring kann, was die Finanzierungsfunktion betrifft, als Vermögensumschichtung und damit als Innenfinanzierung betrachtet werden.

Weiterhin bewirkt die Finanzierungsfunktion für den Factoringkunden einen sofortigen Liquiditätszufluss beim Verkauf der Forderungen. Der Factoringkunde muss nicht abwarten, bis der Debitor die ausstehenden Forderungen begleicht. Im Allgemeinen bietet der Factor die sofortige Bezahlung von bis zu 90 Prozent der an ihn abgetretenen Forderungen an. Das Geld steht dem Unternehmen sofort zur Verfügung und sollte beispielsweise für die Verminderung beziehungsweise Tilgung eigener Schulden bei Geldinstituten oder Lieferanten benutzt werden. Meistens fixiert der Factor diese Reduktion als Auflage.
Dies bewirkt eine Bilanzverkürzung und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Die noch bestehende Differenz von mindestens 10 Prozent der zugrunde liegenden Forderungen behält das Factoringinstitut als Entgelt und Sicherheitsabschlag für etwaige Forderungsausfälle unmittelbar zurück.
In der Praxis beinhaltet Forderungsfinanzierung häufig die Übernahme eines möglichen Forderungsausfalles(Delkredererisiko) als Zusatzfunktion. Dies geschieht dahingehend, dass der Factor das Unternehmen von seinem Kreditrisiko befreit und auf etwaige Regressansprüche verzichtet.
Optional besteht seitens der Factoringgesellschaft die Möglichkeit, Bereiche der Verwaltung und des Debitorenmanagements zu übernehmen. In der Praxis ist häufig die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Mahnwesens und des Inkassos anzutreffen.

Arten des Factorings

Als echtes Factoring bezeichnet man das Verfahren, bei dem die Factoringgesellschaft das Delkredererisiko

Factoring

Wer trägt bei den beiden Factoring-Arten das Risiko?

übernimmt. Unechtes Factoring dagegen verzichtet auf die Übernahme dieses Risikos. In Deutschland ist hauptsächlich das Verfahren des echten Factorings verbreitet. Die Veräußerung der Forderung erfolgt mit Übergang aller Rechte und Pflichten an den Factor.
Man unterscheidet weiterhin das offene Factoring, bei dem der Schuldner Kenntnis vom Verkauf der Forderung hat, und das stille Factoring, bei dem die Kunden an das Unternehmen zahlen und das Unternehmen die für die verkauften Forderungen vereinnahmten Gelder an das Factoringinstitut weiterleitet.

Kosten für das Factoring

  • Die Kosten für die Forderungsfinanzierung berechnen sich aus folgenden Parametern:
  • Factorabler Jahresumsatz
  • Finanzierungslinie (angekaufte Forderungen multipliziert mit der Bevorschussungsquote)
  • Bonität des Factoringkunden
  • Anzahl Kunden
  • Anzahl Rechnungen
  • Umfang der übernommenen Dienstleistung (Full-Service Factoring oder Inhouse Factoring)
  • Bestehen einer Kreditversicherung
  • spezifisches Ausfallrisiko der Forderung.
In der Praxis orientiert sich der Faktor für die Vorfinanzierung am EURIBOR zuzüglich eines Aufschlages von in der Regel ein bis zwei Prozentpunkten. Lesen Sie hier alles über die EURIBOR.

Berechnungsbeispiel

Für die Dienstleistungsgebühr (1 Prozent von 1 Million EUR Umsatz) werden 10.000 EUR für die Delkrederegebühr (1 Prozent von 1 Million Umsatz) auch 10.000 EUR erhoben. Die Zinsen betragen (1,5 Prozent von 900.000 EUR) 13.500 EUR. Daraus ergeben sich monatliche Kosten in Höhe von 33.500 EUR, die den monatlichen Einsparungen gegenüber stehen. Es fallen Debitorenbuchhaltungs– und Mahnkosten in Höhe von 20.000 EUR und Forderungsausfälle in Höhe von 5.000 EUR weg. Die Verminderung der Zinsen beläuft sich auf (6 Prozent von 900.000 / 12 Monate) 4.500 EUR. Daraus ergibt sich eine Einsparung von 29.500 EUR.
Da die Kosten höher als die Einsparungen sind, sollte in diesem Beispiel kein Factoring durchgeführt werden.

