BWL-Artikel

Was ist eine Limited?

Die Limited (Ltd.) ist eine aus England bekannte Rechtsform für Unternehmen. Sie gilt dort als die am häufigsten verwendete Rechtsform, wodurch sie mit der deutschen GmbH verglichen werden kann. Die Haftung der Gesellschafter ist beschränkt. Rechtlich betrachtet ähnelt die Ltd. der deutschen Unternehmergesellschaft. Nach britischem Gesellschaftsrecht ist die Ltd. eine Form der Kapitalgesellschaft. Da die Limited eine privatrechtliche Gesellschaft ist, tritt die Gesellschaft als juristische Person auf. Das Grundkapital ist in Anteilen zerlegt. Die Anteilsinhaber haften nur bis zur Höhe dieses Kapitals. Anteile der Gesellschaft sind auf andere Personen übertragbar.

Welche verschiedenen Formen der Limited existieren im Vereinigten Königreich?

  1. Private company limited by Shares
    Kleine und mittlere Unternehmen verwenden diese Rechtsform. Es handelt sich um die in England am weitesten verbreitete Form der Kapitalgesellschaften. Die Ltd. darf keine Anteile öffentlich anbieten. Der Handel an der Börse ist somit nicht möglich. Wird in Veröffentlichungen nur von der „Limited“ gesprochen, so ist im allgemeinen die Private company limited by Shares gemeint. Träger dieser Rechtsform müssen dem Namen einen kennzeichnenden Zusatz hinzufügen. Die Abkürzung im Namen als Ltd ist zulässig.
  2. Private company limited by guarantee
    Im Vergleich zur privaten Variante ist die Bildung von Stammkapital nicht vorgesehen. Die Mitglieder halten

    Limited

    Wer haftet bei Insolvenz?

    keine Anteile an der Gesellschaft, sie geben stattdessen eine Garantie ab. Erleidet die Gesellschaft Insolvenz, haften die Mitglieder bis zur Höhe des in der Garantie genannten Betrags. Ein häufiges Anwendungsgebiet sind nicht-gewinnorientierte Unternehmen, beispielsweise Vereine, Sportverbände oder Genossenschaften. Die Unternehmen treten als juristische Person auf, müssen allerdings kein Stammkapital stellen.

  3. Private unlimited Company
    Die Private unlimited Company kann Anteile ausgeben, eine Verpflichtung hierzu besteht allerdings nicht. Es handelt sich um eine Sonderform der Kapitalgesellschaft. Alle Teilhaber haften jedoch unbeschränkt. Teilhaber können natürliche oder juristische Personen sein. Ein Vorteil dieser Variante ist, dass das Unternehmen als eigene Rechtspersönlichkeit auftritt und dennoch alle Teilhaber unbeschränkt haften. Der Namenszusatz Unlimited ist für die Gesellschaft verpflichtend.
  4. Public limited Company
    Größere und börsennotierte Unternehmen verwenden diese Variante. Sie dürfen ihre Aktien öffentlich anbieten und an der Börse handeln. Strenge Berichts- und Meldepflichten werden der Gesellschaft auferlegt. Die Benennung eines Schriftführers ist vorgeschrieben, der anerkannter Rechtsanwalt oder Buchhalter sein muss. Als Namenszusatz für das Unternehmen ist der Bestandteil „public limited Company“ oder PLC vorgesehen.

Wie wird eine Limited gegründet?

Für die Gründung ist die Eintragung in das britische Handelsregister (Companies House) erforderlich. Ein Gründungsstadium in Form einer Vorgesellschaft ist nicht notwendig. Sobald das Companies House das Certificate of Incorporation ausgestellt hat, ist die Gesellschaft rechtsfähig. Nicht nur englische Firmen entscheiden sich für diese Rechtsform. Es ist nicht vorgeschrieben, dass die Verwaltung des Unternehmens in England erfolgen muss. Lediglich eine zustellfähige Adresse – die für den offiziellen Schriftverkehr mit den Behörden genutzt wird – wird verlangt. Grundsätzlich ist die Namenswahl für die Gesellschaft frei gestaltbar – mit Einschränkungen hinsichtlich der vorgeschriebenen Namenszusätze. Außerdem hat das Companies House eine Liste mit Worten erstellt, die nicht im Namen verwendet werden dürfen. Namenswünsche wie „Royal“ und „British“ bedürfen einer Sondergenehmigung und genehmigungspflichtig. Namensbestandteile wie „Bank“ sind theoretisch möglich, müssen jedoch im Zusammenhang mit der Unternehmenstätigkeit stehen und können daher ebenfalls nur auf Antrag verwendet werden.

Worin unterscheiden sich Limited und PLC?

Private company limited by shares

  • Mindestkapital: keines
  • Mindestanzahl Anteilinhaber: 1
  • Mindestanzahl Directors: 1
  • Standard Articles of AssociationTable A (private)
  • Namenszusatz:
    Cyfyngedig (Cyf.) (Walisische Unternehmen)
    Limited (Ltd.)

Public limited company

  • Mindestkapital: 50.000 £ oder 65.600 EUR
  • Mindestanzahl Anteilseigner: 2
  • Mindestanzahl Directors: 2
  • Standard Articles of AssociationTable A (public)
  • Namenszusatz:
    Cwmni Cyfyngedig Cyhoeddus (CCC) (Walisische Unternehmen)
    Public Limited Company (PLC)
Limited

Entscheidend ist das Stammkapital

Der für die Praxis wesentliche Unterschied zwischen der Ltd. und der PLC liegt in der Verpflichtung zur Stellung eines bestimmten Mindestkapitals. Die PLC eignet sich nicht für kleine Unternehmen, die Ltd. kann auch von kleinen Unternehmen gegründet werden, da kein Mindestkapital vorgeschrieben ist.

Vorteile vs. Nachteile der Ltd.

Vorteile

Im Vergleich zur GmbH ist für die Gründung der Ltd. kein Stammkapital erforderlich. Für eine GmbH muss eine Einlage von mindestens 25.000 Euro vorhanden sein. Die Gründung der Ltd. ist innerhalb weniger Tagen möglich. Die hohe Transparenz der Gesellschaftsform ist aus Sicht der Geschäftspartner ein positiver Faktor. Eine Haftung, die über die Anlage hinausgeht, ist bei der Ltd. nicht vorgesehen, was dem Schutz der Gesellschafter dient. Die Gesellschafter haben überdies jederzeit die Möglichkeit, eine Kapitalerhöhung vorzunehmen oder Gesellschafter zu wechseln. Das anzuwendende Recht ist das englische Gesellschaftsrecht, welches als firmenfreundlich gilt. Lesen Sie hier alles zu Kapitalerhöhungen.

Nachteile

Limited

Wann gilt das britische Recht?

Erfolgt die Gründung der Ltd. vom Ausland aus, sind ein Vertreter und eine Adresse in England notwendig. Liegt die Haupttätigkeit der Ltd. in Deutschland, so müssen die Gesellschafter einen Jahresabschluss in England und eine Steuererklärung in Deutschland einreichen. Der Gesellschafter bewegt sich stets zwischen zwei Rechtssystemen: Hinsichtlich des Gesellschaftsrechts gilt englisches, hinsichtlich Steuern und Bilanz gelten das deutsche und das englische Recht. Anonymität als Gesellschafter ist bei der Ltd. nicht vorgesehen, da das englische Recht ein hohes Maß an Transparenz fordert.

Was ist eine Red Flag Due Diligence?

Der Begriff der Red Flag Due Diligence beziffert die Analyse eines Unternehmens oder eines bestimmten Geschäftsbereiches. Auch gezielte Untersuchungen von Firmen oder einzelnen Arbeitsbereichen fallen unter diesen Begriff. Der Idealfall sieht vor, dass bei jeder Transaktion in einem Unternehmen die Red Flag Due Dilligence durchgeführt wird. Mit der Untersuchung sind verschiedene Vorteile verbunden. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Beschaffung von Informationen über die jeweilige Transaktion
  • Untersuchung von Risiken und Chancen, die mit der Transaktion in Zusammenhang stehen
  • Funktion der Sicherung von Beweisen

Zum Zwecke der Beweissicherung, aber auch anderer Bereiche der Untersuchung, ist es möglich, eine Financial Due Diligence-Prüfung durchzuführen. Diese Prüfung dient ebenfalls der Informationsgewinnung. Es ist aber auch möglich, im Rahmen dieser Prüfung die Chancen und Risiken der Transaktion zu bewerten.

Einschätzung der Transaktionen eines Unternehmens

Red Flag

Was wird geprüft?

Innerhalb eines Unternehmens gibt es eine Vielzahl an Transaktionen, die innerhalb eines Geschäftsjahres oder eines längeren Zeitraums durchgeführt werden müssen. Die Durchführung dieser Transaktionen erfolgt unter dem Sammelbegriff M&A. Dahinter verbirgt sich die Bezeichnung Mergers & Acquisitions. Unter diesem Begriff lassen sich sämtliche Transaktionen eines Unternehmens zusammenfassen.

Wichtige Transaktionen in einem Unternehmen oder Unternehmensbereich können sein:

  • Fusionen
  • Übernahmen anderer Unternehmen
  • Unternehmenskäufe
  • Betriebsübergänge
  • Übernahmen, die fremdfinanziert sind
  • Outsourcing und Insourcing
  • Unternehmenskooperationen

Bei allen Transaktionen ist es wesentlich, dass sie auf einer stabilen finanziellen Grundlage realisiert werden. Es ist wichtig, Probleme zu erkennen und darauf den Fokus zu legen. Ziel ist es, die Transaktionen sicher und ohne nennenswerte Schwierigkeiten durchzuführen. Die Analyse eines Unternehmens ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Nur, wenn die Struktur und die finanziellen Spielräume eines Unternehmens bekannt sind, lässt sich eine Transaktion vorab sicher bewerten.

