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Latente Steuern – das sollten Sie wissen

Der Begriff Latente Steuern kommt aus dem lateinischen. Das Wort „latens“ bedeutet versteckt oder verdeckt. Es handelt sich also um versteckte steuerliche Abgaben oder Vorteile, die ursprünglich nicht geplant oder vorgesehen waren. Sie ergeben sich aufgrund von Unterschieden, etwa im Ansatz oder im Rahmen der Bewertung von Vermögens- und Wertgegenständen, aber auch aus Schulden und entstehen aus der Differenz zwischen der Steuer- und der Handelsbilanz.

Wie entstehen latente Steuern?

latente Steuern BilanzDas Konzept hinter latenten Abgaben ist einfach: sie entstehen aufgrund von Unterschieden im Ansatz oder in den Bewertungen von Schulden oder anderen Vermögenswerten. Sie kommen vor allem aufgrund einer unterschiedlichen Zwecksetzung im Rahmen der steuerlichen und handelsrechtlichen Gewinnermittlung und Bilanz zustande. Jedes Unternehmen in Deutschland muss eine Handelsbilanz erstellen. Dies wird im Handelsgesetzbuch vorgeschrieben. Die Bilanz dient unter anderem dazu, die Gewinnausschüttung zu berechnen sowie um externe und interne Personen wie die Geschäftsführung, Gläubiger, etc. zu informieren. Im Gegensatz dazu dient die steuerliche Gewinnermittlung dazu, um die Höhe der Besteuerung, etc. zu bemessen. Sie wird in den meisten Fällen durch verschiedene Anpassungen aus der Handelsbilanz abgeleitet oder wird eigenständig aufgestellt.

Genau an dieser Stelle kommt es aufgrund der unterschiedlichen Zwecksetzsetzung zu völlig verschiedenen Bilanzen im Handels- und im Steuerrecht. Im Handelsrecht erfolgt die Bemessung der Gewinnausschüttung eher vorsichtig, um etwa Gläubiger zu schützen. Außerdem sind Differenzen und Gewinnschwankungen, die sogenannten Volatilitäten, die überwiegend auf der Bilanz begründet sind, zu vermeiden. Auf der anderen Seite geben bei der steuerlichen Bilanzierung rechtliche Bestimmungen und Richtlinien häufig vor, worauf zu achten und was zu tun ist.

Kurz gesagt, die latente Steuer entsteht aus der Gegenüberstellung der Handelsbilanz und der Steuerbilanz. Deren Differenzen werden mit dem zukünftig zu erwartenden Steuersatz bewertet.

Grundlagen für die latente Steuer

Als Grundlage für die latente Steuer, Abweichungen und Berechnungen dient in Deutschland das Handelsgesetzbuch. Es legt genau fest, wie latente Steuern entstehen, welche Abweichungen es gibt und wie die Steuer anschließend in der GuV oder in anderen Bilanzen dargestellt werden muss. Darüber hinaus informiert das HGB auch darüber, wie die latente Steuer entsteht bzw. wie sie abgebaut werden kann. Ebenfalls ist geregelt, welche Unternehmen, wie etwa kleine Kapitalgesellschaften, von der latenten Steuer befreit sind. Das Konzept der latenten Steuer ist es, zwei unterschiedliche Bilanzen bzw. Berechnungen für die Steuer zu erhalten, die jeweils unterschiedlichen Zwecken dient.

Vorteile der latenten Steuer

Die Vorteile der latenten Steuer sind offensichtlich. Sie ist in der Regel deutlich genauer was Gewinne und Verluste angeht. Das liegt daran, dass im Rahmen der latenten Steuer häufig Informationen und Daten berechnet werden, die für die steuerlichen Bilanzen in der Regel keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei geht vor allem bei der Berechnung von Gewinnen und Verlusten die Vorsicht vor, um das Risiko für Gläubiger und Anleger so gering wie möglich zu halten. Das kann am Ende zu positiven Überraschungen führen. So kann zum Beispiel der tatsächliche Gewinn größer, oder der aktuelle Verlust geringer sein, als zunächst angenommen.

