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Was ist IFRS?

IFRS ist die Abkürzung für „International Financial Reporting Standards“, auf Deutsch internationale Rechnungslegungsgrundsätze. In den Standards werden Regeln festgelegt, um die Jahresabschlüsse von Konzernen weltweit konsistent, transparent und vergleichbar zu machen. Die IFRS wurden in der Europäischen Union entwickelt und werden vom International Accounting Standards Board (IASB) mit Sitz in London herausgegeben.

Große Unternehmen und Konzerne, die den Kapitalmarkt nutzen, um Finanzmittel zu beschaffen, müssen seit einigen Jahren ihre Bilanz und Konzernabschlüsse nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften erstellen. Die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind international gültige Vorschriften für weltweit konsistente, transparente und vergleichbare Abschlüsse.

Wo werden die IFRS verwendet?

Die IFRS dienen dazu, die Rechnungspraktiken und -aussagen einheitlich zu gestalten. Sie sollen Unternehmen und Investoren ermöglichen, fundierte Finanzanalysen und -entscheidungen auf einer einheitlichen Informationsbasis zu treffen. Vorläufer der IFRS waren die International Accounting Standards (IAS). Diese Rechnungslegungsgrundsätze wurden bis zum Jahr 2000 vom International Accounting Standards Committee (IASC) herausgegeben. Sie enthalten wie die International Financial Reporting Standards ebenfalls grundlegende Vorschriften zur Rechnungslegung und Regelungen zur Bilanzerstellung. Die IAS sind in den IFRS aufgegangen aber heute noch gültig. Nur ein Teil der alten IAS Standards ist heute obsolet.

Struktur der International Financial Reporting Standards

Die IFRS enthalten im Gegensatz zum HGB (Handelsgesetzbuch) keine allgemeingültigen Vorschriften und in sich geschlossene Regeln für die Rechnungslegung. Die IFRS setzen sich vielmehr mit Einzelfragen auseinander, sodass die einzelnen Vorschriften wesentlich ausführlicher ausgelegt sind, als die gesetzlichen Bestimmungen im deutschen Handelsgesetzbuch. Durch die detaillierte Auseinandersetzung mit Einzelfragen kommt es bei den IFRS häufig zu sich wiederholenden Angaben innerhalb des Regelwerks. Grundsätzlich bestehen die International Financial Reporting Standards aus den drei Teilen Framework, Standards und den Interpretations.

Die Standards und die sogenannten Interpretations bauen auf dem Framework auf. Dadurch erfolgt eine inhaltliche Konkretisierung im Einzelfall immer von unten nach oben, das heißt, vom Framework ausgehend über die Standards zu den Interpretations. Das Framework liefert zunächst allgemeine Informationen über die Zielsetzung der International Financial Reporting Standards. Darüber hinaus sind hier Hinweise für die Ausgestaltung von Konzernabschlüssen enthalten. Alle im Framework enthaltenen Informationen sind jedoch nicht verbindlich.

Standards von Jahresabschlüssen

Deutlich konkreter sind die Standards. Sie geben unter anderem eine formal zu erfüllende Darstellung und Gliederung für die Jahresabschlüsse von Konzernen vor. Beispielsweise müssen Unternehmen jeweils zum Beginn und zum Ende des Geschäftsjahres, das heißt mindestens zweimal jährlich, ihre Finanz- und Vermögenslage veröffentlichen. Zudem ist in den Standards vorgegeben, dass die Jahresabschlüsse Informationen über den Gesamterfolg des Unternehmens, Veränderungen des Eigenkapitals und sowie Angaben zu den Zahlungsströmen enthalten muss. Darüber hinaus müssen im Anhang zur Bilanz Angaben zu den angewendeten Bewertungs- und Bilanzierungsmethoden gemacht machen. Zurzeit gibt es im IFRS 16 + 41 IAS Standards, in denen jeweils ein spezielles Problem bei der Bilanzierung behandelt wird. Der dritte Teil der International Financial Reporting Standards, die Interpretations sind die offizielle Auslegung der Standards und ergänzen diese.

Grundlegender Aufbau eines Standards der IFRS

Die in den IAS/IFRS enthaltenen Standards sind grundsätzlich alle gleich strukturiert. Zunächst wird die Zielsetzung des jeweiligen Standards und dessen Anwendungsbereich beschrieben. Ergänzt wird diese Beschreibung durch die Definition der wesentlichen Begriffe. Danach folgt eine Behandlung der Bewertungsfragen und wie die Ausweisung in der Bilanz erfolgen soll. Hinzu kommen Ausführungen zu den erforderlichen Offenlegungen. Diese entsprechen in etwa den laut HGB erforderlichen Angaben in Bilanzanhang. Revidierte und neue Standards enthalten einen Hinweis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Standards oder zum Inkrafttreten der Neuregelung /Änderung.

Unterschiede zwischen IFRS und GAAP

Zwischen den International Financial Reporting Standards und den beispielsweise in den USA und Kanada angewendeten allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen (GAAP) bestehen mehrere Unterschiede. Beispielsweise in der Art und Weise, wie Bestände bilanziert werden. Es gibt zwei Möglichkeiten. First-In-First-Out (FIFO) und Last-In-First-Out (LIFO). FIFO bedeutet, das zuerst gekaufte Bestände zuerst wieder verkauft werden. LIFO bedeutet, dass der letzte Bestand der erste ist, der verkauft wird. IFRS verbietet LIFO, während es bei Anwendung der GAAP möglich ist, beide frei Prinzipien zu verwenden.

Verpflichtung zur Anwendung der IFRS für Konzerne

Die Anwendung der International Financial Reporting Standards ist seit dem 1. Januar 2005 für Konzerne und Unternehmen, deren Aktien oder Anleihen am Kapitalmarkt gehandelt werden, verpflichtend. Zusätzlich müssen in Deutschland ansässige Unternehmen die Steuerbilanz nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches erstellen. Das bedeutet, dass für Unternehmen in Deutschland der Aufwand für die Erstellung der Jahresabschlüsse annähernd verdoppelt hat. Zurzeit werden die IFRS in mehr als 120 Ländern weltweit angewendet. Neben den Ländern der Europäischen Union sind die International Financial Reporting Standards mittlerweile verpflichtend in vielen Ländern Asiens und Südamerikas.

Welche Vorteile bieten die IFRS?

Trotz des erhöhten Aufwands bei der Bilanzerstellung werden die IFRS von einem Großteil der Unternehmen sehr positiv gesehen. Durch die Vereinheitlichung der Bilanzierungsrichtlinien ermöglichen die International Financial Reporting Standards Anlegern, Investoren und anderen interessierten Personenkreis einen objektiven und einfachen Vergleich der verschiedenen Unternehmen, egal wo sie ihren Sitz haben. Dies ist beispielsweise ein wesentlicher Vorteil bei einem Unternehmensverkauf , wenn im Rahmen der Due Diligence im Datenraum ein Unternehmen objektiv bewertet werden muss.

Was ist KI?

Mit dem Begriff künstliche Intelligenz (KI) werden Technologien und hoch entwickelte Prozesse bezeichnet, in deren Rahmen Maschinen bzw. Computerprogramme ein menschenähnliches Denkvermögen simulieren können. Künstliche Intelligenz (KI) gibt Maschinen die Möglichkeit, aus Erfahrung zu lernen und mit neuen Informationen ihre Fähigkeit zum Bewältigen neuer Aufgaben auszubauen. Einige prominente Beispiele für KI sind Systeme wie Google Home oder Amazon Alexa, die auf natürlicher Sprachverarbeitung und Deep Learning basieren.

Intelligente Maschinen

Künstliche Intelligenz (KI) soll Computern die Fähigkeit verleihen, Probleme eigenständig zu bearbeiten und zu lösen. In Computerspielen wird beispielsweise durch den Einsatz einfacher Algorithmen ein scheinbar „intelligentes Verhalten“ simuliert. Künstliche Intelligenz (KI) umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Teilgebiete, wie zum Beispiel:

–       wissensbasierte Systeme

–       Musteranalysen und Mustererkennung, wie Sie beispielsweise bei dem webbasierten Dokumenten-Management-System Docurex zum Einsatz kommen

–       Robotik und Modellierung in verschiedenen Industriebranchen

–       künstliches Leben

Lernen anhand von Mustern und Merkmalen

KI-Software soll anhand von Merkmalen oder Mustern in Daten lernen. Zu diesem Zweck werden gigantische Datenmengen mit iterativen Berechnungen und intelligenten Algorithmen kombiniert. Das Forschungsfeld der künstlichen Intelligenz ist breit aufgestellt und nutzt viele unterschiedliche Methoden, Technologien und Theorien. Zu den bedeutendsten Teilbereichen der KI gehören:

–       Neuronale Netze

Neuronale Netze begünstigen maschinelles Lernen, indem miteinander verbundene Knoten (Nodes) Datensätze verarbeiten. Die Funktionsweise dieser Knoten entspricht der der Neuronen im menschlichen Gehirn: Sie reagieren auf neue Datensätze und verteilen Informationen auf andere Knoten. Neuronale Netze versuchen in mehreren Iterationen (Durchläufen) relevante Verbindungen im Datensatz und undefinierte Daten zu evaluieren.

