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Was ist EBITDA?

Was ist EBITDA?

Um den Erfolg des eigenen Unternehmens zu vergleichen und zu beurteilen, reichen Gewinn oder Jahresüberschuss nicht aus, obgleich es sich hierbei um aussagekräftige, betriebswirtschaftliche Kennziffern handelt. Es gibt Faktoren, die sich auf den Gewinn Ihres Betriebes auswirken, die außerhalb Ihres Einflussbereiches stehen. Ökonomen nutzen bei der vergleichenden Beurteilung des Erfolgs von unternehmerischen Aktivitäten zunehmend andere Kennzahlen, unter anderem das EBITDA. Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen möchten, gehört das EBITDA zu den Unterlagen im geschützten Datenraum, die ein potenzieller Interessent einsehen möchte.

EBITDA per Definition

Beim Begriff EBITDA handelt es sich um ein Akronym aus dem Englischen, das sich aus folgenden Wörtern zusammensetzt:

E – earnings
B – before
I – interest
T – tax
D – depreciation
A – amortization

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff demnach das Ergebnis eines Unternehmens vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen auf Sachwerte und nicht greifbare (immaterielle) Vermögensteile. Als betriebswirtschaftliche Kennziffer stellt das EBITDA das Resultat der reinen Aktivität eines Unternehmens dar. Ausgeklammert werden Erträge und Kosten durch Zinsen sowie sämtliche Abschreibungen.

Für wen ist das EBITDA wichtig?

Zunächst können Sie als Unternehmer wertvolle Schlüsse aus dem EBITDA bei der Steuerung Ihrer Firma ziehen. Ebenso aussagekräftig ist die Kennziffer für die Bewertung durch externe Organisationen und Institutionen wie Banken bei der Bewilligung eines Unternehmenskredits. Banken erkennen am EBITDA die Wirtschaftlichkeit einer Firma vor der Kreditvergabe. Einigen Unternehmern hilft die Kennzahl bei der Festsetzung von Gehältern für Mitarbeiter in Führungspositionen. Der Vorteil von EBITDA ist auf einen Nenner zu bringen: Der Wert vermittelt einen Eindruck von der Rentabilität der reinen Betriebsaktivität, weil Posten ohne direkte Relevanz außer Acht bleiben. Nicht relevante Positionen sind:

Zinsen seitens Ertrag und Kosten

Wenn Sie als Unternehmer an anderen Firmen finanziell beteiligt sind, haben die daraus resultierenden Zinserträge nichts mit den Aktivitäten Ihres Betriebs zu tun. Gleiches gilt für die Zinsen als Kosten bei laufenden Krediten. Beides fällt unter die Strategie des Unternehmens und ist für das EBITDA bedeutungslos.

Steuern

Ob Sie viel oder wenig Steuern in Ihrem Unternehmen entrichten, sagt ebenso wenig über dessen Rentabilität aus. Die Höhe der anfallenden Steuern ist von vielen Faktoren und äußeren Umständen abhängig.

Abschreibungen

Sie wollen oder müssen in Ihr Unternehmen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Erworbene Sachanlagen (also Investitionen) sowie nicht greifbare Güter schreiben Sie selbstverständlich ab. Es handelt sich dabei um unternehmerische Prozesse ohne Aussagekraft bezüglich der Rentabilität.

Wer sich über die betriebliche Verfassung Ihres Unternehmens informieren will, muss daher das EBITDA als objektiven Hinweis betrachten. Da jedoch Abschreibungen ausgeklammert sind, gibt die Kennzahl keine Auskunft über den zukünftigen Gesamterfolg Ihrer Firma. Unternehmerische Ausgaben beinhalten auch permanent Abschreibungen, aus zwei wichtigen Gründen. Bereits erworbene Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Maschinen verlieren an Wert ebenso wie an Zuverlässigkeit. Neuanschaffungen müssen ebendiese ersetzen. Das wirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens ist ständigen Veränderungen unterworfen, auf die Sie als Unternehmer reagieren müssen, um die gesteckten Wachstumsziele zu erreichen.

