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Was ist eine Dividende?

Eine Dividende ist ein Teil des bilanziellen Gewinns eines Unternehmens, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Bei anderen Kapitalgesellschaften wie der GmbH gibt es Gewinnausschüttungen. Die Zahlung einer Dividende ist somit den Aktiengesellschaften vorbehalten. Neben den Kurssteigerungen sind die Dividenden eine Möglichkeit für den Aktionär und Anleger, am Erfolg des jeweiligen Unternehmens zu partizipieren.

Regelung der Dividende

Vereinbarungen über eine derartige Auszahlung an die Aktionäre des Unternehmens werden auf der jährlichen Hauptversammlung des Unternehmens getroffen. Bei der Hauptversammlung werden verschiedene Beschlüsse gefasst. Zu den Beschlüssen gehört auch die Abstimmung über die jeweilige Dividendenhöhe, also die Höhe der Ausschüttung des Gewinns an die Aktionäre. Zunächst schlägt der Unternehmensvorstand die Höhe der Gewinnausschüttung vor. Dann kann die Versammlung den Vorschlag mit einfacher Mehrheit beschließen. Allerdings müssen die Unternehmen keineswegs einen derartigen Beschluss fassen. Die Dividendenhöhe kann auch 0 betragen. Dann beschließt die Versammlung, dass es keine Ausschüttung des Gewinns an die Aktionäre gibt und das Geld vielmehr auf andere Art und Weise eingesetzt wird. Das Tätigen von Investitionen oder das Abbezahlen von Schulden sind häufige Gründe für den Verzicht auf eine Auszahlung.

Der ex-Dividende Tag

In der Regel erfolgt die Ausschüttung der Dividende am Tag nach der Hauptversammlung. Die Gutschrift auf den Verrechnungskonten der Aktionäre zeigt sich nur wenige Bankarbeitstage später. Die Auszahlung erfolgt am entsprechenden Tag automatisch. Wer Aktionär eines Unternehmens und Inhaber der Aktien ist, bekommt diese ausbezahlt. Am ex-Dividende Tag kommt es zum sogenannten Dividendenabschlag. Der Kurs der Aktie fällt häufig um einen Betrag, welcher der ausgezahlten Dividende des Unternehmens entspricht. Dies ist auf den wirtschaftlichen Grundsatz der Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Denn die Kurse an der Börse ergeben sich stets aus der Angebot einer Aktie und der Nachfrage nach der Selbigen. Wenn die Anleger nun aufgrund der bereits erfolgten Auszahlung bereit sind, weniger für den Anteilsschein des Unternehmens zu zahlen, verringert sich naturgemäß der Aktienkurs. Lesen Sie hier alles zum Dividendenabschlag.

Rhythmus der Dividenden

Dividenden werden unterschiedlich häufig ausgeschüttet. In Deutschland ist insbesondere die jährliche Dividende gebräuchlich. Darüber hinaus sind auch halbjährliche, quartalsweise und sogar monatliche Ausschüttungen möglich. Insbesondere in den USA gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die die Dividende in unterschiedlichen Zeiträumen ausschütten.

Die Berechnung der Dividendenrendite

Für den Aktionär und Anleger ist die Höhe der Dividendenrendite von Interesse. Schließlich ist es mit dieser Kennzahl möglich, verschiedene Geldanlagen und Unternehmen zu vergleichen. Grundsätzlich wird die Dividendenhöhe in Euro pro Aktienstück angegeben. Beispielsweise wird auf der Hauptversammlung der Beschluss gefasst, dass das Unternehmen eine Dividende in Höhe von 5 Euro pro Aktie ausschüttet. Die individuelle Höhe der Ausschüttung bestimmt sich immer nach der Anzahl der Aktien. Wer als Aktionär des Unternehmens beispielsweise 100 Aktien hat, kann nun mit einer Dividendenhöhe von 500 Euro rechnen.

Durch die Berechnung der Dividendenrendite ist es nun möglich, die Gewinnausschüttung mit anderen Unternehmen zu vergleichen und die Rentabilität der Geldanlage zu ermitteln. Die Dividendenrendite bezeichnet das Verhältnis der gezahlten Dividende zum jeweiligen Aktienkurs:

Dividende / Aktienkurs x 100% 

Im gewählten Beispiel gab es eine Gewinnausschüttung in Höhe von 5 Euro pro Aktie. Wenn der Börsenkurs am Stichtag bei 100 Euro liegt, gilt folgende Berechnung:

5 / 100 x 100% = 5% 

Die Dividendenrendite des gewählten Unternehmens beträgt 5%. Dabei handelt es sich um einen vergleichsweise guten Wert.

Versteuerung der Dividende

In Deutschland müssen Privatpersonen die Dividenden sowie alle Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuern. Einschlägig ist die sogenannte Abgeltungssteuer. In den meisten Fällen wird die Steuer direkt von der Ausschüttung abgezogen und an das Finanzamt abgeführt. Meistens werden die Steuern vorher also von der Bank abgezogen – die Bardividende wird dann auf das Konto überwiesen.

Etwas anders sieht dies bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften aus. Diese versteuern die eingenommenen Dividenden nach dem speziellen Teileinkünfteverfahren. Das Teileinkünfteverfahren regelt die Besteuerung bei Einnahmen aus Beteiligungen an bestimmten Kapitalgesellschaften. Sowohl Ausschüttungen als auch Veräußerungsgewinne fallen unter dieses Verfahren.

Zudem müssen Anleger und Aktionäre beachten, dass bei Dividenden von ausländischen Aktien in vielen Fällen am Sitz der Gesellschaft eine weitere Steuer einbehalten wird. Die sogenannte Quellensteuer bzw. dessen Höhe variiert von Land zu Land.

Zugunsten der Anleger umgehen einige Aktiengesellschaften die Besteuerung der Dividenden. Dann wird die Ausschüttung aus dem steuerlichen Einlagenkonto vorgenommen. Die Gesellschaft kann die Ausschüttung als steuerliche Rückzahlung von Einlagen bezeichnen, sodass die Abgeltungssteuer nicht fällig wird.

Dividendenpolitik der Unternehmen

Die jeweilige Dividendenpolitik gibt Aufschluss über das Unternehmen. Grundsätzlich gilt die Dividende als Anzeichen für die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens. Jedoch ist ein reiner Blick auf die Dividende für Anleger nicht empfehlenswert. Unternehmen können eine vergleichsweise hohe Dividende auch nutzen, um den eigenen Aktienkurs anzutreiben und Anteile am Unternehmen beliebter zu machen. Im optimalen Fall orientiert sich die Höhe der Ausschüttung am Überschuss des Unternehmens. Unternehmen sollten immer noch einen Teil des Gewinns in Investitionen stecken, um sich in der Zukunft wettbewerbsfähig zu positionieren. Dividenden können somit Zeichen für die Stärke eines Unternehmens sein – es ist jedoch auch das Gegenteil möglich. Hier empfiehlt sich ein genauer Blick in die Bilanz der AG.

Weitere Arten der Dividende

Bei der klassischen Dividende handelt es sich um die Ausschüttung des Gewinns in Geldform an die Aktionäre. Daneben gibt es jedoch noch weitere Dividendenarten. Die Gewinnausschüttung kann zudem als eine Art Sachdividende erfolgen. Die Aktionäre erhalten hier Wirtschaftsgüter oder weitere Aktien. Bei der Stockdividende gibt es für die Aktionäre ebenfalls neue Aktien anstelle des Gelds.

Was versteht man unter der GuV-Rechnung?

Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, kurz GuV-Rechnung, ist neben der Bilanz das wichtigste Element des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Vereinfacht ausgedrückt stehen sich in dieser Rechnung die Einnahmen und die Ausgaben eines Unternehmens innerhalb eines bestimmten Zeitraums gegenüber. Oft wird diese GuV-Rechnung im Jahresabschluss erstellt, teilweise geschieht dies monatlich.

Wer muss eine GuV-Rechnung durchführen?

In Deutschland sind alle Kaufleute zur Erstellung einer solchen GuV-Rechnung verpflichtet. Aber auch international ist es fast überall Pflicht, die Ertragslage mit Hilfe der GuV zu bewerten. Ausnahmen existieren einige wenige. Im Folgenden wird erklärt, wie sich der Aufbau der GuV-Rechnung gestaltet. Hierfür können mehreren Methoden zur Hilfe genommen werden. Dennoch bleibt das basale Prinzip der Erstellung einer GuV-Rechnung recht simpel und einfach nachzuvollziehen.

Fiktives Beispiel für eine GuV-Rechnung

Ein Beispiel mit konkreten Zahlen soll das Ganze ein wenig illustrieren. Geht wir einmal von einem Unternehmen aus, das physische Produkte vertreibt, also keine Software oder Dienstleistungen, wie zum Beispiel Fahrräder, aus. Aufwendungen fallen in den Bereichen Miete, Arbeitslohn, Energie und Steuern an. Einige Aspekte lassen wir an diese Stelle unberücksichtigt. Auf der Einnahmenseite stehen die Erlöse aus den verkauften Produkten sowie

GuV

Was ist Ertrag, was Aufwendung?

eventuelle Zinserträge.

Für jeden dieser Bereiche wird in der Buchhaltung nun ein eigenes Konto eröffnet. Die Erfolgskonten mit den Themen Umsatzerlöse und Zinserträge. Die Aufwandskonten mit den Bereichen Miete, Arbeitslohn, Energie und Steuern.  Lesen Sie hier alles über Erfolgskonten.

Alle monetären Bewegungen, die innerhalb eines Zeitraums, also eines Monats oder eines Jahres, durch die Existenz des Unternehmens und die Abwicklung ihrer Geschäftstätigkeiten anfallen, tauchen in diesen Konten auf

Um das mit konkreten Zahlen zu unterlegen, geht man von 36.000 Euro Miete und Energiekosten von 3.600 Euro aus. 9.000 Euro Steuern fallen in diesem Zeitraum an. Einnahmen erzielt das Unternehmen durch den Verkauf von Fahrrädern im Gesamtwert von 80.000 Euro in einem Jahr. Der Arbeitslohn beläuft sich auf 21.000 Euro. Zinsen erhält das Unternehmen über seine vorhandenen Gelder in Höhe von 600 Euro.

Die Erträge bucht man nun auf der Haben-Seite in der GuV-Rechnung. Das sind in diesem Falle:

80.000 Euro Umsatzerlöse
600 Euro Zinsen

Die Aufwendungen schlagen mit folgenden Posten auf der Soll-Seite der GuV-Rechnung zu Buche:

3.600 Euro Energie
9.000 Euro Steuern
36.000 Euro Miete
21.000 Euro Arbeitslohn

Anschließend wird auf beiden Seiten der Saldo gebildet, der einen positiven oder negativen Wert ergibt und schließlich im GuV-Konto verbucht. Nun wird auch hier der Ssaldo gebucht, das
GuV

Die komplizierte Berechnung einfach erklärt

folgendes Schaubild ergibt:

Sollseite
___________
3.600 Euro
9.000 Euro
36.000 Euro
21.000 Euro
___________
Saldo: 69.600

Die Habenseite sieht dann wie folgt aus:

Habenseite
__________
80.000 Euro
600 Euro
__________
Saldo 80.600

Beide Saldi werden nun in der GuV-Rechnung eingetragen:

Soll Haben
______________________
69.600 80.600
Saldo 11.000

Das Unternehmen hat also in diesem einen Jahr seines Betriebs einen Gewinn von 11.000 Euro erzielt.

Unterschied Kontenform vs Staffelform

Diese beiden Formen sind bei der Erstellung einer GuV-Rechnung möglich.

Kontenform

Bei der Kontenform geht man im Prinzip wie in obigem Beispiel vor. Man erstellt eine Tabelle mit zwei Spalten: Soll und Haben. Alles, was in die Kasse hereinfließt, wird in der Spalte „Haben“ erfasst. Alle Punkte, bei denen das Unternehmen selbst Aufwendungen leisten muss, sprich, Geld ausgeben, werden in der Spalte „Soll“ verbucht. Welche einzelnen Unterkonten es dabei üblicherweise gibt, ist für das Verstehen dieses Prinzips nicht wirklich relevant.
Am Ende ergibt sich ein Saldo, der schließlich das Endergebnis des entsprechenden Jahres oder Monat bedeutet, je nachdem, ob man den Saldo auf der Soll- oder Habenseite bilden muss.

Staffelform

Bei der Verwendung der Staffelform geht man ein wenig anders vor. Hier werden Gruppierungen statt Konten angelegt. Innerhalb jeder Gruppierung wird jeder einzelne existierende Posten aufgelistet. Danach erhält jede Gruppe ihre eigene Zwischensumme. Dies bewirkt den manchmal gerne genutzten Vorteil, dass die einzelnen Komponenten des Gesamtergebnisses einzeln einsehbar sind. So kann man konkreter lokalisieren, wo sich positive oder negative Einflüsse und Entwicklungen ergeben haben.

Zwei Methoden der GuV-Rechnung

GuV

Die Alternativen der GuV-Berechnung

Hier unterscheidet man das Gesamtkostenverfahren, kurz GKV, und das Umsatzkostenverfahren (UKV). Bei Letzterem ist lediglich die Berücksichtigung von Umsatzerlösen und Umsatzkosten, also den Ausgaben zur Erzielung dieser Umsätze, notwendig. Dies ist bei vielen Unternehmen eher unterkomplex. In der GKV hingegen müssen ebenso Bestandserhöhungen oder aktivierte Eigenleistungen dem auf der Ertragsseite ihren Platz finden. So ergibt sich ein umfangreicheres Bild. Gleichwohl ist diese Methode nicht für alle Formen von Unternehmen überhaupt sinnvoll, weshalb der deutsche Gesetzgeber beide Methoden erlaubt, was sich wiederum nicht in allen Ländern auf diese Weise handhaben lässt.

Brutto- oder Nettoverfahren

Diese beiden Verfahren sind ebenfalls, zumindest in bestimmten Fällen, zulässig. Das Bruttoprinzip bei der GuV-Rechnung besagt, dass alle Arten von Aufwand und Ertrag als Einzelposition darin erscheinen müssen. Eine vorher durchgeführte Verrechnung, also eine Saldierung einzelner Positionen, ist nicht zulässig.

Allerdings existieren relativ weitreichende Ausnahmen, insbesondere für kleine und mittlere Kapitalgesellschaften. Diese können bestimmte Posten in ihrer GuV-Rechnung vorab zusammenfassen. Diese Methode dient dem Zweck, der Konkurrenz keinen allzu konkreten Einblick in die internen Geschäftsvorgänge zu ermöglichen. Dennoch muss auch in diesem Falle ein detaillierter Kontenplan existieren, aus dem die einzelnen Bestandteile der Gesamtrechnung hervorgehen.

In der Schweiz ist die GuV-Rechnung übrigens unter dem Begriff „Erfolgsrechnung“ geläufig, funktioniert aber nach demselben Prinzip. Als zentraler Bestandteil der Jahresabschlussrechnung ist diese GuV-Rechnung eben das wichtigste Element, um den Gewinn bzw. Verlust eines Unternehmens zu bestimmen.

Was ist eine Gewerbesteuer und wie berechnet man sie?