–       Maschinelles Lernen

Maschinelles Lernen gibt Computerprogrammen die Fähigkeit, auch nicht explizit programmierte Lösungen zu finden. Um dies zu erreichen, bedient sich die künstliche Intelligenz (KI) verschiedener Methoden aus Statistik, Physik und neuronalen Netzen.

–       Deep Learning

Das tief gehende Lernen (Deep Learning) wird in erster Linie bei Sprach- und Bilderkennung eingesetzt. Zu diesem Zweck werden größere neuronale Netze genutzt, die aus Verarbeitungsknoten in mehreren Schichten zusammengesetzt sind. Mit Deep Learning lassen sich bestimmte Muster aus großen Datenmengen äußerst effektiv erlernen.

–       Computer Vision

Inhalte von Videos und Bildern lassen sich mit Deep Learning-Methoden effizient interpretieren. Durch den Einsatz von maschinellem Sehen (Computer Vision) können solche Inhalte in Echtzeit analysiert und im Kontext des Umfeldes interpretiert werden.

–       Natürliche Sprachverarbeitung (Natural Language Processing)

Künstliche Intelligenz soll in der Lage sein, die menschliche Sprache analysieren, verstehen und selbst erzeugen zu können. Das Ziel der natürlichen Sprachverarbeitung ist es, letztlich eine Interaktion zwischen Menschen und Maschinen in natürlicher Sprache zu ermöglichen. NLP-Systeme werden heute schon in unterschiedlichen Geräten eingesetzt, wie beispielsweise Amazon Alexa, Google Home und zahlreichen anderen Sprachassistenten.

Anwendungsbereiche von KI

Der Bedarf an intelligenten Systemen mit KI-Fähigkeiten ist gigantisch. Sollen Kundenanfragen automatisch beantwortet werden, Dokumente automatisiert analysiert und archiviert werden oder Risikohinweise gegeben werden, sind Systeme im Einsatz, die durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Zu den Branchen, in denen KI-Systeme in den letzten Jahren immer stärker eingesetzt werden, gehören:

–       Gesundheitswesen und Sport

Im Gesundheitswesen entwickeln sich KI-Systeme immer mehr zu persönlichen Gesundheitsassistenten. KI kann Benutzer beispielsweise an die Einnahme von Medikamenten erinnern oder durch die kontinuierliche Überwachung der Schlafgewohnheiten ihrer Benutzer einen gesunden Schlafrhythmus fördern. Im Sportbereich kann KI (Künstliche Intelligenz) genutzt werden, um beispielsweise die Spielvorbereitung (Vorbereitung, Aufstellung, Training) zu optimieren.

–       Daten- und Dokumentenarchivierung

Künstliche Intelligenz kommt auch bei Dokumenten-Management-Systemen, wie beispielsweise Docurex, zum Einsatz. Bei dem webbasierten DMS-System Docurex wird künstliche Intelligenz (KI) u.a. genutzt, um den Prozess der Klassifizierung von Dokumenten zu automatisieren. Die künstliche Intelligenz entscheidet bei Docurex selbst darüber, ob ein Dokument etwa ein Vertrag oder eine Rechnung ist.

–       Einzelhandel

Schon heute werden Benutzern beim Online-Einkauf personalisierte Empfehlungen geboten. Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt beim virtuellen Einkauf, indem Kunden zum Beispiel weitere Kaufoptionen vorgeschlagen werden, die diese eventuell interessant finden. Solche KI-Systeme lernen u.a. auch von den Einkäufen anderer Nutzer sowie von deren Such- und Surfgewohnheiten.

–       Fertigung

Mit KI-Systemen können Nachfrage und Auslastung relativ gut prognostiziert werden. Dazu übertragen intelligente Geräte der Fertigungsanlagen ihre Daten an das KI-System. Künstliche Intelligenz kümmert sich dann mit Deep Learning und neuronalen Netzen um die regelrechte Analyse der Daten.

Künstliche Intelligenz mit menschlichem Denkvermögen

Ein wesentlicher Teilbereich der Forschung rund um künstliche Intelligenz beschäftigt sich mit der Entwicklung von Software-Systemen und Maschinen, die sich wie Menschen verhalten sollen. Die große Herausforderung besteht in der „Digitalisierung des menschlichen Denkvermögens“. Da sich künstliche Intelligenz u.a. auch mit maschinellem Lernen befasst, sollen mit dem Nachbau des menschlichen Gehirns auch Maschinen bis zu einem gewissen Grad lernfähig werden. Diese Lernfähigkeit nennt man „neuronale Netze“.

Nutzen von künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft

Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Vorstellung sollen Systeme auf Basis von künstlicher Intelligenz den Menschen nicht ersetzen, sondern eher komplementieren. Von der künstlichen Intelligenz profitiert in erster Linie auch der Mensch. Künstliche Intelligenz kann zum Beispiel:

–       Analyseverfahren wie zum Beispiel Pattern Matching oder Zeitreihenanalysen optimieren

–       Sprach- und Übersetzungsbarrieren reduzieren oder sogar vollkommen eliminieren

–       Wichtige Analytics für die verschiedensten Bereiche und Branchen bereitstellen

–       Durch die Bereitstellung relevanter Daten die menschliche Fähigkeit der Entscheidungsfindung verbessern

Was ist eine Unternehmensbewertung

Eine Unternehmensbewertung wird für die Ermittlung des Wertes eines Unternehmens benötigt. Sie kann auch für die Bewertung der Anteile an einem Unternehmen sehr hilfreich sein. Die Unternehmensbewertung ist ein wichtiger Bestandteil des Corporate Finance. Informieren Sie sich außerdem, wie Sie einen Datenraum für die Analyse von Transaktionen nutzen können.

Die objektive Bewertungslehre

Bereits in den 50er Jahren war man der Meinung, dass es für die Bewertung eines Unternehmens wichtig ist, dass objektive Werte zur Verfügung stehen. Bei einer objektiven Bewertungslehre wird ein einziger innewohnender Wert des Unternehmens ermittelt.

In den letzten Jahren haben sich viele Bewertungsmethoden für Unternehmen durchgesetzt. Jede Unternehmensbewertung sollte dem Ansatz eines Methodenpluralismus folgen. Dadurch kann eine verlässliche Bewertung eines Unternehmens stattfinden. Der Vorteil einer Multiplikatormethode ist die einfache Handhabung und die leichte Verständlichkeit.

Eine marktorientierte Unternehmensbewertung

Bei einem Multiplikatorverfahren wird der Wert eines zu bewertenden Unternehmens entweder aus dem Marktpreis börsennotierter, vergleichbarer Unternehmen abgeleistet. Die Ermittlung kann man aber auch auf Basis von Preisen ermitteln, die im Rahmen der einzelnen Transaktionen mit ähnlichen Unternehmen gezahlt wurden.

Der Wert eines Unternehmens ergibt sich als Produkt eines aus einem Vergleichsunternehmen abgeleiteten Multiplikators und der Bewertungsobjekt Kennzahl. Bei einem Multiplikatoransatz wird insgeheim unterstellt, dass sich Rückschlüsse für den Wert eine betreffenden Unternehmens durch beobachtbare Marktpreise ziehen lassen. Für die Aussagekraft der Unternehmensbewertung ist es somit wichtig, eine Vergleichbarkeit der Unternehmen mit dem Bewertungsobjekt herzustellen.

Die Analyse von Bewertungsobjekten

Für die Bewertung eines Unternehmens mit Hilfe eines Multiplikatoransatzes benötigt man gleich mehrere Schritte. Als erstes erfolgt eine betriebswirtschaftliche Analyse des jeweiligen Bewertungsobjekts im Bezug auf die wesentlichen Werttreiber wie zum Beispiel die Wachstumsrate der Umsätze, die Positionierung im relevanten Markt oder die operative Marge.

Man benötigt bei der Analyse des Bewertungsobjekts börsennotierte, vergleichbare Unternehmen benötigt. Als Alternative kann man aber auch vergleichbare Unternehmen für eine Unternehmensbewertung nutzen die Gegenstand von jüngeren Transaktionen waren. Das bedeutet, dass die Unternehmen, die ähnliche Zahlungsströme für ihre Eigentümer erzeugen, als Vergleich dienen können.

Diese Unternehmen sind in der Regel meistens in der gleichen Branche angesiedelt. Das ist aber nicht zwangsläufig notwendig. In vielen Fällen stellt genau diese Aufgabe den Bewerter vor eine große Herausforderung. Rein realistisch gesehen, ist es sehr schwer, ein exakt vergleichbares Unternehmen aus der gleichen Branche zu finden.

Damit eine Unabhängigkeit zu anderen Unternehmen beibehalten wird, wird häufig auf eine ganze Gruppe von vergleichbaren Unternehmen zurückgegriffen.