Hinweise zum EBITDA

Im Handelsrecht der BRD wird der Begriff EBITDA nicht angewandt, lediglich im Steuerrecht. Beim bisher beschriebenen EBITDA handelt es sich um eine vollständig reine Kennziffer. Zudem gibt es eine bereinigte (adjusted) Variante. Bei dieser rechnet man Erträge und Kosten mit außerordentlicher Bedeutung aus dem Ergebnis eines Unternehmens heraus. Aufwendungen, die in direktem Zusammenhang mit der Firmenaktivität stehen, bleiben jedoch in der Berechnung. Dazu zählen beispielsweise Abschreibungen für unternehmerisch genutzte Anlagen und Maschinen. Welche außergewöhnlichen Positionen zu diesen Erträgen und Kosten zählen, ist allerdings nicht exakt definiert. Im direkten Vergleich von Unternehmen fehlt es dem bereinigten EBITDA daher an Aussagekraft.

In Bezug auf den Gesamterfolg eines Unternehmens wurde das EBITDA in den vergangenen Jahren eher kritisch betrachtet, weil es eben nur begrenzt aussagefähig ist. Die Kritik ist begründet und das ist einzelnen großen Konzernen geschuldet. Diese versuchten, mit EBITDA-Kennziffern ihre finanzielle Lage zu verschleiern, weil Verluste davon nicht erfasst werden. Unter dem EBITDA-Deckmantel wird aber auch versucht, Firmenergebnisse optimaler darzustellen als sie sind. Ungeachtet dieser Einzelfälle ist die Kennziffer bei objektiver Erarbeitung recht aufschlussreich.

Wie Sie das EBITDA Ihres Unternehmens berechnen

Für die Berechnung benötigen Sie den Jahresüberschuss, der in Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder Gewinn-/Verlustrechnung zu finden ist. Eine Addition der Aufwendungen findet seitens Steuern und Zinsen statt. Subtrahieren müssen Sie Erträge bezüglich Steuern und Zinsen. Abschreibungen werden einerseits addiert, Zuschreibungen andererseits abgezogen. Im Ergebnis erhalten Sie das reine EBITDA. Zur Berechnung vom bereinigten EBITDA addieren Sie außergewöhnliche Aufwendungen und ziehen außerordentliche Erträge ab.

Wenn Sie wissen möchten, wie wirtschaftlich Ihr Unternehmen in der Praxis arbeitet, berechnen Sie im Idealfall die EBITDA-Marge gemäß nachfolgender Erklärung. Diese Marge vermittelt Ihnen ein sehr realistisches Bild von den betrieblichen Geschäftsabläufen. Sie ist wesentlich aussagefähiger als die klassische Methode, bei der man das Verhältnis zwischen Überschuss und Umsatz ermittelt. Mithilfe dieser kleinen Rechnung stellen Sie die Relation von der Kennziffer zum gesamten Umsatz dar, indem Sie die Kennzahl durch den Umsatz teilen und mit 100 multiplizieren, erhalten Sie die EBITDA-Marge.

Bei der Berechnung wird der komplette Umsatz eines Jahres verwendet, je höher die Kennziffer im Verhältnis zum Umsatz liegt, desto größer ist die EBITDA-Marge. Eine hohe Marge bedeutet auch, dass vergleichsweise geringe Kosten zu berücksichtigen sind. Sie erkennen an der Marge Ihrer Firma, ob Sie betriebliche Kosten wirksam senken können. Dazu ein praktisches Beispiel:

  • Sie erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro.
  • Das EBITDA beträgt nach Abzug aller direkt damit verbundener Kosten 225.000 Euro.
  • Die Kennziffer durch den Umsatz geteilt und mit 100 multipliziert, ergibt eine EBITDA-Marge von 15 Prozent.

