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Was sind Summen- und Saldenlisten

Die Summen- und Saldenliste (kurz SuSa) gehört zur doppelten Buchführung und umfasst alle Konten und Positionen innerhalb eines Geschäftsjahrs. Zu den Komponenten gehören sämtliche Anfangs- und Schlussbestände sowie laufende Veränderungen. Summen- und Saldenlisten spielen eine wesentliche Rolle in der Bewertung und Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung des bilanzpflichtigen Unternehmens. Sie bilden damit eine wesentliche Grundlage für betriebswirtschaftliche Auswertungen.

Summen- und Saldenliste im Überblick

Die Summen- und Saldenliste entspricht einer Aufstellung sämtlicher Konten, die im Rahmen eines bestimmten Zeitraums (meist ein Jahr) Buchungen aufweisen. Die umgangssprachliche Bezeichnung lautet SuSa. Die SuSa ermöglicht dem Betrachter genaue Rückschlüsse auf den Umfang des Geschäfts, den Umsatz, entstandene Kosten, Forderungen gegenüber Kreditgebern und weitere Daten und Kennzahlen. In seltenen Fällen sind auch andere Positionen in der Summen- und Saldenliste aufgeführt, beispielsweise kalkulatorische Abschreibungen. Die Summen- und Saldenliste ist eine wichtige Komponente in der doppelten Buchführung, ermöglicht jedoch kein vollumfängliches Bild über die geschäftliche Ertragslage. Bestimmte Positionen, beispielsweise der aktuelle Warenbestand, sind kein Gegenstand dieser Liste. Lesen Sie hier alles zum Warenbestand.

Stellenwert und Notwendigkeit der Summen- und Saldenliste

Innerhalb der Finanzbuchhaltung allgemein sowie der Bilanz im Speziellen erfüllt die SuSa mehrere Funktionen und kommt in verschiedenen Anlässen zum Einsatz. In der Buchhaltung gilt die Summen- und Saldenliste als zentraler Ausgangspunkt für verschiedene Aussagen und Aktionen. Die darin aufgeführten Buchungen dienen als Grundlage für Aussagen über die gegenwärtige betriebswirtschaftliche Lage einer Firma. Die Liste ist gleichzeitig die

Summen- und Saldenliste

Die SuSa ist relevant für Controlling und Co.

Basis für viele Auswertungen und spielt damit auch im Controlling eine wichtige Rolle.

Auf Basis der Summen- und Saldenliste eines Unternehmens lassen sich wichtige Rechnungen und Standards ableiten. Dazu gehören Cashflow beziehungsweise Kapitalfluss-Rechnungunterjährige Bilanzen, Übersichten über Kreditoren und Debitoren sowie Mittelherkunfts– und Mittelverwendungsrechnungen.

Damit die SuSa aussagekräftig sein kann, müssen sämtliche Konten erfasst und bebucht werden. Dazu gehören auch die Konten des Anlage- und Umlaufvermögens. Eine weitere Voraussetzung für die Aussagekraft ist eine Übereinstimmung der aktiven und passiven Bestandskosten mit den Bilanzwert-Salden aus den je aktuellen Jahresabschlüssen.

Komponenten und Bestandteile der Summen- und Saldenliste

In der Summen- und Saldenliste finden zahlreiche wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen Verwendung. Sie erfassen Anfangs- und Schlussbestände sämtlicher Konten (darunter BestandskontenErfolgskonten, Kreditoren- und Debitorenkonten). Alle Konten sind zu erfassen, die innerhalb der Abrechnungsprediode Buchungen vorweisen. Weiterhin erfasst die SuSa sämtliche laufenden Veränderungen.

Die SuSa lässt sich begreifen als Vorstufe zu einem Jahresabschluss mit Gewinn- und Verlustrechnung oder Bilanz. Ebenso ist sie eine Übersicht zu den Außenständen des Unternehmens gegenüber Geschäftspartnern und Kreditgebern. Gleichfalls beinhaltet die SuSa eine Aufstellung offener Rechnungen, auf deren Zahlungseingang ein Unternehmen noch wartet.

Vom Kontenrahmen unabhängig geben Summen- und Saldenlisten einen Überblick über die Bestände, Veränderungen und Buchungen verschiedener Kontentypen.

Wichtige Buchungen entfallen hierbei auf aktive und passive Bestandskonten. Aktive Bestandskonten umfassen solche Konten, die im Rahmen der späteren Bilanz in der Aktivseite auftauchen. Ein typisches Beispiel für ein solches aktives Bestandskonto ist das Konto für den Wareneinkauf. Ein passives Bestandskonto taucht hingegen in der späteren Bilanz auf deren Passivseite auf. Ein typisches Beispiel ist ein Konto, über das Fremdkapital aufgenommen wird (beispielsweise ein Bankdarlehen).

Summen- und Saldenliste

Was beinhaltet das Erfolgskonto?

Ein weiterer wichtiger in der Summen- und Saldenliste aufzuführender Kontotyp ist das Erfolgskonto. Erfolgskonten beinhalten alle Konten, die Grundlage für Gewinn- und Verlustrechnung sowie die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) sind. Zu diesem Kontotypen gehören UmsatzkontenKostenkonten sowie Lohn- und Gehaltskonten.

 

Weiterhin sind in der SuSa die Debitoren– und Kreditorenkonten zu berücksichtigen. Debitoren stellen Kunden dar, die dem Unternehmen Zahlungen schulden. Diese Kunden erhalten in der Regel Rechnungen. Das Debitorenkonto für ein bestimmtes Unternehmen zeigt, welche Summe das Unternehmen der Firma schuldet und welche Beträge sie in einem bestimmten Zeitraum bezahlt hat.

Kreditorenkonten stellen die Konten der Lieferanten dar. Sie geben also einen Überblick darüber, welche Summe das Unternehmen anderen Firmen (Lieferanten) schuldet und welche Summe innerhalb des Berichtzeitraums bereits gezahlt wurde.

Aufbau und Gliederung der Summen- und Saldenliste

Die Gliederung und der konkrete Aufbau einer Summen- und Saldenliste hängt im Einzelnen vom Kontenrahmen der jeweiligen Buchhaltung ab. Es existieren bestimmte Standards, wobei das Standardkontenrahmen – Prozessgliederungsprinzip(SKR) häufig Anwendung findet. Dazu gehören SKR 03 sowie SKR 04.

In einer typischen Gliederung der Summen- und Saldenlisten sind verschiedene Positionen in horizontalen und andere in vertikalen Spalten dargestellt.

Horizontale Gliederung

  • Die horizontalen Spalten im Überblick:
  • Kontonummer
  • Bezeichnung des Kontos
  • EB-Wert
  • Monatliche Zu- und Abgänge (Soll und Haben)
  • Kumulierte Zu- und Abgänge im laufenden Jahr
  • Schlussbestand (Saldo)

Die horizontalen Spalten (von links nach rechts) beginnen zunächst mit der Kontonummer und daneben der Konto-Bezeichnung. Es folgen in weiteren Spalten die Anfangsstände (dazu gehören die Eröffnungs-Bilanzen oder EB-Werte) sowie die Zu- und Abgänge im Abrechnungszeitraum. Darauf folgt die kumulierte Darstellung der Zu- und Abflüsse im Geschäftsjahr in Form eines Jahreswerts. Anschließend werden die Schlussbestände zum Ende des Abrechnungsmonats dargestellt (diese entsprechen dem Saldo). Neben den EB– und Saldo-Spalten befinden sich neben dem absoluten Wert die Kürzel S oder H, die Rückschluss darauf geben, ob

Summen- und Saldenliste

Wie hoch ist der Konto-Eröffnungsstand?

der Konto-Saldo im Bereich Soll oder Haben steht.

Vertikale Gliederung

Die vertikalen Zeilen gliedern sich nach den vorhandenen Kontotypen. Typischerweise sind dies:

  • Anlagevermögen und Umlaufvermögen (aktive Bestandskonten)
  • Fremd- und Eigenkapital (passive Bestandskonten)
  • Aufwandskonten und Erlöskonten (Erfolgskonto I und II)
  • Debitorenkonten
  • Kreditorenkonten

Grundsätzlich ist die Summen- und Saldenliste so aufgebaut, dass pro Konto jeweils zunächst der Eröffnungsstand dargestellt, anschließend die gebuchten Werte über ein Jahr aufsummiert und schließlich der Schlussbestand dargestellt wird. Im Sinne der Übersichtlichkeit stellt eine typische Summen- und Saldenliste auch Zwischensummen in den verschiedenen Zeilen und Spalten dar.

Was ist Wirtschaftlichkeit?

Wirtschaftlichkeit ist eine Kennzahl aus der Betriebswirtschaftslehre. Man drückt das Verhältnis zwischen einem erzielten Erfolg und dem dafür nötigen Aufwand aus, dadurch zeigt sich, ob eine Unternehmung effizient ist und in welchem Maße diese Effizienz vorhanden ist. Eine Investition, ein Geschäft oder eine Unternehmung kann wirtschaftlich oder unwirtschaftlich sein. Wirtschaftlich ist sie, wenn der Ertrag höher ist als der Aufwand.