Vorteile von Red Flag Due Diligence

Red Flag Due Diligence bietet verschiedene Vorteile. So ist es möglich, sich bei der Analyse eines Unternehmens oder eines Unternehmensbereichs auf die wesentlichen Probleme zu fokussieren. Wenn es gelingt, Probleme oder Schwierigkeiten bereits im Anfangsstadium zu erkennen und bestenfalls zu beheben, ist dies mit der Einsparung von Kosten verbunden. Unvorhergesehene Ausgaben entstehen oft dann, wenn die Informationsbeschaffung nicht optimal gelaufen ist. Je mehr Details über ein Unternehmen bekannt sind, desto besser lässt sich die Ausgangslage beurteilen. Die Erkenntnis, das eine Übernahme oder eine Transaktion nicht so reibungslos verlaufen könnte wie gedacht, zwingt zum Umdenken. Die Pläne und Strukturen müssen auf die neuen Erkenntnisse angepasst werden. Wenn dies gelingt, ist es möglich, die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren.

Transaktionshindernisse wirksam erkennen

Für ein einzelnes Unternehmen ist es oftmals nicht oder nur eingeschränkt möglich, Transaktionshindernisse wirksam zu erkennen. Experten, die Red Flag Due Diligence als Dienstleistung

Red Flag

Vorsicht vor Fehltransaktionen!

anbieten, haben von außen einen Blick auf das Unternehmen. Sie betrachten es als Gesamtheit. Dienstleistungen im Rahmen der Red Flag Due Diligence lassen sich für viele verschiedene Unternehmensbereiche buchen. Die Abschätzung von Risiken gelingt einem Experten von außen eher als dem Unternehmer, der sich mit den Details der Übernahme beschäftigt. Hier fehlt der Blick von außen, aber auch das Expertenwissen. Wenn sämtliche Transaktionen eines Unternehmens vorab im Rahmen von Red Flag Due Diligence geprüft werden, lassen sich Fehltransaktionen und damit Fehlinvestitionen wirksam vermeiden. Ziel ist es, dass der Unternehmer die Transaktion sicher durchführt und dass seine Firma davon produziert. Lesen Sie hier alles zu Fehlinvestitionen.

Was gilt als Red Flag?

Während der Prüfung der Transaktion können Probleme auftauchen, bei denen es zu überdenken gilt, ob das Geschäft auf diese Weise abgeschlossen werden sollte. Wenn derartige Probleme auftauchen, wird dies als Red Flag bezeichnet. Die rote Flagge bedeutet demnach, dass die geschäftlichen Details eventuell zu ändern sind. Wenn keine Abwandlungen möglich sind, kann es mitunter besser sein, auf die Transaktion zu verzichten. Letztlich ist es wichtig, dass ein Unternehmen in jedem Fall gewinnoptimiert arbeitet. Dies sollte bei der Planung einzelner Transaktionen und deren Bewertung nicht außer Acht gelassen werden. Insbesondere ist es notwendig, folgende Bereiche zu überprüfen:

  • Außerbilanzielle Finanzinstrumente, die ein Risiko darstellen könnten

Es gilt, nicht nur die Bilanzierung in den Mittelpunkt der Überprüfung zu stellen. Finden Sie heraus, ob es außerhalb der offiziellen Bilanzen Transaktionen gibt, die das Unternehmen oder seine Liquidität gefährden könnten.

  • Planungen, die unrealistisch sind

Firmen, die von einer Übernahme betroffen sind, legen oftmals unrealistische Planungen auf. Es gilt, solche Planungen aufzudecken aus aus der Bewertung herauszunehmen.

  • Überbewertete Finanzanlagen

Wenn Einlagen überbewertet werden, entsteht ein verzerrtes Bild von der finanziellen Lage des Unternehmens. Aus diesem Grund ist es wichtig, alle Einlagen ganz genau zu prüfen

  • Auftragslage

Die momentane Auftragslage eines Unternehmens kann sich innerhalb von Wochen oder Monaten ändern. Dies hat auf die künftige Liquidität der Firma große Auswirkungen. Wenn beispielsweise Aufträge auslaufen oder wegbrechen, weil ein Vertragspartner abspringt, kann dies die finanzielle Situation eines Unternehmens deutlich verändern.

Nach der Übernahme muss im schlimmsten Falle der Kundenstamm neu aufgebaut werden. Um dies zu

Red Flag

Welcher Kunde ist rentabel?

verhindern, ist es wichtig, nicht nur die momentane Auftragslage genau zu prüfen. Analysieren Sie, wie sich die Aufträge künftig gestalten und welche Zusagen es von den Kunden für eine langfristige Auftragslage gibt.

Wie ist eine Red Flag aufgebaut?

Die Red Flag Due Diligence bietet einen Überblick über die finanzielle Lage eines Unternehmens vor der Transaktion. Kritische Punkte werden offengelegt und in die Bewertung einbezogen. So ist es möglich, das Risiko der geplanten Transaktion eindeutig zu bewerten und dann eine Entscheidung zu treffen.

Was ist eine Firmenübernahme und wie läuft sie ab?

Bei einer Firmenübernahme kauft ein Unternehmen ein anderes auf. Als Synonym wird für diese Transaktion auch der Begriff Akquisition verwendet. Der Unternehmenskauf vollzieht sich dadurch, dass das übernehmende Unternehmen die Mehrheit der Firmenanteile an der anderen Firma übernimmt oder die Unternehmensanteile gegen Geld erwirbt.  Nach dem Verkauf geht die gesamte Kontrolle auf den neuen Eigentümer über.

Der Grund für eine Firmenübernahme könnte darin liegen, dass das übernehmende Unternehmen einen Konkurrenten ausschalten möchte oder das übernommene Unternehmen z.B. ein Patent besitzt.

Was ist bei einer Firmenübernahme zu beachten?

Die Übernahme einer anderen Firma ist ein sehr komplexer Vorgang, der in der Vorbereitung eine gute Planung und eine gute Organisation erfordert. Bei einer Firmenübernahme stehen die folgenden Faktoren im Fokus:

Der Firmenwert – was ist das übernommene Unternehmen Wert?

Sowohl der Käufer als auch der Verkäufer eines Betriebes sind an dem Firmenwert des zu übernehmenden Unternehmens interessiert. Der Firmenwert wird als Goodwill bezeichnet. Innerhalb einer Bilanz wird er als immaterieller Vermögensposten ausgewiesen. Der Goodwill wird ermittelt, indem der Substanzwert des zu übernehmenden Unternehmens von dem vereinbarten Kaufpreis abgezogen wird.

Beispiel:

Die A GmbH möchte die B-KG übernehmen. Die Vertragsparteien einigen sich auf einen Verkaufspreis von 6.000.000 Euro. Aus der Bilanz der B-KG ergeben sich Aktiva (Summe der materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter) von 4.000.000 Euro. Auf der Passivseite weist die Bilanz Verbindlichkeiten in Höhe von 2.000.000 Euro aus.

Der Substanzwert der B-KG ermittelt sich wie folgt:

Substanzwert B-KG = 4.000.000 Euro – 2.000.000 Euro = 2.000.000 Euro

Der Goodwill ist der Differenzbetrag zwischen dem Kaufpreis und dem Substanzwert. Bei dieser Firmenübernahme wird er wie folgt ermittelt:

Goodwill = 6.000.000 Euro – 2.000.000 Euro = 4.000.000 Euro

Den erkauften Goodwill (derivativer Firmenwert) muss die A-GmbH nach den handelsrechtlichen Bestimmungen in ihre Bilanz übernehmen. Abzugrenzen vom derivativen Firmenwert ist der originäre Goodwill  (selbstgeschaffener Firmenwert). Für diesen besteht ein handelsrechtliches Aktivierungsverbot.

Welches Kapital wird für die Übernahme verwendet?

Eine Firmenübernahme kostet Geld. Für die Finanzierung des Übernahmepreises setzt das übernehmende Unternehmen zunächst eigene Mittel ein. Um von öffentlichen Förderprogrammen profitieren zu können, sollte der Eigenkapitalanteil die Grenze von 15 % nicht unterschreiten. Für die weitere Finanzierung können verschiedene Förderprogramme oder die Aufnahme eines Bankdarlehens genutzt werden. Im letzteren Fall ist jedoch zu bedenken, dass die Fremdkapitalzinsen den eigenen Gewinn schmälern.

Wie sehen die Marktchancen nach der Übernahme aus?

Für das übernehmende Unternehmen ist interessant, welche Marktchancen sich nach der Übernahme ergeben. Hierfür müssen im Vorfeld die Faktoren Standort, optimale Produktionsprozesse und Absatzmöglichkeiten ausgelotet werden.

Friedliche Übernahme und feindliche Übernahme

Bei einer Firmenübernahme ist die friedliche von der feindlichen Übernahme abzugrenzen. Die friedliche Übernahme findet mit Zustimmung des zu übernehmenden Unternehmens statt. Eine andere Bezeichnung für friedliche Übernahme ist freundliche Übernahme.

Die feindliche (auch unfreundliche) Übernahme findet nicht im Einvernehmen mit dem bisherigen Eigentümer statt. Für das übernehmende Unternehmen ist diese Art des Unternehmenskaufs risikobehaftet, da es nicht auf die Informationen zurückgreifen kann, die bei einer freundlichen Übernahme zur Verfügung stünden. Der Investor kann sich nicht über die bilanzielle Situation des Unternehmens erkundigen und erhält auch keine Einblicke in die innerbetrieblichen Abläufe. Ihm stehen nur die Informationen zur Verfügung, die das zu übernehmende Unternehmen aufgrund der Gesetzgebung in Deutschland ohnehin publizieren müsste.

Auch für das gekaufte Unternehmen können sich bei einer feindlichen Firmenübernahme negative Folgen ergeben. Mit dem Abbau überschüssiger Kapazitäten sind oft weitreichende Personalentlassungen und Standortschließungen verbunden.