Anleitung zur Berechnung der reinen Kennziffer

Zur vereinfachten Darstellung geht man davon aus, dass im Unternehmen des nachfolgenden Beispiels keine Erträge seitens Zinsen und Steuern anfallen. Der Jahresüberschuss beträgt eine Million Euro. Zu dieser Million Euro müssen die Positionen 250.000 Euro für Steueraufwand und 200.000 Euro für aufgewendete Kreditzinsen sowie 800.000 Euro für Abschreibungen addiert werden. Die reine Kennziffer lautet somit 2.250.000 Euro. Hat das Unternehmen außerordentliche Erträge von 100.000 Euro zu verzeichnen, werden diese vom EBITDA subtrahiert, um die bereinigte Kennzahl 2.150.000 Euro zu erhalten. Den Erfolg Ihres Unternehmens bewerten Sie idealerweise mit der Kennziffer EBITDA, welche sich auch für den Vergleich mit Mitbewerbern eignet.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Die Verwendung der richtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist entscheidend, um den Erfolg eines Unternehmens bewerten zu können und die für ein nachhaltiges Wachstum erforderlichen Erkenntnisse zu gewinnen. Zu erkennen, was funktioniert und was nicht, ist die Grundvoraussetzung, um den Fortschritt eines Unternehmens in die richtige Richtung zu lenken zu.

Durch die Festlegung klarer operativer Kennzahlen und die objektive Bewertung haben Unternehmer die Möglichkeit, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu fällen, um langfristig auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Nutzen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen

GrößenklassenKennzahlen sind in jedem Unternehmen die Grundlage für die unternehmerische Entscheidungsfindung. Ausgewählt aus dem geeigneten Datenraum ermöglichen sie das frühzeitige Erkennen von Risiken und helfen Chancen zu nutzen. Kennzahlen helfen der Unternehmensführung, zu verstehen, wie sich das Unternehmen in Bezug auf ihre strategischen Ziele entwickelt.

Wenn man sie richtig festlegt und verwendet, zeigen sie, ob die Leistung mit den Prognosen übereinstimmt. Darüber hinaus können Kennzahlen dazu dienen, von vornherein die richtigen Entscheidungen zu treffen oder aus mehreren Alternativen die wahrscheinlich profitabelste Option auszuwählen. Um verwertbare und aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, müssen die den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zugrunde liegenden Daten

  • verfügbar und messbar sein
  • für die Zielsetzung relevant sein
  • sofort verwertbar sein
  • zeitnah verfügbar sein

Arten und Gliederung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen

Die Kennzahlen unterteilt man je nach Datenraum aus dem sie stammen in Rentabilitätskennzahlen, Liquiditätskennzahlen und Erfolgskennzahlen. Hinzu kommen Kennzahlen zur Vermögensstruktur des Unternehmens (Bilanzkennzahlen), zur Umschlagshäufigkeit des Kapitals oder der Lagerbestände sowie Schuldenkennzahlen.

Rentabilitätskennzahlen

KennzahlenJedes Unternehmen muss Gewinne erwirtschaften, um auf Dauer bestehen zu können. Mehrere Kennzahlen liefern der Geschäftsleitung wichtige Informationen zur Rentabilität ihres Unternehmens. Hierzu zählen unter anderem die Gesamtkapitalrentabilität und Eigenkapitalrendite sowie die Umsatzrendite und der Return on Investment (ROI).

Gesamt- und Fremdkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrentabilität (englisch Return on Assets) ist ein Maß für die Effizienz des gesamten Kapitaleinsatzes innerhalb einer Abrechnungsperiode. Die Gesamtkapitalrendite ist gleich dem Reingewinn des Unternehmens zuzüglich der Fremdkapitalzinsen dividiert durch das Gesamtkapital. Die Eigenkapitalrendite ist das Verhältnis von Gewinn zu Eigenkapital und zeigt, ob und wie das Eigenkapital innerhalb einer Periode verzinst wurde.

Umsatzrendite

Bei der Umsatzrendite oder Umsatzrentabilität (englisch Return on Sales, ROS) wird unterschieden zwischen der Netto-Umsatzrendite und der Brutto-Umsatzrendite. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis des Gewinns vor Steuern (Brutto) oder des Gewinns nach Steuern im Verhältnis zum Umsatz an. Die Umsatzrendite wird häufig zur Bewertung der Betriebsleistung eines Unternehmens verwendet. Sie wird auch als „Betriebsgewinnmarge“ oder „Betriebsmarge“ bezeichnet.

