BWL-Artikel

Was ist das Uno-actu-Prinzip?

Das Uno-actu-Prinzip lässt sich einfach erklären. Der lateinische Begriff trennt eine Dienstleistung klar von einer Sachleistung. Mit den Wörtern „uno“ für eins (oder: in einer) und „actu“ für Unternehmung wird beschrieben, dass die Produktion einer Leistung und der Konsum durch einen Verbraucher zeitlich zusammenfallen. Sachleistungen sind lagerfähig, können transportiert und auf Vorrat produziert werden. Für Dienstleistungen gilt das nicht. Wird eine Dienstleistung zu einem bestimmten Termin nicht abgerufen, verfällt sie. Ein möglicher Umsatz wird nicht erzielt und kann auch nicht nachgeholt werden.

Das Uno-actu-Prinzip erfordert bei personenbezogenen Dienstleistungen die räumliche Nähe von Anbieter und Nutzer. Kommunikation und Interaktion der Beteiligten bestimmen wesentlich das Ergebnis des Prozesses. Im E-Business entfällt diese Nähe und teilweise auch die natürliche Person bei der Leistungserbringung. Die Kooperation zwischen Produzent und Konsument ist wesentlich reduzierter und erfolgt oft automatisiert.

Beispiele für das Uno-actu-Prinzip sind vor allem in der Dienstleistungsorientierten touristischen Branche zu finden. Dazu gehören der Verkauf von Flugleistungen oder die Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben. Auch

Uno-Actu

Wie gestaltet sich der Prozess der Leistungserbringung?

eine Mehrzahl der Leistungen aus dem medizinischen Bereich und der Kosmetikbranche werden betriebswirtschaftlich unter diesem Begriff betrachtet.

Welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen ergeben sich?

Unternehmen bieten Ihre Dienstleistungen im Voraus an und halten diese zu den geplanten Zeiten bereit. Sie ermöglichen das Reservieren oder den Kauf der in der Zukunft stattfindenden Leistung. Die tatsächliche Leistungserstellung bereitet man teilweise vor, beispielsweise durch die Bereitstellung der materiellen Bestandteile. Zum Leistungstermin stehen die Mitarbeiter zur Produktion dieser bereit. Ruft man die Leistung nicht ab, bleiben dem Unternehmen die Kosten für die Mitarbeiter, auch, wenn diese keine Leistung erbracht haben. Durch die fehlende Lagerfähigkeit produziert man somit keinen länger haltbaren, valuablen Mehrwert.

Beispielsweise bietet man für einen Flug einen Sitzplatz zu einem festen Termin auf einem ausgesuchten Flieger an. Er ist im Voraus buchbar, die Leistung Flug erfolgt zum festgelegten Datum. Lässt er sich nicht verkaufen, bleibt der Platz leer und die mögliche Leistung entfällt ersatzlos. Man generiert keinen Umsatz. Die anteiligen Kosten für die Crew und die Maschine sind vom Unternehmen zu tragen.

Dienstleistungen erfordern ein hohes Maß an Kommunikation und interaktivem Handeln. Beide lassen sich von Menschen – Anbieter und Nutzer – erbringen. Diese Leistung ist schwer bewertbar, sie ist abhängig von sozialen Komponenten, vom Wissen und Können eines Einzelnen und wird nicht zuletzt von äußeren Faktoren beeinflusst.

Uno-Actu

Wie viel Kommunikation ist relevant?

So bestimmt die Qualität einer Hotelübernachtung einerseits der materielle Teil der Leistung, nämlich die Ausstattung des Hotels und des Zimmers. Das Verhalten der Mitarbeiter bei der An- und Abreise, beim Service im Restaurant, bei der Zubereitung der Speisen oder der Reinigung der Zimmer entscheidet über die Qualität der Dienstleistung. Dabei kann es bei der Umsetzung dieser zu erheblichen Unterschieden in der Ausführung kommen. Die Akzeptanz des Nutzers spielt eine große Rolle, die Wahrnehmung oder der Anspruch an eine Dienstleistungsqualität unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.

Wie können die Nachteile des Uno-actu-Prinzips verringert werden?

Eine Reduzierung des Umsatzausfalls ist durch eine betriebswirtschaftliche Planung der angebotenen Ressourcen möglich. Dabei geht es in einem ersten Schritt um die möglichst exakte Vorausschau der vorhandenen Nachfrage. Hinzukommt die Einschätzung, welche Nachfrage zu welchem Zeitpunkt vorherrscht. In einem zweiten Schritt ist dieser Nachfrage ein angepasstes Dienstleistungsangebot entgegengesetzt. Zusätzlich lassen sich die Preise entsprechend dem zeitlichen Eintreffen der Nachfrage angleichen.

In der Luftverkehrsbranche fanden in den 80er Jahren unter dem Begriff Yield-Management erfolgreich erste Ansätze statt, den Umsatzausfall durch verfallene Flüge zu minimieren. Heute ist das Verfahren betriebswirtschaftlich ausgereift. Fast alle touristischen Unternehmen steuern professionell Preise und Kapazitäten für die optimale Auslastung bei maximalem Gewinn. Lesen Sie hier alles über das Yield-Management.

Für eine gleichbleibende Dienstleistungsqualität können Unternehmen Standards setzen, trainieren und diese ihren Kunden kommunizieren. Nutzer wissen somit besser, was sie erwartet. Sie entscheiden sich gezielter und planbarer für eine Dienstleistung. Hält das Unternehmen die versprochene Qualität dauerhaft, kann es mit der so definierten Zielgruppe künftige Leistungen nach dem Uno-actu-Prinzip besser planen und Umsatzausfälle vermeiden.

Was bedeutet das Uno-actu-Prinzip für das E-Business?

Normalerweise erfordern die gleichzeitige Erstellung und der Konsum einer Leistung eine räumliche Nähe. Kosmetische Behandlungen beispielsweise können nur erfolgen, wenn eine Kundin im Kosmetiksalon die Anwendung direkt durch die Kosmetikerin erfährt. Eine Reisebuchung erfolgte lange ausschließlich durch den Kontakt von Kunde und Mitarbeiter des Reiseunternehmens oder Reisebüros.

In der digitalen Branche führt man einige Dienstleistungen durch die globale Vernetzung jetzt auch über große

Uno-Actu

Wie gestaltet sich das Prinzip im E-Business

Entfernungen aus. So lassen sich Reisebuchungen online vorgenommen oder Waren per Internetshopping erwerben. Auch Beratungsleistungen oder die Teilnahme an hybriden Veranstaltungen realisiert man häufig über das Internet. Bei diesen Dienstleistungen entfällt die räumliche Nähe.

Häufig benötigt man aufseiten des Anbieters für den eigentlichen Prozess der Leistungserstellung keine natürliche Person mehr. Durch den Einsatz einer Software lassen sich diese Kosten auf die für Entwicklung, Pflege und Wartung derselben reduzieren. Die Nachteile des Uno-actu-Prinzips vermindern sich deutlich. Eine weitere Minimierung erfolgt durch die Entzerrung des Leistungsprozesses. So spaltet sich die Dienstleistung „Produktkauf“ in mehrere Ebenen auf: Bestellung, Verarbeitung, Verpackung, Versand, Abrechnung, Interaktion mit dem Kunden erfolgen zu unterschiedlichen Zeiten und oft durch mehrere Leistungserbringer.

Welche Kritikpunkte lassen sich beim klassischen Begriff des Uno-actu-Prinzips erkennen?

Viele Dienstleistungen enthalten eine mehr oder weniger große Sachleistung und umgekehrt. Die eindeutige und klare Abgrenzung ist nicht möglich. Dieser Umstand steht in der neuen betriebswirtschaftlichen Forschung in der Kritik. Nach dieser Betrachtung lässt man das Uno-actu-Prinzip nur zu, wenn für den Prozess der Leistungserstellung Anbieter und / oder Nutzer in einem hohen Maße kommunikativ und interaktiv beteiligt sind.

Was versteht man unter dem Urheberrecht?

Das Urheberrecht ist ein Schutzrecht, das umfassend das geistige Eigentum eines Urhebers an seiner Schöpfung schützt. Im Gegensatz zu anderen Schutzrechten gilt der Schutz dabei schon ab der Fertigstellung des Werkes. Es muss also keine Veröffentlichung oder eine Eintragung in ein Register erfolgen. Zum umfassenden Schutz gehören dabei neben dem Inhalt und dem Umfang auch Regeln zur Übertragbarkeit beziehungsweise den Nutzungsrechten sowie Bestimmungen für Folgen der Verletzung der Urheberrechte.

Geschichtliche Entwicklung des Urheberrechts

Im Gegensatz zu vielen anderen heutigen Rechtsvorschriften hat das Urheberrecht keinen geistigen Vorgänger im alten Rom oder bei den germanischen Stämmen der Antike. Stattdessen gewann der Schutz von geistigem Eigentum erst im späteren Mittelalter an Bedeutung. Vor allem nach der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert wurde die Notwendigkeit für Schutzrechte deutlich. Dadurch, dass nun Bücher und Schriftstücke massenhaft hergestellt werden konnten, mussten die Rechte der Hersteller der Inhalte geschützt werden. Dafür wurde 1475 das sogenannte Druckerprivileg eingeführt, welches man als erste Form eines Copyrights sehen kann. Lesen Sie hier alles zum Thema Buchdruck.

Da das Druckerprivileg aber zunächst nur Besitzern von Druckereien das zweijährige Recht auf den Nachdruck von Schriften einräumte, gab es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Streitigkeiten. Aufgrund von Plagiaten und unerlaubten Kopien gewannen Konzepte wie das Urheberrecht und das geistige Eigentum an Bedeutung.

Urheberrecht

Ein Werk entsteht aus einer Idee.

Trotzdem dauerte es bis 1835, bis sich in Deutschland erste Gesetze zum Urheberschutz entwickelten. Das erste deutschlandweite Urheberrechtsgesetz entstand 1871, kurz nachdem Deutschland sich im Kaiserreich vereint hatte.

Was ist ein Werk?

