Was ist ein Oligopol?

In den Wirtschaftswissenschaften (Mikroökonomie) bezeichnet das Oligopol (Angebotsoligopol) eine Marktform, in der für ein ökonomisches Gut viele Nachfrager wenigen Anbietern gegenüberstehen. Das Oligopson (Nachfrageoligopol) ist der umgekehrte Fall, in dem viele Anbieter an wenige Nachfrager verkaufen müssen. Oligopol setzt sich aus dem altgriechischen olígos „wenig, gering“ und polein „Handel treiben“ zusammen.

– viele Nachfrager, wenig Anbieter
– einzelne Marktteilnehmer halten große Marktanteile
– intensiver Wettbewerb
– Preisabsprachen sind leicht möglich.

Beispiele für Oligopole sind der Strommarkt, bei dem vier Großkonzerne 80 Prozent des Erzeugermarktes halten. Der Mobilfunkmarkt mit vier öffentlichen Netzbetreibern und Millionen von Mobilfunknutzern ist ebenfalls ein Oligopolisten-Markt. Weitere Märkte sind die Mineralölwirtschaft (fünf große Konzerne) sowie die Flugzeug-, Automobil- und Computerindustrie.

Abgrenzungen der Oligopole

Das Oligopol steht zwischen Polypol und Monopol. Als Nachfrageoligopol kann es Preisabsprachen mit sich bringen. Das Oligopol belebt den Wettbewerb, allerdings ist dieser schwächer ausgeprägt als beim Polypol. Auf dem Oligopolisten-Markt treten relativ wenig große Verkäufer bzw. Käufer auf. Die wenigen Anbieter haben eine relativ große Marktmacht. Bei der Marktform des Oligopols werden das Angebotsoligopol,

Analyse Oligopol

Welches Oligopol liegt vor?

das Nachfrageoligopol und das bilaterale Oligopol unterschieden. Bei zwei Verkäufern spricht man von einem Dyopol (Duopol). Das Bilaterale oder zweiseitige Oligopol ist ein Markt mit wenig Anbietern und wenig Nachfragern.

Wann liegt ein Oligopol vor?

Damit ein Oligopol vorliegt, müssten zunächst viele von wenigen Anbietern unterschieden werden. Dies ist in der Praxis kaum möglich und ein Oligopol wird beim Vorliegen einer oligopolistischen Interdependenz bzw. der Reaktionsverbundenheit angenommen. Kennzeichnend ist, dass in die Gewinnfunktion des Oligopolisten Größen eingehen, die er selbst nicht beeinflussen kann. Damit muss der Oligopolist seinen Gewinn in Abhängigkeit der Konkurrenten maximieren (Aktionsparameter und Reaktionen). Mit dem richtigen Einschätzen der Reaktionen seiner Mitbewerber hat der Oligopolisteine gewisse Marktmacht. Ein Oligopol liegt bereits dann vor, wenn der Anbieter glaubt, dass seine Entscheidung signifikant von dem Verhalten der Mitbewerber abhängt.

Die Theorie der Oligopole wird häufig mit der Spieltheorie untersucht. Im Spiel liegen vollständige Informationen vor und jeder Anbieter kann die optimale Reaktion seiner Mitkonkurrenten einschätzen. Vom Marktgleichgewicht (Nash-Gleichgewicht) spricht man, wenn keiner der Oligopolisten wagt, Parameter wie Menge oder Preis zu ändern. Es wird erwartet, die Konkurrenz durchschaut die Strategie und versucht sie zu durchkreuzen. Verschiedene Oligopol-Modelle wurden definiert.

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Warum bilden sich Oligopole?

Auf dem Markt gibt es nur wenige Anbieter, womit jeder eine gewisse Marktmacht hat. Das erlaubt den Teilnehmern, über Preis- oder Mengenentscheidungen das Marktgeschehen zu beeinflussen. Damit hängt der Absatz eines Anbieters vom Verhalten seiner Konkurrenten ab. Erhöhen diese den Preis, wird sich der Absatz beim Oligopolist mit dem günstigeren Preis erhöhen.

Unterschieden werden

Oligopol-Arten

Welche Oligopole gibt es?

homogene Oligopole mit Kunden, die alle Güter als perfekte Substitute ansehen. Welches Produkt von welchem Anbieter gekauft wird, spielt kaum eine Rolle.
heterogene (inhomogenes) Oligopole, auf deren Märkten die angebotenen Güter von den Nachfragern nur begrenzt substituiert werden können (differenzierte Produkte).