Vorteile des Factorings

Durch die Finanzierungsfunktion erhält ein Factoringkunde den um den Sicherheitsbehalt verminderten Gegenwert der abgetretenen Forderung vom Factoringinstitut zur Verfügung gestellt. Diese Eigenschaft des Factorings stellt für ein Unternehmen die Sicherung der eigenen Liquidität dar und hilft, Zahlungsengpässe zu vermeiden. Der Factoringkunde wird so auch in die Lage versetzt, seine Finanzplanung besser gestalten zu können. Der Bedarf an finanziellen Mitteln eines Unternehmens kann direkt durch die Veräußerung der Außenstände durch den Factor gedeckt werden. Der Unternehmer ist so gestellt, als würden alle seine Abnehmer am Tag des Rechungserhalts bezahlen.

Damit steigt gleichzeitig die finanzielle Flexibilität, da Factoring als umsatzkongruente Wachstumsfinanzierung im

Factoring

Finanziell bewirkt Factoring eine größere Liquidität

Vergleich zu Betriebsmittelkrediten die Liquiditätssituation verbessern kann. Beim Factoring besteht kein fixiertes

Gesamtlimit wie beispielsweise bei einem KontokorrentkreditFactoring ermöglicht es Unternehmen, ohne zusätzliche persönliche Sicherheiten ihren Finanzierungsrahmen auszubauen. Außerdem kann ein Unternehmen die flüssigen Geldmittel dazu verwenden, frühzeitig die Rechnungen der eigenen Lieferanten zu bezahlen, um so deren gewährte Skonti zu nutzen und finanzielle Mittel einzusparen.
Nutzt der Factoringkunde den neu gewonnenen Liquiditätsspielraum zur Tilgung bestehender Schulden, bewirkt dies in der Bilanz eine Verbesserung der Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital und damit eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Sofern die Factoringgesellschaft mit der Forderungsübertragung auch die Ausfallrisiken bei Zahlungsunfähigkeit übernimmt, ist der Klient vom Kreditausfallrisiko befreit, da der Factor das Risiko eines Forderungsausfalls
regresslos trägt. Der Forderungsverkäufer kann von der zumeist höheren Inkassostärke der
Factoringgesellschaft profitieren. In der Praxis zeigt sich dies in höheren Inkassoquoten und somit in niedrigeren Aufwendungen durch Forderungsausfälle. Das Factoring kann damit eine Kreditversicherung gegen Forderungsausfälle ersetzen.

Was ist Zahlungsunfähigkeit?

Zahlungsunfähigkeit ist mit Blick auf die rechtliche Definition nach Paragraf 17 Absatz 1 InsO ein wesentlicher Grund, um eine Insolvenz zu eröffnen. In dem Zusammenhang ist es nicht von Bedeutung, um welche Rechtsform des Schuldners es sich im Einzelnen handelt. Der Begriff Zahlungsunfähigkeit beschreibt die Unfähigkeit eines Schuldners, seinen Zahlungsverpflichtungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nachzukommen. Dies ist dem ersten Satz des Absatzes 2 desselben Paragrafen zu entnehmen.

Hierbei geht man davon aus, dass der Schuldner bedingt durch die bestehende finanzielle Situation seine Zahlungen eingestellt hat und noch bestehende Forderungen seiner Gläubiger nicht erfüllt bzw. bedienen kann. Wichtig ist, die individuellen finanziellen Gegebenheiten stets im Blick zu behalten. Vorausschauend planen und handeln – das sind oft die zentralen Grundpfeiler, wenn es darum geht, einer möglichen Zahlungsunfähigkeit oder einer Überschuldung effektiv entgegenzuwirken.

Zahlungsunfähigkeit und Cash Flow

Den Gegensatz zur Zahlungsunfähigkeit bildet der Cash Flow. So wird der Liquiditätsfluss eines Unternehmens innerhalb eines spezifischen Zeitraumes als Cash Flow bezeichnet. An diesem Wert ist ablesbar, wie stark ein Betrieb in Bezug auf finanzielle Aspekte sowie im Hinblick auf die jeweiligen Erträge ist. Die generierten Daten spielen vor allem dann eine wesentliche Rolle, wenn es um die Bedienbarkeit eines Kredites bzw. um die Kreditwürdigkeit im

Cashflow und Zahlungsunfähigkeit

Wie hängen Cashflow und Zahlungsunfähigkeit zusammen?

Allgemeinen geht. Auch für Anbieter von Dienstleistungen sowie für Lieferanten etc. ist der Cash Flow eines Unternehmens von Relevanz. In Deutschland sind ausschließlich börsennotierte Firmen dazu verpflichtet, ihren Cash Flow auch der Öffentlichkeit preiszugeben. KMUs und größere, nicht börsennotierte Firmen sind von dieser Regelung nicht betroffen. Lesen Sie hier mehr über den Cashflow.