In welchen Fällen kommt eine Firmenübernahme in Betracht?

Für eine Firmenübernahme sprechen viele Gründe. Die übernehmende Gesellschaft hat eine Geschäftsidee, die sich in der Praxis bereits bewährt hat. Der Übernehmer braucht sich nicht um die Entwicklung einer neuen Idee oder der Erstellung eines Businessplans zu kümmern.

Bei der Gründung eines Unternehmens müssen neben der Entwicklung der Geschäftsidee und der Erstellung eines Businessplans noch weitere Punkte bedacht werden, die z.B. die Rechtsformwahl oder die steuerlichen Aspekte des neuen Unternehmens betreffen. Diese Überlegungen muss der Übernehmer einer anderen Firma nicht anstellen. Das übernehmende Unternehmen kann sich allein auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Die übernehmende Gesellschaft profitiert von dem technischen Knowhow und dem Netzwerk, über welches das zu übernehmende Unternehmen bereits verfügt. Produktionsstätten, Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten sind bereits vorhanden. Deshalb braucht bei einer Firmenübernahme der Fokus nicht auf der Neukundenakquisition zu liegen. Lesen Sie hier alles zur Kundenakquise.

Der Ablauf einer friedlichen Firmenübernahme

Der Ablauf einer friedlichen Firmenübernahme beginnt mit der Suche eines Unternehmens nach einem Investor, der die rechtliche und wirtschaftliche Kontrolle des Unternehmens übernimmt.

Für den Übernehmer einer anderen Firma stellen sich u.a. die Fragen nach der Rentabilität und nach den Vorteilen, die die Übernahme für das eigene Unternehmen bringen kann.

Hat sich ein Investor gefunden, geht es um die vertraglichen Details der Übernahme. Neben der Festlegung des Kaufpreises bilden z.B. die Übernahme des Personals oder wettbewerbsrechtliche Faktoren eine Diskussionsbasis.

Sind die Vertragsverhandlungen abgeschlossen, muss der Investor sich um die Finanzierung des Unternehmenskaufs kümmern. Steht nicht genug Eigenkapital zur Verfügung, kann der Investor auf Förderprogramme oder einen Bankkredit zurückgreifen.

Der Verkäufer muss abklären, welche steuerlichen Aspekte bei dem Unternehmensverkauf zu bedenken sind.

Abgrenzung: Firmenübernahme und Fusion

Schließen sich zwei Unternehmen zusammen, weil sie Synergien nutzen möchten, handelt es sich um eine Fusion. Eine Fusion kennzeichnet sich dadurch, dass zwei Unternehmen miteinander verschmolzen werden. Dabei sind die folgenden drei Fälle zu unterscheiden:

  • Upstream-Merger: Die Aktiva und Passiva des Tochterunternehmens gehen vollständig in der Bilanz des Mutterunternehmens auf.
  • Downstream-Merger: Das Tochterunternehmen übernimmt das Mutterunternehmen.
  • Sidestep-Merger: Innerhalb eines Konzernverbunds werden zwei Schwesterfirmen miteinander verschmolzen.

Was ist Kapitalbindung?

Was versteht man unter der Kapitalbindungsdauer? Das Hauptziel eines Unternehmens besteht darin, einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Um dies zu erreichen, wird Kapital eingesetzt. Neben den liquiden Mitteln (z.B. Bankguthaben und Kassenbestand) investiert das Unternehmen Kapital in das Anlagevermögen und in das Umlaufvermögen. Hier werden die Gegenstände ausgewiesen, die das Unternehmen benötigt, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Liquide Mittel stehen dem Unternehmen zu jederzeit zur Verfügung. Größere Rechnungen werden mit einer Banküberweisung beglichen. Kleinere Anschaffungen bezahlt das Unternehmen bar.

Problematisch wird es für den Betrieb bei dem Kapital, das in eine Produktionsmaschine oder in einen anderen Vermögensgegenstand des Anlagevermögens investiert wurde. Für die Nutzungsdauer dieser Produktionsmaschine ist das Kapital in dem Unternehmen gebunden. Ebenso verhält es sich bei den Vermögensgegenständen des Umlaufvermögens. Hier tritt die Kapitalbindung in Form einer offenen Kundenrechnung ein. Solange diese noch nicht ausgeglichen ist, kann das Unternehmen nicht über das Kapital

Kapitalbindung

Welches Kapital ist an das Unternehmen gebunden?

verfügen.

Das nicht verfügbare Kapital ist an das Unternehmen gebunden.

Welche Aussage trifft die Kapitalbindungsdauer?

Da ein Unternehmen auf den Kapitaleinsatz angewiesen ist, ermittelt es den Zeitraum, für den das in dem Anlage- oder Umlaufvermögen gebundene Kapital nicht für andere Investitionen genutzt werden kann. Dieser Zeitraum wird als Kapitalbindungsdauer bezeichnet.

Bei der Berechnung der Kapitalbindungsdauer muss unterschieden werden, ob die Vermögengenstände dem Unternehmen langfristig oder nur kurzfristig dienen sollen.

Die Kapitalbindung im Anlagevermögen

In dem betrieblichen Anlagevermögen weist ein Unternehmen die Vermögensgegenstände aus, die dem Betrieb langfristig (über ein Jahr) dienen sollen.

Beispiel

Ein Pkw, den der Geschäftsführer einer GmbH für betriebliche Zwecke nutzt, wird im Anlagevermögen ausgewiesen. Die Anschaffungskosten gehen über die Zeit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer als Abschreibung in die steuerliche Gewinnermittlung des Unternehmens ein. Laut den amtlichen AfA-Tabellen gilt für die Abschreibung eines betrieblichen Pkws eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 6 Jahren. Danach ist der Pkw vollständig abgeschrieben.

Dass der Pkw dem Unternehmen langfristig dienen soll und über die Zeit seiner betrieblichen Nutzung abgeschrieben wird, wirkt sich auch auf die Kapitalbindung aus. Die Kapitalbindungsdauer stimmt mit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer überein. In dem obigen Beispiel ist das Kapital für 6 Jahre in dem Unternehmen gebunden.

Das gebundene Kapital im Anlagevermögen hat insbesondere für Start-ups und Existenzgründern eine wichtige Bedeutung. Hier sind in der Regel noch nicht genügend liquide Mittel vorhanden, um hohes Kapital in einer Produktionsmaschine oder einem Pkw zu binden. Lesen Sie hier alles über Start-Ups.

Die Bindung im Umlaufvermögen

In dem Umlaufvermögen eines Unternehmens ist die Kapitalbindung naturgemäß sehr kurz.

Die Kapitalbindung im Umlaufvermögen entsteht zum größten Teil bei den Forderungen. Je höher der Forderungsbestand ist, desto höher ist auch die Kapitalbindung. Das Unternehmen kann mit den zwei folgenden Maßnahmen auf die Kapitalbindungsdauer im Umlaufvermögen einwirken:

  • Die Zahlungsziele für die Kunden werden z.B. von 14 Tagen auf 7 Tage heruntergesetzt.
  • Für die eigenen Verbindlichkeiten nutzt das Unternehmen die Zahlungsfrist voll aus.

Führt ein Unternehmen diese Regeln in dem Betrieb ein, verringert sich die Kapitalbindungsdauer.

Kapitalbindung muss auch im Lager einkalkuliert werden. Je länger ein Unternehmen Waren und Materialien in seinem Bestand hat, desto länger ist die Kapitalbindung. Eine Lösung für dieses Problem ist die Erhöhung der Lagerumschlagshäufigkeit. Dies bedeutet, dass die Waren und Materialien nicht so lange gelagert werden. Dies ist z.B. möglich, wenn ein Betrieb die Just-in-time-Produktion einführt. Hier wird das Material erst geliefert, wenn es im Produktionsprozess benötigt wird.

Die durchschnittliche Kapitalbindung als betriebswirtschaftliche Kennzahl

Die durchschnittliche Kapitalbindung (kurz: DKB) tritt nur bei den Vermögensgegenständen des abnutzbaren Anlagevermögens ein. Investiert das Unternehmen z.B. in ein Grundstück (nicht abnutzbares Anlagevermögen) oder wartet es auf die Bezahlung einer Rechnung, kann die DKB nicht ermittelt werden.

Kapitalbindung

Wie berechnet sich die Kapitalbindung?

Bei den Vermögensgegenständen des abnutzbaren Anlagevermögens (z.B. Produktionsmaschine, Fuhrpark oder Geschäftsausstattung) nutzt ein Unternehmen die durchschnittliche Kapitalbindung als betriebswirtschaftliche Kennzahl.

Zwei Faktoren wirken auf die Kapitalbindungsdauer ein. Dies sind die Abschreibungen auf den Vermögensgegenstand und die Umsatzerlöse, die man mit dem Vermögensgegenstand generieren kann.

Für die Ermittlung der durchschnittlichen Kapitalbindung wendet ein Unternehmen die folgende Formel an:

DKB = (RB + RE) / 2

RB steht für den Restwert, den die Investition zu Beginn des Jahres hat.

RE stellt den Restwert dar, den die Investition am Schluss des Geschäftsjahres hat.

Beispiel

Ein Unternehmen kauft eine gebrauchte Maschine für 15.000 Euro. Die Restnutzungsdauer beträgt zwei Jahre. Die Abschreibung beträgt demnach 7.500 Euro pro Jahr. Zum Ende des zweiten Geschäftsjahres ist die Maschine vollständig abgeschrieben.

Zum Schluss des ersten Geschäftsjahres hat die Maschine einen Restwert von 7.500 Euro.

Die durchschnittliche Kapitalbindung ermittelt sich wie folgt:

DKB (1. Jahr) = (15.000 Euro + 7.500 Euro) / 2 = 11.250 Euro

Für das zweite Geschäftsjahr ergibt sich die folgende Rechnung:

DKB (2. Jahr) = (7.500 Euro + 0 Euro) / 2 = 3.750 Euro.

Welche Folgen löst die Kapitalbindung aus?

Eine hohe Kapitalbindung ist für das Unternehmen mit negativen Folgen verbunden. Je länger das Unternehmen nicht über das Kapital verfügen kann, desto schwächer zeigt sich die Liquidität. Um weiter investieren zu können, ist das Unternehmen in diesem Fall auf die Aufnahme von Fremdkapital angewiesen. Dieser Schritt ist aber mit

Kapitalbindung

Wann benötigt das Unternehmen Fremdkapital?

weiteren Kosten (z.B. Fremdkapitalzinsen) verbunden.

Ein Unternehmen, das wirtschaftlich agieren möchte, kann daher nur daran interessiert sein, die Kapitalbindungsdauer so weit wie möglich zu minimieren und gebundenes Kapital so schnell wie möglich wieder frei zu setzen.

Eine Möglichkeit zur Kapitalfreisetzung besteht in der Verkürzung der Produktionsprozesse. Stellt das Unternehmen den Produktionsablauf so um, sodass man das Material erst liefert, wenn es im Herstellungsprozess vorgesehen ist, verringert es den Lagerbestand und damit auch die Kapitalbindung.

 

 

Make-or-buy – Eigen- oder Fremdfertigung

Make-or-buy bezeichnet die Entscheidungsfindung innerhalb von Unternehmen, ob ein bestimmtes Produkt im Fremdbezug(zugekauft) oder in Eigenanfertigung (selbst hergestellt) werden soll. Bei der Analyse von make-or-buy müssen einige Basisfaktoren, welche unter anderem die Wettbewerbsfähigkeit und Ausrichtung des Unternehmens betreffen, berücksichtigt werden.

Es handelt sich beim Entscheidungsprozess rund um das Make-or-buy nicht um eine reine Analyse der Wirtschaftlichkeit, denn es werden weitere Elemente miteinbezogen, zum Beispiel die Kosten (dieser Punkt auch insbesondere im Zusammenhang mit der Liquidität des Unternehmens), die objektiv prognostizierbare Qualität des Produktes, konkret damit verbundene Ziele und des weiteren Überlegungen, die das Firmenimage betreffen.

Make-or-buy zählt zu den strategischen Entscheidungen eines Unternehmens, die sich auf Vorleistungsgüter, Halbfertigteile, weitere Zwischenprodukte oder Dienstleistungen beziehen können.

Die Anlässe für eine Entscheidung über make-or-buy können auf der internen oder externen Ebene liegen. In der Fachliteratur findet man folgende Motive:

  • Einführung neue Produkte
  • der gestiegene Kostendruck
  • Steigerung der Flexibilität
  • Transfer von Risiken
  • Gründung eines neuen Unternehmens oder einer Tochterfirma
  • Starke Schwankungen in der internen Produktionsauslastung
  • Steigender Wettbewerbsdruck und Kundenanforderungen
  • Änderung der Kosten für den Fremdbezug beziehungsweise der Eigenanfertigung

Die wichtigsten Kriterien zur Entscheidungsfindung:

  • Zielbestimmung
  • Kostenanalyse
  • Zeitfaktor
  • Qualitätsmanagement
  • Chancen und die Risiken
  • Vorhandensein von Ressourcen

Die Zielbestimmung von make-or-buy

Make or buy

Was spricht für eine eigene Produktion?

Die erste Voraussetzung bei der Entscheidung über make-or-buy bildet eine transparente Formulierung der Ziele, die damit realisiert werden sollen. Bei der Zielvorgabe stehen diese und ähnliche Fragen im Vordergrund: Welche Punkte sollen übergeordnet eingestuft werden? Soll also der Fokus auf auf das Kerngeschäft gelegt werden oder mehr auf die Vorteile im Bereich der Kosten, die damit verbunden sind?

Die Kostenanalyse

Im zweiten Schritt werden die Fertigungs– beziehungsweise die Beschaffungskosten von make-or-buy miteinander verglichen. Die Berechnung der Kosten ist unter anderem auch abhängig von der Kapazitätsauslastung in Sachen Produktion des Unternehmens. Sollte zum Beispiel keine komplette Auslastung der Produktionskapazitäten vorliegen, wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit sinnvoll, die Entscheidung für „make“ zu treffen. Im umgekehrten Falle, wenn bereits Engpässe in der Produktion vorliegen, spricht es eher für ein „buy„, um keine Einbußen beim Gewinn zu riskieren.

Der Zeitfaktor bei make-or-buy

Welche Strategie ist temporär zielführender: make-or-buy? Ist die eigene Entwicklung und Produktion des Gutes schneller möglich als der Kauf des fertigen Fremdproduktes? In den meisten Fällen liegen die zeitlichen Vorteile beim Kauf. Ausnahmen von dieser Regel liegen bei längeren Liefer- und Transportzeiten und eventuellen Genehmigungsverfahren.

Das Qualitätsmanagement

Ist ein extern hergestelltes Produkt qualitativ besser? Oder besagen Erfahrungswerte, dass es eine begründete Kritik an der Qualität der fremdbezogenen Güter gibt? Im zweiten Falle wäre eine eigene Anfertigung im Sinne der Qualitätssicherung sinnvoll. Die Komplexität im Produktsortiment und in der Produktion in fast allen Industriesegmenten befindet sich seit Jahren auf einer steilen Wachstumskurve. Aus dieser Entwicklung ergeben sich immer höhere Anforderungen an das Qualitätsmanagement. Auch dieser Umstand beeinflusst die Kosten, sollte also in der Analyse des make-or-buy nicht nur im Punkt Qualitätsmanagement, sondern auch bei der Kostenanalyse berücksichtigt werden. Lesen Sie hier alles zum Qualitätsmanagement.

Die Chancen und die Risiken von make-or-buy

Make or buy

Ein Kauf kann viele Vorteile haben

Innerhalb der make-or-buy Analyse werden Chancen und Risiken objektiv bewertet. Zu den Chancen von Make gehören:

  • die Sicherung in der Materialversorgung
  • die schnellere Reaktion auf einen wechselhaften Markt
  • die Verhinderung der Abhängigkeit von Lieferanten und anderen Unternehmen
  • die einfachere Einhaltung von Betriebsgeheimnissen und speziellem Know-How
  • die Auslastung der vorhandenen Produktionskapazitäten

Die Chancen durch Buy liegen in:

  • der Vermeidung von Neuinvestitionen
  • der Erhöhung der Transparenz im Bereich der Kosten
  • den Vorteilen im personalwirtschaftlichen Segment
  • dem Zugriff auf den Spezialkompetenzen und dem Spezialwissen der Zulieferer
  • der Reduzierung des Risikos, welches sich auf die Fixkosten bezieht

Die Risiken von Buy können unter anderem in der Modifizierung des Leistungsumfangs, den Abhängigkeitseffekten, der eventuellen Kostensteigerung, Defiziten in der Leistung oder der Qualität, die Verminderung der Fertigungstiefe und dem Abgang von Know-How liegen. Die Risiken von Make können logistische Herausforderungen, mangelnde Selbstkostentransparenz und eine Entfernung von den Kernkompetenzen des Unternehmens betreffen. Aber auch die Anschaffung von neuen Produktionsanlagen kann ein Risiko darstellen, da es sich um einen höchst kostenintensiven Prozess handelt.

Das Vorhandensein von Ressourcen

Make or buy

Verfüge ich über alle notwendigen Ressourcen?

Eine sinnvolle Strategie in Sachen make-or-buy lässt sich nur treffen, wenn man die verfügbaren Ressourcen berücksichtigt. Die wichtigsten Ressourcen sind das Material, die Maschinen zur Produktion, der Raum zur Lagerung, eine belastbare Transportkette für den Einkauf der Rohstoffe, das Personal und das Know-How.

Operatives oder strategisches make-or-buy?

Unterschieden werden muss bei make-or-buy auch zwischen der operativen und strategischen Analyse. Die operative Version hat die kurzfristigen Vorteile im Kostenbereich in ihrem Fokus. Die strategische make-or-buy Analyse ist auf langfristige Entscheidungen konzentriert. Aus diesem Grund berücksichtigt man bei der gründlicheren strategischen Analyse im Bereich von make-or-buy nicht nur die harten Faktoren. Hier finden auch die weichen Faktoren, wie zum Beispiel das firmeninterne Know-How und dessen Entwicklung, oder die nicht messbare aber real existierende Eigenbestimmung eines Unternehmens, einen Platz. Gerade im Zuge der Verflachung von betrieblichen Hierarchien sollte man den weiche Faktor der Eigenbestimmtheit nicht unterschätzen. denn der Einfluss von Betriebsräten und des Personals gerade im oberen Segment wächst.

Wie findet man den perfekten Warenbestand?

Der Warenbestand repräsentiert den Lagerbestand an Roh-, Hilfs, und Betriebsstoffen. Unternehmen lagern Waren, um stets die benötigten Objekte zur Verfügung zu haben. Die Lagerung führt jedoch zu Kosten: Je mehr Waren das Unternehmen lagert, desto höher sind die Kosten. Ein zu geringer Lagerbestand wiederum resultiert im Risiko von Engpässen. Es stellt sich daher die Frage, wie Unternehmen den perfekte Warenbestand finden.

Zunächst sind die Erfassung der Warenbestände und die Bilanzierung der Lagerbestände notwendig.

Bilanz – wie sieht der Warenbestand bilanziell aus?

Für die Bilanz müssen die Warenbestände bewertet werden. In der Bilanz selbst stehen die Werte auf der Aktivseite. Sie gehören dem Umlaufvermögen an. Am Bilanzstichtag wird eine Inventur vorgenommen. Die Warenbestände müssen durch Bestandsaufnahme mengenmäßig erfasst werden. Selbst hergestellte Produkte werden mit ihren Herstellungskosten bewertet. RHB-Stoffe lassen sich durch ihre Anschaffungskosten bewerten. Warenbestände werden mit ihrem Einstandspreis erfasst. Wichtig ist, dass Niederstwertprinzip zu berücksichtigen: Der niedrigere Börsen- oder Marktpreis ist anzusetzen. Lesen Sie hier mehr zu RHB-Stoffen.

Lifo oder Fifo – Lagerbestände korrekt bewerten

Rohstoffe werden aufgrund von Preisschwankungen zu unterschiedlichen Preisen gekauft. Bei der Bewertung der Lagerbestände stellt sich die Frage, welche der vorhandenen Produkte verbraucht worden sind. Das Bilanzierungsrecht lässt zwei Vorgehensweisen zu: Lifo und Fifo.

Was ist Lifo?

Lifo ist die Abkürzung für Last in – First out. Die Unternehmen verbrauchen die Waren zuerst, die sie zuletzt angeschafft haben. Produkte, die zuletzt angeschafft worden sind, befinden sich in der Lagerhaltung vorne. Das Lifo Prinzip wird beispielsweise bei Schüttgütern angewandt. Neue Schüttmengen überlagern die alten Schüttmengen. Ein konkretes Beispiel ist ein Steinhaufen, bei welchem nur von außen nach innen Steine entnommen werden können. Bei verderblichen Waren ist Lifo nicht möglich, da zuerst die alten Produkte entnommen werden müssen.

Wie wirkt sich Lifo auf die Bilanzierung aus?

Bewertet man zum Bilanzierungsstichtag den Warenbestand, müssen die ältesten Waren preisliche Berücksichtigung finden. Die neu angekommenen Waren hingegen werden zuerst verbraucht. Die Bewertung bezieht sich zudem auf den Einstandspreis bei gekauften Produkten. Im Folgenden ist ein Beispiel dargestellt:

Wareneingänge:

Datum / Menge / Preis pro Einheit
1.2 / 100 / 5
2.2 / 100 / 6
5.2 / 50 / 4
10.2 / 50 / 5
12.2 / 100 / 4

Man tätigte im betrachteten Zeitraum fünf Einkäufe. Der Anfangswarenbestand betrug 0. Am 12.2 liegt ein Lagerbestand in Höhe von
100 + 100 + 50 + 50 + 100 = 400
vor.

Es werden folgende Entnahmen vorgenommen:

15.2 / 100
17.2 / 10

Für die erste Entnahme verendet man die Produkte, die am 12.2 gekauft worden sind. Für die zweite Entnahme sind die Produkte mit Einkaufsdatum 10.2 relevant.

Dadurch ergeben sich folgende Preise für die Entnahme:

15.2 / 100 / 4
17.2 / 10 / 5

Der neue Warenbestand beträgt
400 – 110 = 290
Der zu bilanzierende Wert am Stichtag 17.2 beträgt:

1.2 / 100 / 5
2.2 / 100 / 6
5.2 / 50 / 4
10.2 / (50 – 10 = 40) / 5

Bilanzwert des Warenbestands:
100 * 5 + 100 * 6 + 50 * 4 + 40 * 5 =
500 + 600 + 200 + 200 = 1.500

Was ist Fifo?

Das zweite zulässige Verfahren zur Bilanzierung von Warenbeständen ist Fifo. Der Ausdruck ist die Abkürzung für First in – First out. Waren, die man zuerst angeschafft hat, müssen zuerst verbraucht werden. Ein Anwendungsbeispiel sind verderbliche Waren. Ältere Waren verbraucht man zuerst, neue Waren warten.

Wie wirkt sich die Anwendung von Fifo auf die Bilanzierung aus?

Bewertet man zum Bilanzierungsstichtag den Warenbestand, müssen die neuesten Waren der preislichen Berücksichtigung unterliegen. Die zuerst angekommenen Waren hingegen verbraucht man zuerst. Im Folgenden ist ein Beispiel dargestellt:

Wareneingänge:

Datum / Menge / Preis pro Einheit
1.3 / 100 / 5
20.3 / 100 / 6
25.3 / 50 / 4
30.3 / 50 / 5

Im betrachteten Zeitraum tätigte man vier Einkäufe. Am 30.3 liegt – ausgehend vom Anfangsbestand 0 – ein Lagerbestand in Höhe von

100 + 100 + 50 + 50 = 300
vor.

Es werden folgende Entnahmen vorgenommen:

15.4 / 100
17.4 / 20

Für die erste Entnahme verwendet man die Produkte des 1.3. Für die zweite Entnahme sind die Produkte mit Einkaufsdatum 20.3 relevant.

Dadurch ergeben sich folgende Preise für die Entnahme:

15.4 / 100 / 5
17.4 / 10 / 6

Der neue Warenbestand beträgt
300 – 120 = 180
Der zu bilanzierende Wert am Stichtag 17.4 beträgt:

20.3 / 80 / 6
25.3 / 50 / 4
30.3 / 50 / 5

Bilanzwert des Warenbestands:
50 * 5 + 50 * 4 + 80 * 6 =
250 + 200 + 480 = 450 + 480 = 930

Wie kann ich Veränderungen im Warenbestand erfassen?

Ein Inventory Management dient der Erfassung von Veränderungen im Warenbestand. Gemeint ist zumeist ein Warenwirtschaftssystem, welches Schnittstellen zu anderen Unternehmensbereichen verfügen kann. Die Software verfügt unter anderem über ein Wareneingangsmodul und ein Warenausgangsmodul.

Die Optimierung des Warenbestands

Voraussetzung zur Optimierung des Warenbestands ist die lückenlose Erfassung der Lagerbestände. Das Unternehmen sammelt Daten aus den abgelaufenen Perioden, um Prognosen über den zu erwartenden Bedarf zu erstellen. Ausgehend von diesen Prognosen bestimmt das Unternehmen die zu bestellende Mengen, woraus sich wiederum die Höhe des Warenbestands ergibt.

Eine weitere Methode ist Folgende: Das Unternehmen definiert für die einzelnen Warengruppen Lageruntergrenzen. Sobald der Lagerbestand diese Untergrenze unterscheidet, bestellt die Beschaffung neue Waren. Die Bestellmenge ist die Differenz aus dem definierten Maximalbestand und der aktuell vorhandenen Menge.

Was versteht man unter Liquiditätskennzahlen?

Mit den Liquiditätskennzahlen erfasst man das Verhältnis der flüssigen Mittel zu den finanziellen Verpflichtungen eines Unternehmens.  Es wird also überprüft, wie viel Geld das Unternehmen zur Verfügung hat und wie es um dessen kurzfristig zu bedienende Schulden bestellt ist, um im nächsten Schritt beide Werte miteinander in Beziehung zu setzen. Dass es hierbei nicht nur eine Kennzahl, sondern mehrere Liquiditätskennzahlen gibt, ist dem Umstand geschuldet, dass sich bei den liquiden Mitteln eines Unternehmens unterschiedliche Werte mit einbezogen lassen. Drei Liquiditäten stehen zur Wahl:

  • Barliquidität
  • Einzugsliquidität
  • Warenliquidität

Barliquidität

Bei der Barliquidität handelt es sich um den Liquiditätsgrad 1, auch cash ratio genannt. Bei diesem setzt man die dem Unternehmen zur Verfügung stehenden liquiden Mittel mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Beziehung. Zu den liquiden Mitteln zählen dabei folgende Werte:

  • Kassenbestand
  • Bankguthaben
  • Wechsel (diskontfähige Besitzwechsel)
  • Börsenfähige Wertpapiere (wenn diese Teil des Umlaufvermögens sind)

Auf der anderen Seite stehen die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Hierunter fallen alle Verbindlichkeiten, deren Laufzeit ein Jahr oder weniger beträgt. Neben zu zahlenden Rechnungen und kurzfristigen Krediten zählen hierzu auch langfristige Darlehen, die innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt der Betrachtung der Rückzahlung unterliegen. Hierbei ist zu beachten, dass die meisten digitalen Buchhaltungsprogramme in diesem Zusammenhang lediglich Verbindlichkeiten erfassen, die innerhalb der nächsten 90 Tage fällig sind.

Unter den Liquiditätskennzahlen ist die Barliquidität von besonderer Bedeutung. Anhand dieser lässt sich überprüfen, in welchem Maße ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten kurzfristig bedient. Wie bei den anderen

Liquidität

Welche Form haben die Verbindlichkeiten?

Liquiditätskennzahlen auch, drückt sich dieser Wert in Prozent aus. Dies bedeutet, dass bei der Barliquidität im Mittelpunkt steht, wie viel Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten sich durch liquide Mittel sofort tilgen ließen. Hierzu teilt man die liquiden Mittel durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten und multipliziert den erhaltenen Wert mit hundert. Lesen Sie hier alles zu Verbindlichkeiten.

Hierbei gilt ein Wert zwischen 25 und 30 Prozent als gerade noch akzeptabel. Ab einer Stufe von 45 Prozent gilt die Liquidität als gut. Der allgemein anerkannte Optimalwert liegt bei 80 Prozent. Liegt die Barliquidität darüber, geht man davon aus, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht in rentabler Weise eingesetzt werden. In der Praxis befindet sich der entsprechende Wert in den meisten Unternehmen bei etwa 60 Prozent. Bei dieser Stufe ist es meist problemlos möglich, kurzfristige liquide Engpässe durch Kontokorrentkredite zu überbrücken.

Einzugsliquidität

Im Rahmen der Liquiditätskennzahlen bildet die Einzugsliquidität oder Quick Ratio den Liquiditätsgrad 2. Auf dieser Stufe werden zu den liquiden Mitteln die kurzfristig fällig werdenden Außenstände hinzu gerechnet. Nach Addition dieser Werte erfolgt wiederum die Division durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

In diesem Rahmen spielt der Wert von 100 Prozent eine zentrale Rolle. Liegt die Einzugsliquidität eines Unternehmens deutlich unterhalb dieses Wertes, bedeutet das, dass das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen aktuell nicht nachkommen kann. Idealerweise halten sich beide Positionen die Waage, was einen Wert von 100 Prozent ergibt. Liegt der Wert oberhalb von 100 Prozent, ist dies in der Regel ein Indiz für

Liquidität

Wann liegt totes Kapital vor?

totes Kapital, weil das Unternehmen ihre Mittel nicht zur Generierung weiterer Umsätze verwendet, sondern als Guthaben in den Büchern stehen.

Bei Werten unterhalb von 100 Prozent bestehen im Unternehmen Liquiditätsprobleme. Diese können unterschiedliche Ursachen haben. So kann es etwa sein, dass Rechnungen mit zu langen Zahlungszielen bestehen. Bei zu geringer Einzugsliquidität sollte man diese entsprechend verkürzen. Gleichzeitig können die eigenen Zahlungsfristen bei Lieferanten zu gering bemessen sein. Diese sollten einer Anpassung unterliegen. Es kann aber auch ein Problem in der Preiskalkulation vorliegen, weil das Unternehmen für seine Produkte keinen dem eigentlichen Aufwand entsprechenden Preis verlangt.

Warenliquidität

Die dritte der zentralen Liquiditätskennzahlen ist die so genannten Warenliquidität. Diese bezeichnet man auch als Current Ratio. Sie bildet die Liquidität dritten Grades. In diesem Rahmen folgt bei der Betrachtung der Liquidität des Unternehmens auch die Berücksichtigung die Vorräte des Unternehmens. Noch nicht verkaufte Waren sind mit einem deutlich höheren Risiko behaftet als die Werte, die bei den anderen beiden Liquidätskennzahlen vorherrschen. Natürlich kann es immer dazu kommen, dass der Wert von Aktienpaketen oder anderen Wertpapieren kurzfristig einbricht oder dass sich Außenstände nicht vollständig realisieren lassen. Bei bisher nicht verkauften Waren ist das entsprechende Risiko jedoch deutlich höher.

Anders als bei den anderen beiden Liquiditätskennzahlen sollte der Wert bei der Warenliquidität immer oberhalb von 100 Prozent liegen. Auch in diesem Fall sollte man diesen Wert nicht unbegrenzt übersteigen, weil dies einen Hinweis auf zu geringe Rentabilität darstellt. Bei einem Abrutschen unter 100 droht jedoch schnell ein Liquiditätsengpass, weil sich selbst bei Verkauf sämtlicher Waren eine finanzielle Lücke ergibt. Ein Rückgriff auf das Anlagevermögen des Unternehmens ist dann so gut wie unausweichlich. Ist solches Vermögen nicht in

Liquidität

Vorsicht vor einer Insolvenz!

ausreichender Menge vorhanden, droht bei Unterschreitung des Wertes von 100 Prozent die Insolvenz.

Bedeutung der Liquiditätskennzahlen

Neben der internen Bewertung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens haben dessen Liquiditätskennzahlen auch großen Einfluss darauf, wie hoch die Chancen auf neue Darlehen stehen. Kredite zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen werden regelmäßig nur gewährt, wenn eine entsprechende Kreditwürdigkeit vorliegt. Sinken die die Liquiditätskennzahlen deutlich unterhalb der oben beschriebenen Werte, ziehen Kreditinstitute meist schnell die Reißleine, sofern kein ausreichendes Anlagevermögen vorhanden ist, das noch nicht als Sicherheit für andere Verbindlichkeiten dient.

Was ist eigentlich Skonto?

Bei dem sogenannten Skonto handelt es sich um einen Preisnachlass, der dem Kunden vom Unternehmen oder Lieferanten gewährt wird, sofern dieser den Rechnungsbetrag innerhalb eines festgelegten Zeitraums begleicht. Der Skonto wird durch einen Zusatz auf der Rechnung ausgewiesen, z.B. „2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen“. Zahlt der Kunde innerhalb von 14 Tagen, darf er in diesem Fall zwei Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen. Zahlt er erst später, so ist der volle Betrag in Netto zu entrichten.

Sofern der Skonto vom Kunden nicht gezogen wird – dieser also eine längere Zahlungsfrist in Anspruch nimmt – spricht man auch von einem sogenannten Lieferantenkredit. Der Kunde zahlt dem Lieferanten durch den entgangenen Skonto sozusagen Zinsen für die verlängerte Zahlungsfrist.

Was ist der Unterschied zwischen Skonto und Rabatt?

Sowohl ein Skonto als auch ein Rabatt stellt einen Preisnachlass auf einen bestimmten Rechnungsbetrag dar. Die Berechnungsgrundlage ist jedoch eine völlig andere. Während der Rabatt anhand der gekauften Menge ermittelt wird (z.B. 5% Preisnachlass ab 50 Stück), ist der Skonto lediglich an den Zeitraum der Zahlung gebunden. Man spricht daher auch von

  • mengenbedingtem Preisnachlass = Rabatt
  • zeitbedingtem Preisnachlass = Skonto

Der Skonto ist eine gängige Methode, um den Käufer dazu anzuregen, die Rechnung frühzeitig zu begleichen. Für den Lieferanten bedeutet dies unter Umständen eine bessere Liquidität.

Welche Arten von Skonto gibt es?

Beim Skonto unterscheidet man zwischen dem Kundenskonto und dem Lieferantenskonto.

Der Kundenskonto

Skonto

Wer hat Vorteile vom Kundenskonto?

Der Kundenskonto wird von einem Unternehmen gegenüber seinen Kunden gewährt. Das Unternehmen verringert dadurch die Gefahr eines Zahlungsausfalls und vermeidet gegebenenfalls Mahnungen. Für das Unternehmen ist der Kundenskonto allerdings Bestandteil der Kosten, d.h., wenn der Kunde den Skonto zieht, reduzieren sich die Umsatzerlöse des Unternehmens. In der Praxis ist der Kundenskonto aber oft ein weitergereichter Lieferantenskonto. Lesen Sie hier alles zu Umsatzerlösen.

Der Lieferantenskonto

Beim Lieferantenskonto – auch Lieferskonto genannt – handelt es sich um einen Preisnachlass, den der Lieferant gegenüber einem Unternehmen gewährt. Auch hierbei ist das Ziel des Lieferanten immer die frühzeitige Rechnungsbegleichung – das Unternehmen profitiert seinerseits, indem es die Anschaffungskosten durch Ziehen eines Lieferskontos reduzieren kann.
Bei der Kalkulation der Preise ist der Lieferantenskonto bereits miteingerechnet, sodass für den Lieferanten keinerlei Nachteile entstehen.

Höhe des Skontos: Wie viel Prozent darf ich verlangen bzw. gewähren?

Grundsätzlich können die Skontosätze vom Lieferanten bzw. vom Unternehmen frei gewählt werden. Sie werden dem Kunden durch einen einfachen Zusatz auf der Rechnung oder im Angebot mitgeteilt.
In der Praxis werden für konstante Skonti üblicherweise 2-3% angesetzt, gestaffelte Skonti liegen meist zwischen 2 und 5 %.

Konstanter Skontosatz

Ein konstanter Skontosatz ist sozusagen die „einfache“ Variante: Sofern der Zahlungspflichtige innerhalb des vereinbarten Zeitraums (in der Regel 14 Tage) bezahlt, wird ihm der in der Rechnung festgelegte Preisnachlass gewährt.

Beispiel für einen konstanten Skontosatz:
„Zahlung 14 Tage 3 % Skonto, 30 Tage netto.“

Gestaffelter Skontosatz

Bei einem gestaffelten Skontosatz besteht eine Vereinbarung mehrerer Zahlungszeiträume mit unterschiedlichen Preisnachlässen. Für gewöhnlich gilt hierbei: Je schneller der Kunde zahlt, desto höher fällt der Skontosatz aus.

Beispiel für einen gestaffelten Skontosatz:
„Zahlbar innerhalb von 10 Tagen mit 5% Skonto oder 11. – 20. Tag mit 3% Skonto oder 21. – 30. Tag netto.“

Welche Vorteile ergeben sich durch die Gewährung eines Skontos?

Im sogenannten Skontokreislauf interagieren Lieferanten, Unternehmen und Kunden miteinander. In der Regel profitieren alle drei Parteien von der Gewährung eines Skontos.

Der Lieferant

Skonto

Skonto bringt nicht nur Vorteile

Der Lieferant veranschlagt einen höheren Warenpreis, um seinen Unternehmen Skonti gewähren zu können. Sofern das Unternehmen die Rechnung frühzeitig begleicht, verkauft der Lieferant seine Ware also zum ursprünglich kalkulierten Preis. Für den Lieferanten bedeutet die Skontengewährung eine Verringerung des Ausfallrisikos. Vor allem für Lieferanten, die nur wenige Unternehmen mit großen Mengen beliefern, können Zahlungsverzögerungen schnell zu Liquiditätsengpässen führen, die im schlimmsten Fall langfristig in eine Insolvenz münden können.

Das Unternehmen

Für das Unternehmen, das einen Lieferskonto gewährt bekommt, verringern sich durch Ziehen des Skontos die Anschaffungskosten. Bei regelmäßigen Lieferungen kann sich dadurch ein erheblicher Preisvorteil für das Unternehmen ergeben. Gewährt das Unternehmen seinerseits einen Kundenskonto, hat es davon die gleichen Vorteile wie auch der Lieferant: Verringertes Ausfallrisiko und weniger Mahnverfahren.

Der Kunde

Der Kunde darf sich über den gewährten Preisnachlass freuen. Betrachtet man den Skontoabzug in Hinblick auf die vergleichsweise kurze Zeitspanne, ist der Lieferantenkredit sehr teuer. Es lohnt sich also in jedem Fall, den Skonto zu ziehen. Bei großen Beträgen kann es sich unter Umständen sogar lohnen, ein Bankdarlehen aufzunehmen, um den Skontoabzug einlösen zu können. Das funktioniert selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, dass der Zahlungspflichtige zum vereinbarten Zahlungsziel liquide ist. In der Praxis macht eine solche Handhabe lediglich für gewerbliche Kunden Sinn, da die Rechnungsbeträge von Privatkunden vergleichsweise gering ausfallen.

Wie erfolgt die Berechnung des Skontos?

Die Berechnung des Skontos ist denkbar einfach. Sie multiplizieren den Rechnungsbetrag (bzw. die Skontobasis) mit dem Skontosatz und teilen das Ergebnis anschließend durch 100.

Neben dem individuell vereinbarten Skontosatz hängt die korrekte Berechnung vor allem auch von der Berechnungsgrundlage ab. Daneben stellt sich natürlich die Frage, ob man den Brutto- oder den Nettobetrag zur Berechnung heranziehen sollte.

Die Berechnungsgrundlage

Teilweise wird als Berechnungsgrundlage, auch Skontobasis genannt, nicht die gesamte Rechnungssumme

Skonto

Wie erfolgt die Berechnung genau?

veranschlagt, sondern lediglich der Anteil, der auf Materialkosten zurückzuführen ist. Diese Handhabe ist heutzutage vor allem im Handwerk noch üblich. Entgegen der weitverbreiteten Annahme handelt es sich dabei jedoch nicht um eine gesetzliche Grundlage, sondern lediglich um eine traditionelle Vorgabe.
Sofern man nicht den gesamte Rechnungsbetrag als Berechnungsgrundlage ansetzt, muss dies auf der Rechnung deutlich vermerkt sein.

Brutto oder Netto?

Grundsätzlich setzt man zur Berechnung des Skontos immer den Brutto-Rechnungsbetrag an. Bei Gewährung eines Skontos verringert sich also neben dem Nettobetrag auch die Umsatzsteuer. Für Unternehmer besteht der Preisvorteil eines gezogenen Lieferantenskontos allerdings nur im Nettoanteil. Die eingesparte Umsatzsteuer wirkt sich lediglich als durchlaufender Posten aus und ist damit über eine gewisse Zeitspanne betrachtet unerheblich.

Was ist totes Kapital?

Der fast jedem Menschen bekannte Fehlkauf ist die häufigste Ursache für totes Kapital im Privatbereich. Falsche Kaufentscheidungen sind allerdings bis in die größtmöglichen Wirtschaftseinheiten wie in Konglomeraten und Konzernen bekannt und verbreitet. In allen Fällen ist gleich, dass sie eingesetztes Kapital ungenutzt lassen. Eine andere Methode, Geld auszugeben und es keiner Wertschöpfung zuzuführen, sind laufende Kosten ohne Sinnhaftigkeit.

Beginnend bei Reibungsverlusten und dem berüchtigten „Schwund“ schränken Fehlausgaben als totes Kapital die Liquidität ein und reduzieren Renditen. In einfacher Sprache etwas verkürzt ausgedrückt entsteht totes Kapital an jeder Stelle, an der unangemessen viel oder sinnlos Geld ausgegeben wird. Diese Mittel wurden an anderer Stelle erwirtschaftet. Die falsche Verwendung macht die Einnahmen aus aktiver Mehrwertschöpfung bestenfalls zu stagnierenden Bilanzwerten. In den meisten Fällen müssen sie allerdings als konkrete Verluste gebucht werden, auch, wenn sie nicht so heißen. Laufende Kosten, die um das doppelte höher sind, als realer Bedarf erfordert, vernichten diese überzahlte Hälfte ohne Gegenwert. Die große Schwierigkeit ist das Erkennen der detaillierten Verlustsegmente in allen Geschäftsebenen und Bereichen. Daher ist ein optimiertes Controlling der natürliche Gegenspieler des toten Kapitals.

Wieso ist totes Kapital für Unternehmen nicht brauchbar?

Das Kapital wirkt vor allem auf zwei Arten direkt auf das Unternehmen ein. In Form ungenutzter Ressourcen schmälert es direkt die Rendite. Entstehende Überzahlungen bei inadäquater Gegenleistung und Wertschöpfung sind unterm Strich schlicht sinnlose und überflüssige Betriebsausgaben. Hinzu kommen Sekundäreffekte, die

Totes Kapital

Kein Unternehmen freut sich über totes Kapital

oft bei totem Kapital übersehen werden. Außer Betrieb befindliche Anlagen und Maschinen kosten Platz. Meist müssen sie mindestens Instand gehalten werden, um Standschäden zu vermeiden. Ganz besonders augenfällig wird dieses Phänomen bei teilweise stillgelegten Fuhrparks. Schlimmstenfalls entstehen sogar noch zusätzliche Kosten, um totes Kapital zu „unterhalten“. Lesen Sie hier alles zu Fuhrparks.

Das können Treibstoffe sein, um Motoren temporäre Laufzeiten zu geben. Typisch sind auch Platzmieten und blockierte Räumlichkeiten, die mit finanziellem Aufwand woanders geschaffen werden. Totes Kapital macht sich nicht nur in Bilanzen und Rentabilitätsrechnungen bemerkbar. Sie kostet permanent Liquidität, die durch alternative und meist teure Beschaffung wie Kredite erhalten und gesichert wird. Alterung ist ein weiteres Problem, das entsteht. Das tote Kapital reduziert sich durch den reinen ZeitenlaufMarktkonformität nimmt ab und Bilanz- oder Wiederverkaufswert sinken ohne Abschreibungsdynamik. Das bedeutet für produzierende Unternehmen Blei im Regal.

Konsequenzen aus totem Kapital

Fast immer, wenn abgekoppeltes Kapital vorhanden ist und wächst, ist eine Abkoppelung und Reduzierung von Effizienz zwangsläufige Begleiterscheinung. Finanzielle Mittel sind mindestens gebunden oder erzeugen Zusatzkosten, die Ertragssituation und wirtschaftliche Situation eines Unternehmens erheblich in Schieflage bringen können. In der Gewinn- und-Verlustrechnung muss man jeden Verlust von einem Gewinn kontern. Es entstehen Gegenbuchungen. Diese führen zum „Wildern“ aus anderen Ertrags- und Unternehmensbereichen, wenn totes Kapital existiert. So kann in ökonomisch angespannter Situation und anspruchsvoller Marktlage das fehlende mitarbeitende Kapital zu vermindertem Personalbedarf führen.

Hier entsteht ein ungesunder Kreislauf. Das Personal muss die Lücken, die totes Kapital reißt, zuerst stopfen und verlieren in der Folge eventuell ihren Arbeitsplatz. Reichlich indirekt scheint sich sparsames Wirtschaften auf das Kapital zu beziehen. Das Gegenteil ist der Fall. Wer sich den „Luxus“ von totem Kapital gönnt, muss an anderer Stelle mit Sparen anfangen. Der Wert schöpfende Teil des Unternehmens wird beschnitten und totes Kapital, so es denn könnte, würde über diese Kurzsicht kichern. Paradoxerweise wird Optimierung in den meisten Unternehmen zuerst auf diesen Wert schöpfenden Betriebsbereich fokussiert.

Typische Beispiele für totes Kapital

Es gibt viele klassische Beispiele, wie das Kapital entsteht. Im privaten Haushalt ist es oft der reichhaltig bestückte Kleiderschrank. Viele in ihm aufbewahrte Kleidung trägt niemand mehr. Der Anschaffungspreis, aus dem wertgeschöpften Einkommen erwirtschaftet, findet sein buchhalterisches „Grab“ im Fehlkauf. Im betrieblichen Bereich taucht totes Kapital in sehr unterschiedlichen Formen auf. Ein und wahrscheinlich der Klassiker sind abgestellte und ausrangierte Anlagen und Maschinen. Hier entsteht ein unproduktives Anlagevermögen, das nach Abschreibung nur noch abnehmende Mittel bindet. Aber auch noch im Betrieb befindliche Installationen schaffen durch nicht optimierte Auslastung und technische Voraussetzung totes Kapital.

Totes Kapital

Wie wirken sich Wartungsarbeiten aufs Kapital aus?

Leerlauf im Nutzungsprozess schafft keinen Wert. Das Rückverdienen von Investitionen verlängert und verzögert sich. Ein typischer Weg, totes Kapital zu schaffen, besteht in ineffizienten und überdimensionierten Instandhaltungs– und Wartungsarbeiten. Wenn man nicht den exakten Aufwand ermittelt, garantiert man die maximal mögliche Auslastung. Es entwickelt sich in einer Art „viel hilft viel“ Überbetreuung und Überkapazität, die Geld und Zeit kosten. Das letzte Beispiel betrifft die Lagerhaltung von Ersatzteilen und Produkten. Zu hoher Lagerbestand schafft temporär „ausgesetztes“ Kapital. Die Lagerhaltung von Ersatzteilen muss logistisch und technisch dem Bedarf so exakt angepasst sein, dass permanente Versorgung sichergestellt ist. Sehr ähnlich verhält es sich mit den Dreh- und Umschlagzeiten bei Waren. Ein zu großes Warenlager bindet Kapital, das man an anderer Stelle wertschöpfend einsetzen könnte.

Vermeidungsstrategien

Kontrollinstrumente für die Betriebsabläufe optimieren nicht nur die Prozesse. Sie arbeiten gleichzeitig als Detektive auf der Spur, das tote Kapital zu lokalisieren und zu eliminieren. Totes Kapital verbirgt sich hinter nicht gemessenen Abläufen, Warenwirtschaftssystemen mit Schwächen in den Parametern und unproduktive Arbeit durch Ablauf- und Planungsfehler. Oft gilt Kontrolle in erster Linie als Gängelung, aber in den meisten innerbetrieblichen Organigrammen steht die Wertschöpfungskette im Mittelpunkt der Erfassungsziele.

Totes Kapital

Die Wertschöpfungskette im Mittelpunkt

Neben straffen und transparenten Analysen, Auswertungen und Anpassungen ist einer der großen Gegenspieler für die Vermeidung toten Kapitals der sprichwörtliche „alte Zopf“. Alte und treue Anlagen und Maschinen sollen ihren verdienten „Ruhestand“ genießen und werden unter das romantische, aber vollkommen unökonomische Können wir bestimmt noch einmal irgendwann gebrauchen“ gestellt. Aufwendungen für kontrollierende und transparente Strukturen sind gegen die möglichen Verluste von totem Kapital zu stellen.

Was versteht man unter dem Produktlebenszyklus?

Beim Produktlebenszyklus handelt es sich um ein Konzept aus der BWL. Es beschreibt die Lebenszeit eines Produktes (typischerweise Konsumgüter) in Phasen von seiner Einführung auf dem Markt bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich keine Gewinne mehr erwirtschaften lassen. Die Einteilung in eine Phase lässt sich anhand der Entwicklung des Absatzes, Umsatzes oder Gewinns im Vergleich zu einem vorher definierten Zeitraum festlegen. Je nachdem, in welcher Phase sich ein Produkt gerade befindet, empfehlen sich für Unternehmen unterschiedliche begleitende Maßnahmen.

Insgesamt unterscheidet man beim Produktlebenszyklus zwischen fünf verschiedenen Phasen. Jede Phase hat ihre eigenen Besonderheiten und Merkmale, die nicht nur allein aus dem Umsatz resultieren.

Einführungsphase

Die Einführungsphase ist die erste Phase im Produktlebenszyklus und beschreibt die Markteinführung des Produktes. In dieser Phase werden noch keine Gewinne erzielt, da es zunächst einmal darum geht, das Produkt auf dem Markt bekannt zu machen. Aus diesem Grund fallen in der Einführungsphase kostenintensive Marketingmaßnahmen an. Diese übersteigen zunächst die Umsätze, wobei die Verluste mit wachsenden Verkaufszahlen immer weiter sinken.

Welche Marketingmaßnahmen konkret notwendig sind, hängt von dem jeweiligen Produkt ab. So kann es beispielsweise sein, dass eine generelle Vorstellung nicht ausreicht und das Produkt und seine Funktionsweise den potenziellen Kunden erklärt werden müssen. Die Einführungsphase endet, sobald der Break-Even-Punkt erreicht ist und die Erlöse die Ausgaben decken. Viele Produkte erreichen diesen Punkt jedoch nicht und scheitern bereits frühzeitig aus vielfältigen Gründen.

Wachstumsphase

Produktlebenszyklus

Das Produkt startet durch

Ist die Wachstumsphase im Produktlebenszyklus erreicht, beginnt ein Unternehmen, Gewinne zu erzielen. Immer mehr Kunden entdecken das Produkt, was dazu führt, dass Marktvolumen und Umsätze steigen oder zumindest konstant bleiben. Es werden neue Zielgruppen erschlossen und schlechtere oder veraltete Vorprodukte verdrängt.

Die Ausgaben für das Marketing bleiben allerdings auch in dieser Phase hoch, da es weiterhin von Bedeutung ist, die Bekanntheit des Gutes zu erhöhen. Dies führt jedoch auch dazu, dass Konkurrenten auf das Produkt aufmerksam werden und erste Wettbewerber mit eigenen Angeboten in den Markt einsteigen. Trotzdem können Unternehmen aufgrund des generellen Wachstum des Marktes weiterhin ein Absatz- und Umsatzwachstum verbuchen. Sobald dies jedoch nicht mehr der Fall ist, endet die Wachstumsphase.

Reifephase

Die Reifephase ist in vielen Fällen die längste Phase in einem Produktlebenszyklus. Diese ist erreicht, sobald das Produkt keine überdurchschnittlichen Absatzraten mehr erzielt. In dieser Phase sind die Gewinne oft am größten, da die Ausgaben für Marketingmaßnahmen zurückgefahren werden können. Marketing bleibt jedoch immer noch ein wichtiger Faktor, da der Konkurrenzkampf in der Reifephase wächst. Marktanteile lassen sich meist nur durch Kundenabwerbung erhöhen. Entsprechend geht es bei den Maßnahmen sowohl darum, Abwanderungen der Kunden zu Wettbewerbern zu verhindern als auch selbst neue Kunden von den Vorteilen des eigenen Produktes im Vergleich zur Konkurrenz zu überzeugen.

Sättigungsphase

In der Sättigungsphase im Produktlebenszyklus beginnt der Rückgang der Umsätze und damit verbunden auch der Gewinne. Der Markt hat endgültig seine maximale Größe erreicht und wächst nicht mehr weiter. Nun wird auch der Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen immer härter. Es beginnt ein Verdrängungswettbewerb, bei dem

Produktlebenszyklus

Wie geht es meinem Produkt nun?

Unternehmen versuchen, die Kosten für das eigene Produkt möglichst zu drücken. Daher steht nun verstärkt der Preiskampf zwischen den Wettbewerbern im Mittelpunkt. Wer möglichst kostengünstig produziert, kann sein Produkt günstiger als die Konkurrenz anbieten und so immer noch Gewinne erwirtschaften. Unternehmen, die den Preiskampf verlieren, fahren dagegen schnell Verluste ein und werden bald vom Markt verdrängt.

Degenerationsphase

Die Degenerationsphase wird auch als Rückgangsphase bezeichnet und beschreibt den letzten Abschnitt in einem Produktlebenszyklus. Ist diese Phase erreicht, beginnen Gewinne und Umsätze zunehmend zu schwinden und auch Marketingmaßnahmen sind nicht mehr in der Lage, diesen Rückgang zu kompensieren.

Die Degenerationsphase kündigt sich in der Regel im Vorfeld an und bietet Unternehmen so die Möglichkeit, sich auf diesen Punkt vorzubereiten. Möglichkeiten sind zum Beispiel Weiterentwicklungen oder ein Nachfolgemodell. Auch ein Relaunch mit neuen oder verbesserten Funktionen kann noch einmal zu einer Rekonsolidierungsphase führen. In diesem Falle versucht man, praktisch einen neuen Produktlebenszyklus zu starten. Alternativ werden die Umsätze und Absätze immer weiter sinken, bis das Produkt schließlich vom Markt verschwunden ist. Lesen Sie hier alles zum Thema Relaunch.

Der klassische Produktlebenszyklus wurde im Laufe der Zeit auf verschiedene Arten angepasst und weiterentwickelt. Die bekanntesten Varianten stammen von der Boston Consulting Group, McKinsey & Company und Arthur D. Little.

Produktlebenszyklus von Boston Consulting Group

Das Konzept der Boston Consulting Group arbeitet mit der sogenannten BCG-Matrix. Hier werden Produkte auf Basis ihres existierenden Marktwachstums und des relativen Marktanteils in Hinblick auf ihr Potenzial eingeteilt. Aufgrund dieser Tatsache bevorzugen viele Unternehmen das Modell bei der Bewertung ihrer Produkte.

Anhand der beiden Faktoren können Produkte in vier verschiedene Gruppen eingeteilt werden, die den Phasen des Produktlebenszyklus ähneln. Die vier Gruppen sind:

  • Questionmarks (hohes Marktwachstum, geringer Marktanteil)
  • Stars (hohes Marktwachstum, hoher Marktanteil)
  • Cash Cows (niedriges Marktwachstum, hoher Marktanteil)
  • Poor Doogs (niedriges Marktwachstum, hoher Marktanteil)

Produktlebenszyklus von McKinsey

Das Modell von McKinsey arbeitet ebenfalls mit einer Matrix, allerdings umfasst diese neun Felder. Als Basis für die beiden Dimensionen dienen die Marktattraktivität (mit Punkten wie MarktwachstumMarktqualität oder Umweltsituation) und die relativen Wettbewerbsvorteile (mit Punkten wie relative Marktposition, relatives Produktionspotenzial oder relatives F&E-Potenzial). Anhand dieser beiden Bewertungspunkte können neun verschiedene Handlungsempfehlungen beziehungsweise Strategien für ein Produkt abgeleitet werden.

Produktlebenszyklus

Ein neues Produkt weist viele Aspekte auf

Sind beispielsweise die Marktattraktivität und die relativen Wettbewerbsvorteile sehr hoch, sollten sich Unternehmen darauf konzentrieren, ihre Position auf dem Markt zu verteidigen. Besteht dagegen nur eine hohe Marktattraktivität, während der relative Marktanteil sehr niedrig ist, dann empfiehlt die Portfolio-Matrix eine Spezialisierung auf einige Stärken, um zu versuchen, Wachstum zu generieren.

Produktlebenszyklus von Arthur D. Little

Das Modell von Arthur D. Little setzt ähnlich wie die BCG-Matrix auf die relative Marktposition als eine seiner Dimensionen. Die zweite Dimension in der Matrix ist der Stand des Produktes im Produktlebenszyklus. Anhand dieser beiden Aspekte können Unternehmen auch mit diesem Modell Handlungsweisungen für ihre aktuelle Produktsituation herleiten.

Die Empfehlungen in dem Modell von Arthur D. Little gehen dabei von drei verschiedenen Grundannahmen aus. Demnach sind alle Änderungen der Preise und ihre Ursachen voneinander unabhängig. Zudem bildet der Preis alle Informationen des Marktes komplett ab und bei den Kursschwankungen liegt eine Normalverteilung vor. In der Realität hat sich allerdings gezeigt, dass diese Annahmen nicht notwendigerweise richtig sind.