Wertorientierte Unternehmensführung – Definition und Kennzahlen

In früheren Zeiten spielte der Umsatz, den ein Unternehmen im Laufe eines Geschäftsjahres erzielte, eine tragende Rolle, um dessen Wert feststellen zu können. Heute bedarf es mehr, damit eine Unternehmensführung wertorientiert ist. Zum einen misst das Unternehmen seinen Wert an traditionellen und neuen Steuerungskennzahlen. Zum anderen legen die Betriebe heute zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und die Berücksichtigung sozialer Aspekte.

Welche Kennzahlen unterstützen eine wertorientierte Unternehmensführung?

Damit ein Unternehmen sich möglichst wertorientiert führt, setzt die Geschäftsleitung traditionelle und neuere Steuerungskennzahlen ein. Traditionelle Kennzahlen sind der Return on Investment (ROI) und der Return on Equity (ROE).

Return on Investment (ROI)

Der Return on Investment – zu Deutsch Kapitalrentabilität – ergibt sich durch Multiplikation der Umsatzrentabilität mit dem Kapitalumschlag.

Wertorientierung

Zeit ist Geld!

Bei der Ermittlung der Umsatzrentabilität setzt das Unternehmen den erzielten Jahresüberschuss in ein prozentuales Verhältnis zum erwirtschafteten Umsatz. Die Kapitalumschlagshäufigkeit gibt an, wie oft das für Investitionen verwendete Kapital über den Umsatz umgeschlagen wurde.

Die Unternehmensführung ermittelt mit dieser Kennzahl, wie rentabel sich Investitionen auf den Unternehmenserfolg auswirken. Sie lässt sich auch anwenden, wenn das Unternehmen wissen möchte, wie effizient eine einzelne Investition ist.

Der Return on Investment gehört allerdings nicht zu den Kennzahlen, die die Unternehmen in der Praxis am häufigsten für die Ermittlung des Unternehmenswertes anwenden, weil dem Zeitfaktor eine zu geringe Beachtung geschenkt wird.

Return on Equity (ROE)

Die Führung eines Unternehmens ist deshalb an dem Return on Equity interessiert, weil es hiermit das Kapital analysiert, das die Anteilseigner selbst in das Unternehmen eingebracht haben. Mit der Berechnung erhält das Unternehmen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Aufnahme von Fremdkapital.

Der Return on Equity – auch als Eigenkapitalrendite bekannt – ermittelt sich durch das prozentuale Verhältnis des Reingewinns zum in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapital. Handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Aktiengesellschaft muss die Führung des Unternehmens darauf achten, dass der Reingewinn vor der Ermittlung um die Dividendenauszahlungen an die Aktionäre gekürzt wird. Mit der Kennzahl erfahren die Aktionäre, welche Rendite sie mit ihrer Investition in die Aktiengesellschaft erhalten.

Die wichtigsten Steuerungskennzahlen

Zu den neuen Steuerungszahlen einer wertorientierten Unternehmensführung – diese wenden die Unternehmen in der Praxis häufiger an – zählen die folgenden Kennzahlen:

  • Economic Value added (EVA)
  • Cash Value added (CVA)
  • Cashflow Return on Investment (CFROI)

Economic Value added (EVA)

Mit dem Economic Value added berechnet die Unternehmensführung den sogenannten Übergewinn, den es in einer bestimmten Geschäftsperiode erzielt hat. Hiermit ist die Wertsteigerung des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr gemeint. Hat sich der Wert des Unternehmens verschlechtert, ergibt sich ein negativer Übergewinn.

Kennzahlen für die Ermittlung des EVA sind der Nettogewinn nach Abzug der Ertragsteuern (NOPAT), das investierte Kapital (NOA) und die sogenannten gewichteten Kapitalkosten (WACC). Für die Berechnung wendet das Unternehmen die folgende Formel an:

Mehr zum Thema:
ROI (Return on Invest)

EVA = NOPAT – (NOA x WACC)

Ergibt sich bei der Berechnung eine Rendite, die über den Kapitalkosten liegt, konnte das Unternehmen seinen Wert im Vergleich zum Vorjahr steigern.