Insolvenz bei Zahlungsunfähigkeit

Zahlungsunfähige Personen oder Unternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. In jedem Fall muss aber der zu Grunde liegende Sachverhalt tiefgreifender in Augenschein genommen werden. So gilt es unter anderem zu unterscheiden, ob tatsächlich eine Zahlungsunfähigkeit vorliegt oder ob lediglich ein Mangel an Liquidität besteht. Dieser muss jedoch innerhalb einer festgelegten Frist von 21 Tagen ausgeglichen werden – und das zu mindestens 90 Prozent. So sieht es das BGH vor. Diesbezüglich ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofeseine „Zahlungsunfähigkeit klar abzugrenzen von der bloßen Zahlungsstockung. Hierbei ist von einem kurzfristig behebbaren Mangel an liquiden Mitteln die Rede.“ (Zitat) Gelingt es nicht, innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes den Großteil der Verbindlichkeiten abzutragen, tritt mit Ablauf der Frist automatisch die Zahlungsunfähigkeit in Kraft.

Hinweis:

Sofern es sich bei dem Schuldner um eine Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit oder um eine juristische Person handelt, ist es unerlässlich, die Insolvenz unverzüglich einzuleiten.

Zahlungsunfähigkeit

Zahlungspflichten müssen eingehalten werden!

Verbraucher aber auch Unternehmen sind in jedem Fall dazu angehalten, die Forderungen von Dienstleistern oder Warenanbietern etc. in vollem Umfang und nach individueller Absprache zu erfüllen. Insbesondere gegenüber Banken und anderen Kredit gebenden Instituten besteht selbstverständlich eine Zahlungspflicht. Dabei liegt der folgende Leistungskreislauf zu Grunde: Unternehmen finanzieren sich durch den Verkauf von Produkten, Services oder Dienstleistungen. Die im Zuge dessen generierten Umsätze werden meist zu einem Großteil dazu verwendet, Lieferanten, Dienstleister, Banken etc. zu bedienen.

Aufgrund verschiedener Umstände ist es jedoch möglich, dass das Interesse der Kunden an dem Waren- oder Dienstleistungsangebot nachlässt und der Absatz der betreffenden Unternehmen demgemäß einbricht. Eine solche Negativ-Entwicklung geht stets mit verminderten Geldeingängen einher. In der Konsequenz wird es daher schwieriger, Rechnungen pünktlich zu begleichen oder Kreditforderungen vereinbarungsgemäß zu tilgen. Sowohl bei kurz- und mittelfristigen, als auch bei langfristigen Verträgen und Krediten, ist es aufgrund dessen nicht mehr möglich, die erforderlichen Zahlungen zum jeweils im Vorfeld festgelegten Zeitpunkt zu begleichen.

Zu beachten ist aus der Sicht zahlungsunfähiger Personen oder Unternehmen Folgendes:

  • Eine Zahlungsunfähigkeit wirkt sich erheblich auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens aus.
  • Es dürfen keine weiteren Waren bezogen oder Leistungen in Anspruch genommen werden.
  • Wirtschaftlich schwächere Bereiche können bzw. sollten abgestoßen werden, um bestehende Forderungen zu erfüllen.

    Zahlungsunfähigkeit Richtlinien

    Worauf müssen Zahlungsunfähige achten?

  • Die Anpassung von Kreditraten oder die Verlängerung von Kreditlaufzeiten kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein.

Sofern auch diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen, ist es unerlässlich, das Unternehmen zu liquidieren.  Personen und Unternehmen sind gleichermaßen dazu verpflichtet, sich regelmäßig über die gesetzlichen Bestimmungen zu informieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit kann man so adäquat reagieren. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder bei einer Überschuldung ist umgehend, jedoch in Anlehnung an die aktuelle Gesetzgebung, innerhalb von drei Wochen ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen. Sofern dieser Schritt zu spät in die Wege geleitet oder gänzlich versäumt wird, muss der Schuldner mit einer strafrechtlichen sowie zivilrechtlichen Verfolgung rechnen.

Wissenswertes für Schuldner und Gläubiger

Bei einem durchzuführenden Insolvenzverfahren werden sowohl die Rechte der Schuldner als auch der Gläubiger in gewisser Weise beschnitten. So werden die Gläubiger im Rahmen einer Insolvenzeröffnung zu einer so genannten Verlustgemeinschaft. Das bedeutet, dass sie den Zahlungsausfall ihres Schuldners jeweils anteilsmäßig zu tragen haben. Gläubiger, die beabsichtigen, sich dieser Verlustgemeinschaft zu entziehen, müssen zusätzliche Konsequenzen fürchten. So ist es ihnen unter anderem nicht gestattet, Einzelzwangsvollstreckungen durchzuführen oder gar „in Eigenregie“ einen Prozess gegen den Schuldner anzustreben.

