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Was sind Passiva?

Eine Bilanz setzt sich aus den Aktiva auf der linken und den Passiva auf der rechten Seite zusammen. Während die Aktiva die Kapitalquellen und Vermögenswerte eines Unternehmens darstellen, bilden die Passiva das verfügbare Kapital ab, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerte dient. Zwischen den beiden Seiten der Bilanz muss immer ein Gleichgewicht herrschen.

Passiva – Das Kapital eines Unternehmens

Die Passiva werden auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen und repräsentieren das Kapital eines Unternehmens. Sie informieren über die Mittelherkunft für die finanzierten Aktiva auf der linken Seite der Bilanz. Der Wert aller Aktiva muss immer dem Wert aller Passiva entsprechen. Dieser Wert wird als Bilanzsumme bezeichnet.

In den meisten Unternehmen besteht Passivierungspflicht. Das Unternehmen muss seine Posten an Eigenkapital und Fremdkapital in den Passiva der Bilanz buchen. Ein Passivierungswahlrecht oder sogar ein Passivierungsverbot besteht nur in einigen Ausnahmefällen.

Unterschied zu Aktiva

Während die Passiva darüber informieren, woher die Mittel stammen, gewähren die Aktiva Auskunft darüber, für welche Zwecke die Mittel verwendet werden. Häufig werden die Aktiva auch als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. Aus den Aktiva leiten sich die aktiven Bestandskonten und aus den Passiva die passiven Bestandskonten in der Finanzbuchhaltung ab. Abhängig davon, ob es sich um aktive oder passive Bestandskonten handelt, kommt es darauf an, auf welcher Seite der Anfangsbestand auf diesen Konten gebucht wird. Weiterhin leitet sich davon ab, wie Zugänge und Abgänge gebucht werden.

Die Unterteilung der Passiva

Die Unterteilung der Passiva ist in §266 III HGB geregelt. Grundsätzlich bestehen die Passiva aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der grundlegende Aufbau erfolgt in der Reihenfolge

– Eigenkapital

Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Passive Rechnungsabgrenzungsposten

– Passiv latente Steuern.

Die einzelnen Posten der Passiva sind zumeist noch weiter aufgegliedert.

Eigenkapital und Fremdkapital sind zwei unterschiedliche Finanzierungsquellen, die Unternehmen nutzen können. Das Eigenkapital kann in verschiedene Aspekte wie Kapitalrücklage, Gewinnrücklage und gezeichnetes Kapital untergliedert werden.

Das Fremdkapital ist ebenfalls untergliedert. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die sich aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Krediten ergeben.

Rechnungsabgrenzungsposten komplettieren die Passiva in der Bilanz. Sie entstehen nur in besonderen Fällen.

Das Eigenkapital eines Unternehmens

Das Eigenkapital steht ganz oben auf der Passivseite der Bilanz. Es handelt sich um das Kapital, das von den Eigentümern des Unternehmens eingezahlt wurde. Neben den finanziellen Mitteln der Eigentümer kann es sich auch um Sachwerte handeln, die den Eigentümern gehören.

Die Unternehmer oder Gesellschafter stellen mit ihren Einlagen dem Unternehmen das Eigenkapital zur Verfügung. Wenn keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen bestehen, können die Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, erfolgen. Die Überlassung des Eigenkapitals erfolgt langfristig. Sie ist unbefristet oder mit einer festen Laufzeit möglich. Die Unternehmer oder Gesellschafter haben keinen Anspruch auf eine Rückzahlung oder Verzinsung und gehen kein Liquiditätsrisiko durch Gewinne oder Verluste ein. Das von den Unternehmern oder Gesellschaftern eingebrachte Eigenkapital wird auch als gezeichnetes Kapital bezeichnet. Der Kapitalgeber haftet mit seinem Eigenkapital und hat ein Mitwirkungsrecht.

Zum Eigenkapital gehören auch Gewinnrücklagen des Vorjahres und Kapitalrücklagen. Ein Gewinnvortrag und ein Jahresüberschuss können das Eigenkapital erhöhen, während das Eigenkapital durch einen Verlustvortrag und einen Jahresfehlbetrag gemindert werden kann.

Rückstellungen bei den Passiva

Rückstellungen werden bei den Passiva nach dem Eigenkapital aufgeführt und werden für Zahlungen gebildet, die ein Unternehmen in der Zukunft leisten muss. Dabei weiß das Unternehmen noch nicht genau, in welcher Höhe die Zahlungen zu leisten sind. Solche Zahlungen können beispielsweise für drohende Prozesse oder Verfahren erforderlich sein.

Das Fremdkapital – die Verbindlichkeiten

Das Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Da es nur befristet verfügbar ist, muss es zurückgezahlt werden. Fremdkapital und Eigenkapital dienen der Beschaffung von Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Fremdkapital ist gewinn- und verlustunabhängig. Es erfordert Sicherheiten und steht bei der Verwertung im Rang vor dem Eigenkapital. Der Fremdkapitalgeber muss nicht haften und hat als Gläubiger keine Mitwirkungsrechte.

Verbindlichkeiten bestehen aus

– Kreditoren von Lieferanten aus Lieferungen und Leistungen

– Debitoren als Forderungen an Kunden und erhaltene Anzahlungen

– Krediten, Darlehen, Anleihen und Wechseln

– Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Rückstellungen können das Fremdkapital erhöhen.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus den Passiva können verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet werden:

Eine wichtige Kennzahl für das Eigenkapital ist die Eigenkapitalquote. Sie wird ermittelt, indem die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Sie gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad drückt das Verhältnis vom Fremdkapital zum Eigenkapital aus. Er informiert über den finanziellen Spielraum eines Unternehmens und ist im Rahmen einer Fundamentalanalyse bei Aktien für Anleger von Bedeutung. Anhand des Verschuldungsgrades erfahren potentielle Käufer des Unternehmens sowie Investoren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. Der Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Bonität des Unternehmens. Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, wird das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert.

Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine wichtige Erfolgskennzahl, die ermittelt wird, indem der Gewinn und die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen addiert und durch die Bilanzsumme dividiert werden. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert werden. Je höher die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens in Prozent ist, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als dieGesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.

Was sind Aktiva?

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und stellen die Kapitalquellen sowie die Vermögenswerte des Unternehmens dar. Den Aktiva stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz gegenüber. Sie stellen das Kapital dar, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerten erforderlich ist. Die Summe der Aktiva muss immer der Summe der Passiva entsprechen.

Aktiva als Vermögen eines Unternehmens

Die Aktiva stehen auf der linken Seite der Bilanz und informieren darüber, in welche Werte ein Unternehmen sein Kapital investiert hat. Es handelt sich um das Vermögen eines Unternehmens. Im Gegensatz dazu stehen die Passiva auf der rechten Seite der Bilanz für das Kapital, das zur Finanzierung der Vermögenswerte dient. Die Summe der Aktiva ist die Summe der Vermögenswerte und muss mit der Summe der Passiva übereinstimmen. Sie bildet die Bilanzsumme.