Diese Aussage kann mit folgender Formel ausgedrückt werden: Wirtschaftlichkeit = Ertrag > Aufwand

Den Ertrag abzüglich des Aufwandes sieht man als erzielten Erfolg an. Der erzielte Erfolg muss dabei nicht zwingend positiv sein. Ein negativer Erfolg bedeutet, dass der Ertrag größer ist als der Aufwand, demzufolge liegt ein Verlust vor. Wirtschaftlich ist etwas, wenn man einen positiven Erfolg, also einen Gewinn, erzielt.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip oder das ökonomische Prinzip

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip bezeichnet man auch als ökonomisches Prinzip. Erreicht werden kann Wirtschaftlichkeit mittels zweier Prinzipien: dem Minimalprinzip und dem Maximalprinzip. Beim Minimalprinzip lässt sich ein bestimmter Ertrag mit möglichst wenig Aufwand erreichen. Das Maximalprinzip dagegen besticht durch die Kombination bestimmter Aufwand/möglichst großer Ertrag. Lesen Sie hier alles über das Maximalprinzip.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist in jedem Wirtschaftssystem wichtig

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip gilt für jeden Betrieb, denn jeder Betrieb versucht, einen vorgegebenen Erfolg mit möglichst wenig Einsatz zu erreichen oder mit einem vorgegebenen Einsatz einen möglichst hohen Erfolg zu erzielen.

Dabei ist es egal, welchem Wirtschaftssystem ein Betrieb angehört. Nicht nur in der Marktwirtschaft ist es wichtig, dass Unternehmen und Investitionen so wirtschaftlich wie möglich agieren. Auch in anderen Wirtschaftssystemen wie der sozialen Marktwirtschaft oder der Zentralverwaltungswirtschaft herrschen Relevanz.

Wirtschaftlichkeit

Welcher Aufwand für welchen Ertrag?

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip ist für das Funktionieren einer jeden Volkswirtschaft von grundlegender Bedeutung.

Der Unterschied zwischen Maximal- und Minimalprinzip

Beim ökonomischen Prinzip muss man nicht zwingend von wertmäßigen Größen ausgehen. Ertrag lässt sich durch Output und Aufwand mit Input ersetzen.

Folgendes Beispiel soll den Unterschied zwischen Maximal- und Minimalprinzip erläutern

Hanna lernt für eine Prüfung. Der Output ist hierbei das Resultat der Prüfung, der Input bezeichnet die Stunden, die Hanna für die Prüfung lernt.

Wenn sie nun genau so lange lernt, bis sie die Prüfung mit einer guten Note besteht, handelt sie nach dem Minimalprinzip. Sie legt also das Output fest und versucht, dieses mit möglichst wenig Input zu erreichen.

Wenn sie sich dazu entscheidet,  drei Nachmittage für die Prüfung zu lernen, um ein möglichst gutes Resultat zu erzielen, handelt sie nach dem Maximalprinzip. Sie legt den Input – die drei Nachmittage lernen – fest und versucht, ein möglichst gutes Output – Prüfungsergebnis – zu erzielen.

Wenn jemand wirtschaftlich arbeitet, gilt er als erfolgreich. Wie wirtschaftlich jemand, lässt sich anhand einer Berechnung belegen. Dafür gibt es folgende Formel:

Wirtschaftlichkeit = Ertrag/Aufwand

Wirtschaftlich oder effizient ist etwas, das bei der Berechnung dieser Formen der Quotient größer oder gleich eins ist.

  • Wenn das Resultat größer als 1 ist, ist etwas wirtschaftlich, also effizient
  • Wenn das Resultat genau 1 ist, ist etwas kostendeckend wirtschaftlich
  • Wenn das Resultat kleiner als 1 ist, ist etwas unwirtschaftlich oder ineffizient

Wie lässt sich die Effizienz erhöhen?

Wirtschaftlichkeit

Effizienz ist nicht gleich Effektivität

Die Effizienz erhöht sich – oder anders gesagt, die Wirtschaftlichkeit maximiert – beim Minimalprinzip der Aufwand verringert, mit dem man den bestimmten Ertrag erreicht. Wird beim Maximalprinzip mit dem festgelegten Aufwand ein höherer Ertrag erzielt, nimmt die Wirtschaftlichkeit zu.

Effektivität und Effizienz – wo liegt der Unterschied?

Effektivität erreicht man immer, wenn Effizienz vorherrscht. Aber nicht immer, wenn Effektivität erreicht ist, ist es auch effizient.

Nehmen wir als Beispiel einen morschen Baum, der weichen muss. Versucht man dies mit einer winzigen Säge und erreicht das Ziel nach einem Jahr, wurde effektiv gearbeitet, denn die Zielerreichung ist erfolgreich.

Nutzt man aber eine dafür geeignete, elektrische Säge, löst sich das Problem in wenigen Minuten. somit arbeite ich a) effektiv, weil das Ziel erreicht ist und b) effizient, weil es möglichst schnell beendet war.

Wie wird die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens beurteilt?

Meistens stehen Vergleiche zur Verfügung, wie wirtschaftlich ein Unternehmen arbeitet. Verglichen werden die Unternehmen mit anderen Firmen der gleichen Branche, der gleichen Region oder der gleichen Größe. So lassen sich Aussagen darüber treffen, welche Unternehmen wirtschaftlicher arbeiten.

Zeitvergleiche eignen sich ebenfalls bestens. Dabei vergleicht man die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen in

Wirtschaftlichkeit

Wer arbeitet am besten?

verschiedenen Zeitperioden. Damit lässt sich die Frage beantworten, ob eine Unternehmen, verglichen mit den vergangenen Jahren, wirtschaftlicher gearbeitet hat.

Der Unterschied zwischen Wirtschaftlichkeit und Produktivität

Obwohl sich das Minimal- und das Maximalprinzip nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit, sondern auch auf die Produktivität anwenden lässt, sind Wirtschaftlichkeit und Produktivität nicht zu verwechseln.

Bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit setzt man die Kosten bzw. der Aufwand und der Erlös bzw. der Ertrag zueinander in Beziehung. Dies sind wertmäßige Größen. Bei der Produktivität geht es um Output und Input, also um Ausbringungs– und Einsatzmenge. Dabei verwendet also mengenmäßige Größen. Setzt man bei Minimum- und Maximumprinzip für Ertrag Output und für Aufwand Input ein und verwendet dabei mengenmäßige Größen, lässt sich das ökonomische Prinzip also auf die Produktivität anwenden.

Was versteht man unter einem Betriebsrat?

Der Betriebsrat ist ein Mitbestimmungsorgan, das im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verankert ist. Er vertritt die Interessen der Arbeitnehmer in privatwirtschaftlichen Betrieben, Konzernen und Unternehmen. Je nach nationalem Recht hat der Betriebsrat unterschiedlich starke Befugnisse, auf betriebliche Abläufe Einfluss zu nehmen.

Geschichte des Betriebsrats in Deutschland

Erstmals wurden Befugnisse eines Betriebsrats im Jahr 1920 im Betriebsrätegesetz der Weimarer Republik festgeschrieben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte der Beschluss des Betriebsverfassungsgesetzes. Die darin enthaltenen Rechte der Arbeitnehmer wurden seitdem mehrfach ergänzt und durch weitere Gesetze spezifiziert, beispielsweise durch das Kündigungsschutzgesetz und das Arbeitsgerichtsgesetz.

Ziel und Gegenstände

Übergeordnetes Ziel des Betriebsrats ist es, die Mitglieder der Belegschaft vor der Willkür des Arbeitgebers zu schützen. Die Belange schutzbedürftiger Personenkreise, beispielsweise der Schwerbehinderten, Jugendlichen und der älteren Arbeitnehmer, unterliegen dabei in besonderem Maße einer Berücksichtigung. Typische Streitpunkte zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft sind die Arbeitszeiten und Pausenregelungen, Löhne und Gehälter, die Urlaubsgestaltung, Kündigungen und Beförderungen, die Gleichstellung, Möglichkeiten der Weiterbildung, Maßnahmen zur Arbeitssicherheit sowie Parkmöglichkeiten.

Rechte und Instrumente

In all diesen Angelegenheiten sind Betriebsräte das Sprachrohr für die Arbeitnehmer. Sie kontrollieren, ob Gesetze, Tarifverträge, Verordnungen und Vorschriften vom Arbeitgeber eingehalten werden. Außerdem können sie initiativ Maßnahmen zu Gunsten der Belegschaft bei der Unternehmensleitung beantragen. Der Betriebsrat hat darüber hinaus Anspruch, von der Unternehmensführung über alle Angelegenheiten, die die Interessen der Arbeitnehmer auf irgendeine Art betreffen, frühzeitig und vollständig informiert zu werden. In einigen Belangen nach § 87 BetrVG ist der Betriebsrat außerdem berechtigt, an Prozessen mitzuwirken und Entscheidungen

Betriebsrat

Was darf ich als Betriebsrat?

mitzubestimmen. Wenn sich das Gremium in seinen Befugnissen missachtet oder verletzt fühlt, kann der Rechtsweg beschritten werden. Zur Vermittlung bei ungelösten Konflikten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern dient außerdem das Einigungsstellenverfahren.

Betriebsvereinbarungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung

Der Betriebsrat kann mit dem Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen treffen. In einer solchen Übereinkunft hält man Rechte und Pflichten für Arbeitgeber, Betriebsrat oder für die jeden einzelnen Arbeitnehmer in schriftlicher Form fest. Gegenstände sind zum Beispiel die Kleiderordnung oder die Ausweisung von Raucherbereichen. Diese Vereinbarungen sind rechtsverbindlich. Grundsätzlich haben Tarifverträge Vorrang vor Betriebsvereinbarungen. Allerdings lassen sich auf der Grundlage von Öffnungsklauseln auch Betriebsvereinbarungen treffen, die vom Tarifvertrag abweichen. Lesen Sie hier alles zum Tarifvertrag.

