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Was ist Distressed M&A?

Im Zuge der Covid-19-Pandemie ist der Begriff Distressed M&A verstärkt in den Fokus gerückt. Mit der herrschenden Unsicherheit geraten vermehrt Unternehmen in Schieflage und das Potenzial für Distressed M&A-Deals steigt. Was sich konkret dahinter verbirgt sowie welche Chancen und Risiken solche Deals bergen, wird im Folgenden beleuchtet.

Definition: Was ist Distressed M&A?

Hinter dem Begriff Distressed M&A (Mergers & Acquisitions, zu Deutsch: Fusionen und Übernahmen) steckt der Kauf oder Verkauf von Unternehmen in der finanz– oder leistungswirtschaftlichen Krise. Solche Übernahmen von Distressed Assets (notleidenden Aktiva) können vorinsolvenzlich oder aus der Insolvenz heraus erfolgen. Dabei kann es sich um das gesamte Unternehmen, eine begrenzte Anzahl von Anteilen oder einzelne Vermögenswerte handeln. Verkauft wird an Investoren aus dem In- und Ausland oder an die liquiditätsstarke Konkurrenz.

Abzugrenzen sind Distressed M&A-Transaktionen von normalen M&A-Deals. Charakteristisch für Distressed M&A ist die hohe Komplexität der Transaktionen. Zum einen unterliegen sie einem besonderen Zeitdruck. Das Unternehmen befindet sich bereits in einem Stadium der Krise (dabei werden fünf Krisenstadien unterschieden). Mit fortschreitendem Krisenstadium steigen auch Handlungs– und Zeitdruck. Vertieft sich die Krise, bleibt nur noch die Insolvenz – und damit kaum eine Chance für eine werterhaltende Lösung. Zwar sind Distressed M&A auch in Insolvenzfällen möglich. Die „Distressed M&A-Studie 2017″ für die Unternehmensberatung Roland Berger zeigt

Distressed M&A

Was ist in der Krise betroffen?

jedoch, dass beim Erwerb von Unternehmen vorinsolvenzliche Verfahren bevorzugt werden.

Zum anderen verkompliziert die Vielzahl an Beteiligten Unternehmensübernahmen in Krisensituationen. Dazu zählen je nach Situation etwa die Arbeitnehmer, der Betriebsrat, die Beiräte, Gesellschafter und Hauptfinanzgeber wie Banken und Lieferanten, aber gegebenenfalls auch die Kunden, Gläubiger, der Insolvenzverwalter und ein Interessentenfeld an Investoren.

Risiken von Distressed M&A

Distressed M&A-Transaktionen sind von einer hohen Komplexität gekennzeichnet. Folgende Aspekte spielen bei einem Deal in Krisenzeiten eine Rolle:

  • Erheblich komplexere Due Diligence

Die Due Diligence erfolgt bei regulären wie bei Distressed M&A fast ausschließlich im elektronischen Datenraum. Technisch und prozedural ergeben sich somit keine Unterschiede zu normalen M&A-Deals. Jedoch ist die Risikoallokation bei kriselnden oder von Insolvenz betroffenen Unternehmen weitaus bedeutender als bei regulären Transaktionen. Im Rahmen der Due Diligence müssen daher zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden.

Distressed M&A

Wann lohnt sich eine Restrukturierung?

Dazu zählen neben der vergangenen Geschäftsentwicklung auch die Analyse, welche Faktoren zur Krise geführt haben, welche Parameter das vorliegende Geschäftsmodell aufweist und welche Chancen und Risiken damit einhergehen.

Dazu kommen die Analyse der Qualität der Unternehmenssteuerung und der Controlling-Instrumente. Auch eine Analyse der Liquiditätsentwicklung (um den maximalen Finanzierungsbedarf für Betriebsmittel und Investitionen zu ermitteln, der zuzüglich zum Akquisitionsfinanzierungsbedarf anfällt) sowie die Analyse der aktuellen Liquiditätssituation (Cashburnrate, Beziehungen zu Kunden, zu Lieferanten sowie deren Lieferbedingungen und Geldgebern) ist relevant. Auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse kann ein neuer Businessplan erarbeitet werden, der Ineffizienzen aufzeigt, Restrukturierungsmaßnahmen und die damit verbunden Kosten einbindet sowie Potenziale und Synergien benennt.

  • Anspruchsvolle Ermittlung des Kaufpreises

Bei einem Unternehmen mit Ertrags- und Liquiditätsdefiziten lässt sich der Wert nicht einfach ermessen. Wichtig bei der Ermittlung des Enterprise Value ist es daher immer, die Entwicklungschancen des Zielunternehmens in die Bewertung mit aufzunehmen.

  • Komplexe Finanzierung

Die Finanzierung bei Distressed M&A-Deals muss schnell und flexibel erfolgen. Zudem ist die Akquisition mit einem höheren Risiko verbunden, was die Beschaffung des Kapitals erschwert. Ferner ist mit höheren Finanzierungskosten zu rechnen. Lesen Sie hier alles über Finanzierungskosten.

  • Anspruchsvolle Rechtsgrundlagen

Je nach Land können bestimmte auf arbeits-, gesellschafts-, und insolvenzrechtlich Regelungen die Transaktion erschweren. In Deutschland müssen Käufer etwa die Insolvenzanfechtung (§§129 ffInsO), das Erfüllungswahlrecht des Insolvenzverwalters (§ 103 InsO), die Befugnis zur Verfügung über das Vermögen der Zielgesellschaft (§ 80 InsO) sowie aussonderungs– und absonderungsberechtigte Gläubiger mitbedenken.

Welche Chancen bieten sich?

Für Käufer oder Investoren (Buy Side) sind in die Krise geratene Unternehmen eine attraktive Option, obwohl die Krisen-Akquisition nicht risikolos ist. Doch auch auf der Verkaufsseite (Sell Side) bieten sich trotz des akuten Handlungsbedarfs in Krisensituationen durch Distressed M&A-Deals Chancen .

Kaufseitige Chancen bei Distressed M&A-Transaktionen (Buy Side)

  • Käufer profitieren in Krisensituationen von günstigen Preisen (etwa weil der Börsenkurs/Marktwert sinkt oder das Zielunternehmen nicht mehr liquide ist).
  • Käufer können sich schnellen Zugang zum (deutschen oder einem internationalen) Markt verschaffen, ohne ein Unternehmen vor Ort von Grund auf aufzubauen.
  • Internationale Käufer können das Geschäftsmodell des Zielunternehmens auf ihr eigenes Herkunftsland übertragen.
  • Käufer können durch strategische Akquisition den erstmaligen Markteinstieg in ein bestimmtes Segment vorantreiben.
  • Käufer können anorganisches Wachstum im eigenen Marktumfeld schaffen.
  • Käufer können liquiditätsdefizite Wettbewerber ausschalten.
Distressed M&A

Der Krise trotzen?

Hinweis: In der aktuellen Covid-19-Pandemie sind private (Groß-)Investoren, Unternehmen unterschiedlicher Größe aber auch Staaten beziehungsweise Staatsfonds mögliche Käufer.

  • Verkaufsseitige Chancen bei Distressed M&A-Deals (Sell Side)
  • Verkäufer können die Arbeitsplätze ihrer Arbeitnehmer retten.
  • Verkäufer können wichtige Vertragspartner vor dem Ausfall ihrer Forderungen bewahren.
  • Verkäufer können (gegebenenfalls) die Insolvenz vermeiden.
  • Verkäufer können den Firmennamen bewahren und eine Pleite und Auflösung abwenden.
  • Verkäufer können einen Imageverlust umgehen (aufgrund von Insolvenz oder Auflösung typisch).
  • Verkäufer können durch Veräußerung von Anteilen/Vermögenswerten Liquidität für eine strategische Neuausrichtung oder die Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen schaffen.