Die Umsatzrendite kann sowohl als Instrument zur Analyse der Leistung eines einzelnen Unternehmens im Vergleich zu seiner Leistung in der Vergangenheit als auch zum Vergleich der Leistung ähnlicher Unternehmen verwendet werden. Das Verhältnis variiert stark je nach Branche, ist jedoch für den Vergleich verschiedener Unternehmen der selben Branche nützlich.

Wie bei vielen Kennzahlen ist es am besten, die Umsatzrendite eines Unternehmens im Zeitverlauf zu vergleichen, und Trends mit anderen Unternehmen der Branche zu vergleichen. Eine steigende Umsatzrendite zeigt an, dass das Unternehmen effizienter wird, während eine sinkende Quote auf drohende finanzielle Probleme hinweisen könnte. In einigen Fällen können Unternehmen eine niedrige Umsatzrendite jedoch durch erhöhte Umsätze ausgleichen.

Der Return on Investment

Der Return on Investment (ROI) ist eine häufig genutzte betriebswirtschaftliche Kennzahl, mit der die Rendite einer unternehmerischen Tätigkeit anhand des Gewinns im Verhältnis zum eingesetzten Kapital bestimmt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fremdkapitalzinsen dem Gewinn hinzugerechnet werden müssen, das sich der ROI auf das Gesamtkapital des Unternehmen bezieht.

Liquiditätskennzahlen

Liquiditätskennzahlen analysieren die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit zurückzuzahlen. Diese Kennzahlen zeigen die Liquidität eines Unternehmens und die Fähigkeit, Vermögenswerte in Bargeld umzuwandeln, um Verbindlichkeiten und andere kurzfristige Verpflichtungen zu erfüllen.

Liquidität ist nicht nur ein Maß dafür, wie viel Geld ein Unternehmen hat. Es ist auch ein Maß dafür, wie einfach es für das Unternehmen sein wird, ausreichend Bargeld zu beschaffen oder Vermögenswerte in Bargeld umzuwandeln.

Vermögenswerte wie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder der Lagerbestand können viele Unternehmen relativ einfach in Bargeld umwandeln. Alle diese Vermögenswerte werden daher in die Liquiditätsberechnung eines Unternehmens einbezogen. Zu den wichtigsten Liquiditätskennzahlen gehören der Liquiditätsgrad (Cash Ratio), die Anlagendeckung und das Working Capital.

Erfolgskennzahlen

Erfolgskennzahlen dienen der Unternehmensführung zur Ermittlung des Unternehmenserfolgs. Sie können sich sowohl am Wert des Unternehmens wie auch am Gewinn orientieren. Wichtige Erfolgskennzahlen sind der Gewinn vor Steuern, der Umsatz, der Rohertrag, das Gesamtbetriebsergebnis und der Jahresüberschuss. Der Deckungsbeitrag und der CashFlow zählen ebenfalls zu den Erfolgskennzahlen.

Der Deckungsbeitrag (englisch contribution margin) ist ein wichtiger Teil der Kosten- und Leistungsrechnung. Er ist die Differenz zwischen Umsatz und den variablen Kosten eines Produktes. Die Differenz ist der Betrag, der zur Deckung der einem Produkt zuzurechnenden Fixkosten zur Verfügung steht.

Der CashFlow ist die Differenz zwischen dem zu Beginn einer Periode verfügbaren Geldbetrag und dem Betrag am Ende dieser Periode. Er ist positiv, wenn der Schlusssaldo höher als der Eröffnungssaldo ist. Der CashFlow steigt, wenn ein Unternehmen zum Beispiel mehr Waren oder Dienstleistungen verkauft, einen Vermögenswert verkauft wird oder die Kosten senkt. Er sinkt, wenn die Umsätze zurückgehen oder Kunden ihre Rechnungen langsamer bezahlen.