Die Gewerbesteuer ist eine von den Gemeinden erhobene und diesen unmittelbar zufließende Steuer. Sie zählt zu den Ertrags- beziehungsweise Objektsteuern. Im deutschen Steuersystem ist sie als Realsteuer eingestuft. Gegenstand der Gewerbesteuer ist eine von den persönlichen Verhältnissen des Inhabers unabhängige, objektive Besteuerung des Gewerbeertrags von Gewerbebetrieben.
Steuerpflichtig ist also der Gewerbebetrieb und nicht, wie bei Einkommen- und Körperschaftsteuer, der Inhaber. Rechtliche Grundlage für die Erhebung und Berechnung der Gewerbeertragsteuer ist das Gewerbesteuergesetz (GewStG). Gewerbesteuern sind in Deutschland die wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinden.

Die lange Geschichte der Gewerbesteuer

Bereits im Mittelalter mussten Händler und Handwerker Steuern in Form von Marktgeldern oder Sondersteuern für bestimmte Gewerbe abführen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Gewerbesteuern in immer mehr deutschen Territorialstaaten erhoben. Erste allgemeine Gewerbesteuern folgten Anfang des 19 Jahrhunderts. Das erste deutschlandweite Gewerbesteuergesetz trat am 1. Dezember 1936 in Kraft. Damals wurden mit dem Gewerbeertrag auch das Gewerbekapital und die Arbeitsplätze über eine Lohnsummensteuer besteuert. Im Zuge mehrerer Reformen fiel 1978 zunächst die Lohnsummensteuer weg. Die Abschaffung der Gewerbekapitalsteuer folgte 1998. Übrig blieb nur die bis heute erhobene Gewerbeertragsteuer.

Wer muss die Gewerbesteuer bezahlen?

Grundsätzlich muss jeder Gewerbetreibende die Gewerbesteuer auf seinen Gewerbeertrag bezahlen. Die Rechtsform des Gewerbebetriebes spielt dabei keine Rolle. Die Steuerpflicht gilt für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften gleichermaßen.

Wer muss keine Gewerbesteuer bezahlen?

Grundsätzlich von der Gewerbeertragsteuer befreit sind
  • Freiberufler wie Steuerberater, Architekten, Ingenieure, Ärzte und Journalisten
  • Forst- und landwirtschaftliche Betriebe

Zahlungstermine für Gewerbesteuern

Das Finanzamt erstellt anhand des Jahresabschlusses den Gewerbesteuer-Messbescheid und berechnet

Gewerbesteuer

Es gelten bestimmte Beträge und Prozentzahlen

den Steuermessbetrag. Auf Grundlage dieses Bescheides müssen Unternehmen im Folgejahr vierteljährliche Vorauszahlung leisten. Die Zahlungstermine sind der 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November.

Freibetrag

Für Einzelunternehmungen und Personengesellschaften wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder eine Kommanditgesellschaft (KG) hat der Gesetzgeber einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro vorgesehen. Erst, wenn der Jahresgewinn diesen Freibetrag übersteigt, müssen Einzelunternehmen und Personengesellschaft die Gewerbeertragsteuer bezahlen. Der Freibetrag gilt nicht für Kapitalgesellschaften. Personengesellschaften und Einzelunternehmer erhalten den Freibetrag als Ausgleich dafür, das sie, anders als Kapitalgesellschaften, den Unternehmerlohn nicht als Betriebsausgaben von ihrem Betriebsgewinn abziehen dürfen. Lesen Sie hier alles zum Unternehmerlohn.

Berechnung der Gewerbesteuer

Grundlage für die Berechnung der Gewerbeertragsteuer sind der Gewerbeertrag des Betriebes, die Steuermesszahl und der Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde, in der ein Betrieb seinen Sitz hat.

Steuermesszahl

Die Steuermesszahl oder Gewerbesteuermesszahl beträgt seit dem 01.01.2008 deutschlandweit einheitlich 3,5 %. Sie dient den Finanzämtern zur Berechnung des Steuermessbetrages.

Gewerbesteuerhebesatz

Die Gemeinden in Deutschland legen den Gewerbesteuerhebesatz individuell fest. Um innerdeutsche Steueroasen zu vermeiden, beträgt der Mindesthebesatz in Deutschland 200 %. Die durchschnittliche Höhe liegt bei rund 400 %.

Gewerbeertrag

Grundlage für die Ermittlung des Gewerbesteuerbetrages ist der steuerpflichtige Gewinn des Unternehmens, der Gewerbeertrag.

Hinzurechnungen und Kürzungen beim Gewerbeertrag

Der Gesetzgeber hat bestimmt, dass Sie zum Jahresgewinn ihres Unternehmens bestimmte Beträge hinzurechnen müssen. Auf der anderen Seite dürfen Sie bestimmte Kürzungen vom Betriebsergebnis vornehmen.

Hinzurechnungen zum Jahresgewinn

Zu den Hinzurechnungen zählen Schulden, Miet- und Pachtzinsen für Immobilien oder Leasingraten für das Firmenfahrzeug. Für diese Beträge hat der Gesetzgeber bestimmte Finanzierungsanteile pauschal festgelegt. Nur diese Finanzierungsanteile müssen hinzugerechnet werden. Der zu berücksichtigende Finanzierungsanteil beträgt bei Schulden beispielsweise 100 %. 

Der Finanzierungsanteil von Mietzahlungen für ein Bürogebäude beträgt 65 %. Bei Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter beispielsweise den Firmen PKW beträgt der pauschale Finanzierungsanteil 20 %. Von den

Gewerbesteuer

Was darf zugerechnet werden?

addierten Hinzurechnungen dürfen Sie einen Freibetrag von 100.000 Euro abziehen. Vom verbleibenden Betrag werden wiederum 25 % dem Gewerbeertrag hinzugerechnet. Das bedeutet, die Hinzurechnungen haben nur dann eine Auswirkung auf den Gewerbeertrag, wenn sie den Freibetrag von 100.000 Euro überschreiten.

Kürzungen beim Gewerbeertrag

In § 9 des Gewerbesteuergesetzes sind verschiedene Positionen aufgeführt, die Sie vor der Berechnung des Gewebesteuerbetrages vom Betriebsergebnis abziehen dürfen. Hierzu zählen beispielsweise

  • Gewinne aus in- und ausländischen Kapitalgesellschaften
  • Gewinne ausländischer Betriebsstätten
  • 1,2 % des Einheitswertes des betrieblich genutzten Grundbesitzes
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge

Nach Berücksichtigung der Hinzurechnungen und Kürzungen erhalten Sie den korrigierten Gewerbeertrag, der für die Berechnung der Gewerbesteuer verwendet wird.

Beispiele für die Berechnung

Bei einem gleich hohen Betriebsergebnis ergeben sich je nach Rechtsform des Unternehmens unterschiedliche Gewerbesteuerbeträge. Der Unterschied ist im Gewerbesteuerfreibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften begründet. Nur der diesen Freibetrag übersteigende Gewerbeertrag findet Berücksichtigung bei der Ermittlung des Gewerbesteuerbetrages.