Schlusswort

Aufgrund der Komplexität von Distressed M&A-Transaktionen ist immer ein individualisierter Ansatz notwendig. Pauschale Anwendungen von Standardlösungen eignen sich nicht. Dennoch bietet der Kauf oder Verkauf in Krisenzeiten neben Risiken auch Chancen.

Was ist ein Joint Venture?

Bei einem Joint Venture (zu Deutsch etwa „gemeinsames Wagnis“) handelt es sich um einen Zusammenschluss von mindestens zwei Unternehmen, die kooperieren, um ein Ziel zu erreichen. Rechtlich und wirtschaftlich bleiben die Unternehmen unabhängig. Als Gesellschafter jedoch teilen sie das wirtschaftliche Risiko, die Verantwortung sowie die Führungsaufgaben des Joint Ventures. Die Grundlage der Zusammenarbeit bildet dabei ein Vertrag. Darin definieren die Unternehmen Zielsetzung sowie die rechtlichen und wirtschaftlichen Punkte ihrer Kooperation.

Historisch betrachtet gehen Joint Ventures auf die Nachkriegszeit zurück. Insbesondere US-Unternehmen ging es darum, mithilfe von Joint Ventures schnellen Zugang zu ausländischen Märkten zu erlangen.

Welche Gründe sprechen für ein Joint Venture?

Reizvoll ist ein Joint Venture für Unternehmen, denen es darum geht, schnell in Märkten erfolgreich zu sein, auf denen sie bisher kaum oder gar keine Erfahrungen haben sammeln können. Durch die Kooperation mit einem anderen Unternehmen verringern sie ihre Risiken und Kosten. Auf der anderen Seite gelangen sie an Know-how, Fähigkeiten, Betriebsstätten und an vieles mehr, das es ihnen ermöglicht, Synergieeffekte zu nutzen und auf diese Weise schnell eine starke Marktposition aufzubauen. Eigene Schwächen werden durch die Stärken des anderen Unternehmens ausgeglichen. Sich den Marktzugang allein zu erschließen, würde den Unternehmen sehr viel mehr Zeit, Geld und Risikobereitschaft abverlangen. Großprojekte, die für einzelne Unternehmen nur schwer zu stemmen wären, wie beispielsweise Grundlagenforschung oder die Entwicklung neuer Produkte, werden oft erst durch Joint Ventures realisierbar.

In der Regel beruhen Joint Ventues auf freiwilliger Kooperation. In Entwicklungs– und Schwellenländern kommt es jedoch auch vor, dass ein Unternehmen dazu gezwungen wird, ein regional verwurzelten Partnerunternehmen an der Gründung zu beteiligen. Dabei nutzen die Staaten Joint Ventures, um Reglementierungen durchzusetzen.

Joint Venture

Eine Kooperation basiert auf freiwilliger Basis

Dies hat zum Ziel, die eigene Wirtschaft zu schützen und die Wettbewerbsposition heimischer Unternehmen zu stärken. Je attraktiver ein Markt ist, desto eher sind ausländische Unternehmen bereit, die mit dieser Regulierungen verbundenen Zwänge zu akzeptieren.

Welche Arten von Joint Ventues gibt es?

Joint Ventures lassen sich auf vielfache Weise unterscheiden. Grundlegend ist die Differenzierung nach der Kooperationsform in Equity Joint Venture und Contractual Joint Venture. Ein Equity Joint Venture zeichnet sich dadurch aus, dass durch die Gründung ein völlig neues, gemeinsam geführtes Unternehmen entsteht. Um die private Haftung der Gesellschafter auszuschließen, entscheiden sich diese zumeist für die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Neugründung um eine eigenständige Drittgesellschaft, wobei die Gründer das Risiko, die Verantwortung und die Investitionen teilen. Bringen sich die beteiligten Unternehmen mit Investitionen in gleich großem Umfang ein, spricht man von einem paritätischen Joint Venture. Von einem Mehrheits-JointVenture ist die Rede, wenn eine der Parteien mehr Kapitalanteile als die andere einbringt, beispielsweise um Abstimmungsabläufe zu vereinfachen oder um einem nachteiligen Wissensabfluss entgegenzuwirken.

Bei einem Contractual Joint Venture entsteht kein selbstständiges sowie gemeinschaftlich geführtes Unternehmen. Die Grundlage der vergleichsweise losen Zusammenarbeit bildet ein Kooperationsvertrag, der die Höhe der Investitionen sowie die Kosten- und Gewinnverteilung zwischen den Partnern regelt. Diese Kooperationsform zeichnet sich durch die geringen Gründungskosten und die sehr flexible Vertragsgestaltung aus.

Wie ist die Branche ausgerichtet?

Differenzieren lässt sich auch hinsichtlich der Branchenausrichtung. Bei einem konzentrierten Joint Venture arbeiten Unternehmen aus verwandten Branchen zusammen, um Synergieeffekte zu nutzen. Als Beispiel lässt sich an ein Hotel denken, das mit einem Reiseveranstalter zusammenarbeitet. Kooperieren Unternehmen aus der gleichen Branche miteinander, handelt es sich um ein horizontales Joint Venture, so etwa dann, wenn ein Verlag

Joint Venture

Wie arbeiten die Branchen zusammen?

eine Kooperation mit einem Medienkonzern eingeht. Ein konglomerates Joint Venture zeichnet sich dadurch aus, dass die Unternehmen aus völlig verschiedenen Branchen stammen. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit eines Versicherers mit einem Autohersteller. Bei einem vertikalen Joint Venture finden sich Unternehmen zusammen, die verschiedene Positionen in einer Wertschöpfungskette einnehmen, wie es etwa der Fall ist, wenn ein Lieferant mit seinem Abnehmer kooperiert. Lesen Sie hier alles zur Wertschöpfungskette.

Der räumliche Aspekt ist bei Joint Ventures ebenfalls zu beachten. Hier lassen sich nationale sowie internationale Kooperationen unterscheiden. Bei ersteren kommen die Kooperationspartner aus dem gleichen Land, während bei zweiteren Direktinvestionen in mindestens zwei verschiedenen Ländern getätigt werden.

Welche Risiken können auftreten?

Neben den großen Chancen, die eine internationale Kooperation bietet, bestehen auch einige Risiken. Da die Kooperation oftmals staatlichen Regulierungen unterworfen ist, kann es leicht zu Zielkonflikten kommen. Ebenfalls erschwerend können sich sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede und verschiedene Rechtsauffassungen bemerkbar machen. All diese Details müssen genau abgestimmt und koordiniert werden, damit die Zusammenarbeit der Partner auch tatsächlich gelingen kann. Der Koordinationsaufwand sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Daher ist es umso wichtiger, alle wichtigen Punkte vertraglich genau festzuhalten.

Joint Venture

Was ist Teamwork, was Ausnutzen?

Ungenaues Arbeiten führt sonst leicht zu großen Missverständnissen, die eine Vielzahl von Problemen nach sich ziehen und damit zu Lasten der Produktivität gehen können. Anders als komplett selbstständige Unternehmen gelten Joint Ventures mitunter als eher instabil.

Darüber hinaus besteht für ein Unternehmen im Rahmen einer Kooperation auch immer das Risiko, dass wichtige Interna und Know-how an den Kooperationspartner abfließt. Das ist besonders dann gefährlich, wenn die Unternehmen in der gleichen Branche als Konkurrenten agieren. Daher ist es sehr wichtig, mögliche Risiken schon vorab vertraglich so zu begrenzen, dass keines der Unternehmen einen das andere schädigenden Wettbewerbsvorteil aus der Kooperation ziehen kann.

Umsatz oder Gewinn – worin liegt der Unterschied?