Die Nachteile der latenten Steuer

latente Steuern NachteileAuch die Nachteile einer latenten Steuer werden schnell sichtbar: da hier viele Informationen verwendet werden, die in den steuerlichen Bilanzen nicht auftauchen bzw. hier auf Sicherheit gesetzt wird, ist die latente Steuer meist unstabil und Schwankungen unterworfen. Das heißt, dass zum Beispiel für den Schutz von Gläubigern und Anlegern die Gewinn- oder Verlustrechnung eher sparsam und mit Vorsicht erfolgt. Das hat jedoch zur Folge, dass am Ende der Gewinn oder Verlust deutlich größer sein kann, als errechnet. Darüber hinaus können sich Daten und Informationen für die Bemessung von latenten Steuerabgaben ständig verändern, während die steuerlichen Bilanzen für den Gesetzgeber hier deutlich stabiler sind.

Die Bilanzierung der latenten Steuer

Es gibt zwei Wege, um latente Steuern zu bilanzieren. Mit diesen werden die noch nicht versteuerten Aufwendungen und Erträge berechnet. Bei der ersten Methode handelt es sich um eine vergangenheits- und gewinnorientierte Methode, während die zweite Methode bilanzorientiert arbeitet. Das deutsche Recht hat bis 2009 die gewinnorientierte Betrachtungsweise vorgesehen. Im Rahmen der Modernisierung des Bilanzrechts hat jedoch auch die bilanzorientierte Betrachtungsweise Ihren Weg in das HGB gefunden. Die bilanzorientierte Betrachtung ist darüber hinaus auch international in der Regel der Standard. Beide Konzepte führen in der Regel zu denselben Ergebnissen.

Die Liability Methode

Die Liability Methode ist eine bilanzorientierte Methode, die auch als Verbindlichkeitsmethode bekannt ist. Bei ihr werden aktive und passive latente Besteuerung sowie Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt betrachtet. Hier geht es vor allem um den richtigen Vermögens- oder Schuldenausweis. Bei der Liability Methode ist der Ergebnisunterschied unbedeutend. Es kommt lediglich auf die Unterschiede in den einzelnen Bilanzpositionen an.

Die Deferral-Methode

Die Deferral Methode wird auch als Abgrenzungsmethode bezeichnet. Das Ziel ist es, den Steueraufwand zu zeigen, der sich normalerweise aus der Handelsbilanz ergeben hätte. Die Deferral Methode ist GuV-orientiert. Sie dient vor allem als Erfolgsausweis, da sie die Eigenschaft eines Rechnungsabgrenzungspostens besitzt. Als Grundlage dient der Steuersatz, der zur Zeit der Abgrenzung gilt. Sollte sich der Steuersatz später ändern, erfolgt bei der Deferral Methode keine nachträgliche Anpassung.

BWL-Artikel

Was ist der Leverage-Effekt?

Mit dem Leverage Effekt wird die Erhöhung der Rendite des Eigenkapitals durch die Aufnahmen von Fremdkapital bezeichnet. Diese Hebelwirkung entsteht, wenn die Kosten für das Fremdkapital niedriger sind als die Rendite, welche durch das Fremdkapital getätigte Investition abwirft. Die Hebelwirkung ist daher an verschiedene Grundbedingungen geknüpft. Sind diese nicht vorhanden, kann es zu negativen Folgen des Leverage Effekts kommen.

Der Leverage-Effekt

Die Grundkonstellation

Für die Durchführung einer Unternehmung benötigt man in aller Regel mehr Kapital, als ein neu startender Unternehmer aus eigenen Mitteln aufbringen kann. Infolgedessen wird die Aufnahme von Fremdkapital notwendig. Hierbei sind mehrere Wege möglich. Die klassische Variante ist beispielsweise die Aufnahme eines Kredits. Für diesen werden so gut wie immer Zinsen fällig. Die Kosten für die Zinsen schmälern den Gewinn.

Die Aufnahme eines Kredits lohnt sich für den Unternehmer deshalb nur dann, wenn der durch die unternehmerischen Aktivitäten erzielte Gewinn deutlich höher liegt als die aufzubringenden Zinsen. Ist dies der Fall, erhöht das eingesetzte Fremdkapital die Einkünfte. Die Relation des Gewinns im Verhältnis zum eingebrachten Eigenkapital steigt entsprechend. Hierbei handelt es sich um den so genannten positiven Leverage Effekt.