Zu diesen Vermögenswerten gehören Anlagen, Maschinen, angelegte Wertpapiere und Bankkonten. Bei den Vermögenswerten wird zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. In den meisten Unternehmen besteht eine Aktivierungspflicht. Das Unternehmen ist verpflichtet, seine Vermögenswerte in der Bilanz darzustellen. Es muss dabei Bilanzklarheit, Bilanzwahrheit und Bilanzkontinuität wahren. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen ein Aktivierungswahlrecht oder sogar ein Aktivierungsverbot besteht.

Unterschied zu Passiva

Die Aktiva geben Auskunft darüber, wofür das Kapital eines Unternehmens verwendet wurde. Im Gegensatz dazu informieren die Passiva über die Herkunft der Mittel zur Finanzierung der Vermögenswerte. Die Aktiva werden häufig als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. In die Aktiva fließen die aktiven Bestandskonten, in die Passiva die passiven Bestandskonten aus der Finanzbuchhaltung ein. Es ist abhängig davon, ob es sich um ein Aktivkonto oder um ein Passivkonto handelt, auf welcher Seite dieses Kontos der Anfangsbestand gebucht wird. Die Tatsache, ob es sich um ein Aktiv- oder um ein Passivkonto handelt, ist auch relevant dafür, auf welcher Seite Zugänge und Abgänge erfasst werden.

 

Die Unterteilung der Aktiva

Im § 266 II HGB ist geregelt, wie die Aktiva in einer Bilanz aufgebaut sind. Die Aktiva setzen sich aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen zusammen, die wiederum unterteilt sind. Bei der Erfassung der verschiedenen Aktivposten in der Bilanz muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. Auf der Aktivseite müssen die Vermögenswerte in nachfolgender Reihenfolge erfasst werden:

– Anlagevermögen, unterteilt in

Immaterielle Vermögensgegenstände

Sachanlagen

Finanzanlagen

– Umlaufvermögen, unterteilt in

Vorräte

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

Wertpapiere

Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks

– Rechnungsabgrenzungsposten

– Aktiv latente Steuern

– Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung.

Finanzierung der Vermögenswerte

Die Aktiva in der Bilanz werden durch die Passiva finanziert, bei denen zwischen Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden wird. Eigenkapital wird von den Unternehmern oder Gesellschaftern in Form von finanziellen Mitteln oder Betriebsmitteln wie Maschinen und Anlagen in das Unternehmen eingebracht.Beim Fremdkapital handelt es sich um die Mittel, die einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt werden. Das Unternehmen muss das Fremdkapital wieder zurückzahlen, da es nur zeitlich begrenzt zur Verfügung steht.

 

Das Anlagevermögen als Bestandteil der Aktiva

Das Anlagevermögen ist ein Hauptposten der Aktiva und soll dem Unternehmen langfristig dienen. Die im Anlagevermögen enthaltenen Vermögensgegenstände sind zum Aufbau, zur Ausstattung und zur Funktionsfähigkeit eines Unternehmens erforderlich. Sie sind im Unternehmen dauerhaft gebunden. Das Anlagevermögen umfasst

– Immaterielle Wirtschaftsgüter, zu denen Patente, Lizenzen, Verlagsrechte, Marken und Rezepturen gehören

– Sachanlagen, beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Betriebs- und Geschäftsausstattungen, Maschinen

– Finanzanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Anteile an anderen Unternehmen

Die Vermögensgegenstände, die zum Anlagevermögen gehören, müssen auch dann in die Aktiva aufgenommen werden, wenn sie vom Unternehmen selbst erstellt wurden, beispielsweise durch das Unternehmen erstellte Software.

Der Wert vieler Gegenstände des Anlagevermögens wird durch Abschreibungen reduziert.

 

Umlaufvermögen als weiterer Hauptposten der Aktiva

Ein weiterer Hauptposten der Aktiva ist das Umlaufvermögen. Es befindet sich im Umlauf und dient dem Unternehmen nur kurzfristig. Beim Umlaufvermögen handelt es sich um Vermögensgegenstände, die zum Verbrauch, zur Verarbeitung oder zur Rückzahlung notwendig sind.

 

Nebenposten der Aktiva

Die Nebenposten der Aktiva umfassen

– aktive Rechnungsabgrenzungsposten, die gebildet werden, wenn ein Unternehmen bereits eine Zahlung geleistet hat, für die es erst in der nächsten Abrechnungsperiode den Gegenwert erhält

– aktiv latente Steuern, die entstehen, wenn der Steuerbestand in der Handelsbilanz niedriger als in der Steuerbilanz ist

– aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung als Schulden, bei denen das Vermögen einem einzigen Zweck dient und dem Zugriff durch Gläubiger entzogen wurde.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus der Bilanz können wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen gebildet werden:

Der Verschuldungsgrad spielt bei der Bewertung der Bonität eines Unternehmens eine wichtige Rolle und wird ermittelt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert und mit 100 multipliziert wird. Er stellt das Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigenkapital dar.

Die Gesamtkapitalrentabilität wird in Prozent angegeben und informiert darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen gewirtschaftet hat. Der Gewinn des Unternehmens wird mit den geleisteten Zinsen auf Fremdkapital addiert. Diese Summe wird durch die Bilanzsumme dividiert und mit 100 multipliziert. Die Gesamtkapitalrentabilität sollte höher als die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen sein. Umso höher die Gesamtkapitalrentabilität, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Insolvenzverordnung?

Die Insolvenzverordnung (InsO) ist im deutschen Privatrecht verankert. In dieser Ordnung ist das Insolvenzverfahren für Unternehmen, Verbraucher und Kleingewerbetreibende festgeschrieben. Darin regelt sich das Verhältnis zwischen den Gläubigern und dem Schuldner bei bestehender oder drohender Zahlungsunfähigkeit. Die Insolvenzverordnung trat am 1. Januar 1999 in Kraft.

Ziel der Insolvenzverordnung

Ziel der Insolvenzverordnung ist es, die Ansprüche der Gläubiger verbindlich abzusichern. Ihre Forderungen gegenüber dem Schuldner sind ausgewogen zu erfüllen. Dies lässt sich durch die Verwertung des Schuldners und durch eine geregelte Abführung der Einnahmen gewährleisten. Gleichzeitig ermöglicht man es dem Schuldner, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Außerdem gibt das Insolvenzverfahren dem redlichen Schuldner die Gelegenheit, sich von seinen Verbindlichkeiten zu befreien. Dadurch erleichtert man diesem einen Neuanfang.

Geschichte der Insolvenzverordnung

Mit der Insolvenzverordnung novellierte sich die Konkursordnung aus dem Jahr 1877. Diese Konkursordnung gehörte neben neben der Zivilprozessordnung, dem Gerichtsverfassungsgesetz und der Strafprozessordnung zum Reichsjustizgesetz. Eine weitere gesetzliche Grundlage, die Vergleichsordnung aus dem Jahr 1935, zielte darauf ab, die Möglichkeiten der Sanierung zu erweitern. In den neuen Bundesländern trat im Jahr 1991 die Gesamtvollstreckungsordnung in Kraft. Die neue Insolvenzverordnung hat demzufolge die Konkurs- und die Vergleichsordnung aus der alten Bundesrepublik und die Gesamtvollstreckungsordnung aus den neuen Ländern zusammengeführt. Seitdem existiert ein bundesweit einheitliches Insolvenzrecht.