In der Alltagssprache werden die Begriffe Umsatz und Gewinn oft verwechselt. Für Unternehmer ist es aber erforderlich, den Unterschied zwischen diesen beiden Größen zu kennen. Eine falsche Berechnung oder Interpretation dieser Kennzahlen kann zu Fehlentscheidungen führen und den unternehmerischen Erfolg gefährden. Worin liegt der Unterschied zwischen Umsätzen und Gewinnen und wie unterscheiden sich diese wiederum von Einnahmen und Ertrag?

Definition Umsatz

Der Umsatz, der auch als Erlös bezeichnet wird, gibt an, wie viel in einem bestimmten Zeitraum eingenommen wurde. Alle hergestellten Güter, die verkauft werden, registriert das Unternehmen als Umsätze. Erst danach werden Steuern, Rabatte oder Skonti abgezogen. Bewertet wird der Umsatz in Geldeinheiten. Die Formel für den Umsatz lautet demzufolge:

U = Absatzmenge x Preis

Beispiel:
Ein Fahrradhändler verkauft 200 Fahrräder für jeweils 400 Euro. In diese Fall errechnet sich der Umsatz wie folgt:
U = 200 x 400 Euro = 80.000 Euro

Definition Gewinn

Der Gewinn bezieht dagegen die Kosten mit ein. Er beschreibt, wie viel vom Umsatz „übrig bleibt“, und zwar nach dem Abzug sämtlicher Kosten. In jedem Unternehmen werden Kosten wirksam. Dies sind zum Beispiel Kosten für die Forschung, die Fertigung, die Miete, die Angestellten, den Vertrieb und das Marketing. Zieht man diese Kosten vom Umsatz ab, erhält man den Gewinn. Die Formel zur Berechnung des Gewinns lautet demzufolge:

G = Umsatz – Kosten
Beispiel: Bei dem oben genannten Fahrradhändler fallen für Miete, Löhne, Vorprodukte, Versicherungen Kosten von insgesamt 45.000 Euro an. Dann berechnet sich der Gewinn wie folgt:
G = 80.000 Euro – 45.000 EUR = 35.000 Euro
Der Betrag von 35.000 Euro bleibt dem Fahrradhändler, nachdem vom Umsatz sämtliche Kosten abgezogen wurden.

Beziehung zwischen Preis und Umsatz

Gewinn/Umstz

Wovon hängt der Umsatz ab?

Grundsätzlich kann der Unternehmensumsatz gesteigert werden, indem der Umsatz gesteigert wird oder indem die Kosten reduziert werden. Ein steigender Preis führt bei gleichbleibender Absatzmenge zu einem höheren Umsatz und bei gleichbleibenden Kosten auch zu einem höheren Gewinn. In der Regel bewirkt ein steigender Preis aber, dass die Absatzmenge zurückgeht. Die Auswirkung auf den Umsatz kann somit nicht verallgemeinert werden. Es hängt von der Preiselastizität der Nachfrage ab, ob der Umsatz steigt oder fällt.

Beziehung zwischen Preis und Gewinn

Auch die Wirkung einer Preiserhöhung auf den Gewinn kann nicht verallgemeinert werden. Falls eine Preissteigerung zu einer Erhöhung des Umsatzes führt, dann steigt in der Regel auch der Gewinn. Denn meist wird bei einer Preiserhöhung weniger abgesetzt. Da nun weniger produziert wird als vorher, fallen in der Regel die Gesamtkosten. Somit steigt der Gewinn.

Auswirkungen eines gestiegenen Qualitätsniveaus

Sowohl der Umsatz als auch die Gesamtkosten sind von der Produktionsmenge abhängig. In der Realität ist die Steigerung des Umsatzes oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Beispielsweise ist eine Anhebung des Qualitätsniveaus der Produkte mit zusätzlichen Kosten verbunden und trägt gleichzeitig zu einem höheren Umsatz bei. Im Ergebnis sinkt der Gewinn, während der Umsatz steigt. Gleichwohl kann sich ein

Gewinn/Umsatz

Hohe Qualität = hoher Gewinn

gestiegenes Qualitätsniveau längerfristig positiv auf den Gewinn auswirken.

 

 

 

 

Verschiedene Kostenstellen

In den meisten Unternehmen werden mehrere Produkte hergestellt. Dazu werden verschiedene Maschinen, Anlagen, Betriebsmittel, Gebäude oder Fahrzeuge verwendet. All diese Kostenstellen müssen im Rahmen der Buchführung erfasst werden, damit der Gewinn korrekt berechnet werden kann.

Der Gewinn ist für die Steuer relevant. Sind die Steuern noch nicht abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn vor Steuern“. Sind die Steuern dagegen bereits abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn nach Steuern“. Sobald ein Unternehmer Gewinne erzielt, ist er steuerpflichtig. Dies gilt auch für Einzelunternehmer und Freiberufler. Je nach Rechtsform müssen Einkommenssteuer oder Körperschaftssteuer gezahlt werden. Gewerbetreibende sind außerdem gewerbesteuerpflichtig.  Lesen Sie hier alles zur Gewerbesteuer.

Systemumsatz, Gruppenumsatz und Branchenumsatz

Der Gesamtumsatz in allen Filialen eines Franchise-Unternehmens wird als Systemumsatz bezeichnet. Bei Unternehmensgruppen addieren sich die Umsätze der einzelnen Unternehmen zum Gruppenumsatz. Die gesamten Umsätze aller Unternehmen in einer Branche bezeichnet man als Branchenumsatz. Auf dieser Grundlage kann für jedes einzelne Unternehmen der Marktanteil berechnet werden.

Ertrag und Einnahmen

Die Begriffe Ertrag und Einnahmen sind nicht identisch mit den Umsätzen und dem Gewinn. Auch die Relation der beiden Begriffe zueinander ist eine andere.

Eine Einnahme ist ein Geschäftsvorgang, der mit einer Zunahme des betrieblichen Geldvermögens verbunden ist. Die Einnahme bewertet man in Geldeinheiten. Dieser Geldwert entspricht dem Wert der materiellen Güter oder Dienstleistungen, die das Unternehmen bei dem jeweiligen Geschäftsvorgang an den Markt herausgibt. Dabei ist nicht maßgeblich, wann man die Leistung erstellt hat.

Gewinn/Umsatz

Was charakterisiert den Ertrag?

Unter Ertrag lässt sich ein Geschäftsvorgang verstehen, bei dem das betriebliche Gesamtvermögen zunimmt. Ertrag entsteht also immer dann, wenn man neue unternehmerische Werte schafft. Der Zeitpunkt der Zahlung ist nicht maßgeblich.

Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag

Die Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Drei Fälle lassen sich unterscheiden.

  1. Einnahme entspricht dem Ertrag
    In diesem Fall verkauft man ein Gut oder eine Dienstleistung in der gleichen zeitlichen Periode, in der die Erstellung der Leistung erfolgte. Den Wert der Leistung verbucht man dann gleichzeitig als Einnahme und als Ertrag.
  2. Neutrale Einnahme: Einnahme, aber kein Ertrag
    In diesem Fall liegen die Zeitpunkte der Leistung und der Zahlung in unterschiedlichen Perioden. Dies ist gegeben, wenn man Güter verkauft, die noch nicht existieren. Eine neutrale Einnahme liegt auch vor, wenn eine Anzahlung für eine noch zu erstellende Leistung erfolgt. Tätigt der Eigenkapitalgeber eine Einlage, dann liegt ebenfalls eine neutrale Einnahme vor.
  3. Kalkulatorischer Ertrag: Ertrag, aber keine Einnahme
    Hierbei fallen die Zeitpunkte für die Produktion und den Verkauf in umgekehrter Weise auseinander. Beispielsweise werden Güter produziert, aber noch nicht verkauft, sondern gelagert. Demzufolge erzielt man in der aktuellen Zeitperiode noch keine Einnahmen.

