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Due Diligence für den Unternehmensankauf und Verkauf

Im Geschäftsleben kommt es immer wieder dazu, dass eine Firma oder eine Person, sich einen Betrieb, eine Firma oder ein ganzes Unternehmen kauft. Manche Verkäufer wollen neue Projekte in Angriff nehmen oder sich einfach zur Ruhe setzen und das Unternehmen gewinnbringend verkaufen.

Wo aber gehandelt wird, ist die Frage des Betrugs nicht weit, denn ein hoher Verkaufswert ist für den Verkäufer gut und für Käufer nachteilig. Fühlt der Käufer sich sogar hintergangen oder betrogen, weil er nach dem Kauf Fakten erfährt, von denen er bisher nichts wusste, landen Verkäufer und Käufer schnell vor Gericht.

In den USA und angelsächsischen Ländern gibt es hierzu den Begriff der Due Diligence, worunter Maßnahmen zu verstehen sind, damit sich beide Parteien beim Kauf ihrer Sorgfaltspflicht entsprechend verhalten und durch eine Offenlegung aller benötigten Unterlagen einen fairen Verkauf abwickeln. Due Diligence soll also einen geordneten Verkauf sicherstellen, damit sich beide Parteien hinterher ein Gerichtsverfahren ersparen.

Was ist Due Diligence?

Für viele Leute erschließt sich die Bedeutung des Begriffs ‚Due Diligence‘ nicht auf der ersten Blick und bedarf daher einer Erklärung. Ursprünglich stammt dieser Begriff aus dem amerikanischen Wirtschaftsrecht und entspricht in etwa dem deutschen Rechtsprinzip ‚ der erforderlichen Sorgfaltspflicht eines seriösen Geschäftsmannes‘. Darunter wird aber meinst ein genauer Check einer Firma verstanden, die zum Verkauf steht.

Diese Prüfung wird erst vorgenommen, wenn sich Verkäufer und Käufer über die wichtigsten Fragen des Verkaufs bereits einig geworden sind. Es geht also nicht um das Ausspionieren einer Firma, um etwa ihren Wert zu bestimmen, sondern es stehen mehr die wirtschaftlichen Fakten im Vordergrund wie das Firmeneigentum und eventuelle Verbindlichkeiten, damit der Käufer genau weiß, worauf er sich einlässt, wenn er den Vertrag unterschreibt.

Eine der ungeschriebenen Regeln der kaufmännischen Sorgfaltspflicht ist es, dass der Verkäufer alle Unterlagen und Informationen über seine Firma vorliegen hat und auch Kenntnis von allen Vorgängen hat, die er dann dem Käufer zugänglich macht. Der Sinn dieser Prüfung besteht eigentlich darin, dass keine der Parteien die andere übervorteilt, weil ihnen die entsprechenden Informationen vorenthalten wurden.

Der Käufer kann durch sie sicher sein, dass er das bekommt, was er kaufen wollte, während Verkäufer sicher sein kann, dass der Käufer ihn später nicht auf Schadensersatz verklagt, weil er sich betrogen fühlt. Eine Due Dilligence Prüfung wird vorwiegend beim Verkauf von Firmenanteilen und Immobilien oder vor einem Börsengang durchgeführt, um sicher zu stellen, dass die Übergabe risikofrei abläuft.

Das gilt auch für Mergers & Acquisitions, also Unternehmensfusionen oder einem Unternehmenskauf in jeglicher Form, wobei dieser Begriff auch gern für die Dienstleister in diesem Bereich benutzt wird. Zu diesem Vorgang gehört auch eine genaue Risikoanalyse des Kaufs. Beide Vertragsparteien einigen sich meistens auf einen bestimmten Zeitraum, in dem die Due-Diligence-Prüfung stattfindet. Zu den Vereinbarungen kann auch eine Entschädigungszahlung gehören, falls der Verkauf doch nicht zustande kommt. Die Prüfung der eigentlichen Unterlagen während einer Due Diligence wird meist von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Anwälten oder anderen Fachleuten mit entsprechenden Kenntnissen durchgeführt oder zumindest tatkräftig unterstützt.

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Unterschiedliche Formen von Mergers & Acquisitions

Mergers and Acquisitions

Bei einer Unternehmensfusion können Unternehmen als gleichwertige Partner eine neue Firma gründen.

Es gibt diverse Unterarten von M&A, die der Großzahl der unternehmerischen Möglichkeiten entsprechen. So kann bei einer Fusion der Käufer sich das als Target bezeichnete Zielunternehmen einverleiben und sich selbst dadurch vergrößern, während das gekaufte Unternehmen aufgelöst wird. Dabei muss der Käufer die Schulden genauso übernehmen wie das Vermögen. Bei einer Unternehmensfusion können sich beide Parteien dafür entscheiden, zusammen in einem neuen, größeren Unternehmen aufzugehen. Dadurch entsteht ein völlig neues Unternehmen.