Im Urheberrecht wird der schützenswerte Gegenstand als Werk beschrieben, wobei dieses ganz unterschiedliche Formen haben kann. Wichtig ist, dass es sich bei dem Werk um etwas handelt, das von Menschen in einer Form wahrgenommen werden kann. Zudem muss sich es um eine gezielte und persönliche Schöpfung und keine zufällige oder natürliche Anordnung handeln. Die Definition eines Werkes im Sinne des Urheberrechts ist dabei sehr weitläufig gefasst und kann beispielsweise auch Übersetzungen oder Sammlungen von Werken implizieren.

Klassische Beispiele für Werke sind:

  • Sprachwerke wie Texte, Reden oder Computerprogramm
  • Musik
  • Lichtbildwerke wie Fotografien
  • Werke der Tanzkunst
  • Filmwerke
  • Werke bildender Kunst
  • Technische Zeichnungen, Pläne, Karten, Tabellen oder Skizzen
  • Multimediaproduktionen

Der Urheber

Die Person, deren Rechte an einem Werk geschützt werden, wird als Urheber bezeichnet. Von Bedeutung ist dabei, dass ein Urheber immer der Schöpfer des Werkes sein muss. Sind mehrere Personen direkt an einer Schöpfung beteiligt, wird von einer Miturheberschaft gesprochen. In einem solchen Falle ist auch nur eine gemeinsame Ausübung des Urheberrechts möglich.

Grundsätzlich spielt das Alter für eine Urheberrechtschaft keine Rolle. Es ist also auch möglich, dass Minderjährige oder Personen, die aus anderen Gründen nicht geschäftsfähig sind, Urheber sein können. Trotzdem muss es sich bei einem Urheber aber immer um eine natürliche Person handeln. Eine juristische Person kann dagegen kein Urheber sein. Auch ist eine Urheberschaft nicht übertragbar. Der Urheber an einem Werk bleibt auch immer der Inhaber des Urheberrechts. Allerdings kann der Schöpfer Dritten die Nutzungsrechte an seinem Werk einräumen. Dies ist auch gegenüber juristischen Personen und Unternehmen möglich.

Die Verwertungsrechte, die ein Urheber dritten Personen einräumen kann, umfassen verschiedene Nutzungsarten wie Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung und öffentliche Wiedergabe. Auch eine Bearbeitung

Uhrheberrecht

Der Ideengeber entscheidet.

des Werkes ist möglich, wenn der Urheber einer solchen zustimmt. Voraussetzung ist aber immer, dass für jede dieser Verwertungsarten eine Zustimmung vorliegen muss. Nur weil ein Urheber ein bestimmtes Nutzungsrecht einräumt, bedeutet dies nicht, dass er auch alle anderen erlaubt.Auch wenn das Schutzrecht an den Urheber gebunden ist, bedeutet dies zudem nicht, dass es nach seinem Tod erlischt. Das Urheberrecht an einem Werk kann weitervererbt werden. Nach dem Tod können die Erben entscheiden, ob und wie sie Verwertungsrechte einräumen möchten. Unendlich lässt sich ein Urheberrecht nicht weitervererben. In Deutschland erlischt das Schutzrecht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers und das Werk gilt anschließend als gemeinfrei.

Wie Urheberrechte verletzt werden

Durch die umfassenden Schutzrechte, die im Urheberrecht festgelegt sind, können auch ganz verschiedene Arten von Urheberrechtsverletzungen entstehen. In der Regel handelt es sich bei solchen Verletzungen um einen Verstoß gegen die vom Urheber eingeräumten Nutzungsrechte. Dies kann passieren, wenn diese entweder gar nicht vorliegen oder die Rechte die jeweilige Nutzung nicht abdecken.

Ein typisches Beispiel wäre, wenn eine Person ein Musikstück kopiert und dieses anschließend auf eine CD brennt und verschenkt oder sogar verkauft. In diesem Falle wird das Vervielfältigungsrecht des Urhebers verletzt. In der Folge kann der Urheber die Person zunächst einmal auf Unterlassung und anschließend auch auf Schadenersatz verklagen.

Darüber hinaus kann das Urheberrecht auch verletzt werden, wenn bestimmte Vorgaben des Urhebers missachtet werden. So ist es das Recht des Schöpfers, das Nutzungsrecht zeitlich, inhaltlich und räumlich zu definieren. Ein Fotograf kann beispielsweise einer Agentur erlauben, ein von ihm gemachtes Foto für einen bestimmten Zeitraum und in einem konkreten Gebiet oder Bereich zu nutzen. Nutzt das Unternehmen das Bild nun aber auch in anderen Gebieten oder nach dem Ablauf der erlaubten Zeit, liegt erneut eine Urheberrechtsverletzung vor.

Das Urheberrecht im internationalen Vergleich

Urheberrecht

Nicht jeder regelt Urheber-Angelegenheiten gleich.

Ähnlich wie bei vielen anderen Gesetzen auch können sich Urheberrechte je nach Ländern unterscheiden. Innerhalb der EU ist die Gesetzeslage dabei jedoch relativ einheitlich. Etwas anders sieht die Sache dagegen in den USA aus. Hier steht die ökonomische Verwertung von Werken deutlich mehr im Zentrum des Gesetzes. Dies hat beispielsweise zur Folge, dass in den USA auch Unternehmen Besitzer von Urheberrechten sein können. Zudem ist die Schutzdauer nicht an den Schöpfer, sondern an den Veröffentlichungs– oder Schöpfungszeitpunkt gebunden. So gilt ein Werk für 120 Jahre nach der Schöpfung oder 90 Jahre nach der Veröffentlichung als geschützt.

Was ist eigentlich eine Dienstleistung?

Dienstleistungen gab es schon seinerzeit im römischen Reich, wenn auch nicht in der heutigen Form. Damals waren es vor allem Tagelöhner, die als bezahlte Dienstleister arbeiteten. Sehr viel häufiger wurden Arbeiten jedoch in Form von Sklavendiensten erledigt, wobei der Sklave als der Dienstverpflichtete galt und seine DL dem Dienstherren gegenüber ordnungsgemäß umzusetzen hatte.

Die heutigen Dienstleistungen haben mit der damaligen Handhabung nichts mehr gemein. Doch auch in der heutigen Gesellschaft stehen sie an der Tagesordnung. Das fängt beim einfachen Besuch im Restaurant an und endet bei der gemeinsamen Planung des Hausbaus mit einem Architekten. Worin sich die einzelnen Dienstleistungsarten unterscheiden und was der Unterschied zwischen einem Werkvertrag und einem Dienstleistungsvertrag ist, kann für Laien mitunter kompliziert zu erklären sein. Die folgende Übersicht erleichtert das Verständnis.

Wie definiert sich eine Dienstleistung?

Alle Tätigkeiten, die von Dienstleistungsunternehmen oder Dienstleistern erbracht werden, gelten als Dienstleistung. Es gilt das sogenannte Uno-actu-Prinzip, zu Deutsch Gleichzeitigkeit! Die Dienstleistungen werden immer dann direkt verbraucht, wenn sie auch erbracht werden.

Beispiel: Ein Kundentermin beim Kosmetiker. Der Kunde (Dienstleistungsnehmer) erhält eine Leistung (Kosmetikbehandlung) vom Dienstleister (Kosmetiker). Zeitpunkt des Verbrauchs ist identisch mit dem Zeitpunkt

DL

Auch die Gastronomie fungiert als Dienstleister

der Leistungserbringung.

In der Wirtschaft gelten alle Betriebe als Dienstleistungsbetriebe, bei denen die DL selbst im Vordergrund steht, nicht etwa der Verkauf. Somit gehören auch Gastronomiebetriebe zu den Dienstleistern. Zwar sind sie im weiteren Sinne auch Verkäufer, denn sie veräußern Ware (Mahlzeiten), doch primär haben sie einen Dienstleistungscharakter durch den Service am Gast.

Welche Arten von Dienstleistungen gibt es?

Bei den Dienstleistungen lassen sich vier verschiedene Rubriken festhalten, die allesamt einen unterschiedlichen Charakter haben. Hierzu gehören:

  • Sachbezogene
  • Originäre
  • Personenbezogene und
  • Produktbegleitende Dienstleistungen

Grundsätzlich am Wichtigsten und am weitesten verbreitet sind personenbezogene Dienstleistungen. Hierbei wird die DL selbst an einer Person oder in Zusammenarbeit mit der Person erbracht. Der Leistungsempfänger ist passiv oder auch aktiv an der Dienstleistung beteiligt. Die besten Beispiele für personenbezogene Dienstleistungen sind FriseurbesucheArztbesucheMasseurbesuche oder Kosmetikerbesuche.

Produktbegleitende Dienstleistungen hingegen werden meist von Unternehmen angeboten und zwar als Ergänzung zu materiell vertriebenen Gütern. Der Kunde soll durch diese zusätzliche DL einen Zusatznutzen erhalten. Hierzu gehören unter anderem Vorgespräche vor einem Kauf oder Wartungsarbeiten, die nach dem Kauf eines Produkts durchgeführt werden. Dienstleistungen, die vor einem Kauf durchgeführt werden, gelten als Pre-Sales-Services„. Dienstleistungen, die nach einem Kauf durchgeführt werden, bezeichnet man als After-Sales-Services„. Bei den produktbegleitenden ist die Voraussetzung für den Erhalt der Dienstleistungen immer der Erwerb eines Produkts.

Die originäre DL wird ebenfalls von einer Firma oder einem Unternehmen erbracht, welches allerdings keine Waren/Güter herstellt oder produziert. Der Sinn derartiger Unternehmen liegt vollumfänglich bei der Erbringung von Dienstleistungen. Beispiele für derartige Firmen sind Reiseveranstalter, Hausmeisterservices,

DL

Welcher Service wird geboten?

Reinigungen, Krankenhäuser oder Putzfirmen. Auch Unternehmensberater, Rechtsanwälte, Ingenieure oder Architekte gehören zu den originären Dienstleistern.

Sachbezogene Dienstleistungen sind die zweitgrößte Gruppe. Hier werden diese zwar nicht am Menschen durchgeführt, jedoch für den Menschen. Der Kunde gilt als Dienstleistungsempfänger, die Dienstleistung wird jedoch meist an einem Objekt erbracht. Beispiele hierfür sind Lieferanten, Versicherungen, Autowerkstätten oder auch Geldinstitute.