Kritik am Nachforderungsrecht

Insolvenzverordnung

Nicht bei allem kam die Regelung bestens an

Während der 1980er Jahre erhob man vielfach Einwendungen gegen das uneingeschränkte Nachforderungsrecht. Dies zog die Kritik nach sich, dass man dem Schuldner keine Perspektive bieten und dass dieser nur bis zur Pfändungsfreigrenze seine Bedürfnisse befriedigen konnte. Schuldner erlebten ihre Situation oft als ausweglos. Die Restschuldbefreiung sollte ausschließlich für den redlichen Schuldner zur Anwendung kommen. Dies stand in der in der Insolvenzverordnung festgeschrieben.

Neues Modell zur Stundung der Verfahrenskosten

2001 änderte sich die Insolvenzverordnung. Die Vorschriften über das Insolvenzverfahren für Verbraucher wurde zum Teil neu geregelt. Seitdem existiert ein neues Modell zur Stundung der Verfahrenskosten. Dadurch ermöglicht man mittellosen privaten Schuldnern die Restschuldbefreiung im Rahmen des Insolvenzverfahrens. Die Wohlverhaltensperiode verkürze sich auf nun sechs Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Später hat der Gesetzgeber weitere Änderungen der Insolvenzverordnung beschlossen. Dabei strich man für den Fall, dass die Vermögenslosigkeit des Schuldners bekannt ist, das förmliche gerichtliche Insolvenzverfahren.

Insolvenz für Verbraucher

Mittlerweile können nicht nur Betriebe, sondern auch private Haushalte in Deutschland Insolvenz anmelden. Die Privatinsolvenz ist eine sinnvolle Option, wenn ein privater Haushalt so hoch überschuldet ist, dass keine Chance besteht, die Forderungen der Gläubiger vollumfänglich zu erfüllen. Die Insolvenz eines Unternehmens bedeutet in der Regel das Ende des Betriebs. Dagegen liegt in einer Privatinsolvenz die Chance, einen Schlussstrich zu ziehen und neu zu beginnen. Lesen Sie hier alles zur Privatinsolvenz.

Bestimmungen zum Insolvenzverfahren für Private

Das Privatinsolvenzverfahren ist „natürlichen Personen“ vorbehalten, also Privatpersonen, die nicht selbstständig tätig sind. Selbständige, die weniger als 20 Gläubiger haben und nicht mit Forderungen von ihren aktuellen oder ehemaligen Angestellten konfrontiert sind, haben ebenfalls die Option des Verbraucherinsolvenzverfahrens.

Aufbau der Insolvenzverordnung

Insolvenzverordnung

Die IO ist in zwölf Teile gegliedert

Die Insolvenzverordnung der Bundesrepublik Deutschland besteht aus insgesamt zwölf Teilen. Darin findet die Regelung aller wesentlichen Aspekte des Insolvenzverfahrens für Unternehmen und für private Haushalte statt. Der Aufbau entspricht nicht der Chronologie eines Insolvenzverfahrens. Der erste Teil der Insolvenzverordnung  beinhaltet allgemeine Vorschriften.

 

Elemente des Insolvenzantrags

Die Verbraucherinsolvenz ist an besondere Voraussetzungen geknüpft. Neben dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens sind weitere Dokumente einzureichen. Hierzu gehört die Bescheinigung von einem Anwalt oder einer zertifizierten Schuldnerberatungsstelle. Dieses Dokument muss bescheinigen, dass der Schuldner versucht hat, mit den Gläubigern eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Auch eine Aufstellung des vorhandenen Vermögens sowie des Einkommens des Schuldners und die Forderungen der Gläubiger muss vorliegen. In einem Schuldenbereinigungsplan ist außerdem darzulegen, wie die Schulden abbezahlt werden sollen.

Option der Restschuldbefreiung

Die Restschuldbefreiung ist unter bestimmten Bedingungen bereits nach drei Jahren möglich. Voraussetzung dafür ist, dass der Schuldner seine Schulden in einem Umfang von 35 Prozent abbezahlen kann. Dies soll die Motivation auf Seiten des Schuldners erhöhen, mit aller Kraft zur Entschuldung beizutragen, anstatt nur abzuwarten.

Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

Die Voraussetzungen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wurden erleichtert. Es ist nun ausreichend, wenn die Insolvenzmasse die zu erwartenden Gerichts- und Verwaltungskosten abdeckt. Früher wurde das Verfahren aufgrund einer zu geringen Insolvenzmasse oft abgewiesen. Wenn die Masse zur Erfüllung der Forderungen aus den einzelnen Schuldverhältnissen nicht ausreicht, werden die Forderungen jeweils entsprechend ihres Anteils erfüllt.

Haftungspflicht bei juristischen Personen

Insolvenzverordnung

Worauf muss eine juristische Person achten?

Bei juristischen Personen besteht eine Haftungspflicht für die Verfahrenskosten auf Seiten der Geschäftsführung. Eine Ausnahme hiervon ist gegeben, wenn die Geschäftsführer nachweisen können, dass die Antragspflicht für eine Insolvenzeröffnung unverschuldet verletzt wurde. Mit dem Einverständnis der Gläubiger kann der Schuldner im Insolvenzverfahren seine Verfügungsberechtigung behalten und somit die Unternehmensleitung fortführen. In diesem Fall ist die Geschäftsführung der Aufsicht durch einen vom Insolvenzgericht bestellten Sachverwalter unterstellt.

Instrument der Insolvenzanfechtung

Die Insolvenzverordnung ermöglicht es unter bestimmten Voraussetzungen, als Maßstab im Insolvenzverfahren nicht das Schuldnervermögen zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags zu wählen, sondern zu einem Zeitpunkt vor der Antragstellung. Dazu ist eine Insolvenzanfechtung erforderlich. Ist eine solche Anfechtung erfolgreich, dann können Rechtshandlungen gegenüber dem Gläubiger rückgängig gemacht werden. Auf diese Weise gelingt es, die Ansprüche der verschiedenen Gläubiger ausgewogen zu erfüllen. Es wird verhindert, dass jeder Gläubiger bei der Zwangsvollstreckung mit allen Mitteln zuerst sein Geld zurückbekommen will und die übrigen Gläubiger leer ausgehen. Wenn ein Schuldner vor Beginn des Insolvenzverfahrens Teile seines Vermögens auf die Seite geschafft hat, ist es möglich, die Forderungen auf einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren vor Antragstellung auszudehnen. Voraussetzung dafür ist, dass die Handlung des Schuldners zur Verlagerung des Vermögens vorsätzlich herbeigeführt ist.

Was versteht man unter einem Staatsbankrott?