Zunächst erfolgt die Berechnung des Steuermessbetrages mit der Formel

(Korrigierter Gewerbeertrag – Freibetrag) x Steuermesszahl = Steuermessbetrag

Durch die Multiplikation des Steuermessbetrages mit dem Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde erfolgt die Berechnung der zu zahlenden Gewerbesteuer:

Steuermessbetrag x Gewerbesteuer-Hebesatz = Gewerbesteuer

Die beiden folgenden Beispielrechnungen für eine Personengesellschaft und eine GmbH
beruhen auf den gleichen Annahmen

korrigierter Gewerbeertrag: 200 000 Euro

Gewerbesteuerhebesatz Aachen: 475 %

Beispiel 1: Berechnung für eine Personengesellschaft

zu versteuernder Gewinn: (200.000 Euro – 24.500 Euro) = 175.000 Euro

Steuermessbetrag; 175.500 Euro x 0,035 = 6 142,50 Euro
Gewerbesteuer: 6.142,50 Euro x 4,75 = 29.176.88 Euro

Beispiel 2: Berechnung für eine GmbH
Gewerbesteuer

Wer zahlt wie viel?

zu versteuernder Gewinn: (200.000 Euro – 0 Euro) = 200.000 Euro

Steuermessbetrag; 200.000 Euro x 0,035 = 7.000 Euro
Gewerbesteuer: 7.000 Euro x 4,75 = 33.250 Euro

Kritik

Gewerbesteuern zählen zu den am häufigsten kritisierten Steuern in Deutschland. Hauptkritikpunkt ist, dass die Gewerbesteuer nicht als Betriebsausgabe vom Unternehmensgewinn abgezogen werden dürfen. Hinzu kommt, dass Gewerbetreibende diese Steuer als Privatentnahme buchen müssen.

Körperschaftssteuer – wer muss sie zahlen und wie hoch ist sie?

Während natürliche Personen auf ihr Einkommen eine Einkommenssteuer zahlen müssen, ist das bei juristischen Personen die Körperschaftssteuer. Grundlage ist das Körperschaftssteuergesetz (KStG). Berechnet wird die Körperschaftssteuer aus dem handelsrechtlichen Jahresüberschuss.

Definition: Die Körperschaftssteuer, auch als KSt bezeichnet, wird auf den Gewinn beziehungsweise das Einkommen juristischer Personen erhoben. Sie ist eine Unternehmenssteuer, die von Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und Vereinen in Höhe von 15 Prozent des zu versteuernden Einkommens gezahlt werden muss. Die Körperschaftssteuererklärung muss jährlich beim Finanzamt eingereicht werden.

Geschichte der Körperschaftssteuer

Ihren Ursprung hat die Körperschaftssteuer in der Reichsfinanzreform 1920, angestoßen durch den damaligen Finanzminister Matthias Erzberger. Damals stand das Deutsche Reich kurz vor dem finanziellen Ruin, verursacht durch Kriegsanleihen, Reparationen und die ökonomischen Kriegsfolgen. Erzberger vereinheitlichte das bisher länderspezifische Steuerrecht und schuf eine moderne Finanzverwaltung. Viele der damals entwickelten

Körperschaftssteuer

Der Prozentsatz veränderte sich kontinuierlich

Prinzipien sind bis heute im deutschen Steuerrecht zu finden. Seit dieser Zeit wird die Körperschaftssteuer erhoben. Ursprünglich lag der Steuersatz bei 10 Prozent, später wurde er deutlich höher. Ihren höchsten Betrag erreichte die Körperschaftssteuer 1946, damals betrug der Steuersatz 65 Prozent. Mit der Unternehmenssteuerreform sank der Satz der Körperschaftssteuer von 25 auf die aktuell 15 Prozent. Gleichzeitig wurden Teileinkünfteverfahren und Abgeltungssteuer für die Anteilseigner eingeführt.

Wer muss die Körperschaftssteuer zahlen?

Die Steuer ist von allen juristischen Personen zu zahlen, deren Sitz oder Geschäftsleitung sich in Deutschland befindet. Das sind beispielsweise:
  • Kapitalgesellschaften wie Aktiengesellschaften (AG), Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA), Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft.
  • Genossenschaften
  • Vereine
  • Stiftungen
Ist ein Unternehmen als juristische Person weder mit dem Hauptsitz noch der Geschäftsleitung in Deutschland ansässig, ist es nur beschränkt körperschaftssteuerpflichtig und es gilt ein ermäßigter Abgeltungssteuersatz.

Wer ist von der Körperschaftssteuer befreit?

Arbeiten Körperschaften anerkannt gemeinnützig, sind sie von der KSt befreit. Das gilt beispielsweise für:
  • Unternehmen des Bundes, zu denen auch die kommunalen Unternehmen der Regionalförderung, Wirtschaftsförderung und Daseinsvorsorge wie beispielsweise Stadtwerke oder Kommunalunternehmen gehören. Sie sind für die Allgemeinheit tätig. Betätigen sich Anstalten oder Körperschaften des öffentlichen Rechts wirtschaftlich, gehören sie ebenfalls zu den von der Körperschaftssteuer befreiten Unternehmen
  • Politische Parteien nach dem Parteiengesetz und die damit verbundenen Gebietsverbände
  • Staatsbanken, wenn sie Aufgaben staatswirtschaftlicher Art übernehmen.
  • Gemeinnützige und kirchliche Körperschaften: Das gilt für die Körperschaften der Kirchen, aber auch für Vereine. Verfolgen Vereine einen in ihrer Satzung festgeschriebenen kirchlichen, mildtätigen oder gemeinnützigen Zweck, sind sie steuerbegünstigt. Gleichzeitig müssen sie in ihrer Satzung Selbstlosigkeit, Unmittelbarkeit und Ausschließlichkeit fest geschrieben haben
  • Soziale Kassen: Zu diesen gehören beispielsweise Kranken- und Unterstützungskassen, aber auch Sterbe- und Pensionskassen
  • Berufsverbände: Nehmen sie allgemeine Interessen der Angehörigen eines Berufes oder Wirtschaftszweiges wahr, sind sie von der KSt befreit. Unterhalten sie dagegen einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, gilt die Befreiung nicht
  • Öffentlich-rechtliche Versicherungs- und Versorgungseinrichtungen: Die öffentlich-rechtlichen Versicherungs- und Versorgungsreinrichtungen sind steuerbefreit, weil sie für ihre Pflichtversicherten eine entsprechende Alters-, Hinterbliebenen-, und Invalidenversorgung gewährleisten sollen

Da Kleinunternehmer, Personengesellschaften und Freiberufler für ihre erzielten Gewinne

Körperschaftssteuer

Nicht jede Gesellschaft muss zahlen

einkommenssteuerpflichtig sind, brauchen sie daher keine KSt zu entrichten. Das gleiche gilt für juristische Personen, die einen Freibetrag geltend machen können und ein Einkommen nachweisen, das unterhalb dieses Freibetrages liegt.

Wer erhält die Körperschaftsteuer?

Im Grundgesetz ist festgelegt, dass wichtige Steuern sowohl dem Bund und den Ländern, aber auch den Gemeinden zustehen. Zu diesen Steuern zählt neben Umsatz- und Einkommenssteuer auch die Körperschaftssteuer. Sie wird daher als Gemeinschaftssteuer bezeichnet. Der Bund erhält somit 50 Prozent der Körperschaftssteuer, die restlichen 50 Prozent erhalten die Länder. Weil die Körperschaftssteuer zentral von den Unternehmen gezahlt wird, verteilt die sogenannte Zerlegung den gesamten Anteil auf die Länder, in denen sich Betriebsstätten des Unternehmens befinden.

So wird die Körperschaftssteuer berechnet

Im Körperschaftssteuergesetz ist die Grundlage für die Berechnung verankert. Sie wird auf der Basis des zu versteuernden Einkommens nach einem Rechenschema ermittelt und bei Bedarf korrigiert. Zunächst wird in der Steuerbilanz der Überschuss des jeweiligen Steuerjahres berechnet.
Zu diesem Überschuss lassen sich addieren:
  • nicht abziehbare Aufwendungen
  • verdeckte Gewinnausschüttungen
Abziehen kann man:
  • Freibeträge
  • Zuwendungen und
  • verdeckte Einlagen
Stellt sich in der Steuerbilanz heraus, dass ein Unternehmen keinen Gewinn erwirtschaftet, sondern Verluste vorweist, ist auch keine KSt fällig.