Worin unterscheiden sich Dienstleistung und Sachleistung voneinander?

In der Praxis ist es nicht immer leicht die Dienstleistung von einer Sachleistung zu unterschieden. Allerdings gibt es einige Unterschiede, die die Klassifizierung erleichtern.

Die Sachleistung im Überblick:
  • Es ist ein Eigentumserwerb möglich.
  • Erzeugung der Sachleistung und deren Verbrauch finden zeitversetzt statt.
  • Sachleistung ist lagerfähig.
  • Es kann sich um unbewegliche und bewegliche Güter handeln.
  • Es handelt sich um materielle Güter.
Die DL im Überblick:
  • Erbringung und Verbrauch der Dienstleistung finden zeitgleich statt.
  • Ein Eigentumserwerb ist nicht möglich.
  • Die Dienstleistung kann nicht gelagert werden.
  • Es handelt sich um Realgüter, die in Form von Diensten und Tätigkeiten dargeboten werden.
  • Es handelt sich um immaterielle Güter.

Verschiedene Vertragsformen bei Dienstleistungen

Eine Dienstleistung kann entweder von einer juristischen Person oder von einer natürlichen Person oder mehreren juristischen/natürlichen Personen durchgeführt werden.

Als natürliche Person gelten rechtsfähige Personen. Als juristische Personen gelten Gesellschaften, Vereine oder Körperschaften.

Bei Erbringung einer Dienstleistung werden zwei verschiedene Vertragsarten bei der Nutzung aufgesetzt.

Der Dienstleistungsvertrag ist für den Leistungserbringer insofern verpflichtend, dass er die Dienstleistung einmal oder mehrmals durchführen muss, ohne eine Erfolgsgarantie.

Der Werkvertrag hingegen verpflichtet den Dienstleister einen zuvor versprochenen Erfolg auch zu erzielen.

Der Dienstvertrag im Überblick:

Bei einem Dienstvertrag handelt es sich um einen gegenseitigen Vertrag, bei dem man beide Vertragsparteien in die Pflicht nimmt. Der Dienstleister verpflichtet sich zur Leistung des versprochenen Dienstes, der

DL

Das Vertragliche muss geregelt sein

Dienstleistungsnehmer zur verpflichtet sich zur Zahlung der vereinbarten Vergütung.

Das Verhältnis schließ sich somit zwischen dem Schulder (Dienstverpflichteter) und dem Gläubiger (Dienstberechtigter).

Beispiele für Dienstverträge sind:

  • Mobilfunk/Internet/Telefon-Verträge
  • Nachhilfevertrag/Fernstudien
  • Behandlungsvertrag
  • Arbeitsvertrag
Der Werkvertrag im Überblick:

Während beim Dienstvertrag zwar eine Handlung geschuldet wird, nicht jedoch ein Erfolg, ist dieser beim Werkvertrag zwingend erforderlich. Tritt der Erfolg nicht wie vereinbart ein, kann der Besteller seine Ansprüche geltend machen.

Beispiele für Werkverträge sind:

  • Vertrag über Reparaturarbeiten
  • Erstellung von Gutachten
  • Handwerkliche Dienstleistungen
  • Bauarbeiten

Was ist eine doppelnützige Treuhand?

Die Anzahl der Insolvenzen oder Beinahe-Insolvenzen größerer und kleinerer Unternehmen/Gesellschaften steigt stetig an. Insbesondere in Krisenzeiten macht sich schnell bemerkbar, wie sogar höchst erfolgreiche Unternehmer in Schwierigkeiten geraten können. Insolvenz ist dann in vielen Fällen der letzte Ausweg. Dabei gibt es weitaus vorteilhaftere Möglichkeiten, von der nur wenige Unternehmer Gebrauch machen. Sind bestimmte Voraussetzungen vorhanden, lässt sich eine Insolvenz durch die doppelnützige Treuhand umgehen.

Welche Aufgabe hat die doppelnützige Treuhand?

Die doppelnützige Treuhand ist ein Mittel zum außergerichtlichen Umgang mit mangelnder Liquidität. Durch dieses atypische Sicherungsmittel werden Finanzierer begünstigt, die während einer Ausnahmesituation neue Geldmittel zur Verfügung stellen. Als Treugut werden in der Regel Geschäftsanteile an einer Gesellschaft, die vom Unternehmen getragen werden bzw. von der Unternehmensgruppe gehalten und geführt werden, eingesetzt.

Welche Voraussetzungen müssen für eine doppelnützige Treuhand gegeben sein?

Als wichtigste Voraussetzung für eine doppelnützige Treuhand muss die Sanierungsfähigkeit eines Unternehmens gewährleistet sein. Dies ist in einem positiven Sanierungsgutachten zu bestätigen. Mit der Übertragung von Gesellschaftsanteilen wird die Einrichtung der doppelnützigen Treuhand in die Wege geleitet. Banken profitieren ebenfalls von dieser Art der Sanierung.

Welche vermittelnde Rolle spielt der Treuhänder?

Treuhänder wie Rechtsanwälte oder Steuerbüros sind in schwierigen Zeiten oftmals die engsten Vertrauten und

doppelnützige Treuhand

Wie kreditfähig bin ich noch?

Partner der Unternehmer. Im Falle einer doppelnützigen Treuhand spielen sie eine vermittelnde Rolle. Sie werten zunächst Sanierungsgutachten aus und stellen letztendlich die Voraussetzung für diese Form der Treuhand fest. Dies ist überwiegend dann der Fall, wenn das Unternehmen in einer oder sogar mehreren schädigenden Situationen wie Liquiditätskrise, Absatzkrise oder Strategieproblematik steckt. Das Unternehmen ist damit kreditunwürdig geworden. Lesen Sie hier alles zum Thema Kreditwürdigkeit.

Ziele des vermittelnden Treuhänders zwischen Unternehmen und Banken

Die doppelnützige Treuhand ergibt sich vor allem daraus, dass der Treuhänder gleichzeitig mehrere widerstreitende Interessen verschiedener Personen vertritt und alle Seiten aus der finanziellen Schieflage eines Unternehmers möglichst positiv herauskommen. Der Plan einer doppelnützigen Treuhand sieht vor, dass vor allem die Rechte der Gesellschafter bei der Ausarbeitung der Treuhandverträge gewahrt bleiben. Besteht der Wunsch, den Übergang wirtschaftlichen Eigentums auf den Treuhänder aus Steuergründen zu vermeiden, verbleiben dem Treugeber gesellschaftsrechtliche Kernrechte. Dazu gehören auch ein Auskunfts- und Einsichtsrecht. Um Bereicherungen der Treuhänder zu vermeiden, sind diese verpflichtet, in regelmäßigen Abständen Rechenschaft gegenüber Treugeber, Banken und – falls vorhanden – einem Lenkungsausschuss abzugeben. Höchste Priorität eines Treuhänders ist der Erhalt von Arbeitsplätzen.

Die größte Gefahr, die eine doppelnützige Treuhand mit sich bringt, liegt aus Sicht betroffener Unternehmen in der mehrheitlichen Abtretung der Anteile an den Treuhänder. Eine fachkundige Treuhandgesellschaft wird alles daransetzen, die Gesellschaftsrechte der Unternehmer zu wahren.

Wie läuft eine doppelnützige Treuhand ab?

Einen Treuhänder bestellt man in der Regel, wenn die Banken darauf bestehen, dass die Gesellschaftsanteile in die Sicherungsmasse einfließen und wenn eine Verpfändung wegen Unwägbarkeiten der Pfandverwertung ausscheidet. Der Treuhänder, dem die doppelnützige Treuhand übertragen wird, übernimmt die Gesellschaftsanteile eines Unternehmens als Treugut, um es sowohl zugunsten der Gesellschaft als auch der Banken zu halten (daher der Begriff ‚doppelnützig‘ oder doppelseitig).

doppelnützige Treuhand

Was entscheidet der Treuhänder, was die Bank?

Abhängig von der Ausgangssituation entscheidet der Treuhänder, wie mit dem Treugut umzugehen ist. Ihm bieten sich zwei Möglichkeiten. Bei der Sicherungs- und Verwaltungstreuhand verwaltet ein Treuhänder das Treugut. Dies ist dann der Fall, wenn man ein Unternehmen unter seiner Beaufsichtigung und mit seiner Unterstützung sanieren kann, was sich auch als Sanierungstreuhand bezeichnen lässt. Besteht die Möglichkeit einer erfolgreichen Sanierung nicht mehr, verwertet der Treuhänder das Treugut im Rahmen der Verwertungstreuhand. Da der Treuhänder beide Seiten, Banken als auch Treugeber gleichermaßen berücksichtigt, nimmt er auch die wichtige Rolle eines Mediators ein, um alle Seiten zufriedenzustellen.

Sinnvoll ist dabei auch die Einrichtung eines unabhängigen Lenkungsausschusses. Dieser begleitet und überwacht die Abläufe der Sanierung sowie die gesamte doppelnützige Treuhand bis zum Abschluss. In diesem Lenkungsausschuss sollte gebündeltes Knowhow sowohl im betriebswirtschaftlichen als auch im juristischen Sinne umfassend vorhanden sein. Damit nimmt man Unternehmern als auch Banken die Unsicherheit, die eine doppelseitige Treuhand für alle Beteiligten mit sich bringt.

Was gibt es für die geschwächten Unternehmen zu tun?

Hat der Sanierungsgutachter einem Unternehmen Sanierungsfähigkeit bescheinigt, ist dies ein erster Lichtblick für alle Beteiligten in der doppelseitigen Treuhand. Der Gutachter entwickelt ein Konzept, in dem sowohl die Schwachstellen aufgeführt sind, vor allem aber neue Strategien als auch operative Maßnahmen als Anleitung zur Sanierung bereitgestellt werden. Diese Sanierungsmaßnahmen bestehen in der Regel aus Anpassung der Organisation, strukturelle Maßnahmen wie die Optimierung von Strukturkosten, Neuausrichtung mit Fokus auf das Kerngeschäft, Umsatz- und Wachstumsstrategien, Personalführung sowie zahlreiche individuelle Empfehlungen für jedes einzelne Unternehmen, jede Gesellschaft.