Was ist Fremdkapital?

Das Fremdkapital (engl.: debtdebt capital) ist der Unternehmung von Gläubigern zur Verfügung gestellt. Die Mittel sind befristet und müssen zurückgezahlt werden. Mit Fremdkapital und Eigenkapital werden Anlagevermögen und Umlaufvermögen beschafft.

Merkmale des Fremdkapitals:

– Gewinn- und Verlust-unabhängiges Entgelt (Zinsen)
– zeitlich befristete Überlassung
– kündbar
– erfordert Sicherheiten
– im Rang vor dem Eigenkapital (bei Verwertungen)
– keine Haftung des Fremdkapitalgebers
– keine Mitwirkungsrechte des Gläubigers.

 

Abgrenzung Fremdkapital und Eigenkapital

Fremdkapital wird befristet vergeben und kann vom Gläubiger gekündigt werden. Der Fremdkapitalgeber hat einen Vergütungsanspruch (Darlehenszinsen), der vom Gewinn- und Verlust des Bilanzjahres unabhängig ist. Auch Inhaber und Gesellschafter können neben ihren Eigenkapitalanteilen der Unternehmung Fremdkapital in Form von Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Fremdkapital ist Teil der unternehmerischen Fremdfinanzierung und eine Form der Außenfinanzierung. Es kann jedoch auch in der Innenfinanzierung generiert werden, wie beispielsweise über Rückstellungen.

Fremdkapital oder Eigenkapital

Fremdkapital oder Eigenkapital?

Hybride Kapitalanteile und Mezzanine

Die Abgrenzung zwischen Fremd- und Eigenkapital kann für Analysten und Banken schwierig sein. Im Allgemeinen werden Bilanzposition nicht mehr als Eigenkapital eingestuft, sobald die geringste Rückzahlungsmöglichkeit besteht. Auch mit einer erfolgsunabhängigen Verzinsung zählt das Kapital regelmäßig zum Fremdkapital. Hybride Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital werden Mezzanine-Kapital genannt. Rückstellungen, einschließlich Pensionsrückstellungen, sind immer Fremdkapital, da eine Rückzahlungswahrscheinlichkeit vorhanden ist (mindestens 50 Prozent). Lesen Sie hier mehr über das Mezzanine-Kapital.

Immobilienfinanzierung mit Fremdkapitalbeteiligung

Beim Immobilienkauf und in Bauprojekten ist das Fremdkapital die Summe aller aufgenommenen Darlehen für die Finanzierung. Das Fremdkapital des Bauvorhabens setzt sich aus Darlehen und Krediten bei Banken, Versicherungen und anderen Instituten, Arbeitgebern (Arbeitgeberdarlehen), der öffentlichen Hand (KommunaldarlehenKfW) und Privatpersonen zusammen. Zur Versicherung der Darlehen tritt der Bauherr den Kreditinstituten Rechte am Bauobjekt ab (Grundpfandrechte).

Vorteile des Fremdkapitals

– Erhöhung der Liquidität
– Keine Änderung bei der Mitbestimmung
– Keine Änderung bei der Verteilung der Geschäftsbeteiligungen
– Nutzung des Leverage-Effekts (Gewinnsteigerung, höhere Rendite)
– Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität (attraktiv für Investoren)
– Zinsen können als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden.

Nachteile des Fremdkapitals

– Sicherheiten sind erforderlich
– Zinszahlungen auch bei schlechter Geschäftslage
– Befristete Laufzeit des Kapitals
– Minderung der unternehmerischen Unabhängigkeit.

Fristigkeiten des Fremdkapitals

Fremdkapital wird nach seiner Laufzeit (kurz-, mittel- und langfristig) unterschieden. Mittelfristige Fremdkapitalanteile ergeben sich aus dem Saldo zwischen kurzfristigen und langfristigen Verbindlichkeiten. Wichtig ist die Unterscheidung der Fristigkeiten für die Passivierung der Verbindlichkeiten in der Bilanz sowie bei Auswertungen der Vermögenssituation mit Kennzahlen.