Cash Value added (CVA)

Das Cash Value added ist ein Analyseverfahren, bei dem die Unternehmensführung untersucht, wie sich das in den

Wertorientierung

Wie gebunden ist das Kapital?

Investitionen steckende Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt entwickelt. Negativ wirkt es sich besonders aus, wenn das Unternehmen eine hohe Kapitalbindung feststellt. Eine hohe Kapitalbindung bedeutet, dass dieses Kapital dem Unternehmen nicht für weitere Investitionen zur Verfügung steht. Damit schwächt das Unternehmen seine eigene Liquidität.

 

Cashflow Return on Investment (CFROI)

Der Cashflow Return on Investment ist eine Kennzahl, bei dem die Unternehmensführung die Unternehmenszahlen der Vergangenheit im Blick hat. Die Ermittlung des Cashflow Return on Investment bezieht sich auf die Vermögensgegenstände, die ein Unternehmen unter dem Posten Sachanlagevermögen in der Bilanz ausweist.

Zur Berechnung muss das Unternehmen Informationen über die folgenden Kennzahlen haben:

  • Brutto-Cashflow
  • Bruttoinvestitionsbasis
  • Nicht abschreibbare Aktiva
  • Nutzungsdauer

Die Bruttoinvestitionsbasis bilden die historischen Anschaffungskosten der Anlagegüter. Mit einer entsprechenden Verzinsung ermittelt das Unternehmen den Brutto-Cashflow. Zu den nicht abschreibbaren Aktiva rechnet z. B. ein unbebautes Grundstück. Die Nutzungsdauer bezieht sich auf das Sachanlagevermögen und kann den amtlichen AfA-Tabellen entnommen werden. Lesen Sie hier alles zur AfA-Tabelle.

Worauf ist bei einer wertorientierten Unternehmensführung außerdem zu achten?

Die traditionellen Kennzahlen und die wichtigsten Steuerungskennzahlen besitzen im Rahmen einer wertorientierten Unternehmensanalyse immer noch einen hohen Stellenwert. Daneben spielen aber auch die Nachhaltigkeit und soziale Aspekte eine wichtige Rolle. Nachhaltig konzentriert sich ein Unternehmen, wenn es nicht die Gewinnmaximierung als einziges Ziel ausgibt. Hier achtet das Unternehmen darauf, dass es das Markenimage pflegt und einen Beitrag für den Umweltschutz leistet. Soziale Aspekte finden sich dadurch wieder, dass die Mitarbeiter als wertvolle Stütze des Unternehmens angesehen werden und die Geschäftsleitung deren Bedürfnisse entsprechend berücksichtigt.

Der Gewinn – keine geeignete Kennzahl für eine wertorientierte Unternehmensführung

Der Gewinn, den das Unternehmen am Jahresende ermittelt, eignet sich nicht, um den Wert eines Unternehmens festzustellen. Dies liegt daran, dass ein bilanzierendes Unternehmen bestimmte Bilanzierungsgrundsätze beachten muss und im Handelsrecht und im Steuerrecht abweichende Aktivierungswahlrechte in Anspruch nehmen kann.

Wertorientierung

Was beeinflusst den Gewinn?

So muss z. B. ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert im Steuerrecht über 15 Jahre abgeschrieben werden. Handelsrechtlich beträgt die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer dagegen nur zehn Jahre. Auf der anderen Seite bestehen auch Aktivierungsverbote. So darf ein Unternehmen z. B. einen selbstgeschaffenen Firmenwert nicht bilanzieren. Zu den selbstgeschaffenen Firmenwerten zählt z. B. der Kundenstamm, den ein Unternehmen sich aufgebaut hat.

Mehr zum Thema:
Umsatz oder Gewinn - worin liegt der Unterschied?

Durch diese Aktivierungswahlrecht und Aktivierungsverbote kann der Gewinn beeinflusst werden. Damit erfüllt der Gewinn aber nicht den Anspruch, den eine Kennzahl für eine wertorientierte Unternehmensführung haben sollte.