Die Mergers and Acquistions Geschäfte werden aber oft als einfache Unternehmenskäufe abgewickelt und es sind fremdfinanzierte Übernahmen von Unternehmen. Der Unterschied zwischen Unternehmenskäufen und Fusionen besteht im wesentlichen durch den Austausch des Besitzers. Die fremdfinanzierten Übernahmen sind oftmals nur möglich, wenn ein hoher Anteil von fremden Kapital für den Kaufpreis gebraucht wird, das auf dem Finanzmarkt besorgt wird.

Es gibt in diesem Bereich auch die Corporate Restructuring, die meist aus Outsourching- oder Insourching-Maßnahmen besteht, was auch für Spin-offs oder Carve-outs gilt. Eine strategische Kooperation ähnelt einem Joint Venture Vertrag zwischen den Parteien, woraus wiederum oftmals Konsortien, Arbeitsgemeinschaften, Kartelle oder einfache Interessengemeinschaften entstehen.

Nach Common Law in der angelsächsischen Rechtsprechung gilt der Grundsatz, dass der Käufer Sorgfalt walten lassen soll, weshalb er sich dazu verpflichtet, als Risiken des Kaufs für sich abzuwägen und etwaige Mängel vorher zu erkennen und zu akzeptieren. Der Käufer hat also keinen Rechtsschutz, wenn er Kaufmängel übersieht. Deshalb wird bei allen wichtigen Käufen das Käuferrisiko durch die Due Diligence verringert oder sogar ausgeschlossen.

Die beiden Parteien einigen sich in fast allen Arten von M&A auf eine Due-Diligence-Prüfung, die das Risikos des Käufers mindert und den Verkäufer gleichzeitig vor etwaigen Rechtsansprüchen des Käufers schützen soll. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Verkäufer nichts verschweigt. Obgleich diese Due-Diligence-Prüfung noch nicht zur Verkehrssitte gehört, werden allerdings auch in Deutschland kaum noch Veräußerungen ohne eine Unternehmens-Prüfung unternommen, wobei sie oftmals auch der Kaufpreisfindung dienen soll.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Unternehmen zu verkaufen?

when to sell your business

Wann ist es an der Zeit, die eigene Firma zu verkaufen?

Der richtige Zeitpunkt für den Unternehmensverkauf ist, wenn das Unternehmen den höchsten Wert hat, jedenfalls aus Sicht des Unternehmenseigentümers. Allerdings finden aus diesem Grund selten Unternehmensverkäufe statt, sondern weil der Firmengründer in Rente gehen möchte und keinen Nachfolger hat. Oftmals sind auch Veränderungen am Markt dafür verantwortlich, dass sich ein Firmeninhaber für einen Verkauf entscheidet.

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Allerdings kann auch eine Interessensverlagerung zu einem Verkauf führen, wenn der Unternehmer für eine Neugründung Startkapital braucht. Es können auch ganz persönliche Gründe wie die Gesundheit sein, weshalb sich ein Unternehmensinhaber von seinem Geschäft zurückziehen möchte.

Jedoch gibt es bei der Entscheidung immer zu berücksichtigen, welchen Gegenwert der Verkäufer für seine Firma erhalten möchte. Einigen Unternehmern ist der Erhalt der Firma in ihrer Form wichtiger als ein maximaler Ertrag beim Verkauf. Darum ist der richtige Zeitpunkt auch schwer anzugeben, denn dafür müssten sich Käufer wie Verkäufer darüber einig sein, dass beide eine Win-Win-Situation erleben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Due-Diligence-Prüfung wichtig, da sie genau das gewährleisten soll.

Die Due Diligence für den Unternehmensverkauf vorbereiten

Ordner mit Unterlagen

Für die Due Diligence ist die Aufbereitung von vielen Akten notwendig.

Wenn ein Verkauf des Unternehmens geplant ist, sollte der Verkäufer sich die benötigten Unterlagen für die Due-Diligence-Prüfung schon einmal vorbereiten, damit der Käufer und seine Fachleute sich diese so schnell wie möglich vornehmen können. Ganz wichtig sind die Dokumente zur rechtlichen Situation wie zum Beispiel einer GmbH oder einer Ko-KG, denn nur so kann der Käufer erfahren, was genau er bei der Übernahme beachten muss.