Die Höhe der KSt

Aktuell liegt der Steuersatz auf das zu versteuernde Einkommen bei 15 Prozent und ist im § 23 KStG festgelegt. Zusätzlich ist der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent des Steuerbetrages zu zahlen. Daher beträgt die effektive Körperschaftssteuer 15,83 Prozent.

Die Freibeträge bei der KSt

Führt man keine Gewinnausschüttungen durch, gilt nach § 24 KStG ein Freibetrag von 5.000 Euro. Ist eine Genossenschaft oder ein Verein in der Land- und Forstwirtschaft tätig, beträgt der Freibetrag nach § 25 KStG sogar 15.000 Euro. Die Freibeträge werden abgezogen und mindern daher die Höhe der Körperschaftssteuer. Ist dieser höher als das zu versteuernde Einkommen, muss man keine Körperschaftssteuer zahlen.

Anerkennung der Gemeinnützigkeit

Sind Körperschaften gemeinnützig, unterliegen sie gegenüber wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen steuerlicher Begünstigung. Daher muss man die geltenden Regeln genau beachten, soll diese Begünstigung erhalten bleiben. Oft kommt es auf die genaue Formulierung der Satzung an: Fehlten bei einem Verein am 1. Januar 2019 die

Körperschaftssteuer

Ein Verstoß kostet

zwingend vorgeschriebenen Formulierungen in der Vereinssatzung, war die Anerkennung der Gemeinnützigkeit in Gefahr. Während jedoch in der Wirtschaft ein Verstoß nur zu einer Nachzahlung von Steuern führt, kann eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit zu weitreichenderen Folgen führen. Schließlich leidet darunter nicht nur das Image des Vereins, sondern der Vorstand haftet für eventuelle Folgen. Gleichzeitig wird ein solcher Verein weniger Spenden erhalten, darf er doch dann – aufgrund der nicht mehr vorhandenen Gemeinnützigkeit – keine Zuwendungsbestätigungen mehr ausstellen und der Spender die Spende nicht mehr steuerlich absetzen.

Was ist der NPV?

Der Kapitalwert, auf Englisch auch“Net Present Value“ (NPV) genannt, gibt Auskunft darüber, ob sich ein bestimmtes Projekt aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Falls der Kapitalwert positiv ausfällt, kann sich der Investor sicher sein, dass sich die Investition lohnt. Im Rahmen der Berechnung der Net Present Value bewertet man frühere Erlöse höher als spätere. Im folgenden Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den NPV berechnen können und wie dieser funktioniert.

Allgemeine Informationen

Mit dem Net Present Value können Sie schnell und einfach herausfinden, ob ein Investment einen künftigen

NPV

Ist mein Plan wirklich rentabel?

Gewinn erwirtschaftet. Der Kapitalwert, den man auch als Nettobarwert (NBW) oder Net Present Value (NPV) bezeichnen kann, stellt eine sehr gute Basis dar, um die Wirtschaftlichkeit einer Investition einzustufen und aufgrund dieser Prognose die entsprechenden Entscheidungen zu treffen. Der NPV wird in vielen Fällen auch bei der Bewertung von Start-ups genutzt. Lesen Sie hier alles über Start-Ups.

Funktionsweise des NPV im Überblick

Der Kapitalwert berechnet sich mittels eins dynamischen Verfahrens und berücksichtigt dabei in erster Linie den Zeitwert. Im Rahmen eines NPV lassen sich frühere Erlöse höher bewerten als spätere. Falls Sie Ihr Kapital gewinnbringend anlegen möchten, sollten Sie unbedingt eine Berechnung des Kapitals durchführen lassen. Ergibt die Berechnung einen positiven NPV, lohnt sich das Investment. Ist der Wert negativ, sollten Sie mit Verlusten rechnen. Im Rahmen der Kapitalwert-Analyse addiert man das Anfangsinvestment mit den abgezinsten Ein- und Auszahlungen des darauffolgenden Zeitraums zusammen:

  1. Kapitalanlage in Personal, Marketing, Anlagen oder Maschinen
  2. Die ungefähre Laufzeit für die Fertigung von Produkten oder die Bereitstellung von Dienstleistungen. Diese gehen mit Kosten einher, bringen Gewinne und führen zu Aus- und Einzahlungen. Bei der Berechnung des NPV spielt die Laufzeit eine entscheidende Rolle. In vielen Fällen setzt man dabei eine Laufzeit von einem Jahr an, es können aber auch beliebig lange Zeiträume vorherrschen.
  3. Ein- und Auszahlungen: Bei Einzahlungen handelt es sich zum Beispiel um Gewinne aus dem Verkauf der Produkte bzw.
    NPV

    Mit welchem Risiko ist zu rechnen?

    Dienstleistungen, während Auszahlungen durch Kosten für Material, Personal und Dienstleistungen entstehen.

  4. Der Restwert: Nachdem die Laufzeit abgelaufen ist, verfügen die Anlagen und Maschinen noch über einen Restwert, den man als Einzahlung berechnet. Falls an dieser Stelle Kosten für die Beseitigung anfallen, entstehen dadurch Auszahlungen.
  5. Der Zinssatz: Falls das Investment über ein Darlehen finanziert ist, müssen Sie den dafür fälligen Zinssatz berücksichtigen. Des Weiteren muss man in der Abzinsung der Aus- und Einzahlungen die Inflation einberechnen. Das sich potenzielle Ein- und Auszahlungen über einen längeren Zeitraum in vielen Fällen nur schätzen lassen, muss an dieser Stelle ein Risikozuschlag verankert sein. Die Höhe der Net Present Value beruht im hohen Maße auf der Festlegung des Zinssatzes, da die potenziellen Gewinne für die Investoren hiervon abhängen.

Wie wird der NPV berechnet?

Um den Kapitalwert mit einer mathematischen Formel berechnen zu können, müssen zunächst alle wichtigen Parameter definiert sein.

  1. Investments und die damit einhergehenden Kosten: Hierzu gehören u. a die Anschaffung von Maschinen, Möbeln, Anlagen, Kosten für Dienstleistungen und Marketingmaßnahmen, Zahlungen für Schulungen. Nachdem alles vorhanden ist, was für die Produktion benötigt wird, werden die Güter produziert oder Dienstleistungen erbracht. Durch den Verkauf derselben werden Erlöse generiert. Hierbei handelt es sich um die Einzahlungen des ersten Jahres. Parallel werden jedoch auch weitere Auszahlungen verursacht, die durch Personal-, Material-, und Dienstleistungskosten entstehen.
  2. Über welchen Zeitraum soll das Investment im Unternehmen verbleiben? Dieser Zeitraum hängt direkt von der Laufzeit oder Nutzungsdauer ab. Ein- und Auszahlungen müssen dabei für den gesamten Zeitraum ermittelt werden. Falls die Nutzungsdauer abgelaufen ist, kann eventuell ein Teil des Investments entweder verkauft oder weiter genutzt werden. Der Investor bekommt in der Regel für den verbleibenden Restwert eine vorher vereinbarte Zahlung.
  3. Der Zinssatz: Bei der Berechnung der Zinsen können unterschiedliche Kriterien eine Rolle spielen und sich so direkt auf die Höhe der Zinsen auswirken. Zu diesen Faktoren gehören:
  • Der Zinssatz, der für die Kredite oder andere Darlehensformen erbracht werden muss
  • Risikozuschlag

    NPV

    Was bewirkt die Inflationsrate?

  • Inflationsrate
  • Weighted Average Cost of Capital

Sie sollten sich dessen bewusst sein: Je höher der Zinssatz ist, umso weniger gewinnbringender erscheint das Investment.