Welche Rolle spielen die Banken während der Dauer der doppelnützigen Treuhand?

Die mächtigen Banken sind es, die ins Wanken geratene Unternehmen zu einer doppelnützigen Treuhand drängen. Und die Banken sind es auch, denen man eine vorrangige Befriedigung aus dem Verwertungserlös einräumt. Aber auch Unternehmen kommt die Maßnahme der Treuhandabwicklung zugute. Banken verzichten auf die Kündigung bestehender Kreditverträge. Ebenso erlassen sie im Rahmen der Treuhand-Durchführung regelmäßig einen Teil ihrer Forderungen gegen betroffene Unternehmen. Wenige Banken vergeben bei deutlicher Erfolgsaussicht auf Sanierung in einigen Fällen sogar neue Kredite, um das Unternehmen durch neue Liquidität am Laufen zu halten.

Entscheidende Vorteile und Nachteile einer Treuhand-Verwaltung in der Zusammenfassung

Vorteile für Unternehmen und Banken:
  • Restrukturierung ohne Insolvenzverfahren
  • Liquidität wird wieder hergestellt
  • Das Unternehmen bleibt erhalten
  • Viele Arbeitsplätze werden gerettet
  • Hebelwirkung: Banken haben Vorrang beim Verteilen von Treugut, ermöglichen dem Unternehmen gleichzeitig, liquide zu bleiben
  • Sorgenfreiheit sowohl auf Seiten der Banken als auch der Unternehmen
  • Detailliertes Sanierungsgutachten mit Anleitung zur Sanierung
  • Fachgerechte Betreuung bis zum Abschluss der Sanierung

Wie endet die Phase der doppelnützigen Treuhand?

doppelnützige Treuhand

Wann ist die Hilfe der Treuhand vollendet?

Wenn die Sanierung im Verlauf der doppelseitigen Treuhand gelingt und damit das Ziel des Treuhand-Verfahrens erfüllt ist, fällt sowohl das Treugut und damit auch das gesamte Unternehmen an den Gesellschafter zurück. Seriöse Treuhänder kämpfen auch bei Nichtgelingen dafür, dass dem Gesellschafter im Falle des Veräußerungsprozesses zumindest ein Anteil seines Treugutes verbleibt. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil dieser Treuhand-Abwicklung, da selbst im nachteiligen Szenario der Nichtsanierung auf beiden Seiten die Interessenlagen berücksichtigt bleiben.

Was ist Distressed M&A?

Im Zuge der Covid-19-Pandemie ist der Begriff Distressed M&A verstärkt in den Fokus gerückt. Mit der herrschenden Unsicherheit geraten vermehrt Unternehmen in Schieflage und das Potenzial für Distressed M&A-Deals steigt. Was sich konkret dahinter verbirgt sowie welche Chancen und Risiken solche Deals bergen, wird im Folgenden beleuchtet.

Definition: Was ist Distressed M&A?

Hinter dem Begriff Distressed M&A (Mergers & Acquisitions, zu Deutsch: Fusionen und Übernahmen) steckt der Kauf oder Verkauf von Unternehmen in der finanz– oder leistungswirtschaftlichen Krise. Solche Übernahmen von Distressed Assets (notleidenden Aktiva) können vorinsolvenzlich oder aus der Insolvenz heraus erfolgen. Dabei kann es sich um das gesamte Unternehmen, eine begrenzte Anzahl von Anteilen oder einzelne Vermögenswerte handeln. Verkauft wird an Investoren aus dem In- und Ausland oder an die liquiditätsstarke Konkurrenz.

Abzugrenzen sind Distressed M&A-Transaktionen von normalen M&A-Deals. Charakteristisch für Distressed M&A ist die hohe Komplexität der Transaktionen. Zum einen unterliegen sie einem besonderen Zeitdruck. Das Unternehmen befindet sich bereits in einem Stadium der Krise (dabei werden fünf Krisenstadien unterschieden). Mit fortschreitendem Krisenstadium steigen auch Handlungs– und Zeitdruck. Vertieft sich die Krise, bleibt nur noch die Insolvenz – und damit kaum eine Chance für eine werterhaltende Lösung. Zwar sind Distressed M&A auch in Insolvenzfällen möglich. Die „Distressed M&A-Studie 2017″ für die Unternehmensberatung Roland Berger zeigt

Distressed M&A

Was ist in der Krise betroffen?

jedoch, dass beim Erwerb von Unternehmen vorinsolvenzliche Verfahren bevorzugt werden.

Zum anderen verkompliziert die Vielzahl an Beteiligten Unternehmensübernahmen in Krisensituationen. Dazu zählen je nach Situation etwa die Arbeitnehmer, der Betriebsrat, die Beiräte, Gesellschafter und Hauptfinanzgeber wie Banken und Lieferanten, aber gegebenenfalls auch die Kunden, Gläubiger, der Insolvenzverwalter und ein Interessentenfeld an Investoren.

Risiken von Distressed M&A

Distressed M&A-Transaktionen sind von einer hohen Komplexität gekennzeichnet. Folgende Aspekte spielen bei einem Deal in Krisenzeiten eine Rolle:

  • Erheblich komplexere Due Diligence

Die Due Diligence erfolgt bei regulären wie bei Distressed M&A fast ausschließlich im elektronischen Datenraum. Technisch und prozedural ergeben sich somit keine Unterschiede zu normalen M&A-Deals. Jedoch ist die Risikoallokation bei kriselnden oder von Insolvenz betroffenen Unternehmen weitaus bedeutender als bei regulären Transaktionen. Im Rahmen der Due Diligence müssen daher zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden.

Distressed M&A

Wann lohnt sich eine Restrukturierung?

Dazu zählen neben der vergangenen Geschäftsentwicklung auch die Analyse, welche Faktoren zur Krise geführt haben, welche Parameter das vorliegende Geschäftsmodell aufweist und welche Chancen und Risiken damit einhergehen.

Dazu kommen die Analyse der Qualität der Unternehmenssteuerung und der Controlling-Instrumente. Auch eine Analyse der Liquiditätsentwicklung (um den maximalen Finanzierungsbedarf für Betriebsmittel und Investitionen zu ermitteln, der zuzüglich zum Akquisitionsfinanzierungsbedarf anfällt) sowie die Analyse der aktuellen Liquiditätssituation (Cashburnrate, Beziehungen zu Kunden, zu Lieferanten sowie deren Lieferbedingungen und Geldgebern) ist relevant. Auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse kann ein neuer Businessplan erarbeitet werden, der Ineffizienzen aufzeigt, Restrukturierungsmaßnahmen und die damit verbunden Kosten einbindet sowie Potenziale und Synergien benennt.

  • Anspruchsvolle Ermittlung des Kaufpreises

Bei einem Unternehmen mit Ertrags- und Liquiditätsdefiziten lässt sich der Wert nicht einfach ermessen. Wichtig bei der Ermittlung des Enterprise Value ist es daher immer, die Entwicklungschancen des Zielunternehmens in die Bewertung mit aufzunehmen.

  • Komplexe Finanzierung

Die Finanzierung bei Distressed M&A-Deals muss schnell und flexibel erfolgen. Zudem ist die Akquisition mit einem höheren Risiko verbunden, was die Beschaffung des Kapitals erschwert. Ferner ist mit höheren Finanzierungskosten zu rechnen. Lesen Sie hier alles über Finanzierungskosten.

  • Anspruchsvolle Rechtsgrundlagen

Je nach Land können bestimmte auf arbeits-, gesellschafts-, und insolvenzrechtlich Regelungen die Transaktion erschweren. In Deutschland müssen Käufer etwa die Insolvenzanfechtung (§§129 ffInsO), das Erfüllungswahlrecht des Insolvenzverwalters (§ 103 InsO), die Befugnis zur Verfügung über das Vermögen der Zielgesellschaft (§ 80 InsO) sowie aussonderungs– und absonderungsberechtigte Gläubiger mitbedenken.

Welche Chancen bieten sich?

Für Käufer oder Investoren (Buy Side) sind in die Krise geratene Unternehmen eine attraktive Option, obwohl die Krisen-Akquisition nicht risikolos ist. Doch auch auf der Verkaufsseite (Sell Side) bieten sich trotz des akuten Handlungsbedarfs in Krisensituationen durch Distressed M&A-Deals Chancen .

Kaufseitige Chancen bei Distressed M&A-Transaktionen (Buy Side)

  • Käufer profitieren in Krisensituationen von günstigen Preisen (etwa weil der Börsenkurs/Marktwert sinkt oder das Zielunternehmen nicht mehr liquide ist).
  • Käufer können sich schnellen Zugang zum (deutschen oder einem internationalen) Markt verschaffen, ohne ein Unternehmen vor Ort von Grund auf aufzubauen.
  • Internationale Käufer können das Geschäftsmodell des Zielunternehmens auf ihr eigenes Herkunftsland übertragen.
  • Käufer können durch strategische Akquisition den erstmaligen Markteinstieg in ein bestimmtes Segment vorantreiben.
  • Käufer können anorganisches Wachstum im eigenen Marktumfeld schaffen.
  • Käufer können liquiditätsdefizite Wettbewerber ausschalten.
Distressed M&A

Der Krise trotzen?

Hinweis: In der aktuellen Covid-19-Pandemie sind private (Groß-)Investoren, Unternehmen unterschiedlicher Größe aber auch Staaten beziehungsweise Staatsfonds mögliche Käufer.

  • Verkaufsseitige Chancen bei Distressed M&A-Deals (Sell Side)
  • Verkäufer können die Arbeitsplätze ihrer Arbeitnehmer retten.
  • Verkäufer können wichtige Vertragspartner vor dem Ausfall ihrer Forderungen bewahren.
  • Verkäufer können (gegebenenfalls) die Insolvenz vermeiden.
  • Verkäufer können den Firmennamen bewahren und eine Pleite und Auflösung abwenden.
  • Verkäufer können einen Imageverlust umgehen (aufgrund von Insolvenz oder Auflösung typisch).
  • Verkäufer können durch Veräußerung von Anteilen/Vermögenswerten Liquidität für eine strategische Neuausrichtung oder die Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen schaffen.