Bilanzierung des Fremdkapitals

Fremdkapital bilanzieren

Die Passiv-Seite der Bilanz wird relevant

Reicht das Eigenkapital nicht aus, kann das Unternehmen zur Finanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen (z. B. Anlagen, Fuhrpark, Vorräte) zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Das Fremdkapital erscheint mit dem Eigenkapital auf der Passiva der Bilanz.

Verbindlichkeiten (§ 266 Abs. 3 C HGB)
+ Rückstellungen (§ 266 Abs. 3 B HGB)
Rechnungsabgrenzungsposten (§ 266 Abs. 3 D HGB)
+ latente Steuern (§ 266 Abs. 3 E HGB)
= Summe des Fremdkapitals nach § 266 HGB

Bei der Bilanzierung muss das Fremdkapital (Verbindlichkeiten und Rückstellungen) nach Herkunftsarten und Laufzeiten gegliedert werden. Nach § 268 Abs. 5 HGB sind Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr und ab einem 1 Jahr auszuweisen. Bei Restlaufzeiten von mehr als 5 Jahren sind nach § 285 Nr. 1 HGB Angaben über Art, Umfang und Form der gestellten Sicherheiten im Anhang zu machen.

Die Verbindlichkeiten des Fremdkapitals

Verbindlichkeiten sind Teil des Fremdkapitals. Zur Erhöhung des Fremdkapitals geht das Unternehmen als Schuldner eine Verpflichtung gegenüber einem Dritten (Gläubiger) ein. Bilanztechnisch sind Verbindlichkeiten die Verpflichtungen zu einer Lieferung oder sonstigen Leistung. Das Gegenstück zur Verbindlichkeit ist die Forderung.

Arten der Verbindlichkeiten (englfinancial liabilities)

– Kreditoren (Lieferanten): Lieferungen und Leistungen
– Debitoren (Kunden): erhaltene Anzahlungen
– Kreditinstitute: Darlehen, Kredite, Wechsel, Anleihen
– Finanzamt: sonstige Verbindlichkeiten (siehe auch Rückstellungen).

Die Bewertung der Verbindlichkeiten erfolgt nach § 253 Abs. 1 HGB zum Erfüllungsbetrag, der den Anschaffungskosten entspricht. Bei der Umrechnung von Verbindlichkeiten in Fremdwährungen ist § 256a HGB anzuwenden.

Ungewissheit bei Rückstellungen

Rückstellungen erhöhen das Fremdkapital. Sie werden gebildet, um dem kaufmännischen Vorsichtsprinzip aus § 252 HGB zu genügen.

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, deren Bestehen oder Höhe zum Bilanzstichtag ungewiss sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie fällig werden, muss hinreichend groß sein. Rückstellungen werden wie Verbindlichkeiten als Fremdkapitalteile auf der Passiva der Bilanz verbucht. Anzunehmen ist nach § 253 Abs. 1 HGB der Betrag zur Erfüllung der Verbindlichkeit (Erfüllungsbetrag).

Fremdkapital und Rückstellungen

Was sind Rückstellungen?

Unterschieden werden
– Pensionsrückstellungen (§ 249 Abs. 1 HGB) für Pensionszusagen des Unternehmens gegenüber dem Mitarbeiter.
– Steuerrückstellungen, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Die Steuern müssen bis zum Ende des Geschäftsjahres wirtschaftlich entstanden sein. Passiv latente Steuern werden in § 274 Abs. 1 HGB geregelt.
Sonstige Rückstellungen werden aus Kulanzgründen (Beseitigung von Mängeln an Lieferungen und Leistungen), aufgrund von Drohverlust nach § 249 Abs. 1 HGB und aus Garantieverpflichtungen gebildet.

Weitere Rückstellungen können für Prozesse, Provisionen, Aufwände für unterlassene Instandhaltungen sowie für Jahresabschluss- und Prüfungskosten veranlasst werden. Rückstellungen sind nicht mit Rücklagen zu verwechseln, die dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Bei den Rücklagen sind Höhe und Bestehen bekannt.

Rechnungsabgrenzungsposten

Rechnungsabgrenzungsposten werden als Fremdkapital in der Bilanz ausgewiesen. Mit der Rechnungsabgrenzung werden Werte aus GuV und Bilanz der tatsächlichen Rechnungsperiode (z. B. Quartal, Geschäftsjahr) zugeordnet.
Beispiel: Mit dem Kunden wurde ein Zahlungsziel vereinbart. Lieferung und Leistung fallen in unterschiedliche Bilanzjahre.

Fremdkapital in der Liquidation

Die Ansprüche aus Fremdkapitalforderungen stehen im Rang vor den Eigenkapitalforderungen. Ist ein Gesellschafter mit seiner Eigenkapitaleinlage im Rückstand, kann der Insolvenzverwalter nach § 171 Abs. 2 HGB die Leistung in die Masse verlangen.