Fallbeispiel für den positiven Leverage Effekt

Die Firma A arbeitet als Zulieferer für die Automobil Industrie. Sie stellt Druckknöpfe für das Armaturenbrett her. Die Höhe des Eigenkapital beträgt zehn Millionen Euro. Investiert wurde das Eigenkapital in die zur Produktion notwendigen Maschinen. Diese werden jährlich mit fünf Prozent abgeschrieben. Die so verursachten Kosten betragen entsprechend 500.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommen Ausgaben für Personal in Höhe von 200.000 Euro.

Der durchschnittliche jährliche Umsatz des Unternehmens liegt bei 2.000.000 Euro. Hiervon sind die für die Produktion aufgewendeten Kosten in Abzug zu bringen.

2.0000.000 Euro Umsatz
– 500.000 Euro Abschreibung für Maschinen
– 200.000 Euro Personalkosten

1.300.000 Euro Gewinn

Auf dieser Grundlage lässt sich nun die Rentabilität des Eigenkapitals berechnen. Dabei teilt man den Gewinn durch das Eigenkapital. Im vorliegenden Beispiel beträgt das Ergebnis 0,13. Umgerechnet in Prozent bedeutet dies, dass die Eigenkapitalrendite für Firma A bei 13 Prozent pro Geschäftsjahr liegt.

Die Aufnahme von Fremdkapital

Leverage-Effekt

Die Berechnung des Leverage-Effekts

Aufgrund der guten Wirtschaftslage der Automobilindustrie ist die Auftragslage positiv. Um alle Bestellungen abarbeiten zu können entschließt sich Firma A Fremdkapital aufzunehmen. Dank niedriger Leitzinsen ist der Kredit entsprechend günstig und wird mit 2 Prozent pro Jahr verzinst. Für die Anschaffung neuer Maschinen werden insgesamt 5.000.000 Euro aufgenommen.

Die zusätzlichen Maschinen werden ebenfalls mit fünf Prozent pro Jahr abgeschrieben. Außerdem entstehen durch die Erweiterung des Betriebs zusätzliche Lohnkosten in Höhe von 100.000 Euro pro Jahr. Die Umsätze lassen sich um 750.000 Euro pro Jahr steigern. Somit ergibt sich folgende Rechnung:

750.000 Euro zusätzlicher Umsatz
– 250.000 Euro Abschreibung für Maschinen
– 100.000 Euro erhöhte Personalkosten
– 100.000 Euro Zinsen für Fremdkapital

300.000 Euro Gewinn

Das Berechnung des Leverage Effekts

Die Aufnahme von Fremdkapital hat für die Firma A eine Erhöhung der Gewinne bedeutet. Nun stellt sich die Frage, in welcher Höhe sich die Hebelwirkung des Leverage Effekts auf das Gesamtergebnis ausgewirkt hat. Wiederum muss man hierbei den Gewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital setzen. Dabei wird im Beispiel davon ausgegangen, dass sich die Werte für das Kerngeschäft nicht verändert haben. Entsprechend erhöht sich der Gewinn von 1.000.000 Euro auf 1.600.000 Millionen Euro.

Wird der Gewinn durch das Eigenkapital geteilt, ergibt dies einen Wert von 0,16. Prozentual beträgt die Rendite des Eigenkapitals daher 16 Prozent pro Jahr. Gegenüber dem Vorjahresergebnis bedeutet dies eine Steigerung um drei Prozentpunkte. Genau diese drei Prozentpunkte sind der positive Leverage Effekt, der sich aus der Aufnahme von Fremdkapital ergeben hat.

Fallbeispiel zum negativen Leverage Effekt

Der Leverage Effekt kann jedoch auch in negativer Weise eintreten. Dies ist dann der Fall, wenn die auf das Eigenkapital erzielbare Rendite sich unterhalb der Kosten bewegt, die für die Leistung von Zinsen für das aufgenommene Fremdkapital aufgewendet werden müssen.