Die Höhe des CashFlow ist nicht unbedingt ein guter Indikator für die Leistung eines Unternehmens. Ein hoher CashFlow bedeutet nicht notwendigerweise einen hohen Gewinn. Und hohe Gewinne führen nicht automatisch zu einem hohen oder positiven CashFlow.

Bilanzkennzahlen

Bilanzkennzahlen sind die gebräuchlichsten und am weitesten verbreiteten Instrumente zur Analyse der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Die mit den Bilanzkennzahlen ausgedrückten Verhältnisse sind leicht zu verstehen und einfach zu berechnen. Sie können zum Vergleich verschiedener Unternehmen verwendet werden.

Da es sich um einen mathematischen Vergleich handelt, der auf Verhältnissen basiert, können große und kleine Unternehmen diese Kennzahlen verwenden, um ihre Finanzinformationen zu vergleichen. Diese Finanzkennzahlen berücksichtigen nicht die Größe eines Unternehmens. Gebräuchliche Bilanzkennzahlen sind die Eigenkapitalquote, die Fremdkapitalquote, die Anlagendeckung und Verschuldungsgrad.

Der Verschuldungsgrad (englisch debt to equity ratio oder leverage ratio) ist das Verhältnis zwischen dem in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital und dem Fremdkapital. Darüber hinaus dient der Verschuldungsgrad der Quantifizierung der finanziellen Hebelwirkung, die angibt, in welchem Umfang die Tätigkeiten eines Unternehmens aus dem Eigenkapital gegenüber den Mitteln der Gläubiger finanziert werden. Der Verschuldungsgrad wird hauptsächlich zur Analyse der Kapitalstruktur und damit zur langfristigen Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens verwendet.

Investition

Der Deckungsbeitrag und seine Berechnung

Der Deckungsbeitrag ist ein Begriff aus der Kosten- und Leistungsrechnung und somit Teil der Betriebswirtschaftslehre. Er bezeichnet den Unterschied zwischen dem erzielten Umsatz und den variablen Kosten. Die Differenz zwischen Umsatz und variablen Kosten wird anschließend zur Deckung der Fixkosten verwendet.

Den Deckungsbeitrag berechnen wir für die Gesamtmenge eines Produktes oder pro Produktionseinheit. Ziel der Berechnung sind die Ermittlung des Produkterfolges und die Angebotskalkulation. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch auch möglich. Zur Berechnung des Deckungsbeitrags können wir gegebenenfalls einen Datenraum einrichten, um die zur Berechnung notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Umsatz, variable Kosten und Fixkosten

Umsatz, variable Kosten und Fixkosten werden zur Berechnung benötigt

Die wichtigsten Variablen zur Berechnung des Deckungsbeitrags sind der Umsatz (Erlös), die variablen Kosten und die Fixkosten. Der Umsatz ergibt sich aus der Verkaufssumme des Produktes. Er stellt die Gesamteinnahmen einer Unternehmung dar und ist nicht zu verwechseln mit dem Cashflow, der alle Einnahmen und Ausgaben zusammenfasst.

Die variablen Kosten sind jene Kosten, die spezifisch für die Produktion des Produktes anfallen, also zum Beispiel die Materialkosten für das Holz bei der Produktion eines Stuhles. Die Fixkosten sind jene Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge des Produktes anfallen. So kostet die Miete für die Produktionshalle etwa stets das Gleiche, unabhängig davon, wie viele Stühle darin produziert werden (bis zum Erreichen der Kapazitätsgrenze).

In Deutschland wird überwiegend die Vollkostenrechnung verwendet. Hier unterscheiden wir zwischen variablen Kosten, die direkt einem Kostenträger zugerechnet werden können, und Allgemeinkosten. Die Allgemeinkosten entstehen für die Gesamtheit der produzierten Einheiten und werden über einen Umlageschlüssel auf die Produkte verteilt.