Schlusswort

Aufgrund der Komplexität von Distressed M&A-Transaktionen ist immer ein individualisierter Ansatz notwendig. Pauschale Anwendungen von Standardlösungen eignen sich nicht. Dennoch bietet der Kauf oder Verkauf in Krisenzeiten neben Risiken auch Chancen.

Was ist ein Joint Venture?

Bei einem Joint Venture (zu Deutsch etwa „gemeinsames Wagnis“) handelt es sich um einen Zusammenschluss von mindestens zwei Unternehmen, die kooperieren, um ein Ziel zu erreichen. Rechtlich und wirtschaftlich bleiben die Unternehmen unabhängig. Als Gesellschafter jedoch teilen sie das wirtschaftliche Risiko, die Verantwortung sowie die Führungsaufgaben des Joint Ventures. Die Grundlage der Zusammenarbeit bildet dabei ein Vertrag. Darin definieren die Unternehmen Zielsetzung sowie die rechtlichen und wirtschaftlichen Punkte ihrer Kooperation.

Historisch betrachtet gehen Joint Ventures auf die Nachkriegszeit zurück. Insbesondere US-Unternehmen ging es darum, mithilfe von Joint Ventures schnellen Zugang zu ausländischen Märkten zu erlangen.

Welche Gründe sprechen für ein Joint Venture?

Reizvoll ist ein Joint Venture für Unternehmen, denen es darum geht, schnell in Märkten erfolgreich zu sein, auf denen sie bisher kaum oder gar keine Erfahrungen haben sammeln können. Durch die Kooperation mit einem anderen Unternehmen verringern sie ihre Risiken und Kosten. Auf der anderen Seite gelangen sie an Know-how, Fähigkeiten, Betriebsstätten und an vieles mehr, das es ihnen ermöglicht, Synergieeffekte zu nutzen und auf diese Weise schnell eine starke Marktposition aufzubauen. Eigene Schwächen werden durch die Stärken des anderen Unternehmens ausgeglichen. Sich den Marktzugang allein zu erschließen, würde den Unternehmen sehr viel mehr Zeit, Geld und Risikobereitschaft abverlangen. Großprojekte, die für einzelne Unternehmen nur schwer zu stemmen wären, wie beispielsweise Grundlagenforschung oder die Entwicklung neuer Produkte, werden oft erst durch Joint Ventures realisierbar.

In der Regel beruhen Joint Ventues auf freiwilliger Kooperation. In Entwicklungs– und Schwellenländern kommt es jedoch auch vor, dass ein Unternehmen dazu gezwungen wird, ein regional verwurzelten Partnerunternehmen an der Gründung zu beteiligen. Dabei nutzen die Staaten Joint Ventures, um Reglementierungen durchzusetzen.

Joint Venture

Eine Kooperation basiert auf freiwilliger Basis

Dies hat zum Ziel, die eigene Wirtschaft zu schützen und die Wettbewerbsposition heimischer Unternehmen zu stärken. Je attraktiver ein Markt ist, desto eher sind ausländische Unternehmen bereit, die mit dieser Regulierungen verbundenen Zwänge zu akzeptieren.

Welche Arten von Joint Ventues gibt es?

Joint Ventures lassen sich auf vielfache Weise unterscheiden. Grundlegend ist die Differenzierung nach der Kooperationsform in Equity Joint Venture und Contractual Joint Venture. Ein Equity Joint Venture zeichnet sich dadurch aus, dass durch die Gründung ein völlig neues, gemeinsam geführtes Unternehmen entsteht. Um die private Haftung der Gesellschafter auszuschließen, entscheiden sich diese zumeist für die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Neugründung um eine eigenständige Drittgesellschaft, wobei die Gründer das Risiko, die Verantwortung und die Investitionen teilen. Bringen sich die beteiligten Unternehmen mit Investitionen in gleich großem Umfang ein, spricht man von einem paritätischen Joint Venture. Von einem Mehrheits-JointVenture ist die Rede, wenn eine der Parteien mehr Kapitalanteile als die andere einbringt, beispielsweise um Abstimmungsabläufe zu vereinfachen oder um einem nachteiligen Wissensabfluss entgegenzuwirken.

Bei einem Contractual Joint Venture entsteht kein selbstständiges sowie gemeinschaftlich geführtes Unternehmen. Die Grundlage der vergleichsweise losen Zusammenarbeit bildet ein Kooperationsvertrag, der die Höhe der Investitionen sowie die Kosten- und Gewinnverteilung zwischen den Partnern regelt. Diese Kooperationsform zeichnet sich durch die geringen Gründungskosten und die sehr flexible Vertragsgestaltung aus.

Wie ist die Branche ausgerichtet?

Differenzieren lässt sich auch hinsichtlich der Branchenausrichtung. Bei einem konzentrierten Joint Venture arbeiten Unternehmen aus verwandten Branchen zusammen, um Synergieeffekte zu nutzen. Als Beispiel lässt sich an ein Hotel denken, das mit einem Reiseveranstalter zusammenarbeitet. Kooperieren Unternehmen aus der gleichen Branche miteinander, handelt es sich um ein horizontales Joint Venture, so etwa dann, wenn ein Verlag

Joint Venture

Wie arbeiten die Branchen zusammen?

eine Kooperation mit einem Medienkonzern eingeht. Ein konglomerates Joint Venture zeichnet sich dadurch aus, dass die Unternehmen aus völlig verschiedenen Branchen stammen. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit eines Versicherers mit einem Autohersteller. Bei einem vertikalen Joint Venture finden sich Unternehmen zusammen, die verschiedene Positionen in einer Wertschöpfungskette einnehmen, wie es etwa der Fall ist, wenn ein Lieferant mit seinem Abnehmer kooperiert. Lesen Sie hier alles zur Wertschöpfungskette.

Der räumliche Aspekt ist bei Joint Ventures ebenfalls zu beachten. Hier lassen sich nationale sowie internationale Kooperationen unterscheiden. Bei ersteren kommen die Kooperationspartner aus dem gleichen Land, während bei zweiteren Direktinvestionen in mindestens zwei verschiedenen Ländern getätigt werden.

Welche Risiken können auftreten?

Neben den großen Chancen, die eine internationale Kooperation bietet, bestehen auch einige Risiken. Da die Kooperation oftmals staatlichen Regulierungen unterworfen ist, kann es leicht zu Zielkonflikten kommen. Ebenfalls erschwerend können sich sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede und verschiedene Rechtsauffassungen bemerkbar machen. All diese Details müssen genau abgestimmt und koordiniert werden, damit die Zusammenarbeit der Partner auch tatsächlich gelingen kann. Der Koordinationsaufwand sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Daher ist es umso wichtiger, alle wichtigen Punkte vertraglich genau festzuhalten.

Joint Venture

Was ist Teamwork, was Ausnutzen?

Ungenaues Arbeiten führt sonst leicht zu großen Missverständnissen, die eine Vielzahl von Problemen nach sich ziehen und damit zu Lasten der Produktivität gehen können. Anders als komplett selbstständige Unternehmen gelten Joint Ventures mitunter als eher instabil.

Darüber hinaus besteht für ein Unternehmen im Rahmen einer Kooperation auch immer das Risiko, dass wichtige Interna und Know-how an den Kooperationspartner abfließt. Das ist besonders dann gefährlich, wenn die Unternehmen in der gleichen Branche als Konkurrenten agieren. Daher ist es sehr wichtig, mögliche Risiken schon vorab vertraglich so zu begrenzen, dass keines der Unternehmen einen das andere schädigenden Wettbewerbsvorteil aus der Kooperation ziehen kann.

Was ist das Teileinkünfteverfahren?

Wer aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft Einnahmen erzielt, muss die Gewinne versteuern. Bis zum Jahre 2008 galt das Halbeinkünfteverfahren. Eine grundsätzliche Steuerpflicht für diese Einnahmen gibt es mit dem Anrechnungsverfahren bereits seit dem Jahre 1977. Wesentlich für die Berechnung der Steuer ist der Personenstand. Das Teileinkünfteverfahren findet auf natürliche Personen, Personengesellschaften oder Kapitalgesellschaften eine unterschiedliche Anrechnung.

Teileinkünfteverfahren – eine Definition

Das Teileinkünfteverfahren bezieht sich auf alle Einkommen, die sich aus Dividenden oder Wertausschüttungen erzielen lassen. Auch bei einer Veräußerung von Anteilen findet das Verfahren Anwendung. In jedem Fall spielt es eine Rolle, ob die Einkünfte aus Betriebsvermögen oder Privatvermögen stammen. Bei einigen Einkünften ist die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens Pflicht. Bei anderen haben die Unternehmen ein Wahlrecht. Dies bedeutet, dass sie selbst entscheiden können, ob sie ihre Einkünfte nach dem klassischen Steuerrecht oder nach dem Teileinkünfteverfahren besteuern lassen möchten. Gerade bei der Besteuerung von Unternehmen kann das Teileinkünfteverfahren Vorteile bringen. Dies ist unter anderem darin begründet, dass beim

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Wie fällt die Besteuerung aus?

Teileinkünfteverfahren Werbungskosten Berücksichtigung finden. Dies ist bei der klassischen Kapitalbesteuerung nicht der Fall.

Natürliche Person oder Kapitalgesellschaft

Eine wichtige Rolle für die Besteuerung spielt die Rolle des Steuerpflichtigen. Hier findet die Tatsache Berücksichtigung, ob des sich beim Steuerpflichtigen um eine natürliche Person oder um eine Kapitalgesellschaft handelt. Natürliche Personen werden steuerlich anders behandelt als Kapitalgesellschaften.

Wahlrecht oder Pflicht – die Besteuerung natürlicher Personen

Liegt eine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft vor, besteht bei einigen Einnahmeformen ein Wahlrecht. Bei anderen hingegen besteht die Pflicht zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

* Betriebsvermögen

Liegt eine Beteiligung an einem Betriebsvermögen vor, ist die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren Pflicht. Hierbei spielt das Beteiligungsverhältnis keine Rolle.