Zudem sollte er alle seine Dokumente bezüglich der Steuer wie auch die Finanzunterlagen und die Dokumente, die die wirtschaftliche Lage darstellen. Dabei ist entscheidend, dass diese Unterlagen auch den Tatsachen entsprechen, da eine Manipulation der Unterlagen ein Fall für den Staatsanwalt werden kann.

Für den zukünftigen Käufer ist nicht nur der gesamte Habitus der Firma wichtig, sondern er sollte auch den Zugang zu den Unterlagen für die Entwicklung des Marktes bekommen sowie zu den Unternehmens-Strategien. Immerhin sind diese Unternehmensstrategien oftmals für den Erfolg eines Unternehmens in der Zukunft gedacht.

Der Verkäufer sollte allerdings dem Käufer auch einen Einblick über den aktuellen Stand der Versicherungen geben, die das Unternehmen abgeschlossen hat und die zur Verfügung stehen. Sehr wichtig sind auch die technologischen Entwicklungen, die dem Unternehmen Umsatz bescheren sollen.

Neben allen Sachwerten einer Firma gibt es auch das sogenannte Humankapital. Unternehmer verstehen unter dem Begriff Humankapital die Fähigkeiten ihrer Angestellten, sich auch unter Stress zu bewähren. Die Angestellten sind nicht nur wegen ihrer Arbeitsleistung ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens, sondern können durch ihre kreative Ideen eine enorme Wertsteigerung erzeugen. Diese innovativen Ideen sind meist vertraglich Eigentum des Unternehmens und machen einen bedeutenden Wert in der Gesamteinschätzung des Firmenwerts aus.

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Due Diligence für den Unternehmensankauf vorbereiten

Ein Käufer eines Unternehmens sollte die Due-Diligence-Prüfung dafür nutzen, sich alle Aspekte des Wunschunternehmens genau anzuschauen, bevor er dem Kauf zustimmt. Kommt es hinterher zum Streit, muss er nämlich beweisen, dass er die nötige Sorgfalt walten ließ und trotzdem hintergangen wurde. Zunächst sollte der Käufer den exakten Wert des gewünschten Unternehmens ermitteln lassen. Dabei sind alle Aktiva genauso wichtig wie Belastungen durch Kredite.

Zu den wichtigen Unternehmensdaten gehören selbstverständlich auch der Umsatz wie auch Gewinn und Marge. Zudem interessiert sich der Käufer für die aktuelle Position des Unternehmens im Markt und seinen Stand gegenüber den Wettbewerbern.

Bei größeren Firmen empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Bilanzen von einem Wirtschaftsprüfer durchschauen zu lassen. Auch sollte die Führungsetage genau unter die Lupe genommen und auf ihre Eignung überprüft werden, da hier die Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens fallen. Aus diesen diversen Fakten gibt sich schließlich zusammengenommen eine fundierte Risikoanalyse, die exakt beschreiben sollte, welchen Wert das Unternehmen hat und welche zukünftige Entwicklung ansteht.

Der Einsatz eines DMS für die Due Diligence

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Ein Document Management System hilft bei der Due-Diligence-Prüfung – und zwar allen Parteien.

Da bei einer Due-Diligence-Prüfung Unmengen von Datensätzen anfallen, können Dokumentenmanagementsysteme, kurz DMS genannt, die Arbeitsabläufe und die Durchsicht erleichtern. Ein Document Management System macht es möglich, dass eine große Anzahl von Mitarbeitern oder Fachleuten gleichzeitig Zugriff auf das gleiche Projekt haben, wobei die Sicherheit der sensiblen Firmendaten trotzdem gewährleistet bleibt. Denn kein Unternehmen, das verkauft werden soll, weiß es zu schätzen, wenn ihre Daten für unbefugte Personen zugänglich sind.

Durch DMS können auch Fachleute in den Due-Diligence-Prozess eingebunden werden, die an anderen Standorten als dem Unternehmenssitz beschäftigt sind, was durch ein funktionales Online-DMS gewährleistet wird. So wird es möglich, die digitalisierten Dokumente aufzurufen oder nach Wunsch einfach im Web einzusehen. Ein solcher externer Austausch von Daten kann diese Prüfung erleichtern und die Dauer der Prüfung zudem erheblich reduzieren.

Die einzelnen Mitarbeiter bekommen so eine gute Übersicht über die Informationen und die Strukturierung der zahlreichen Dokumente. Dabei spielt es keinerlei Rolle, wie groß die einzelnen Dateien oder die gesamte Datenmenge ist. Dafür ist das Cloud Computing verantwortlich, was sich durch das DMS gerade bei Firmenübernahmen oder Fusionen als sehr hilfreich erwiesen hat. Zudem kann das DMS die Kosten für eine Unternehmensprüfung stark reduzieren.

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