Ein Staatsbankrott beziehungsweise eine Staatsinsolvenz liegt vor, wenn eine Regierung fällige Zahlungen nicht oder nur noch teilweise begleichen kann. Ebenso ist es möglich, dass die Regierung eigenständig den Staatsbankrott erklärt, da sie Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Blickwinkel Völkerrecht: So wird der Staatsbankrott im Völkerrecht behandelt

Zahlungsverpflichtungen bleiben bestehen, selbst, wenn der Schuldner keine Vermögenswerte und flüssigen Mittel haben sollte. Analog zum deutschen Zivilrecht gilt dieser Grundsatz auch im Völkerrecht. Ist es dem Staat nicht möglich, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, bleibt nur der Weg in die Insolvenz – also in den Staatsbankrott. Im Gegensatz zum nationalen Insolvenzrecht ist die Staatsinsolvenz nicht gesetzlich vorgesehen. Der Staat ist ein übergeordnetes Gebilde – er muss sich aus den nationalen Insolvenzregeln ausklammern. § 12 Absatz 1 Nummer 1 InsO regelt diese Situation für Deutschland:

Ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Bundes ist nicht möglich. Staaten können keinem Insolvenzverfahren unterworfen werden. Aus ökonomischer Sicht lässt sich das Verbot eines Insolvenzverfahrens für Staaten mit dem Verweis auf die potenziell unbegrenzten Staatseinnahmequellen erklären. Dem Staat kommt im Wirtschaftsleben eine Sonderrolle zu. Dennoch können Staaten faktisch zahlungsunfähig sein und müssen drastische Einschnitte im wirtschaftlichen sowie sozialen Alltag vornehmen. Schuldenerlasse sind möglich, jedoch rechtfertigt die Angabe des Staates, zahlungsunfähig zu sein, nicht die Verneinung der Gültigkeit von Zahlungsverpflichtungen. Vor allem private Gläubiger eines Staates sollen geschützt werden, sie sollen erst bei Ausschöpfung aller anderen Mittel auf ihre Interessen verzichten müssen. Diese Sichtweise wurde unter anderem vom Bundesverfassungsgericht im Jahr 2007 bestätigt. Lesen Sie hier alles zum Thema Schuldenerlass.

Der Fall Argentinien: Staatsbankrott gegen privatrechtliche Zahlungsansprüche

Staatsbankrott

Ein Staatsbankrott kann jede Landesgröße treffen

Das Bundesverfassungsgericht stellte 2007 fest, dass keine allgemeinen Regeln im Völkerrecht existieren, die dem Staat das Recht geben, die Erfüllung von privatrechtlichen Zahlungsansprüchen gegenüber Staatsanlagegläubigern zu verweigern. Argentinien hatte zuvor einseitig das Zahlungsmoratorium ausgerufen. Laut Aussage des Bundesverfassungsgericht geben die allgemeinen Grundsätze des Staatsnotstands keine ausreichende Begründung für die Rechtfertigung von Vertragsverletzungen zwischen dem Staat und privaten Akteuren.

Die internationale Doktrin berücksichtigt, dass Staaten bei wirtschaftlichen und finanziellen Problemen den Staatsnotstand ausrufen können. Allerdings ist die Angabe, die Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen sei für den Staat wirtschaftlich unmöglich, nicht ausreichend, um einen grundsätzlichen Verzicht auf Zahlungsverpflichtungen zu begründen. Es ist erforderlich, nachzuweisen, dass die Zahlungen für den Staat selbstdestruktiv wären. Führt die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen dazu, dass der Staat seine grundlegenden staatlichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann, dann liegen besondere Umstände vor, die die Einstellung von Zahlungen an private Gläubiger völkerrechtlich rechtfertigen. Zu den grundlegenden staatlichen Aufgaben gehören insbesondere die Rechtspflege, die Gesundheitsvorsorge und die Schulbildung.

Blickwinkel Sozialwissenschaften: Drei Arten von Staatsbankrotten

Sozialwissenschaftler unterscheiden drei Arten von Staatsbankrotten:

  1. Rechtliche Staatsinsolvenz: Der Staat bestreitet die Rechtmäßigkeit der Kreditaufnahme und weist Schuldverpflichtungen zurück. Ein Beispiel ist Weigerung des Staates im Jahr 1841, Bankschuldverschreibungen im Wert von mehr als 7 Millionen Dollar anzuerkennen. Der Staat erklärte die Bankschuldverschreibungen für verfassungswidrig und wies diesbezügliche Verpflichtungen zurück.
  2. Politisch motivierter Staatsbankrott: Die Regierung gibt an, nicht an die Zahlungsverpflichtung der Vorgängerregierung gebunden zu sein. Ein Beispiel ist Weigerung der russischen Regierung im Jahr 1917, die Schulden des Zarenreichs zu übernehmen.
  3. Finanzielle Staatsinsolvenz: Der Staat stellt klar, seine Zahlungen einzustellen. Oftmals besteht ein zeitlicher Zusammenhang zum Einbruch der Landeswährung, wie es im Jahr 1995 in Mexiko der Fall war.
    In der heutigen Zeit ist vor allem der finanzielle Staatsbankrott von Belangen.

Blickwinkel Internationales Währungsrecht

Staatsbankrott

Wie kommt es zum Bankrott?

Das internationale Währungsrecht kennt kein Insolvenzverfahren für Staaten. Normen, die dabei helfen, zu definieren, wann ein Schuldnerstaat zahlungsunfähig ist, existieren bislang nicht. Die Klassifizierung ist erschwert. Im zwischenstaatlichen Bereich hat sich jedoch eine gewisse Praxis etabliert, Zahlungskrisen zu bewältigen. Umschuldungsverhandlungen sollen dem drohenden Verzug der Erfüllung von Auslandsverpflichtungen entgegenwirken. Der IWF ermittelt die Finanzierungslücke, sodass sich der Grad der Umschuldung bestimmen lässt.

Welche Ursachen hat ein Staatsbankrott?

Möglich sind zwei Ursachen:

  • Ökonomisch bedingter Staatsbankrott
  • Politisch bedingter Staatsbankrott

Ein ökonomisch bedingter Staatsbankrott bedeutet, dass der Staat überschuldet ist. Ein hoher Schuldenstand und ein Missverhältnis zwischen Staatsausgaben und Staatseinnahmen führen zu dieser Situation. Die Gläubiger zweifeln an, dass der Staat seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Eine derartige Situation entsteht beispielsweise durch eine schlecht laufende Wirtschaft und zu hohe Ausgaben. Allgemeine Finanzkrisen begünstigen Staatsinsolvenzen. Der politisch bedingte Staatsbankrott wird durch die Weigerung der Regierung zur Erfüllung der Verbindlichkeiten ausgelöst. Regimewechsel oder Revolutionen führen dazu, dass sich Regierungen nicht an die Zahlungsverpflichtungen ihrer Vorgänger gebunden fühlen. Obgleich dem Staat Geld zur Verfügung steht, bedient er seine Schulden nicht mehr.

In welchen Indikatoren wird der Staatsbankrott gemessen?