Achtung!
Bei einer Veräußerung des Betriebsvermögens besteht die Verpflichtung zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

* Privatvermögen

Beteiligungen an Privatvermögen lassen sich nach dem Teileinkünfteverfahren besteuern, wenn die Beteiligung mindestens 25 Prozent beträgt. In diesem Fall hat der Steuerpflichtige die Wahl, nach welcher Vorgabe er besteuern lassen möchte.

Achtung!
Liegt bei einer Veräußerung des Privatvermögens eine Beteiligung von mindestens einem Prozent vor, besteht die Pflicht zur Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren.

Wichtig zu wissen:

Wenn der Anteilseigner für die Gesellschaft tätig ist, die das Vermögen hält, besteht das Wahlrecht bereits bei einer Beteiligung von einem Prozent.

Besteuerung von Kapitalgesellschaften

Bei einer Kapitalgesellschaft sind Gewinne aus der Veräußerung der Anteile und Ausschüttungen in vollem Umfang steuerfrei. Dies ist in § 8b Abs. 1 Körperschaftsteuergesetz (KStG) geregelt. Zu berücksichtigen ist jedoch

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Wie geht man mit Gewinnen um?

das pauschale Betriebsausgabenabzugsverbot. Dies beträgt fünf Prozent. Somit finden bei der Steuerfreiheit der Gewinne einer Kapitalgesellschaft nur 95 % Berücksichtigung. Die Besteuerung einer Kapitalgesellschaft ist somit auf fünf Prozent der Gewinne begrenzt. Aus diesem Grund sind Kapitalgesellschaften deutlich besser gestellt als natürliche Personen.

 

Grundlagen der Besteuerung

Grundsätzlich gibt es eine Steuerbefreiung in Höhe von 40 Prozent der Einkünfte. Dies gilt für alle Einkommensarten, was bedeutet, dass 60 Prozent der Einkünfte zur Besteuerung herangezogen werden. Diese Tatsache sollte insbesondere bei den Einkommensarten Berücksichtigung finden, bei denen ein Wahlrecht besteht. Durch die Anrechnung der Freibeträge kann die Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren günstiger ausfallen als bei der klassischen Besteuerung.

Berücksichtigung von Werbungskosten

Von den 60 Prozent, die der Besteuerung zugrunde liegen, können Werbungskosten und Betriebsausgaben abgezogen werden. Somit sinkt der Anteil, der für die Besteuerung herangezogen wird, ein weiteres Mal. Dies ist der Grund, warum sich für Unternehmen eine genaue Analyse lohnt, welche Besteuerung günstiger ist. Lesen Sie hier alles zu Betriebsausgaben.

Beispiel für die Steuerberechnung

Ein Unternehmen hat einen Gewinn von 200.000 EUR. Der Gesellschaftsinhaber hat aufgrund der Vermögensart das Recht, zwischen der Kapitalertragssteuer und der Besteuerung nach dem Teileinkünfteverfahren zu wählen.

Kapitalertragssteuer

Die Kapitalertragssteuer auf Vermögen beträgt grundsätzlich 30 Prozent. Es gibt einen geringen Freibetrag von 801 EUR im Jahr, der bei hohen Vermögen kaum Auswirkungen hat. Somit werden von den 200.000 EUR Vermögen 199.199 EUR zur Besteuerung herangezogen. Somit beträgt die Steuerlast 59.759,70 EUR.

Teileinkünfteverfahren

Bei der Anwendung des Teileinkünfteverfahrens greift ein Freibetrag von 40 %. Somit betragt der zu versteuernde Gewinn 120.000 EUR. Davon können Werbungskosten und Betriebsausgaben zum Abzug gebracht werden. Bei einem bereinigten Gewinn von 100.000 EUR beträgt der Steuersatz 42 %. Dies ergibt sich aus der Einkommenssteuer-Grundtabelle, die in diesem Fall zur Anwendung kommt. Die zu zahlende Steuer würde in diesem Berechnungsbeispiel 42.000 EUR betragen. Das Unternehmen hat 17.759,70 EUR gespart.

Kritik am Teileinkünfteverfahren

Seit seiner Einführung sorgt das Teileinkünfteverfahren für Kritik. Diese Kritik bezieht sich zum einen darauf, dass Kapitalgesellschaften deutlich besser gestellt sind als natürliche Personen. Dies beruht darauf, dass bei einer Kapitalgesellschaft die Gewinne bis zu 95 Prozent steuerfrei sind. Bei natürlichen Personen werden hingegen bis zu 60 Prozent der Einkünfte abzüglich von Werbungskosten und Betriebsvermögen zur Besteuerung herangezogen.

Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip

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Was darf vom Einkommen abgezogen werden?

Als weiterer Kritikpunkt wird immer wieder ein möglicher Verstoß gegen das objektive Nettoprinzip laut. In der Folge würde es sich auch um einen Verstoß gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip handeln, das in Art. 3 Abs. 1 GG festgehalten ist. Das objektive Nettoprinzip beschreibt die Tatsache, dass eine steuerpflichtige Person sämtliche Ausgaben für den Beruf von seinem Einkommen abziehen darf. Dieses Recht ergibt sich aus der Tatsache, dass ihm der Teil des für den Beruf aufgewendeten Einkommens nicht für die private Lebenshaltung zur Verfügung steht.

Aus diesem Grund ist es nicht gestattet, diesen Teil des Einkommens für die Berechnung der Steuer heranzuziehen. Beim Teileinkünfteverfahren gilt ein pauschaler Abzug von Steuern, die den tatsächlichen Bedarf nicht berücksichtigen. Aus diesem Grund sehen einige Kritiker die Vorgaben des objektiven Nettoprinzips und damit des im Grundgesetz festgehaltenen Leistungsfähigkeitsprinzips nicht in vollem Umfang gewahrt.

Was ist Six Sigma?

Die meisten Kunden haben klare Vorstellungen von Produkten und Dienstleistungen. So erwarten sie beispielsweise von Anbietern, dass deren Services und Produkte fehlerfrei funktionieren und jederzeit verfügbar sind. Für Anbieter bedeutet das, dass sie bei Produkten und Prozessen für höchstmögliche Qualität sorgen müssen. Durch den Einsatz von Six Sigma soll dieses Ziel erreicht werden.

Allgemeine Informationen

Das Konzept von Six Sigma beruht auf statistischen Modellen und dem Modell der Normalverteilung von Messwerten. Die Qualität der Dienstleitungen und Produkte eines Unternehmens soll im Rahmen eines vorgegebenen Bereichs liegen. Alles, was sich außerhalb dieses vorgegebenen Bereichs befindet, wird als fehlerhaft angesehen. Durch den Einsatz von Six Sigma verpflichten sich Unternehmen dazu, dass 99,99966 Prozent der Messwerte im Rahmen des vorgegebenen Bereichs sein müssen. Demzufolge dürfen also maximal 3,4 Fehler bei einer Million Fehlerkombinationen vorkommen. Six Sigma hat sich im Laufe der Jahre von einem Begriff aus dem Bereich der Prozesssteuerung zu einem breit gefächerten Konzept für das Qualitätsmanagement entwickelt. Aus diesem Grund gibt es auch unterschiedliche Arten, wie sich Six Sigma klassifizieren lässt. Demnach kann Six Sigma sein:

  • der Begriff für die Qualität eines Prozesses, der im Durchschnitt nur 3,4 Fehler bei einer Million Fehlerkombinationen erzeugen darf
  • ein methodisches Verfahren, um Probleme ausfindig zu machen, dies zu beheben und damit unternehmensinterne Prozesse zu optimieren
  • die Einrichtung und Anwendung von Six Sigma-Methoden in einem Unternehmen
  • die Ausbildung und Einteilung der Mitarbeiter in einem Unternehmen mit klaren Aufgabenbereichen, Rollen und Kompetenzen.

Herkunft und Hintergründe

Viele japanische Unternehmen sind in Bezug auf Qualität und Effizienz führend. Japan ist auf dem Gebiet der Produktionseffizienz beispiellos, denn es gibt kein anderes Land, das so viel unternommen hat, um

Six Sigma

Six Sigma spielt auch in der Software eine wichtige Rolle

Produktionsfehler zu vermeiden und im hohen Maße zu eliminieren. Aus diesem Grund hat das Six Sigma-Konzept seinen Ursprung im Land der aufgehenden Sonne. Bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden dort die wichtigsten Elemente entwickelt und erfolgreich eingesetzt. Als Erfinder des Konzepts wird Art Sundry angesehen, ein ehemaliger Manager von Motorola. Lesen Sie hier alles über Motorola.

Im Laufe der Jahre wurde die Sigma-Methode fortwährend weiterentwickelt und optimiert, sodass sie heutzutage in Unternehmen weltweit eingesetzt wird. Nicht nur Unternehmen aus der Industrie setzen auf Six Sigma, sondern zunehmen auch immer mehr Dienstleister wie Versicherungen, Banken und Softwareschmieden nutzen Sigma als Basis für ihr Qualitätsmanagement. Six Sigma hat sich in vielen Branchen etabliert und an Bedeutung gewonnen.

Prozesse optimieren und Qualität perfektionieren

Im Laufe der Jahre hat sich Six Sigma in vielen Unternehmen als ein wirksames Konzept für das Qualitätsmanagement etabliert. Denn bei dem Konzept geht es nicht darum, defekte Produkte zu identifizieren und zu entfernen, bevor sie in den Handel kommen. Im Rahmen der Sigma-Maßnahmen sollen vielmehr die Ursachen für Fehler identifiziert und beseitigt werden. Konkret bedeutet das, dass Six Sigma direkt bei den Abläufen, Tätigkeiten und Prozessen im Unternehmen ansetzt. Aus diesem Grund stellt Sigma mit seinen Tools und Methoden nicht nur einen einzelnen Baustein des Qualitätsmanagements dar, sondern vielmehr seine Basis.