Die Bereinigung der Daten

Die Finanzdaten des Vergleichsunternehmens bereinigt man genau um die Komponenten, die für das Unternehmen Sondereinflüsse darstellen. Bei einer Unternehmensbewertung ist es wichtig, dass man die Vergleichbarkeit der Unternehmen durch das Bewertungsobjekt erhöht. Gleichzeitig sollte die Ermittlung des Wertes auf der Basis von nachhaltigen bzw. voraussichtlich dauerhaft möglichen Ergebnissen, erfolgen.

Hierbei sind die unterschiedlichsten Ausübungen der Bewertungs– und Bilanzierungswahlrechte und außergewöhnliche Effekte zu berücksichtigen. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel einen sehr hohen Ertrag erwirtschaftet hat, dann sollte man diesen Ertrag im Rahmen der Ergebnisermittlung direkt eliminieren. Ansonsten kann es passieren, dass es zu einer Bewertungsverzerrung kommt.

Je nach Größe und Umfang der Bereinigungen, die für eine Unternehmensbewertung wichtig sind, kann diese Aufgabe einen erheblichen Arbeitsaufwand bei den Analysen verursachen.

Die Berechnung der Multiplikationen

unternehmensbewertung brokerNach der Bereinigung erfolgt bei einer Unternehmensbewertung die Berechnung und Ableitung der Multiplikatoren. Diese muss man als Grundlage für die Ermittlung der Werte mit heranziehen. Sehr häufig kann man aktuelle Werte in das Verhältnis der zu erwartenden Bezugsgrößen verwenden, da die Unternehmenswerte sehr häufig auch die Zukunftswerte darstellen. Dadurch können zum Beispiel Analysten Schätzungen des Institutionel Brokers Estimate Systems (IBES) verwenden. Hierbei handelt es sich um einen Informationsdienst.

Wertgrößen wie der Umsatz, Cash FlowEBITEBITDA oder der Jahresüberschuss kommen dabei in Betracht. Aber auch Mengengrößen, wie die Anzahl der Kunden oder Webseiten Clicks können bei der Berechnung sehr nützlich sein. Webseiten Clicks hat man zum Beispiel in der Hochphase der New Economy Bewertung genutzt, um dadurch ertraglose und umsatzlose Unternehmen bewerten zu können. Die Größen der Mengen sollte man aber immer mit großer Vorsicht genießen. Die Unterschiede der Kostenstrukturen und der Ertragskraft kann man nicht immer berücksichtigen

Die Bewertungsab– und –zuschläge

Sobald der Unternehmenswert eines Objektes ermittelt wurde, sollte man noch überprüfen, inwiefern man die Bewertungsab– und –zuschläge für das jeweilige Unternehmen vornehmen kann. Hierbei kann man zum Beispiel in der Praxis bei einer Übernahme von Mehranteilen die Kontrollprämien vergüten.

Dadurch honoriert man die erweiterten Mitspracherechte. Wenn das Bewertungsobjekt nicht börsennotiert ist, dann kann ein Abschlag für eine mangelnde Fungibilität teilweise in Betracht kommen. Die Ermittlung der exakten Höhe von Zu- und Abschlägen ist nur von Experten möglich, das sich die Berechnung in der Praxis häufig als sehr schwierig gestaltet.

Die BWA und ihre Bedeutung im Unternehmen

Generell lassen sich aus der BWA alle wichtigen Informationen entnehmen, die für ein Unternehmen im Hinblick auf die Kosten- und Erlössituation wichtig sind. Damit spiegelt die Betriebswirtschaftliche Auswertung grundsätzlich die gesamte finanzielle Lage auf einen Blick wider.

In der Regel bezieht sich die Betriebswirtschaftliche Auswertung auf die laufenden Daten, die man aus der Finanzbuchhaltung übermittelt. Innerhalb eines laufenden Wirtschaftsjahres kann so ein Unternehmer genauen Aufschluss über die eigene Kosten- und Erlössituation gewinnen und damit die Ertragslage aktuell einschätzen. Auch interessant: Wie Sie einen Datenraum für die BWA nutzen können.

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung arbeitet anders als die Bilanz. Während die Bilanz die Auswertungen zeitverzögert nach einigen Monaten liefert, bietet die Betriebswirtschaftliche Auswertung aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.

Wie entstand die BWA?

Betriebswirtschaftliche Auswertung KreditErstmals wurde die Betriebswirtschaftliche Auswertung in den 1960er Jahren durch DATEV Deutschland als DATEV-Standard-BWA veröffentlicht. Sie sollte als Entscheidungsgrundlage für kleine und mittelständische Unternehmen dienen. Kreditinstitute nutzten diese Betriebswirtschaftliche Auswertung als Basisinformation, um die Beurteilungen von Krediten innerhalb der Kreditwürdigkeit umzusetzen. Inzwischen ist DATEV zu einem der führenden Anbieter geworden und hat die erstmalige Standard-BWA vielfältiger geschaffen und bietet zudem auch branchenbezogene Betriebswirtschaftliche Auswertungen an.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Betriebswirtschaftliche Auswertung?

Die Bedeutung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung in der Unternehmung ist aus einzel- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr groß. In den steuerberatenden Branchen werden monatlich mehr als 2,5 Millionen Auswertungen dieser Art gedruckt. Die Aussagekraft für Unternehmungen, Finanzverwaltungen und auch für Banken ist sehr groß. Die Anforderungen an die Aussage- und an die Auswertungskraft der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dazu ist es wichtig, dass die Betriebswirtschaftliche Auswertung

  • eine rechtformenneutrale Gestaltung hat
  • mit dem Branchenvergleich, dem sogenannten DATIV-Betriebsvergleich, kompatibel ist
  • grundsätzlich größenordnungsneutrale Abbildungen liefert
  • mit den statistischen Daten und dem Rechnungswesen innerhalb des Betriebs integrierte Darstellungen gestattet
  • grundsätzlich standardisierbar ist

Weiterhin sind zusätzlich Zeitpläne und Zeitreihen sowie auch Vorjahresvergleiche und auch grafische Darstellungen wichtige Qualitätskriterien einer Betriebswirtschaftlichen Auswertung.

In der Struktur bildet die Betriebswirtschaftliche Auswertung keine reine Kontenabfrage, sondern eine deutliche betriebswirtschaftliche Aussage.

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bildet ein sehr wichtiges Instrument im Finanzhaushalt im Betrieb und basiert dabei auf Daten, die aus der laufenden Finanzbuchhaltung im Betrieb stammen. Das heißt, dass sie ein Instrument ist, das Verantwortlichen im Betrieb aktuelle Einblicke und Überblicke liefert, was die Kostensituation und die Erlössituation in einer Unternehmung angeht. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung kann die genaue Ertragslage des laufenden Geschäftsjahres abbilden. Die Erstellung erfolgt, anders als bei einer Bilanz, nicht zeitverzögert, sondern spiegelt die aktuelle Lage im Betrieb wider.

Darüber hinaus ist die BWA eine wichtige Datenquelle wenn es um die Ermittlung einer Unternehmensbewertung im Rahmen des Unternehmenskaufs geht.

Was muss eine aussagefähige Betriebswirtschaftliche Auswertung leisten?

Sehr wichtig innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ist, dass die Aufwendungen und Erlöse mit ihrer maßgeblichen Auswirkung innerhalb der Finanzbuchhaltung sowohl unterjährig als auch zeitnah eine Berücksichtigung finden. In Anlehnung an die Branche und das entsprechende Geschäftsmodell können hier verschiedene Positionen gegeben sein. Im Handwerksbetrieb und im produzierenden Gewerbe sind die Bestände an fertigen und unfertigen Arbeiten sehr wichtig. Auch bei Handelsunternehmen gehören in die monatliche Buchhaltung zudem die Warenbestandsveränderungen hinein.

BWA-AbschreibungAbschreibungen muss man jeweils monatlich abgegrenzen. Dazu sollte man mit größeren Aufwandspositionen wie beispielsweise Ertragssteuern ebenso verfahren. Erhaltene Boni von Lieferanten sowie Jahresbonifikationen an Kunden wirken sich in Handelsunternehmen oftmals nicht unerheblich in der Größenordnung und der Unternehmensauswirkung aus.

Darlehen muss man jeweils unterjährig und nicht erst im späteren Jahresabschluss korrekt buchen. Hier geht es beispielsweise um Annuitäten, die aufzuteilen sind in den Zins- und Tilgungsanteil. Dazu müssen auch Anzahlungen und Einbehalte und Rechnungsabgrenzungsposten monatlich, aber nicht erst zum Geschäftsjahresende Berücksichtigung finden.

Was liefert die Standard Betriebswirtschaftliche Auswertung nicht?

Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert, obwohl für die betriebswirtschaftliche Unternehmenssteuerung wichtig, nachfolgende Informationen nicht:

  • den Liquiditätsstand und dessen Entwicklung (also Darlehen und Kontokorrente sowie die Eigenkapitalentwicklung)
  • die Prognosedaten zum Gewinn und zur Zahlungsfähigkeit
  • die Bereichsergebnisse (also Profitcenter sowie unrentable und rentable Geschäftsfelder und Renner/Penner des Handels)

Sind diese Informationen gewünscht, muss ein Unternehmen mehr als ausschließlich die Zahlen aus der Finanzbuchhaltung prüfen. Hier sind Vorschau- und Profitcenterberichte und auch Kennzahlen, die man mittels der Methoden des Finanzcontrollings ermitteln kann, deutlich aussagekräftiger.

Der Profit aus der Betriebswirtschaftlichen Auswertung

Viele Unternehmer werden monatlich mit der BWA durch ihre Buchführung oder den Steuerberater versorgt. Diese werden allerdings oftmals ungelesen abgelegt. Das sollte nicht geschehen, denn die Betriebswirtschaftliche Auswertung bietet eine sehr hochwertige Informationsquelle. Sie liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Lage des Betriebes und dessen Leistungsfähigkeit. Durch die Betriebswirtschaftliche Auswertung lässt sich ablesen, ob eine Unternehmung eine günstige finanzielle Entwicklung hat oder ob Probleme zu erwarten sind.

Innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung werden die Auswertungen und die aktuellen Zahlen aus der Buchführung zusammengefasst, die durch den Steuerberater verarbeitet wurden. Die Form der Aufarbeitung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung fordert keine einheitliche Form. Üblicherweise ist es die kurzfristige Erfolgsabrechnung, die eine geläufige Form der Betriebswirtschaftlichen Auswertung nutzt.

Weitere Varianten sind die Bewegungsbilanz, die Veränderungen innerhalb des Kapitals und des Vermögens aufzeigt und auch die statische Liquidität, die wichtige Informationen zur Zahlungsfähigkeit liefert. Dazu sind auch noch weitere, sehr spezifizierte Formen der Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorhanden. Wer die Betriebswirtschaftliche Auswertung richtig lesen und interpretieren kann, hat ein sehr gutes Instrument an der Hand, um in der Unternehmung Schwachstellen zu erkennen und die gesamte Leistungsfähigkeit zu bewerten. Dazu kann ein Unternehmen kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen einleiten.

Weshalb die einfache BWA nicht immer richtige Ergebnisse liefert

Damit man ein Unternehmen mit der Betriebswirtschaftlichen Auswertung steuern kann oder um eine unterjährige Ermittlung von Ergebnissen zu erlangen, muss man üblicherweise Korrekturen durchführen. Die normale und einfache Betriebswirtschaftliche Auswertung weist nur die Daten aus, die innerhalb der Buchführung erfasst werden, ohne hierbei die betrieblichen Belange einzubeziehen. Soll die Betriebswirtschaftliche Auswertung dagegen als betriebliches Steuerungsinstrument zum Einsatz gelangen, muss sie auch unterjährig wenigstens die richtigen Resultate ausweisen. Damit muss aus einer einfachen dann eine qualifizierte Betriebswirtschaftliche Auswertung entstehen.

Abschließend einige Beispiele, die unrichtige unterjährige Ergebnisse zur Folge haben können

Betriebswirtschaftliche Auswertung AbschlussHier könnte der Materialeinkauf beispielsweise als Verbrauch gebucht werden, was letztlich nicht ganz korrekt ist, denn eigentlich darf nur der tatsächliche Verbrauch innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ausgewiesen werden. Nutzt ein Unternehmen kein Warenwirtschaftssystem, dann kann dies auch durch Schätzung oder durch Durchschnittswerte erfolgen.

Abschreibungen dagegen müssen auf jeweils Monate verteilt, nicht aber vollständig auf das Jahresende gebucht werden, weil sie eben wirtschaftlich immer anteilig in einem Monat anfallen.

Auch Personalkosten müssen deshalb wie Abschreibungen behandelt und auf die jeweiligen Monate aufgeteilt werden, was auch für das Weihnachtsgeld, das Urlaubsgeld wie auch Boni an Mitarbeiter gilt. Dieses gilt auch für eventuelle Einmalzahlungen wie Gebühren und Beiträge oder Versicherungen.

Die Buchung von Umsätzen muss korrekt erfolgen. Dabei gilt, dass An- wie auch Teilzahlungen üblicherweise keine Umsätze darstellen, da der Kunde die Lieferung noch nicht erhalten hat. Sie müssen dann teilweise innerhalb der Verbindlichkeiten einer Bilanz ausgewiesen werden.

Möglicherweise werden Bestandsveränderungen nicht oder aber mit falschen Werten erfasst.

Korrekt sind Herstellungskosten und nicht voraussichtlich erzielte Verkaufspreise.

Ertragssteuern werden nicht jeweils pro Monat angesetzt, aber auch anstelle der Vorauszahlungen werden letztlich nicht die Steuern angesetzt, die deutlich richtiger wären.

Kennzahlen

Latente Steuern – das sollten Sie wissen

Der Begriff Latente Steuern kommt aus dem lateinischen. Das Wort „latens“ bedeutet versteckt oder verdeckt. Es handelt sich also um versteckte steuerliche Abgaben oder Vorteile, die ursprünglich nicht geplant oder vorgesehen waren. Sie ergeben sich aufgrund von Unterschieden, etwa im Ansatz oder im Rahmen der Bewertung von Vermögens- und Wertgegenständen, aber auch aus Schulden und entstehen aus der Differenz zwischen der Steuer- und der Handelsbilanz.

Wie entstehen latente Steuern?

latente Steuern BilanzDas Konzept hinter latenten Abgaben ist einfach: sie entstehen aufgrund von Unterschieden im Ansatz oder in den Bewertungen von Schulden oder anderen Vermögenswerten. Sie kommen vor allem aufgrund einer unterschiedlichen Zwecksetzung im Rahmen der steuerlichen und handelsrechtlichen Gewinnermittlung und Bilanz zustande. Jedes Unternehmen in Deutschland muss eine Handelsbilanz erstellen. Dies wird im Handelsgesetzbuch vorgeschrieben. Die Bilanz dient unter anderem dazu, die Gewinnausschüttung zu berechnen sowie um externe und interne Personen wie die Geschäftsführung, Gläubiger, etc. zu informieren. Im Gegensatz dazu dient die steuerliche Gewinnermittlung dazu, um die Höhe der Besteuerung, etc. zu bemessen. Sie wird in den meisten Fällen durch verschiedene Anpassungen aus der Handelsbilanz abgeleitet oder wird eigenständig aufgestellt.

Genau an dieser Stelle kommt es aufgrund der unterschiedlichen Zwecksetzsetzung zu völlig verschiedenen Bilanzen im Handels- und im Steuerrecht. Im Handelsrecht erfolgt die Bemessung der Gewinnausschüttung eher vorsichtig, um etwa Gläubiger zu schützen. Außerdem sind Differenzen und Gewinnschwankungen, die sogenannten Volatilitäten, die überwiegend auf der Bilanz begründet sind, zu vermeiden. Auf der anderen Seite geben bei der steuerlichen Bilanzierung rechtliche Bestimmungen und Richtlinien häufig vor, worauf zu achten und was zu tun ist.

Kurz gesagt, die latente Steuer entsteht aus der Gegenüberstellung der Handelsbilanz und der Steuerbilanz. Deren Differenzen werden mit dem zukünftig zu erwartenden Steuersatz bewertet.

Grundlagen für die latente Steuer

Als Grundlage für die latente Steuer, Abweichungen und Berechnungen dient in Deutschland das Handelsgesetzbuch. Es legt genau fest, wie latente Steuern entstehen, welche Abweichungen es gibt und wie die Steuer anschließend in der GuV oder in anderen Bilanzen dargestellt werden muss. Darüber hinaus informiert das HGB auch darüber, wie die latente Steuer entsteht bzw. wie sie abgebaut werden kann. Ebenfalls ist geregelt, welche Unternehmen, wie etwa kleine Kapitalgesellschaften, von der latenten Steuer befreit sind. Das Konzept der latenten Steuer ist es, zwei unterschiedliche Bilanzen bzw. Berechnungen für die Steuer zu erhalten, die jeweils unterschiedlichen Zwecken dient.

Vorteile der latenten Steuer

Die Vorteile der latenten Steuer sind offensichtlich. Sie ist in der Regel deutlich genauer was Gewinne und Verluste angeht. Das liegt daran, dass im Rahmen der latenten Steuer häufig Informationen und Daten berechnet werden, die für die steuerlichen Bilanzen in der Regel keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei geht vor allem bei der Berechnung von Gewinnen und Verlusten die Vorsicht vor, um das Risiko für Gläubiger und Anleger so gering wie möglich zu halten. Das kann am Ende zu positiven Überraschungen führen. So kann zum Beispiel der tatsächliche Gewinn größer, oder der aktuelle Verlust geringer sein, als zunächst angenommen.