Starker Wettbewerb auf dem Oligopolisten-Markt

Beim Oligopol besteht eine enge Reaktionsverbundenheit zwischen Preis- und Mengensetzung innerhalb der Anbieterstruktur. Damit hat jeder Anbieter eine gewisse Marktmacht. Diese Wirkung zwischen den Anbieter wird als strategische Interdependenz bezeichnet. Die strategische Interdependenz besteht bereits dann, wenn ein Konkurrent glaubt, dass seine Entscheidung signifikant von den Aktionen anderer Anbieter abhängt. Für den Entscheider ist die optimale Einschätzung des Marktes wichtig. Die Käufer nehmen hingegen die Entscheidungen und ihre Folgen als gegeben hin. Auf dem oligopolistischen Markt ist der Wettbewerb besonders intensiv. Auf Preissenkungen der Konkurrenz kann man schnell reagieren, wie z. B. im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Reaktionen auf dem Oligopolisten-Markt

Jeder Teilnehmer hält einen relativ hohen Anteil am Markt. Damit führen Entscheidungen und gezielte Maßnahmen zur Preispolitik oder Produkt-Diversifikation sehr schnell zu Gegenmaßnahmen der Konkurrenz. Beim Oligopol besteht die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs und eines Preiskampfs um die Marktanteile. Da alle Anbieter Entscheidungen bzw. Reaktionen auf eigene Entscheidungen fürchten, besteht ein Hang zum „Gleichschritt“ auf dem Oligopolisten-Markt. Trifft ein Oligopolist eine Entscheidung, können folgende Situationen eintreten:

Preisführerschaft

Preise im Oligopol

Der Oligopolist als Preisführer

Wird ein Oligopolist von seinen Mitbewerbern als Preisführer anerkannt, warten alle auf seine Entscheidung. Erst wenn der Preisführer den Markt verändert, ziehen die Markteilnehmer nach. Dies kann zum sogenannten Stackelberg-Gleichgewichtführen.

Imitation

Im Oligopol wird Verhalten häufig kopiert. Mit der Nachahmung eines Preisführers kann in einem Zweier-Oligopol auch die Maximierung eines Monopolpreises erreicht werden.

Kartellbildung und Absprachen

Abgestimmte Verhaltensweisen sind in engen Oligopolen leicht möglich. Im homogenen Oligopol, in dem kaum Diversifikation bei den Produkten besteht, können Preis- und Mengenabsprachen einfach organisiert werden. Beispiele sind die Stromindustrie, die Zement- oder Zuckerindustrie.

Ruinöser Wettbewerb

Aggressives Preisverhalten kann Mitbewerber aus dem Markt drängen. Unter Umständen können im Oligopolisten-Markt nur Unternehmen bestimmter Größe überleben. Kleinere Anbieter können durch Verkäufe unterhalb der Kostengrenze in den Ruin getrieben werden.

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Preisstarrheit

Sind die Unternehmen auf dem Oligopolisten-Markt gleich schwach oder gleich stark, wagt keiner mehr eine Änderung in seinem Verhalten. Die Durchkreuzung der Strategie durch die Mitbewerber wird gefürchtet.

Wettbewerb

Insbesondere heterogene Oligopole unterstützen einen intensiver und dem technischen Fortschritt dienenden Wettbewerb.

Preisabsprache im Oligopol

Preisabsprachen können zu Problemen führen

Probleme auf dem Oligopol-Markt

Das Wettbewerbsrecht verbietet Preisabsprachen. Führen Fusionen von Unternehmen zu Oligopolen, können sie vom Kartellamt untersagt werden. Verhindert werden soll die Bildung eines schädlichen Oligopols, bei dem durch Imitation ein Oligopolfrieden herbeigeführt wird. Schädlich ist auch, wenn eine Kollusion der Oligopole droht („coordinated effects„).

Ein verschleiertes Oligopol liegt vor, wenn eine Vielfalt „eigenständiger Marken“ angeboten wird. Für den Verbraucher nicht sichtbar ist beispielsweise der Handel mit CDs und Tonträgern ein Oligopol von wenigen Anbieter (etwa 72 Prozent Marktanteil in 2004).

Theoretische Oligopol-Modelle

Das CournotOligopol ist ein Markt, auf dem die Anbieter ihre Angebotsmengen vorab und simultan entscheiden. Beim Stackelberg-Wettbewerb wird vorab und hintereinander über die Mengen entschieden.

Über die Angebotspreise wird beim Bertrand-Wettbewerb vorab simultan und bei der Preisführerschaft vorab und hintereinander entschieden. Lesen Sie hier mehr über den Betrand-Wettbewerb.

Die Imitation ist ein Markt, auf dem man die Aktionen der Anbieter mit höherem Gewinn imitiert. Im +Vordergrund steht nicht die eigene (Cournot) oder gemeinsame (Kollusion) Gewinnmaximierung.

Ein Drei-D-Modell von Stringer und Rudnik beschreibt ein dreidimensionales Oligpol-Modell. Das Sweezy-Modell definiert einen Markt, auf dem der Preis starr bleibt und nur Größen wie Werbung und Serviceleistungen in die Entscheidungen einfließen. Das Hotelling-Modell entscheidet vorab über eine Positionierung (räumlich oder durch Produktvarianten). Das Krebs-Scheinkman-Modell entscheidet simultan zunächst über die Kapazitäten und dann über die Angebotspreise.