Was ist Qualitätsmanagement?

Qualitätsmanagement ist ein Spezialgebiet des Managements. Es umfasst alle Maßnahmen, die die Verbesserung der Prozessqualität, der Arbeitsqualität und der Produkt- sowie Dienstleistungsqualität zum Ziel haben. Das Qualitätsmanagement befasst sich mit der Qualität entsprechend der Norm DIN EN ISO 9000:2015-11. Qualität ist definiert als „Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale eines Objekts Anforderungen erfüllt“ (Zitat DIN EN ISO 9000:2015-11). Somit liegt Qualität vor, wenn die gestellten Anforderungen erfüllt sind. Die Beurteilung, ob ein Produkt respektive eine Dienstleistung qualitativ hochwertig ist, hängt von den Zielsetzungen und Erwartungen ab.

Qualitätsmanagement ist für die Unternehmen von existenzieller Bedeutung

Kunden erwarten Qualität, ansonsten droht das Abwandern zur Konkurrenz. Ein professionelles Qualitätsmanagement dient der Erhöhung der Kundenzufriedenheit, der Steigerung des Absatzes und der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Nachhaltige Prozesse sind zu implementieren, um eine stabile Qualität zu erhalten.

Wie hat sich das Qualitätsmanagement entwickelt?

  • Phase 1: Erste organisierte Ansätze des Qualitätsmanagements sind bereits aus der Zeit um das Jahr 1900 bekannt. Es handelte sich um die Qualitätskontrolle, bei welcher die Mitarbeiter gezielt fehlerhafte Teile aus der Produktion aussortiert haben. Pioniere in diesem Sektor waren vor allem Ford und Taylor. Lesen Sie hier alles zu Henry Ford.
  • Phase 2: Die Qualitätskontrolle wurde weiter verbessert. Bis 1930 hatte sich die Qualitätsprüfung herausgebildet. Die Steuerung erfolgte auf Basis von Statistiken. Ein Beispiel der damals modernen Entwicklungen sind die Regelkarten.
  • Qualität

    Die Entwicklung des Qualitätsmanagements geht weit zurück

    Phase 3: Um das Jahr 1960 begonnen die ersten Unternehmen, Qualitätsmaßnahmen auf die gesamte Organisation auszudehnen. Vorbeugende Maßnahmen wurden umgesetzt, die das Ziel hatten, nachhaltig Qualität zu verbessern.

  • Phase 4: Null-Fehler-Programm:Der Amerikaner Philip B. Crosby entwickelte Anfang der 1960er Jahre die Null-Fehler-Strategie, die eine fehlerfreie Produktion ohne das Erzeugen von Ausschuss forderte. Crosby prägte den Ausspruch: „Qualität kostet nichts. Aber sie ist nicht geschenkt.“ (Zitat: Philip B. Crosby)
    Grundannahme ist, dass nicht Qualität Kosten verursacht, sondern das Beheben von Fehlern zu Kosten führt.
  • Phase 5: In den 1980er Jahren wurde Six Sigma vorgestellt. Es handelt sich um eine Methode des Qualitätsmanagements, um ein Managementsystem zur Prozessverbesserung und um ein statistisches Qualitätsziel. Wesentliche Elemente sind die Messung, Beschreibung, Analyse, Überwachung und Verbesserung von Geschäftsvorgängen. Hilfsmittel sind statistische Verfahren. Das übergeordnete Ziel ist die Verbesserung der Geschäftsergebnisse.
  • Phase 6: Die European Foundation for Quality Management (EFQM) entwickelte 1988 das EFQM-Modell. Insbesondere die ganzheitliche Betrachtung des Unternehmen gehört zu den Stärken des Qualitätsmanagement-Systems.

Im erweiterten System existieren neun Kriterien:

  1. Führung
  2. Strategie
  3. Mitarbeiter
  4. Partnerschaften und Ressourcen
  5. Prozesse, Produkte und Dienstleistungen
  6. Kundenbezogene Ergebnisse
  7. Mitarbeiterbezogene Ergebnisse
  8. Gesellschaftsbezogene Ergebnisse
  9. Schlüsselergebnisse
  • Phase 7: Um das Jahr 1990 wurden umfassende Qualitätskonzepte entwickelt, immer mehr Unternehmen implementierten professionelles Qualitätsmanagement in ihrer Organisation.
  • Phase 8: Total-Quality-Management (TQM) bezeichnet ein breit gefächertes Qualitätsmanagement, welches alle Bereiche einer Organisation umfasst. Die Manager führen Qualität als Systemziel ein. Sie streben an, Qualität dauerhaft zu garantieren. Die Ursprünge liegen in der japanischen Automobilindustrie.

Die 7 Grundsätze des Qualitätsmanagements

Qualität

Wie sind die Grundsätze aufgebaut?

Die 7 Grundsätze sind in der ISO 9000 erläutert. Ihre Beachtung ist wichtig, um ISO 9001 anwenden zu können und eine Zertifizierung zu erhalten. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Grundsätze:

1. Kundenorientierung und nachhaltiger Erfolg
2. Führung und Leadership
3. Engagement von Personen
4. Prozessorientierter Ansatz
5. Verbesserung (der kontinuierliche Verbesserungsprozess)
6. Faktengestützte Entscheidungsfindung
7. Beziehungsmanagement

1. Kundenorientierung und nachhaltiger Erfolg

Die Unternehmen setzen sich das zentrale Ziel, die Kundenerwartungen zu erfüllen. Erkenntnisse über die Kundenzufriedenheit erhalten die Unternehmen durch nahezu jede Interaktion mit den Kunden.

2. Führung und Leadership

Führungskräfte und Vorgesetzte sollten als Vorbilder fungieren. Sie müssen die Qualitätsphilosophie des Unternehmens vorleben, um die Mitarbeiter zu motivieren und inspirieren. Veränderungen an Strategien, Zielen und Prozessen werden leichter umgesetzt, wenn die Führungskräfte die Angestellten anleiten und kontrollieren.

3. Engagement von Personen

Die Unternehmen können Qualitätsziele nur erreichen, wenn auf allen Ebenen engagierte Personen tätig sind, die an der Umsetzung und Kontrolle arbeiten. Mitarbeiter werden direkt in das Qualitätsmanagement einbezogen, um maximale Wirkung zu erzielen. Workshops, Diskussionen und Umfragen sind zwei Beispiele für die Einbindung der Mitarbeiter.

4. Prozessorientierter Ansatz

Prozesse und Abläufe prägen die Arbeit der Unternehmen. Es ist wichtig, die einzelnen Prozesse zu analysieren und zugleich Zusammenhänge zwischen den Prozessen zu identifizieren. Die Akteure müssen die Prozesse zielführend planen und umsetzen, ein entsprechendes Bewusstsein für die Bedeutung dieser Aufgabe ist zu erschaffen.

5. Verbesserung

Qualitätsmanagement ist keine einmalige Aufgabe. Vielmehr muss ein nachhaltiger Kreislauf kontinuierlicher Verbesserungen implementiert werden. Die Unternehmen arbeiten Konzepte aus, die Analysen und Verbesserungsprozesse enthalten. Die Manager erheben regelmäßig den IST-Zustand und ermitteln Potenziale, Defizite und Ansätze. Kundenfeedbacks und Audits sind zwei Beispiele für geeignete Maßnahmen.

6. Faktengestützte Entscheidungsfindung

Die Unternehmen sollten ihre Entscheidungen auf fundierte Fakten stützen, da die Qualität der Entscheidungen

Qualität

Ein qualitativer Plan ist stets individuell

von der Qualität der Entscheidungsgrundlage abhängt. Kennzahlen und aktuelle Daten sind notwendig. Jedes Unternehmen stellt individuell ein entsprechendes Kennzahlensystem auf, das aus den Unternehmens- und Qualitätszielen abgeleitet ist. Beispiele für geeignete Kennzahlen sind die Fehlerquote und die Kundenzufriedenheit.