Die Nachteile der latenten Steuer

latente Steuern NachteileAuch die Nachteile einer latenten Steuer werden schnell sichtbar: da hier viele Informationen verwendet werden, die in den steuerlichen Bilanzen nicht auftauchen bzw. hier auf Sicherheit gesetzt wird, ist die latente Steuer meist unstabil und Schwankungen unterworfen. Das heißt, dass zum Beispiel für den Schutz von Gläubigern und Anlegern die Gewinn- oder Verlustrechnung eher sparsam und mit Vorsicht erfolgt. Das hat jedoch zur Folge, dass am Ende der Gewinn oder Verlust deutlich größer sein kann, als errechnet. Darüber hinaus können sich Daten und Informationen für die Bemessung von latenten Steuerabgaben ständig verändern, während die steuerlichen Bilanzen für den Gesetzgeber hier deutlich stabiler sind.

Die Bilanzierung der latenten Steuer

Es gibt zwei Wege, um latente Steuern zu bilanzieren. Mit diesen werden die noch nicht versteuerten Aufwendungen und Erträge berechnet. Bei der ersten Methode handelt es sich um eine vergangenheits- und gewinnorientierte Methode, während die zweite Methode bilanzorientiert arbeitet. Das deutsche Recht hat bis 2009 die gewinnorientierte Betrachtungsweise vorgesehen. Im Rahmen der Modernisierung des Bilanzrechts hat jedoch auch die bilanzorientierte Betrachtungsweise Ihren Weg in das HGB gefunden. Die bilanzorientierte Betrachtung ist darüber hinaus auch international in der Regel der Standard. Beide Konzepte führen in der Regel zu denselben Ergebnissen.

Die Liability Methode

Die Liability Methode ist eine bilanzorientierte Methode, die auch als Verbindlichkeitsmethode bekannt ist. Bei ihr werden aktive und passive latente Besteuerung sowie Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt betrachtet. Hier geht es vor allem um den richtigen Vermögens- oder Schuldenausweis. Bei der Liability Methode ist der Ergebnisunterschied unbedeutend. Es kommt lediglich auf die Unterschiede in den einzelnen Bilanzpositionen an.

Die Deferral-Methode

Die Deferral Methode wird auch als Abgrenzungsmethode bezeichnet. Das Ziel ist es, den Steueraufwand zu zeigen, der sich normalerweise aus der Handelsbilanz ergeben hätte. Die Deferral Methode ist GuV-orientiert. Sie dient vor allem als Erfolgsausweis, da sie die Eigenschaft eines Rechnungsabgrenzungspostens besitzt. Als Grundlage dient der Steuersatz, der zur Zeit der Abgrenzung gilt. Sollte sich der Steuersatz später ändern, erfolgt bei der Deferral Methode keine nachträgliche Anpassung.

BWL-Artikel

Was ist EBITDA?

Was ist EBITDA?

Um den Erfolg des eigenen Unternehmens zu vergleichen und zu beurteilen, reichen Gewinn oder Jahresüberschuss nicht aus, obgleich es sich hierbei um aussagekräftige, betriebswirtschaftliche Kennziffern handelt. Es gibt Faktoren, die sich auf den Gewinn Ihres Betriebes auswirken, die außerhalb Ihres Einflussbereiches stehen. Ökonomen nutzen bei der vergleichenden Beurteilung des Erfolgs von unternehmerischen Aktivitäten zunehmend andere Kennzahlen, unter anderem das EBITDA. Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen möchten, gehört das EBITDA zu den Unterlagen im geschützten Datenraum, die ein potenzieller Interessent einsehen möchte.

EBITDA per Definition

Beim Begriff EBITDA handelt es sich um ein Akronym aus dem Englischen, das sich aus folgenden Wörtern zusammensetzt:

E – earnings
B – before
I – interest
T – tax
D – depreciation
A – amortization

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff demnach das Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen auf Sachwerte und nicht greifbare (immaterielle) Vermögensteile. Als betriebswirtschaftliche Kennziffer stellt das EBITDA das Resultat der reinen Aktivität eines Unternehmens dar. Ausgeklammert werden Erträge und Kosten durch Zinsen sowie sämtliche Abschreibungen.

Für wen ist das EBITDA wichtig?

Zunächst können Sie als Unternehmer wertvolle Schlüsse aus dem EBITDA bei der Steuerung Ihrer Firma ziehen. Ebenso aussagekräftig ist die Kennziffer für die Bewertung durch externe Organisationen und Institutionen wie Banken bei der Bewilligung eines Unternehmenskredits. Banken erkennen am EBITDA die Wirtschaftlichkeit einer Firma vor der Kreditvergabe. Einigen Unternehmern hilft die Kennzahl bei der Festsetzung von Gehältern für Mitarbeiter in Führungspositionen. Der Vorteil von EBITDA ist auf einen Nenner zu bringen: Der Wert vermittelt einen Eindruck von der Rentabilität der reinen Betriebsaktivität, weil Posten ohne direkte Relevanz außer Acht bleiben. Nicht relevante Positionen sind:

Zinsen seitens Ertrag und Kosten

Wenn Sie als Unternehmer an anderen Firmen finanziell beteiligt sind, haben die daraus resultierenden Zinserträge nichts mit den Aktivitäten Ihres Betriebs zu tun. Gleiches gilt für die Zinsen als Kosten bei laufenden Krediten. Beides fällt unter die Strategie des Unternehmens und ist für das EBITDA bedeutungslos.

Steuern

Ob Sie viel oder wenig Steuern in Ihrem Unternehmen entrichten, sagt ebenso wenig über dessen Rentabilität aus. Die Höhe der anfallenden Steuern ist von vielen Faktoren und äußeren Umständen abhängig.

Abschreibungen

Sie wollen oder müssen in Ihr Unternehmen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erworbene Sachanlagen (also Investitionen) sowie nicht greifbare Güter schreiben Sie selbstverständlich ab. Es handelt sich dabei um unternehmerische Prozesse ohne Aussagekraft bezüglich der Rentabilität.

Wer sich über die betriebliche Verfassung Ihres Unternehmens informieren will, muss daher das EBITDA als objektiven Hinweis betrachten. Da jedoch Abschreibungen ausgeklammert sind, gibt die Kennzahl keine Auskunft über den zukünftigen Gesamterfolg Ihrer Firma. Unternehmerische Ausgaben beinhalten auch permanent Abschreibungen, aus zwei wichtigen Gründen. Bereits erworbene Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen verlieren an Wert ebenso wie an Zuverlässigkeit. Neuanschaffungen müssen ebendiese ersetzen. Das wirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens ist ständigen Veränderungen unterworfen, auf die Sie als Unternehmer reagieren müssen, um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen.

Hinweise zum EBITDA

Im Handelsrecht der BRD wird der Begriff EBITDA nicht angewandt, lediglich im Steuerrecht. Beim bisher beschriebenen EBITDA handelt es sich um eine vollständig reine Kennziffer. Zudem gibt es eine bereinigte (adjusted) Variante. Bei dieser rechnet man Erträge und Kosten mit außerordentlicher Bedeutung aus dem Ergebnis eines Unternehmens heraus. Aufwendungen, die in direktem Zusammenhang mit der Firmenaktivität stehen, bleiben jedoch in der Berechnung. Dazu zählen beispielsweise Abschreibungen für unternehmerisch genutzte Anlagen und Maschinen. Welche außergewöhnlichen Positionen zu diesen Erträgen und Kosten zählen, ist allerdings nicht exakt definiert. Im direkten Vergleich von Unternehmen fehlt es dem bereinigten EBITDA daher an Aussagekraft.

In Bezug auf den Gesamterfolg eines Unternehmens wurde das EBITDA in den vergangenen Jahren eher kritisch betrachtet, weil es eben nur begrenzt aussagefähig ist. Die Kritik ist begründet und das ist einzelnen großen Konzernen geschuldet. Diese versuchten, mit EBITDA-Kennziffern ihre finanzielle Lage zu verschleiern, weil Verluste davon nicht erfasst werden. Unter dem EBITDA-Deckmantel wird aber auch versucht, Firmenergebnisse optimaler darzustellen als sie sind. Ungeachtet dieser Einzelfälle ist die Kennziffer bei objektiver Erarbeitung recht aufschlussreich.

Wie Sie das EBITDA Ihres Unternehmens berechnen

Für die Berechnung benötigen Sie den Jahresüberschuss, der in Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder Gewinn-/Verlustrechnung zu finden ist. Eine Addition der Aufwendungen findet seitens Steuern und Zinsen statt. Subtrahieren müssen Sie Erträge bezüglich Steuern und Zinsen. Abschreibungen werden einerseits addiert, Zuschreibungen andererseits abgezogen. Im Ergebnis erhalten Sie das reine EBITDA. Zur Berechnung vom bereinigten EBITDA addieren Sie außergewöhnliche Aufwendungen und ziehen außerordentliche Erträge ab.