Ökonomische Marktindikatoren sind Kennzahlen, die aus dem Staatshaushalt abgeleitet werden. Die Gruppe der Marktindikatoren umfasst aktuelle Kurs- und Zinsentwicklungen.

Staatsbankrott

Welche Aussagen stehen hinter den Schulden?

Drei wichtige Kennzahlen:

  • Die Schuldenquote ist definiert als der Quotient von Staatsverschuldung und Staatseinnahmen.
  • Der Schuldendienstdeckungsgrad ist der Quotient aus der Summe von Zinsen und Tilgung und den Staatseinnahmen.
  • Die Schuldendeckung ist der Quotient aus der Staatsverschuldung und den Exporterlösen.
    Schuldentragfähigkeit liegt vor, wenn die Schuldenquote weniger als 200 bis 250 Prozent beträgt.
  • Der Schuldendeckungsgrad muss weniger als 20 bis 25 Prozent betragen.
Was ist Insolvenz

Was ist Insolvenz?

Bei Gibt es für ein bereits produziertes Produkt keine Käufer, kann der Unternehmer irgendwann seine Lieferanten nicht mehr bezahlen: Er ist insolvent. Das heißt, er ist zahlungsunfähig. In der Umgangssprache kann dieser Zustand auch Bankrott, Konkurs oder Pleite genannt werden. Im Fall eines Unternehmensverkaufs werden sämtliche Daten im Datenraum zur Verfügung gestellt, so dass der potentielle Käufer sehen kann, wie es um die Liquidität des Unternehmens bestellt ist. Lesen Sie hier mehr über die Liquidität.

Insolvenz: Der Schuldner kann seine Zahlungen an die Gläubiger nicht mehr leisten.

Gründe für die Insolvenz

Für eine Insolvenz gibt es drei mögliche Ursachen:

Diese drei Gründe für eine Insolvenz nennt das deutsche Insolvenzrecht. Dabei gilt: Zahlungsunfähig ist ein Unternehmen ebenso wie eine Privatperson, wenn Schulden nicht mehr beglichen werden können. Lässt sich bereits absehen, dass künftige Schulden nicht mehr beglichen werden können, handelt es sich um eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Ist das vorhandene Vermögen geringer als die noch zu begleichenden Forderungen, ist eine Überschuldung eingetreten. In jedem Fall muss der Geschäftsführer eines Unternehmens handeln, falls nicht, macht er sich der Insolvenzverschleppung schuldig. Bestellt man beispielsweise weiter Waren, obwohl die drohende Zahlungsunfähigkeit bekannt ist, sieht das eine Haft bis zu drei Jahren vor.

Die Insolvenzverordnung und das Insolvenzverfahren

In der Insolvenzverordnung ist hierzulande geregelt, wie das Insolvenzverfahren abläuft. Wird von einem Unternehmen Insolvenz angemeldet, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Das Unternehmen wird entweder verkauft oder liquidiert und damit geordnet abgewickelt oder die Zahlungsfähigkeit lässt sich wieder herstellen. In jedem Fall sollen die Gläubiger ihr Geld bekommen. Während man im ersten Fall das materielle und immaterielle Vermögen des Unternehmens dafür verwertet, geht es im zweiten Fall um dessen Weiterführung und eine Sanierung.

Diese Schritte schreibt die Verordnung bei Insolvenz vor:

  • Eröffnung des Insolvenzverfahrens
  • Insolvenzanfechtung
  • Verwaltung und Verwertung der Insolvenzmasse
  • Befriedigung der Gläubiger
  • Insolvenzplan
  • Restschuldbefreiung
  • Verbraucherinsolvenzverfahren

So läuft die Insolvenz ab

Der Insolvenzantrag ist schriftlich beim Insolvenzgericht einzureichen und die Zahlungsunfähigkeit nachzuweisen. Der Antrag kann sowohl vom Schuldner selbst, aber auch vom Gläubiger eingereicht werden. Der Insolvenzrichter prüft, ob einer der Insolvenzgründe zutrifft. Ist das der Fall, muss das Gericht den Schuldner anhören. Der Richter weist den Antrag ab, wenn keiner der Insolvenzgründe vorliegt, aber auch, wenn es kein materielles oder immaterielles Vermögen gibt, das für die Begleichung der Schulden herangezogen werden kann.

Die Abwendung der Insolvenz

Ist das Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet, kann die Insolvenz noch abgewendet und das Verfahren auf Antrag zurückgenommen werden. Droht der Verlust der Liquidität, kann das sogenannte Schutzschirmverhalten helfen, welches auf die Dauer von drei Monaten angelegt ist. Dieses wurde 2012 mit dem ESUG eingeführt, einem Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen. In diesem Fall werden die Geschäfte von der bisherigen Geschäftsführung weitergeführt, allerdings mit einem Sachverwalter zur Sanierungsüberwachung an der Seite.

Abwendung Insolvenz

Man ist nicht mehr liquide – was nun?

Die Abwendung der Insolvenz gelingt jedoch nur, wenn die Liquidität als solche noch gegeben ist. Damit das Amtsgericht diesem stattgibt, muss das von einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer bescheinigt werden.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Bei der endgültigen Eröffnung des Verfahrens wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser informiert sämtliche Gläubiger schriftlich und fordert sie auf, sämtliche Forderungen aufzulisten. Anschließend wird ein Termin angesetzt, bei dem die Gläubiger über das Vermögen und die Insolvenzmasse, aber auch über die anderen Gläubiger, informiert werden. Die Versammlung der Gläubiger entscheidet dann, wie das Verfahren durchgeführt und ob das Unternehmen schließlich abgewickelt wird oder ob eine Weiterführung Sinn macht. Kennt der Insolvenzverwalter sämtliche Forderungen und hat sie geprüft, erstellt er daraus eine Tabelle, in der auch der Rang des Anspruches festgehalten ist. Die Forderung bestätigt man juristisch in einem gerichtlichen Termin.

Die Insolvenzmasse

Ist das Insolvenzverfahren eröffnet, entscheidet allein der Insolvenzverwalter über die im Unternehmen vorhandenen Werte. Mit der Insolvenzmasse sollen die offenen Forderungen der Gläubiger beglichen werden, einschließlich der im Insolvenzverfahren entstehenden Gerichts- und Verfahrenskosten. Die Insolvenzmasse selbst umfasst den pfändbaren Teil sämtlicher materiellen und immateriellen Güter des zahlungsunfähigen Unternehmens. Dazu gehören firmeneigene Grundstücke und Immobilien, aber auch Maschinen und anderes Mobiliar, bereits produzierte Waren, aber auch vorhandenes Bargeld, Forderungen des Unternehmens und Ansprüche aus Versicherungen. Hat das Unternehmen eine eigene Marke, gehört diese ebenfalls zur Insolvenzmasse.

Die Gläubiger

In welcher Reihenfolge man die Forderungen der Gläubiger bedient, hängt von ihrem Rang ab. Es gibt drei unterschiedliche Ränge:

Insolvenz - Gläubiger

Wie stellt man die Gläubiger wieder zufrieden?