7. Beziehungsmanagement

Das qualitätsorientierte Unternehmen kennt seine Stakeholder und richtet sein Beziehungsmanagement auf diese Zielgruppe aus. Die Manager wissen, welche Ziele, Wünsche und Befürchtungen die Interessensparteien haben. Das gemeinsame Nutzen von wertschöpfenden Ressourcen senkt die Kosten und erhöht die Qualität.

Wie findet man den perfekten Warenbestand?

Der Warenbestand repräsentiert den Lagerbestand an Roh-, Hilfs, und Betriebsstoffen. Unternehmen lagern Waren, um stets die benötigten Objekte zur Verfügung zu haben. Die Lagerung führt jedoch zu Kosten: Je mehr Waren das Unternehmen lagert, desto höher sind die Kosten. Ein zu geringer Lagerbestand wiederum resultiert im Risiko von Engpässen. Es stellt sich daher die Frage, wie Unternehmen den perfekte Warenbestand finden.

Zunächst sind die Erfassung der Warenbestände und die Bilanzierung der Lagerbestände notwendig.

Bilanz – wie sieht der Warenbestand bilanziell aus?

Für die Bilanz müssen die Warenbestände bewertet werden. In der Bilanz selbst stehen die Werte auf der Aktivseite. Sie gehören dem Umlaufvermögen an. Am Bilanzstichtag wird eine Inventur vorgenommen. Die Warenbestände müssen durch Bestandsaufnahme mengenmäßig erfasst werden. Selbst hergestellte Produkte werden mit ihren Herstellungskosten bewertet. RHB-Stoffe lassen sich durch ihre Anschaffungskosten bewerten. Warenbestände werden mit ihrem Einstandspreis erfasst. Wichtig ist, dass Niederstwertprinzip zu berücksichtigen: Der niedrigere Börsen- oder Marktpreis ist anzusetzen. Lesen Sie hier mehr zu RHB-Stoffen.

Lifo oder Fifo – Lagerbestände korrekt bewerten

Rohstoffe werden aufgrund von Preisschwankungen zu unterschiedlichen Preisen gekauft. Bei der Bewertung der Lagerbestände stellt sich die Frage, welche der vorhandenen Produkte verbraucht worden sind. Das Bilanzierungsrecht lässt zwei Vorgehensweisen zu: Lifo und Fifo.

Was ist Lifo?

Lifo ist die Abkürzung für Last in – First out. Die Unternehmen verbrauchen die Waren zuerst, die sie zuletzt angeschafft haben. Produkte, die zuletzt angeschafft worden sind, befinden sich in der Lagerhaltung vorne. Das Lifo Prinzip wird beispielsweise bei Schüttgütern angewandt. Neue Schüttmengen überlagern die alten Schüttmengen. Ein konkretes Beispiel ist ein Steinhaufen, bei welchem nur von außen nach innen Steine entnommen werden können. Bei verderblichen Waren ist Lifo nicht möglich, da zuerst die alten Produkte entnommen werden müssen.

Wie wirkt sich Lifo auf die Bilanzierung aus?

Bewertet man zum Bilanzierungsstichtag den Warenbestand, müssen die ältesten Waren preisliche Berücksichtigung finden. Die neu angekommenen Waren hingegen werden zuerst verbraucht. Die Bewertung bezieht sich zudem auf den Einstandspreis bei gekauften Produkten. Im Folgenden ist ein Beispiel dargestellt:

Wareneingänge:

Datum / Menge / Preis pro Einheit
1.2 / 100 / 5
2.2 / 100 / 6
5.2 / 50 / 4
10.2 / 50 / 5
12.2 / 100 / 4

Man tätigte im betrachteten Zeitraum fünf Einkäufe. Der Anfangswarenbestand betrug 0. Am 12.2 liegt ein Lagerbestand in Höhe von
100 + 100 + 50 + 50 + 100 = 400
vor.

Es werden folgende Entnahmen vorgenommen:

15.2 / 100
17.2 / 10

Für die erste Entnahme verendet man die Produkte, die am 12.2 gekauft worden sind. Für die zweite Entnahme sind die Produkte mit Einkaufsdatum 10.2 relevant.

Dadurch ergeben sich folgende Preise für die Entnahme:

15.2 / 100 / 4
17.2 / 10 / 5

Der neue Warenbestand beträgt
400 – 110 = 290
Der zu bilanzierende Wert am Stichtag 17.2 beträgt:

1.2 / 100 / 5
2.2 / 100 / 6
5.2 / 50 / 4
10.2 / (50 – 10 = 40) / 5

Bilanzwert des Warenbestands:
100 * 5 + 100 * 6 + 50 * 4 + 40 * 5 =
500 + 600 + 200 + 200 = 1.500

Was ist Fifo?

Das zweite zulässige Verfahren zur Bilanzierung von Warenbeständen ist Fifo. Der Ausdruck ist die Abkürzung für First in – First out. Waren, die man zuerst angeschafft hat, müssen zuerst verbraucht werden. Ein Anwendungsbeispiel sind verderbliche Waren. Ältere Waren verbraucht man zuerst, neue Waren warten.

Wie wirkt sich die Anwendung von Fifo auf die Bilanzierung aus?

Bewertet man zum Bilanzierungsstichtag den Warenbestand, müssen die neuesten Waren der preislichen Berücksichtigung unterliegen. Die zuerst angekommenen Waren hingegen verbraucht man zuerst. Im Folgenden ist ein Beispiel dargestellt:

Wareneingänge:

Datum / Menge / Preis pro Einheit
1.3 / 100 / 5
20.3 / 100 / 6
25.3 / 50 / 4
30.3 / 50 / 5

Im betrachteten Zeitraum tätigte man vier Einkäufe. Am 30.3 liegt – ausgehend vom Anfangsbestand 0 – ein Lagerbestand in Höhe von

100 + 100 + 50 + 50 = 300
vor.

Es werden folgende Entnahmen vorgenommen:

15.4 / 100
17.4 / 20

Für die erste Entnahme verwendet man die Produkte des 1.3. Für die zweite Entnahme sind die Produkte mit Einkaufsdatum 20.3 relevant.

Dadurch ergeben sich folgende Preise für die Entnahme:

15.4 / 100 / 5
17.4 / 10 / 6

Der neue Warenbestand beträgt
300 – 120 = 180
Der zu bilanzierende Wert am Stichtag 17.4 beträgt:

20.3 / 80 / 6
25.3 / 50 / 4
30.3 / 50 / 5

Bilanzwert des Warenbestands:
50 * 5 + 50 * 4 + 80 * 6 =
250 + 200 + 480 = 450 + 480 = 930

Wie kann ich Veränderungen im Warenbestand erfassen?

Ein Inventory Management dient der Erfassung von Veränderungen im Warenbestand. Gemeint ist zumeist ein Warenwirtschaftssystem, welches Schnittstellen zu anderen Unternehmensbereichen verfügen kann. Die Software verfügt unter anderem über ein Wareneingangsmodul und ein Warenausgangsmodul.

Die Optimierung des Warenbestands

Voraussetzung zur Optimierung des Warenbestands ist die lückenlose Erfassung der Lagerbestände. Das Unternehmen sammelt Daten aus den abgelaufenen Perioden, um Prognosen über den zu erwartenden Bedarf zu erstellen. Ausgehend von diesen Prognosen bestimmt das Unternehmen die zu bestellende Mengen, woraus sich wiederum die Höhe des Warenbestands ergibt.

Eine weitere Methode ist Folgende: Das Unternehmen definiert für die einzelnen Warengruppen Lageruntergrenzen. Sobald der Lagerbestand diese Untergrenze unterscheidet, bestellt die Beschaffung neue Waren. Die Bestellmenge ist die Differenz aus dem definierten Maximalbestand und der aktuell vorhandenen Menge.