Wenn Sie wissen möchten, wie wirtschaftlich Ihr Unternehmen in der Praxis arbeitet, berechnen Sie im Idealfall die EBITDA-Marge gemäß nachfolgender Erklärung. Diese Marge vermittelt Ihnen ein sehr realistisches Bild von den betrieblichen Geschäftsabläufen. Sie ist wesentlich aussagefähiger als die klassische Methode, bei der man das Verhältnis zwischen Überschuss und Umsatz ermittelt. Mithilfe dieser kleinen Rechnung stellen Sie die Relation von der Kennziffer zum gesamten Umsatz dar, indem Sie die Kennzahl durch den Umsatz teilen und mit 100 multiplizieren, erhalten Sie die EBITDA-Marge.

Bei der Berechnung wird der komplette Umsatz eines Jahres verwendet, je höher die Kennziffer im Verhältnis zum Umsatz liegt, desto größer ist die EBITDA-Marge. Eine hohe Marge bedeutet auch, dass vergleichsweise geringe Kosten zu berücksichtigen sind. Sie erkennen an der Marge Ihrer Firma, ob Sie betriebliche Kosten wirksam senken können. Dazu ein praktisches Beispiel:

  • Sie erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro.
  • Das EBITDA beträgt nach Abzug aller direkt damit verbundener Kosten 225.000 Euro.
  • Die Kennziffer durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert, ergibt eine EBITDA-Marge von 15 Prozent.

Anleitung zur Berechnung der reinen Kennziffer

Zur vereinfachten Darstellung geht man davon aus, dass im Unternehmen des nachfolgenden Beispiels keine Erträge seitens Zinsen und Steuern anfallen. Der Jahresüberschuss beträgt eine Million Euro. Zu dieser Million Euro müssen die Positionen 250.000 Euro für Steueraufwand und 200.000 Euro für aufgewendete Kreditzinsen sowie 800.000 Euro für Abschreibungen addiert werden. Die reine Kennziffer lautet somit 2.250.000 Euro. Hat das Unternehmen außerordentliche Erträge von 100.000 Euro zu verzeichnen, werden diese vom EBITDA subtrahiert, um die bereinigte Kennzahl 2.150.000 Euro zu erhalten. Den Erfolg Ihres Unternehmens bewerten Sie idealerweise mit der Kennziffer EBITDA, welche sich auch für den Vergleich mit Mitbewerbern eignet.

Was ist das Ertragswertverfahren?

Das Ertragswertverfahren verwendet man zur Wertermittlung von Immobilien. Der Ertragswert ist die Summe der Mieteinnahmen und des Bodenwerts vom Grundstück. Die Nutzung des Ertragswertverfahrens wird zur Ermittlung des Werts von gewerblich genutzten Immobilien oder Mietobjekten verwendet. Vor allem beim Verkauf einer rentablen Immobilie ist es erforderlich den voraussichtlichen Barwert zu kennen. Das Verfahren kann eine Vorschau über die zu erwartenden Erträge ermöglichen. Es gibt zwei Verfahren, mit denen die Rechenaufgabe des Ertragswertverfahrens gelöst werden kann. Informieren Sie sich hier über diese Verfahren und den Einsatz vom hochsicheren Datenraum für beispielweise Immobilienverkäufe.

Wie werden das vereinfachte und das vollständige Ertragswertverfahren durchgeführt?

Ertragswertverfahren ImmobilienVerwendet man das vereinfachte Ertragswertverfahren, bleiben Bodenwert und die daraus resultierenden Verzinsungen ohne Berücksichtigung. Dann kommt es ausschließlich auf die baulichen Anlagen an. Anders als beim vereinfachten Ertragswertverfahren berücksichtigt das vollständige Ertragswertverfahren den Wert des Grundstücks. Dazu ist jedoch ein Vergleichswertverfahren erforderlich, wodurch man den Bodenwert ermittelt.

Danach berechnet man den Mietwert, der sich in erster Linie aus der Lage, der Objektgröße und der Ausstattung der Immobilie ergibt. Den so errechneten Rohertrag reduziert man dann um die Bewirtschaftungskosten.

Darüber hinaus muss in den anschließenden Berechnungen der Liegenschaftszins einbezogen werden. Da die Bodenbewertung und der Erlös stets voneinander unabhängig zu sehen sind, muss man deren Verzinsung, die sich aus dem Bodenwert und der Multiplikation des Liegenschaftzinses ergibt, vom Ertrag abziehen. Der Ertragswert ergibt sich aus diesen zwei Werten, die sich aus dem Wert des Gebäudes und dem Bodenwert ergeben.

Weitere Details zum Ertragswertverfahren

Der Ermittlung liegen meist Betriebsbilanzen der letzten zwei bis drei Jahre, des aktuellen Geschäftsjahres und Prognosebilanzen der zwei zukünftigen Jahre zugrunde. Auf diese Weise entsteht ein guter Überblick über vergangene, aktuelle und zukünftige Situationen. Dabei werden die Gewinne brutto berechnet, um ein objektives Ergebnis zu erhalten. Danach führt man weitere vorgegebene Schritte durch, um die Berechnung zu spezifizieren.

Vergangene Betriebsbilanzen werden mit einmaligen Aufwendungen erweitert, zum Beispiel Abfindungszahlungen. Außergewöhnliche Erträge werden ebenfalls abgezogen, weil sie die Bilanz verfälschen. Nun wird ein Durchschnitt der auf diese Weise erweiterten und der kommenden Bilanzen ermittelt. Daraus resultiert ein Wert, der den zukünftig zu erwartenden Gewinn darstellt. Der in der Zukunft zu erwartende Gewinn, also der Prognosegewinnwert, multipliziert man mit dem Kapitalisierungs-Zinssatz. Dabei handelt es sich um eine theoretische Verzinsung, die Kapitalgeber mit vergleichbaren Kapitalanlagen erwarten. Man muss eine Mindestverzinsung erwirtschaften, damit man das Unternehmen halten kann.

Diese Zinssätze bestehen aus dem Basiszinssatz und dem Risikoaufschlag, der sich auf der Basis des unternehmerischen Risikoaufschlags zusammensetzt. In diesem Zusammenhang sollte man mehrere Kapitalisierung-Zinsfaktoren verwenden. Abschließend ist es wichtig, ob man einen Zinssatz von drei oder sechs Prozent ausgewählt, denn der daraus resultierende Barwert kann sich zum Schluss deutlich erhöhen und so zur Fehlberechnung führen. Daher ist es empfehlenswert, parallel mehrere Optionen zu prüfen, um herauszufinden, welche Kapitalanlage sich am meisten lohnt. So wird aber auch ermittelt, welche Faktoren die Finanzierung gefährden und wie hoch das Risiko äußerer Einflüsse ist. Der finale Unternehmenswert ist das Ziel der Bewertung. Er entsteht durch Teilung der Durchschnittssumme der Erträge durch den fixen Kapitalisierungszins.

Lese-Tipp: Nicht nur bei Immobilien möchten Eigentümer immer wieder wissen, welchen Wert Ihre Immobilie hat. Das gleiche gilt auch für Firmen – nicht zuletzt für Immobilien-Holding. In unserem Blog-Beitrag dazu erklären wir, was genau eine Unternehmensbewertung ist.

Wie aussagekräftig ist das Ertragswertverfahren?

Die Aussagekraft des Verfahrens hängt von der Qualität der Reinertragsprognose und von der Bestimmung des Kalkulationszinssatzes ab. Für den Unternehmenswert ist ausschließlich der Ertragswert des Unternehmens wichtig. Die Berücksichtigung des Substanzwertes wird von den Ertragswertverfahren-Vertretern grundsätzlich abgelehnt. Es ist allerdings teilweise aus sachbezogenen Gründen zugelassen, denn so kann man das Konkurrenzrisiko abschätzen. Das Ertragswertverfahren wird bei Ein- und Zweifamilienhäusern, bei Mietwohn- und Geschäftsgrundstücken sowie gemischt genutzten Grundstücken angewendet. Die Bewertung des Grundstücks richtet sich nach der Jahresrohmiete und dem Gesamtentgelt für die Nutzung inklusive bestimmter Umlagen.

Lesen Sie dazu auch: Was ist der Substanzwert?

Im Grundstückswert sind die Werte der Gebäude, des Bodens und der Außenanlagen enthalten. Man ermittelt dies durch die Anwendung eines Multiplikators auf die jährliche Rohmiete. Die Multiplikatoren berücksichtigen die Bauausführung, Bauart, Grundstücksart, Baujahr und die Gemeindegröße. Der Grundstückswert kann sich aus bestimmten Gründen erhöhen oder ermäßigen.

Das Ertragswertverfahren gehört im Hinblick auf die Unternehmensbewertung zum Gesamtbewertungsverfahren. Wird es angewendet, wird der zu erwartende Unternehmensertrag ermittelt. In der Regel erfolgt eine zweigeteilte Prognose des Unternehmensertrags, nämlich nach der Schätzgenauigkeit eines Detailprognosezeitraums und dem Zeitraum auf der Basis des Planungshorizonts. Der Barwert der prognostizierten Liquidationserlöse des Vermögens, das nicht für den Betrieb erforderlich ist, kann man bei der Nutzung des Ertragswertverfahrens auf unterschiedliche Art definieren. Er sollte aber generell den prognostizierten Nutzen, den der Unternehmer erwarten kann, wiedergeben.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Abschluss

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung und ihre Bedeutung im Unternehmen

Generell lassen sich aus der BWA alle wichtigen Informationen entnehmen, die für ein Unternehmen im Hinblick auf die Kosten- und Erlössituation wichtig sind. Damit spiegelt die Betriebswirtschaftliche Auswertung grundsätzlich die gesamte finanzielle Lage auf einen Blick wider.

In der Regel bezieht sich die Betriebswirtschaftliche Auswertung auf die laufenden Daten, die aus der Finanzbuchhaltung übermittelt werden. Innerhalb eines laufenden Wirtschaftsjahres kann so ein Unternehmer genauen Aufschluss über die eigene Kosten- und Erlössituation gewinnen und damit die Ertragslage aktuell einschätzen.

Die BWA arbeitet anders als die Bilanz. Während die Bilanz die Auswertungen zeitverzögert nach einigen Monaten liefert, bietet die Betriebswirtschaftliche Auswertung aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens.

Wie entstand die BWA?

Erstmals wurde die Betriebswirtschaftliche Auswertung in den 1960er Jahren durch DATEV Deutschland als DATEV-Standard-BWA veröffentlicht. Sie sollte als Entscheidungsgrundlage für kleine und mittelständische Unternehmen dienen. Kreditinstitute nutzten diese Betriebswirtschaftliche Auswertung als Basisinformation, um die Beurteilungen von Krediten innerhalb der Kreditwürdigkeit umzusetzen. Inzwischen ist DATEV zu einem der führenden Anbieter geworden und hat die erstmalige Standard-BWA vielfältiger geschaffen. Dazu werden auch branchenbezogene Betriebswirtschaftliche Auswertungen angeboten.

Die Bedeutung der BWA ist unbestritten

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die Betriebswirtschaftliche Auswertung?

Die Bedeutung der Betriebswirtschaftlichen Auswertung in der Unternehmung ist aus einzel- und betriebswirtschaftlicher Sicht sehr groß. In den steuerberatenden Branchen werden monatlich mehr als 2,5 Millionen Auswertungen dieser Art gedruckt. Die Aussagekraft für Unternehmungen, die Finanzverwaltung und auch für Banken ist sehr groß. Die Anforderungen an die Aussage- und Auswertungskraft der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

Dazu ist es wichtig, dass Betriebswirtschaftliche Auswertungen

  • eine rechtformenneutrale Gestaltung haben
  • sie mit dem Branchenvergleich, dem sogenannten DATEV-Betriebsvergleich, kompatibel sind
  • grundsätzlich größenordnungsneutrale Abbildungen liefern
  • mit den statistischen Daten und dem Rechnungswesen innerhalb des Betriebs integrierte Darstellungen gestatten
  • grundsätzlich standardisierbar sind

Weiterhin sind zusätzlich Zeitpläne und Zeitreihen sowie auch Vorjahresvergleiches und auch grafische Darstellungen wichtige Qualitätskriterien einer BWA.

In der Struktur bildet die Betriebswirtschaftliche Auswertung keine reine Kontenabfrage, sondern eine deutliche betriebswirtschaftliche Aussage.

Die Daten für die Betriebswirtschaftliche Auswertung werden der Finanzbuchhaltung im Betrieb entnommen

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bildet ein sehr wichtiges Instrument im Finanzhaushalt des Betriebes und basiert dabei auf Daten, die aus der laufenden Finanzbuchhaltung im Betrieb stammen. Das heißt, dass sie ein Instrument ist, das Verantwortlichen im Betrieb aktuelle Einblicke und Überblicke liefert, was die Kostensituation und die Erlössituation in einer Unternehmung angeht. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung kann die genaue Ertragslage des laufenden Geschäftsjahres abbilden. Sie wird anders als die Bilanz nicht zeitverzögert erstellt, sondern spiegelt die aktuelle Lage im Betrieb wider.

Was muss eine aussagefähige Betriebswirtschaftliche Auswertung leisten?

Sehr wichtig innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ist, dass die Aufwendungen und Erlöse mit ihrer maßgeblichen Auswirkung innerhalb der Finanzbuchhaltung sowohl unterjährig als auch zeitnah eine Berücksichtigung finden. In Anlehnung an die Branche und das entsprechende Geschäftsmodell können hier verschiedene Positionen gegeben sein. Im Handwerksbetrieb und im produzierenden Gewerbe sind die Bestände an fertigen und unfertigen Arbeiten sehr wichtig. Auch bei Handelsunternehmen gehören in die monatliche Buchhaltung zudem die Warenbestandsveränderungen hinein.

Abschreibungen sind monatlich abzugrenzen. Dazu sollte mit größeren Aufwandspositionen wie beispielsweise Ertragssteuern ebenso verfahren werden. Erhaltene Boni von Lieferanten sowie Jahresbonifikationen an Kunden wirken sich in Handelsunternehmen oftmals nicht unerheblich in der Größenordnung und der Unternehmensauswirkung aus.

Darlehen müssen jeweils unterjährig und nicht erst im späteren Jahresabschluss korrekt gebucht werden. Hier geht es beispielsweise um Annuitäten, die aufzuteilen sind in den Zins- und Tilgungsanteil. Dazu müssen auch Anzahlungen und Einbehalte sowie Rechnungsabgrenzungsposten monatlich, und nicht erst zum Geschäftsjahresende Berücksichtigung finden.

Betriebswirtschaftliche Auswertung

Die einfache BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Die BWA sagt nichts über die Liquidität aus

Was liefert die Standard Betriebs-wirtschaftliche Auswertung nicht?

Die kurzfristige Erfolgsrechnung liefert nachfolgende für die betriebswirtschaftliche Unternehmenssteuerung wichtige Informationen nicht:

  • den Liquiditätsstand und dessen Entwicklung (also Darlehen und Kontokorrente sowie die Eigenkapitalentwicklung)
  • die Prognosedaten zum Gewinn und zur Zahlungsfähigkeit
  • die Bereichsergebnisse (also Profitcenter sowie unrentable und rentable Geschäftsfelder und Renner/Penner des Handels)

Sind diese Informationen gewünscht, muss man mehr als ausschließlich die Zahlen aus der Finanzbuchhaltung prüfen. Hier sich Vorschau- und Profitcenterberichte und auch Kennzahlen, die das Finanzcontrollings mit seinen Methoden ermittelt, deutlich aussagekräftiger.

Der Profit aus der Betriebswirtschaftliche Auswertung

Viele Unternehmer bekommen monatlich eine Betriebswirtschaftliche Auswertung durch ihre Buchführung oder den Steuerberater. Allerdings legen sie die BWA dann oft ungelesen ab. Das sollte nicht geschehen, denn die Betriebswirtschaftliche Auswertung bietet eine sehr hochwertige Informationsquelle. Sie liefert wichtige Informationen über die wirtschaftliche Lage des Betriebes und dessen Leistungsfähigkeit. Mittels der BWA lässt sich ablesen, ob eine Unternehmung eine günstige finanzielle Entwicklung hat oder ob Probleme zu erwarten sind.

Innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung werden die Auswertungen und die aktuellen Zahlen aus der Buchführung zusammengefasst, die durch den Steuerberater verarbeitet wurden. Die Form der Aufarbeitung der BWA ist frei wählbar. Üblicherweise ist es die kurzfristige Erfolgsabrechnung, die eine geläufige Form der Betriebswirtschaftlichen Auswertung nutzt.

Weitere Varianten sind die Bewegungsbilanz, die Veränderungen innerhalb des Kapitals und der Vermögen aufzeigt und auch die statische Liquidität, die wichtige Informationen zur Zahlungsfähigkeit liefert. Dazu sind auch noch weitere, sehr spezifizierte Formen der Betriebswirtschaftlichen Auswertung vorhanden. Wer die BWA richtig lesen und interpretieren kann, hat ein sehr gutes Instrument an der Hand, um in der Unternehmung Schwachstellen zu erkennen und die gesamte Leistungsfähigkeit zu bewerten. Dazu können kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Weshalb die einfache BWA nicht immer richtige Ergebnisse liefert

Um ein Unternehmen mit der BWA zu steuern oder um eine unterjährige Ermittlung von Ergebnissen zu erlangen, müssen man üblicherweise Korrekturen durchgeführt. Die normale und einfache Betriebswirtschaftliche Auswertung weist nur die Daten aus, die innerhalb der Buchführung erfasst sind, ohne hierbei die betrieblichen Belange einzubeziehen. Soll die Betriebswirtschaftliche Auswertung dagegen als betriebliches Steuerungsinstrument zum Einsatz gelangen, muss sie auch unterjährig wenigstens die richtigen Resultate ausweisen. Damit muss aus einer einfachen dann eine qualifizierte BWA entstehen.

Betriebswirtschaftliche Auswertung Kredit BWA

Die einfache BWA liefert nicht immer richtige Resultate

Nachfolgend einige Beispiele, die unrichtige unterjährige Ergebnisse zur Folge haben können

Bucht ein Unternehmen den Materialeinkauf beispielsweise als Verbrauch, ist das nicht ganz korrekt. Nur der tatsächliche Verbrauch darf innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Auswertung ausgewiesen werden. Nutzt ein Unternehmen kein Warenwirtschaftssystem, kann dies durch Schätzung erfolgen oder durch die Aufarbeitung von Durchschnittswerte.

Abschreibungen dagegen müssen jeweils auf Monate verteilt, nicht aber vollständig auf das Jahresende gebucht werden, weil sie eben wirtschaftlich immer anteilig in einem Monat anfallen.

Auch Personalkosten müssen deshalb wie Abschreibungen behandelt und auf die jeweiligen Monate aufgeteilt werden, was auch für das Weihnachtsgeld, das Urlaubsgeld wie auch Boni an Mitarbeiter gilt. Dieses gilt auch für eventuelle Einmalzahlungen wie Gebühren und Beiträge oder Versicherungen.

Die Buchung von Umsätzen muss korrekt erfolgen. Dabei gilt, dass An- wie auch Teilzahlungen üblicherweise keine Umsätze darstellen, da der Kunde die Lieferung noch nicht erhalten hat. Sie müssen dann teilweise innerhalb der Verbindlichkeiten einer Bilanz ausgewiesen werden.

Möglicherweise werden Bestandsveränderungen nicht oder aber mit falschen Werten erfasst.

Korrekt sind Herstellungskosten und nicht voraussichtlich erzielte Verkaufspreise.

Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

Was sind Rückstellungen

Im Rahmen unserer Reihe „BWL-Begriffe“ kurz erklärt, starten wir heute mit dem Begriff der „Rückstellungen„. In dieser kleinen Serie erläutern wir die betriebswirtschaftliche Fachbegriffe, mit denen die nicht-Betriebswirte im Rahmen eines Unternehmenskaufs, Firmenverkaufs oder generell im Rahmen einer Due Diligence konfrontiert sind.

Was sind Rückstellungen?

Die Rückstellungen erscheinen auf der Passiv-Seite (rechts) der Bilanz unterhalb des Eigenkapitals

Der Begriff Rückstellungen lässt sich am besten durch die Beschreibung der Funktion innerhalb der Jahresabschlüsse oder auch der Rechnungslegung von Unternehmen beleuchten. Die Bilanz eines Unternehmens soll möglichst ein realitätsnahes Abbild der tatsächlichen Vermögenslage und wirtschaftlichen Situation sein: Deshalb bewertet man beispielsweise Waren nur mit ihren bisherigen, tatsächlichen Substanzwerten und nicht einem eventuellen Verkaufspreis. Denn diesen müsste man am Markt ja erst erzielen.

Genauso verhält es sich mit Kosten- oder Belastungspositionen: Bereits eingekaufte Waren oder Dienstleistungen stellt man mit Einkaufspreisen bzw. Anschaffungskosten in die Bilanz ein. Was aber geschieht mit Belastungen, die zu einem späteren Zeitpunkt nur vielleicht eintreten könnten? Bei denen der Unternehmer nicht weiß, wann diese fällig sind und welche Finanzmittel bereitgestellt sein müssten? Für diese Kategorie der unsicheren Ausgaben hat der Gesetzgeber in den Bilanzierungsvorschriften eine eigene Begriffswelt geschaffen: Die Posten nennen sich Rückstellung und lassen sich um ein weiteres, beschreibendes Wort ergänzen. (z.b. Rückstellungen für Pensionen oder Steuer-Rückstellungen)

Ohne Rückstellungen würde der Jahresabschluss ein zu hohes Vermögen ausweisen und insbesondere die (Auszahlungs-) Risiken nicht korrekt darstellen.

Kategorien möglicher Rückstellungen

Folgende, erwartete Buchungen bzw. Zahlungen gehören zur Rückstellungs-Kategorie:

  • Belastungen oder Ausgaben, die wahrscheinlich oder mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit eintreten können. Die sich aber selbst bei genauestem Arbeiten oder detaillierten Berechnungen nicht betragsmäßig beschreiben lassen.
  • Circa-Angaben, bei denen man oftmals nicht einmal der Zeitpunkt der Ausgabe im Vorhinein abgeschätzen kann.
  • Eine wertvolle Finanzierungsquelle: Eigentlich gehören die für die Rückstellung vorgesehenen Beträge schon denjenigen, an die diese ausbezahlt werden müssen. Da man sie aber erst nach dem Bilanzstichtag feststellen kann, sind sie eine bedeutende Finanzierungsquelle für das Unternehmen, da die dazugehörigen Finanzmittel ja noch niemandem ausgezahlt sind
  • Eine wertvolle Kennzahl insbesondere für die Bilanzanalyse und Unternehmensbewertung. Anhand der Höhe der Rückstellungen lässt sich die wirtschaftliche Lage oder auch die Qualität von Produkten des Unternehmens sehr gut darstellen.

Während des Dieselskandals der großen Autobauer wies etwa das Ansteigen dieser Kennzahl auch in den Rechenwerken der Unternehmen auf den akuten Handlungsbedarf bzw. auch die Risiken mit bereits ausgelieferten Produkten hin.

Unterschiedliche Varianten für ein aussagekräftiges Zahlenwerk

Die Rückstellung für drohende Verluste wird immer dann gebildet, wenn aus einem bereits laufenden Geschäft ein Verlust zu erwarten ist. Dieser ist ja -eigentlich- im „alten“ Geschäftsjahr begründet,lässt sich aber noch nicht genau beziffern. Auch die Aufwendungen für Garantiefälle, Reparaturen und ähnliche Vorgänge finden otmals Verwendung, da sie aufgrund der langen Gewährleistungszeiträume (Herstellergarantie) weit in das nächste oder übernächste Jahr hineinreichen können. Eine weitere Kategorie sind die rechtzeitig zu berücksichtigenden wahrscheinlichen Aufwendungen für Gerichtsprozesse und andere juristische Auseinandersetzungen. Hier wird Vorsorge getroffen für teilweise in der Zukunft entstehende Prozesskosten bestehend aus Aufwendungen für eigene Anwälte und diejenigen Anwälte der Gegenseite sowie Gerichtskosten und etwaigen zu leistenden Schadensersatz.

Darüber hinaus gibt es insbesondere bei größeren Unternehmen oder börsennotierten Gesellschaften oftmals eine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge. Wird diese nicht aus Beitragszahlungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gespeist, dann wird der auf das Unternehmen entfallende Betrag geschätzt und im Jahresabschluss ausgewiesen. Da das Geld ja bisher noch nicht ausgezahlt worden ist, steht es dem Unternehmen zur Finanzierung zur Verfügung. Muss aber logischerweise als Betrag ausgewiesen werden, der ja „eigentlich“ nicht zum Unternehmensvermögen gehört.

Auch die Berechnung bzw. Festlegung von Steuern für das abgelaufene Geschäftsjahr ist oftmals nur mit einem bestimmten zeitlichen Nachlauf möglich. Deshalb musste eine Rechengröße geschaffen werden, die dem Tatbestand des nicht genauen Kennens der Steuerhöhe und des Zahlungstermins entspricht. Deshalb gibt es auch eine Steuer-Kategorie unter diesem Oberbegriff.

Im Rahmen einer Bilanz finden Sie Rückstellungen immer auf der rechten (Passiv-) Seite in der oberen Hälfte direkt nach dem Eigenkapital.

Lesenswerte Artikel aus dem docurex-Blog zum Thema:

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich der Begriff „Rückstellungen“ immer mit Zahlungen und Ausgaben befasst, die in der Zukunft liegen und  –  sowohl der Sache als auch der Höhe nach – nicht genau bestimmt werden können. Das Vorsichtsprinzip im Rahmen der Bilanzierung gebietet es, diese Beträge klar auszuweisen – was auch immer in der Zukunft geschehen mag. Für den aufmerksamen Betrachter können Werte für zukünftige Garantieausgaben oder auch jedes Jahr steigende Werte für wahrscheinlich anfallende Prozesskosten ein Hinweis auf eine mögliche Anfälligkeit des Geschäftsmodells sein.

Ebenso können aufmerksame Bearbeiter im Datenraum etwa während einer Financial Due Diligence durchaus das Potenzial für einen späteren Kapital-Abfluss erkennen, sofern das hinter der Rückstellung stehende Risiko in der Zukunft nicht eintritt.

Weitere Informationen zu Rückstellungen:

Was ist IFRS?

IFRS ist die Abkürzung für "International Financial Reporting…