Gründung eines Betriebsrats

Die Gründung eines Betriebsrats ist nicht direkt vorgeschrieben. Der gesetzliche Auftrag, die Interessenvertretung durch die Angestellten zu ermöglichen, kann aber nur dieses Gremium erfüllen. Es ist dem Arbeitgeber und Dritten grundsätzlich untersagt, die Gründung oder die Wahl eines Betriebsrats zu verbieten oder zu behindern. Auch ist es dem Arbeitgeber nicht gestattet, eigenmächtig einen Betriebsrat zu ernennen. Das Betriebsverfassungsgesetz regelt, ab welcher Betriebsgröße eine wirksame Arbeitnehmervertretung zu gründen ist. Es müssen mindestens fünf volljährige Arbeitnehmer regelmäßig beschäftigt sein. Auszubildende und Aushilfen sind dabei mit eingerechnet. Von den Angestellten müssen mindestens drei wählbar sein.

Vorgehensweise bei der Gründung eines Betriebsrats

Erforderlich für die Gründung eines Betriebsrats ist die Initiative durch die Arbeitnehmer. Hierzu ist jeder der

Betriebsrat

Wie entsteht ein Betriebsrat?

Angestellten berechtigt. Man muss einen Wahlvorstand berufen, der die Wahl vorbereitet und diese entsprechend der Vorgaben aus dem Betriebsverfassungsgesetz und der Wahlordnung durchführt. Es müssen Mitglieder der Belegschaft zu einer Kandidatur bereit sein. Zur Kandidatur ist jeder volljährige Angestellte berechtigt, der dem Betrieb am Tag der Wahl bereits seit mindestens sechs Monaten angehört.

Größe des Betriebsrats

Die Anzahl der Betriebsrats­mitglieder hängt von der Größe des Betriebs ab. Bis zu einer Größe von 20 regelmäßig Beschäftigen besteht der Betriebsrat aus einem Mitglied. Ab 20 regelmäßig Beschäftigen gehören dem Gremium drei Mitglieder an. Stufenweise steigt die Anzahl mit zunehmender Betriebsgröße um jeweils zwei Mitglieder. Ab einer Betriebsgröße von 200 Angestellten ist ein Betriebsratsmitglied von der Arbeit freizustellen.

Zeitpunkt der Betriebsratswahlen

Wenn bereits ein Betriebsrat gegründet wurde, finden die Neuwahlen alle vier Jahre im Zeitraum vom 1. März bis zum 31. Mai statt. Es kann auch erforderlich sein, außerplanmäßige Betriebsratswahlen durchzuführen. Dies ist der Fall, wenn
  • der Betriebsrat vom Arbeitsgericht aufgelöst wurde
  • die vorangegangene Betriebsratswahl wirksam angefochten wurde
  • der amtierende Betriebsrat geschlossen den Rücktritt vollzogen hat
  • die vorgeschriebene Betriebsratsgröße nicht mehr erreicht wird, da einzelne Mitglieder ausgeschieden sind
  • die Zahl der Arbeitnehmer sich nach der Hälfte der Amtszeit erheblich geändert hat
Wenn man eine solche außerplanmäßige Betriebsratswahl durchgeführt hat, findet die nächste Wahl wieder zum regulären Zeitpunkt statt.

Betriebsrat in Österreich

In Österreich wurde der Betriebsrat im Jahr 1919 geschaffen. Wie in Deutschland ist auch in Österreich dieses Gremium berechtigt, an personalen, sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und kulturellen Entscheidungen mitzuwirken. Grundlage dafür ist das Arbeitsverfassungsgesetz. Für diesen Auftrag hat der Betriebsrat Mitwirkungsrechte, die er gegebenenfalls auch gerichtlich durchsetzen kann. Im Vergleich zu Deutschland ist der

Betriebsrat

Andere Länder, andere Räte

Umfang der Angelegenheiten, in denen die Betriebsräte Mitspracherecht haben, aber geringer.

Betriebsrat in der Schweiz

In der Schweiz existiert kein Betriebsrat, den man mit dem deutschen Modell vergleichen könnte. Die Interessen der Angestellten bringt die Arbeitnehmervertretung (auch Betriebskommission genannt) ein. Dies ist im Arbeitsgesetz und im Mitwirkungsgesetz geregelt. Diese Arbeitnehmervertretung kann man in einer allgemeinen Wahl bestimmen, wenn in einem Betrieb regelmäßig mindestens 50 Personen angestellt sind. Das Gremium besteht aus mindestens drei Mitgliedern. Die Arbeitnehmervertretung bringt die Interessen der Belegschaft gegenüber dem Arbeitgeber ein und hat Anspruch, von diesem frühzeitig und vollständig informiert zu werden.

Was ist eine UG?

Eine Unternehmergesellschaft, oder kurz UG, ist eine Sonderform der GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Damit ist sie eine deutsche Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Mit ihrer Einführung verdrängte sie weitgehend die britische Rechtsform der Limited in Deutschland, die bis dahin als nicht börsennotierte Variante bei Existenzgründern sehr beliebt gewesen ist.

Wann und wieso wurde die UG eingeführt?

Die UG ist eigentlich keine neue Rechtsform. Sie ist lediglich eine Sondervariante der GmbH. Sie tritt mit dem im Oktober 2008 gegründeten MoMiG (kurz für: Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen) in Kraft. Gesetzlich geregelt ist die Rechtsform seitdem in § 5a GmbHG (kurz für: Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung). Ziel ihrer Einführung ist es, deutschen Existenzgründern eine Alternative zur bis dahin häufig genutzten britischen Limited zur bieten. Die UG ist sehr beliebt. Rund 70 % aller neu gegründeten Unternehmen entscheiden sich für diese Rechtsform. Die Limited hat damit in Deutschland erheblich an Bedeutung verloren. Lesen Sie hier alles zur Limited.

Wie wird eine Unternehmergesellschaft gegründet?

UG

Welches Stammkapital muss gegeben sein?

Hinsichtlich der Gründung einer Unternehmergesellschaft gibt es keine großen Unterschiede zu anderen Kapitalgesellschaften. Bei der Unternehmensbezeichnung muss als Zusatz entweder „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder „UG (haftungsbeschränkt)“ gelten. Diesen darf man nicht verändern und muss ihn inklusive Klammern übernehmen. Vor der Handelsregisteranmeldung muss das Stammkapital auf das Geschäftskonto eingezahlt sein. Als Mindeststammkapital ist lediglich eine Einlage von einem Euro pro Gesellschafter nötig. Ab einem Stammkapital von 25.000 Euro ist keine UG mehr zulässig, sondern es wird eine GmbH gegründet.

Für die Gründung der Unternehmergesellschaft gibt es ein sogenanntes Gründungs-Set zur UG, was das Prozedere deutlich erleichtern und günstiger gestalten soll. Voraussetzung dafür ist, dass die UG nur einen Geschäftsführer hat oder aus maximal drei Gesellschaftern besteht sowie das Geschäftsjahr nicht vom Kalenderjahr abweicht. Statt eines individuell aufgesetzten Gesellschaftsvertrages kann man dabei ein Musterprotokoll verwenden. Dieser Vertrag muss nicht notariell beurkundet sein. Außerdem ist für den Handelsregistereintrag keine behördliche Zulassungsgenehmigung erforderlich.

Welche Rechten und Pflichten haben die Beteiligten?

Die Unternehmergesellschaft unterliegt als Kapitalgesellschaft den Regelungen des Handelsgesetzbuch (HGB). Die Gesellschafter haben neben der Leistung des Stammkapitals die Pflicht, im Falle einer drohenden Zahlungsunfähigkeit unverzüglich eine Gesellschafterversammlung einzuberufen. Dafür ist es ihnen zu jeder Zeit gestattet, Einsicht in alle Angelegenheiten der UG sowie sämtliche Bücher zu erhalten. Jeder Gesellschafter kann über seinen Geschäftsanteil frei verfügen. Er kann ihn also jederzeit verschenken, vererben oder verkaufen. Für die Vertretung der Unternehmergesellschaft muss mindestens ein Geschäftsführer bestimmt sein. Dieser führt die Geschäfte der Gesellschaft und vertritt sie nach außen hin.

UG

Gibt es steuerliche Unterschiede im Vergleich zur KG?

Eine UG ist zur doppelten Buchführung samt Jahresbilanz verpflichtet. Auch steuerlich gibt es keine Abweichungen zu anderen Kapitalgesellschaften. Die Körperschaftssteuer wird mit 15 % zuzüglich eines Solidaritätszuschlags von 5,5 % angesetzt. Werden Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter vorgenommen, muss man eine Abgeltungssteuer von 25 % inklusive Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer abführen. Da das Stammkapital bei einer Unternehmergesellschaft sehr gering ausfällt, muss zudem aus mindestens 25 % des Jahresüberschusses eine Rücklage entstehen. Bilden die Rücklagen eine Summe von insgesamt 25.000 Euro oder mehr, lässt sich die UG in eine GmbH umwandeln. Alternativ kann man zukünftig auf eine Bildung der Rücklagen verzichten.

Was ist der Unterschied zwischen UG und GmbH?

Die Unternehmergesellschaft ist quasi die kleine Schwester der GmbH. Bei beiden handelt es sich um Kapitalgesellschaften, die hinsichtlich ihrer Rechten und Pflichten sehr ähnlich sind. Außerdem sind beide Rechtsformen haftungsbeschränkt, das heißt, die Gesellschafter haften ausschließlich mit dem Gesellschaftsvermögen und nicht mit ihrem Privatvermögen. Der große Unterschied liegt in der Höhe des Mindeststammkapitals. Während bei einer GmbH mindestens 25.000 Euro als Stammkapital eingebracht werden müssen, reicht bei der UG ein Stammkapital von einem Euro pro Gesellschafter. Um diesen Unterschied auch für Außenstehende deutlich zu machen, ist der jeweilige Zusatz in der Firmierung korrekt zu führen. Ein weiterer Unterschied ist die Pflicht zur Bildung von Rücklagen im Falle einer Unternehmergesellschaft. Diese werden zur Absicherung benötigt. Außerdem ist es dank der Gründungserleichterungen, die es für Unternehmergesellschaften  gibt, deutlich einfacher, eine UG zu gründen, als eine GmbH.