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung

Je nach Anwendung berechnen wir den Deckungsbeitrag für alle Einheiten eines Produktes oder für jede einzelne Einheit. Wenn wir den gesamten Deckungsbeitrag berechnen, nutzen wir folgende Formel:

rDB := E(x) – Kv = db*verkaufte Menge

Hierbei bezeichnet DB den Deckungsbeitrag, E(x) ist der Erlös für eine Periode und Kv sind die variablen Kosten für eine Periode. Möchten wir den Deckungsbeitrag für ein Produkt berechnen, vereinfacht sich die Formel:

db = p – Kv

wobei p für den Preis des Produktes steht. In der Anwendung stellen wir uns Tischler Heinz vor, der Stühle produziert: Im Monat Juli verkauft Heinz 100 Stühle zu jeweils 100 Euro. Er hat Materialkosten (variable Kosten) von 30 Euro pro Stuhl. Zusätzlich muss er seine Produktionshalle für 3000 Euro mieten und seinen Mitarbeiter Horst mit 1500 Euro bezahlen sowie sich selbst mit 3000 Euro bezahlen (Fixkosten). Für den Deckungsbeitrag ergibt sich:

100 (Erlös) – 30 (variable Kosten) = 70*100 (verkaufte Menge) = 7000

Es gibt unterschiedliche Arten der Berechnung

Zur Deckung der Fixkosten stehen also 7000 Euro zur Verfügung. Da Heinz jedoch Fixkosten in der Höhe von 7500 Euro hat, ergibt sich ein Verlust von 500 Euro; die Rentabilität ist nicht gegeben.

Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

In der Mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung versuchen wir, die Fixkosten für die verschiedene Unternehmensbereiche weiter aufzufächern. Ziel ist eine genauere Analyse möglicher defizitärer Produktionsabläufe. Im Falle von Heinz´ Tischlerei könnten wir also die Unternehmensfixkosten (3000 Euro Miete) von den Bereichsfixkosten (1500 Euro für Horsts Bereich und 3000 Euro für Heinz´ Bereich) trennen.

Angenommen, sowohl Horst als auch Heinz produzieren 50 Stühle im Monat Juli, so können wir die Unternehmensfixkosten jeweils zur Hälfte Heinz und Horst zuschreiben. So ergibt sich:

DB Heinz = 100 – 30 = 70*50 = 3500

Dies führt zu folgendem Ergebnis: 3500 – 3000 (Bereichsfixkosten) – 1500 (Unternehmensfixkosten/2) = -1000 Euro

DB Horst = 100 – 30 = 70*50 = 3500

Die führt zu folgendem Ergebnis: 3500 – 1500 (Bereichsfixkosten) – 1500 (Unternehmensfixkosten/2) = 500 Euro

Durch die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung können wir also erkennen, dass Horsts Unternehmensbereich Rentabilität aufweist, während Heinz´ Bereich defizitär ist.

In der Praxis müssen wir jedoch beachten, dass wir bestimmte Kosten nicht eindeutig zurechnen können. Wir können uns vorstellen, dass Heinz zum Beispiel Werbung für seine Stühle macht. Gleichzeitig verkauft er aber auch Tische. Die Werbung wird zwar hauptsächlich den Stuhlverkauf ankurbeln, jedoch auch einen positiven Effekt auf den Tischverkauf haben, da die Bekanntheit von Heinz´ Tischlerei steigt. Hier wissen wir also nicht genau, wie wir die Kosten der Werbung den Stühlen und den Tischen zuordnen sollen.

Relativer Deckungsbeitrag

Deckungsbeitrag

Der relative Deckungsbeitrag lässt sich berechnen

Bei der Berechnung des relativen Deckungsbeitrags beziehen wir den Faktorverbrauch für die Erzeugung des Deckungsbeitrags mit ein. Ein möglicher Faktorverbrauch ist die Zeit, die für die Produktion von Stühlen und Tischen benötigt wird. Wenn wir davon ausgehen, dass Stühle vier Stunden und Tische sechs Stunden in der Herstellung brauchen, jedoch den Gleichen Deckungsbeitrag pro Stück (70 Euro) haben, ergibt sich Folgendes:

Relativer Deckungsbeitrag Stühle: 70/4 = 17,5
Relativer Deckungsbeitrag Tische: 70/6 = 11,667

Wir können den relativen Deckungsbeitrag als Opportunitätskosten für die Herstellung eines Produktes verstehen. Wenn Heinz einen Stuhl weniger produziert, verliert er 17,5 Euro pro Stunde. Produziert er einen Tisch weniger, so verliert er lediglich 11,667 Euro pro Stunde. Er sollte sich also überlegen, die Produktion von Tischen auf die Produktion von Stühlen zu verlagern.