Anders verhält es sich bei Gesellschafterkrediten oder des von Nichtgesellschaftern bereit gestellten Fremdkapitals. Im Falle eines Insolvenzverfahrens können sie vom Gläubiger außerordentlich gekündigt werden (§ 490 Abs. 1 BGB). Wurde die Darlehenssumme bereits ausgezahlt, kann der Gläubiger einen Rückforderungsanspruch geltend machen und am Insolvenzverfahren teilnehmen.

Der Rang des Fremdkapitals nach seiner Absicherung

Bei Immobiliendarlehen kann eine weitere Klassifizierung des Fremdkapitals über seine Absicherung erfolgen:

Erstrangig abgesichertes Fremdkapital (englsenior debt): Das Immobilienprojekt wird mit einem Darlehen finanziert, das mit einer erstrangigen Grundschuld besichert ist. Erstrangig eingetragene Gläubiger werden bei einer Zahlungsunfähigkeit bzw. Insolvenz zuerst bedient.
Nachrangig abgesichertes Fremdkapital (eng. junior debt) und Mezzanine-Kapital: Je nach Ausgestaltung ist das überlassene Kapital bilanziell dem Eigenkapital zuzurechnen.

Kennzahlen des Fremdkapitals

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Analyse des Fremdkapitals liefern wichtige Aussagen für Bilanzanalysen und Bonitätsaussagen der Kreditinstitute.

Fremdkapital Kennzahlen

Was sagt das Fremdkapital aus?

Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote (AnspannungskoeffizientAnspannungsgrad) ist mit der Eigenkapitalquote die bedeutendste vertikale Bilanzkennzahl. Sie ermittelt den Anteil der Fremdfinanzierung an der Gesamtfinanzierung (Bilanzsumme).

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme * 100

Mit hohen Fremdkapitalquoten steigt der Zinsaufwand, da Gläubiger für das geliehene Kapital ein Entgelt verlangen. Ein hoher Schuldendienst des Unternehmens mindert wiederum den Gewinn. Mit zunehmender Verschuldung steigt demnach der Break-Even-Point an (cost leverage).

Eine hohe Fremdkapitalquote schlägt sich nicht zuletzt auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nieder. Sie bringt Risiken bei der Beschäftigung, der Refinanzierung und der Liquidität mit sich. Bei hohem Fremdkapitalanteil steigt das Ausfallrisiko von Gläubigern. Neue Kredite lassen sich unter Umständen nur noch zu ungünstigen Konditionen aufnehmen. Übliche Fremdkapitalquoten liegen im Baugewerbe bei etwa 72 %, im Einzelhandel mit 62 % und in der Automobilindustrie bei 39 % der Bilanzsumme.

Liquidität

Die Kennzahlen für die Liquidität werden nach ihrer Fristigkeit unterschieden (Liquidität I bis III). Im englischen sind je nach Fristigkeit unterschiedliche Begriffe üblich: Current Ratio, Cash Ratio (Barliquidität), Acid Test Ratio (Quick Ratio).

Liquidität 1. Grades

Die Kennzahl für die Barliquidität sollte größer oder gleich 0,2 sein. Die Liquidität I ermittelt das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Sie zeigt an, ob ein Unternehmen seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen durch die verfügbaren liquiden Mittel erfüllen kann.

Liquidität I (Cash Ratio) = liquid Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades

Die Liquidität II ermittelt das Verhältnis der kurzfristige Geldmittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Beträgt die Liquidität II 1 oder mehr, können alle kurzfristige Verbindlichkeiten mit den kurzfrisitgen Geldmitteln gezahlt werden. Bei einem Wert kleiner 1 muss das Unternehmen Mittel beschaffen, um den Verbindlichkeiten nachkommen zu können.

Liquidität II (Acid Test Ratio ATR, auch Quick Ratio) = (Geldvermögen + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 3. Grades

Ist die Liquidität III kleiner oder gleich 1, muss unter Umständen Anlagevermögen (Maschinen, Fahrzeuge u.ä.) zur Deckung verkauft werden. Nach der Banker’s Rule (Two-to-One-Rule) sollte die Liquidität III mindestens 2 sein.

Liquidität III (Current Ratio) = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten.

Gesamtkapitalrentabilität

Die GKR (GesamtkapitalrenditeKapitalrentabilitätUnternehmensrenditeUnternehmensrentabilitätenglReturn on AssetsRoA) gibt an, wie gibt an, wie effizient der Kapitaleinsatz innerhalb der Abrechnungsperiode war.

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn aus GuV + Fremdkapitalzinsen) / (Eigenkapital + Fremdkapital)

Cash Burn Rate: Kennzahl, Aussagekraft und Interpretation

Bei der Cash Burn Rate (CBR) handelt es sich um eine Kennzahl, die einen Rückschluss auf die Liquidität Ihres Unternehmens zulässt. Konkret bezeichnet sie die Zeitspanne bis zur Insolvenz bei anhaltend hohen Betriebsausgaben.

Sie entspricht dem Quotienten aus liquiden und geldnahen Mitteln sowie dem negativen operativen Cashflow. Die CBR ist insbesondere im Zusammenhang mit Start-ups mit hohen Anfangs-Investitionen relevant, wo herkömmliche Kennzahlen sich als nicht hinreichend erwiesen.

Cash Burn Rate im Überblick

Cash Burn RateDie Cash Burn Rate findet eine deutschsprachige Entsprechung im Begriff Geld-Verbrennungsrate. Sie steht für die Zeitdauer, bis die liquiden Mittel eines Unternehmens bei gleichbleibendem Ausgabeverhalten aufgebraucht sind, bis also Insolvenz droht.

Die Unternehmens-Kennzahl lässt sich dem Jahresabschluss beziehungsweise der Kapitalflussrechnung entnehmen. Besonders bei jungen Unternehmen kommt der CBR eine hohe Bedeutung im Datenraum zu. Potentielle Investoren sind an sämtlichen relevanten Kennzahlen interessiert.

Die CBR als Maß für die Liquiditätslage

Als Maß für die Liquiditätslage des Unternehmens ist die Cash Burn Rate von besonderem Interesse. Der Begriff kam insbesondere im Zusammenhang mit jungen Unternehmen der New Economy auf. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass ein hohes Risiko mit überdurchschnittlichen Gewinnaussichten einhergeht.

Besonders in der Gründungsphase ist Ihr Unternehmen mit besonders hohen laufenden fixen und variablen Kosten konfrontiert. Dazu gehören (Marketing-)Ausgaben für die Bekanntmachung des Unternehmens, Ausstattungskosten und Kosten für das Personal.

Gleichermaßen generieren Sie in dieser Phase wahrscheinlich noch keine großen Umsätze geschweige denn Gewinne. Daher ist die Cash Burn Rate eine hilfreiche Kennzahl zur Abschätzung, wann Ihrem Unternehmen bei gleichbleibend hohen Ausgaben die Liquidität ausgehen wird. Typischerweise handelt es sich bei der CBR um einen Bemessungszeitraum, der zwischen einem Monat und einem Jahr anzusiedeln ist.

Berechnung der Cash Burn Rate

Zur Ermittlung der Liquidität Ihres Unternehmens über die Cash Burn Rate bedarf es korrekter Werte, die in die Formel eingesetzt werden. Sie lautet:

Liquide und geldnahe Mittel / negativer operativer Cashflow.

Konkrete Rechenbeispiele vermitteln einen greifbaren Eindruck.

Angenommen, ein Start-up verfügt über 50.000 Euro Rücklagen in Form von Eigenkapital. Die monatlichen Ausgaben betragen 6.000 Euro gegenüber Einnahmen von 1.000 Euro monatlich. Die Cash Burn Rate beträgt in diesem Beispiel 50.000 / (6.000 – 1.000) = 10. Der Wert von 10 lässt sich so interpretieren, dass dem Unternehmen bei der aktuellen Ausgabe- und Einnahmesituation 10 Monate verbleiben, bis das Eigenkapital beziehungsweise die liquiden Mittel aufgebraucht sind.

Für Start-ups ist es anzuraten, sich auf diesem sich ergebenden Zeitfenster nicht auszuruhen. Vorteilhafter ist es, wenn die Einnahmen die Ausgaben so früh wie möglich kompensieren. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass die Kennzahl der Cash Burn Rate nicht als statisch zu betrachten ist. Je nach Eigenkapital und Cash Flow kann sie sich jederzeit ändern. Steigt ihr Wert, so spricht dies für eine solidere Finanzlage und es bleibt dem Unternehmen mehr Zeit, bis die Mittel ausgeschöpft sind.

Herausforderung in der Bestimmung

Die Herausforderung besteht darin, die Summe der liquiden und geldnahen Mittel exakt und korrekt zu bestimmen. Eine der wesentlichen Voraussetzungen hierfür besteht in einer geordneten und strukturierten Buchhaltung.