Unternehmen, die mit Six Sigma ihre bestehenden Prozesse optimieren, können von einer Vielzahl zusätzlicher positiver Effekte profitieren. Sie können beispielsweise ihre laufenden Kosten verringern, Abläufe beschleunigen

Six Sigma

Six Sigma soll Prozesse optimieren

und Kunden insgesamt ein besseres Produkt bieten. Im Rahmen von Six Sigma werden sämtliche Prozesse im Detail analysiert, Unregelmäßigkeiten genau gemessen und Optimierungen konsequent umgesetzt. Als Grundlage für all diese Optimierungsmaßnahmen fungiert der Kernprozess, der mit der Abkürzung DMAIC bezeichnet wird. DMAIC steht für:

 

  • Define (definieren)
  • Measure (messen)
  • Analyse (analysieren)
  • Improve (verbessern)
  • Control (kontrollieren)

Die Six Sigma-Toolbox im Überblick

Für die Arbeit nach dem Six Sigma-Prinzip stellt man eine Reihe unterschiedlicher Tools zur Verfügung. In der Sigma-Toolbox(Werkzeugkasten) sind 7×7 Tools so strukturiert, dass sie alle Aufgabenbereiche optimal abdecken, die im Rahmen einer Sigma-Optimierung im Unternehmen anfallen können. Die Tools lassen sich einteilen in Werkzeuge für:

  • Projektmanagement
  • Kundenanalyse
  • Prozessanalyse
  • Prozessdesign
  • grafische Visualisierung
  • statistische Auswertung relevanter Daten für Steuerung und Analyse

Die Einführung von Six Sigma inklusive aller zur Verfügung stehender Tools ist mit einem relativ hohen Aufwand verbunden und setzt Schulungen von Mitarbeitern voraus. Ihre Mitarbeiter müssen in der Lage sein, sich umfassendes Wissen in der Statistik sowie in den vielen Tools des Qualitätsmanagements anzueignen. Diese

Six Sigma

Was befindet sich alles im Werkzeugkasten?

Kompetenzen erlernen Mitarbeitern im Rahmen einer formalen Ausbildung. Sigma bietet außerdem eine standardisierte Ausbildung, sodass ihre Mitarbeiter am Ende der Ausbildung zertifiziert sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Sigma-Konzepts sind die sogenannten Sigma-Gürtel„. Mit diesen macht man für alle im Unternehmen sichtbar, welche Kompetenzen und Erfahrungen der Träger eines Gürtels mit sich bringt. Man unterscheidet unterschiedliche Gürtel-Farben, und zwar:

  • gelber Gürtel für Einsteiger in das Six Sigma-Konzept, die bei Teilaufgaben unterstützend mitwirken
  • grüner Gürtel für Projektmitarbeiter und weniger erfahrene Leiter einfacher Sigma-Projekte
  • schwarzer Gürtel für Projektleiter umfangreicher Sigma-Projekte
  • schwarzer Meister-Gürtel für Trainer und System-Promotoren
  • Champion-Gürtel für ProjektsponsorenProzesseigner und Geschäftsleitung

Darüber hinaus haben Unternehmen die Möglichkeit, eigene Gürtelfarben zu definieren. So findet man in manchen Unternehmen auch die Bezeichnungen „blauer Gürtel“ oder „weißer Gürtel“.

Umsatz oder Gewinn – worin liegt der Unterschied?

In der Alltagssprache werden die Begriffe Umsatz und Gewinn oft verwechselt. Für Unternehmer ist es aber erforderlich, den Unterschied zwischen diesen beiden Größen zu kennen. Eine falsche Berechnung oder Interpretation dieser Kennzahlen kann zu Fehlentscheidungen führen und den unternehmerischen Erfolg gefährden. Worin liegt der Unterschied zwischen Umsätzen und Gewinnen und wie unterscheiden sich diese wiederum von Einnahmen und Ertrag?

Definition Umsatz

Der Umsatz, der auch als Erlös bezeichnet wird, gibt an, wie viel in einem bestimmten Zeitraum eingenommen wurde. Alle hergestellten Güter, die verkauft werden, registriert das Unternehmen als Umsätze. Erst danach werden Steuern, Rabatte oder Skonti abgezogen. Bewertet wird der Umsatz in Geldeinheiten. Die Formel für den Umsatz lautet demzufolge:

U = Absatzmenge x Preis

Beispiel:
Ein Fahrradhändler verkauft 200 Fahrräder für jeweils 400 Euro. In diese Fall errechnet sich der Umsatz wie folgt:
U = 200 x 400 Euro = 80.000 Euro

Definition Gewinn

Der Gewinn bezieht dagegen die Kosten mit ein. Er beschreibt, wie viel vom Umsatz „übrig bleibt“, und zwar nach dem Abzug sämtlicher Kosten. In jedem Unternehmen werden Kosten wirksam. Dies sind zum Beispiel Kosten für die Forschung, die Fertigung, die Miete, die Angestellten, den Vertrieb und das Marketing. Zieht man diese Kosten vom Umsatz ab, erhält man den Gewinn. Die Formel zur Berechnung des Gewinns lautet demzufolge:

G = Umsatz – Kosten
Beispiel: Bei dem oben genannten Fahrradhändler fallen für Miete, Löhne, Vorprodukte, Versicherungen Kosten von insgesamt 45.000 Euro an. Dann berechnet sich der Gewinn wie folgt:
G = 80.000 Euro – 45.000 EUR = 35.000 Euro
Der Betrag von 35.000 Euro bleibt dem Fahrradhändler, nachdem vom Umsatz sämtliche Kosten abgezogen wurden.

Beziehung zwischen Preis und Umsatz

Gewinn/Umstz

Wovon hängt der Umsatz ab?

Grundsätzlich kann der Unternehmensumsatz gesteigert werden, indem der Umsatz gesteigert wird oder indem die Kosten reduziert werden. Ein steigender Preis führt bei gleichbleibender Absatzmenge zu einem höheren Umsatz und bei gleichbleibenden Kosten auch zu einem höheren Gewinn. In der Regel bewirkt ein steigender Preis aber, dass die Absatzmenge zurückgeht. Die Auswirkung auf den Umsatz kann somit nicht verallgemeinert werden. Es hängt von der Preiselastizität der Nachfrage ab, ob der Umsatz steigt oder fällt.

Beziehung zwischen Preis und Gewinn

Auch die Wirkung einer Preiserhöhung auf den Gewinn kann nicht verallgemeinert werden. Falls eine Preissteigerung zu einer Erhöhung des Umsatzes führt, dann steigt in der Regel auch der Gewinn. Denn meist wird bei einer Preiserhöhung weniger abgesetzt. Da nun weniger produziert wird als vorher, fallen in der Regel die Gesamtkosten. Somit steigt der Gewinn.

Auswirkungen eines gestiegenen Qualitätsniveaus

Sowohl der Umsatz als auch die Gesamtkosten sind von der Produktionsmenge abhängig. In der Realität ist die Steigerung des Umsatzes oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Beispielsweise ist eine Anhebung des Qualitätsniveaus der Produkte mit zusätzlichen Kosten verbunden und trägt gleichzeitig zu einem höheren Umsatz bei. Im Ergebnis sinkt der Gewinn, während der Umsatz steigt. Gleichwohl kann sich ein

Gewinn/Umsatz

Hohe Qualität = hoher Gewinn

gestiegenes Qualitätsniveau längerfristig positiv auf den Gewinn auswirken.

 

 

 

 

Verschiedene Kostenstellen

In den meisten Unternehmen werden mehrere Produkte hergestellt. Dazu werden verschiedene Maschinen, Anlagen, Betriebsmittel, Gebäude oder Fahrzeuge verwendet. All diese Kostenstellen müssen im Rahmen der Buchführung erfasst werden, damit der Gewinn korrekt berechnet werden kann.

Der Gewinn ist für die Steuer relevant. Sind die Steuern noch nicht abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn vor Steuern“. Sind die Steuern dagegen bereits abgezogen, dann handelt es sich um den „Gewinn nach Steuern“. Sobald ein Unternehmer Gewinne erzielt, ist er steuerpflichtig. Dies gilt auch für Einzelunternehmer und Freiberufler. Je nach Rechtsform müssen Einkommenssteuer oder Körperschaftssteuer gezahlt werden. Gewerbetreibende sind außerdem gewerbesteuerpflichtig.  Lesen Sie hier alles zur Gewerbesteuer.

Systemumsatz, Gruppenumsatz und Branchenumsatz

Der Gesamtumsatz in allen Filialen eines Franchise-Unternehmens wird als Systemumsatz bezeichnet. Bei Unternehmensgruppen addieren sich die Umsätze der einzelnen Unternehmen zum Gruppenumsatz. Die gesamten Umsätze aller Unternehmen in einer Branche bezeichnet man als Branchenumsatz. Auf dieser Grundlage kann für jedes einzelne Unternehmen der Marktanteil berechnet werden.

Ertrag und Einnahmen

Die Begriffe Ertrag und Einnahmen sind nicht identisch mit den Umsätzen und dem Gewinn. Auch die Relation der beiden Begriffe zueinander ist eine andere.

Eine Einnahme ist ein Geschäftsvorgang, der mit einer Zunahme des betrieblichen Geldvermögens verbunden ist. Die Einnahme bewertet man in Geldeinheiten. Dieser Geldwert entspricht dem Wert der materiellen Güter oder Dienstleistungen, die das Unternehmen bei dem jeweiligen Geschäftsvorgang an den Markt herausgibt. Dabei ist nicht maßgeblich, wann man die Leistung erstellt hat.

Gewinn/Umsatz

Was charakterisiert den Ertrag?

Unter Ertrag lässt sich ein Geschäftsvorgang verstehen, bei dem das betriebliche Gesamtvermögen zunimmt. Ertrag entsteht also immer dann, wenn man neue unternehmerische Werte schafft. Der Zeitpunkt der Zahlung ist nicht maßgeblich.

Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag

Die Beziehung zwischen Einnahmen und Ertrag kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Drei Fälle lassen sich unterscheiden.