Anwendungsbereiche für die Deckungsbeitragsrechnung

Wie eingangs erwähnt dient die Deckungsbeitragsrechnung hauptsächlich der Ermittlung der Rentabilität eines Produkts oder einer Produktlinie. Sie kann weiterhin zur Kalkulation eines kostendeckenden Preises verwendet werden. Hieraus ergeben sich einige konkrete Fragestellungen, die wir mit seiner Berechnung beantworten können.

Zum einen können wir erkennen, auf welche Produkte und Produktarten sich unser Betrieb konzentrieren sollte und welche Produkte vielleicht aus dem Programm genommen werden sollten. Wir können über ihn die absolute Preisuntergrenze eines Produktes erkennen und so überprüfen, ob für das Produkt zu diesem Preis eine ausreichende Nachfrage besteht, sodass die Produktion rentabel ist.

Wenn bestimmte Bereiche unrentabel arbeiten, kann es eventuell Sinn machen, diese einem Lieferanten zu übertragen. Auch dies erkennen wir aus unserer Berechnung. Ist ein Bereich hingegen besonders rentabel, können wir uns hier um zusätzliche Aufträge bemühen. Der Deckungsbeitrag sagt uns auch, ab welcher Absatzzahl die Gewinnschwelle eines Produktes erreicht wird. Entsprechend können wir den Absatz planen und die passenden Vertriebsinstrumente einbinden.

Der Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt

Wir können in der Rechnung auch den sogenannten Leverage-Effekt erkennen. Dieser bezeichnet eine kleine Änderung in der Produktion, die eine große Änderung in der Profitabilität unseres Produktes nach sich zieht. So könnte Heinz zum Beispiel versuchen, den Absatz seiner Stühle zu verdoppeln und einen dritten und vierten günstigen Mitarbeiter einzustellen (für jeweils 1500 Euro im Monat). Gleichzeitig verdoppelt sich der Mietpreis für die nun doppelt so große Produktionshalle.

Wie wir gesehen haben hätte Heinz nun drei rentable Unternehmensbereiche (die seiner Mitarbeiter) und einen unrentablen (seinen eigenen). Die Erhöhung seines Produktionsniveaus hätte also einen positiven Leverage-Effekt auf seinen Gewinn. Dies ist der Fall, weil für Heinz´ Fixkosten im Verhältnis zu seinen variablen Kosten bei steigendem Absatz sinken.

Fazit

Den Deckungsbeitrag können wir sehr gut nutzen, um Entscheidungen über unser Produktsortiment zu fällen. Wir können die Daten hierzu beispielsweise in einem Datenraum zur Verfügung stellen und unser Controller errechnet jene Produkte, die einen positiven Deckungsbeitrag zu unseren Fixkosten beitragen. Außerdem kann er analysieren, ob diese in der Gesamtheit gewinnbringend sind.

Der Deckungsbeitrag sollte allerdings nicht die einzige Entscheidungsvariable für Produktentscheidungen sein. Andere Effekte können ebenfalls den Gewinn und den Cashflow unserer Unternehmung beeinflussen. Wenn Heinz beispielsweise Stühle gewinnbringend verkauft und Tische defizitär sind, kann es immer noch sinnvoll für ihn sein, die Tische im Sortiment zu behalten. Zum einen könnte die Nachfrage nach Stühlen zu gering sein, um seine fixen Produktionskapazitäten auszufüllen (die Mitarbeiter hätten nicht genug zu tun). Ebenfalls ist vorstellbar, dass die Tische den Verkauf der gewinnbringenden Stühle ankurbeln, da Heinz´ Kunden Tische meistens zusammen mit Stühlen kaufen.