Der Leverage-Effekt kann auch negativ ausfallen

Nehmen wir in obigem Beispiel an, die Firma A realisiert bei glelchem Eigenkapital lediglich Umsätze von 1.000.000 Euro pro Jahr. Die Rechnung sähe dann wie folgt aus:

1.0000.000 Euro Umsatz
– 500.000 Euro Abschreibung für Maschinen
– 200.000 Euro Personalkosten

300.000 Euro Gewinn

Entsprechend niedriger läge die Eigenkapitalrendite. Die Division von Gewinn durch Eigenkapital ergibt einen Wert von 0.03 was 3 Prozent Rendite entspricht.

Nehmen wir weiter an, dass die Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank stark erhöht wurden und Kredite lediglich zu einem Satz von 8 Prozent aufgenommen werden können. Entschließt sich Firma A gleichwohl zur Erhöhung der Kapazitäten in der oben beschriebenen Form ergibt sich, sofern die Umsätze auch durch verstärkte Produktion nicht erhöht werden können, folgende Rechnung:

500.000 Euro zusätzlicher Umsatz
– 250.000 Euro Abschreibung für Maschinen
– 100.000 Euro erhöhte Personalkosten
– 400.000 Euro Zinsen für Fremdkapital

– 250.000 Euro Verlust

Der Einfluss der Verlusts auf die Eigenkaptialrendite ergibt sich aus dem Abzug der Verluste vom Gewinn. 300.000 Gewinn abzüglich 250.000 Euro Verlust ergibt 50.000 Euro Restgewinn. Wird dieser durch das Eigenkapital geteilt ergibt sich ein Wert von 0,005. Die Eigenkapitalrendite beträgt damit lediglich von einen halbes Prozent und liegt damit um 2,5 Prozentpunkte niedriger als vor der Aufnahme des Fremdkapitals. Diese 2,5 Prozentpunkte sind der negative Leverage Effekt, wenn die Kosten für das Fremdkapital höher sind als die zusätzlich erzielten Umsätze.

ROI (Return on Invest)

Jede unternehmerische Tätigkeit richtet sich auf Gewinnerzielung aus. Sie setzt dafür Kapital ein, das entweder aus eigenen (unternehmerischen) Quellen stammt oder von einem fremden Investor. In beiden Fällen spielt eine der wichtigsten Kennziffern in der Betriebswirtschaft eine entscheidende Rolle: Der ROI (Return on Investment).

Die wortwörtliche Übersetzung ist: „Rückkehr der Investition„. In ihr steckt schon die Antwort auf die Frage: Was genau ist ein ROI? Es ist jener Punkt, an dem der erwirtschaftete Gewinn genau die Investitionskosten decktBWLer sagen: Ab diesem Punkt amortisieren sich die Investitionskosten, sie fließen von jetzt an als Gewinn zurück.

Die Frage, in welchem Zeitraum sich eingesetztes Kapital rentiert, also Gewinne erzielt, ist eine entscheidende im Wirtschaftsleben. Sie unterliegt verschiedenen Betrachtungsweisen, die vor allem davon abhängen, wer bzw. welche Unternehmensabteilung die Investition tätigt. Daraus ergeben sich unterschiedliche zeitliche Erwartungshaltungen.

Berechnung des ROI

ROI

Die Berechnung des ROI ist im Grunde einfach

Teilen Sie den Gewinn eines Unternehmens durch den Nettoumsatz (also exklusive Umsatzsteuer) erhalten Sie die sogenannte Umsatzrendite. Die multiplizieren Sie nun mit dem sogenannten Kapitalumschlag, das heißt Nettoumsatz geteilt durch Gesamtkapital.

Der Kapitalumschlag zeigt, wie oft das Gesamtkapital auf den Umsatz umgeschlagen wird. Beispiel: Kapitalumschlag 2 bedeutet, dass ein Unternehmen für jeden Euro, den es als Kapital einsetzt/ investiert, einen Umsatz von 2 Euro erwirtschaftet.

Umsatzrendite x Kapitalumschlag ergibt eine Kennziffer, die in Prozent beschreibt, wie effizient eine Investition hinsichtlich des Gewinns ist. Jedes Return on Investment berechnet also die prozentuale Relation zwischen Investition und Gewinn.