  • Absonderungsberechtigte, das sind Gläubiger mit Sicherheitsrechten. Diese werden im Insolvenzverfahren bevorzugt bedient, weil sie an Immobilien oder anderen Gegenständen über Sicherungs– und Verwertungsrechte verfügen. Zu diesen gehört beispielsweise die Bank, die im Grundbuch eingetragen ist, aber auch die Forderungen der Sozialversicherungsträger oder die Gerichts- und Verfahrenskosten des Insolvenzverfahrens.
  • Nicht nachrangige Gläubiger
  • Nachrangige Gläubiger: Erst wenn die Forderungen der Gläubiger mit Sicherheitsrechten und der nicht nachrangigen Gläubiger bedient sind, kommen die nachrangigen Gläubiger an die Reihe. Da oft von der Insolvenzmasse nichts mehr übrig ist, gehen diese in der Regel leer aus.

Arbeitnehmer

Wird den Arbeitnehmern vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der Lohn vorenthalten, gehören sie ebenfalls zu den Gläubigern der Insolvenz und der Insolvenzverwalter erfasst die noch ausstehenden Lohnforderungen in der Insolvenztabelle. Grundsätzlich bleibt zwar während der Insolvenz das Arbeitsverhältnis bestehen, kann jedoch vom Insolvenzverwalter mit einer Frist von drei Monaten durch eine Kündigung beendet sein.

Gut zu wissen: Ist das Unternehmen mit drei Monatsgehältern im Rückstand, können die Arbeitnehmer die Leistung verweigern.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht – aber auch, wenn das Verfahren mangels Masse abgelehnt wurde, bekommen die Arbeitnehmer von der Agentur für Arbeit ein einmaliges Insolvenzgeld, allerdings nur dann, wenn sie es selbstständig beantragen.

Von der Zahlungsunfähigkeit zur Insolvenz

Inslolvent nach zahlungsunfähig

Man ist insolvent. Wie geht es weiter?

Kann ein Unternehmen nur noch geringfügigen Verpflichtungen nachkommen, aber insgesamt weniger als 90 Prozent seiner Schulden bedienen, ist mit der Insolvenz eine Zahlungsunfähigkeit eingetreten: Die Liquidität des Unternehmens ist nicht mehr gegeben. Kann die Geschäftsführung diesen Status absehen, spricht man von drohender Zahlungsunfähigkeit. In der Regel lässt sich die Liquidität in einem Zeitraum von einem Jahr überprüfen. Das Gericht möchte eine genaue Aufstellung und einen Nachweis darüber sehen, um über die Einleitung des Verfahrens zur Insolvenz zu entscheiden. Die Versammlung der Gläubiger entscheidet schlussendlich, ob das Unternehmen zu sanieren ist oder man es abwickeln kann. Stimmt die Versammlung einem Sanierungsplan zu, hat das Unternehmen sämtliche Verbindlichkeiten nach Plan zurückzuzahlen. Falls das erfolgreich gelingt, ist die Insolvenz abgewendet.

Was ist Überschuldung bei einem Unternehmen?

Was ist eine Überschuldung?

Wenn sich die geschäftliche Lage verändern, Umsatz- und Gewinnziele nicht erreicht werden, geraten viele Unternehmen in eine schwierige finanzielle Situation, die meist eine Überschuldung zur Folge hat. Welche Konsequenzen sich aus einer Überschuldung ergeben, wie eine Überschuldung am besten zu ermitteln ist und was sie für die meisten Unternehmen bedeutet, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Wie tritt eine Überschuldung ein?

Es kann zu einer Überschuldung kommen, falls das Vermögen eines Unternehmens nicht mehr ausreichend ist, um alle Verbindlichkeiten zeitgemäß erfüllen zu können. Konkret bedeutet das, wenn die Schulden einer Firma höher sind als das Vermögen, dann ist die Firma überschuldet. Überschuldung kann man auf diese Formel bringen:

Überschuldung = Schulden > Vermögen

In Rahmen der Insolvenzverordnung wird Überschuldung als der Zustand definiert, wenn das Vermögen des Schuldners nicht mehr ausreichend ist, um bestehende Schulden zurückzuzahlen. Nach Insolvenzverordnung ist jedoch eine Überschuldung nicht gegeben, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Unternehmen weitergeführt werden kann. Im Fall, dass die sogenannte „Fortbestehungsprognose“ für das Unternehmen ungünstig ist, muss in der Regel eine Insolvenz angemeldet bzw. beantragt werden.

Wie lässt es sich feststellen, ob eine Überschuldung vorliegt?

Der Prozess der Überprüfung, ob tatsächlich eine Überschuldung vorliegt, wird in zwei Stufen vollzogen. Im ersten Schritt wird die sogenannte „Fortbestehensprognose“ erstellt, in deren Rahmen zunächst beurteilt werden muss, ob das Unternehmen weiterhin existieren kann. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine günstige Fortbestehensprognose sind der Wille der Unternehmensleitung, das Unternehmen weiter fortführen zu wollen, ein realistisches und konkretisiertes Unternehmenskonzept für das laufende sowie für das darauffolgende Geschäftsjahr und eine günstige Liquiditätsprognose. Die Liquiditätsprognose muss eindeutig und zweifelsfrei darlegen können, dass das Unternehmen auch in naher Zukunft im Prognosezeitraum zahlungsfähig bleiben wird. Falls die Fortführungsprognose eine positive Bewertung bekommt, kann auf die Stellung eines Insolvenzantrages verzichtet werden.

Was sind die Konsequenzen einer negativen Fortbestehungsprognose?

Falls die Fortbestehungsprognose negativ ausfällt, muss das Unternehmen  eine „Überschuldungsbilanz“ entwerfen. Die Überschuldungsbilanz ist auch unter der Bezeichnung „Überschuldungsstatus“ bekannt und wird verwendet, um festzustellen, ob und in welcher Höhe das Unternehmen verschuldet ist. Dies ist dann der Fall, wenn die Schulden höher sind als der Wert des Unternehmens. Im Rahmen der Wertermittlung des Unternehmens für die Überschuldungsbilanz werden nicht die Buchwerte aus der Steuer- und Handelsbilanz einbezogen, sondern es werden primär die Fortführungswerte berücksichtigt. Im Fall, dass eine Überschuldung festgestellt wird, ist der Unternehmer gesetzlich dazu verpflichtet, eine Insolvenz anzumelden. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Insolvenz in der Regel nur noch durch eine Finanzspritze in Form einer Investition verhindert werden. Falls kein neues Kapital zur Verfügung steht, muss  das Unternehmen einen Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht einreichen.

Änderungen in der Insolvenzverordnung

Im Rahmen der Aktualisierung durch das Finanzmarktstabilisierungsgesetz wurden einige Neuigkeiten eingeführt, die sich in erster Linie auf die Erstellung einer Überschuldungsbilanz bei einer Fortbestehensprognose beziehen. Bis zu den Änderungen, die das neue Finanzmarktstabilisierungsgesetz im Jahr 2008 mit sich brachte, musste auch bei einer günstigen Fortbestehensprognose eine Überschuldungsbilanz für das insolvente Unternehmen erstellt werden. Als Basis für diese Überschuldungsbilanz fungierten jedoch die Fortführungswerte und nicht die Zerschlagungswerte der Vermögensgegenstände des Unternehmens. Seit der Einführung des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes liegt der Fokus an der umfassenden Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Es kann sich daraus ergeben, dass ein Unternehmen auch mit negativem Kapital in der Überschuldungsbilanz nicht als überschuldet gilt, falls das Unternehmen im Prognosezeitraum seine Zahlungsfähigkeit erhalten und fortführen kann.

Was passiert, wenn eine Überschuldung zu spät festgestellt wird

Falls eine Überschuldung zu spät oder gar nicht festgestellt wird, kann dies für den  Unternehmer strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ist ein Unternehmen verschuldet und die Geschäftsführer stellen keinen Insolvenzantrag, machen sie sich der Insolvenzverschleppung schuldig. In diesem Fall gelten  die Richtlinien des Strafgesetzbuches zum Bankrott. Des Weiteren machen sich die Geschäftsführer strafbar, wenn sie den Anteilseignern einer Kapitalgesellschaft nicht in absehbarer Zeit die Verluste anzeigen.

Welche Unternehmen können von einer Überschuldung betroffen sein?

Als Insolvenzgrund kann die Überschuldung ausschließlich auf Unternehmen, die über ein beschränkt haftendes Eigenkapital verfügen, angewandt werden. Hierzu gehören Unternehmensformen, wie: –              Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, UG) –              beschränkt haftende Auslandsgesellschaften (Ltd, SE) Ebenso können Genossenschaften, Stiftungen und Vereine überschuldet sein. Personalgesellschaften, wie zum Beispiel eine GbR oder natürliche Personen, können hingegen keine Insolvenz wegen einer Überschuldung anmelden.

Was sind die Unterschiede zwischen einer Überschuldung, Zahlungsunfähigkeit und einer Insolvenz?

Fall ein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, gilt er als zahlungsunfähig. Diesen Zustand nennt man Insolvenz. Das Merkmal einer Insolvenz ist die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Ein Schuldner gilt als zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, seinen Zahlungspflichten bis zumindest 90 Prozent innerhalb einer Zeitperiode von drei Wochen nachzukommen. Konkret bedeutet das, wenn ein Schuldner für mindestens drei Wochen den Großteil seiner Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann, gilt er als zahlungsunfähig. Eine Zahlungsunfähigkeit ist die direkte Folge einer Überschuldung. Das bedeutet, dass die Zahlungsunfähigkeit und die Insolvenz nicht gleichzusetzen sind mit einer Überschuldung, sondern Folgen der Überschuldung sind.

Verschuldungsgrad

Verschuldungsgrad: Kennzahl, Aussagekraft und Interpretation

Der Verschuldungsgrad entspricht allgemein dem Verhältnis des Fremdkapitals zum Eigeenkapital. Er stellt eine Prozentzahl dar und lässt Rückschlüsse auf den finanziellen Spielraum eines Unternehmens zu. Als wichtige Kennzahl jeder Fundamentalanalyse ist der Verschuldungsgrad für Anleger von hoher Bedeutung. Er spielt weiterhin für Kreditgeber, bei Unternehmensübernahmen oder auch für Staaten eine Rolle.

Der Verschuldungsgrad und seine Berechnung im Überblick

Als wesentliche Unternehmens-Kennzahl lässt der Verschuldungsgrad Aussagen über die Stabilität eines Unternehmens zu. Für Aktionäre spielt er bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle. Bei Firmenkäufen oder -übernahmen hat er eine hohe Bedeutung im Datenraum, der auch alle Unterlagen beinhaltet, die das zu verkaufende Unternehmen dem Kaufinteressenten bereitstellt.

Die Kennzahl entspricht finanzmathematisch dem Quotienten aus Fremdkapital und Eigenkapital, multipliziert mit 100. Es ergibt sich eine Prozentzahl: Fremdkapital / Eigenkapital x 100 = Verschuldungsgrad in Prozent.

Die Herausforderung bei der Berechnung der Kennzahl besteht in erster Linie in einer exakten Definition der Positionen. Insbesondere sind Fremd- und Eigenkapital genau voneinander abzugrenzen. Letzteres umfasst grundsätzlich finanzielle Mittel aus dem Unternehmensvermögen abzüglich sämtlicher Schulden und Verbindlichkeiten. Ein großer Teil des Eigenkapitals besteht aus den Mitteln, die von Unternehmenseigentümern eingebracht werden oder Mitteln, die als Gewinn im Unternehmen bleiben. Zusammengefasst bezeichnet das Fremdkapital sämtliche Mittel, die durch Dritte ins Unternehmen gelangen. Das Fremdkapital umfasst damit insbesondere Schulden, Verbindlichkeiten und Beteiligungen.

VerschuldungsgradHat ein Unternehmen beispielsweise ein Eigenkapital von 400.000 Euro und nimmt zu Investitionszwecken ein Fremdkapital in Höhe von 900.000 Euro auf, so beträgt die Höhe des Verschuldungsgrads 225 Prozent.

Bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote in Deutschland im Bereich zwischen 20 und 25 Prozent handelt es sich um einen durchschnittlichen Verschuldungsgrad zwischen 300 und 400 Prozent.

Überprüfung des Verschuldungsgrades

Es existieren mehrere Ansätze, Unternehmen hinsichtlich ihres Verschuldungsgrads zu überprüfen. Banken gehen im Falle der Kreditvergabe von der Bilanz des Unternehmens aus. Bevor ein Unternehmen Fremdkapital erhält, ermitteln Kreditgeber durch Einsicht in die Bilanzen das Kreditausfallrisiko. Dieses stellt einen wesentlichen Bestandteil in der Bonitätsprüfung dar. Die Ermittlung des Verschuldungsgrads ist auch über eine Gewinn- und Verlustrechnung möglich. Die Kennzahl bildet die Grundlage zur Ermittlung der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Diese wiederum ist entscheidend für das Kreditrisiko.

Aussagekraft und Anwendungsbereiche der Kennzahl

Es existiert eine Reihe von Einsatzbereichen und Anwendungsmöglichkeiten für die Kennzahl des Verschuldungsgrads. Er lässt sich aus der Bilanz eines Unternehmens ermitteln, doch geht seine Aussagekraft darüber hinaus. Auch für Käufer, Aktionäre, Kreditgeber oder für Staaten stellt die Kennzahl einen wichtigen Anhaltspunkt dar.

Geht es um den Verkauf eines Unternehmens, sind Interessenten an der Bestimmung des Unternehmenswerts interessiert. Beim Kauf ist eine Due-Dilligence-Prüfung Gang und Gäbe, die auf zahlreiche Angaben aus dem Datenraum des zu verkaufenden Unternehmens angewiesen ist. Hierbei stellt der Verschuldungvsgrad einen wichtigen Anhaltspunkt für den Gesamtwert dar. Käufer und Investoren erfahren anhand der Kennzahl gleichermaßen, welchen Grad an Fremdfinanzierung das Unternehmen aufweist.