Beispiel für Berechnung der NPV

Im Folgenden zeigen wir Ihnen am Beispiel einer Fortbildung, wie Sie den Kapitalwert berechnen können:
Sie wollen sich weiterbilden und neben Ihrer derzeitigen Arbeit ein Teilzeitstudium absolvieren. Das Studium hat eine Dauer von drei Jahren. Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass Sie während dieser Zeit weniger arbeiten und demzufolge auch weniger verdienen, können Sie schnell und einfach berechnen, ob sich Ihre Weiterbildung in Zukunft tatsächlich lohnen wird. Bekommen Sie nach Abschluss Ihres Studiums eine höher bezahlte Stelle und Sie arbeiten dort für fünf Jahre, können Sie auf dieser Grundlage den NPV berechnen:
Monatliche Kosten:

  • 200 Euro für das Studium und das dazugehörige Arbeitsmaterial inklusive der Fahrkosten
  • 500 Euro weniger Gehalt
  • Nach Studienabschluss erhalten Sie 600 Euro mehr
  • Sie rechnen mit einem Zinssatz von 8 Prozent, weil Sie nicht genau wissen, ob Sie tatsächlich nach Ihrem Abschluss eine bessere Stelle in der Firma bekommen
  • Setzen Sie diese Daten in die NPV-Gleichung ein, kommen Sie auf einen Kapitalwert von rund 1200 Euro. Der NPV ist positiv und Sie sehen, dass sich die Investition lohnt.

Was ist eine Kaufpreisallokation?

Bei einer Kaufpreisallokation (Purchase Price AllocationPPA) handelt es sich um eine Methode, die sich im betrieblichen Rechnungswesen anwenden lässt. Ursprünglich stammt sie aus den USA, erfreut sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch auch international einer zunehmenden Beliebtheit. Im Falle einer Unternehmensbeteiligung bewertet sie nicht nur nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch den gekauften Unternehmenswert. Schulden, stille Reserven und Vermögenswerte stehen dem Kaufpreis gegenüber, wobei der Zeitwert als Basis fungiert.

Die Kaufpreisallokation im International Financial Reporting Standard

Die Kaufpreisallokation findet sich im International Financial Reporting Standard (IFRS) – konkret im IFRS 3 – wieder. Zunächst muss der Kaufpreis bekannt sein, welcher bereits getätigte, aber auch zukünftige, verpflichtende Zahlungen an den Verkäufer des Unternehmens umfasst. Erwerbsnebenkosten sind laut IFRS 3 hingegen nicht mehr aktivierbar. Liquiditätsbestände, die man vom Unternehmen übernimmt, subtrahieren sich. Der nächste Schritt zielt auf eine Neubewertungsbilanz des neu erworbenen Unternehmens ab. Vermögensgegenstände, Eventualschulden und tatsächliche Schulden muss man identifizieren und anhand des IFRS 3.37 nach ihren Zeitwerten überprüfen.
Mögliche Lasten und stille Reserven, beispielsweise immaterielle Vermögenswerte wie Kundenbeziehungen
Preisallokation

Was gesellt sich zum Eigenkapital?

und Patente, lassen sich so zuverlässig aufdecken. Der Wertansatz hängt im Wesentlichen von den zu erwartenden Synergien infolge des Unternehmenskaufs ab. Die Differenz verbucht man immer dann als Ertrag und schlägt sie dem Eigenkapital zu, wenn der Kaufwert den Buchwert der zuvor bewerteten Beteiligung überschreitet. In dem Fall spricht man von einem negativen Geschäfts- oder Firmenwert (Badwill). Das Gegenteil stellt ein positiver Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) dar, der voraussetzt, dass der Kaufpreis über dem jeweiligen Buchwert liegt. Lesen Sie hier alles zum Buchwert.

Kriterien der Neubewertung laut IFRS 3.37

Der International Financial Reporting Standard 3.37 legt feste, welche Schulden und Vermögenswerte man im Rahmen der Kaufpreisallokation ansetzen darf. Generell gilt, dass sich der der jeweiligen Position beizulegende Zeitwert zuverlässig bestimmen lassen muss. Handelt es sich um einen materiellen Vermögenswert, muss eine Feststellung erfolgen, ob dieser dem Unternehmen und dem Käufer auch zukünftig einen finanziellen Nutzen einbringt. Ist dies ausgeschlossen oder sehr unwahrscheinlich, kann man ihn von der Neubewertung ausschließen. Spezielle, besonders strenge Ansatzkriterien sind bei immateriellen Vermögenswerten gemäß des International Accounting Standards (IAS) 38 zu beachten.
Diese liegen der Tatsache zugrunde, da man auch immaterielle Vermögenswerte wie Kunden- und Auftragsbestände mit einbezieht. Gewinnmindernde Abschreibungen entstehen so allein durch die Konzern-Konsolidierung. Im Falle der Kaufpreisallokation ist es üblich, solcherlei Abschreibungen zu bereinigen – Den Gewinn schlägt man, vor den Steuern, wieder zu. Von Vorteil ist, dass sich Bewertungsspielräume infolge der Bereinigung neutralisieren lassen. Negativ zu bewerten ist allerdings die Tatsache, dass sie faktisch das Risiko einer Überbewertung birgt. Grund dafür sind Zahlungsabflüsse, die man durch einen zu hoch angesetzten Kaufpreis ignoriert.

Ein weiteres wichtiges Kriterium stellen Verbindlichkeiten und Rückstellungen, also sämtliche Schulden, dar.

Preisallokation

Welche Schulden wandern in die Kalkulation?

Verlangt ist, dass solcherlei Verpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Abfluss finanzieller Mittel bewirken. Gemäß des Financial Reporting Standards darf man jedoch ausschließlich Schulden einbeziehen, die bereits zum Zeitpunkt des Unternehmenserwerbs bestanden. Eventualschulden

müssen hingegen auf Basis vom speziellen Kriterien identifiziert werden, die im IAS 37.10 festgelegt sind.

Der Zeitwert – Bewertungsmaßstäbe und –spielräume im Detail

Bilanzpositionen werden gemäß IFRS 3 mit ihrem Zeitwert angesetzt. Dieser lässt sich zwar mittels verschiedener Methoden ermitteln, in Anhang B des IFRS 3 wird jedoch auf den stets zulässigen Einsatz des Barwertverfahrens verwiesen. Um eine nicht zulässige Alternative handelt es sich hingegen bei der Marktbewertung, da immateriellen Vermögenswerten in der Regel ein aktiver Markt fehlt. Doch Achtung: Das Barwertverfahren birgt einige Tücken. Da das Verfahren auf Schätzungsgrößen beruht, beispielsweise auf Zahlungsüberschüssen und Laufzeit,eröffnet die Kaufpreisallokation die Möglichkeit umfassender Bilanzierungsspielräume. Betroffen sind vor allem immateriellen Vermögenswerte, die die Zuordnung zum Goodwill verhindern. Die Folge: Der ausgeschriebene Gewinn wird in den folgenden Geschäftsjahren gemindert. Das Szenario kann vermieden werden, indem die bereits erwähnte Bereinigung der Abschreibungen zum Einsatz kommt.

Die Kaufpreisallokation im deutschen Handelsgesetzbuch

Das deutsche Handelsgesetzbuch (HGB) regelt die Kaufpreisallokation zwar ähnlich wie der IFRS, geht dabei aber weniger ins Detail. Das HGB schreibt in § 301 lediglich vor, dass infolge des Kaufs erworbene Schulden, Vermögenswerte und Rechnungsabgrenzungsposten mittels ihres Zeitwerts anzusetzen sind. Geschäfts- oder Firmenwert werden im HGB allerdings vollkommen anders als im IFRS behandelt. Gemäß HGB muss ein positiver Unterschiedsbetrag aktiviert und anschließend ratierlich abgeschrieben werden. Infolgedessen werden die Auswirkungen der Bewertungsspielräume gemindert, da alle immateriellen Werte mit einbezogen werden.
Preisallokation

Welcher faktische Gewinn ergibt sich?