Die liquiden sowie geldnahen Mittel lassen oft mit dem Begriff Eigenkapital zusammenfassen. Gemeint sind finanzielle Mittel, die ein Start-up bereits ohne Fremdkapitalaufnahme mitbringt. Mit der Anwendung des Eigenkapitals steigt die Aussagekraft der Kennzahl, da sich auf diese Weise die gesamten eigenen finanziellen Mittel Ihres Unternehmens berücksichtigen lassen.

Der negative operative Cashflow liegt grundsätzlich dann vor, sobald die Ausgaben Ihres Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum höher als die Einnahmen ausfallen. Dies ist nicht zwingend negativ zu werten, da gerade in der Anfangsphase oftmals hohe Investitionen für das Wachstum erforderlich sind und kurzfristig einen negativen operativen Cashflow zur Folge haben können.

Die richtigen Rückschlüsse ziehen

Werden präzise Daten in die angegebene Formel eingegeben, gibt die Formel Rückschluss auf den voraussichtlichen Zeitpunkt, zu dem Ihr Unternehmen unter gleichem Ausgabeverhalten in finanzielle Engpässe gerät.

Die Kennzahl zeigt also an, wann die liquiden Mittel beziehungsweise das Eigenkapital aufgebraucht sein werden. Im Beispiel eines Worst-Case-Szenarios handelt es sich beim Ergebnis der Cash Burn Rate um den Zeitpunkt der Insolvenz. Ist dies der Fall, gibt es keine unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten mehr, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Mit der Cash Burn Rate ist eine spezielle Kennzahl für die Start-ups in der New Economy eingeführt worden. Herkömmliche betriebswirtschaftliche Ansätze greifen aufgrund der besonderen Herausforderungen dieser jungen Unternehmen häufig nicht. Oftmals generieren solche Unternehmen über mehrere Geschäftsjahre keine nennenswerten Gewinne oder Cashflows. Die Interpretation einer hohen oder niedrigen Cash Burn Rate erfordert allerdings eine separate Betrachtung des jeweiligen Falls.

Interpretation der CBR

Die Cash Burn Rate ist neben Start-ups auch für die Einführung neuer Geschäftsfelder oder Geschäftseinheiten von besonderem Interesse. Jede Anfangsphase ist typischerweise von hohen Anfangs-Investitionen geprägt. Hierbei kommen negative operative Cashflows zustande, wodurch sich die finanziellen Spielräume verringern.

Anwendung findet die Kennzahl in der Finanzierungs-Analyse. Speziell in der Cash-Flow-Analyse hat sie eine wichtige Bedeutung. Die Cash Burn Rate ist als Kennzahl für die Liquidität nicht nur im Hinblick auf die Einschätzung der eigenen Finanzlage entscheidend. Auch potentielle Investoren interessieren sich für die Liquidität. Im Businessplan des Unternehmens kann sie daher für mögliche Geldgeber ausschlaggebend sein.

Grundsätzlich ist eine hohe Cash Burn Rate als Indikator einer soliden finanziellen Situation des Unternehmens zu verstehen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass ein hoher Wert dieser Kennzahl zur im Gesamtzusammenhang mit anderen Kennzahlen zu beurteilen ist.

Auch andere Punkte einschließen

Eine Verwendung und Interpretation sollte stets im Zusammenhang mit einer Fundamentalanalyse erfolgen. Weiterhin handelt es sich bei diesem Wert stets nur um eine Momentaufnahme. Ein verbesserter Cashflow beispielsweise kann die Cash Burn Rate jederzeit verändern. Weiterhin kann die Erhöhung des Eigenkapitals die CBR verbessern (beispielsweise indem neue Gesellschafter gewonnen werden).

Handelt es sich um eine geringe Cash Burn Rate, so gibt dies einen Hinweis darauf, dass ein Unternehmen seine finanziellen Reserven bald ausgeschöpft haben wird. Als Gegenmaßnahme könnten etwa die Ausgaben gesenkt oder für mehr positiven Cashflow (etwa durch Erhöhung der Umsätze) gesorgt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit einer umgekehrten Berechnung der Cash Burn Rate. In diesem Falle ist sie als Geschwindigkeit zu verstehen, mit der ein Unternehmen seine liquiden Mittel beim gegenwärtigen Geschäftsverhalten „verbrennt“. Unter dieser Berechnungsgrundlage ist die Interpretation genau umgekehrt: ein niedriger Wert wäre ein Indikator auf ein geringes Tempo der Geldverbrennung und damit auf eine solide Finanzlage.