Richtet sich ein Unternehmen an Kreditgeber, um Fremdkapital auszunehmen, so ist die Kennzahl ebenso von Bedeutung. Für Banken stellt sie einen Anhaltspunkt für die Bonität dar. Die Berechnung des Ausfallrisikos von Unternehmen oder auch Privatpersonen bezieht den Verschuldungsgrad mit ein. Ein hoher Grad ist für Kreditgeber Anlass, ein hohes Kreditausfallrisiko anzunehmen. Ein solches ist in der Regel mit höheren Zinsen verbunden.

Für Aktionäre ist die Kennzahl eine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, wie gut ein Unternehmen die Verschuldung mit Eigenkapital abdeckt. Ein hoher Verschuldungsgrad kann unter Umständen auf eine höhere Insolvenzwahrscheinlichkeit hinweisen. Ist die Verschuldung mit wenig Eigenkapital gedeckt, werden außerdem Ausfälle in der Dividendenzahlung wahrscheinlicher.

Auch auf makroökonomischer Ebene ist die Kennzahl von Bedeutung. Volkswirtschaften, beispielsweise Staaten, sind typischerweise an gesetzliche Auflagen gebunden und dürfen einen gewissen Verschuldungsgrad nicht übersteigen. Für EU-Mitgliedsstaaten beziehungsweise den europäischen Wirtschaftsraum ist gemäß Stabilitäts und Wachstumspakt eine maximale öffentliche Staats-Verschuldungsquote von 60 Prozent des BIP vorgesehen. Das jährliche Haushaltsdefizit ist auf 3 Prozent des BIP zu begrenzen.

Bedeutung eines hohen Verschuldungsgrades

Es stellt sich die Frage, ob ein hoher Verschuldungsgrad per se als problematisch anzusehen ist. Zwar existieren Faustregeln, nach denen eine bestimmter Höhe der Kennzahl im Unternehmen nicht zu übersteigen ist. Doch fällt die Kennzahl in einigen Branchen deutlich höher aus, während die Unternehmen dennoch florieren und an der Börse gut performen.

Ein typisches Beispiel sind Versicherungen, die häufig einen extremen Grad der Verschuldung haben. Dieser geht in einigen Fällen in den vierstelligen Bereich. Das DAX-notierte Versicherungsunternehmen Allianz hatte im Jahr 2016 einen Verschuldungsgrad von über 1.150 Prozent. Solche Zahlen legen nahe, die Kennzahl stets kontextuell richtig einzuordnen.
Die hohe Verschuldung hängt mit hohen Fremdkapitalsummen zusammen. Es handelt sich demnach um Kapital, das ein Unternehmen nicht selbst erwirtschaftet hat, sondern das von Dritten stammt. Es gehört zur Geschäftspraxis in vielen Unternehmen, mit Fremdkapital zu arbeiten. Banken und Versicherungen arbeiten geschäftsmäßig mit dem Geld Dritter, sodass sich die hohe Verschuldungsquote nicht vermeiden lässt. In diesem Falle ist ein hoher Verschuldungsgrad im gewissen Rahmen nicht als problematisch zu betrachten.

Unternehmenskäufe und Verschuldungsgrad

Für Interessenten und Käufer stellt sich die Frage nach dem optimalen Verschuldungsgrad. Dieser ist von mehreren Faktoren abhängig, von denen die jeweilige Branche nur einer ist.

InvestementHäufig ist zu lesen, dass der Verschuldungsgrad nicht über 200 Prozent liegen soll, das Fremdkapital also nicht mehr als dem doppelten Eigenkapital entspricht. Die Verschuldungsquote liegt in diesem Falle beim Verhältnis 2:1. Die bedeutet, dass der Verschuldungsgrad dann optimal ist, wenn die Kapitalkosten gegenüber der Fremdfinanzierung geringer ausfallen.

Dies bedeutet für die Fremdkapitalquote, dass diese in der Bilanz nicht mehr als 67 Prozent der Gesamt-Bilanzsumme entspricht. Umgekehrt gilt die Verschuldung als angemessen, wenn eine Eigenkapitalquote von 33 Prozent gegeben ist.

Tendenziell ist festzustellen, dass mit einem höheren Verschuldungsgrad ein größeres Kreditausfallrisiko für Kreditgeber verbunden ist. Doch ist zu berücksichtigen, dass mit dem Verschuldungsgrad die Eigenkapitalrendite wachsen kann. Mit einem hohen Verschuldungsgrad ist ein geringes Eigenkapital verbunden. Damit sich dies lohnt und die Hebelwirkung (Leverage-Effekt) greift, muss der Zinssatz für das Fremdkapital geringer ausfallen als die Eigenkapitalrendite.
Unternehmen ist dennoch anzuraten, den Verschuldungsgrad möglichst gering zu halten. Ein höheres Maß an Verschuldung lässt die Zinslast beziehungsweise Tilgungslast ansteigen, was eine Reduktion der Gewinne zur Folge hat.

Der Verschuldungsgrad und Möglichkeiten seiner Reduktion

Während manche Aktiengesellschaften von einem höheren Verschuldungsgrad profitieren, legen viele kleinere Unternehmen Wert auf eine geringere Verschuldungsquote. Große, börsennotierte Unternehmen können durch Erhöhung des Fremdkapitals den Vorteil haben, dass sich die Investitionen besser kontrollieren lassen. Ist der Fremdkapitaleinsatz höher, sieht sich das Management des Unternehmens weiterhin dazu gezwungen, gegenüber Kreditgebern und Aktionären verantwortungsbewusst zu handeln.

Junge oder kleinere Unternehmen profitieren bei geringem Verschuldungsgrad von besseren Konditionen bei der Fremdkapitalaufnahme. Weiterhin sinkt das Risiko einer Insolvenz. Notwendige Investitionen können oft aus Eigenmitteln geleistet werden. Geht es jedoch um kostspielige Investitionen (etwa zur Erlangung eines Wettbewerbsvorteils), kann die Inkaufnahme eines höheren Verschuldungsgrads auch hier von Vorteil sein.

Konkrete Maßnahmen zur Reduktion des Verschuldungsgrads umfassen die schnelle Rückzahlung von Schulden sowie die Erhöhung des Eigenkapitals. Ersteres lässt sich umsetzen, indem Überschüsse so schnell wie möglich zur Tilgung der Kreditschuld beim Gläubiger eingesetzt werden.

Das Eigenkapital lässt sich etwa gezielt durch den Einsatz von Gewinnrücklagen realisieren. Erwirtschaftete Gewinne fließen dabei gezielt in die Erhöhung des Eigenkapitals.

Eine weitere Alternative findet sich im Factforing. Auch diese Maßnahme trägt zur Erhöhung des Eigenkapitals bei. Ein Unternehmen überträgt hierbei noch ausstehende, offene Rechnungen oder Forderungen an ein anderes Unternehmen. Dieses begleicht die fraglichen Rechnungen sofort und kümmert sich selbst um das Einholen der noch bestehenden Forderungen.