Vorteile einer Unternehmergesellschaft

Der große Vorteil der UG liegen darin, dass ihre Gründung bereits ab einem Stammkapital von einem Euro pro Gründungsmitglied möglich ist. Diese Rechtsform stellt damit eine gute Alternative für alle Existenzgründer dar, die sich eine Einlage von 25.000 Euro finanziell nicht leisten können. Mit Einführung der Unternehmergesellschaft muss man nicht länger auf die britische Limited zurückgreifen. Ein weiterer großer Vorteil der UG ist die beschränkte Haftung. Unternehmer haften nicht mir ihrem Privatvermögen, sondern lediglich mit dem Geschäftsvermögen. Durch die Erleichterungen bei der Gründung einer Unternehmergesellschaft ist ihre Gründung zudem deutlich einfacher und günstiger als im Falle anderer Rechtsformen.

UG

Die Anteile können sofort den Besitzer wechseln

Als Kapitalgesellschaft unterliegt die UG der Körperschaftssteuer. Diese ist häufig günstiger als die Einkommenssteuer bei natürlichen Personen. Gesellschafter können im eigenen Betrieb als Angestellte behandelt werden, wodurch ihr Gehalt als Personalkosten behandelt und damit als Betriebsausgabe geltend gemacht werden kann. Dadurch lässt sich das zu versteuernde Einkommen verringern. Weiterhin bietet die Kapitalgesellschaft den Vorteil, dass jeder Gesellschafter seine Anteile schnell und unkompliziert veräußern kann. Eine Unternehmergesellschaft bietet außerdem große Flexibilität. Sie kann für alle Arten von Dienstleistungen, Gewerbe und sonstige Tätigkeiten gewählt werden. Auch, wenn es ein Muster für den Gesellschaftsvertrag gibt, lässt sich dieser frei gestalten.

Was ist ein Stakeholder?

Mit allem, was in einem Unternehmen geschieht, werden die Interessen unterschiedlichster Gruppen und Institutionen berührt und beeinflusst. Eigentümer, Arbeitnehmer und der Landwirt von nebenan haben dabei unterschiedliche Interessen und Ansprüche, die heute von keinem Unternehmen mehr ignoriert werden sollten. Die sogenannten Stakeholder werden nicht nur von Unternehmen beeinflusst, sie können auch selbst das Unternehmen beeinflussen. Was ein Stakeholder ist, wer dazugehört und warum der richtige Umgang mit ihnen wichtig ist, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist ein Stakeholder?

Als Stakeholder wird eine Person, eine Gruppe von Personen oder eine Organisation bezeichnet, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt oder in der Zukunft ein berechtigtes Interesse am Ergebnis oder am Verlauf eines Projektes, eines Prozesses oder eines Unternehmens hat. Sie können die Ziele und Aktionen von Unternehmen, Projekten oder Prozessen beeinflussen oder von diesen beeinflusst werden. Die Bezeichnung setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „Stake„, auf Deutsch Anspruch, Anteil oder Erwartung, und „Holder“, auf Deutsch Besitzer oder Eigentümer zusammen.

Eine adäquate deutsche Bezeichnung, die alle Gesichtspunkte eines Stakeholders beinhaltet, gibt es nicht. Im deutschen Sprachgebrauch werden die Begriffe Anspruchsträger, Interessenten und Betroffene verwendet. In der Betriebswirtschaftslehre werden Stakeholder als Anspruchsberechtigte und gelegentlich als Anspruchsgruppe bezeichnet. In seiner heutigen Bedeutung wurde der Begriff erstmals im Jahr 1963 intern vom

Stakeholder

Ein Stakeholder unterstützt sämtliche Bereiche

Stanford Research Institute (SRI) verwendete. Lesen Sie hier alles zum SRI.

Vom Stanford Research Institute wurden Stakeholder zunächst als Personengruppen definiert, ohne deren Unterstützung eine Organisation oder Unternehmen aufhören würde zu existieren. Stakeholder sind nach dieser Definition lediglich die Interessengruppen, die für die Existzenz eines Unternehmens essenziell sind. Diese sehr eng gefasste Definition wurde auf Basis neuer Erkenntnisse im Laufe der Zeit jedoch erheblich erweitert. Heute werden Stakeholder definiert als alle Einzelpersonen oder Personengruppen, die durch ihren Einfluss das Erreichen der Unternehmensziele beeinflussen können oder selbst vom Unternehmen beeinflusst werden. Nach dieser Definition gehören Wettbewerber, Medien, Gewerkschaften und andere externe Gruppen auch zu den Stakeholdern, da diese ebenfalls Ansprüche an das Unternehmen stellen. Allgemein wird daher seit einiger Zeit zwischen internen und externen Stakeholdern unterschieden

Interne und externe Stakeholder

Die Gesamtheit der Anspruchsberechtigten eines Unternehmens kann in zwei große Gruppen, die internen und externen Stakeholder, unterteilt werden. Zu den internen Stakeholdern werden alle Personen oder Personengruppen gezählt, die ein Teil des Unternehmens sind. Hierzu gehören

  • Gesellschafter und Aktionäre
  • Unternehmensleitung und Management
  • Angestellte und Arbeitnehmer

Diese drei Gruppen interner Anspruchsberechtigter haben unterschiedliche Interessen an einem Unternehmen. Gesellschafter und Aktionäre sind die Eigentümer des Unternehmens und sind an einer angemessenen Verzinsung und Wertsteigerung ihres investierten Kapitals interessiert. Unternehmensleitung und Management interessieren die Verwirklichung ihrer Ideen und der Einfluss oder die Macht, die sie durch ihre Stellung im Unternehmen

Stakeholder

Auch die Umwelt kann für Stakeholder eine wichtige Rolle spielen

erhalten. Das Interesse von Angestellten und Arbeitnehmern fokussiert sich in der Regel auf ein angemessenes Einkommen, die Anerkennung ihrer Leistung für das Unternehmen und eine soziale Absicherung.

Die zweite Gruppe sind die sogenannten externen Stakeholder. Hierzu zählen Personen. Personengruppen und Organisationen, die indirekt mit dem Unternehmen in Verbindung stehen, das Unternehmen beeinflussen und von diesem beeinflusst werden können.

Externe Anspruchsberechtigte sind beispielsweise
  • Investoren und Banken
  • Kunden und Lieferanten
  • Wettbewerber
  • Gewerkschaften
  • Berufsgenossenschaften
  • Umweltschutzorganisationen
  • Staat und Gesellschaft

Auch bei diesen Gruppen und Personen unterscheiden sich die Interessen an einem Unternehmen zum Teil erheblich. Der Staat und staatliche Institutionen sind an der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und den pünktlichen Eingang von Steuerzahlungen interessiert. Fast gegensätzlich dazu sind Umweltschutzorganisationen fast nie am finanziellen Erfolg eines Unternehmens, sondern vielmehr an der Einhaltung von Umweltschutzvorschriften interessiert. Berufsgenossenschaften achten darauf, dass ein Unternehmen die Arbeitsschutzvorschriften einhält und Versicherungsbeiträge für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezahlt.

An diesem Gruppen zeigt sich, dass die erweiterte Definition der Anspruchsberechtigten richtig ist. Denn nicht nur interne, sondern auch externe Stakeholder können für ein Unternehmen von existenzieller Bedeutung sein, Beispielsweise Banken und Investoren. Wenn sich diese aus dem Unternehmen zurückziehen, ist es oft in seiner Existenz gefährdet. Ebenso sind Wettbewerber eine latente Bedrohung für die Existenz eines Unternehmens und damit für die Interessen der Gesellschafter und Shareholder.

Unterschied zwischen Stakeholder und Shareholder

Ein Stakeholder ist per Definition jede Person, Personengruppe oder Organisation, die ein berechtigtes Interesse an einem Unternehmen hat. Im Gegensatz dazu ist ein Shareholder eine Person, ein Unternehmen oder eine Organisation, die einen Anteil (Share) am Unternehmen hält. Ein Shareholder ist in Form von Aktien am Kapital

Stakeholder

Das Interesse des Shareholders beruht auf seinen Anteilen

eines Unternehmens beteiligt. Im Unterschied zu den vielfältigen Interessen der verschiedene Stakeholdergruppen konzentriert sich das Interesse der Shareholder auf die Verzinsung und Wertsteigerung ihres investierten Kapitals. Lange Zeit und zum Teil auch noch heute stand mit dem sogenannten Shareholder Ansatz die Maximierung des Unternehmensgewinn und die Wertsteigerung der Unternehmensanteile der Shareholder im Mittelpunkt aller Management-Aktivitäten. Mehr und mehr hat sich dieser Schwerpunkt in den vergangen Jahren vor allem in Europa hin zum Stakeholderansatz verschoben.