Was ist der KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess)?

Der Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) ist ein Konzept aus dem Qualitätsmanagement. In dieser Denkweise geht es darum, Prozesse, Service oder Qualität in einem Unternehmen kontinuierlich zu verbessern. Dabei identifiziert man in Teamarbeit immer wieder Problemstellen, erarbeitet passende Lösungen und setzt diese anschließend um.

Im Gegensatz zu Maßnahmen wie der Innovation handelt es sich bei dem KVP in der Regel immer um kleine Verbesserungsschritte, die zudem fortlaufend sind. Es geht nicht notwendigerweise um große Neuerungen, die einen einschneidenden Effekt haben, sondern darum, an kleinen Stellschrauben im Unternehmen zu drehen. Dabei hat sich der KVP mittlerweile zu einem wichtigen Aspekt des Qualitätsmanagements in Unternehmen entwickelt und ist auch Bestandteil der ISO 9001.

Geschichtliche Einordnung

Der KVP hat seinen Ursprung in Japan und geht auf den sogenannten Kaizen zurück. Kaizen stammt vom Amerikaner W.EDemning, einem der Pioniere im Qualitätsmanagement. Sein Konzept tauchte zunächst in Japan in den 50er Jahren auf, wobei vor allem Toyota sich sehr erfolgreich an den Ideen des Amerikaners orientierte und seine Philosophie am KVP ausrichtete. Lesen Sie hier alles zu W.E. Demning.

In Deutschland dauerte es bis in den 90er Jahre, bis auch hierzulande der kontinuierliche Verbesserungsprozess Fuß fassen konnte. Zunächst war es die Automobilindustrie, welche in der Fertigung und Montage auf diese Art des Qualitätsmanagements setzte. Mittlerweile hat sich das Konzept in vielen Unternehmen in Deutschland durchgesetzt. Oft gibt es dabei eigene KVP-Teams, welche mit der Aufgabe betraut sind, Verbesserungsmöglichkeiten in den verschiedensten Bereichen innerhalb eines Unternehmens zu identifizieren und passende Maßnahmen zu entwickeln.

Voraussetzungen und Zielsetzung

Grundsätzlich hat auch das KVP die typischen Ziele des Qualitätsmanagements. Durch die Maßnahmen möchte man

KVP

In kleinen Schritten zur Besserung

die Prozesse effektiver machen, Qualität steigern oder Kosten senken. Idealerweise lassen sich mit einer Maßnahme gleich mehrere dieser Ziele erfüllen. Der große Unterschied zu anderen Verbesserungsmaßnahmen ist dabei, dass es sich nicht nur um einen fortlaufenden Prozess handelt, sondern dass man auch an besonders kleinen Stellschrauben dreht.

Damit die Optimierung funktionieren kann, gelten verschiedene Voraussetzungen. Zunächst ist es wichtig, dass in der Unternehmensführung und im Top-Management der Wille vorhanden ist, sich kontinuierlich zu verbessern. Ein wichtiger Schritt, um dies zu erreichen, ist die Förderung von Veränderungen im Unternehmen. Dafür sind auch die Mitarbeiterschulung sowie die entsprechende Motivation wichtig. Ideen und Vorschläge sollten immer willkommen sein und es muss eine Bereitschaft geben, vorgeschlagene Veränderungen und Verbesserungen umzusetzen. Dies gilt wohlgemerkt auch für die kleinsten Verbesserungen. Nur, wenn sich diese durch die Mitarbeiter umsetzen lässt, kann der kontinuierliche Verbesserungsprozess funktionieren.

Dabei spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle. Da der KVP ein kontinuierlicher Prozess ist, bei dem man immer wieder Dinge verändert oder anpasst, darf die Umsetzung der Maßnahmen nicht schleppend oder verzögert erfolgen. Daher ist es auch von Bedeutung, dass die Unternehmensführung nicht nur den Willen zum KVP zeigt, sondern auch die notwendigen Mittel bereitstellt. Scheitert die Umsetzung an der Bürokratie oder den Finanzen im Unternehmen, können Mitarbeiter schnell enttäuscht sein und die Motivation für eine weitere Beteiligung verlieren.

Vorgehen beim KVP

KVP

Nach ausgeklügeltem Plan zum Erfolg

In vielen Unternehmen wird mit sogenannten KVP-Teams gearbeitet, die für Identifizierung potenzieller Verbesserungsfelder und der Erarbeitung von passenden Maßnahmen zuständig sind. Die konkreten Arbeitsschritte können sich aber je nach Unternehmen und Fall etwas unterscheiden. Grundsätzlich lässt sich der Prozess aber meist in vier große Schritte einteilen.

  1. Analyse

    Im ersten Schritt müssen die Teams zunächst einmal das konkrete Arbeitssystem identifizieren und genau abgrenzen. Man legt also fest, was genau zur Verbesserung steht. Anschließend gilt es, in diesem System die potenziellen Probleme zu ermitteln und zu bewerten. Die Probleme können dabei ganz unterschiedliche Aspekte sein wie beispielsweise Kosten, Zeit, Qualität oder Ressourcenverbrauch. Ein wichtiger Punkt dabei ist auch die Gegenüberstellung des Ist- mit dem Soll-Zustand. Die Identifizierung der Probleme ist jedoch nicht ausreichend. Sie müssen anschließend auch genau analysiert werden. Dabei geht es nicht nur darum, die Gründe zu finden, sondern auch eventuelle Zusammenhänge mit anderen Bereichen oder zusätzliche Nebenwirkungen.

  2. Maßnahmen entwickeln

    Sind die Problemstellen umfassend analysiert, geht es im nächsten Schritt darum, Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dabei sammelt man zunächst einmal alle möglichen Ideen, zum Beispiel in einem Brainstorming. Danach erfolg eine Bewertung der Ideen. Das Team versucht, unter den verschiedenen Ansätzen die besten zu identifizieren und aus ihnen konkrete Maßnahmen abzuleiten. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch die Bewertung des Aufwands und des Ertrages. So muss man die Frage beantworten, ob es sich in Hinblick auf den betrieben Aufwand überhaupt lohnt, eine Maßnahme umzusetzen, wenn diese nur einen bestimmten Ertrag bringt.

  3. Maßnahmen umsetzen

    Sobald das Team passende Maßnahmen inklusive dem notwendigen Aufwand erarbeitet hat, wird das Ergebnis dem Entscheidungsgremium präsentiert. Dies kann das Management eines Unternehmens sein oder auch nur ein einzelner Chef. Danach folgt eine Vereinbarung, wie sich die Maßnahmen konkret umsetzen lassen und welche Ressourcen dafür notwendig sind. Anschließend legt man gemeinsam einen Zeitplan für die Umsetzung fest und bestimmt die verantwortlichen Personen.

  4. Kontrolle

    Der Prozess ist mit der Umsetzung allerdings noch nicht abgeschlossen. Da es sich beim KVP um eine kontinuierliche Maßnahme handelt, spielt auch die Kontrolle eine wichtige Rolle. Nach einem vorher bestimmten Zeitpunkt unterzieht man die neuen Prozesse einer Überprüfung. Auf diese Weise lässt sich nun

    KVP

    Wie schnell reagiert man auf Veränderungen?

    ermitteln, ob und wie erfolgreich die neuen Maßnahmen sind. Hier ist auch die Frage zu beantworten, inwiefern noch weitere Anpassungen oder Veränderungen möglich oder notwendig sind, um noch mehr Potenzial auszuschöpfen. Typischerweise erfolgt die Kontrolle mehrfach oder fortlaufend, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können.

 

 
 

Was ist der NPV?