Ein Beispiel für einen ROI

Stellen Sie sich einen Bäcker vor einer Neuinvestition vor. Er hat das Ziel seinen Absatz zu vergrößern und plant, einen neuen Backofen zu kaufen. Er kann damit 100 Brötchen mehr backen und verkaufen als bisher. Pro Brötchen erzielt er einen Verkaufsgewinn von 8 Cent.

Vorausgesetzt er verkauft alle zusätzlichen 100 Brötchen sind das 8 Euro täglich. Auf 25 geöffnete Tage im Monat umgerechnet erzielt er somit 200 Euro pro Monat oder 2400 Euro pro Jahr. Der neue Ofen kostet genau 2400, die Investition würde also nach einem Jahr „zurückkehren„.

Ein weiteres Beispiel zur Verständlichkeit

Ein Anbau lohnt sich erst nach einigen Monaten bis Jahren

Ein Restaurantbesitzer will mit einem Anbau sein Restaurant erweitern. Der bietet 20 Gästen Platz, die im Durchschnitt für 25 Euro pro Person bestellen. Nach Abzug der Kosten (zum Beispiel Personal und Zutaten) bleiben dem Restaurantbesitzer 10 Euro Gewinn pro Person.

Bei 20 zusätzlichen Gästen pro Tag bringt ihm das täglich einen Gewinn von 200 Euro, aufs Jahr umgerechnet 70.000 Euro (bei 350 geöffneten Tagen im Jahr und vollem Besuch). Der Anbau kostet 105.000, hätte sich also in 18 Monaten amortisiert. Ab hier beginnt die Gewinnzone.

Unternehmerische Bedeutung des ROI

Er hat trotz seiner rein kostenorientierten Betrachtungsweise enorme Bedeutung in der Geschäftswelt. Das Verhältnis zwischen Gewinn und Investition ist für jede unternehmerische Tätigkeit ganz zentral. Als alleinige betriebswirtschaftliche Kennziffer ist ein ROI allerdings zu wenig aussagekräftig, da er nur die Investitionskosten betrachtet.

Die Abteilung, in der eine Investition erfolgt, entscheidet über seine Bedeutung. Die Marketing-Entscheider rechnen bei ihren werblichen Kampagnen gerne mit dem ROI. Sie wollen schnellen Rückfluss einer Investition durch frühe Erfolgszahlen. Die Personaler denken langfristig und übersetzen eine Neueinstellung nicht sofort in Kennzahlen.

Zu beachten ist auch das jeweilige InvestitionsumfeldIT-Fachleute eines Unternehmens setzen andere Maßstäbe für die Amortisation als Fachkräfte in der Weiterbildung. Die Nutzungsdauer neuer IT-Produkte ist kurzfristiger eingeplant als längerfristig orientierte Investitionen in die Fortbildung.

Der ROI in der Unternehmensrealität

Entscheidend für eine erfolgreiche Unternehmensplanung ist immer die Rentabilität eines Unternehmens. Sie ist der Oberbegriff für mehrere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die der Bewertung des wirtschaftlichen Gesamterfolgs eines Unternehmens dienen.

Der ROI ist ein wesentlicher Faktor dieser Rentabilität (aber nicht der alleinige). Er wird in einer Prozentzahl ausgedrückt, die das Verhältnis von investierten Kapital und Gewinn ausdrückt. Je höher sie ist, desto rentabler wirtschaftet das Unternehmen, ein negativer Wert bedeutet Verlustgeschäft.

Spezielle Bedeutung für das Controlling

Der ROI ist wichtig für die Erfolgsanalyse

Im strategischen Controlling geht es um übergreifende Funktionen im Bereich der Unternehmenssteuerung bzwUnternehmensplanung mit Kontroll– und Koordinationsaufgaben. Das operative Controlling steuert die Rentabilität, Finanzplanung und Budgetverwaltung. Es richtet sich am ROI einer Investition aus.

Der ist also ein wichtiges Kriterium zur Erfolgsanalyse und Erfolgsmessung jeder Kapitalanlage. Er bewertet wie gerade genannt die Rentabilität von dem jeweils investierten Kapital. Hier ist auch ein Begriff gebräuchlich, den Sie vielleicht kennen: Die Kapitalrendite.

Probleme beim ROI

In der Geschäftswelt geht es oft kompliziert zu. Hier bestehen noch viele komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge, die Investitionsentscheidungen beeinflussen. Zum Beispiel andere Kalkulationskosten oder unklare Verwaltungskosten. Hier gibt es noch andere Kennzahlen, die zu beachten sind.

Der ROI hat rein statischen Charakter und beleuchtet nur einen Teil des betrieblichen Geschehens. Er lässt die gesamte Liquiditätsentwicklung des Unternehmens außer Acht und konzentriert sich einseitig auf eine Investition. Er hat deshalb keine alleinige Aussagekraft für den gesamten Geschäftserfolg.

DuPont-Kennzahlensystem

Eines der bekanntesten und ältesten Kennzahlensysteme auf ROI-Basis entwickelte ein US-Unternehmen 1919. Im rein an monetären Größen orientierten System des amerikanischen Chemie-Konzerns DuPont de Nemours and Co. steht der ROI im Mittelpunkt.

Die Unternehmenspolitik ist hier nicht auf gesamte Gewinnmaximierung ausgelegt, sondern auf Maximierung des Ergebnisses pro eingesetzter Kapitaleinheit. Sprich: Jede Investition soll so früh wie möglich in die Gewinnzone kommen. Die Ertragsrate des eingesetzten Kapitals, also der ROI, soll so hoch wie möglich sein.

Heutige Entscheidungsgrundlagen bei Investitionen

IT-Produkte haben eine kurze Nutzungsdauer

Die erweiterte Auffassung eines modernen Return on Investment geht nicht vom Gesamtkapital aus wie letztlich noch DuPont. Sie betrachtet die Einzelinvestitionen, die im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit erfolgen. Das Kapital dieser einzelnen Investitionen steht im Vordergrund der Analysen, nicht das Gesamtkapital.

Hier ergeben sich unterschiedliche Kalkulationen aus einer vollkommen unterschiedlichen Nutzungsdauer. Einzelinvestitionen in neue Software zum Beispiel in der Informations- und Kommunikationsbranche beachten idealerweise die relativ geringe Nutzungsdauer. Hier ist häufig veraltet, was älter als 3-4 Jahre ist. Sie kennen das vielleicht aus eigener Erfahrung.

Der Planungshorizont dieser Einzelinvestition ist eher kurzfristig und demzufolge sind hier nur Investitionen sinnvoll, die sich unter 3 Jahren amortisieren. Für Unternehmensbereiche wie zum Beispiel einen neuen Maschinenpark ergeben sich deutlich längere Zeithorizonte.

Fazit und Interpretation

Ein ROI ist immer nur so aussagekräftig, wie die bilanziellen Werte, aus denen er entsteht. Ein Wert von 17,5% bedeutet, dass die Investition in einen bestimmten Bereich für das Unternehmen lohnenswert ist. Das eingesetzte Kapital erwirtschaftet hier eine Rentabilität von 17,5%.

Das ist sicherlich eine wichtige betriebswirtschaftliche Kenngröße, die das Unternehmen erfreut. Sie bewertet aber nur direkte Kosten, mögliche indirekte wie zum Beispiel neu entstehende Personalkosten in der Verwaltung blendet sie normalerweise aus. Die rein finanzielle Kostensicht auf ein Unternehmen lässt zudem andere wichtige Aspekte wie Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit oder das öffentliche Markenimage außer Acht.

Für den Gesamterfolg eines Unternehmens ist diese rentabilitätsorientierte Sichtweise deshalb nicht alleine entscheidend. Es ist für Unternehmen wichtig, das zu beachten.

Die Struktur einer Bilanz

Was ist eine Bilanz?

Bilanzen sind ein elementarer Bestandteil der Buchführung und müssen zur Dokumentation, Information und Gewinn- und Verlustrechnung von jedem Unternehmen erstellt werden. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Bilanz, wie Eröffungsbilanz, Steuerbilanz und Handelsbilanz, die jedoch alle einem sehr ähnlichen Aufbau folgen.

Was versteht man unter dem Begriff „Bilanz“?

In der Bilanz werden Vermögen und Kapital eines Unternehmens am sogenannten Bilanzstichtag (meistens der 31.12. eines jeden Jahres) gegenübergestellt. Während im Inventar Vermögensgegenstände mit Wertangabe und Menge aufgelistet werden, wird in der Bilanz nur der Wert des jeweiligen Vermögensgegenstands angegeben.

Die Bilanz setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Den Aktiva (Vermögensgegenstände) auf der linken Seite, die zeigen, wie die finanziellen Mittel des Unternehmens eingesetzt werden, und den Passiva (grob gesagt das Kapital), die die Ansprüche der Gläubiger an das Unternehmen (Fremdkapital) sowie die der Unternehmer auflisten. Letztere werden als „Eigenkapital“ bezeichnet und ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Vermögen und dem Fremdkapital.

Eine wichtige Regel ist die sogenannte Bilanzgleichung. Sie sagt aus, dass die Bilanz immer ausgeglichen sein muss. Das bedeutet, dass die Summe der Aktiva immer der Summe der Passiva entspricht. Dies ist der Fall, da die Aktivseite die Mittelverwendung angibt, während die Passivseite die Mittelherkunft, also die Schulden des Unternehmens wie Hypotheken und Kredite verzeichnet, die zur Finanzierung der Vermögenswerte verwendet werden.

Woraus setzt sich die Bilanz zusammen?

Die (linke) Aktivseite wird grob in die beiden Bestandteile Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterteilt. Ersteres sind jene Teile des Unternehmens, die dem Betriebszweck dienen und nicht veräußert werden sollen. Letzteres sind Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsvertrieb dienen und zum Verbrauch, zur Verarbeitung, zur Rückzahlung oder zur kurzfristigen Veräußerung gedacht sind. Hierzu zählen etwa Rohstoffe oder Material, das verarbeitet wird.

Die Passivseite besteht aus den beiden Posten Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Das Eigenkapital oder Reinvermögen ist eine rechnerische Größe, die sich ergibt, wenn die Summe der Schulden vom Vermögen abgezogen wird. Verbindlichkeiten gehören zu den Schulden und bezeichnen die finanzielle Verpflichtungen, die ein Unternehmen gegenüber seinen Gläubigern, also beispielsweise Lieferanten oder Kreditgebern, offen hat.

Aktiv- und Passivseite der Bilanz im Detail

Die drei Bestandteile Anlagevermögen, Umlaufvermögen, und Verbindlichkeiten, können in die  Kategorien von Vermögen und finanziellen Verpflichtungen aufgeteilt werden.

Die linke Aktiv-Seite der Bilanz wird in Deutschland meistens nach dem folgenden Schema gegliedert:

Die Struktur einer Bilanz

Die Struktur einer Bilanz

I. Aktiva

  1. Anlagevermögen:
  2. a) immaterielle Vermögensgegenstände wie beispielsweise Patente, Lizenzen und geistiges Eigentum an einem Namen oder einer Marke
  3. b) Grundstücke und Gebäude
  4. c) technische Anlagen und Maschinen
  5. d) Fuhrpark
  6. e) Ladeneinrichtung
  7. f) Betriebs- und Geschäftsausstattung
  8. g) Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Beteiligungen an anderen Unternehmen
  1. Umlaufvermögen:
  1. a) Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die zur Produktion benötigt werden
  2. b) unfertige Erzeugnisse
  3. c) fertige Erzeugnisse
  4. d) Handelswaren
  5. e) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, d.h. finanzielle Verbindlichkeiten für gelieferte Waren und Dienstleistungen, die ein anderes Unternehmen als Schuldner gegenüber dem eigenen Unternehmen hat
  6. f) sonstige Forderungen
  7. g) Bankguthaben
  8. h) Kasse (Bestand an Bargeld)
  1. Aktive Rechnungsabgrenzungsposten:

Rechnungsabgrenzungsposten (RAPs) werden benötigt, um gemäß der Grundsätze korrekter Buchhaltung Gewinn und Verlust richtig zu verbuchen.

Der Bilanzstichtag, ein bestimmter Zeitpunkt, für den die Bilanz erstellt wird (wie beispielsweise der 31. Dezember bei einer Jahresbilanz), trennt dabei Bezahlung und Lieferung einer Leistung.

Ein Beispiel dafür ist die Miete, die quartalsweise im Voraus gezahlt wird. Die Bezahlung erfolgt also vor der Lieferung der Leistung, was den RAP zu einem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten macht.

Wenn mindestens einer der Monate, für die Miete bezahlt wurde, auf einen Zeitpunkt nach dem Bilanzstichtag fällt, muss ein Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden: Der Betrag, der für die Miete in der Folgeperiode fällig wird, wird so vom Mietkostenbetrag der Zeit vor dem Bilanzstichtag abgegrenzt. Somit fällt der Mietaufwand in die beiden Perioden, in denen auch die Leistung erfolgt, und der Aufwand wird korrekt in zwei verschiedenen Perioden bilanziert. Rechnungsabgrenzungsposten werden in der Folgeperiode (also meist im kommenden Bilanzjahr) aufgelöst, indem der Betrag auf ein anderes Konto verbucht wird.

Die (rechte) Passivseite einer Bilanz gliedert sich wie folgt:

II. Passiva

  1. Eigenkapital

Bedingt durch die Natur seiner Bildung durch die Subtraktion der Schulden vom Vermögen kann das Eigenkapital sowohl positiv als auch negativ sein. Im ersten Fall spricht man von einem Gewinn, im zweiten von einem Verlust. Das Eigenkapital ist zudem der Betrag, der die Bilanz ausgleicht.

  1. Verbindlichkeiten
  2. a) Hypotheken, also Darlehen, für das Unternehmen als Hypothekennehmer als Pfand Rechte an seiner Immobilie abtritt
  3. b) Darlehen/Kredite
  4. c) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, das heißt Forderungen, die beispielsweise ein anderes Unternehmen für eine erbrachte Leistung oder eine gelieferte Maschine an das eigene Unternehmen stellt
  5. d) sonstige Verbindlichkeiten
  1. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Das Gegenstück zur aktiven Rechnungsabgrenzung auf der linken Aktivseite ist der passive Rechnungsabgrenzungsposten auf der rechten Passiv-Seite, bei dem die Lieferung vor der Bezahlung erfolgt ist. Auch hier müssen immer dann, wenn die Zeitraum der Inanspruchnahme der Leistung nicht deckungsgleich mit dem Bilanzzeitraum ist, eine passende Abgrenzung in der Bilanz vorgenommen werden.

Königsdisziplin: Die Bilanzanalyse

Wirklich interessant werden Bilanzen wenn Sie Bilanzen aus mehreren, hintereinander liegenden  Jahren vergleichen können. Dies ist typischerweise bei der Beurteilung eines Unternehmens beim Unternehmens-Verkauf im Rahmen einer Due Diligence der Fall.

In solchen Fällen werden Sie in einem digitalen Datenraum die gleich strukturierten Bilanzen mehrerer Jahre sprichwörtlich nebeneinander legen wollen. Dabei sollten Sie auf folgende Bestandteile der Bilanz achten:

  • Wie verändert sich der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn? Sinkt oder steigt er – oder ist sogar ein Verlust ausgewiesen?
  • Wie hat sich das Eigenkapital der Firma verändert? Nimmt es zu oder muss ein Unternehmen mit dem Gewinn aus den Vorjahren einen Verlust im laufenden Jahr kompensieren?
  • Wie verändert sich das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital und die daraus resultierende Verschuldungs-Quote des Unternehmens
  • Wie hoch sind die Bestände an fertigen Waren sowie die Roh- und Hilfsstoffe im Jahresvergleich? Hat das Unternehmen bereits produzierte Waren „auf dem Hof“ stehen und kann sie nicht verkaufen?

Neben dem Studium der Bilanz sollte man als Käufer beim Erwerb eines Unternehmens natürlich immer auch einen Blick in die Gewinn-und-Verlustrechnung der jeweiligen Bilanzjahre werfen. Weitere Kennzahlen wie etwa die Umsatzrentabilität lassen sich aus einer detaillierteren GuV-Rechnung sehr viel leichter heraus lesen als aus der Bilanz, in der die Zahlen sehr verdichtet dargestellt werden.

Als Teilnehmer einer Kaufprüfung (Due Diligence) müssen Sie die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Analyse von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben. Mehr Begriffe aus Controllung, Buchhaltung und Betriebswirtschaftslehre finden Sie in unserem BWL-Lexikon.

 

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