  1. Einnahme entspricht dem Ertrag
    In diesem Fall verkauft man ein Gut oder eine Dienstleistung in der gleichen zeitlichen Periode, in der die Erstellung der Leistung erfolgte. Den Wert der Leistung verbucht man dann gleichzeitig als Einnahme und als Ertrag.
  2. Neutrale Einnahme: Einnahme, aber kein Ertrag
    In diesem Fall liegen die Zeitpunkte der Leistung und der Zahlung in unterschiedlichen Perioden. Dies ist gegeben, wenn man Güter verkauft, die noch nicht existieren. Eine neutrale Einnahme liegt auch vor, wenn eine Anzahlung für eine noch zu erstellende Leistung erfolgt. Tätigt der Eigenkapitalgeber eine Einlage, dann liegt ebenfalls eine neutrale Einnahme vor.
  3. Kalkulatorischer Ertrag: Ertrag, aber keine Einnahme
    Hierbei fallen die Zeitpunkte für die Produktion und den Verkauf in umgekehrter Weise auseinander. Beispielsweise werden Güter produziert, aber noch nicht verkauft, sondern gelagert. Demzufolge erzielt man in der aktuellen Zeitperiode noch keine Einnahmen.

Was ist Benchmarking?

Benchmarking bezeichnet das ständige Messen an einem Vergleichsmaßstab; in modernen Zeiten also fortlaufende, vergleichende Analysen von Arbeitsprozessen und deren Ergebnissen an einem bestimmten, festgelegten Bezugswert.

Ziel des Benchmarkings sind die Verbesserungsmöglichkeiten, die sich in anderen Unternehmen bereits nachvollziehbar bewährt haben. Inzwischen geht es zunehmend nicht mehr nur um Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch um Verbesserung der sozial-ökonomischen Rahmenbedingungen.

Das Vergleichs-Prozess gliedert sich in folgende Schritte:

  1. Falls noch nicht geschehen: Etablierung einer KVP-Kultur (Kultur eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses) und eines Ideenmanagements (betriebliches Vorschlagswesen + KPV-Team)
  2. Identifizierung der verbesserungsbedürftigen Prozesse, Methoden, Produkte im eigenen Unternehmen (plus ggf. Ordnung nach Priorität)
  3. Zusammenstellung des Benchmarking-Teams (Ideenmanagement + Mitarbeiter, deren Arbeitsbereich unmittelbar oder mittelbar berührt wird)
  4. Ermittlung der messbaren Indikatoren des Vergleichs-Objekts, Entwicklung eigener Messverfahren, Generierung von Basislinienmessungen
  5. Auswahl Identifizierung des Vergleichsunternehmens (der Zielorganisation, die bessere Lösungen hat und ähnlich genug für einen Vergleich ist)
  6. Primärinformation: Kontaktaufnahme mit der Zielorganisation, Bitte um Anerkennung der Ziele, Durchführung eines oder mehrerer Besuche
  7. Informations- und Datensammlung; Analyse dieser Sekundärinformationen
  8. Vergleich der Benchmarks mit den eigenen Lösungen, Ermittlung der Leistungslücken samt Ursachen, Analyse der bestehenden Unterschiede
  9. Überarbeitung der eigenen Prozesse (Werkzeug für den KVP = Prozess der kontinuierlichen Verbesserung: DIN A3-Report mit Strategien, Entscheidungsgrundlagen, Problemlösungen)
  10. Anwendung des PDCA-Zyklus (4-stufiger Regelkreis für systematisiertes Vorgehen im KVP, mit den Phasen: Plan, Do, Check, Act = Planen, Handeln, Überprüfen, Umsetzen)
  11. Dokumentation des Vergleichs-Prozesses und der neu erarbeiteten Regeln

Woher kommt der Begriff Benchmarking?

Die Vergleichsmethode ist nach den englischen Worten bench (= Sitzbank, Werkbank) und mark (= Zeichen) benannt, die schon im Englischen die Begriffswandlung zur „benchmark“ durchliefen:

Zusammengesetzt bezeichnete die englische benchmark ursprünglich die Markierungspunkte im

Benchmarking

Benchmarking ist viel mehr als nur Marketing

Vermessungswesen (OSBMOrdnance Survey Bench Mark, Markierungspunkt der Amtlichen Landvermessung), um dann im Wirtschaftsleben zu der „Marke, nach der es zu streben gilt“ aufzusteigen.

Weil es höchst vernünftig ist, das „Rad nicht jedes Mal neu zu erfinden“, entwickelte sich die Idee des Benchmarkings schnell über das Produkt-Marketing hinaus und bezieht heute alle Vergleichsmaßstäbe mit ein, die einem Unternehmen als erstrebenswert erscheinen können:

Benchmarking Anwendungen

Benchmarking setzt man heute in verschiedensten unternehmensinternen Bereichen und auch unternehmensübergreifend ein, mit spezifischen Methoden und unterschiedlichen Zielen:

  • In der BWL schätzt man Benchmarking als systematischen, kontinuierlichen Prozess, um Organisation und Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu vergleichen.
  • Die Finanzwirtschaft nutzt den Vergleich vor allem zur Bewertung des Erfolgs einer Anlage, meist mit dem jeweils marktrelevanten Aktienindex als Vergleichsmaßstab.
  • In der IT ermittelt man häufig die Wirtschaftlichkeit von technisch neuen IT-Infrastrukturen durch Prozessvergleiche.
  • Beim Computer-Vergleich stehen sich verschiedene Hardware-Komponenten von Rechnern gegenüber, gewöhnlich anhand mittels spezieller, dafür geschriebener Programme.
  • Das Produkt-Benchmarking vergleicht Produkte und/oder Produkteigenschaften und –merkmale wie Attribute wie USPs, Kosten, Funktionen.
  • Bei Technologien werden die zugrundeliegenden Prozesse verglichen, die Ziele können Kostenersparnis und/oder Prozessstabilität sein.
  • In der Fertigung vergleicht man eigene Produktionsprozess mit dem eines Best-Practice-Unternehmen, das zum Vergleich geeignete Produkte herstellt
Benchmarking lässt sich weiter nach dem organisatorischen Ansatzpunkt in der Unternehmensstruktur und den spezifischen Zielen unterscheiden:
  • Externer Vergleich: Der klassische Normalfall, in dem ein anderes, in betrachteten Bereich besonders erfolgreiches Unternehmen als Vergleichsmaßstab dient.
  • Internes Benchmarking: Vergleicht verschiedene Abteilungen des eigenen Unternehmens untereinander, z.B. der Filialen in verschiedenen Ländern
  • Strategisches Benchmarking: Vergleich mit den übergeordneten Strategien und dem generellen Vorgehen eines erfolgreicheren Konkurrenten
  • Funktionaler Vergleich: Branchenübergreifender Vergleich von Organisations– und Arbeitsstrukturen
  • Benchmarking der Wettbewerbsfähigkeit: Vergleich der Performance bestimmter Produkte, Dienstleistungen, Serviceleistungen
Benchmarking

Der Vergleich ist in fünf Teile gegliedert

Eine grundlegende, vielbeachtete Benchmarking-Theorie mit einem Stufenkonzept hat der Betriebswirtschaftler und Marketing-Professor (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) Ralf Thomas Kreutzer erarbeitet. Lesen Sie hier alles über Ralf Thomas Kreutzer.

Danach lässt sich das Optimierungspotenzial beim Benchmarking am besten herausarbeiten, wenn man innerhalb des oben skizzierten Benchmarking-Prozesses folgende fünf Komponenten integriert bzw. beachtet:
  1. Bei der Auswahl des Zielobjekts sollte der Fokus auf Produkten und Dienstleistungen oder Prozessen liegen, deren Schlüsselkomponenten man festlegt und analysiert. So stellt man gleich von vornherein klar, dass es nicht um den Vergleich zweier Unternehmen (mit individueller Unternehmenskultur und unterschiedlicher Unternehmens-Historie) geht, sondern um einen Vergleich einzelner Leistungsmerkmale.
  2. Der relevante Vergleichsbereich unterliegt einer genauen Definition: Welcher interne Unternehmensbereich soll verglichen werden? Soll ein anderer Unternehmensbereich, ein anderes Unternehmen aus der eigenen Branche und dem eigenen Land als Vorbild dienen oder empfiehlt sich unter Berücksichtigung der weltweiten Entwicklung der Blick auf andere Branchen und/oder in andere Länder? Welcher Bereich des Wettbewerbs ist relevant?
  3. Auf der Stufe der Informationsbeschaffung lassen sich die Erfolgsaussichten des Benchmarkings dadurch beeinflussen, dass man alle relevanten Erfolgsfaktoren des Vorbild-Unternehmens ermitteln kann. Es kommt also entscheidend darauf an, dass man in diesem Unternehmen eine Kultur der Transparenz pflegt, in Bezug auf die Produkte und die dahinterstehenden Konzepte.
  4. Bei der Ermittlung der Leistungsunterschiede zwischen den beiden Unternehmen geht es zunächst darum, die eigenen Leistungslücken möglichst unvoreingenommen zu identifizieren. Zusätzlich sollte aber auch noch geprüft werden, ob Überleistungen im eigenen Unternehmen ohne Nutzen Ressourcen verschlingen.
  5. Auf der Optimierungsstufe ist entscheidend, dass man Best-Practice-Konzepte nicht nur einfach nachahmt, sondern im verbesserungsbedürftigen Unternehmen nachhaltige, möglichst auf andere Bereichen „abfärbende“ Veränderungsprozesse einleitet.

Welche Vorteile ergeben sich durch Benchmarking?

„Jeden Tag ein bisschen besser“ lautet ein Motto einer unserer größten Lebensmittelhandelsketten, das nichts

Benchmarking

Benchmarking kann sich auf alle Mitarbeiter auswirken

anderes als ein ständiges Benchmarking beschreibt.

Diese Lebensmittelhandelskette führte dieses Motto sechs Jahre als Werbe-Slogan machte, weil Benchmarking auch intern wirkt: Gruppendynamik kann Weiterentwicklungsprozesse in Unternehmen so sehr behindern, dass man Benchmarking von weitsichtigen Unternehmern auch deshalb einsetzt, um die eigenen Mitarbeitern für externe Anregungen zu öffnen und neuen, fremden Standards eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen.