Was ist der Anlagedeckungsgrad?

Die Anlagedeckung ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die über das Ausmaß der finanziellen Stabilität eines Unternehmens Auskunft gibt. Anders formuliert, erkennt das Unternehmen mit dieser Kennzahl, welcher Anteil an den vorhandenen Anlagen über Eigenkapital bestritten wird und demzufolge nicht „auf Pump“, also durch Fremdkapital, finanziert werden muss.

Kennziffern für die Anlagedeckung

Zur Analyse der Anlagedeckung existieren mehrere Kennzahlen: der Anlagedeckungsgrad I und der Anlagedeckungsgrad II. Hinzu kommt die erweiterte Anlagedeckung (auch Anlagedeckungsgrad III genannt).

Anlagevermögen als Bezugsgröße

Bezugsgröße dabei ist jeweils das Anlagevermögen. Darunter wird das in einem Unternehmen langfristig gebundene Vermögen verstanden. Hierzu zählen beispielsweise Maschinen, Gebäude und Fahrzeuge. Davon abzugrenzen ist das kurzfristig vorhandene Vermögen, das als Umlaufvermögen bezeichnet wird. Hierzu gehört beispielsweise der Eiserne Bestand. Dieser ist definiert als Bestand an Rohstoffen, Betriebsstoffen, Hilfsstoffen, Halb- und Fertigerzeugnissen, die zur sicheren Aufrechterhaltung des Betriebs mindestens vorrätig sein müssen. Im Vergleich zum Anlagevermögen ist das Umlaufvermögen leichter liquidierbar.

Formel für den Anlagedeckungsgrad I

Der Anlagedeckungsgrad I errechnet sich wie folgt:

Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen x 100 Prozent

Aussagekraft Anlagedeckungsgrad I

Der Anlagedeckungsgrad I gibt Auskunft darüber, in welchem Umfang das Anlagevermögen mit Eigenkapital finanziert ist. Beträgt der Deckungsgrad I zum Beispiel 50 Prozent, bedeutet dies, dass von einem Euro

Anlagedeckungsgrad

Je höher der Anlagedeckungsgrad, desto besser

Anlagevermögen 50 Cent durch Eigenkapital gedeckt sind und entsprechend die übrigen 50 Cent mit Fremdkapital zu finanzieren sind. Je höher der Anlagedeckungsgrad I ausgeprägt ist, desto mehr ist neben dem Anlagevermögen auch das Umlaufvermögen durch langfristiges Kapital finanziert.

Eine hohe Ausprägung des Anlagedeckungsgrades I bescheinigt dem Unternehmen demzufolge eine hohe finanzielle Stabilität. Ein Wert von 100 Prozent wird in der Realität aber selten erreicht. Dies gilt auch für erfolgreiche Unternehmen. In der Regel streben Unternehmen einen Wert zwischen 70 und 100 Prozent oder zwischen 50 und 100 Prozent an. Gläubiger interessieren sich oft für diese Kennziffer. Denn bei einem hohen Anlagedeckungsgrad I ist das Ausfallrisiko für die Gläubiger gering. Aber auch Unternehmen selbst interessieren sich für diese Kennziffer. Dies gilt vor allem für anlageintensive Branchen wie zum Beispiel die Transportwirtschaft und die Wohnungswirtschaft.

Formel für den Anlagedeckungsgrad II

Der Anlagedeckungsgrad II errechnet sich wie folgt:

(Eigenkapital plus kurzfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermögen x 100 Prozent

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Aussagekraft Anlagedeckungsgrad II

Der Anlagedeckungsgrad II gibt Auskunft darüber, in welchem Umfang das Anlagevermögen langfristig finanziert ist. Beträgt der Deckungsgrad II zum Beispiel 80 Prozent, bedeutet dies, dass 80 Prozent des Anlagevermögens langfristig finanziert sind und dementsprechend die übrigen 20 Prozent kurzfristig finanziert werden müssen. Das Anlagevermögen ist langfristig gebunden und sollte daher entsprechend langfristig finanziert werden. In der Regel sollte diese Kennziffer daher 100 Prozent betragen. Dies bedeutet, dass das Anlagevermögen komplett durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital finanziert ist.

Werden die 100 Prozent überschritten, dann ist neben dem Anlagevermögen auch betriebsnotwendiges

Anlagedeckungsgrad

Ist mein Anlagevermögen langfristig finanziert?

Umlaufvermögen mit langfristigem Charakter durch die Finanzierung abgedeckt. Dies bedeutet: Je höher der Deckungsgrad II ist, umso stärker ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens ausgeprägt. Beträgt der Anlagedeckungsgrad II weniger als 100 Prozent, besteht ein höheres Risiko der Zahlungsunfähigkeit. Denn wenn kurzfristige Verbindlichkeiten fällig werden, würde das Umlaufvermögen zur Deckung nicht mehr ausreichen. Lesen Sie hier alles zum Umlaufvermögen.

 

Maßgebliche Kennziffer

Weil hier im Vergleich zum Anlagedeckungsgrad I auch das langfristige Fremdkapital in die Berechnung einbezogen wird, ist es hierbei leichter, die Zielmarke von 100 Prozent zu erfüllen. Heute gilt der Anlagedeckungsgrad II als maßgebliche Kennziffer für die Anlagedeckung.

Anlagedeckungsgrade und Goldene Bilanzregel

Die Anlagedeckungsgrade I und II hängen mit der Goldenen Bilanzregel zusammen. Diese besagt, dass das Anlagevermögen langfristig finanziert sein soll. Dagegen kann die Finanzierung des Umlaufvermögens kurzfristig gedeckt sein. Demzufolge ist mit der Goldenen Bilanzregel die Kongruenz der Fristen zwischen Mittelverwendung und Mittelherkunft gefordert. Die Anlagedeckungsgrade beinhalten jeweils das formale Umkehrverhältnis der Goldenen Bilanzregel. Mit Hilfe dieser Kennziffern kann kontrolliert werden, ob der Grundsatz der Fristenkongruenz eingehalten wird und ob damit die Liquidität ausreichend gewährleistet ist.

Erweiterte Anlagedeckung

Als ergänzende Kennziffer verwendet man die erweiterte Anlagedeckung (=Anlagedeckungsgrad III). Dabei lassen sich weitere Teile des Umlaufvermögens, nämlich die Eisernen Bestände, in die Berechnung einbeziehen.

Formel für die erweiterte Anlagedeckung

Die erweiterte Anlagedeckung errechnet sich demnach wie folgt:

(Eigenkapital plus kurzfristige Fremdkapital) geteilt durch (Anlagevermögen plus Eiserne Bestände des Umlaufvermögens) x 100 Prozent

Da man die Eisernen Bestände in den meisten Unternehmen nicht exakt beziffert kann, lässt sich die erweiterte Anlagedeckung in der Realität nur selten berechnen. Wenn die Bestimmung dennoch erfolgen soll, lässt sich alternativ mit den Vorräten rechnen. Beträgt die erweiterte Anlagedeckung mindestens 100 Prozent, bedeutet dies, dass das Anlagevermögen und Teile des Umlaufvermögens durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital

Anlagedeckungsgrad

Wie liquide ist mein Unternehmen?

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Anlagedeckungsgrade in der Bilanzanalyse

Die Anlagedeckungsgrade gehören zu den Kennzahlen, die im Rahmen der Bilanzanalyse auftauchen. Sie bilden zusammen mit den Liquiditäts­graden und dem Working Capital (=Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten) die Kennzahlen der horizontalen Bilanzstruktur. Dabei erkennt man die Relation zwischen Aktiva und Passiva (also Vermögenswerte und Schulden), was die Liquiditätsanalyse bezeichnet.

Zwischen den Branchen innerhalb der Volkswirtschaft bestehen erhebliche Unterschiede in der Ausprägung der Anlagedeckungsgrade. Grundsätzlich ist es im Dienstleistungssektor und im Handel leichter, die Zielmarken zu erfüllen als im produzierenden Gewerbe. Dies gilt insbesondere für kapitalintensive Industrien wie zum Beispiel die Schwerindustrie. Typische Gründe für einen sinkenden Anlagendeckungsgrad sind eine sinkende Eigenkapitalausstattung durch Jahresfehlbeträge oder hohe Neuinvestitionen.