Ein negativer Unterschiedsbetrag wird dagegen als Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung passiviert, wie es § 301 Absatz 3 des deutschen Handelsgesetzbuchs vorschreibt. Laut § 309 Absatz 2 durfte man ihn bis Juli 2015 lediglich auflösen, wenn zuvor eine ungünstige Ertragsentwicklung eingetreten ist oder wenn am Stichtag der Bilanz feststeht, dass ein negativer Geschäfts- oder Firmenwert beziehungsweise Badwill einem faktischen Gewinn entspricht. Die aktuelle Fassung des § 309 Absatz 2 beschreibt hingegen, dass man einen negativer Unterschiedsbetrag immer dann auflöst, wenn das Vorgehen den Grundsätzen der Paragraphen 297 und 298 entspricht. Darüberhinaus muss die Auflösung den Vorschriften des ersten Absatz entsprechen.

Was ist ein Stakeholder?

Mit allem, was in einem Unternehmen geschieht, werden die Interessen unterschiedlichster Gruppen und Institutionen berührt und beeinflusst. Eigentümer, Arbeitnehmer und der Landwirt von nebenan haben dabei unterschiedliche Interessen und Ansprüche, die heute von keinem Unternehmen mehr ignoriert werden sollten. Die sogenannten Stakeholder werden nicht nur von Unternehmen beeinflusst, sie können auch selbst das Unternehmen beeinflussen. Was ein Stakeholder ist, wer dazugehört und warum der richtige Umgang mit ihnen wichtig ist, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist ein Stakeholder?

Als Stakeholder wird eine Person, eine Gruppe von Personen oder eine Organisation bezeichnet, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt oder in der Zukunft ein berechtigtes Interesse am Ergebnis oder am Verlauf eines Projektes, eines Prozesses oder eines Unternehmens hat. Sie können die Ziele und Aktionen von Unternehmen, Projekten oder Prozessen beeinflussen oder von diesen beeinflusst werden. Die Bezeichnung setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „Stake„, auf Deutsch Anspruch, Anteil oder Erwartung, und „Holder“, auf Deutsch Besitzer oder Eigentümer zusammen.

Eine adäquate deutsche Bezeichnung, die alle Gesichtspunkte eines Stakeholders beinhaltet, gibt es nicht. Im deutschen Sprachgebrauch werden die Begriffe Anspruchsträger, Interessenten und Betroffene verwendet. In der Betriebswirtschaftslehre werden Stakeholder als Anspruchsberechtigte und gelegentlich als Anspruchsgruppe bezeichnet. In seiner heutigen Bedeutung wurde der Begriff erstmals im Jahr 1963 intern vom

Stakeholder

Ein Stakeholder unterstützt sämtliche Bereiche

Stanford Research Institute (SRI) verwendete. Lesen Sie hier alles zum SRI.

Vom Stanford Research Institute wurden Stakeholder zunächst als Personengruppen definiert, ohne deren Unterstützung eine Organisation oder Unternehmen aufhören würde zu existieren. Stakeholder sind nach dieser Definition lediglich die Interessengruppen, die für die Existzenz eines Unternehmens essenziell sind. Diese sehr eng gefasste Definition wurde auf Basis neuer Erkenntnisse im Laufe der Zeit jedoch erheblich erweitert. Heute werden Stakeholder definiert als alle Einzelpersonen oder Personengruppen, die durch ihren Einfluss das Erreichen der Unternehmensziele beeinflussen können oder selbst vom Unternehmen beeinflusst werden. Nach dieser Definition gehören Wettbewerber, Medien, Gewerkschaften und andere externe Gruppen auch zu den Stakeholdern, da diese ebenfalls Ansprüche an das Unternehmen stellen. Allgemein wird daher seit einiger Zeit zwischen internen und externen Stakeholdern unterschieden

Interne und externe Stakeholder

Die Gesamtheit der Anspruchsberechtigten eines Unternehmens kann in zwei große Gruppen, die internen und externen Stakeholder, unterteilt werden. Zu den internen Stakeholdern werden alle Personen oder Personengruppen gezählt, die ein Teil des Unternehmens sind. Hierzu gehören

  • Gesellschafter und Aktionäre
  • Unternehmensleitung und Management
  • Angestellte und Arbeitnehmer

Diese drei Gruppen interner Anspruchsberechtigter haben unterschiedliche Interessen an einem Unternehmen. Gesellschafter und Aktionäre sind die Eigentümer des Unternehmens und sind an einer angemessenen Verzinsung und Wertsteigerung ihres investierten Kapitals interessiert. Unternehmensleitung und Management interessieren die Verwirklichung ihrer Ideen und der Einfluss oder die Macht, die sie durch ihre Stellung im Unternehmen

Stakeholder

Auch die Umwelt kann für Stakeholder eine wichtige Rolle spielen

erhalten. Das Interesse von Angestellten und Arbeitnehmern fokussiert sich in der Regel auf ein angemessenes Einkommen, die Anerkennung ihrer Leistung für das Unternehmen und eine soziale Absicherung.

Die zweite Gruppe sind die sogenannten externen Stakeholder. Hierzu zählen Personen. Personengruppen und Organisationen, die indirekt mit dem Unternehmen in Verbindung stehen, das Unternehmen beeinflussen und von diesem beeinflusst werden können.

Externe Anspruchsberechtigte sind beispielsweise
  • Investoren und Banken
  • Kunden und Lieferanten
  • Wettbewerber
  • Gewerkschaften
  • Berufsgenossenschaften
  • Umweltschutzorganisationen
  • Staat und Gesellschaft

Auch bei diesen Gruppen und Personen unterscheiden sich die Interessen an einem Unternehmen zum Teil erheblich. Der Staat und staatliche Institutionen sind an der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und den pünktlichen Eingang von Steuerzahlungen interessiert. Fast gegensätzlich dazu sind Umweltschutzorganisationen fast nie am finanziellen Erfolg eines Unternehmens, sondern vielmehr an der Einhaltung von Umweltschutzvorschriften interessiert. Berufsgenossenschaften achten darauf, dass ein Unternehmen die Arbeitsschutzvorschriften einhält und Versicherungsbeiträge für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezahlt.

An diesem Gruppen zeigt sich, dass die erweiterte Definition der Anspruchsberechtigten richtig ist. Denn nicht nur interne, sondern auch externe Stakeholder können für ein Unternehmen von existenzieller Bedeutung sein, Beispielsweise Banken und Investoren. Wenn sich diese aus dem Unternehmen zurückziehen, ist es oft in seiner Existenz gefährdet. Ebenso sind Wettbewerber eine latente Bedrohung für die Existenz eines Unternehmens und damit für die Interessen der Gesellschafter und Shareholder.

Unterschied zwischen Stakeholder und Shareholder

Ein Stakeholder ist per Definition jede Person, Personengruppe oder Organisation, die ein berechtigtes Interesse an einem Unternehmen hat. Im Gegensatz dazu ist ein Shareholder eine Person, ein Unternehmen oder eine Organisation, die einen Anteil (Share) am Unternehmen hält. Ein Shareholder ist in Form von Aktien am Kapital

Stakeholder

Das Interesse des Shareholders beruht auf seinen Anteilen

eines Unternehmens beteiligt. Im Unterschied zu den vielfältigen Interessen der verschiedene Stakeholdergruppen konzentriert sich das Interesse der Shareholder auf die Verzinsung und Wertsteigerung ihres investierten Kapitals. Lange Zeit und zum Teil auch noch heute stand mit dem sogenannten Shareholder Ansatz die Maximierung des Unternehmensgewinn und die Wertsteigerung der Unternehmensanteile der Shareholder im Mittelpunkt aller Management-Aktivitäten. Mehr und mehr hat sich dieser Schwerpunkt in den vergangen Jahren vor allem in Europa hin zum Stakeholderansatz verschoben.