Der Kapitalwert, auf Englisch auch“Net Present Value“ (NPV) genannt, gibt Auskunft darüber, ob sich ein bestimmtes Projekt aus wirtschaftlicher Sicht lohnt. Falls der Kapitalwert positiv ausfällt, kann sich der Investor sicher sein, dass sich die Investition lohnt. Im Rahmen der Berechnung der Net Present Value bewertet man frühere Erlöse höher als spätere. Im folgenden Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den NPV berechnen können und wie dieser funktioniert.

Allgemeine Informationen

Mit dem Net Present Value können Sie schnell und einfach herausfinden, ob ein Investment einen künftigen

NPV

Ist mein Plan wirklich rentabel?

Gewinn erwirtschaftet. Der Kapitalwert, den man auch als Nettobarwert (NBW) oder Net Present Value (NPV) bezeichnen kann, stellt eine sehr gute Basis dar, um die Wirtschaftlichkeit einer Investition einzustufen und aufgrund dieser Prognose die entsprechenden Entscheidungen zu treffen. Der NPV wird in vielen Fällen auch bei der Bewertung von Start-ups genutzt. Lesen Sie hier alles über Start-Ups.

Funktionsweise des NPV im Überblick

Der Kapitalwert berechnet sich mittels eins dynamischen Verfahrens und berücksichtigt dabei in erster Linie den Zeitwert. Im Rahmen eines NPV lassen sich frühere Erlöse höher bewerten als spätere. Falls Sie Ihr Kapital gewinnbringend anlegen möchten, sollten Sie unbedingt eine Berechnung des Kapitals durchführen lassen. Ergibt die Berechnung einen positiven NPV, lohnt sich das Investment. Ist der Wert negativ, sollten Sie mit Verlusten rechnen. Im Rahmen der Kapitalwert-Analyse addiert man das Anfangsinvestment mit den abgezinsten Ein- und Auszahlungen des darauffolgenden Zeitraums zusammen:

  1. Kapitalanlage in Personal, Marketing, Anlagen oder Maschinen
  2. Die ungefähre Laufzeit für die Fertigung von Produkten oder die Bereitstellung von Dienstleistungen. Diese gehen mit Kosten einher, bringen Gewinne und führen zu Aus- und Einzahlungen. Bei der Berechnung des NPV spielt die Laufzeit eine entscheidende Rolle. In vielen Fällen setzt man dabei eine Laufzeit von einem Jahr an, es können aber auch beliebig lange Zeiträume vorherrschen.
  3. Ein- und Auszahlungen: Bei Einzahlungen handelt es sich zum Beispiel um Gewinne aus dem Verkauf der Produkte bzw.
    NPV

    Mit welchem Risiko ist zu rechnen?

    Dienstleistungen, während Auszahlungen durch Kosten für Material, Personal und Dienstleistungen entstehen.

  4. Der Restwert: Nachdem die Laufzeit abgelaufen ist, verfügen die Anlagen und Maschinen noch über einen Restwert, den man als Einzahlung berechnet. Falls an dieser Stelle Kosten für die Beseitigung anfallen, entstehen dadurch Auszahlungen.
  5. Der Zinssatz: Falls das Investment über ein Darlehen finanziert ist, müssen Sie den dafür fälligen Zinssatz berücksichtigen. Des Weiteren muss man in der Abzinsung der Aus- und Einzahlungen die Inflation einberechnen. Das sich potenzielle Ein- und Auszahlungen über einen längeren Zeitraum in vielen Fällen nur schätzen lassen, muss an dieser Stelle ein Risikozuschlag verankert sein. Die Höhe der Net Present Value beruht im hohen Maße auf der Festlegung des Zinssatzes, da die potenziellen Gewinne für die Investoren hiervon abhängen.

Wie wird der NPV berechnet?

Um den Kapitalwert mit einer mathematischen Formel berechnen zu können, müssen zunächst alle wichtigen Parameter definiert sein.

  1. Investments und die damit einhergehenden Kosten: Hierzu gehören u. a die Anschaffung von Maschinen, Möbeln, Anlagen, Kosten für Dienstleistungen und Marketingmaßnahmen, Zahlungen für Schulungen. Nachdem alles vorhanden ist, was für die Produktion benötigt wird, werden die Güter produziert oder Dienstleistungen erbracht. Durch den Verkauf derselben werden Erlöse generiert. Hierbei handelt es sich um die Einzahlungen des ersten Jahres. Parallel werden jedoch auch weitere Auszahlungen verursacht, die durch Personal-, Material-, und Dienstleistungskosten entstehen.
  2. Über welchen Zeitraum soll das Investment im Unternehmen verbleiben? Dieser Zeitraum hängt direkt von der Laufzeit oder Nutzungsdauer ab. Ein- und Auszahlungen müssen dabei für den gesamten Zeitraum ermittelt werden. Falls die Nutzungsdauer abgelaufen ist, kann eventuell ein Teil des Investments entweder verkauft oder weiter genutzt werden. Der Investor bekommt in der Regel für den verbleibenden Restwert eine vorher vereinbarte Zahlung.
  3. Der Zinssatz: Bei der Berechnung der Zinsen können unterschiedliche Kriterien eine Rolle spielen und sich so direkt auf die Höhe der Zinsen auswirken. Zu diesen Faktoren gehören:
  • Der Zinssatz, der für die Kredite oder andere Darlehensformen erbracht werden muss
  • Risikozuschlag

    NPV

    Was bewirkt die Inflationsrate?

  • Inflationsrate
  • Weighted Average Cost of Capital

Sie sollten sich dessen bewusst sein: Je höher der Zinssatz ist, umso weniger gewinnbringender erscheint das Investment.

Beispiel für Berechnung der NPV

Im Folgenden zeigen wir Ihnen am Beispiel einer Fortbildung, wie Sie den Kapitalwert berechnen können:
Sie wollen sich weiterbilden und neben Ihrer derzeitigen Arbeit ein Teilzeitstudium absolvieren. Das Studium hat eine Dauer von drei Jahren. Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass Sie während dieser Zeit weniger arbeiten und demzufolge auch weniger verdienen, können Sie schnell und einfach berechnen, ob sich Ihre Weiterbildung in Zukunft tatsächlich lohnen wird. Bekommen Sie nach Abschluss Ihres Studiums eine höher bezahlte Stelle und Sie arbeiten dort für fünf Jahre, können Sie auf dieser Grundlage den NPV berechnen:
Monatliche Kosten:

  • 200 Euro für das Studium und das dazugehörige Arbeitsmaterial inklusive der Fahrkosten
  • 500 Euro weniger Gehalt
  • Nach Studienabschluss erhalten Sie 600 Euro mehr
  • Sie rechnen mit einem Zinssatz von 8 Prozent, weil Sie nicht genau wissen, ob Sie tatsächlich nach Ihrem Abschluss eine bessere Stelle in der Firma bekommen
  • Setzen Sie diese Daten in die NPV-Gleichung ein, kommen Sie auf einen Kapitalwert von rund 1200 Euro. Der NPV ist positiv und Sie sehen, dass sich die Investition lohnt.

Was ist die Kosten- und Leistungsrechnung?

Das betriebliche Rechnungswesen ist in zwei große Bereiche untergliedert: Das externe und interne Rechnungswesen. Das externe Rechnungswesen stellt auf der Grundlage gesetzlicher Vorschriften Finanzinformationen für die Außendarstellung eines Unternehmen bereit. Das interne Rechnungswesen liefert Informationen für unternehmerische Entscheidungen. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Kosten- und Leistungsrechnung zu. Welche Aufgaben die K&L Rechnung hat und wie sie durchgeführt wird, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die Kosten- und Leistungsrechnung, abgekürzt KLR, zählt wie die Erfolgsrechnung und die Investitionsrechnung zum internen Rechnungswesen eines Unternehmens.. Im Rahmen der KLR werden alle Kosten, die mit der innerbetrieblichen Leistungserstellung in einem direkten Zusammenhang stehen, erfasst. Zusammen mit dem externen Rechnungswesen der Finanzbuchhaltung bildet sie das betriebliche Rechnungswesen. Externes und internes Rechnungswesen sind Teilgebiete der Betriebswirtschaftslehre (BWL). Andere Bezeichnungen für Kosten- und Leistungsrechnung sind Kosten- und Erlösrechnung oder Betriebsergebnisrechnung.

Welche Ziele hat die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die K&L Rechnung liefert wichtige Informationen zur Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens und für die Entscheidungsfindung der Unternehmensführung. Ziele und wesentliche Aufgaben der KLR sind:
  • Erfassung aller Kosten und Leistungen im Unternehmen
  • Wirtschaftlichkeitskontrolle mittels Soll/Ist-VergleichZeitvergleich oder Institutionenvergleich
  • Kostenkalkulation und Nachkalkulation
  • Bewertung der Kostenträger
  • Informationsgewinnung für die Produkt- und Preispolitik
  • Grundlage für die kurzfristige Erfolgsrechnung
  • Bewertung der Warenvorräte in der Jahresbilanz
K&L

Ist das Ergebnis meiner Kalkulation positiv?

Die Hauptaufgabe der KLR ist es, die in einem Unternehmen durch den Ressourceneinsatz oder Werteverzehr von betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren, wie beispielsweise Personal, Energie- und Materialverbrauch entstehenden Kosten den Verursachern zuzuordnen. In der K&L Rechnung unterscheidet man zwischen

  • Kostenträgern
  • Kostenstellen
  • Kostenarten
Kostenträger sind die vom Unternehmen hergestellten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen. Den Kostenträgern wird im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung der Ressourcenverbrauch zu geordnet. Die Kostenstellen sind die Orte, an denen Kosten entstehen oder Leistungen erbracht werden. Beispielsweise ganze Abteilungen oder einzelne Maschinen. Bei den Kostenarten wird in der K&L Rechnung unter anderem unterschieden zwischen Einzel- und Gemeinkosten. Anhand dieser Unterscheidung ergeben sich die drei Stufen der Kosten- und Leistungsrechnung:
  • Kostenartenrechnung
  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung

Stufe 1 der K&L Rechnung – die Kostenartenrechnung

Im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung werden in einem ersten Schritt zunächst die anfallenden Kosten erfasst und nach Kostenarten gegliedert. In dieser Stufe erfolgt eine Gliederung der Kosten unter anderem nach der Art der verbrauchten Produktionsfaktoren und nach den betrieblichen Funktionen. Zu den Produktionsfaktoren zählen beispielsweise Material- und Personalkosten, Raumkosten und Kapitalkosten. Zu den betrieblichen Funktionen zählen Fertigungskosten, Vertriebskosten und Verwaltungskosten. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist hierbei, ob es sich um Einzel- oder Gemeinkosten handelt.

Einzelkosten

Einzelkosten sind die Kosten in einem Unternehmen, die einem Kostenträger direkt zugeordnet werden können. Hierzu zählen beispielsweise die Kosten für eine MaschinenstundeMaterialkosten oder die zurechenbaren Personalkosten. Einzelkosten können direkt in der Kostenträgerrechnung, der 3. Stufe der K&L Rechnung, weiterverwendet werden.

Gemeinkosten

Gemeinkosten sind die Kosten, die in der Regel keinem einzelnen Kostenträger direkt zugeordnet werden können.

K&L

Auf welcher Seite entstehen die Kosten?

Beispiele hierfür sind Verwaltungskosten, Vertriebskosten, das Geschäftsführergehalt oder die Kosten für den Fuhrpark. Diese Kosten werden in der Kostenstellenrechnung anhand eines Verteilungsschlüssels als Gemeinkostenzuschläge einzelnen Kostenträger zugerechnet.

Stufe 2 der K&L Rechnung – die Kostenstellenrechnung

In der zweiten Stufe der Kosten- und Leistungsrechnung werden die anhand der Kostenartenrechnung ermittelten Einzelkosten den Orten in Unternehmen, an denen diese Kosten aufgrund der Leistungserstellung entstehen, verursachungsgerecht zugeordnet. Dazu müssen im Unternehmen zunächst Kostenstellen gebildet werden. Kostenstellen sind beispielsweise einzelne Abteilungen, eine Produktionsanlage oder ein Team von Mitarbeitern.

Die Kostenstellen werden dabei unterschieden in

  • Hauptkostenstellen
  • Hilfskostenstellen

Hauptkostenstellen sind die Orte im Unternehmen, an denen die Produkte, das heißt, die Kostenträger, gefertigt werden und unmittelbar an der Leistungserbringung beteiligt sind. Als Hilfskostenstelle werden die Kostenstellen bezeichnet, an denen Vorleistungen für Hauptkostenstellen erbracht werden. Eine andere Bezeichnung für Hilfskostenstellen ist daher Vorkostenstellen. Sie sind nicht direkt an der Leistungserstellung beteiligt.

Die nicht direkt zuordenbaren Gemeinkosten werden auf Basis eines Verteilungsschlüssels als als Gemeinkostenzuschläge den verschiedenen Kostenstellen zugewiesen. Grundlage für die Verteilung der Gemeinkosten im Rahmen der Kostenstellenrechnung ist der sogenannte Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Der Betriebsabrechnungsbogen wird von jedem Unternehmen entsprechend den individuellen Anforderungen und Gegebenheiten selbst erstellt. Lesen Sie hier alles zum BAB.

Stufe 3 der K&L Rechnung – die Kostenartenrechnung

Diese Stufe der K&L Rechnung dient der Ermittlung, für welche Kostenträger welche Kosten im Unternehmen angefallen sind. An dieser Stelle der K&L Rechnung erfolgt die Zusammenführung der in der Kostenartenrechnung ermittelten Einzelkostenund der in der Kostenstellenrechnung zugeordneten Gemeinkosten bei den jeweiligen Kostenträgern. Wenn die Kosten je Kostenträger bekannt sind, können die sogenannten Stückkosten für einzelne Produkte oder Dienstleistungen ermittelt werden. Diese Stückkosten sind wiederum die Grundlage für die Preiskalkulation. Bei der Kostenträgerrechnung wird zwischen zwei Rechnungsarten unterschieden. Dies sind die
  • Kostenträgerstückrechnung
  • Kostenträgerzeitrechnung

Die Kostenträgerstückrechnung bezeichnet man allgemein auch als Kalkulation. Bei dieser Kalkulation werden die Kosten pro Kostenträger bezogen und auf eine sogenannte Leistungseinheit ermittelt. Eine Leistungseinheit kann ein Stück oder ein einzelner Auftrag sein . Im Rahmen der Kostenträgerzeitrechnung erfolgt eine Gegenüberstellung der Leistungen innerhalb einer bestimmten Periode mit den innerhalb dieser Periode entstandenen Kosten. Auf Grundlage dieser Gegenüberstellung lässt sich im Unternehmen eine kurzfristige

K&L

Wie ist die K&L-Rechnung geregelt?

Erfolgsrechnung erstellen.

Rechtliche Vorschriften für die Kosten- und Leistungsrechnung

Als ein Teilgebiet des internen Rechnungswesens unterliegt die Kosten- und Leistungsrechnung in weiten Teilen keinen bestimmten gesetzlichen Vorschriften. Die Umsetzung richtet sich nach den unternehmensinternen Anforderungen. Lediglich bei der Bewertung von im Unternehmen selbst hergestellten Vorräten und Anlagegütern für die Jahresbilanz muss man den einschlägigen Vorschriften des Handelsgesetzbuches Beachtung schenken.

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.