Umgang mit Stakeholdern im Unternehmen

Im Gegensatz zum Shareholder Ansatz sind beim Stakeholder-Ansatz oder Stakeholder-Modell die Interessen der verschiedenen Anspruchsberechtigten in den Mittelpunkt gerückt. Beim Stakeholder-Ansatz müssen die Unternehmensleitung und das Management die Interessen vieler verschiedener Gruppen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Die gesellschaftlichen Aufgabe und Verantwortung eines Unternehmens rücken beim Stakeholder-Ansatz in den Vordergrund des Denkens und Handelns eines Unternehmens. Beispielsweise war es den meisten Unternehmern von den Anfängen der Industrialisierung bis hinein in die 1980er Jahre egal, ob sie mit ihrem Unternehmen die Umwelt über Gebühr belastet und geschädigt haben. Der Gewinn und der Shareholder-Value standen im Vordergrund. Stakeholdermanagement ist heute ein zentraler Teil des strategischen Managements und das nicht nur in multinationalen Konzernen. Der richtige Umgang mit Stakeholdern im Unternehmen beginnt mit dem Tag der Unternehmensgründung.

Was ist das Niederstwertprinzip?

Beim Niederstwertprinzip handelt es sich um einen Grundsatz der ordnungsgemäßen Buchführung. Das Niederstwertprinzip ist dabei in § 253 HGB festgelegt. Demnach ist bei der Bewertung betrieblicher Vermögensgegenstände immer der geringste Wert einzusetzen, sofern verschiedene Möglichkeiten existieren. Mit dem strengen, gemilderten und erweiterten Niederstwertprinzip gibt es drei unterschiedliche Varianten.

Definition des Niederstwertprinzip

Beim Niederstwertprinzip handelt es sich um einen Grundsatz der ordnungsgemäßen Buchführung (GoB). Der Grundsatz des Niederstwertprinzips wird ebenso wie das Höchstwertprinzip aus dem Vorsichtsprinzip abgeleitet. Für Unternehmen entfaltet das Prinzip bei der Bewertung des eigenen Vermögens Relevanz. Sofern die Verantwortlichen des Unternehmens das Vermögen berechnen und bilanzieren wollen, ist das Niederstwertprinzip einschlägig. Bei der Aufstellung der Unternehmensbilanz nimmt das Prinzip Bezug auf die kontinuierliche Bewertung von Vermögen und Schulden, welche mit den Kosten für Herstellung von Gütern oder der Erfüllung einhergehen.

Gesetzliche Grundlagen

Das sogenannte Niederstwertprinzip findet sich in den Vorschriften des HGBs wieder. Dabei konkretisiert der § 253 HGB dieses Prinzip. Demnach muss bei der Bewertung von betrieblichem Vermögen immer der niedrigste mögliche Wert angewendet werden. In Verbindung mit dem Steuerrecht ergibt sich somit die Anwendung der §§ 5f EStG, um eine steuerrechtlich ordnungsgemäße Bilanz aufzustellen. Lesen Sie hier alles zum Steuerrecht.

Praktische Anwendung des Niederstwertprinzps

In der Praxis erfolgt die Anwendung des Prinzips immer unter Berücksichtigung des Vorsichtprinzips. Das Vorsichtsprinzip ist ein übergeordneter Grundsatz der ordnungsgemäßen Buchführung, aus welchem wiederum verschiedene Prinzipien der Bewertung abgeleitet werden können:

  • Realisationsprinzip
  • Imparitätsprinzip
  • Höchstwertprinzip
  • Niederstwertprinzip

Als übergeordneter Grundsatz erfolgt bei der praktischen Anwendung eine Konkretisierung des Vorsichtsprinzip durch die verschiedenen Bewertungsprinzipien.

Bedeutung des Imparitätsprinzips

Niederstwertprinzip

Verluste und Gewinne sind getrennt zu behandeln

Das Imparitätsprinzip legt fest, dass drohende Verluste und nicht realisierte Gewinne different behandelt werden. Der Einbezug der Verluste in die Bilanz ist notwendig, während dies bei der Aufnahme von nicht realisierten Gewinnen anders aussieht. Das Niederstwertprinzip ist hier zudem eine Konkretisierung des Imparitätsgrundsatz.

Das Niederstwertprinzip in der Praxis

Die Anwendung dieses Prinzips erfolgt unter Zugrundelegung des Vorsichtsprinzips. Somit werden Verluste bereits frühzeitig vor der Realisierung erkannt. Das Gleiche trifft auf die Gewinne eines Unternehmens zu. Wenn Verluste realisiert und bilanziert werden, mindert dies den Jahresgewinn des Unternehmens. Die Gewinnausschüttungen sind geringer, die Liquiditätsreserven des Unternehmens wachsen infolgedessen. Durch Anwendung des Bewertungsprinzips sind Unternehmen somit wirtschaftlich stärker aufgestellt und können auch in der Zukunft möglicherweise anfallende Verluste besser kompensieren.

Anlage- und Umlaufvermögen

Beim Niederstwertprinzip ist die Unterscheidung von Anlage- und Umlaufvermögen bedeutsam. Gemeinsam bilden beide Vermögensarten das Gesamtvermögen eines Unternehmens. Das Anlagevermögen umfasst nach § 247 HGB alle Gegenstände, die dauerhaft dem Geschäftsbetrieb eines Unternehmens dienen und somit dauerhaft im Unternehmen angelegt sind. Demgegenüber beschreibt das Umlaufvermögen diejenigen Vermögensgegenstände, die nur temporär dem Geschäftsbetrieb dienen.

Unterschiedliche Arten des Niederwerstprinzip

Das sogenannte Niederstwertprinzip ist nicht nur eine Konkretisierung anderer Prinzipien. Vielmehr erfolgt eine Unterteilung in verschiedene Arten. Eine Unterteilung erfolgt anhand der drei folgenden Varianten:

  • gemildertes Prinzip
  • strenges Prinzip
  • erweitertes Prinzip

Gemildertes Prinzip

Beim gemilderten Prinzip kommt es auf zwei Faktoren an, die eine Bewertung des Vermögensgegenstands ermöglichen. Dies sind der Anschaffungswert sowie der aktuelle Marktwert. Am Tag der Bewertung erfolgt ein

Niederstwertprinzip

Wie wirken sich die Marktwerte aus?

Vergleich zwischen beiden Werten. Das Niederstwertprinzip kommt dann zur Anwendung, wenn es sich um einen Bestandteil des Anlagevermögens handelt. Somit ist für die Unternehmen eine Minderung des Anschaffungswerts durch Abschreibungen möglich. Bei einer dauerhaften Wertminderung ist jedoch das strenge Prinzip einschlägig. Die Beurteilung des Zeitraums liegt im Ermessen des Unternehmens.

Eine Lagerhalle des Unternehmens wird für 500.000 Euro erbaut. Nach einem Brand sinkt der Wert auf 400.000 Euro. Das Unternehmen kann nun das Gebäude nur noch für einen Wert von 400.000 Euro in der Bilanz ansetzen. Wenn der Wert infolge veränderter Grundstückspreise auf 550.000 Euro steigt, ist eine Bilanzierung mit 500.000 Euro nötig. Der Anschaffungswert stellt hier die Grenze dar.

Strenges Prinzip

Das strenge Niederstwertprinzip kommt für das gesamte Umlaufvermögen eines Unternehmens zur Anwendung. Beim strengen Prinzip gibt es kein Wahlrecht, ob Abschreibungen vorgenommen werden oder nicht. Dies unterscheidet die strenge Ausprägung vom gemilderten Prinzip. Die Anwendung des strengen Prinzips führt dazu, dass immer der niedrigste Wert in der Bilanz angesetzt wird.

Wenn ein Unternehmen Diesel-Vorräte im Wert von 2000 Euro eingekauft hat, kommt es auf den Marktwert und den Anschaffungswert an. Wenn der Marktwert im ersten Jahr nur noch bei 1500 Euro liegt, werden die 1500 Euro bilanziert. Steigt der Marktwert im folgenden Jahr auf 2500 Euro, wird immer der Anschaffungswert von 2000 Euro als niedrigster Wert in der Bilanz angesetzt.

Erweitertes Prinzip

Das erweiterte Prinzip führt man ausschließlich der Vollständigkeit halber an. Dies beschreibt, dass Unternehmen bei Abschreibungen des Umlaufvermögens zukünftige Schwankungen des Werts einberechnen dürfen. Seit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz in 2009 darf diese Ausprägung des Niederstwertprinzips nicht mehr zur Anwendung kommen.

Niederstwertprinzip und steuerliche Auswirkungen

Das Niederstwertprinzip wirkt sich infolge der § 5f EStG auch auf die Steuerbilanz des Unternehmens aus. Demzufolge lassen sich Regelungen unterscheiden, die entweder das Anlagevermögen oder das Umlaufvermögen des Unternehmens betreffen.

Regelungen für das Anlagevermögen

Niederstwertprinzip

Wo ist das Niederstwertprinzip geregelt?

Eine Ansetzung beim Anlagevermögen ist nach § 6 I Nr.1 2 EStG dann möglich, wenn die Minderung des Werts voraussichtlich dauerhaft ist und der Wert infolgedessen unter Anschaffungs- und Herstellungskosten sinkt. Andauernd ist die Wertminderung dann, wenn der Teilwert nach mehr als der Hälfte der Nutzungsdauer unter dem restlichen Buchwert liegt.

Regelungen für das Umlaufvermögen

Wenn sich bei einem Vermögensbestandteil durch eine dauerhafte Minderung des Werts ein geringerer Teilwert ergibt, können die Verantwortlichen diesen Wert in der Steuerbilanz ansetzen. Wenn die Wertminderung bis zum Tag der Erstellung der Bilanz fortdauert, ist dies möglich.

Was ist die Kosten- und Leistungsrechnung?

Das betriebliche Rechnungswesen ist in zwei große Bereiche untergliedert: Das externe und interne Rechnungswesen. Das externe Rechnungswesen stellt auf der Grundlage gesetzlicher Vorschriften Finanzinformationen für die Außendarstellung eines Unternehmen bereit. Das interne Rechnungswesen liefert Informationen für unternehmerische Entscheidungen. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Kosten- und Leistungsrechnung zu. Welche Aufgaben die K&L Rechnung hat und wie sie durchgeführt wird, zeigt der folgende Beitrag.

Was ist die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die Kosten- und Leistungsrechnung, abgekürzt KLR, zählt wie die Erfolgsrechnung und die Investitionsrechnung zum internen Rechnungswesen eines Unternehmens.. Im Rahmen der KLR werden alle Kosten, die mit der innerbetrieblichen Leistungserstellung in einem direkten Zusammenhang stehen, erfasst. Zusammen mit dem externen Rechnungswesen der Finanzbuchhaltung bildet sie das betriebliche Rechnungswesen. Externes und internes Rechnungswesen sind Teilgebiete der Betriebswirtschaftslehre (BWL). Andere Bezeichnungen für Kosten- und Leistungsrechnung sind Kosten- und Erlösrechnung oder Betriebsergebnisrechnung.

Welche Ziele hat die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die K&L Rechnung liefert wichtige Informationen zur Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens und für die Entscheidungsfindung der Unternehmensführung. Ziele und wesentliche Aufgaben der KLR sind:
  • Erfassung aller Kosten und Leistungen im Unternehmen
  • Wirtschaftlichkeitskontrolle mittels Soll/Ist-VergleichZeitvergleich oder Institutionenvergleich
  • Kostenkalkulation und Nachkalkulation
  • Bewertung der Kostenträger
  • Informationsgewinnung für die Produkt- und Preispolitik
  • Grundlage für die kurzfristige Erfolgsrechnung
  • Bewertung der Warenvorräte in der Jahresbilanz
K&L

Ist das Ergebnis meiner Kalkulation positiv?

Die Hauptaufgabe der KLR ist es, die in einem Unternehmen durch den Ressourceneinsatz oder Werteverzehr von betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren, wie beispielsweise Personal, Energie- und Materialverbrauch entstehenden Kosten den Verursachern zuzuordnen. In der K&L Rechnung unterscheidet man zwischen

  • Kostenträgern
  • Kostenstellen
  • Kostenarten
Kostenträger sind die vom Unternehmen hergestellten Produkte oder erbrachten Dienstleistungen. Den Kostenträgern wird im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung der Ressourcenverbrauch zu geordnet. Die Kostenstellen sind die Orte, an denen Kosten entstehen oder Leistungen erbracht werden. Beispielsweise ganze Abteilungen oder einzelne Maschinen. Bei den Kostenarten wird in der K&L Rechnung unter anderem unterschieden zwischen Einzel- und Gemeinkosten. Anhand dieser Unterscheidung ergeben sich die drei Stufen der Kosten- und Leistungsrechnung:
  • Kostenartenrechnung
  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung

Stufe 1 der K&L Rechnung – die Kostenartenrechnung

Im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung werden in einem ersten Schritt zunächst die anfallenden Kosten erfasst und nach Kostenarten gegliedert. In dieser Stufe erfolgt eine Gliederung der Kosten unter anderem nach der Art der verbrauchten Produktionsfaktoren und nach den betrieblichen Funktionen. Zu den Produktionsfaktoren zählen beispielsweise Material- und Personalkosten, Raumkosten und Kapitalkosten. Zu den betrieblichen Funktionen zählen Fertigungskosten, Vertriebskosten und Verwaltungskosten. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist hierbei, ob es sich um Einzel- oder Gemeinkosten handelt.

Einzelkosten

Einzelkosten sind die Kosten in einem Unternehmen, die einem Kostenträger direkt zugeordnet werden können. Hierzu zählen beispielsweise die Kosten für eine MaschinenstundeMaterialkosten oder die zurechenbaren Personalkosten. Einzelkosten können direkt in der Kostenträgerrechnung, der 3. Stufe der K&L Rechnung, weiterverwendet werden.

Gemeinkosten

Gemeinkosten sind die Kosten, die in der Regel keinem einzelnen Kostenträger direkt zugeordnet werden können.

K&L

Auf welcher Seite entstehen die Kosten?

Beispiele hierfür sind Verwaltungskosten, Vertriebskosten, das Geschäftsführergehalt oder die Kosten für den Fuhrpark. Diese Kosten werden in der Kostenstellenrechnung anhand eines Verteilungsschlüssels als Gemeinkostenzuschläge einzelnen Kostenträger zugerechnet.

Stufe 2 der K&L Rechnung – die Kostenstellenrechnung

In der zweiten Stufe der Kosten- und Leistungsrechnung werden die anhand der Kostenartenrechnung ermittelten Einzelkosten den Orten in Unternehmen, an denen diese Kosten aufgrund der Leistungserstellung entstehen, verursachungsgerecht zugeordnet. Dazu müssen im Unternehmen zunächst Kostenstellen gebildet werden. Kostenstellen sind beispielsweise einzelne Abteilungen, eine Produktionsanlage oder ein Team von Mitarbeitern.

Die Kostenstellen werden dabei unterschieden in

  • Hauptkostenstellen
  • Hilfskostenstellen

Hauptkostenstellen sind die Orte im Unternehmen, an denen die Produkte, das heißt, die Kostenträger, gefertigt werden und unmittelbar an der Leistungserbringung beteiligt sind. Als Hilfskostenstelle werden die Kostenstellen bezeichnet, an denen Vorleistungen für Hauptkostenstellen erbracht werden. Eine andere Bezeichnung für Hilfskostenstellen ist daher Vorkostenstellen. Sie sind nicht direkt an der Leistungserstellung beteiligt.

Die nicht direkt zuordenbaren Gemeinkosten werden auf Basis eines Verteilungsschlüssels als als Gemeinkostenzuschläge den verschiedenen Kostenstellen zugewiesen. Grundlage für die Verteilung der Gemeinkosten im Rahmen der Kostenstellenrechnung ist der sogenannte Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Der Betriebsabrechnungsbogen wird von jedem Unternehmen entsprechend den individuellen Anforderungen und Gegebenheiten selbst erstellt. Lesen Sie hier alles zum BAB.

Stufe 3 der K&L Rechnung – die Kostenartenrechnung

Diese Stufe der K&L Rechnung dient der Ermittlung, für welche Kostenträger welche Kosten im Unternehmen angefallen sind. An dieser Stelle der K&L Rechnung erfolgt die Zusammenführung der in der Kostenartenrechnung ermittelten Einzelkostenund der in der Kostenstellenrechnung zugeordneten Gemeinkosten bei den jeweiligen Kostenträgern. Wenn die Kosten je Kostenträger bekannt sind, können die sogenannten Stückkosten für einzelne Produkte oder Dienstleistungen ermittelt werden. Diese Stückkosten sind wiederum die Grundlage für die Preiskalkulation. Bei der Kostenträgerrechnung wird zwischen zwei Rechnungsarten unterschieden. Dies sind die
  • Kostenträgerstückrechnung
  • Kostenträgerzeitrechnung

Die Kostenträgerstückrechnung bezeichnet man allgemein auch als Kalkulation. Bei dieser Kalkulation werden die Kosten pro Kostenträger bezogen und auf eine sogenannte Leistungseinheit ermittelt. Eine Leistungseinheit kann ein Stück oder ein einzelner Auftrag sein . Im Rahmen der Kostenträgerzeitrechnung erfolgt eine Gegenüberstellung der Leistungen innerhalb einer bestimmten Periode mit den innerhalb dieser Periode entstandenen Kosten. Auf Grundlage dieser Gegenüberstellung lässt sich im Unternehmen eine kurzfristige

K&L

Wie ist die K&L-Rechnung geregelt?

Erfolgsrechnung erstellen.

Rechtliche Vorschriften für die Kosten- und Leistungsrechnung

Als ein Teilgebiet des internen Rechnungswesens unterliegt die Kosten- und Leistungsrechnung in weiten Teilen keinen bestimmten gesetzlichen Vorschriften. Die Umsetzung richtet sich nach den unternehmensinternen Anforderungen. Lediglich bei der Bewertung von im Unternehmen selbst hergestellten Vorräten und Anlagegütern für die Jahresbilanz muss man den einschlägigen Vorschriften des Handelsgesetzbuches Beachtung schenken.

Was sind Passiva?

Eine Bilanz setzt sich aus den Aktiva auf der linken und den Passiva auf der rechten Seite zusammen. Während die Aktiva die Kapitalquellen und Vermögenswerte eines Unternehmens darstellen, bilden die Passiva das verfügbare Kapital ab, das zur Finanzierung der Kapitalquellen und Vermögenswerte dient. Zwischen den beiden Seiten der Bilanz muss immer ein Gleichgewicht herrschen.

Passiva – Das Kapital eines Unternehmens

Die Passiva werden auf der rechten Seite der Bilanz ausgewiesen und repräsentieren das Kapital eines Unternehmens. Sie informieren über die Mittelherkunft für die finanzierten Aktiva auf der linken Seite der Bilanz. Der Wert aller Aktiva muss immer dem Wert aller Passiva entsprechen. Dieser Wert wird als Bilanzsumme bezeichnet.

In den meisten Unternehmen besteht Passivierungspflicht. Das Unternehmen muss seine Posten an Eigenkapital und Fremdkapital in den Passiva der Bilanz buchen. Ein Passivierungswahlrecht oder sogar ein Passivierungsverbot besteht nur in einigen Ausnahmefällen.

Unterschied zu Aktiva

Während die Passiva darüber informieren, woher die Mittel stammen, gewähren die Aktiva Auskunft darüber, für welche Zwecke die Mittel verwendet werden. Häufig werden die Aktiva auch als Vermögen und die Passiva als Kapital bezeichnet. Aus den Aktiva leiten sich die aktiven Bestandskonten und aus den Passiva die passiven Bestandskonten in der Finanzbuchhaltung ab. Abhängig davon, ob es sich um aktive oder passive Bestandskonten handelt, kommt es darauf an, auf welcher Seite der Anfangsbestand auf diesen Konten gebucht wird. Weiterhin leitet sich davon ab, wie Zugänge und Abgänge gebucht werden.

Die Unterteilung der Passiva

Die Unterteilung der Passiva ist in §266 III HGB geregelt. Grundsätzlich bestehen die Passiva aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der grundlegende Aufbau erfolgt in der Reihenfolge

– Eigenkapital

Rückstellungen

– Verbindlichkeiten

– Passive Rechnungsabgrenzungsposten

– Passiv latente Steuern.

Die einzelnen Posten der Passiva sind zumeist noch weiter aufgegliedert.

Eigenkapital und Fremdkapital sind zwei unterschiedliche Finanzierungsquellen, die Unternehmen nutzen können. Das Eigenkapital kann in verschiedene Aspekte wie Kapitalrücklage, Gewinnrücklage und gezeichnetes Kapital untergliedert werden.

Das Fremdkapital ist ebenfalls untergliedert. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die sich aus Lieferungen und Leistungen sowie aus Krediten ergeben.

Rechnungsabgrenzungsposten komplettieren die Passiva in der Bilanz. Sie entstehen nur in besonderen Fällen.

Das Eigenkapital eines Unternehmens

Das Eigenkapital steht ganz oben auf der Passivseite der Bilanz. Es handelt sich um das Kapital, das von den Eigentümern des Unternehmens eingezahlt wurde. Neben den finanziellen Mitteln der Eigentümer kann es sich auch um Sachwerte handeln, die den Eigentümern gehören.

Die Unternehmer oder Gesellschafter stellen mit ihren Einlagen dem Unternehmen das Eigenkapital zur Verfügung. Wenn keine gesetzlichen oder anderweitigen Vereinbarungen bestehen, können die Einlagen auch in Form von Betriebsmitteln, beispielsweise Maschinen und Anlagen, erfolgen. Die Überlassung des Eigenkapitals erfolgt langfristig. Sie ist unbefristet oder mit einer festen Laufzeit möglich. Die Unternehmer oder Gesellschafter haben keinen Anspruch auf eine Rückzahlung oder Verzinsung und gehen kein Liquiditätsrisiko durch Gewinne oder Verluste ein. Das von den Unternehmern oder Gesellschaftern eingebrachte Eigenkapital wird auch als gezeichnetes Kapital bezeichnet. Der Kapitalgeber haftet mit seinem Eigenkapital und hat ein Mitwirkungsrecht.

Zum Eigenkapital gehören auch Gewinnrücklagen des Vorjahres und Kapitalrücklagen. Ein Gewinnvortrag und ein Jahresüberschuss können das Eigenkapital erhöhen, während das Eigenkapital durch einen Verlustvortrag und einen Jahresfehlbetrag gemindert werden kann.

Rückstellungen bei den Passiva

Rückstellungen werden bei den Passiva nach dem Eigenkapital aufgeführt und werden für Zahlungen gebildet, die ein Unternehmen in der Zukunft leisten muss. Dabei weiß das Unternehmen noch nicht genau, in welcher Höhe die Zahlungen zu leisten sind. Solche Zahlungen können beispielsweise für drohende Prozesse oder Verfahren erforderlich sein.

Das Fremdkapital – die Verbindlichkeiten

Das Fremdkapital wird einem Unternehmen von seinen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Da es nur befristet verfügbar ist, muss es zurückgezahlt werden. Fremdkapital und Eigenkapital dienen der Beschaffung von Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Fremdkapital ist gewinn- und verlustunabhängig. Es erfordert Sicherheiten und steht bei der Verwertung im Rang vor dem Eigenkapital. Der Fremdkapitalgeber muss nicht haften und hat als Gläubiger keine Mitwirkungsrechte.

Verbindlichkeiten bestehen aus

– Kreditoren von Lieferanten aus Lieferungen und Leistungen

– Debitoren als Forderungen an Kunden und erhaltene Anzahlungen

– Krediten, Darlehen, Anleihen und Wechseln

– Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Rückstellungen können das Fremdkapital erhöhen.

Wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Aus den Passiva können verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet werden:

Eine wichtige Kennzahl für das Eigenkapital ist die Eigenkapitalquote. Sie wird ermittelt, indem die Summe des Eigenkapitals durch die Bilanzsumme dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird. Sie gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad drückt das Verhältnis vom Fremdkapital zum Eigenkapital aus. Er informiert über den finanziellen Spielraum eines Unternehmens und ist im Rahmen einer Fundamentalanalyse bei Aktien für Anleger von Bedeutung. Anhand des Verschuldungsgrades erfahren potentielle Käufer des Unternehmens sowie Investoren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. Der Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Bonität des Unternehmens. Um den Verschuldungsgrad zu ermitteln, wird das Fremdkapital durch das Eigenkapital dividiert.

Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine wichtige Erfolgskennzahl, die ermittelt wird, indem der Gewinn und die auf das Fremdkapital geleisteten Zinsen addiert und durch die Bilanzsumme dividiert werden. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert werden. Je höher die Gesamtkapitalrentabilität eines Unternehmens in Prozent ist, desto erfolgreicher hat das Unternehmen gewirtschaftet.

Was ist die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffer für Unternehmen und externe Adressaten. Sie ergibt sich als Summe der Vermögenswerte eines Unternehmens beziehungsweise als Summe der Kapitalwerte eines Unternehmens. Die Vermögenswerte bilden die Aktivseite einer Bilanz und die Kapitalwerte der Passivseite einer Bilanz. Aufgrund des Systems der doppelten Buchführung müssen beide Bilanzseiten gleich groß sein, somit auch die Bilanzsumme auf der Aktiv- und Passivseite.

Bilanz, Vermögen und Kapital

Die Bilanz selbst stellt in kurz gefasster Form das Vermögen (Aktiva) dem Kapital (Passiva) gegenüber. Die Vermögensseite beschreibt die Mittelverwendung im Unternehmen (Investierung), also wofür die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Das Vermögen lässt sich weiter unterteilen in Anlagevermögen, zum Beispiel Gebäude und Maschinen, und dem Umlaufvermögen, zum Beispiel Forderungen und Bankguthaben. Die Kapitalseite beschreibt die Mittelherkunft des Unternehmens (Finanzierung), also woher die finanziellen Mittel stammen. Das Kapital lässt sich weiter unterteilen in Eigenkapital, beispielsweise die Einlagen der Gesellschafter, und Fremdkapital, beispielsweise Bankkredite oder Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Bilanzsumme beinhaltet somit gleichzeitig die Information, wie viel ein Unternehmen insgesamt investiert und finanziert hat. Die Höhe der Bilanzsumme ist zudem ein Indikator für die Größe eines Unternehmens.

Bilanzstruktur, Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote

Aus der Bilanz lassen sich weitergehende Informationen gewinnen. Dafür werden verschiedene Kennzahlen gebildet. Die ersten einfachen Kennzahlen betreffen die Bilanzstruktur eines Unternehmens. Bei der Vermögensstruktur wird jeweils das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Bei der Kapitalstruktur wird das Eigenkapital und das Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Hier wird von Eigenkapitalquote und Fremdkapitalquote gesprochen. Statt Bilanzsumme wird in diesem Zusammenhang meist der Begriff Gesamtkapital genutzt.

Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Die Fremdkapitalquote ausgedrückt als prozentuale Zahl ist der Verschuldungsgrad eines Unternehmens. Eine hohe Fremdkapitalquote ist somit gleichbedeutend mit einem hohen Verschuldungsgrad – und, im Umkehrschluss, mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Mit einer hohen Fremdkapitalquote geht auch ein Verlust an Selbstständigkeit des Unternehmens einher, da die Gläubiger üblicherweise Nachweise für die Kreditverwendung fordern und neue Kreditaufnahmen erschwert sind.

Die Fremdkapitalquote beziehungsweise der Verschuldungsgrad kann noch weiter unterteilt werden, indem das langfristige Fremdkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt wird sowie das kurzfristige Fremdkapital zur Bilanzsumme. Eine relativ hohe kurzfristige Fremdkapitalquote schränkt die Liquidität des Unternehmens ein. Kurzfristiges Fremdkapital muss auch kurzfristig aus Geldmitteln des Unternehmens bedient werden.

Weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen aus der Bilanz

Neben der Fremdkapitalquote gibt es einige weitere betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich auf die Größen in der Bilanz beziehen. Die Höhe des Eigenkapitals und des langfristigen Fremdkapitals können ins Verhältnis zum Anlagevermögen gesetzt werden. Hier wird vom Deckungsgrad gesprochen. Beim Deckungsgrad I wird nur das Eigenkapital herangezogen, beim Deckungsgrad II ist zusätzlich das langfristige Fremdkapital relevant. Der Deckungsgrad gibt an, wie die Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen ist. Das langfristige Kapital sollte stets das Anlagevermögen decken. Eine hohe kurzfristige Fremdkapitalquote ist somit schädlich für die Anlagendeckung.

Das kurzfristige Fremdkapital ist weiterhin für die Kennzahl Liquidität entscheidend. Die Kennziffer der Liquidität setzt Teile des Umlaufvermögens beziehungsweise das gesamte Umlaufvermögen in Bezug zum kurzfristigen Fremdkapital. Hier gilt, dass bei einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote die Liquidität entsprechend nach unten geht. Kurzfristiges Fremdkapital belastet die Liquidität eines Unternehmens, da kurzfristige Schulden zeitnah bedient werden müssen.

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen unter Hinzunahme der Erfolgsrechnung

Neben der Bilanz müssen die Unternehmen auch eine Erfolgsrechnung aufstellen. In der Erfolgsrechnung werden alle Erlöse und Aufwendungen aufgezeigt und der Unternehmensgewinn errechnet. Neben der Bilanzsumme sind somit die Umsätze als Summe der Erlöse, die Summe der Aufwendungen sowie der sich ergebene Gewinn weitere entscheidende Größen in der betriebswirtschaftlichen Beurteilung des Unternehmens.

Eine Kennziffer in diesem Zusammenhang ist der Kapitalumschlag. Hier werden die Umsatzerlöse ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Aus der Zahl ergibt sich eine Antwort auf die Frage, wie häufig das Gesamtkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Diese Größe kann auch nur mit dem Eigenkapital gebildet werden. Die Umschlaghäufigkeit des Eigenkapitals gibt somit an, wie oft das Eigenkapital über die Umsätze wieder in das Unternehmen geflossen sind. Ein hoher Kapitalumschlag deutet auf relativ niedrigen Kapitaleinsatz und somit hohe Rendite und gute Liquidität. Eine steigende Fremdkapitalquote bei gleichbleibenden Umsätzen erhöht den Eigenkapitalumschlag.

Eigenkapitalrentabilität

Das Eigenkapitalrentabilität führt direkt zur Rentabilität. Die Eigenkapitalrentabilität setzt den bereinigten Jahresgewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital. Beim bereinigten Jahresgewinn werden außerordentliche – das heißt, nicht betriebsübliche – Aufwendungen und Erträge herausgerechnet. Eine steigende Fremdkapitalquote würde rechnerisch automatisch zu einer steigenden Eigenkapitalrentabilität führen. Die Eigenkapitalrentabilität abzüglich des Zinssatzes für sichere Kapitalanlagen beschreibt die Risikoprämie des Unternehmers.

Neben der Eigenkapitalrentabilität gibt es die Gesamtkapitalrentabilität. Hier wird der bereinigte Jahresgewinn zuzüglich der Fremdkapitalzinsen ins Verhältnis zur Bilanzsumme (besser: Gesamtkapital) gesetzt. Eine hohe Fremdkapitalquote bedeutet hier höhere Zinsen und somit ebenfalls eine steigende Rentabilität – sofern sich sonst nichts verändert.

Fremdkapitalquote und Leverage-Effekt

Der Bezug zwischen Fremdkapitalquote und Rentabilität ist auch als Leverage-Effekt bekannt. Der Leverage-Effekt beschreibt die Hebelwirkung durch die Aufnahme von Fremdkapital auf die Eigenkapitalrentabilität und damit die Rendite des Unternehmens. Solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als der Fremdkapitalzins, kann mit zusätzlich Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität und damit die Unternehmensrendite gesteigert werden.

Was ist die Fremdkapitalquote?

Eigenkapital und Fremdkapital sind die beiden Säulen der Unternehmensfinanzierung. Zusammen bilden diese beiden Kapitalarten das Gesamtkapital eines Unternehmens. Ein hoher Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital bietet im Allgemeinen Sicherheit in schwierigen Zeiten. Ohne einen gewissen Anteil Fremdkapital kommt jedoch praktisch kein Unternehmen aus. Was die Fremdkapitalquote ist und welchen Einfluss sie auf die Eigenkapitalrendite hat, zeigt der folgende Beitrag.

Die Fremdkapitalquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens angibt. Mithilfe der Fremdkapitalquote wird bei der Fundamentalanalyse das Fremdkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt, um die Kapitalstruktur eines Unternehmens widerzuspiegeln. Sie liefert zusammen mit der Eigenkapitalquote und dem Verschuldungsgrad wichtige Hinweise auf den Grad der Abhängigkeit von Kapitalgebern und die allgemeine finanzielle Stabilität.

Berechnung der Fremdkapitalquote

Für die Berechnung der Fremdkapitalquote wird das Fremdkapital eines Unternehmens durch das Gesamtkapital dividiert. Die Angabe erfolgt in Prozent. Die Formel lautet:

Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Gesamtkapital x 100 %

Das Fremdkapital setzt sich aus kurz-, mittel- und langfristigem Fremdkapital zusammen. Für eine Vereinfachung der Berechnung wird die Bilanzsumme dem Gesamtkapital gleichgesetzt. Üblich ist es jedoch, Fremdkapital undEigenkapital zu addieren, um das Gesamtkapital zu erhalten.

Leverage Effekt

Die Fremdkapitalquote erzeugt eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite. Bei einem zu 100 % durch Eigenkapital finanzierten Unternehmen beträgt die Eigenkapitalrendite immer 100 % – vorausgesetzt, das Unternehmen erwirtschaftet einen Gewinn. Wird das Eigenkapital durch einen gewissen Anteil Fremdkapital ersetzt, steigt die Eigenkapitalrendite. Wenn beispielsweise 50 % des Eigenkapitals durch Fremdkapital ersetzt werden, verdoppelt sich die Eigenkapitalrendite bei einem gleich hohen Gewinn. Dies ist der sogenannte Leverage Effekt.

Eine geringe Fremdkapitalquote bedeutet eine geringe Eigenkapitalrendite. Das Unternehmen steht jedoch finanziell auf sichern Beinen und kann Krisenzeiten besser durchstehen. Das Unternehmen ist weniger abhängig von externen Kapitalgebern. Es reagiert weniger sensibel auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, steigende Zinsen haben einen geringeren Einfluss und disruptive Entwicklungen eines oder aller Geschäftsbereiche können leichter ausgeglichen werden. Die Bonität eines Unternehmens mit einem geringen Anteil Fremdkapital ist daher in der Regel höher als die eines zum Großteil fremdfinanzierten Unternehmens.

Durch den Leverage Effekt erzielen Anteilseigner eine hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Fremdkapitalquote birgt jedoch die Gefahr in sich, dass das Unternehmen schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite sind für Investoren, die sich am Eigenkapital beteiligen, interessanter als weitestgehend eigenkapitalfinanzierte Unternehmen.

Gibt es eine Obergrenze?

Der Gesetzgeber schreibt für Unternehmen keine Obergrenze bei der Fremdkapitalquote vor. Diese Entscheidung wird alleine den Unternehmern überlassen. Allgemein haben sich jedoch bestimmte Obergrenzen als sinnvoll erwiesen. Für große Unternehmen und Konzerne liegt die anzustrebende Obergrenze für die Fremdkapitalquote bei etwa 67 %. Für KMU sollte die Fremdkapitalquote 50 % möglichst nicht überschreiten. Dieses Ziel wird jedoch noch lange nicht von allen KMU erreicht.

Laut einer Statistik von de.statista.com betrug bei kleinen und mittelständischen Unternehmen im Jahr 2018 der durchschnittliche Anteil Fremdkapital am Gesamtkapital 68,5 %. Die Eigenkapitalquote lag dementsprechend bei durchschnittlich 31,5 %. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt an, dass vor allem die Einführung von Basel II und die Finanzkrise im Jahr 2008 bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu einem Umdenken bezüglich Fremdkapitalquote und Eigenkapitalquote geführt hat. Die KfW hat berechnet, dass sich die Eigenkapitalquote von durchschnittlich rund 18 % im Jahr 2002 annähernd verdoppelt hat. Entsprechend gesunken ist die Fremdkapitalquote.

Unterschied zwischen Fremdkapitalquote und Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad ist eine weitere bei der Fundamentalanalyse eines Unternehmens verwendete Kennzahl. Bei der Berechnung des Verschuldungsgrades werden jedoch das Fremdkapital und das Eigenkapital zueinander ins Verhältnis gesetzt, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital des Unternehmens dividiert wird. Anders als bei der Fremdkapitalquote kann dieses Verhältnis größer als 1 werden. Das heißt, der Verschuldungsgrad kann 100 % übersteigen.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise zu einem Drittel durch Eigenkapital und zwei Dritteln durch Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote 67 %. Der Verschuldungsgrad beträgt in diesem Fall jedoch 200 %, da das Fremdkapital doppelt so hoch ist wie das Eigenkapital. Die Fremdkapitalquote kann 100 % nicht übersteigen. Wenn ein Unternehmen ausschließlich mit Fremdkapital finanziert wird, beträgt die Fremdkapitalquote unabhängig von der absoluten Höhe der Finanzierung 100 %.

Grenzen von Fremdkapitalquote und Leverage Effekt

Theoretisch könnte durch eine an 100 Prozent heranreichende Fremdkapitalquote der Hebeleffekt fast ins Unendliche gesteigert werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur in der Theorie. Mit einem wachsenden Fremdkapitalanteil im Verhältnis zum Gesamtkapital, wächst die Zinslast für das Unternehmen. Die Abhängigkeit von Kapitalgebern und das Risiko, dass die Kosten für das Fremdkapital höher werden als die Gesamtkapitalrentabilität, steigen. Wenn die Kosten für das Fremdkapital die Kapitalrendite übersteigen, kehrt sich der Leverage Effekt um und schmälert die Eigenkapitalrendite. Hinzu kommt, dass Banken an Unternehmen mit einer zu hohen Fremdkapitalquote keine Kredite vergeben. Eine unverhältnismäßig hohe Verschuldungsquote schränkt die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens daher ein.