Umgang mit Stakeholdern im Unternehmen

Im Gegensatz zum Shareholder Ansatz sind beim Stakeholder-Ansatz oder Stakeholder-Modell die Interessen der verschiedenen Anspruchsberechtigten in den Mittelpunkt gerückt. Beim Stakeholder-Ansatz müssen die Unternehmensleitung und das Management die Interessen vieler verschiedener Gruppen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Die gesellschaftlichen Aufgabe und Verantwortung eines Unternehmens rücken beim Stakeholder-Ansatz in den Vordergrund des Denkens und Handelns eines Unternehmens. Beispielsweise war es den meisten Unternehmern von den Anfängen der Industrialisierung bis hinein in die 1980er Jahre egal, ob sie mit ihrem Unternehmen die Umwelt über Gebühr belastet und geschädigt haben. Der Gewinn und der Shareholder-Value standen im Vordergrund. Stakeholdermanagement ist heute ein zentraler Teil des strategischen Managements und das nicht nur in multinationalen Konzernen. Der richtige Umgang mit Stakeholdern im Unternehmen beginnt mit dem Tag der Unternehmensgründung.

Was sind Passiva?

Eine Bilanz setzt sich aus den Aktiva auf der linken und den Passiva auf der rechten Seite zusammen. Während die Aktiva die Kapitalquellen und Vermögenswerte eines Unternehmens darstellen, bilden die Passiva das verfügbare Kapital ab, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerte dient. Zwischen den beiden Seiten der Bilanz muss immer ein Gleichgewicht herrschen.

Passiva – Das Kapital eines Unternehmens

Die Passiva werden auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen und repräsentieren das Kapital eines Unternehmens. Sie informieren über die Mittelherkunft für die finanzierten Aktiva auf der linken Seite der Bilanz. Der Wert aller Aktiva muss immer dem Wert aller Passiva entsprechen. Dieser Wert wird als Bilanzsumme bezeichnet.

In den meisten Unternehmen besteht Passivierungspflicht. Das Unternehmen muss seine Posten an Eigenkapital und Fremdkapital in den Passiva der Bilanz buchen. Ein Passivierungswahlrecht oder sogar ein Passivierungsverbot besteht nur in einigen Ausnahmefällen.

Unterschied zu Aktiva

Während die Passiva darüber informieren, woher die Mittel stammen, gewähren die Aktiva Auskunft darüber, für welche Zwecke die Mittel verwendet werden. Häufig werden die Aktiva auch als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. Aus den Aktiva leiten sich die aktiven Bestandskonten und aus den Passiva die passiven Bestandskonten in der Finanzbuchhaltung ab. Abhängig davon, ob es sich um aktive oder passive Bestandskonten handelt, kommt es darauf an, auf welcher Seite der Anfangsbestand auf diesen Konten gebucht wird. Weiterhin leitet sich davon ab, wie Zugänge und Abgänge gebucht werden.

Die Unterteilung der Passiva

Die Unterteilung der Passiva ist in §266 III HGB geregelt. Grundsätzlich bestehen die Passiva aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der grundlegende Aufbau erfolgt in der Reihenfolge

– Eigenkapital

Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Passive Rechnungsabgrenzungsposten

– Passiv latente Steuern.

Die einzelnen Posten der Passiva sind zumeist noch weiter aufgegliedert.

Eigenkapital und Fremdkapital sind zwei unterschiedliche Finanzierungsquellen, die Unternehmen nutzen können. Das Eigenkapital kann in verschiedene Aspekte wie Kapitalrücklage, Gewinnrücklage und gezeichnetes Kapital untergliedert werden.

Das Fremdkapital ist ebenfalls untergliedert. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die sich aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Krediten ergeben.

Rechnungsabgrenzungsposten komplettieren die Passiva in der Bilanz. Sie entstehen nur in besonderen Fällen.

Das Eigenkapital eines Unternehmens

Das Eigenkapital steht ganz oben auf der Passivseite der Bilanz. Es handelt sich um das Kapital, das von den Eigentümern des Unternehmens eingezahlt wurde. Neben den finanziellen Mitteln der Eigentümer kann es sich auch um Sachwerte handeln, die den Eigentümern gehören.

Die Unternehmer oder Gesellschafter stellen mit ihren Einlagen dem Unternehmen das Eigenkapital zur Verfügung. Wenn keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen bestehen, können die Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, erfolgen. Die Überlassung des Eigenkapitals erfolgt langfristig. Sie ist unbefristet oder mit einer festen Laufzeit möglich. Die Unternehmer oder Gesellschafter haben keinen Anspruch auf eine Rückzahlung oder Verzinsung und gehen kein Liquiditätsrisiko durch Gewinne oder Verluste ein. Das von den Unternehmern oder Gesellschaftern eingebrachte Eigenkapital wird auch als gezeichnetes Kapital bezeichnet. Der Kapitalgeber haftet mit seinem Eigenkapital und hat ein Mitwirkungsrecht.

Zum Eigenkapital gehören auch Gewinnrücklagen des Vorjahres und Kapitalrücklagen. Ein Gewinnvortrag und ein Jahresüberschuss können das Eigenkapital erhöhen, während das Eigenkapital durch einen Verlustvortrag und einen Jahresfehlbetrag gemindert werden kann.

Rückstellungen bei den Passiva

Rückstellungen werden bei den Passiva nach dem Eigenkapital aufgeführt und werden für Zahlungen gebildet, die ein Unternehmen in der Zukunft leisten muss. Dabei weiß das Unternehmen noch nicht genau, in welcher Höhe die Zahlungen zu leisten sind. Solche Zahlungen können beispielsweise für drohende Prozesse oder Verfahren erforderlich sein.

Das Fremdkapital – die Verbindlichkeiten

Das Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Da es nur befristet verfügbar ist, muss es zurückgezahlt werden. Fremdkapital und Eigenkapital dienen der Beschaffung von Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Fremdkapital ist gewinn- und verlustunabhängig. Es erfordert Sicherheiten und steht bei der Verwertung im Rang vor dem Eigenkapital. Der Fremdkapitalgeber muss nicht haften und hat als Gläubiger keine Mitwirkungsrechte.

Verbindlichkeiten bestehen aus

– Kreditoren von Lieferanten aus Lieferungen und Leistungen

– Debitoren als Forderungen an Kunden und erhaltene Anzahlungen

– Krediten, Darlehen, Anleihen und Wechseln

– Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Rückstellungen können das Fremdkapital erhöhen.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus den Passiva können verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet werden:

Eine wichtige Kennzahl für das Eigenkapital ist die Eigenkapitalquote. Sie wird ermittelt, indem die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Sie gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad drückt das Verhältnis vom Fremdkapital zum Eigenkapital aus. Er informiert über den finanziellen Spielraum eines Unternehmens und ist im Rahmen einer Fundamentalanalyse bei Aktien für Anleger von Bedeutung. Anhand des Verschuldungsgrades erfahren potentielle Käufer des Unternehmens sowie Investoren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. Der Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Bonität des Unternehmens. Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, wird das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert.

Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine wichtige Erfolgskennzahl, die ermittelt wird, indem der Gewinn und die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen addiert und durch die Bilanzsumme dividiert werden. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert werden. Je höher die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens in Prozent ist, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.